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www.autoservicepraxis.de Besuchen Sie Foyer Halle 4.1 FOY14 13. – 17.09.2016 Mit freundlicher Empfehlung B43 385 D 10,90 EURO 7-8.2016 SPRINGER AUTOMOTIVE MEDIA TITELTHEMA Automechanika: Neuigkeiten und Trends von morgen ELEKTROMOBILITÄT Noch ein steiniger Weg bis zum Durchbruch CLASSIC CARS Hebetechnik für Oldtimer-Profis GELD & KREDIT Werkstattausrüstung solide finanzieren TÜV SÜD-AKTUELL Wichtige Informationen zur HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie FRANKFURT 13. – 17. 9. 2016 Sie finden uns hier: Halle 4.0, Stand E51 NSK – OE-QUALITÄT IST UNSCHLAGBAR SEIT 100 JAHREN IN DER ERSTAUSRÜSTUNG – JETZT AUCH IN IHRER WERKSTATT NSK, einer der weltweit führenden Hersteller von Automobilkompo nen ten und Lenksystemen, verbindet 100 Jahre Erfolg mit einem absoluten Qualitätsanspruch. Auch für Ihr Business! info@nsk-autoaftermarket.com www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07/2016 1

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LEITARTIKEL Heute, morgen und übermorgen eine Frage: Die 24. Automechanika putzt ihre Festhalle für die zahlreichen Fach besucher heraus – und verwandelt das altehrwürdige, unter Denkmalschutz stehende Gebäude Mitte September und pünktlich zum Messestart in eine überdimensionierte Glaskugel. Im übertragenen Sinne, versteht sich. „Tomorrow’s Service & Mobility“ lautet der Name dieses Sonderformats. Wie sich Autobauer, Zulieferer und Start­ups das Übermorgen schon heute vorstellen, zeigen Produkte und Lösungen aus den Bereichen Connec tivity, alternative Antriebe, automatisiertes Fahren, Mobility Services und Smart Data Analytics. Alle mit zukunftsweisendem Anspruch. Auch junge Vorreiter und Pioniere sollen mit ihren kreativen und innovativen Ideen in der über 100 Jahre alten Halle eine Bühne finden. Schnelle Marktteilnehmer werden die Chancen der Digitalisierung zu nutzen wissen. Denn gute Ideen für das Morgen und Übermorgen sind gefragt. Schnelle Marktteilnehmer werden die Chancen der Digitalisierung zu nutzen wissen – und sich dadurch schlagkräftige Wettbewerbsvorteile sichern. Beispielsweise in puncto Prozesse und IT. Etwa wenn Autohersteller und ihre markengebundenen Händler endlich die Integration ihrer Dealer Management Systeme vorantreiben und die Komplexität der IT­Landschaften dadurch deutlich reduzieren. Dem Business­ und IT­Consulting­Unternehmen NTT Data zufolge wird sich der Aftersales aufgrund der geänderten Grund bedürfnisse der Kunden, der viel diskutierten Digitalisierung und den damit verbundenen Innovationen deutlich verändern. Schon allein der Wechsel vom Auto als Produkt hin zur Mobilität als Dienstleistung dürfte viele Fragen aufwerfen und spannende Herausforderungen bieten. Hier muss und wird der Servicebetrieb von morgen sein Plätzchen am Markt finden. Möglicherweise als Spezialist für eine bestimmte Nische, sprich anspruchvolle Fahrzeugtechnologien der Zukunft. Und die gibt es natürlich auch in Frankfurt am Main zu sehen. Viel Spaß beim Lesen und beim Automechanika­Besuch! Patrick Neumann, Koordinator asp AUTO SERVICE PRAXIS www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 3

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INHALT 14 Messevorschau Automechanika 2016 Spannende Neuheiten und trendige Zukunftsthemen auf der Automechanika in Frankfurt 30 Elektromobilität Noch ein steiniger Weg bis zum Durchbruch 41 Oldtimer sicher anheben Gefahren vermeiden – wir zeigen, wie es richtig geht TITEL 14 Automechanika 2016 Messeflair in der Mainmetropole 16 Messehighlights Prüfstände und Fahrwerkvermessung 20 ZF Aftermarket TRW und ZF: in Frankfurt als dynamisches Doppel 22 Bosch Lösungen für die vernetzte Werkstatt 24 WOW Group 360 Grad: Diagnose von allen Seiten 26 Werbas blue Webbasierte Werkstatt­ Management­Lösung 28 asp vor Ort Boxenstopp bei AUTO SERVICE PRAXIS AUTOMOBILTECHNIK 30 Technikserie, Teil 3 Elektromobilität: Sorgenfreie E­Zukunft? 32 Automobilzulieferer Antriebstechnologien und mehr von Magna AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 34 SUV-Vorstellungen Range Rover Evoque und Jeep Renegade 36 Audi-Duett Neuer Audi Q2 und Facelift des A3 38 Rückspiegel Display­Spiegel mit Bild der Rückfahrkamera 39 Produkte Neues aus den Bereichen Reifen, Motorenöl & Co. WERKSTATTTECHNIK 41 Hebetechnik Klassische Fahrzeuge sicher anheben 44 Geruchsbeseitigung Ozongeneratoren im Einsatz: Regeln und Tipps 46 Waschen Neue Hochdruck­Pistole von Kärcher 48 Produkte Neues aus den Bereichen Klimaservice, Adblue & Co. BETRIEBSPRAXIS 52 Finanzierung Neues Equipment solide finanziert 54 Engagement „Starthilfe“ für Jugendliche und junge Erwachsene 56 Interview Andreas Schmidt, Geschäftsführer Technik, A.T.U 58 Schadenmanagement Die Blue­Button­App von TÜV SÜD 60 Ladungssicherung Neue Studie zu Reibbeiwerten bei Autotransporten 62 Best Brands 2016 Sieger in der Sparte Teile­ Händler: Stahlgruber 64 Branchentreffen 5. AUTOHAUS/asp Servicekongress in Mainz 66 ZKF Karosseriebetriebe ärgern sich über Rechnungskürzungen RUBRIKEN 03 Leitartikel 06 Nachrichten 40 ASA-News 50 TÜV SÜD-Aktuell 66 Impressum Spezial: Freier Teilemarkt § 29 AUTO SERVICE PRAXIS veröffentlicht regelmäßig sämtliche im Verkehrsblatt abgedruckten Mitteilungen des Bundesministers für Verkehr, soweit diese für § 29 StVZO relevant sind. AUTO SERVICE PRAXIS-Abonnenten verfügen damit über die im Sinne der AU-Anerkennungsrichtlinie erforderlichen Informationen und sind somit vom Bezug des ansonsten vorgeschriebenen Verkehrsblattes befreit. 51 Manufaktur B26 In Schwäbisch­Gmünd eröffnete das neue Oldtimer Service­Center von TÜV SÜD. www.autoservicepraxis.de

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DER NEUE DER IDEALE BEGLEITER FÜR ALLE JAHRESZEITEN Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA · Michelinstraße 4 ·76185 Karlsruhe · Deutschland Bildrechte: Getty Images · F. Berrué · JM. Labat · P. Soissons · Stand: 08/2016 Verbesserte Leistung auf nassen Straßen (1) Verbesserte Leistung auf trockenen Straßen (2) Bis zu 3,5 m kürzerer Bremsweg (6) -3,5 m Ausgezeichnet für den Einsatz auf Schnee (3) (1) Eine Klasse besser (von C auf B) im Vergleich zu seinem Vorgänger KLEBER Quadraxer. (2) Im Vergleich zu seinem Vorgänger KLEBER Quadraxer. Interner Test in der Dimension 205/55 R16 91H, durchgeführt im Januar 2015. (3) 3 Peak Mountain Snow Flake (Schneeflockensymbol). Kennzeichnung für den Einsatz im Winter. M+S = Mud & Snow. Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Händler oder im Internet: www.kleber-reifen.de KLEBER denkt an Sie, Tag für Tag

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NACHRICHTEN BELEUCHTUNGSTECHNOLOGIE Wegweisendes Lichtdesign Osram hat als erstes Unternehmen die OLED-Beleuchtungstechnik (Organic Light Emitting Diode) in ein Serienfahrzeug gebracht. In den Heckleuchten des neuen BMW M4 GTS beanspruchen die fächerförmig angeordneten Leuchtdioden besonders wenig Raum und eröffnen bislang ungeahnte Design-Möglichkeiten, beispielsweise einen räumlichen Effekt. Die Wünsche der Lichtdesigner wurden Meistgeklickte Artikel im Juni und Juli 1. Opel: Kleines Problem, große Wirkung 2. Opel: Mokka mit Macke 3. VW-Konzern: Rückrufe kurz und bündig 4. Subaru: 50 Jahre Boxermotoren – alles in Balance 5. Mercedes-Benz: Baustellen bei B- und C- Klasse sowie Hybriden Meldung verpasst? Mit dem kostenlosen Newsletter von asp wäre das nicht passiert. Abo unter www.autoservicepraxis.de/newsletter. Frage der Woche (04. bis 10. Juli) Die digitale Dialogannahme soll das Aftersales-Geschäft ankurbeln. Stecken Sie bereits im E-Service? ■ Nein, damit haben wir uns noch nicht beschäftigt: 35 % ■ Nein, aber das Thema steht bei uns auf der Agenda: 24 % ■ Ja, aber wir stecken noch in der Erprobungsphase: 20 % ■ Ja, wir haben bereits gute Erfahrungen gemacht: 21 % AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 bei BMW durch die Aufteilung der OLED-Leuchtfläche in jeweils zwei frei geformte Segmente realisiert. Neben dem Design überzeugen die neuen Heckleuchten auch in Sachen Funktionalität: Mit insgesamt 15 OLEDs pro Leuchte und einer Helligkeit von 1.200 Candela pro Quadratmeter garantieren sie beste Sichtbarkeit im Straßenverkehr und übernehmen die volle Schlusslichtfunktion. aj ■ AFTERSALES-STUDIE Autoteilegroßhandel unter Druck Rund 70 Prozent der lokalen Teilegroßhändler erwarten, dass ihre Roherlöse in den nächsten fünf Jahren sinken werden. So lautet ein Ergebnis der Befragung des lokalen Autoteilegroßhandels in Deutschland, die das Beratungsunternehmen Wolk After Sales Experts im Frühjahr 2016 durchgeführt hat. Insbesondere bei den Verschleißteilen, mit denen die lokalen Teilegroßhändler aktuell rund drei KFZ-BRANCHE Gemeinsam stark Unter dem Motto „Mach mit! Starke Lösungen für die Branche“ haben sich unterschiedliche Kfz-Unternehmen und Vereine wie die Partslife GmbH, die Initiative „Qualität ist Mehrwert“ der TecAlliance GmbH, Teilen e.V. und der Verein Freier Ersatzteilemarkt e.V. (VREI) zusammengeschlossen. Auf einem gemeinsamen Messestand auf der Automechanika 2016 wollen sie durch die Kooperation mehr Werkstätten erreichen und in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden. Alle interessierten Messebesucher können sich in Halle 4.1 im Foyer über die Teilnehmer informieren und sich mit ihren Vertretern unterhalten. Darüber hinaus findet ein bunt gemischtes Programm statt: Unter anderem treten die Autodoktoren, bekannt durch den Fernsehsender Viertel ihres Umsatzes erzielen, erwarten rund 60 Prozent der Befragten zukünftig geringere Roherlöse. Der intensive Wettbewerb führe dazu, dass der Umsatzanteil mit freien Pkw-Werkstätten in den nächsten fünf Jahren um 2,4 Prozentpunkte sinken wird. Alle Ergebnisse der Befragung sind in der Studie „Zukünftige Herausforderungen an den lokalen Autoteilegroßhandel“ zu finden. aj ■ Vox, auf. Der Künstler Peter Maffay berichtet von der Arbeit seiner Stiftung für Kinder in Zusammenarbeit mit der Initiative Teilen e.V. Zwei Seifenkisten- Bausätze werden ebenfalls verlost. aj ■ Foto: VREI www.autoservicepraxis.de Foto: BMW

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www.volkswagen-nutzfahrzeuge.de/ecoprofi-team Stark im Preis. Stark im Job. Das EcoProfi-Team. Profitieren Sie von besonders günstigen Leasingraten. Und einem Preisvorteil von bis zu 3.000,– € 3 . Wer einen hohen Anspruch an seine Arbeit hat, braucht echte Profis. Mit dem EcoProfi-Team können Sie auf alle täglichen Herausforderungen reagieren – egal, wie vielfältig diese sind. Den Crafter EcoProfi, den Caddy EcoProfi und den Transporter EcoProfi gibt es in zahlreichen Modellvarianten und damit immer genau den richtigen für Sie. Ab jetzt erhalten Sie alle drei zu besonders günstigen Leasingkonditionen mit einem Preisvorteil von bis zu 3.000,− € 3 . Zusätzlich können Sie von der Inzahlungnahmeprämie und vielen weiteren Volkswagen Nutzfahrzeuge Services wie dem neuen mobilen Fuhrparkmanagement ConnectedVan (mehr Infos unter 0800 724 5059) oder der CarePort Wartung & Verschleiß-Aktion 4 profitieren. Sichern Sie sich jetzt alle Vorteile für ein starkes Team bei Ihrem Volkswagen Nutzfahrzeuge Partner. Inzahlungnahmeprämie für Ihr altes Fahrzeug bei Kauf, Finanzierung oder Leasing eines neuen Transporter und Caddy. Ausgenommen sind die Modelle Transporter Kastenwagen EcoProfi, kurzer Radstand, 2,0-l-TDI-Motor mit 62 kW und 5-Gang-Schaltgetriebe, sowie Caddy Kastenwagen EcoProfi, kurzer Radstand, 1,2-l-TSI-Motor mit 62 kW und 5-Gang- Schaltgetriebe. 2 Das Angebot für gewerbliche Einzelabnehmer (ohne Sonderabnehmer) gilt für den Caddy EcoProfi als Kastenwagen, 1,2-l-TSI-Motor mit 62 kW, den Transporter EcoProfi als Kastenwagen, 2,0-l-TDI-Motor mit 62 kW, und den Crafter EcoProfi 30 als Kastenwagen, kurzer Radstand, 2,0-l-TDI-Motor mit 80 kW. Gültig bis zum 31.12.2016 und für eine Laufzeit von 48 Monaten und 10.000 km Laufleistung pro Jahr, ohne Sonderzahlungen, zzgl. Überführungs- und Zulassungskosten und MwSt. Ein Angebot der Volkswagen Leasing GmbH, Gifhorner Straße 57, 38112 Braunschweig, in Zusammenarbeit mit Volkswagen Nutzfahrzeuge. Entsprechende Bonität vorausgesetzt. Das Angebot ist für Neu- und Vorführwagen (Zulassung max. 24 Monate, Fahrleistung max. 30.000 km) beim teilnehmenden Volkswagen Nutzfahrzeuge Partner erhältlich. Die Aktion ist in der Stückzahl begrenzt, bitte sprechen Sie Ihren Volkswagen Nutzfahrzeuge Partner an. 3 Max. Preisvorteil gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers für ein vergleichbar ausgestattetes Serienmodell, hier am Beispiel eines Crafter EcoProfi 30 Kastenwagen, kurzer Radstand, 2,0-l-TDI-Motor mit 80 kW. 4 Ein Angebot der Volkswagen Leasing GmbH, Braunschweig, für gewerbliche Einzelabnehmer (ohne Sonderabnehmer), nur in Verbindung mit einem Geschäftsfahrzeug Leasingvertrag der Volkswagen Leasing GmbH. Bonität vorausgesetzt. Die Aktion ist nur beim teilnehmenden Volkswagen Nutzfahrzeuge Partner erhältlich. Abbildung zeigt Sonderausstattung gegen Mehrpreis.

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NACHRICHTEN AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Marke Modell Produktionszeitraum BMW X3 September 2010 bis April 2016 X4 September 2010 bis April 2016 Citroën C1 September bis Oktober 2014 Ford Edge 09. Dezember 2015 bis 10. März 2016 Galaxy Mondeo S-Max 06. Oktober 2014 bis 08. Februar 2016 03. Mai 2014 bis 22. Dezember 2015 06. Oktober 2014 bis 08. Februar 2016 Honda Insight 06. Januar 2012 bis 28. November 2013 Land Rover Discovery Modelljahre 2015 bis 2016 Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug erkennbar an Schwingungen können Befestigungsbügel der keine Angabe keine Angabe keine Angabe Isofix-Kindersitzbefestigung beeinflussen/Bei starken Schwingungen können Bügel brechen/ Befestigungsbügel werden mit Metallwinkeln verstärkt. siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Bruch der Lenksäule möglich/Einschränkung der Lenkkontrolle bzw. Lenkausfall möglich/Bauteil ist auszutauschen. Softwarefehler im Steuergerät/Scheinwerfer können sich ausschalten/Überarbeitete Software muss aufgespielt werden. keine Angabe keine Angabe Überprüfung über Citroën- System keine Angabe keine Angabe keine Angabe siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Überdruck im Zünder des Fahrerairbags beim Unfall möglich/Metallpartikel können sich lösen und Insassen verletzen/Austausch des Fahrerairbag- Generators. Fehlerhafte Verklebung des Glasdaches/Glasdach kann in den Verkehrsraum fallen/Glasscheiben werden entfernt und neu eingeklebt. 78 6ZV Dokumentation im Wartungs- Informationssystem „MaRIS“ keine Angabe P076 Nachgearbeitete Fahrzeuge werden im JLR- Werkstattportal als nicht mehr betroffen angezeigt. Discovery Sport siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Discovery Sport Modelljahr 2016 Kraftstoffleitung unter der Motorhaube kann an der Unterseite der Motorabdeckung durchscheuern/Kraftstoffleckage möglich/Verkürzung der Halterungen der oberen Motorenabdeckung. Lexus Range Rover Range Rover Evoque Range Rover Evoque Range Rover Sport CT 200h (Hybrid- und Plug-in-Modelle) Modelljahre 2015 bis 2016 Fehlerhafte Verklebung des Glasdaches/Glasdach kann in den Verkehrsraum fallen/Glasscheiben werden entfernt und neu eingeklebt. siehe oben P085 keine Angabe siehe oben P076 Nachgearbeitete Fahrzeuge werden im JLR- Werkstattportal als nicht mehr betroffen angezeigt. siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Modelljahr 2016 Modelljahre 2015 bis 2016 Kraftstoffleitung unter der Motorhaube kann an der Unterseite der Motorabdeckung durchscheuern/Kraftstoffleckage möglich/Verkürzung der Halterungen der oberen Motorenabdeckung. Fehlerhafte Verklebung des Glasdaches/Glasdach kann in den Verkehrsraum fallen/Glasscheiben werden entfernt und neu eingeklebt. 2008 bis 2012 Schweißnaht beim Kopfairbag kann aufgehen und Airbag entfalten/Teile können beim Auslösen in den Innenraum gelangen/Zusätzliche Klammer soll Konstruktion fixieren. siehe oben P085 keine Angabe siehe oben P076 Nachgearbeitete Fahrzeuge werden im JLR- Werkstattportal als nicht mehr betroffen angezeigt. keine Angabe keine Angabe keine Angabe AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 www.autoservicepraxis.de

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Marke Modell Produktionszeitraum Mazda Mazda2 19.12.2012 bis 28.10.2014 Mercedes-Benz AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) CX-3 27.02. bis 02.12.2015 B-Klasse mit Easy-Vario-Sitz (SA-Code U57) Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug erkennbar an Schraubverbindung zwischen Achsschenkel und Stoßdämpfer kann sich lösen/Fahrzeug ist unter Umständen nicht mehr lenkbar/ Überprüfung des Anzugsdrehmoments und ggf. Austausch der Schrauben und Muttern 34 keine Angabe keine Angabe siehe oben 132 siehe oben siehe oben 2012 bis 2015 Hintere Schrauben der Fondsitzbank können einseitig fehlen/Beim Frontalaufprall besteht Verletzungsgefahr, da die Fahrzeuginsassen vor ungesichertem Gepäck nicht geschützt wären. Darüber hinaus wäre eine vorschriftsmäßige Gurtverankerung möglicherweise nicht gewährleistet/Überprüfung bzw. Nacharbeitung der Verschraubung der Fondsitzbank. C-Klasse 2013 bis 2015 Schraubverbund zwischen Hochdruckleitung und Hochdruckpumpe kann sich lösen/Möglicher Kraftstoffaustritt an Verbindungsstelle, Kraftstoff kann auf die Fahrbahn gelangen/Tausch der Hochdruckleitung. C-Klasse (BR 205), Hybrid- Fahrzeug GLC (BR 253), Hybrid-Fahrzeug M-Klasse (BR 166), Hybrid- Fahrzeug S-Klasse (BR 222), Hybrid- Fahrzeug SLK (BR 172) 300 keine Angabe keine Angabe keine Angabe siehe oben siehe oben 2015 Fehlfunktion bei Hochvolt-Onboardlader möglich/Fahrzeug kann während der Fahrt Aktivierung von P (Parken) anfordern/Tausch des Onboardladers. siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Januar bis März 2016 Nissan Juke (F15) 24.04.2014 bis 07.06.2016 Verschraubung der Spurstange am Radträger der Hinterachse mit fehlerhaften Muttern/ Lockere Verbindung kann zu einer Spuränderung und somit zu einem eigenständigen Mitlenken der Hinterachse führen/Tausch der Sicherungsmuttern. Hinterer Sauerstoffsensor kann ausfallen/ Störungen werden durch fehlerbehaftete Motorsteuerungssoftware nicht angezeigt/ Aufspielen eines Software-Updates des Motorsteuergerätes. siehe oben siehe oben siehe oben keine Angabe keine Angabe keine Angabe Pulsar (C13) siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Tiida (C11) 13. November 2007 bis 8. Januar 2014 Zu hoher Druck beim Auslösen des Fahrerairbags/ Airbag könnte reißen/Austausch des Fahrerairbag-Gasgenerators. 6.720 siehe oben siehe oben Qashqai (J11) 24.04.2014 bis 07.06.2016 Hinterer Sauerstoffsensor kann ausfallen/ Störungen werden durch fehlerbehaftete Motorsteuerungssoftware nicht angezeigt/ Aufspielen eines Software-Updates des Motorsteuergerätes. keine Angabe siehe oben siehe oben X-Trail (T32) siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Opel Insignia Modelljahr 2016 Keine korrekte Schraubverbindung zwischen keine Angabe keine Angabe keine Angabe Spurstangenkopf und Achsschenkel/Instabiles Fahrverhalten und Unlenkbarkeit möglich/Verbindungen von Stangenkopf und Achsschenkel sowie Gewinde am Spurstangenende müssen überprüft und ggf. ausgetauscht werden. Mokka Modelljahr 2015 und 2016 Dichtungen am ABS-Stecker wurden falsch montiert/Durch Wassereintritt besteht Kurzschlussund Brandgefahr/Dichtungen müssen überprüft, richtig positioniert und ggf. samt Stecker erneuert werden. 13.634 siehe oben siehe oben www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 9

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NACHRICHTEN AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Marke Modell Produktionszeitraum erkennbar an Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug Opel Zafira-C Modelljahr 2016 Keine korrekte Schraubverbindung zwischen Spurstangenkopf und Achsschenkel/Instabiles Fahrverhalten und Unlenkbarkeit möglich/Verbindungen von Stangenkopf und Achsschenkel sowie Gewinde am Spurstangenende müssen überprüft und ggf. ausgetauscht werden. keine Angabe keine Angabe keine Angabe Peugeot 108 September bis Oktober 2014 207 Juni 2009 bis Mai 2015 Renault Espace April 2015 bis 03.02.2016 Espace 5 bis 14.12.2015 (gefertigt in Douai) Espace 5 bis 18.09.2015 (gefertigt in Douai) Bruch der Lenksäule möglich/Einschränkung der Lenkkontrolle bzw. Lenkausfall möglich/Bauteil ist auszutauschen. Der zur Sitzheizung gehörende Kabelstrang erwärmt sich und entlädt in der Folge die Batterie/ Fahrzeug kann nicht mehr gestartet werden/Kontrolle der Kabelstränge und deren Modifizierung. Nicht konforme Halter der eingesetzten Bremsschlauch-Haltegummis verbaut, auch falsche Positionierung bzw. falscher Anzug des Kabelbinders möglich/Vorzeitiger Verschleiß des Schlauchs durch Scheuern an der Felge und am Reifen, Bremsflüssigkeitsverlust möglich, Bremspedalweg kann sich verlängern und die Bremswirkung nachlassen/Sichtprüfung bzw. ggf. Austausch der vorderen Bremsschläuche links und rechts, Kabelbinder durch neue ersetzen. Primärauftrag für Verklebung des Schiebedachs fehlt/Bewegliche oder feste Scheibe des Schiebedaches kann sich lösen und während der Fahrt verloren gehen/Tausch der Sicherungsmuttern. Werkseitige Fehleinstellung der Spur/Mögliches Verrutschen der Befestigung des unteren Querlenkers möglich, vorzeitiger, einseitiger Verschleiß der Vorderreifen/Spur einstellen und Befestigungsschraube des unteren Querlenkers gegen eine Schraube mit geringerem Reibungskoeffizienten austauschen. Espace 5 2015 Unzureichender Anzug des Massebands am Stromsensor/Motor kann ohne Vorwarnung ausgehen/Austausch des Massekabels. Espace 5 siehe oben Unzureichendes Anzugsdrehmoment des Massekabelstrangs des Zusatzheizwiderstands/Auftreten von Brandgeruch oder Rauch im Fahrgastraum möglich/Kontrolle des Anzugs des Massepunkts MAK im Bodenbereich vorne links und – sofern erforderlich – Herstellung der Konformität. Kadjar Kangoo II (X61) Langversion Juni 2015 bis einschließlich 04.06.2015 23.11. bis 27.11.2015 Scenic III 29.09. bis 14.10.2015 Unzureichender Halt des Kraftstoffeinfüllstutzens und der Windowbags/Im Fall eines Aufpralls kann Kraftstoff austreten, außerdem können sich beim Seitenaufprall Windowbags nicht konform entfalten/Kontrolle der Befestigung des Kraftstoffeinfüllstutzens und, sofern erforderlich, Wiederherstellung der Konformität. Zusätzlich wird eine Konformitätskontrolle der Windowbags durchgeführt, ggf. werden diese ausgetauscht. Befestigungsschraube der Gurtumlenkung wurde mit zu niedrigem Drehmoment angezogen/Gurtumlenkung kann sich lösen/Befestigungsschraube hinten links in der zweiten Reihe muss mit 21 Nm nachgezogen werden. Bruch des Rotors der Unterdruckpumpe möglich/ Stillstand der Unterdruckpumpe und Ausfall der Bremskraftunterstützung sowie Verlust der Motorleistung möglich/Pumpe muss überprüft und ggf. ausgetauscht werden. keine Angabe keine Angabe Überprüfung über Peugeot- System 30.000 siehe oben keine Angabe 2.984 keine Angabe Dokumentation im Renault- Intranet (ICM-System) 557 0C89 siehe oben 1.916 0C9R siehe oben keine Angabe 0CAP siehe oben 2.482 0C9Y siehe oben 131 0C3H siehe oben 14 0CAD siehe oben keine Angabe 0C68 siehe oben AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 www.autoservicepraxis.de

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Marke Modell Produktionszeitraum Renault Talisman 2015 Unzureichendes Anzugsdrehmoment des Massekabelstrangs des Zusatzheizwiderstands/ Auftreten von Brandgeruch oder Rauch im Fahrgastraum möglich/Kontrolle des Anzugs des Massepunkts MAK im Bodenbereich vorne links und – sofern erforderlich – Herstellung der Konformität. Talisman siehe oben Unzureichender Anzug des Massebands am Stromsensor/Motor kann ohne Vorwarnung ausgehen/Austausch des Massekabels. Talisman Januar 2016 bis 03.02.2016 Trafic III 29.09. bis 15.10.2015 Skoda Citigo 25.11.2015 bis einschließlich 14.04.2016 Nicht konforme Halter der eingesetzten Bremsschlauch-Haltegummis verbaut, auch falsche Positionierung bzw. falscher Anzug des Kabelbinders möglich/Vorzeitiger Verschleiß des Schlauchs durch Scheuern an der Felge und am Reifen, Bremsflüssigkeitsverlust möglich, Bremspedalweg kann sich verlängern und die Bremswirkung nachlassen/Sichtprüfung bzw. ggf. Austausch der vorderen Bremsschläuche links und rechts, Kabelbinder durch neue ersetzen. Bruch des Rotors der Unterdruckpumpe möglich/ Stillstand der Unterdruckpumpe und Ausfall der Bremskraftunterstützung sowie Verlust der Motorleistung möglich/Pumpe muss überprüft und ggf. ausgetauscht werden. Bauteilefehler in mechanischer Kindersicherung hinten/Kindersicherung kann sich durch Erschütterungen selbstständig deaktivieren und von innen geöffnet werden/Funktionsprüfung und ggf. Ersatz des Türschlosses. erkennbar an 51 0C9Y Dokumentation im Renault- Intranet (ICM-System) keine Angabe 0CAP siehe oben 264 keine Angabe siehe oben keine Angabe 0C68 siehe oben keine Angabe 58D2 Aufkleber in Reserveradmulde und Eintrag im Serviceplan Octavia siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Rapid siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Superb Combi mit Panorama- Schiebe-Ausstelldach Juni 2015 bis März 2016 Mögliche Überschreitung der gesetzlich geforderten Grenzwerte für die Kraftbegrenzung beim Schließen des Schiebedaches von außen mit dem Fahrzeugschlüssel/Quetschungen möglich/Deaktivierung der Funktion Komfort-Öffnen und -Schließen. Yeti 2015 Auslösen des Seitenairbags kann Gasgeneratorgehäuse beschädigen/Kleine Metallteile können sich vom Gehäuse lösen und mitgerissen werden/ Seitenairbag muss getauscht werden. Smart Fortwo April 2014 bis Oktober 2015 Subaru Impreza Oktober 2011 bis März 2012 Suzuki AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug Verriegelungskräfte der Serviceklappe entsprechen nicht den Entwicklungsspezifikationen/Bei hohen Windgeschwindigkeiten und starkem Wind kann sich Kunststoff-Serviceklappe vom Fahrzeug lösen/Tausch der Verriegelungshebel. Hohe elektrische Kapazität kann Insassenerkennungssystem des Beifahrersitzes stören/ Beifahrer-Airbag löst nicht aus/Ersatz des Steuergerätes des Sitzbelegungs- bzw. Insassenerkennungssystems des Beifahrersitzes. 2.475 97BV keine Angabe 226 69M3 Aufkleber in Reserveradmulde und Eintrag im Serviceplan keine Angabe keine Angabe keine Angabe keine Angabe SA 201603/04 Halter können sich bei Subaru oder Partner informieren, der Rückruf schon abgearbeitet wurde. XV siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Swift (Typ NZ, April 2010 bis Heizmatte der Sitzheizung kann verrutschen/Lokale Überhitzung mit Schmor- und Brandschaden 25.234 HUT9 keine Angabe technischer Modellcode AZG) möglich/Sitzheizungsmatten werden überprüft September 2015 und ggf. ausgetauscht. SX4 S-Cross 2013 bis 2016 Nicht ordnungsgemäße Ausführung der Nähte der Sitzbezüge im Bereich der Seitenairbags/ Seitenairbags können sich ggf. nicht richtig entfalten/Austausch der vorderen Rückenlehnen- Sitzbezüge. 13.315 HUT8 Vermerk im Garantie-System www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 11

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NACHRICHTEN START FREI FÜR UNSEREN WARM-UP-TALK! Wir laden Sie herzlich ein zu unserem Warm-up-Talk auf der Automechanika! Freuen Sie sich auf spannende Experten-Vorträge, bayerische Brotzeit und erfrischende Drinks. Erleben Sie Rennatmosphäre hautnah an unserem Rennsimulator. Sponsored by AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 AUTOMECHANIKA FRANKFURT 13.–17. SEPT. 2016 FOYER DER HALLE 4.1 STAND FOY 14 www.autoservicepraxis.de

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Warm-up-Talks finden statt: Di, 13.09. | 15:30 Uhr – 17:30 Uhr Schadenmanagement mit Ralph Sander, TÜV SÜD Mi, 14.09. | 15:30 Uhr – 17:30 Uhr: Kundenbeziehungsmanagement mit Axel Berger, CarGarantie Do, 15.09. | 10:00 Uhr – 12:00 Uhr: Reparatur-Finanzierung mit Marco Bentrup, Bank11 Interviewpartner: Ralph M. Meunzel und Patrick Neumann von AUTOHAUS autohaus.de/warmup und autoservicepraxis.de/warmup sind Marken von www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 13

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TITEL AUTOMECHANIKA 2016 Messeflair in der Mainmetropole Die 24. Ausgabe der Automechanika bietet den Besuchern wieder spannende Neuerungen – etwa in der Festhalle das trendige Thema „Tomorrow’s Service & Mobility“. Eine Messevorschau. Fotos/Grafik: Messe Frankfurt, Alexander Junk er die Tage seinen Messebesuch auf der Auto mechanika in Frankfurt am Main plant, sollte sich im Vorfeld zwei Fragen stellen: Möchte ich mich in der Main metropole in erster Linie über die Werkstatttrends von morgen informieren? Oder will ich mich inspirieren lassen, was in puncto Aftersales übermorgen, sprich in zehn Jahren, auf mich und die gesamte Branche zukommt? Denn mit dem Thema „Tomorrow’s Service & Mobility“ (siehe Infokasten rechts zum Webspecial), das der Veranstalter Messe Frankfurt erstmals in der Festhalle spielt, existiert diesmal ein selbsternannter Hotspot für Innovationen. Autobauer, deren Zulieferer und Start­ups zeigen hier vom 13. bis 17. September konkret, was sich hinter den viel diskutierten Schlagworten Connectivity, alternative Antriebe, automatisiertes Fahren, Mobility Services und Smart Data Analytics wirklich steckt. Nämlich live und in Farbe. Ferner bringt eine Sonderschau in der Festhalle den interessierten Fachbesuchern innovative Produkte näher – noch dazu frisch versehen und prämiert mit MESSE-FAKTEN Öffnungszeiten 13. bis 16.9.: 9:00 bis 18:00 Uhr 17.9.: 9:00 bis 17:00 Uhr Tageskarte Vorverkauf/Online-Ticket: Kassenverkauf: Ermäßigt: Dauerkarte Vorverkauf/Online-Ticket: Kassenverkauf: Tageskarte zum Wochenende* Vorverkauf/Online-Ticket und Kassenverkauf: 28 Euro 38 Euro 11 Euro 49 Euro 62 Euro 17 Euro Website http://automechanika.messefrankfurt.com * Gültig am 16.9. von 13:00 bis 18:00 Uhr oder am 17.9. von 9:00 bis 17:00 Uhr dem begehrten Automechanika Innovation Award. Übrigens reisten bei der 2014er­ Ausgabe vor zwei Jahren rund 140.000 Besucher aus 173 Ländern an den Main. Traditionell die erste Anlaufstelle für viele Messegäste: der Ausstellungsbereich Repair & Maintenance, historisch gesehen die Keimzelle für das folgende Wachstum der renommierten Fachmesse für Werkstattausrüstung und Service seit der Gründung 1971. Werkstatt-Eldorado Doch auch in den Hallen 8 und 9 gibt es mit der 24. Automechanika Neues. Dem Veranstalter zufolge trägt die Fachmesse dem gewachsenen Bedarf nach Produkten und Services für Klimaanlagen, Prüfsystemen und konzeptioneller Unterstützung in der Werkstatt mit einer neuen Schwerpunktsetzung in den beiden Hallen Rechnung. So fokussiere man das Angebot in diesem Jahr auf das stark gewachsene An­ AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 www.autoservicepraxis.de

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FACHBESUCHER NACH WIRTSCHAFTSZWEIGEN WEBSPECIAL ZUR MESSE 34 % Handel 10 % andere 39 % Werkstatt /Tankstelle 12 % Industrie Dienstleistungen Wer informiert sich in Frankfurt am Main über Werkstattausrüstung, Digital Solutions & Co.? Vor zwei Jahren zählten zwei Drittel der Fachbesucher zur Handels- respektive Werkstatt-/Tankstellen-Fraktion. Die Automechanika 2016 widmet der Zukunft der Branche in der Festhalle eine Sonderschau. Als Medienpartner präsentiert asp AUTO SERVICE PRAXIS die vier Kapitel – „Werkstatt von morgen“ „Alternative Antriebe“, „Vernetzte Mobilität“, und „Werkstoffe der Zukunft“ – sowie das Vortragsprogramm mit den wichtigsten Themen und Ausstellern. Wer wissen will, ob der Servicebetrieb zum Operationssaal mutiert oder warum neue Materialien die Werkstattmitarbeiter herausfordern, der sollte sich durch das Digitorial klicken. Das Morgen auf den Punkt gebracht – von asp und der Automechanika. www.autoservicepraxis.de gebot für Produkte und Dienstleistungen namhafter und etablierter Anbieter, hieß es aus Frankfurt. Will heißen: Sowohl die mittelständisch geprägten Werkstattausrüster als auch Global Player aus dem Ersatzteilbereich, die spezielle Systemlösungen für Servicebetriebe in petto haben, treten hier zum Schaulaufen an. Etwa der PSA­Konzern mit seiner neuen Marke Euro Repar Car Service. Interessant: Offenbar haben verstärkt auch Aussteller ihr Kommen angekündigt, die Produkte rund um den Reifenservice herstellen. An der Car Wash City führt in diesem Jahr – im wahrsten Sinne des Wortes – kein Weg vorbei. Neu von den Messeplanern auf dem Frankfurter Freigelände F10/F11 positioniert, liege sie direkt im Besucherstrom, betonte kürzlich Olaf Mußhoff. „Hier kommt keiner dran vorbei“, erklärte der Director Automechanika Frankfurt auf der anberaumten Vorabpressekonferenz im Juni. Neben den Branchenschwergewichten Christ, Istobal, Kärcher und WashTec mit ihren Neu heiten findet ein umfangreiches Seminarpro­ AUTO SERVICE MEISTER 2016 Am 15. September weiß die Kfz-Branche, wer beim Wissenswettbewerb Auto Service Meister 2016 die Preise im Gesamtwert von 15.000 Euro und den begehrten Pokal für die beste Meisterschüler- Klasse abräumen konnte. Denn dann steht die diesjährige Preisverleihung im Kalender – traditionell am Messestand von ZF. Neugierige und Fans des Wettbewerbs sollten sich also um 13:30 Uhr in Halle 3, Stand A91 einfinden. Neben den Siegern werden es sich ebenfalls wieder hochkarätige Branchenvertreter nicht nehmen lassen, an der kurzweiligen Verleihung teilzunehmen. Eine Wertschätzung auch für unsere Heros, so das Wettbewerbsmotto in diesem Jahr, die sich bravourös durch die vier – neuerdings – monothematischen Fragebögen kämpften. Die Belohnung: 3.000 Euro für den ersten Platz, 1.500 Euro beziehungsweise 1.000 Euro für die Plätze zwei und drei. Wer wohl den glücklichen Siegern aus dem vergangenen Jahr folgt? Wer sich wie Bernd Schenk (2015: 1. Platz), Maxim Buchholz (2015: 2. Platz) und Sascha Blocher (2015. 3. Platz) bald Auto Service Meister nennen darf? Mehr dazu gibt es auf der Automechanika in Frankfurt am Main Mitte September – und natürlich im Internet unter www.autoservicepraxis.de. Der Auto Service Meister ist eine Initiative von ZF, MAHA, Shell und asp AUTO SERVICE PRAXIS – unterstützt von AUTOHAUS. gramm statt. Eine Waschanlage als Frequenzbringer für den eigenen Kfz­Betrieb? Auch darauf lassen sich in Hessen bestimmt Antworten finden. Fokus auf Schadenmanagement Wie vor zwei Jahren, rückt die Automechanika auch diesmal wieder das Thema Schadenmanagement in den Fokus. Heimat der Lack­ und Karosseriebranche ist die Halle 11. Auch der 2014 seine Premiere feiernde Schadentalk, eigenen Angaben zufolge die besucherstärkste Veranstaltung im Rahmen des 2014er­Vortragsprogramms, darf natürlich nicht fehlen. Er findet im Portalhaus statt, direkt an der Halle 11 und somit nah dran an der geballten Schadenkompetenz. Ein Novum: die Schadenstraße – hier präsentieren 14 Werkstattausrüster, Lackhersteller und Dienstleister Lösungen für die Prozess optimierung. „Wir freuen uns über die Erweiterung des erfolgreichen Veranstaltungskonzeptes in diesem Jahr“, sagte Olaf Mußhoff. „Damit stärken wir die Automechanika als Treffpunkt für Betriebe und Entscheider aus dem Unfallschadenmarkt und zeigen Lösungen auf für eine Prozess optimierung in der Werkstatt.“ Eine Neuheit heben sich die Messemacher noch für 2018 auf: Dann nämlich öffnet die Leitmesse Reifen als Co­located Show in Frankfurt am Main ihre Pforten. Es bleibt also spannend. Patrick Neumann ■ News rund um die Messe finden Sie im Netz auf autoservicepraxis.de. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 15

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TITEL VERMESSUNG UND PRÜFSTÄNDE Messe-Highlights Die Automechanika ist die Plattform, um Neuigkeiten zu präsentieren – wir geben einen ersten Ausblick, was die Besucher im Bereich Prüfstände und Fahrwerkvermessung erwartet. ür autop und die Stenhoj Holding ist es die erste Messe unter der neuen gemeinsamen Marke Autopstenhoj. Denn zum ersten Juli wurden die beiden Unternehmen zusammengeführt. Ganz neu ist seitdem der Bereich Prüftechnik, bisher als eigenständige Firma Sherpa bekannt. Die neue Marke sowie die Produkterweiterung um die Sparte Bremsenprüftechnik stehe daher im Mittel­ KURZFASSUNG Ob Scheinwerfer-Einstellplatz, Bremsenprüfstandsrichtlinie, die Kalibrierung der Sensoren von Fahrerassistenzsystemen oder vernetzte Geräte – diese Themen beschäftigen die Werkstatt und stehen auch auf der Automechanika im Fokus. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Anbindungen, eine patentierte Energiezufuhr sowie zwei autarke Hubeinheiten und stabile Zylindereinheiten aus, erklärt der Hersteller. Auch im Bereich Prüftechnik möchte man „marktführender Lieferant sein“ und „für jede Anwendung und jeden Fahrzeugpark den richtigen Prüfstand“ bereitstellen. Das Produktportfolio umfasst daher Lösungen vom Standalone­Gerät bis zur vernetzten Prüfstraße, welche Werkstätten und Prüforganisationen bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen sollen. Auf dem Messestand können sich Interessierte einen Rollenbremsprüfstand in einer PC­ Version aus nächster Nähe ansehen. Dieser ist mit Zubehör wie eine Hub­Senkschwelle, PC­Anbindung über Bluetooth und EDOS (Easy Drive Out System) ausgestatpunkt des Messeauftritts, so das Unternehmen. Besucher sollen an Stand G 96 in Halle 8, aber auch in der Festhalle 2, Stand C 59 einen Ausblick in die Zukunft der Bereiche Hebe­ und Prüftechnik erhalten. Für die Werkstatt von morgen Autopstenhoj stellt beispielsweise eine Vier­Stempel­Hebebühne mit patentierter Luftzuführung für den Achsheber aus sowie unter dem Stichwort „die Werkstatt von morgen“ die Hochpräzisions­Vier­ Stempel­Hebebühne Quattrolift mit Achsvermessungsgerät und speziellen Schiebeplatten. Denn bei Autopstenhoj weiß man: Eine moderne Werkstatt muss den Anforderungen der mehr und mehr technisierten Fahrzeuge gerecht werden. So zeichnet sich diese Bühne durch entsprechende www.autoservicepraxis.de Fotos: autop, Beissbarth, MAHA, Haweka, Hunter, Koch Achsemessanlagen, AHS Schneider

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Verfügt über zwei separate Hubeinheiten: die Quattrolift von Autopstenhoj. Die neue LTB 300 von Beissbarth: Fahrwerkvermessung, Scheinwerferprüfung und FAS-Justage auf einen Streich. Premiere: Die weiterentwickelte MTB 1000 von MAHA ist jetzt modular aufgebaut. tet. Wie die patentierte Ausfahrhilfe EDOS genau funktioniert, wird anhand eines Videos gezeigt. Auf Wachstumskurs MAHA Maschinenbau Haldenwang verfügt seit Kurzem nicht nur über eine neue Pulverbeschichtungsanlage – die größte Investition in der Unternehmensgeschichte –, sondern hat auch in Sachen Hebetechnik und Prüfstände wieder viele Neuigkeiten in petto. Die elektromechanisch angetriebene Zwei­Säulen­Hebebühne Mapower II wird zur Messe nach oben um zwei Modelle erweitert, die jetzt bis zu 4,5 Tonnen oder bis zu 5,5 Tonnen heben. Die echte Neuheit, die auf der Automechanika Premiere feiert, ist aber die neue elektrohydraulische Version der Mapower II. Sie kommt in verschiedenen Tragfähigkeitsklassen von 3,5 bis 7,5 oder 8,5 Tonnen (für den US­Markt) daher. Besonderes Highlight: In einer Ausbaustufe verfügt die Mapower­II­Familie über eine WLAN­ Anbindung. Damit werde die Hebebühne in die Lage versetzt, bei Bedarf selbstständig oder nach Aufforderung durch den Anwender via Internet direkt mit der Servicedienststelle zu kommunizieren. Im Bereich Prüftechnik wird es auf dem Messestand bei MAHA wieder Live­ Demonstrationen geben, zum Thema Scheinwerfereinstellplatz und im Bereich Abgasmessung unter Teillast. Zum Einsatz kommen dabei beispielsweise das Scheinwerfer­Einstellgerät MLT 3000 sowie die nivellierbare Prüfplatte 2000. Zudem zeigt das Unternehmen weitere Neuheiten wie den Prüfanhänger MTL 15 – eine komplette mobile Pkw­Prüfstraße, die auf der Automechanika das erste Mal als Serienmodell zu sehen sein wird. Für Motor räder wurde der MBT 1000 Prüfstand weiterentwickelt. Der jetzt modulare Aufbau ermögliche Nachrüstungen für be stehende www.autoservicepraxis.de einspurige zu mehrspurigen Prüfständen. Und ganz neu: der Bremsprüfstand MBT 7000. Mit integrierter Rollensatzanhebung soll eine unkomplizierte und vor allem zeitsparende Bremsprüfung bei Nutzfahrzeugen gemäß der aktuellen HU­Bremsenrichtlinie durchführbar sein. Das Thema Scheinwerfereinstellplatz beschäftigt derzeit die Branche. Beissbarth kommt mit einer neuen Lösung nach Frankfurt, die drei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Fahrwerkvermessung, Scheinwerferprüfung und die FAS­ Justage in einem, vielmehr auf einem Arbeitsplatz. Denn mit der neuen nivellierbaren Fahrzeugprüffläche LTB 300 lassen sich Unebenheiten und Höhenunterschiede des Werkstattbodens um bis zu 40 Millimeter über die Arbeitsplatzlänge von bis zu 6 Metern ausgleichen, so der Hersteller. Damit entspricht die LTB 300 in Verbindung mit dem Scheinwerfereinstellgerät MLD 815 den Anforderungen der HU­Scheinwerferprüfrichtlinie. Zudem kann die Fahrzeugprüffläche LTB 300

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TITEL FAS Justage bei Lkw mit den Prüfsystemen SAD 5000 und SAD 4000 von Haweka auch mit der berührungslosen Achsvermessung oder der Easy­3D­Plus­Technik kombiniert werden, um Achsvermessungen durchzuführen, Radsturz, Einzelund Gesamtspur oder die geometrische Fahrachse zu bestimmen. In Verbindung mit Justage­Vorrichtungen wie Radarreflektorspiegeln und Kamerakalibriertargets sollen sich auf dem Universalarbeitsplatz somit auch Fahrerassistenzsysteme justieren lassen. Zu sehen gibt es die neue Prüffläche erstmals auf der Automechanika, in Halle 9, Stand D16/D06. Auch im Lkw­Bereich spielen Fahrerassistenzsysteme eine immer größere Rolle. Haweka präsentiert auf der Automechanika die Prüf­ und Einstellsysteme SAD500 und SAD4000 zur Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen. In Verbindung mit der Axis­Achsvermessung lassen sich damit laut Hersteller ACC­Sensoren für die Abstandsregelung und Multifunktionskameras für Spurhalteassistenten einstellen. Auch Koch Achsmessanlagen Der Hunter Quick Check mit intergrierter Profiltiefenmessung setzt auf ein Komplettsystem für die Achsvermessung und die Überprüfung sowie Justage von ACC­Sensoren im Bereich Lkw. In Verbindung mit der HD­30 Easy Touch biete die Erweiterung LC­40 ACC eine sehr hohe Genauigkeit von 0,05 Grad und sei einfach und schnell montierbar, so das Unternehmen. Auf der Automechanika wird Koch zudem einen neuen Inklinometer zur Messung von Sturz, Nachlauf und Spreizung präsentieren. AUTOMECHANIKA-INFOS Hier sind die Hersteller auf der Messe vor Ort: ■ Autopstenhoj: Halle 8, Stand G96 sowie Festhalle 2, Stand C59 ■ MAHA Maschinenbau Haldenwang GmbH & Co. KG: Halle 8, Stand C04 ■ Beissbarth GmbH: Halle 9, Stand D16/D06 ■ Koch Achsmessanlagen: Halle 8, Stand A09 ■ Haweka AG: Halle 8, Stand A72 ■ Hunter Deutschland GmbH: Halle 8, Stand C50 ■ AHS-Prüftechnik A. u. H. Schneider GmbH & Co. KG: Halle 8, Stand D95 Traditionell befinden sich die Werkstattausrüster in den Hallen 8 und 9. Einige stellen zudem ausgewählte Lösungen in der Festhalle „Tomorrow’s Service & Mobility“ vor. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Mit HD-30 Easy Touch von Koch inklusive LC- 40 ACC lassen sich ACC-Sensoren einstellen. Zeitsparender Quick Check Geschwindigkeit ist imWerkstattalltag sehr wichtig. Lange Rüstzeiten kann sich keiner mehr erlauben. Hunter präsentiert mit dem Quick Check eine Lösung, die dem gerecht wird und eine umfassende Inspektion innerhalb weniger Minuten ermöglichen soll. Dazu gehören unter anderem die Schnellüberprüfung des Reifenprofils anhand eines Profilscanners, die Schnellüberprüfung des Fahrwerks oder etwa die Batterieprüfung mittels eines Batterietestgeräts. Der Besucher kann sich vor Ort live von der Geschwindigkeit überzeugen: Bei Vorführungen wird der komplette Ablauf des Quick Checks gezeigt. Finale Umsetzung Bei AHS Schneider fokussiert man sich auf der Automechanika 2016 auf die „näher rückende finale Umsetzung der bereits 2011 beschlossenen Bremsenprüfstandsrichtlinie“. Das Unternehmen möchte die Besucher individuell über mögliche Neuanschaffungen oder Nachrüstungen informieren. Und natürlich werden auch zahlreiche neue Produkte und Produktverbesserungen präsentiert wie beispielsweise die Prüfsoftware AHS Picaro light, eine Rasberry­gestützte PC­Lösung, Schaltund Anzeigenschränke im neuen Design oder der Prüfstand Varioflex 260 Standard KRG, der sich für viele vorhandene Fundamente eignen soll. Zu finden ist AHS Schneider in Halle 8, Stand D95. Valeska Gehrke ■ AHS Schneider stellt unter anderem eine neue Grubensicherung vor. www.autoservicepraxis.de

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BUCHTIPP ERSCHEINUNG Bestell-Nr.: 205 Softcover, 16,8 x 24 cm, farbig, ca. 120 Seiten, 1. Auflage 2016 € 34,00 (€ 36,38 inkl. MwSt.) Leseprobe Jetzt gleich bestellen! Tel.: 089/20 30 43 - 1900 Fax: 089/20 30 43 - 2100 eMail: vertriebsservice@springer.com eShop: www.springer-automotive-shop.de In 6 Schritten auf Platz 1 bei Google Antje Socher SEO für Autohaus und Werkstatt Anleitung zur zielgerichteten Suchmaschinenoptimierung Die Suchmaschinenoptimierung (englisch: Search Engine Optimization, SEO) ist zu einem wichtigen Instrument der Kundenbindung und -gewinnung geworden, denn: Die beste Webseite nutzt nichts, wenn sie kein Kunde findet! In unserer Neuerscheinung „SEO für Autohaus und Werkstatt“ wird Ihnen Suchmaschinenoptimierung grundlegend und verständlich erklärt. Das Buch ist ein erstklassiger Leitfaden, der nicht nur zum einmaligen Lesen und Optimieren, sondern als Nachschlagewerk und Ideengeber für Ihre Website gedacht ist. Anhand von Checklisten am Ende jedes Kapitels können Sie die einzelnen Schritte einfach überprüfen.

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TITEL ZF SERVICES/TRW AFTERMARKET Dynamisches Doppel Am 1. Januar startet die neue ZF-Aftermarket-Organisation. Wie die Player ZF Services und TRW Aftermarket dann zusammenwachsen, das erfahren die Besucher der diesjährigen Automechanika. Gut gelaunt in der Klassikstadt: Neil Fryer und Helmut Ernst (rechts) or zwei Jahren wäre das noch völlig undenkbar gewesen: ZF Ser vices und TRW Aftermarket präsentieren sich gemeinsam auf einem Automechanika-Stand? Doch dann kam der 15. Mai 2015 – und die Übernahme von TRW Automotive durch ZF sowie der folgende Integrationsprozess namens „One ZF Aftermarket“. Mit weit- reichenden Auswirkungen für die gesamte Branche, die den Startschuss der neuen ZF-Aftermarket-Organisation am 1. Januar 2017 genau beobachten dürfte. Schließlich steige man damit zur Nummer Zwei im globalen Automotive Aftermarket auf, hieß es dazu aus Friedrichshafen. Im Schnitt etwa 35 Prozent des täglichen Teilebedarfs einer Werkstatt decke das Produktportfolio dieser neuen Nummer Zwei ab. 2,8 Milliarden Euro Umsatz, 8.000 Mitarbeiter, 120 Standorte und 650 Servicepartner – imposante Zahlen, mit denen der designierte Leiter der neuen Organisation, Helmut Ernst, kürzlich in Frankfurt am Main Pressevertretern die Größe des Players vor Augen führte. Ferner sprach er über Technologietrends, die Bedeutung von Internet und E-Commerce sowie die Vernetzung in der Werkstatt. Hier wollen die Schweinfurter künftig als Taktgeber agieren. „Entscheidend für unseren Erfolg ist nicht nur der Technologiefortschritt des ZF-Konzerns, sondern auch die Fähigkeit, passende Aftermarket- Lösungen anzubieten“, so Helmut Ernst. TRW als neue Produktmarke Und die Marke TRW? Welche Rolle spielt sie künftig? Die Botschaft in der Mainmetropole lautete: TRW bleibt als Produktmarke erhalten und komplettiert das Portfolio um Sachs, Lemförder, Boge und Openmatics. Da wären wir schon beim diesjährigen Branchen-Stelldichein in Frankfurt am Main Mitte September, das ein Schlaglicht natürlich auch auf die neue Produkt- Range rückt. „In diesem Jahr ist Werkstattmitarbeiter können sich künftig auch von den Profis in TRW-Themen trainieren lassen – zum Beispiel in Sachen elektrische Parkbremse. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Helmut Ernst ist der designierte Aftermarket-Leiter ... ... und Neil Fryer der kommende CCO der neuen Organisation. www.autoservicepraxis.de Fotos. Patrick Neumann, ZF

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die Automechanika für uns etwas Besonderes“, sagte Helmut Ernst. „Und wir wollen auch für unsere bestehenden und potenziellen Kunden die Messe zu einem großartigen Erlebnis machen.“ Mobilität von morgen Als Erfolgsgaranten für diese Art von Erlebnis haben sich die Messestrategen eine Menge überlegt. Etwa einen Blick auf den urbanen Individualverkehr in Halle 2 (C90). Besucher können anhand des Advanced Urban Vehicles (AUV), das nur so vor technischen Schmankerln strotzt, eine flexible, lokal emissionsfreie und auf Hereinspaziert in Halle 3: TRW spielt als fünfte Produktmarke auch künftig eine wichtige Rolle – zu sehen am Stand 91. AUTOMECHANIKA-INFOS Die neue ZF-Aftermarket-Organisation macht in Frankfurt gleich zweimal auf sich aufmerksam: in Halle 2, Stand C90 und in Halle 3, Stand A91. Allein in Halle 3 stehen für das umfassende Portfolio satte 1.400 Quadratmeter zur Verfügung. Sicherheit ausgerichtete Mobilitätslösung kennenlernen. Allein das neue Vorderachskonzept garantiert einen Einschlagwinkel von bis zu 75 Grad. Ferner können Interessenten mehr zur ZF-Telematik- Plattform Openmatics erfahren. Die Messepräsenz in Halle 3 (A91) steht ganz im Zeichen der bereits erwähnten neuen Struktur mit den fünf Marken. Man werde diese „auch weiterhin mit der gebotenen Sorgfalt behandeln, ihre Individualität bewahren, sie weiterentwickeln, unterstützen und global vermarkten“, betonte Neil Fryer, der künftige Chief www.autoservicepraxis.de Commercial Officer (CCO) der neuen Organisation. Mit allen Sinnen erleben Neben der neuen Realität, sprich dem roten TRW-Logo am ZF-Stand, dürfte sich das dort aufgebaute 7D-Cinema als wahrer Hingucker entpuppen. Der Aussteller möchte seinen Zuschauern damit die ZF- Kompetenz innovativ und auf eine völlig neue Art und Weise näherbringen. Neil Fryer sprach von einer einzigartigen Erfahrung für die Fachbesucher, sie würden Produkte und Services des Konzerns mit allen Sinnen erkunden. Deutschlandweit gibt es offenbar nur zwei Kinos dieser Art. Klingt nach einem spannenden wie exklusiven Erlebnis. Last, but not least dürfen auf dem Frankfurter Messeparkett auch nicht die Services-Angebote für Werkstätten und Geschäftspartner fehlen. Darunter fallen Remanufacturing, die Trainingsangebote sowie das Werkstattkonzept ZF Services proTech. Wichtige News: Kommendes Jahr sollen alle technischen Informationen über TRW-Produkte in das System aufgenommen werden. Doch Helmut Ernst denkt schon ein, zwei Schritte weiter. „Das intelligente Zusammenwirken von Diagnosesystemen, Komponenten oder Werkzeugen erlaubt beziehungsweise verlangt völlig neue Wartungs- und Reparaturprozesse. ZF wird auch in dieser Hinsicht innovative Lösungen bereithalten und entsprechende Angebote für die Werkstätten entwickeln.“ Patrick Neumann ■ 13. – 17. 9. 2016 Jetzt Online-Ticket vorab sichern! Internationale Leitmesse für Ausrüstung, Teile, Zubehör, Management & Services Willkommen auf der Automechanika Frankfurt! Seien Sie dabei, wenn sich die Entscheider aus Industrie, Handel und Werkstatt treffen und informieren Sie sich über die Innovationen der Automobilindustrie. In ihrer Angebotsbreite und -tiefe ist die Automechanika weltweit einmalig – auf keiner anderen Messe erleben Sie Mobilität in einer solchen Vielfalt und Internationalität. automechanika-frankfurt.com

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TITEL BOSCH Vernetzte Werkstatt Nicht nur Fahrzeuge, auch die Werkstatt an sich ist zunehmend vernetzt. Bosch stellt auf der Automechanika entsprechende Lösungen für die Werkstatt der Zukunft vor. Claus Schulz, Experte Bosch Automotive Service Solutions, in der vernetzten Werkstatt Fotos: Bosch Die zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge wird sich auf den Automotive Aftermarket, auf die Geschäftsbereiche Ersatzteile, Dienst leistung und Ausrüstung auswirken. Der Wandel wird von Bosch vorangetrieben und aktiv mitgestaltet“, erklärte Oliver Frei, Regional President Europe bei Bosch Automotive Service Solutions in Boxberg. Erstmals lud das Unternehmen die Fachpresse im Vorfeld der Automechanika zu einem Pressetermin ein und gewährte Einblicke in die Messe-Neuheiten von Bosch. Im Mittel- AUTOMECHANIKA-INFOS Die vernetzte Mobilität im Fokus: ob Connec ted Repair Software, Augmented- Reality-Anwendungen oder eine neue Telematik-Lösung für kleinere und mittlere Betriebe – bei Bosch dreht sich auf der Automechanika, in Halle 9, Stand B06 alles um die Werkstatt im Zeitalter der Vernetzung. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 der Werkstatt miteinander vernetzt. Damit stehen einmal eingegebene Daten wie die Fahrzeugidentifikation und ermittelte Messergebnisse an allen PC-gestützten Systemen in der Werkstatt zu Verfügung und müssen nicht zeitaufwendig an jedem Gerät neu eingegeben werden. Über eine Schnittstelle ist auch die Anbindung an gängige Dealer-Management-Systeme möglich. Die Berichte der einzelnen Geräte können dem Kunden in einem zusammenfassenden Ausdruck übergeben werden, der so einen Überblick über die erledigten Reparaturarbeiten erhält. Diese Objektivität schafft Vertrauen, ist man bei Bosch überzeugt. Die Software wird über einen Freischaltcode aktiviert und ist an jedem PC in der Werkstatt nutzbar. Bislang lassen sich damit das Klimaservicegerät ACS 752, die Werkstattsoftware Esitronic 2.0 / KTS 5xx, die Achsvermessungssysteme FWA 9000 und FWA 4630 sowie die Fahrpunkt: die vernetzte Werkstatt im Zusammenspiel mit weiteren Connected Services und Augmented-Reality-Anwendungen. Premiere in Frankfurt Denn auch für Werkstätten bieten die neuen Technologien große Chancen. Durch die Möglichkeiten, große Datenmengen intelligent zu verarbeiten, schnelle Datenverbindungen sowie das Internet der Dinge könnten Prozesse und Abläufe neu gestaltet und optimiert werden, so Oliver Frei auf der Veranstaltung. „Um Kosten zu senken und Reparaturzeiten zu reduzieren, vernetzt Bosch die Werkstattausrüstung miteinander, aber zusätzlich auch die Verbindung in die IT-Struktur der Werkstatt. Damit wird der Austausch von Informationen zwischen Geräten, Fahrzeugen und dem Dealer-Management-System zum Standard in der Zukunft.“ Die neue Bosch-Software Connected Repair ist das Tool, das die Ausrüstung in www.autoservicepraxis.de

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Oliver Frei, Regional President Europe bei Bosch Automotive Service Solutions zeugsystemanalyse FSA 500 vernetzen. Bis Ende 2016 sollen weitere Geräte folgen: Fahrzeugsystemanalyse FSA 7xx, Scheinwerfer-Einstellgerät HTD 815 sowie Emissionsanalyse BEA 750 und BEA PC DE. Auf die Integration der Embedded-Geräte ohne vollwertigen PC wie das Klimaservicegerät ist man besonders stolz. Über einen Client werden die Daten dabei an eine PC-Station übertragen. Und die Reise geht weiter: „Wir arbeiten kontinuierlich an weiteren Anwendungsfällen, immer den Techniker in der Werkstatt im Mittelpunkt“, erklärte Claus Schulz, Experte Bosch Automotive Service Solutions, in Boxberg. Versteckte Bauteile finden Auch die Augmented-Reality-Anwendungen von Bosch sollen dem Mechatroniker die Arbeit erleichtern. Auf verschiedenen Ausgabegeräten, beispielsweise auf dem Tablet, werden benötigte Informationen wie Texte, Bilder, Videos, aber auch dreidimensionale Objekte direkt am Arbeitsplatz bereitgestellt. „Wir haben damit die Möglichkeit, unnötige Montagearbeiten zu vermeiden, der Reparaturprozess wird erleichtert und das mit einer erhöhten Arbeitsqualität“, ist Oliver Frei überzeugt. Denn die Komplexität der Fahrzeuge nimmt weiter zu und die Variantenvielfalt im Fahrzeug steigt explosionsartig. Bauteile sind immer versteckter. Mittels der erweiterten Realität in Form von visuellen Informationen kann der Mechaniker kritische Informationen im richtigen Moment ab rufen. Einfach die Kamera des Tablets auf das Fahrzeug richten und schon lassen sich erforderliche Zusatzinformationen, beispielsweise zur Lage aller Airbags und deren Zuleitungen, ins reale Bild einblenden. Hat der Mechaniker das gesuchte Bauteil gefunden, kann er die Ansicht „freezen“, seine Arbeit fortführen und bei Bedarf jederzeit noch mal nachsehen. Zehn bis 15 Prozent kürzere Reparaturarbeiten verspricht man sich davon bei Bosch. Schon ab 2018 werden erste Betriebe damit arbeiten, prognostiziert das Unternehmen. Eine weitere Neuheit, die Bosch auf der Automechanika im Detail vorstellen wird, richtet sich an kleinere und mittlere Unternehmen mit einem Fuhrpark von fünf bis 100 Fahrzeugen. Die neue Telematik-Lösung unterstützt Unternehmen, vom Handwerksbetrieb bis zum Lieferservice, beim intelligenten und effizienten Fuhrparkmanagement. „Das hat natürlich nicht nur Vorteile für den Fuhrparkmanager, sondern auch für die Werkstatt, die sich durch neuen Service ein wichtiges Kundensegment weiter sichert und frühzeitig proaktiv auf diese Kunden zugehen kann“, so Steffen Kläger, Kommunikations-Manager Connected Cloud Services bei Bosch. Eine markenübergreifende Telematik-Einheit, die über die OBD2-Schnittstelle Daten ausliest sowie über einen GPS-Sender und Beschleunigungssensoren verfügt, wird in das Fahrzeug verbaut. Die Daten werden entsprechend eines Rollenkonzepts beteiligten Partnern zur Verfügung gestellt. Dabei halte man sich streng an den Datenschutz. Über ein Online-Portal kann der Fuhrparkmanager so seine Fahrzeuge verwalten und hat alle wichtigen Kennzahlen im Blick: ob Benzinkosten, Wartungsausgaben oder Infos zur Fuhrparkaktivität. Dank GPS-Sender sind auch kurzfristige Kundenanfragen leicht handelbar. Per Klick sieht der Fuhrparkmanager, wo sich welches Fahrzeug befindet, und kann schnell reagieren. Für Werkstatt und Fuhrparkmanager Je nach Konfiguration erhält auch der zuständige Kfz-Betrieb einen Zugriff etwa auf alle Service- und Wartungsthemen. So sieht die Werkstatt beispielsweise Fehlermeldungen der Fahrzeuge direkt online und kann bei Bedarf weitere Schritte einleiten. Ist der Service fällig, können Werkstatt und Fuhrparkmanager über die Online-Plattform miteinander kommunizieren und einen Termin vereinbaren. Wenn das Fahrzeug dann in der Werkstatt erscheint, sind die benötigten Ersatzteile bereits vorrätig. Auch für den Fahrer soll es eine Benutzeroberfläche geben, um beispielsweise Infos zum Kraftstoffverbrauch oder zum Fahrverhalten direkt über das Smartphone abzurufen. Valeska Gehrke ■ Auch das Scheinwerfereinstellgerät ist dank der Software Connected Repair vernetzt (oben). Augmented Reality: Auf dem Tablet wird die Lage des Airbagsystems angezeigt (links). www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 23

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TITEL WOW GROUP Vereinte Kompetenz Die WOW Würth Online World und Wabcowürth präsentieren sich nicht nur erstmals mit einem gemeinsamen Messestand, sondern bündeln ihre Kräfte zukünftig generell unter einem Dach. AUTOMECHANIKA-INFOS Frank Bartsch, Geschäftsleitung Wabcowürth Workshop Services GmbH und Sprecher des WOW Group Management Board, und Frank Konietzke (rechts), Geschäftsführer WOW. ow Group heißt die Business- Unit, unter der die WOW Würth Online World, Wabcowürth und Autocom – seit 2003 zur Würth Gruppe gehörend – zukünftig gemeinsam auftreten. „Durch die Zusammenführung besitzen wir eine stärkere Marktpräsenz“, erklärt Frank Konietzke, Geschäftsführer WOW in Künzelsau. Bereits 2013 habe man die Entwicklungsthemen zusammengelegt und wolle jetzt durch die Bündelung der Vertriebsaktivitäten und Servicestrukturen die Expansion außerhalb Europas vorantreiben. Der Kunde profitiere von einem erweiterten Produktspektrum aus einer Hand. 360-Grad-Werkstatt Auf der Automechanika präsentieren sich WOW und Wabcowürth erstmals mit einem gemeinsamen Messestand. Auf 110 Quadratmetern Fläche können sich Besucher AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 über Dienstleistungen und Produkte rund um Fahrzeugdiagnose, Software-Anwendungen, Connectivity-Lösungen, Klimaservice und Abgasuntersuchung informieren. Im Fokus: die Diagnose, welche unter dem Motto „360-Grad-Werkstatt-Perspektive“ von allen Seiten beleuchtet wird. Denn auch wenn sich das Portfolio durch die Dachmarke erweitert, bleiben das Kerngeschäft und die einzelnen Marken bestehen. „Die Fokussierung wird weiter auf der Diagnose liegen. Da sind wir sehr stark und das Thema wollen wir weiter vorantreiben“, so Frank Konietzke. Eine erste gemeinsame Anwendung der WOW Group ist WTI live, ein digitales Online-System, das Erfahrungswerte aus der Werkstatt-Praxis mit Diagnosefunktionen, technischen Da- Markus Kühnemann, WOW Group, stellt die neue Online- Anwendung WTI live vor. Fotos: WOW, Valeska Gehrke Unter dem Motto „360-Grad-Werkstatt- Perspektive“ beleuchten Wabcowürth und WOW in Halle 9.0, Stand C44 das Thema Diagnose von allen Seiten. Auch auf dem Würth Messestand in Halle 11, Stand C35 sind die beiden Unternehmen vor Ort. ten und fehlercode-spezifischen Angaben zu möglichen Ursachen und Fehlerhäufigkeiten verbindet. Interaktive Community WTI life beruht dabei auf drei Eckpfeilern: Lösungsorientierung, Interaktion und Multimedia. Ausgehend vom Fehlercode soll der Anwender weitere Informationen erhalten, die ihm zur schnellen Lösung verhelfen. „Zum Fehlercode geben wir eine prozentuale Bewertung der möglichen Ursachen an, von 100 Fällen war es am wahrscheinlichsten dieser oder jener Fall“, erklärt Markus Kühnemann, verantwortlich für die strategische Vermarktung des Pkw-Geschäfts. Zudem seien alle wichtigen Dokumente nur einen Mausklick entfernt: ob Schaltpläne, Prüfanleitungen oder Beschreibungen. Doch nicht nur Dokumente, auch Multimedia-Aufnahmen aus der Werkstattpraxis befinden sich in WTI life. So kann sich der Anwender beispielsweise das Geräusch eines defekten Bauteils anhören und seine Fehlersuche eingrenzen. Findet er selbst keine Lösung, hat er jederzeit die Möglichkeit, die technische Hotline zu fragen. „Wir generieren die Informationen, die der Kunde benötigt, und pflegen diese anschließend in das Online-Portal ein. Inhaltlich lassen wir uns von dem leiten, was unsere Kundschaft von uns fragt“, erklärt Markus Kühnemann. Neue Geschäftsmodelle In der WOW Group will man sich frühzeitig auf neue Strukturen und Marktbedingungen einstellen. Denn den klassischen www.autoservicepraxis.de

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Die Diagnosedaten können mit den prozentualen Fehlerhäufigkeiten aus dem Werkstattalltag verglichen werden. Mit jedem Reparaturfall steigt die Wissensdatenbank von WTI live um weitere Erfahrungswerte aus der Werkstattpraxis. Diagnoseverkauf, bestehend aus Hardware, Software und Lizenz-Updates, werde es in drei bis fünf Jahren nicht mehr geben, prognostiziert Frank Bartsch, Geschäftsleitung Wabcowürth Workshop Services GmbH. Die Entwicklung gehe vielmehr in Richtung webbasierte Systeme. Mit den Softwareportalen WOW Connect für Pkw und Wabcowürth Connect für den Nfz-Markt zeigen die beiden Unternehmen auf der Automechanika ihre Connectivity-Lösungen, die über den EOBD- und FMS (fleet management system gateway)-Standard hinausgehen sollen. Die Portale ermöglichen einen Überblick über alle Fahrzeuge und deren Zustand, ob Servicefälligkeit, Fehlercodes, Füllstände oder Batteriezustand. Der personalisierte Kontakt zum Fahrer, die Remote-Diagnose und die Möglichkeit, proaktive Maßnahmen zu nutzen, eröffnen Werkstätten, Flottenbetreibern oder Serviceanbietern neue Geschäftsfelder. Dabei seien flexible Lösungen möglich: von der Implementierung fahrzeugspezifischer Daten in bereits existierende Telematik- Lösungen bis hin zu vollumfänglichen Connectivity-Lösungen inklusive Apps für den Fahrer. Zu sehen gibt es Beispiele davon in Halle 9, Stand C44. Valeska Gehrke ■ Upps! Haben Sie etwas vergessen? Vielleicht Ihren alten Prüfstand? Nur die wenigsten "älteren" Prüfstände in Deutschland entsprechen der neuen Richtlinie. Gehört Ihrer dazu? Wenn nicht, wird es langsam Zeit für einen neuen. Multiflex 06 Easy www.ahs-prueftechnik.de Der Gesetzgeber hat entschieden, dass der Bestandsschutz für Prüfstände, die die Mindestanforderungen (für PKW: Durchmesser der Laufrollen min. 200 mm, Prüfgeschwindigkeit größer als 4 km/h, ASA Livestream Schnittstelle) nicht erfüllen, am 1. Januar 2020 endet. Warten Sie nicht zu lange, sonst drohen lange Lieferzeiten und sogar der Verlust der HU-Durchführung. AHS Prüfstände überzeugen durch ... Zertifizierung nach neuer Richtlinie Hochwertige Qualität "made in Germany" Anpassung an bestehende Fundamente (keine teuren Fundamentarbeiten notwendig) bedienerfreundliche Ausstattung umfangreichen Standard-Lieferumfang vielfältige Optionsmöglichkeiten wie z. B. PC-Software, Hebeschwelle, AHS-Allradmodus, Pedalkraftmesser, Einbauwannen, etc.

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TITEL WERBAS Jetzt auch mobil „Werbas blue“, eine webbasierte Werkstatt-Management-Lösung, ist eine der Neuheiten, die das Softwarehaus aus Holzgerlingen auf der diesjährigen Automechanika präsentiert. Auch mobil alle Kundenaufträge mit farblich markiertem Status im Blick it „Werbas blue“ soll der Anwender zahlreiche Funktionen der gewohnten Werbas­Software auch mobil nutzen können. Dabei bleiben die Kundendaten weiterhin lokal auf dem Server der Werkstatt, per Tablet, Smartphone oder auch Kindle wird über WLAN auf die Werbas­Software zugegriffen. Im Mittelpunkt stehen Funktionen wie AUTOMECHANIKA-INFOS Auf der Automechanika präsentiert Werbas in Halle 9.1, Stand E15 die neue webbasierte Werkstattsoftware „Werbas blue“. Ein weiteres Highlight wird der kostenlose OE- Teilefinder sein. asp stellt die beiden Neuerungen vorab vor. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Checklisten für die Direktannahme oder der Abruf von Fahrzeughistorien. Bei der Entwicklung habe man sich streng daran orientiert, „was die Werkstatt bewegt“, erklärt Joachim Herwig, Leiter Entwicklungstechnologie der Werbas AG in Holzgerlingen. Auf einem Dashboard hat der Anwender alle wichtigen Infos im Blick: ob offene Aufträge, Abholtermine oder die Verteilung der Aufträge an die Kundenberater. Für die neue mobile Werkstatt­ Lösung will Werbas eine nutzungsabhängige Kostenstruktur umsetzen, damit der Anwender selbst entscheiden kann, in welchem Umfang er die Funktionen von „Werbas blue“ einsetzt. Der genaue Umfang der Funktionen stehe noch nicht fest. Pünktlich zur Automechanika soll eine Fotos: Werbas, Fotolia.com/Denys Prykhodov erste Version der webbasierten Lösung bereitstehen, die nach und nach weiter ausgebaut wird. Geplant ist zum Beispiel ein an das Smartphone andockbarer kleiner Scanner, mit dem Wareneingänge gescannt und direkt dem jeweiligen Auftrag zugeordnet werden können. Trend Digitalisierung Bei Werbas ist man sich sicher, die Digitalisierung wird Prozesse und Abläufe in der Werkstatt grundlegend verändern: „Das Auslesen von Fahrzeugdaten und die daraus folgende mögliche Steuerung der Kunden in bestimmte Werkstätten wird beispielsweise auf Dauer spürbare Auswirkungen auf die gesamte Branche haben“, so Harald Pfau, Vorstand der Werbas AG. Aus diesem Grund wurde das Tochterunternehmen InnoTec GmbH gegründet, das sich speziell mit diesen Trends beschäftigt und die neue Anwendung „Werbas blue“ entwickelt hat. „Wir wollen nicht IT in die Werkstatt bringen, sondern eine echte Arbeitserleichterung“ durch integrierte Prozesse im Werkstattalltag, erläutert Joachim Herwig die Arbeitsweise der InnoTec GmbH. Zudem erhofft man sich mit den mehrsprachigen Produkten des Tochterunternehmens einen Zugang zu anderen europäischen Märkten. Leitfunktion bleibt bestehen Neben den mobilen Nutzungsmöglichkeiten stehe die lokal installierte Werbas Software als Basis weiter im Fokus. Zur Automechanika kommt sie mit vielen Neuerungen und Detailverbesserungen daher: ob überarbeitete Tastenkombinationen und Schnittstellen, neu gestaltete Reifemodule, dynamische Datumsfelder, die Anzeige von Roherlösen in der Auftragsposition oder erweiterte Formularund Archivfunktionen. „Das Archiv halten wir für extrem wichtig“, erklärt Harald Pfau. Kunden­ und auftragsbezogene Daten seien beispielsweise per Drag­anddrop­Funktion verfügbar und „erleichtern www.autoservicepraxis.de

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der Werkstatt die Arbeit“. Zentral sei es dabei immer mit den Kunden in Kontakt zu bleiben und Änderungen und Neuerungen auch zu transportieren. Als großer Erfolg hätten sich hier die Workshops erwiesen, die 2016 an insgesamt zehn Standorten mit 270 Teilnehmern stattfanden. Aber auch die überarbeitete, responsive Unternehmens­Webseite, der Newsletter oder die insgesamt 105 Video­Tutorials zu bestimmten Fach themen halten die Werbas­Kunden auf dem Laufenden und helfen bei vielen Fragestellungen weiter. „Gerade das Thema Video wird sehr stark angenommen“, weiß Klaus König, der für den Bereich Marketing und Organisation zuständig ist. Eine weitere große Neuerung zur Auto mechanika verspricht die Integration eines kostenlosen OE­Teilefinders in Kooperation mit GT­Motive. Dieser Teilefinder wird ab der Messe in allen Werbas­ Versionen zur Verfügung stehen, so der Hersteller. In nur wenigen Schritten sollen Werkstätten so einfach und schnell OE­ Teile finden können. Die benötigten Fahrzeugdaten werden dabei automatisch übertragen. Der Anwender kann anschließend anhand von grafischen Darstellungen die entsprechenden Teile und Kleinteile mit OE­Teilenummer und Preis in einem Auswahlfenster zusammenstellen. Wachstumsmarkt Nutzfahrzeuge Schon seit vielen Jahren bietet Werbas auch eigenständige Lösungen für den Nutzfahrzeugbereich an. Dieser Bereich soll zukünftig verstärkt ausgebaut werden. „Das Nutzfahrzeug­Segment ist ein strategisches Instrument für uns“, sagt Harald Pfau. Dabei richte sich die Software Werbas Nfz nicht nur an klassische Nutzfahrzeugwerkstätten, sondern komme auch bei Speditionen, Busunternehmen, kommunalen Betrieben oder Flughäfen zum Einsatz. Die mobile Version „Werbas blue“ soll auch im Nutzfahrzeugbereich einsetzbar sein und ist nicht nur eines der Highlights auf der Automechanika, sondern auch auf der IAA Nutzfahrzeuge im September. Valeska Gehrke ■ Harald Pfau, Vorstand der Werbas AG www.autoservicepraxis.de 17. 09.2016 01 • BRAIN BEE 8H44 • AUTOMECHANIKA FRANKFURT • 13. - 17. 09.2016 • BRAIN BEE 8H44 • AUTOMECHANIKA FRANKFURT • 13. - 17. 09.2016 • BRAIN BEE 8H44 • DER ZUKUNFT VORAUS! HIGH-END-TECHNIK VON BRAIN BEE VON EXPERTEN ENTWICKELT, MADE IN ITALY EINE KOMPLETTE PALETTE AN KLIMASERVICEGERÄTEN ZUR ERFÜLLUNG ALLER TECHNISCHEN ANFORDERUNGEN DER BESTEN WERKSTATT-PROFI´S. BEREITS EMPFOHLEN VON FÜHRENDEN AUTOMOBILHERSTELLERN UND DEM VDA DAIMLER GRUPPE MERCEDES SMART MAYBACH ZERTIFIZIERT EMPFEHLUNG FÜR BRAIN BEE AUCH VON DER 9000D 1234 KLIMASERVICEGERÄT BRAIN BEE DEUTSCHLAND GMBH Tel 07424 /98 232-0 Email: info.de@brainbee.com H44 • AUTOMECHANIKA FRANKFURT • 13. - AUTOMECHANIKA FRANKFURT • 13. - 17. 09.2016 • BRAIN BEE 8H44 • AUTOMECHANIKA FRANKFURT • 13. - 17. 09.2016 • BRAIN BEE 8

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TITEL AUTOMECHANIKA Messe-Boxenstopp bei asp Neben dem Rennstall-Feeling samt Simulator sorgen unsere drei Warm-up-Talks für wichtige Erkenntnisse. Gleich vormerken und vorbeischauen. AUTOMECHANIKA-INFOS enügend Automechanika-Termine gemacht? Die passende Werkstattausrüstung bestellt? Oder interessante Networking-Gespräche geführt? Dann schwenken wir vom Magazin asp AUTO SERVICE PRAXIS für Sie die schwarz-weiße Zielflagge. Und spendieren Ihnen jede Menge Adrenalin. Denn auf unserem Messestand im Foyer der Halle 4.1 (Standnummer: 4.1 FOY14) steht alles im Zeichen des Rennsports. Sie wollten schon immer im Rennsimulator zeigen, was Sie fahrtechnisch draufhaben? Dann einsteigen, Gas geben und den Tages- respektive Messerekord einfahren. Mit etwas Glück können Sie dann einen Lebkuchenpokal in die Höhe stemmen. Illustration: Tulp Design Rennatmosphäre pur: AUTOHAUS und asp schnuppern mit ihren Messegästen diesmal Formel-1-Luft. 13.9.: Schadenmanagement Wie vor zwei Jahren finden am Stand von AUTOHAUS, asp AUTO SERVICE PRAXIS und autojob.de spannende Expertengespräche statt. Denkanstöße und Impulse fürs hart umkämpfte Autohausund Werkstattgeschäft garantiert. So informiert Ralph Sander, Gebietsverkaufsleiter Baden-Württemberg der TÜV SÜD Auto Service GmbH, am ersten Messetag, dem 13. September, ab 15.30 Uhr über die Herausforderungen im Schadenmanagement. Autohaus- und Werkstattchefs erfahren, wie die TÜV SÜD- Experten ein professionelles Schadenmanagement definieren und welche Vorteile und welchen Nutzen Kfz-Betriebe dadurch haben. Bestandteile des Warm-up- Der Messestand der Magazine AUTOHAUS und asp AUTO SERVICE PRAXIS sowie der Jobbörse autojob.de befindet sich in diesem Jahr im Foyer der Halle 4.1. Die Standnummer lautet: FOY14. Wer möchte, kann sich vorab zum Warm-up-Talk anmelden: Eine E-Mail an juliane.schleicher@ springer.com genügt. Talks: Professionalisierung der Abläufe durch Schadenmanagement inklusive verkehrsrechtsanwaltlicher Unterstützung, zeitliche und fachliche Entlastung der Mitarbeiter, umgehende Bestimmung relevanter Werte im Totalschadenfall, direkte Schadenbeurteilung, schnelle und professionelle Betreuung der Kunden sowie Verbesserung der Liquidität des Betriebs durch die Anbindung von Forderungsmanagement. 14.9.: Kundenbeziehungen Am Mittwoch, 14. September, nimmt sich Axel Berger, Vorstandsvorsitzender der CarGarantie, im Expertengespräch ab 15.30 Uhr das Kundenbeziehungsmanagement vor. Ein Thema, das in aller AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 www.autoservicepraxis.de

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Munde ist. Den Freiburgern zufolge geht es dabei um die wichtigen Aspekte Kundengewinnung, -bindung und -rückgewinnung. Axel Berger: „Finanzierung, Garantie, Servicevertrag − jedes dieser Instrumente stärkt die Kundenbindung im Aftersales.“ Keine Frage: Dieser Bereich ist eine wichtige Ertragssäule des Autohauses, stabilisiert das Gesamtgeschäft und fungiert selbst als wichtiges Instrument der Kundenbindung. „Die Bindung an einen Händler entsteht zum großen Teil durch eine hohe Zufriedenheit mit den angebotenen Serviceleistungen – behalten Sie also als Händler im Maßnahmendschungel den Überblick und stellen Sie die Weichen für eine hohe Kundenzufriedenheit.“ Mehr dazu am Main. 15.9.: Reparatur-Finanzierung Wer seinen Kunden schon immer eine unkomplizierte Reparaturfinanzierung anbieten und damit aktiv seine Werkstattumsätze steigern wollte, der sollte sich den Donnerstagvormittag dick im Kalender markieren. Digital oder analog. Denn am 15. September steht ab 10.00 Uhr die Reparatur-Finanzierung auf der Agenda. Marco Bentrup, Vertriebsbereichsleiter West bei der Bank11, gibt hierzu wert volle Einblicke. In drei Minuten zur Reparatur- Finanzierung, Kundenbindung am Point of Sale und wie man die Aftersales-Umsätze mit dem „Mehrwert“-Kredit Evo- Repair steigern kann – diese und weitere Themen referiert Experte Bentrup in Halle 4.1. Moderiert werden die Warmup-Talks von AUTOHAUS-/asp-Chefredakteur Ralph M. Meunzel und seinem Stellvertreter Patrick Neumann. Mit bayerischer Brotzeit und Bier aus der Landeshauptstadt ist fürs leibliche Wohl gesorgt. Personal oder neuer Job? An unserem autojob-Touchscreen können sich Interessenten im Jobportal über die aktuellen Stellenangebote aus der Branche informieren. Daneben besteht noch viel Zeit für das Schmökern in den aktuellen Ausgaben von asp AUTO SERVICE PRAXIS und AUTOHAUS und/oder WARM-UP-TALKS Warm-up-Talks mit den Partnern TÜV SÜD, CarGarantie und Bank11 – anschließend jeweils mit bayerischer Brotzeit und Bier: ■ 13. September, 15.30 bis 17.30 Uhr Schadenmanagement Ralph Sander, Gebietsverkaufsleiter der TÜV SÜD Auto Service GmbH ■ 14. September, 15.30 bis 17.30 Uhr Kundenbeziehungsmanagement Axel Berger, Vorstandsvorsitzender der CarGarantie ■ 15. September, 10.00 bis 12.00 Uhr Reparatur-Finanzierung Marco Bentrup, Vertriebsbereichsleiter West bei der Bank11 spannende Benzingespräche. Und wer möchte, kann die anwesenden Redakteurinnen oder Redakteure natürlich auch zur Challenge im Renn simulator herausfordern. Wie heißt es so schön: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. In diesem Fall – auf dem Messe parkett. Patrick Neumann ■ Besuchen Sie uns auf der und erleben Sie die Vielfalt an Profi-Spezialwerkzeugen hautnah! Wir freuen uns auf Ihren Besuch: Frankfurt am Main 13.-17.09.2016 Halle 11, Stand C35 EGAL WAS KOMMT, SIE SIND VORBEREITET. SIE HABEN DIE MARKEN, WIR DIE PASSENDEN WERKZEUGE! Mit unserem Spezialwerkzeug-Programm haben wir die richtigen Werkzeuge für die Mehrmarkenreparatur parat. Kennen Sie schon unser professionelles Sortiment im Bereich der Kfz-Spezialwerkzeuge? Nein? Dann wird es höchste Zeit! Besuchen Sie uns unter www.wuerth.de/toolcompass und lernen Sie unsere Spezialwerkzeug-Zeitung TOOLCOMPASS kennen. Überzeugen Sie sich selbst von der Qualität, der Vielfalt und der Attraktivität unserer neuen Produkte. Und testen Sie ebenfalls unseren leistungsstarken Service rund um das Thema Spezialwerkzeuge! wirverstehenauto@wuerth.com Adolf Würth GmbH & Co. KG · 74650 Künzelsau T 07940 15-0 · info@wuerth.com · www.wuerth.de

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AUTOMOBILTECHNIK ELEKTROMOBILITÄT Sorgenfreie E-Zukunft? Elektroantriebe könnten die Verbrennungsmotoren nach und nach vom Markt verdrängen. Bislang kranken die Fahrzeuge aber noch an der geringen Reichweite und der lückenhaften Ladeinfrastruktur. Technikserie Teil 3 Fotos: Fotolia/Petair, BDEW, Bundesverband eMobilität eit über 100 Jahren fahren Autos in Deutschland hauptsächlich mit einem Verbrennungsmotor. Durch die immer strenger werdenden Emissionsvorschriften und den Dieselgate sind die Tage von Benzinern und Dieselantrieben jedoch gezählt. Auch der Trend zur Urbanisierung macht es notwendig, dass Autos in großen Städten mit alternativen Antrieben unterwegs sind. China macht es bereits vor, denn dort gibt es in bestimmten Städten bereits Fahrverbote für Verbrennungsmotoren, da die Luftqualität dort sehr schlecht ist. Ein Elektroantrieb bietet sich hier an, da er keine Emissionen er­ KURZFASSUNG Die Elektromobilität kann langfristig die Verbrennungsmotoren verdrängen. Bis dahin stellen Hybridfahrzeuge eine Brückentechnologie dar. Handlungsbedarf besteht bei der Reichweite der Fahrzeuge und der lückenhaften Ladeinfrastruktur. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 zeugt. Der kalifornische Autobauer Tesla zeigt zudem, dass sich Fahrspaß und Elektromobilität nicht gegenseitig ausschließen. Die Verkaufszahlen für Elektroautos sind dennoch momentan überschaubar: Laut des Verbandes der Automobilindustrie sind auf Deutschlands Straßen lediglich 63.000 Stromer unterwegs (Stand: Juni 2016). Allein die deutschen Hersteller haben bereits rund 30 Fahrzeugmodelle im Angebot. Hierunter fallen aber nicht nur reine Elektrofahrzeuge, sondern auch Plug­in Hybride und Hybride, die sowohl einen Verbrenner als auch einen Elektroantrieb besitzen. Diese „Brückentechnologie“ ist vor allem für längere Strecken interessant, da gerade hier der Verbrennungsmotor seine Vorteile ausspielen kann. Reichweite und Ladeinfrastruktur Ein großes Problem der rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge ist immer noch die Reichweite. Der Begriff „Reichweiten­ angst“ hat sich bereits fest etabliert. Selbst Luxusmodelle wie der Tesla S90D schaffen auf dem Papier nicht mehr als 550 Kilometer mit einer Akkuladung – und das nur unter optimalen Voraussetzungen. Wird das Auto schnell auf der Autobahn bewegt, ist weniger als die Hälfte realistisch. Auch der Winter bereitet Elektroautos Probleme: Wird beispielsweise die Heizung aufgedreht, schmilzt die Kapazität des Akkus wie ein Eisberg in der Sonne. Der Fahrer kann entscheiden, ob er lieber im Warmen sitzt oder sein Ziel noch erreicht. Der Pferdefuß ist hierbei die momentan verfügbare Lithium­Ionen­Akkutechnologie, die nicht mehr Strom speichern kann. Einen größeren Akku mit mehr Zellen einzubauen behebt das Problem nicht, denn das Fahrzeug wird dadurch auch wieder schwerer. Die Ingenieure arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, neue Akku­Technologien zu entwickeln, die leichtere Zellen mit mehr Kapazität www.autoservicepraxis.de

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verbinden. Hyundai macht das beispielsweise mit einem Lithium­Polymer­Akku vor, der im neuen Ioniq erstmals zum Einsatz kommt. Eine Reichweite wie im Verbrenner wird aber erst mit neuen Technologien wie beispielsweise Lithium­ Luft­Akkus möglich sein, die sich aber noch in der Entwicklung befinden. Neben der Akku­Kapazität ist die Lade infrastruktur eine weitere Baustelle für die Elektromobilität. Ende 2015 gab es zwar laut der Nationalen Plattform für Elektromobilität (NPE) rund 5.800 öffentlich zugängliche Ladepunkte, jedoch waren davon nur 150 mit Schnell­Lader ausgestattet. Letzterer ist erforderlich, um das Auto in einer halben Stunde auf rund 80 Prozent Kapazität aufzuladen. Unterschiedliche Stecker und Abrechnungsmodelle erschweren das Laden zusätzlich, weswegen viele Elektroauto­Fahrer hauptsächlich zu Hause oder in der Arbeit laden – sofern sie die Möglichkeit dazu haben. Was bleibt an Verschleißteilen? Für Werkstätten ist die Elektro­Zukunft mit vielen Fragezeichen versehen, denn E­Autos besitzen weniger Verschleißteile und brauchen kaum noch Wartung. Der Umsatz muss also auf anderem Weg erwirtschaftet werden, was aber für viele Betriebe eine Herausforderung ist (siehe Interview mit Kurt Sigl). Alexander Junk ■ Große Lücken: Öffentliche Ladestationen finden sich hauptsächlich in Ballungsgebieten. „ÖL NACHFÜLLEN WIRD NICHT MEHR FUNKTIONIEREN“ Interview mit Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes eMobilität e.V. in Berlin asp: Herr Sigl, die Elektromobilität kommt trotz Kaufprämie nicht so richtig in Schwung. Woran liegt das Ihrer Meinung? K. Sigl: Haben Sie schon mal eine Werbung für Elektroautos gesehen? Hier fehlt es buchstäblich an Informationen für den Verbraucher. Meiner Meinung nach kommt die Kaufprämie auch zwei Jahre zu spät. Ohne zusätzliche Maßnahmen kann das nicht funktionieren. Es wäre auch intelligenter gewesen, sich auf Unternehmen mit Fuhrparks und Kommunen zu konzentrieren und ihnen steuerliche Vorteile zu gewähren, wenn sie auf Elektromobilität setzen. Das hätte einen weitaus größeren Effekt. asp: Sind die Menschen nicht eher durch den hohen Kaufpreis der Fahrzeuge abgeschreckt? K. Sigl: Hier sollte man differenzieren: Vor allem die deutschen Autos sind teuer, nicht die Konkurrenz aus dem Ausland. Beim Renault Zoe liegen Sie mit Förderung bei rund 16.500 Euro Kaufpreis mit guter Ausstattung. Ich habe das mal nachgerechnet: Mit einem VW Polo mit Dieselmotor komme ich bei gleicher Ausstattung auf 20.500 Euro. Auch ein Nissan Leaf ist nicht teurer als ein Golf. asp: Haben deutsche Autohersteller noch Nachholbedarf bei der Elektromobilität? K. Sigl: Die deutschen Autohersteller waren bis vor drei Jahren überhaupt nicht davon überzeugt, dass sich Elektromobilität durchsetzt. Das große Erwachen kam mit der Einführung des Tesla Model S. Dann kamen Renault und Nissan mit ihren Modellen und die deutschen Hersteller haben begonnen, darüber nachzudenken. Der Dieselgate hat das Ganze noch verschärft. Insgesamt fehlen aber klare Aussagen der deutschen Hersteller zur Elektromobilität. Ich sehe nur halbherzige Produkte. Bei der Akkuproduktion ist der Zug schon abgefahren, denn die drei großen Zellen-Hersteller kommen alle aus Asien. Dieser Vorsprung lässt sich nicht mehr aufholen. asp: Es gibt immer noch recht wenige Ladesäulen für Elektroautos. Ist das nicht auch ein Hemmschuh für die Elektromobilität? K. Sigl: Die Ladeinfrastruktur wird momentan stark ausgebaut. Das treiben neben der Bundesregierung vor allem einzelne Unternehmen voran. Beispielsweise bieten Aldi und Ikea bereits Ladestationen für Elektroautos an, da sie ein hohes Interesse daran haben, ihren Kunden einen besseren Service zu bieten. asp: Die Anzahl der Ladestationen ist die eine Sache, die andere ist die Dauer des Ladevorgangs. Und gerade die Schnell-Ladestationen sind noch rar gesät. K. Sigl: Ich kann die Diskussion um Schnell-Ladestationen nicht nachvollziehen. In der Stadt ist das überhaupt kein Problem. Wenn ich in ein Einkaufszentrum fahre, möchte ich nur so viel nachladen können, damit ich auch wieder nach Hause komme. Dafür brauche ich keinen Schnell-Lader. Bei Langstrecken gebe ich Ihnen Recht. Zusammen mit Tank & Rast will die Bundesregierung bis Ende 2017 eine Schnell-Lade-Infrastruktur entlang der Autobahnen errichten. Als Problem sehe ich eher die Insellösung der Bezahlsysteme. Es ist nicht nachvollziehbar, dass ich mit einer Zahlkarte nicht an allen Zapfsäulen tanken kann. Das wird sich aber ändern. asp: Was müsste noch geschehen, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen? K. Sigl: Wir müssen uns vor allem um die Gesetzgebung kümmern. Dazu gehören banale Dinge, wie das Laden beim Arbeitgeber nicht als geldwerten Vorteil zu sehen. Wir müssen die Steuervergünstigungen für Unternehmen stärken, denn die sind Vorreiter. Wir müssen auch Sonderlösungen für die Kommunen finden. Und wir müssen auch die notwendige Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern schaffen, denn bislang gibt es kaum Tiefgaragen mit Ladestationen. asp: Müssen auch die Autohäuser aktiver beim Verkauf von Elektroautos werden? K. Sigl: Unbedingt. Wenn ich heute in ein Autohaus gehe und ein Elektroauto kaufen möchte, fragt mich der Verkäufer, warum ich mir das antun möchte, und verweist lieber auf die günstige Tageszulassung mit Verbrennungsmotor. Wir müssen die Verkäufer auch dazu bringen, sich gedanklich von der Autoschiene wegzubewegen und sich um das Drumherum zu kümmern. Beispielsweise ließe sich ein Elektroauto im Bundle mit Solaranlage vom Anbieter vor Ort verkaufen. asp: Durch Elektroautos fallen viel weniger Verschleißteile an. Was müssen Werkstätten tun, um auch in Zukunft Geld zu verdienen? K. Sigl: In Zukunft wird es nicht mehr funktionieren, dem Kunden Öl nachzufüllen. Werkstätten sollten offen an das Thema Elektromobilität herangehen und es nicht verdammen. Sie sollten sich die Frage stellen, wo ihre Chancen in Zukunft liegen. Was für Teile eines Elektroautos können gewartet werden? Kann man dem Kunden vielleicht eine zusätzliche Mobilitätsleistung verkaufen? Wer sich jetzt damit beschäftigt, wird am Ball bleiben. Wer sich wehrt, wird langfristig vom Markt verschwinden. Interview: Alexander Junk www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 31

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AUTOMOBILTECHNIK MAGNA Wegweisende Technologien Kürzlich präsentierte Automobilzulieferer Magna am Standort in Sailauf neue Antriebstechnologien, intelligente Fahrassistenzsysteme, modernen Leichtbau und ein komfortables Schließsystem. utomobilzulieferer Magna gehört zu den Großen der Branche und stellt nicht nur einzelne Komponenten und Systeme für Autos her, sondern produziert sogar komplette Fahrzeuge für OEM, beispielsweise die Mercedes­ Benz G­Klasse oder den Mini Countryman. Dank eines breiten Produktportfolios und großer Erfahrung ist Magna zukünftig für den Wandel in der Automobilbranche bestens gerüstet. Ende Juni lud der Zulieferer zu einem Besuch des Standortes in das unterfränkische Sailauf ein, um über die neuesten Produkte zu informieren. Magna entwickelt dort unter anderem Fahrerassistenzund Sicherheitssysteme, Innen­ und Außenspiegel, Türgriffsysteme, Türschlös­ Im Hyundai Tucson war Flex4 mit Kamera an der Kardanwelle installiert. ser, Fensterheber, Cockpits, Autositze, Stoßfänger sowie Blechteile wie Kotflügel und Fahrzeugstrukturen. Neben der Verwaltung befindet sich dort auch die „Advanced Car Technology Systems GmbH“(ACTS), ein Sicherheitszentrum von Magna, das umfangreiche Crashtests durchführen kann. Nach Besichtigung der Anlage in Sailauf bestand auf dem ADAC­ Fahrsicherheitszentrum Rhein­Main in Gründau die Möglichkeit, die neuesten Technologien live zu erfahren. Ganzheitliche Lösungen Gerd Brusius, Vice President Sales & Marketing für Magna in Europa, erklärte, wie der Zulieferer kontinuierlich in Innovationen investiert, um seine Vorreiterrolle KURZFASSUNG Automobilzulieferer Magna präsentierte in Sailauf Neuheiten wie einen spritsparenderen Allrad­Antrieb, einen fortschrittlichen Notbrems­Assistent und ein Wasserstoff­Fahrzeug. Auch Leichtbau­Lösungen und ein Schließsystem wurden gezeigt. auf dem Markt zu behaupten. „Mit innovativen Ideen und erstklassiger Produktion konnte sich Magna als einer der führenden Automobilzulieferer in der Branche etablieren. Diesen Weg werden wir weiter beschreiten, um unseren Kunden auch in Zukunft den größtmöglichen Mehrwert zu bieten“, erklärt der Vice President. Zwischen 2016 und 2018 möchte Das Flex4-System kann dank Lamellenkupplung die Vorderachse vom restlichen Antriebsstrang abtrennen. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Foto:s Magna, Alexander Junk www.autoservicepraxis.de

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Kohlefaserumwickelte Wasserstofftanks im Kofferraum des Vito Fahrspaß: Ford Focus ST und RS, Ersterer mit Getrag-DCT-Getriebe der Zulieferer weltweit an der Markteinführung von insgesamt 285 Fahrzeugtypen beteiligt sein. Das entspricht in der Summe 66 Prozent aller Branchenneuheiten in diesem Zeitraum. Auch Magna ist sich bewusst, dass das Automobil in Zukunft mehr als ein bloßes Transportmittel sein wird. Die Forschungs­ und Entwicklungsarbeit soll deshalb in den nächsten 25 Jahren von den globalen Megatrends wie Elektromobilität, Vernetzung oder dem autonomen Fahren bestimmt werden. Fahrzeuge sollen ganzheitlich betrachtet und Lösungen entwickelt werden, die intelligenter, sauberer, sicherer und leichter sind, aber gleichzeitig für die Kunden erschwinglich bleiben. Zuverlässiger Notbrems- Assistent: Magnas „Eyeris“- System im Cadillac SRX In Zukunft smartere Autos Leichtbau leistet einen wichtigen Beitrag zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen. Magna setzt im Autobau beispielsweise auf Druckguss­Bauteile für Fahrwerk und Karosserie, Motorhauben aus Kohlefaser oder aktive aerodynamische Systeme für geringeren Fahrwiderstand. Am Beispiel eines Ford Focus zeigte das Unternehmen auf, wie sich 23 Prozent Gewicht nur durch den Einsatz von Leichtbaumaterialien sparen lassen. „Smarte“ Technologien sollen dem Konsumenten zudem hinsichtlich Komfort und Connectivity zu einem besseren Fahrerlebnis verhelfen. Eine Möglichkeit besteht darin, mechanische durch elektronische Komponenten zu ersetzen. Ein Beispiel präsentierte der Zulieferer mit der Seitentürverriegelung „SmartLatch“, die zu 100 Prozent elektronisch arbeitet und dabei vollständig ohne Kabel, Leisten und bewegliche Handgriffe auskommt. Das System kam erstmals im BMW i8 zum Einsatz. Automobilhersteller profitieren durch SmartLatch auch von einer Gewichtsersparnis im Vergleich zu mechanischen Türverriegelungen. Zusätzlich soll auch die Sicherheit erhöht werden. Eine deutliche Spritersparnis bei Allradfahrzeugen bietet das AWD­System „Flex4“, das Magna in zwei Versuchsfahrzeugen (Hyundai Tucson und BMW X3) präsentierte. Normale Allradsysteme machen ein Fahrzeug nicht nur schwer, sondern bringen auch Schleppverluste mit sich, da sämtliche Teile des Antriebs ständig in Bewegung sind. Das Flex4­System von Magna verfügt über eine Lamellenkupplung, die vor dem Vorderachsabtrieb der Kardanwelle den restlichen Antriebsstrang nach hinten abtrennt (beim BMW X3 geschieht das umgekehrt). Achsdifferenzial und Kardanwelle stehen während der Fahrt mit Zweiradantrieb still und sorgen dabei für weniger Reibung. Bei Bedarf können sie sich jedoch innerhalb von Millisekunden wieder aktivieren, ohne dass der Fahrer davon etwas mitbekommt. Gänzlich ohne konventionellen Kraftstoff kommt ein umgebauter Mercedes­ Vito­Transporter aus, den Magna zur Testfahrt bereitstellte. Anstelle eines Verbrennungsmotors ist der Vito mit Brennstoffzelle und Elektroantrieb an allen vier Rädern ausgestattet. Die Brennstoffzelle stammt aus einer Kooperation mit Hersteller Proton Motor Fuel Cell. Das Fahrzeug kann an üblichen Wasserstofftankstellen betankt werden. Um dem hohen Druck der Wasserstoff­Betankung standzuhalten, sind die Wasserstoff­Tanks im Kofferraum mit Kohlefaser umwickelt und sollen laut Magna auch Unfälle ohne Schäden überstehen können. Die Technik ist serienreif und kann auf Wunsch für OEMs geliefert werden. Eine fortschrittliche Technologie zur aktiven Sicherheit zeigte Magna mit dem Assistenzsystem „Eyeris“, das in einem Cadillac­SRX­Versuchswagen verbaut wurde. Das System nutzt eine hochauflösende Frontkamera, die gemeinsam mit dem Fahrzeugradar Funktionen wie Spurhaltung, automatische Fernlichtschaltung, automatische Notbremsung, adaptive Geschwindigkeitsregelung und Ähnliches regelt. Besonders beeindruckend zeigte sich das automatische Notbremssystem im Test, das bis zu einer Geschwindigkeit von über 50 Kilometer pro Stunde zuverlässig funktionierte und das Fahrzeuge in wenigen Metern vor einem Hindernis zum Stehen brachte. Alexander Junk ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 33

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AUTOMOBILTECHNIK RANGE ROVER EVOQUE CABRIO/JEEP RENEGADE Zwei Offroader für Stadt und Land Kompakte SUV liegen im Trend: Während das Range Rover Evoque Cabrio ein einzigartiges Softtop-Dach besitzt, eignet sich der Jeep Renegade besonders für den Einsatz im rauen Gelände. in geländegängiges SUV als Cabrio? Mit dem Range Rover Evoque Cabrio hat Land Rover ein komplett neues Modell am Start. asp AUTO SERVICE PRAXIS konnte auf einer Probefahrt dieses außergewöhnliche Fahrzeug testen und war sehr angetan. Typisch SUV: Die höhere Sitzposition erleichtert nicht nur das Ein- und Aussteigen, sondern verbessert auch die Übersicht. Diese ist übrigens im geschlossenen Zustand etwas eingeschränkt. Vorne und hinten eingebaute Parkpiepser bewahren die Insassen vor kleineren Bagatellschäden. Freie Sicht nach oben gibt es, wenn das neue Stoffdach in „Ebony Black“ bis zu einer Geschwindigkeit bis 48 Kilometer pro Stunde in nur 18 Sekunden geöffnet wird. Binnen 21 Sekunden ist es wieder komplett geschlossen, was ebenfalls während der Fahrt möglich ist. Überrollbügel im Cabrio-Betrieb Das von Webasto stammende und mit 3,44 Quadratmeter größte auf dem Markt befindliche spannbügellose Softtop ist weltweit einzigartig und verfügt über sehr gute Schallisolierungseigenschaften. Vier Elektromotoren legen das Dach geräuscharm hinter den Rücksitzen ab, welches bündig mit dem Karosserieheck abschließt. Das Kofferraumvolumen von 215 Litern verändert sich übrigens nicht – weder bei geschlossener noch bei offener Fahrt. Dank der Skidurchreiche kommen auch Wintersportler auf ihre Kosten, die Das Dach des Evoque lässt sich während der Fahrt bis knapp 50 km/h öffnen und schließen. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Das Range Rover Evoque Cabrio ist ein kompaktes SUV und Cabrio zugleich. ins Gelände abbiegen. Dank der Verstärkungen ist kein Verwinden und Knarzen zu spüren. Sollte man dennoch den hohen Neigungswinkel überschreiten, dann sorgen Überrollbügel für Sicherheit, die binnen 90 Millisekunden ausfahren und Schutz bieten. Eine Herausforderung bestand darin, dass die Airbags nicht auslösen, wenn das Fahrzeug im Gelände „nur“ auf ein Hindernis, beispielsweise einen Stein, auffährt. Auch dieser Anforderung wurden die Ingenieure gerecht. Der voll ausgestatmit Allradantrieb nahe der Piste parken können. Die Kopffreiheit entspricht der des Coupés und die Geländetauglichkeit unterstreicht seine Vielfältigkeit. Das von uns getestete Zwei-Liter-Diesel-Aggregat stellt 180 PS zur Verfügung und sorgt ab 1.750 Touren für ordentlich Fahrspaß. Acht Liter flossen bei unserer Ausfahrt am Starnberger See im Schnitt in die Brennkammern. Die Neunstufen-Automatik funktioniert dabei tadellos. Und wem das alles nicht genug ist, der kann sogar offen Die „Sand“-Einstellung des Jeep Renegade optimiert Traktion und Gasannahme. „Trail Rated“: In der Trailhawk-Ausführung eignet sich der Renegade auch für raues Gelände. Fotos: Thomas Maier/Alexander Junk www.autoservicepraxis.de

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KURZFASSUNG Mit dem Range Rover Evoque Cabrio hat Land Rover ein kompaktes SUV vorgestellt, das sich auch während der Fahrt oder im Gelände zum Cabrio verwandeln lässt. Eine besonders gute Geländetauglichkeit bietet der Jeep Renegade in der „Trailhawk“-Ausführung, da er neben Allradantrieb auch noch spezielle Gelände-Modi und einen Bergabfahrassistenten besitzt. tete Testwagen hatte einen Wert von rund 61.000 Euro, los geht es ab 51.200 Euro. Dann sind Lederausstattung, Leichtmetallräder, Zweizonen-Klimaautomatik und ein Infotainment-System mit 10,2 Zoll großem Touchscreen bereits an Bord. Das Auto ist absolut alltagstauglich und wird wahrscheinlich größtenteils als Lifestyle-Zweitwagen zum Einsatz kommen. Denn das Range Rover Evoque Cabrio ist für vier Personen zugelassen und vermag in voller Besetzung nicht viel mehr Gepäck zu schlucken. Anvisiert als Käufer werden gut betuchte Kunden, die sich in der Mini-Cooper-Klasse zu Hause fühlen. Man darf gespannt sein, ob dieser schöne Triathlet mit der coupéhaften Erscheinung den von Range Rover anvisierten Marktanteil von zehn bis 15 Prozent erreichen wird. In jedem Gelände zu Hause Wer es etwas rustikaler bevorzugt, sollte sich den Jeep Renegade einmal näher ansehen. Der Urenkel des legendären Willys-Geländewagen orientiert sich optisch an ihm und ist an den runden Hauptscheinwerfern, dem Kühlergrill mit sieben Vertikalstreben und der Fensterlinie im Halbtüren-Design deutlich erkennbar. Dennoch ist der Renegade eher Italiener als Amerikaner, denn seine Plattform basiert auf dem Fiat 500X, mit dem er auch zusammen in Italien produziert wird. Wir haben das beste Ausstattungs- Modell „Trailhawk“ mit dem Diesel-Triebwerk Multijet 2.0, 170 PS und Allrad-Antrieb getestet. Obwohl der Renegade von den meisten Nutzern wohl nie im Gelände genutzt wird, hat er dennoch bemerkenswerte Offroad-Eigenschaften. Er kann aber auch zum reinen Fronttriebler mutieren: Das ActiveDrive-Allradsystem kann im Auto-Modus automatisch die Kardanwelle und somit den Hinterradantrieb bei ausreichender Traktion deaktivieren, was Treibstoff sparen soll. Mit der Funktion „4WD Lock“ ist hingegen www.autoservicepraxis.de eine permanente Aktivierung des Allradantriebs möglich. Wer sich damit über Stock und Stein wagt, freut sich auch über die Funktion „4WD Low“, die ein Untersetzungsverhältnis von 20:1 ermöglicht. Mit dem zusätzlichen Bergabfahrassistent lässt sich zudem ein steiles Gefälle ohne Brems eingriff des Fahrers meistern. Zusätzlich hat der Jeep Renegade noch eine „Select-Terrain“-Taste, mit der sich auswählen lässt, ob man auf Schnee, Sand oder Gestein unterwegs ist. Die Fahrzeugsysteme werden dann entsprechend optimiert, beispielsweise für maximale Traktion bei niedrigen Geschwindigkeiten. Die Trailhawk-Version besitzt darüber hinaus noch eine verstärkte Unterbodenverkleidung für Tank, Vorderachsaufhängung und Getriebe. Aber auch im Straßen-Alltag überzeugt der Jeep mit seiner fein abgestuften Neunstufen-Automatik von ZF. Schaltvorgänge sind butterweich und kaum wahrnehmbar. Thomas Maier/Alexander Junk ■ INNOVATION. HOCHLEISTUNG. SICHERHEIT. GESTERN. HEUTE. MORGEN. GESTERN – bedeutet bei Textar: „Beste Bremstechnologie seit über 100 Jahren“ HEUTE – gehört die Premiummarke Textar zu einem der weltweit größten Erstausrüster und bietet eines der breitesten Programme im Ersatzteilmarkt. MORGEN – hat bei Textar bereits heute begonnen. Denn wir entwickeln schon jetzt optimale Bremslösungen für die Fahrzeuge der Zukunft. Wir freuen uns, Sie hier zu treffen: 13.-17.09.2016 Halle 6.0 Stand B80 www.textar.com

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AUTOMOBILTECHNIK AUDI Einsteiger-SUV und A3-Facelift Audi hat mit dem Q2 einen weiteren Ableger der Q-Reihe im SUV-Segment vorgestellt, der sich besonders an das jüngere Publikum richten soll. Darüber hinaus hat der beliebte A3 ein sanftes Facelift bekommen. DATEN AUDI Q2 Familienzuwachs: Der neue Q2 ist das kleinste Q-Modell und für ein jüngeres Publikum bestimmt. udi hat ein weiteres SUV aus der Q-Reihe vorgestellt: Der neue Q2 ist nicht nur der Kleinste aus der Serie, sondern soll mit seinem erfrischenden Design auch jüngere Käufergruppen ansprechen. Wir haben den Newcomer in Zürich ausgiebig testen können. Besonders stolz ist der Autobauer auf das Design des Q2. „Wir haben für den Audi Q2 eine betont geometrische Formensprache mit spezifischen Designmerkmalen entwickelt. So präsentiert er sich als eigenständiger Charakter innerhalb der Q-Familie“, beschreibt Audi-Designchef Marc Lichte das SUV. Tatsächlich unterscheidet sich der Q2 stark von den anderen Q-Modellen: Das niedrige Dach und die hohe Fensterlinie erinnern an ein Coupé. Der Q2 ist so hoch KURZFASSUNG Neuzugänge bei Audi: Der Q2 komplettiert die Q-Reihe als kleinstes SUV-Modell und ist speziell für das jüngere Publikum geeignet. Der A3 hat hingegen ein kleines Facelift bekommen. Änderungen finden sich vor allem in der Motorenpalette. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 weise mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder einer neu entwickelten Siebengang-Automatik (S Tronic) erhältlich. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet die Gänge sehr flott und ermöglicht eine sportliche Fahrweise. Alle Modelle besitzen zudem Audis „Progressivlenkung“, bei der die Übersetzung abhängig vom Lenkeinschlag variiert werden kann – beispielsweise wird die Lenkung bei großen Lenkbewegungen direkter. Zusätzlichen Komfort bieten optional adaptive Dämpfer und das System „Drive select“, mit dem die Fahrcharakteristik des Autos geändert werden kann. Wie es sich für ein Fahrzeug für die jüngere Generation gehört, wartet der Q2 auch mit zahlreichen Connectivity- und Infotainment-Funktionen auf. Mit einem optionalen Touchpad in der Ausstattungsvariante „MMI Navigation plus“ mit „MMI touch“ kann der Fahrer in der Karte zoomen, während die Passagiere über einen WLAN-Hotspot surfen. Auch das volldigitale „Virtual Cockpit“ mit 12,3-Zoll-Bildschirm und hochaufgelösten Grafiken ist erhältlich. Tacho und Drehzahlmesser lassen sich so in verschiedenen Größen darstellen oder die Kartenwie ein SUV, unterscheidet sich aber kaum von den Abmessungen eines A3. Keilförmige Scheinwerfer, Singleframe-Grill und große Lufteinlässe sorgen für das typische Audi-Gesicht. Der Q2 gibt sich auch sehr farbenfroh: Die C-Säulen lassen sich mit farbigen Abdeckungen („Blades“) ordern. Es lässt sich auch ein LED-Lichtpaket für den Innenraum bestellen, das die Dekorelemente wie das Quattro-Logo in verschiedenen Farben illuminieren kann. Ausstattung satt Der Q2 ist mit sechs verschiedenen Motoren erhältlich, darunter drei Benziner (TFSI) und drei Diesel-Triebwerke (TDI). Die Leistung reicht dabei von 116 PS bis hin zu 190 PS in der Top-Variante. Serienmäßig ist dort auch ein permanenter Allradantrieb verfügbar. Der 1.4 TFSI ist darüber hinaus mit einer Zylinderabschaltung ausgestattet. Der neue 1,0-Liter-Dreizylinder zeigte sich im Test sehr spritzig und angenehm leise. Die 190-PS-TDI-Version beeindruckte dagegen noch mehr auf bergigen Strecken rund um den Zürichsee mit deutlich mehr Reserven. Der Q2 ist wahl- Fotos: Alexander Junk Audi Q2 1.0 TFSI: Motor: 116 PS, 200 Nm Drehmoment Grundpreis: ab 22.900 Euro Audi Q2 1.4 TFSI: Motor: 150 PS, 250 Nm Drehmoment Grundpreis: ab 24.900 Euro Audi Q2 1.6 TDI: Motor: 116 PS, 250 Nm Drehmoment Grundpreis: ab 25.850 Euro Audi Q2 2.0 TDI: Motor: 150 oder 190 PS, 340 oder 400 Nm Drehmoment Grundpreis: ab 28.150 Euro www.autoservicepraxis.de

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DATEN AUDI A3 Audi A3 Sportback 1.0 TFSI: Motor: 115 PS, 200 Nm Drehmoment Grundpreis: ab 24.200 Euro Audi A3 Sportback E-Tron 1.4 TFSI: Motor: 204 PS, 250 Nm Drehmoment Grundpreis: ab 37.900 Euro Audi S3 Cabriolet 2.0 TFSI: Motor: 310 PS, 380 Nm Drehmoment Grundpreis: ab 50.700 Euro Audi A3 2.0 TDI: Motor: 150 oder 184 PS, 340 oder 380 Nm Drehmoment Grundpreis: ab 28.250 Euro Der neue A3 ist als Dreitürer, Sportback, Limousine und Cabrio erhältlich (im Bild: Sportback). ansicht des Navis einblenden. Noch mehr Infos bietet das optional erhältliche Headup-Display, das wichtige Daten in das Blickfeld des Fahrers projizieren kann. Audis Online-Dienste zeigen Parkplatzinfos, Kraftstoffpreise und aktuelle Nachrichten auf dem Monitor des Infotainmentsystems an. Auch Twitter und ausgewählte Smartphone-Inhalte sind möglich. Die dafür benötigte Daten-Flatrate ist dank der fest im Q2 verbauten SIM-Karte inklusive. Unterstützung in kritischen Situationen gibt der serienmäßige Notbremsassistent. Der Q2 kann auch selbstständig den Abstand zum Vordermann halten, er übernimmt im zäh fließenden Verkehr auf Autobahnen kurzzeitig die Lenkarbeit, hat einen Totwinkelwarner, erkennt Verkehrszeichen und assistiert ab 60 Kilometer pro Stunde beim Halten der Fahrspur. Motorenpalette überarbeitet Neben dem neuen Q2 hat Audi jüngst auch ein Facelift für das Kompaktmodell A3 als Dreitürer, Sportback, Limousine Gestaltungsfreiheit: Die C-Säule des Q2 lässt sich mit farbigen „Blades“ verschönern. und Cabrio präsentiert. Wir konnten den neuen Audi in München auf einer Testfahrt unter die Lupe nehmen. Auf den ersten Blick gibt es kaum Veränderungen zum 2012 eingeführten A3-Modell, die Optik wurde jedoch dezent überarbeitet. So ist der Singleframe-Kühlergrill nun etwas breiter und die Scheinwerfer haben jetzt ein ähnliches Design wie der große Bruder A4. Unter der Haube stecken jedoch verbesserte Motoren. Unter anderem kommt nun ein neues 1,0-TFSI-Triebwerk mit drei Zylindern wie im Q2 zum Einsatz, das ein erstaunlich hohes Drehmoment von 200 Newtonmeter schafft. Es stehen mit dem 1.4 TFSI und dem 2.0 TFSI aber noch zwei weitere Benziner mit bis zu 190 PS zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es noch drei Diesel-Motoren, der stärkste davon mit zwei Zwei-Liter-Hubraum und 184 PS sowie 380 Newtonmeter Drehmoment. Das neue Topmodell der A3-Reihe ist der Audi S3, der im Vergleich zum Vorgänger 10 PS und 20 Newtonmeter Drehmoment mehr Leistung verpasst bekommen hat. Somit Der S3 hat nun eine Leistung von 310 PS – zehn PS mehr als der Vorgänger. kommt der Sportbolide, den wir als Cabrio in der Farbe „Vegasgelb“ fahren durften, auf insgesamt 310 PS und 380 Newtonmeter maximales Drehmoment. Richtig Spaß macht das Ganze mit DCT-Getriebe, das Audi sowohl als Sechsgang-Variante und als Siebengang-Version anbietet. Der A3 Sportback ist zudem als Plug-in-Hybrid „E-tron“ mit 204 PS Systemleistung erhältlich, bei dem der 1,4-Liter-Benziner von einem E-Motor unterstützt wird. Und es gibt ihn als Erdgas-Version „G-tron“, die laut Audi bis zu 900 Kilometer Reichweite schaffen soll. Optional lässt sich im A3 das Virtual Cockpit mit großzügigen 12,3-Zoll-TFT- Bildschirm und MMI Navigation ordern. Android Auto und Apple CarPlay sind dann ebenfalls mit an Bord. Internetsurfer freuen sich über die integrierte SIM-Karte, mit der eine europaweite Datenflatrate gegen Aufpreis möglich ist. Auch für die Sicherheit ist bestens gesorgt: Es stehen zahlreiche Assistenten wie ein Spurhalte-, Stau-, Querverkehr- und Emergency- Assistent zur Verfügung. Alexander Junk ■ Der E-Tron ist ein Plug-in-Hybrid und lässt sich auch per Ladekabel aufladen. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 37

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AUTOMOBILTECHNIK GENTEX Den Überblick bewahren Der amerikanische Hersteller Gentex hat einen Innen-Rückspiegel entwickelt, auf dem sich das Bild der Rückfahrkamera einblenden lässt. Wahlweise lässt er sich auch als herkömmlicher Spiegel verwenden. Fotos: Alexander Junk, Gentex Das Bild stammt von einer Kamera im Heck, die in einer Sharkfin-Antenne versteckt ist. er Taxi fährt, kennt das: Der Fahrpreis wird oft auf einer digitalen Anzeige direkt auf dem Innen-Rückspiegel eingeblendet. Meistens stammt dieser Spiegel vom amerikanischen Hersteller Gentex, der laut eigenen Angaben 90 Prozent Marktabdeckung bei abblendbaren Rückspiegeln hat. Fahrer wird nicht abgelenkt In Zeiten von Displays und 180-Grad- Kameras hat sich der Hersteller etwas Neues ausgedacht: Warum nicht das Bild der Rückfahrkamera direkt auf dem Innen-Rückspiegel einblenden? Die Idee des FDM-Display-Spiegels („Full Display Mirror“) war geboren. Eine Kamera im Heck überträgt das Geschehen hinter dem Auto nach vorne auf den Spiegel. Vorteil: Der Fahrer muss seinen Blick nicht vom Verkehrsgeschehen abwenden und sieht darüber hinaus einen größeren Bereich als mit einem Standard-Rückspiegel. Der FDM-Display-Spiegel kann zudem deaktiviert werden und übernimmt die Funktion eines herkömmlichen Spiegels. Auch eine Abblendfunktion ist integriert. Möglich macht das ein spezielles LCD- Display, das hinter der Spiegelschicht ver- AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 baut ist. Der FDM-Spiegel wird bereits in einigen Cadillac-Modellen eingesetzt, soll aber laut Gentex auch den Weg in die Elektrofahrzeuge Chevrolet Bolt und Opel Ampera E finden. Das Unternehmen steht aber auch in Verhandlungen mit weiteren OEM aus Deutschland. In einem Test mit einem modifizierten VW Passat konnten wir die Spiegel schon einmal testen. Die Rundumsicht nach hinten ist tatsächlich besser als mit einem herkömmlichen Rückspiegel. Fahrradfahrer, die sich im toten Winkel näherten, waren viel früher zu erkennen. Alexander Junk ■ SICHTFELD UM 200 PROZENT ERWEITERT Der Display-Rückspiegel deckt einen deutlich größeren Bereich als herkömmliche Rückspiegel ab. www.autoservicepraxis.de

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PRODUKTE MONTAGEKITS Für Fahrwerk und Lenkung Mit den neuen Lemförder-Montagekits („Service Packs“) erleichtert ZF Services Lenkungs- und Fahrwerkreparaturen für Werkstätten. Die fahrzeugspezifischen Befestigungssätze können zur jeweiligen Hauptkomponente zusätzlich bestellt werden und beinhalten dann alle benötigten Teile für die Reparatur. Die Kits enthalten auch das Befestigungsmaterial für die auszutauschenden Hauptkomponenten. Bis Jahresende sollen 90 Montagekits für über 250 Fahrzeugmodelle von Audi bis Volvo im Handel erhältlich sein. aj ■ ZF Friedrichshafen AG www.zf.com Foto: ZF Friedrichshafen Foto: ExxonMobil MOTORENÖL Vier Prozent Sprit-Ersparnis Das neue „grüne“ Motorenöl „Mobil 1 ESP x2 0W-20“ von ExxonMobil soll im Vergleich zur 5W-30-Variante den Kraftstoffverbrauch um bis zu vier Prozent senken. Die Formulierung bietet auch eine zuverlässige Leistung, hohen Verschleißschutz sowie gute Oxidationsstabilität. Eine erhöhte Motorenlebensdauer stand ebenfalls im Fokus der Entwicklung. Das niedrigviskose Öl ist von VW, Porsche und Jaguar Land Rover freigegeben. aj ■ ExxonMobil Central Europe Holding GmbH www.exxonmobil.de ERSATZTEIL-KATALOG Bremsen für jeden Typ Bremsen-Spezialist Brembo hat die Ausgabe 2016 des Brembo-Friction-Katalogs präsentiert, diesmal wieder als klassische Multiprodukt-Version. Bremsen-Ersatzteile wie Scheiben, Beläge oder Backen lassen sich für fast jedes Fahrzeug schnell und einfach finden. Der Katalog bietet ein Sortiment an Bremsscheiben und Bremsbelägen von fast 3.000 Referenzen, darunter mehr als 1.500 Scheiben und über 1.400 Beläge. Das Angebot an Trommeln und Backen umfasst außerdem weitere 1.000 Artikelcodes. aj ■ Brembo S.p.A. www.bremboparts.com Foto: Brembo Foto: Pirelli REIFEN Flüsterleiser Winterreifen Pirelli hat mit dem „Cinturato Winter“ einen neuen Winterreifen vorgestellt, der ab sofort in 30 Größen von 14 bis 17 Zoll verfügbar ist. Gegenüber dem Vorgänger Snow Control 4 soll er eine 10 Prozent höhere Laufleistung und Sicherheit erreichen. Die Wasserverdrängung wurde durch das neue V-Profil um 76 Prozent gesteigert. Die 4D-Lamellen verbessern sowohl den Grip auf glatter Oberfläche als auch die Bremsleistung. Der Reifen ist mit 66 dB Rollgeräusch auch sehr leise und für Elektrofahrzeuge empfehlenswert. aj ■ Pirelli Deutschland GmbH www.pirelli.de www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 39

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ASA NEWS AUTOMECHANIKA 2016 Wichtigste Informationsplattform Wenn die Automechanika am 13. September 2016 ihre Tore für das internationale Fachpublikum öffnet, wird die Kfz-Branche zur Höchstform auflaufen und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. „Auch die Werkstattausrüster werden wieder ein buntes Feuerwerk an Innovationen für mehr Qualität, Effizienz und Sicherheit im Kfz-Service präsentieren“, sagt Frank Beaujean, Präsident des ASA-Verbandes. Im Mittelpunkt werden vernetzte Konzepte für effizientere Serviceabläufe, innovative Lösungen für die aktuellen gesetzlichen Anforderungen im Bereich der Prüftechnik und zahlreiche Hilfsmittel für den Umgang mit aktuellen Fahrzeugtechnologien stehen. „Die heute bekannte Mobilität ist einem schnellen Wandel unterworfen. Neue und teilweise konkurrierende Technologien und Konzepte fordern die Kfz-Branche heraus und in der Wirbelschleppe auch die Mitglieder des ASA- Verbandes. Deshalb ist die Automechanika die wichtigste Informationsplattform für Entscheidungsträger in der Kfz-Servicewelt“, so Beaujean. Die Erwartungen der Werkstattausrüster an die Automechanika sind groß: „Nachdem dieses Messekonzept in vielen Ländern mit großem Erfolg etabliert wurde, erwarten wir, dass sich die Automechanika in Frankfurt wieder als ,die internationale Leitmesse‘ beweist und viele Impulse für eine Marktbelebung liefert“, fasst der ASA-Präsident zusammen. HEBETECHNIK Mehr Sicherheit beim Heben Die Revision der Hebebühnennorm EN1493 kommt weiter voran. Bei ihrem zweiten Treffen hat die Arbeitsgruppe CEN/TC 98/WG3 Themen diskutiert, welche die Sicherheit beim Anheben von Fahrzeugen weiter verbessern sollen. So wurde zum Beispiel angeregt, wie bei Fahrflächenhebebühnen, bei denen die Neigung der Fahrflächen in Längsrichtung auf ein Grad begrenzt ist, auch für Zwei-Säulen-Hebebühnen eine maximale Neigung vorzuschreiben. „Im Gespräch ist gegenwärtig eine Neigung von drei Grad. Diese Maßnahme soll die Mindestqualität der Hebebühnen sicherstellen und ver hindern, dass der Einsatz minderwertiger Materialien die Stabilität der Hebebühne und damit die Sicherheit gefährdet“, sagt Wolf- Erik Schmitt, Leiter des ASA-Fachbereichs AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Hebetechnik. Weiter wurde angeregt, dass die Normfahrzeug-Anforderungen bei Fahrflächenhebebühnen auch mit Last- Kontroll-Einrichtungen erfüllt werden können. Diese Option gestattet ein intelligentes Design dieser Hebebühnenbauart und ermöglicht Materialeinsparungen bei gleicher Sicherheit. Ein weiteres Thema war das Reduzieren der Hub- und Senkgeschwindigkeiten auf 5 mm/s bei Hebebühnen für Schienen- und auf 10 mm/s bei Hebebühnen für Straßen fahrzeuge. „Wir gehen davon aus, dass wir beim nächsten Treffen im Herbst ein finales Dokument verabschieden können, das an die Normungskommission weitergeleitet wird“, sagt Schmitt. Mit der Verabschiedung der überarbeiteten EN1493 sei jedoch nicht vor Ende 2017 zu rechnen. Dem Vorschlag der CEN/TC 98/WG3 zufolge sollen Last-Kontrolleinrichtungen Optimierungen der Fahrflächenhebebühnen ermöglichen. Foto: BlitzRotary KOMPAKT Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen e.V. Der ASA-Bundesverband ist in diesem Jahr mit einem größeren und neu gestalteten Stand auf der Automechanika in Frankfurt vertreten. Er ist in Halle 8 Stand B60 zu finden. Neben der Leitmesse in Frankfurt stehen in diesem Jahr noch zwei weitere Automechanika-Veranstaltungen auf dem Programm: Vom 09. bis 11.11.2016 findet die Automechanika Buenos Aires statt und vom 30.11. bis 03.12.2016 die Automechanika Shanghai. Für beide Messen hat der ASA-Bundesverband Fördermittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie beantragt. Für die Automechanika Shanghai sind diese bereits genehmigt, so dass ein deutscher Gemeinschaftsstand umgesetzt werden kann. Teilnehmer profitieren von einer professionellen Organisation, einem attraktiven Messestand und einem umfangreichen Servicepaket. Im Rahmen der Automechanika 2016 in Frankfurt findet am 14. September der traditionelle ASA-Abend statt. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr im Forum der Messe Frankfurt, Saal Panorama. Nähere Informationen gibt es bei der ASA-Geschäftsstelle – Kontaktdaten siehe unten. KONTAKT Geschäftsstelle ASA Bundesverband Tel. 0 82 61/9 09 50-90 Fax 0 82 61/9 09 50-89 geschaeftsstelle@asa-verband.de www.asa-verband.de www.autoservicepraxis.de

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WERKSTATTTECHNIK HEBETECHNIK Klassiker sicher anheben In Oldtimer-Werkstätten geht ohne Hebeeinrichtungen nichts. Als zentrales Arbeitsmittel ermöglichen sie Reparaturen am Fahrzeug-Unterboden. Doch das Anheben eines Oldtimers kann erhebliche Risiken bergen. er sich eine Hebeeinrichtung für seine Oldtimerwerkstatt anschaffen möchte, muss genau wissen, welchen Typ er wirklich benötigt“, sagt Thomas Daschner, Kfz- Technikermeister und Bosch Classic Car Service-Partner in Roding im Bayerischen Wald. Zur Auswahl stehen Grubenheber, Fahrbahnbühnen, Radgreiferanlagen oder Stempelhebebühnen – und das in verschiedenen Größen und Ausstattungsvarianten. „Als auf Oldtimer-Restaurierungen spezialisierter Fachbetrieb war es uns jedoch schnell klar, dass die Hebeanlage möglichst flexibel einsetzbar sein muss“, so Thomas Daschner. „Schließlich stammen die Fahrzeuge, die wir anheben müs- sen, noch aus einer Zeit, als Hebebühnen noch als Luxusausstattung einer Werkstatt galten. Demzufolge dachten damals nur die wenigsten Fahrzeugkonstrukteure auch an sichere Aufnahmepunkte.“ Anstatt moderne selbsttragende Karosserien sind hier Leiterrahmen, Hilfsrahmen oder andere Konstruktionen die Regeln. Hinzu kommt, dass diese oft nicht einmal aus Metall, sondern aus Holz bestehen können. Will man ein solches Fahrzeug sicher anheben, muss daher immer zuerst geprüft werden, welche Konstruktion beim Fahrzeug vorliegt und wo und an welchen Teilen das Fahrzeug angehoben werden kann. „Speziell bei Oldtimern, an denen man noch nie ge arbeitet KURZFASSUNG Das sichere Anheben von klassischen Fahrzeugen setzt eine gute Hebetechnik und umfassendes Know-how über den Fahrzeugbau vergangener Tage voraus. Werden beim Anheben Fehler gemacht, sind Personen- und Blechschäden keine Seltenheit. Kfz-Restaurator Thomas Daschner gibt Tipps und zeigt, wie es richtig geht. hat, legt man sich daher am besten unter das Fahrzeug und sieht sich bei guter Beleuchtung die Fahrwerkskonstruktion genau an“, sagt der erfahrene Kfz-Restaurator, der in seinem Betrieb zusammen mit seinen Söhnen Johannes und Tilo, Das Anheben hochpreisiger Oldtimer, wie dieser Mercedes 190 SL (Bj. 1959), birgt erhebliche Risiken. Fotos: Marcel Schoch www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 41

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WERKSTATTTECHNIK beide ebenfalls Kfz-Techniker-Meister, hauptsächlich nur deutsche Klassiker restauriert. Trotzdem kommt es vor, dass auch ausländische Oldtimer für Serviceoder Reparatur-Arbeiten zu Thomas Daschner in die Werkstatt kommen. Flexibel dank Schwenkarmen „Um auch diese Fahrzeuge sicher anheben zu können, habe ich mich für eine Stempelhebebühne mit Schwenkarmen der Firma Herrmann entschieden“, erzählt der Oldtimer-Profi. „Solche Bühnen bieten genug Flexibilität, alle Arten von Oldtimern anheben zu können.“ Im Jahr 2012 ließ sich Thomas Daschner daher die Herrmann Schwenkarmlift 2.35 in seine Werkstatt einbauen. Beratung und Unterstützung erfuhr er dabei von Konrad Meillinger, der bei der Herrmann AG in Pösing für den Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich ist. „Die Unterflurhebebühne hat an ihren beiden Stempeln jeweils zwei bodenaufliegende Schwenkarme“, erklärt Konrad Meillinger die Technik der Schwenkarmlift 2.35. „Da sie in einem Abstand zwischen den beiden Stempeln von 2.285 Millimeter angebracht sind, ist immer genug Platz, auch breite Fahrzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 3, 5 Tonnen anheben zu können.“ Für Thomas Dank einer Einschwenkhöhe von 96 Millimeter können die Tragarme auch unter tiefliegende Sportwagen greifen. Beim Ansetzen ist auf genügend Luft zwischen Tragarmen und Karosserieteilen zu achten. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Daschner besonders wichtig war aber die flexible Einstellbarkeit der Schwenkarme. „Da sie einzeln schwenkbar und teleskopisch ausziehbar sind, können sie an jede Fahrwerkskonstruktion problemlos angepasst werden“, so Konrad Meillinger. „Hinzu kommt eine sehr niedrige Einschwenkhöhe von 96 Millimeter, so dass sie auch unter sehr tief liegende Fahrzeuge greifen können.“ Insgesamt können mit der Schwenkarmlift 2.35 Fahrzeuge bis auf eine Höhe von 1, 86 Meter angehoben werden. „Da lediglich Schwenkarme unter das Fahrzeug greifen, sind auch die Licht- und Platzverhältnisse bei der Arbeit sehr gut“, berichtet Thomas Daschner von seinen Erfahrungen. „Das ist besonders bei Schweißarbeiten und der Anpassung von Blechen sehr wichtig.“ Zur Schonung der Fahrzeugsubstanz können die Schwenkarme mit Drehtellern (Steckpilzen), die mit einem besonders dicken Auflagegummi bestückt sind, ausgerüstet werden. Die Gummis stellen auch sicher, dass das Fahrzeug nicht auf den Tragarmen verrutschen kann, da diese elastisch genug sind, sich den tragenden Teilen anzupassen. Sollten sie dennoch mal nicht ausreichen, bietet Herrmann als Zubehör verschieden große Gummiplatten an. Doch auch wenn mit einer Schwenkarm-Hebebühne wie der Schwenkarmlift 2.35 alle Voraussetzungen erfüllt sind, um einen Oldtimer sicher anheben zu können, braucht es viel Erfahrung und Knowhow, um nichts falsch zu machen. Geeignete Aufnahmepunkte „Vor dem Ansetzen der Tragarme heißt es immer erst mal tief bücken und sicherstellen, dass sie wirklich an tragenden Teilen und nicht irgendwo an der Karosserie anliegen“, so Thomas Daschner. „Dabei sind die Drehteller der Schwenkarme aus Sicherheitsgründen möglichst mittig auf die tragenden Teile des Fahrzeugs auszurichten, um eine kippsichere Belastung zu erreichen.“ Auch gilt es hier, stets den optimalen Aufnahmebereich einer Hebebühne einzuhalten, damit das Fahrzeug nicht nach hinten oder vorne abkippen kann. „Beim Ansetzen der Tragarme ist zudem darauf zu achten, dass alle Drehteller auf die gleiche Höhe gebracht werden“, erklärt Thomas Daschner. „Dies gewährleistet, dass die Belastung auf die Struktur des Fahrzeugs gleichmäßig verteilt wird.“ www.autoservicepraxis.de

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Anders auch als bei modernen Fahrzeugen muss vor dem Anheben noch kontrolliert werden, ob zwischen den Tragarmen der Hebebühne und der Karosserie mindestens zwei Zentimeter Luft bleibt. Falls sich die Karosserie nämlich beim Anheben bewegt, lassen sich so Beschädigungen verhindern. Türen öffnen Speziell bei sehr alten Cabriolets, aber auch bei Fahrzeugen mit Holzrahmen, sollten schließlich noch vor dem Anheben alle Fahrzeugtüren geöffnet werden. „Beim Anheben können sich die alten Karosserien bis zu fünf Millimeter und mehr verziehen“, weiß Thomas Daschner. „Wären die Türen dann geschlossen, könnte es passieren, dass Scharniere und Schlösser reißen.“ Bei vielen Oldtimern mit Rahmen wird dieser zudem oft auch als Träger für Aggregate und Baugruppen genutzt. Werden die Drehteller des Schwenkarms am Rahmen angesetzt, dürfen diese keinesfalls auf solche Halterungen drücken, da diese sonst beschädigt werden können. Auch wenn man das Fahrzeug kennt, muss immer kontrolliert werden, ob die Tragarme richtig sitzen. Wird das Fahrzeug dann nach oben gefahren, ist zu beobachten, ob es auch an allen Aufnahmepunkten sicheren Sitz hat. Bestehen hier nur die geringsten Zweifel, ist das Anheben sofort abzubrechen, um die Tragarme erneut auszurichten. „Beim Anheben werden oft folgenschwere Fehler gemacht“, so Thomas Daschner, „die zu Lasten der Sicherheit und der Fahrzeugsubstanz gehen.“ So setzen unerfahrene Fahrzeugrestauratoren die Tragarme auch schon mal an den Blattfederaufnahmen an. „Weil sich diese beim Radfreiheben bewegen, ist hier die Gefahr des Abrutschens besonders groß“, sagt Thomas Daschner. Ähnliches gilt für die Wagenheberaufnahmen in den Schwellern. Sie bestehen meist aus Stahlrohren, die in den jeweiligen Schwellern eingeschweißt sind. In dieses Rohr wird dann der Zapfen des Kurbelwagenhebers gesteckt. „Viele setzen die Pilze der Tragarme unterhalb dieser Aufnahmen an und versuchen dann das Fahrzeug anzuheben“, berichtet Thomas Daschner. „Dabei verbiegen sich regelmäßig die Schweller.“ Da ein solcher Schaden Konrad Meillinger (links) von der Herrmann AG hat Thomas Daschner beim Kauf der Hebebühne beraten. Stark korrodierte Fahrzeuge wie dieser Porsche 356 B Cabriolet (Bj. 1961) benötigen einen Hilfsrahmen zum Anheben. nur sehr aufwändig zu reparieren ist, entstehen bei Oldtimern hier sehr schnell mehrere Tausend Euro Schaden. Echte Rostlauben sicher anheben Ein besonderes Problem sind auch stark verrostete Oldtimer, deren Restaurierung gerade ansteht. „Ist die Rahmenstruktur eines Fahrzeugs so stark korrodiert, dass es beim Anheben zu einem Durchbrechen tragender Teile kommen kann, dürfen solche Fahrzeuge keinesfalls angehoben werden.“ Um auch solche Fahrzeuge für die Restaurierung anheben zu können, werden sie zunächst im Stand bis auf die blanke Karosserie zerlegt. Im Anschluss muss, wie Thomas Daschner am Beispiel eines Porsche 356 Typ B Cabriolet (Bj. 1961) zeigt, ein Tragrahmen angefertigt werden. Dieser dient auch als Rahmenlehre, um eine Referenz für eventuellen Verzug der Karosserie bei Schweißarbeiten zu haben. „Damit die Karosserie angehoben werden kann, ist der Rahmen mit Unterzügen ausgestattet, an die die Tragarme der Hebebühne sicher angesetzt werden können“, erklärt der Kfz-Restaurator. „Rollen am Tragrahmen ermöglichen es zudem, die Karosserie bequem in der Werkstatt bewegen zu können.“ Marcel Schoch ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 43

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WERKSTATTTECHNIK GERUCHSBESEITIGUNG, TEIL 2 Reizklima Ozongeneratoren haben sich in der Fahrzeugaufbereitung bei der Geruchsbeseitigung bewährt. Ihr Einsatz ist nicht unkritisch. Im Sinne der eigenen und der Gesundheit der Kunden sollte man einige Regeln beachten. Verdampfer in Klimaanlagen sind wahre Brutstätten für Keime, Pilze und Bakterien. Biozide wirken hier besser als Ozon. eht es um die Beseitigung unangenehmer Gerüche im Fahrzeuginnenraum, fällt in vielen Fällen das Schlagwort „Ozonbehandlung“. Seit Jahren arbeiten Werkstätten und Fahrzeugaufbereiter mit Ozongeneratoren zur Geruchsbeseitigung und Desinfektion von Klimaanlagen. Außer Frage steht, dass die Methode in den meisten Fällen unangenehme Gerüche dauerhaft beseitigt. Für eine desinfizierende Wirkung, etwa in Klimaanlagen, gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis. So heißt es im Lehrbuch der Pharmakologie und Toxiko- KURZFASSUNG Ozon ist durchaus zur Geruchsbeseitigung im Auto geeignet und hat sich seit einigen Jahren bewährt. Da es sich chemisch gesehen um ein giftiges Reizgas handelt, sollte man im Umgang jedoch Vorsicht walten lassen. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 logie für die Veterinärmedizin von 2010: „Aufgrund des Zerfalls in zuerst atomaren und später in den weniger wirksamen molekularen Sauerstoff und wegen seines geringen Eindringvermögens in biologisches Material ist Ozon zur Raumluftdesinfektion (...) nur wenig geeignet.“ Gefährdungspotenzial Während die Desinfektion von Trinkwasser mittels Ozon ein standardisiertes Verfahren und wegen der Eigenschaften im Wasser auch gut geeignet ist, sieht es bei der Desinfektion von Raumluft anders aus. Das US-Gesundheitsministerium sowie die US- Umweltschutzbehörde EPA unterlegen dies seit Jahren mit Studien, die unter anderem auch auf die Gefährlichkeit von Ozongeneratoren zur Reinhaltung der Raumluft eingehen. In Deutschland gibt es dagegen (noch) keine Hinweise von staatlichen Gesundheitsstellen. Seit August 2015 gibt es zumindest vom Umweltbundesamt eine Stellungnahme (Bundesgesundheitsblatt 2015-58:1192) zum Einsatz von Luftreinigern. Darin heißt es unter anderem: „Die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) des Umweltbundesamtes kann den Einsatz von Luftreinigern, die eine Entfernung oder chemische ‚Umwandlung‘ in harmlose Stoffe (Wasser, Kohlendioxid) von gasförmigen organischen Verbindungen, Geruchsstoffen und Bioaerosolen versprechen, in Innenräumen nicht empfehlen, solange es keine anerkannten standardisierten Prüfverfahren gibt, welche die Wirksamkeit und Emissionsfreiheit der Geräte unter den Bedingungen des Innenraums belegen und eine Gesundheitsgefährdung für den Raumnutzer ausschließen.“ Zur Relativierung des Gefährdungspotenzials durch Ozongeneratoren für Fahrzeuginnenräume muss allerdings angemerkt werden, dass sich viele der oben www.autoservicepraxis.de Fotos: Tunap, Airtune

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genannten Ausführungen auf größere Anlagen zur Raumluft- oder Lebensmitteldesinfektion beziehen, wo Personen permanent dem Ozon ausgesetzt sind. Solche Anlagen produzieren zig Kilogramm des Gases in der Stunde. Generatoren für Anwendungen in Fahrzeugen bewegen sich dagegen im Milligramm-Bereich, doch auch hier können kritische Grenzwerte erreicht werden. Grenzwerte Nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe“ ist Ozon als Krebs erzeugend Kategorie 3 eingestuft. Für den Umgang mit Ozon in den Betrieben galt bis Ende 2005 ein gesetzlicher Grenzwert von 0,1 ml/m3. Für Ozon gibt es derzeit keinen Arbeitsplatzgrenzwert. Zurzeit befasst sich der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) mit der Festlegung eines aktuellen Arbeitsplatzgrenzwertes. Bis zu dessen Veröffentlichung sollte man sich, auch im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung, an einen Richtwert auf Basis internationaler Grenzwerte von 0,06 ml/ m3 (0,12 mg/m3) halten. Je nach Konzentration riecht Ozon sehr intensiv nelken-, heu- oder chlorähnlich, etwa wie nach einem Gewitter oder bei Kopiergeräten. Die menschliche Nase nimmt Ozon schon ab einer Konzentration von 0,01 ml/m3 wahr. Im Vergleich zu anderen Reizgasen bedeutet dies: Der Mensch riecht normalerweise geringste Mengen Ozon und ist so in der Lage zu reagieren, bevor eine Gefährdung zu erwarten ist. Der Nachteil – was den Geruch Die menschliche Nase nimmt Ozon schon ab einer Konzentration von 0,01 ml/m3 wahr. betrifft – ist der so genannte Gewöhnungseffekt, d. h., schon nach kurzem Aufenthalt in ozonbelasteter Luft wird es von der Nase nicht mehr wahrgenommen. Ozon ist ein sehr reaktionsfreudiges Molekül und zerfällt bei Raumtemperatur in reiner Luft mit einer Halbwertzeit von ca. 20 bis 100 Stunden in den ungefährlichen Luftsauerstoff. Die Halbwertzeit ist hier die Zeit, in der sich die Ozonkonzentration halbiert hat. Bei Anwesenheit von Katalysatoren, Licht oder Wärme oder wenn das Gas nicht mehr mit anderen Substanzen (Geruchspartikel) reagieren kann, kann die Halbwertzeit bis in den Minuten- bzw. Sekundenbereich sinken. Reaktionsfreudig Ozon ist ein sehr reaktionsfreudiges Gas und äußerst starkes Oxidationsmittel. Dies bewirkt die Geruchsbeseitigung, aber auch eine mögliche Gesundheitsgefährdung, denn es reizt Schleimhäute der Atemwege und Lunge, führt zu Augenreizungen und Leistungsabfall. Die Liste der Gefahrenhinweise in den Bedienungsanleitungen ist entsprechend lang. 2010 machten außerdem die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung (DLS) auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Wissenschaftler in Kalifornien haben festgestellt, dass Ozon sich mit Nikotin und weiteren Bestandteilen des Zigarettenrauchs zu feinstaubhaltigen Aerosolen verbindet, die bis in die kleinsten Atemwege eindringen können“, erläutert Prof. Harald Morr, Vorstandsvorsitzender der DLS. Mit der beliebten Ozon- Behandlung bei Raucherautos treibt man nach seinen Worten „den Teufel mit dem Beelzebub“ aus. Im Fahrzeug selbst kann Ozon mit verschiedenen Materialen und Oberflächen reagieren. Vor allem Gummiteile, wie Dichtungen oder auch der Reserve reifen, können unter der Behandlung leiden und spröde werden. Ist das Fahrzeug nach der zwingend erforderlichen Innenreinigung nicht komplett abgetrocknet oder liegt die Luftfeuchtigkeit bei über 50 Prozent, bildet sich schädliches Salpeter. Bei Temperaturen über 25 Grad lässt außerdem die Wirkung von Ozon spürbar nach. Um körperliche Reaktionen bei den Kunden zu vermeiden, sollten behandelte Fahrzeuge solange wie möglich, mindestens aber eine Stunde, gelüftet werden, idealerweise mit laufender Lüftung. Fazit Ozon beseitigt alle Arten von Gerüchen im Auto. Eine desinfizierende Wirkung, etwa in Klimaanlagen, ist nicht nachgewiesen. Wird die Methode regelmäßig angewandt, sollten Mitarbeiter Atemmasken tragen, sobald sie die Türen nach Abschluss der Behandlung öffnen, um das Gerät zu entfernen. Zumindest für Raucherautos sollte man sich Alternativen wie Kalt- oder Heißvernebelung überlegen. Im Sinne der Gesundheit und damit der Zufriedenheit der Kunden ist ausgiebiges Ablüften Pflicht. Unbedingt sollte man sich an die Hinweise der Hersteller in den Betriebsanleitungen halten. Dieter Väthröder ■ Heißdampf mit Biozid-Lösung, hier von Airtune, desinfiziert und ist gesundheitlich unbedenklich. Die Gesellschaft für Umwelt- und Innenraumanalytik testete Klimaanlagenreiniger. Sieger war Contra-Sept von Tunap. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 45

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WERKSTATTTECHNIK WASCHEN Der Schuss sitzt! Kärcher stellt eine neue Hochdruck-Pistole vor. Klingt unspektakulär, hat es aber in sich. Neben einer völlig neuen Ergonomie kommen technische Verbesserungen zum Tragen. er kennt das nicht? Längeres Arbeiten mit der Hochdruck- Lanze führt früher oder später zu Ermüdungserscheinungen, die sich akut in schmerzenden, verkrampften Händen und Unterarmen zeigen, was häufige Arbeitsunterbrechungen zur Folge hat. Als erster Hersteller hat sich Kärcher als Marktführer im Bereich der professionellen Hochdruckreiniger mit dem Thema beschäftigt und mit der „EASY!Force“ eine ergonomische Pistole entwickelt. Produktentwickler Mark Otterbach: „Das Zubehör hatte bislang nicht die Priorität, der Fokus lag stets auf Geräteverbesse rungen. Dabei stellt die Pistole die direkte Schnittstelle zwischen Mensch und KURZFASSUNG Als erster Hersteller von HD-Geräten widmet sich Kärcher der Schnittstelle Mensch-Maschine und stellt eine ergonomische und technisch verbesserte HD-Pistole für den dauerhaften, ermüdungsfreien Einsatz vor. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Maschine dar. Deshalb haben wir uns zwei Jahre lang mit der neuen Pistole beschäftigt und setzen jetzt einen Meilenstein.“ In dieser Entwicklungsphase wurden in Workshops die eigenen und Pistolen anderer Hersteller intensiv getestet und die Schwachstellen herausgearbeitet, Marktanalysen und Anwenderbefragungen durchgeführt, ein Anforderungsprofil erstellt, verschiedene Designs entwickelt und wieder verworfen, bis die neue Pistole den Ansprüchen gerecht wurde. Rückstoß statt Haltekraft Neben der Ergonomie widmete man sich auch gleich der Technik, denn auch hier sah Kärcher Verbesserungspotenzial. Und zu guter Letzt vereinfachte man mit Rücksicht auf Händler und Außendienst noch die Produktpalette und ersetzte alle bisher im Markt befindlichen verschiedenen Pistolentypen der professionellen Gerätetypen durch die neue „EASY!Force“-Pistole. Um den Ermüdungserscheinungen aus dem Weg zu gehen, halfen sich laut Benjamin Weiss, der ebenfalls in die Entwick- Fotos: Dieter Väthröder, Kärccher Längeres Arbeiten mit der Hochdruck- Lanze führt früher oder später zu Ermüdungserscheinungen. lung der neuen Pistole involviert war, viele Anwender mit der Fixierung des Abzugs durch Kabelbinder, was ebenso unzulässig ist wie eine serienmäßige Arretierung des Abzugs. Dieses Problem galt es zu beheben. Die Lösung: Der Abzug wurde von der Vorderseite des Griffs auf die Rückseite verlagert und nutzt die Rückstoßkraft der HD-Lanze, um die Pistole dauerhaft geöffnet zu halten. „Wir nehmen mit der neuen Pistole dem Kunden die Haltekraft ab und lassen sie vom Rückstoß erledigen“, so Benjamin Weiss. Lediglich die leichtgängige Abzugsicherung liegt noch vor dem Griff, muss aber nur einmal kurz zum Auslösen betätigt werden. Ein Einrasten ist auch hier gesetzlich nicht erlaubt, Geräte mit über 25 bar Druck müssen mit einer „Totmannschaltung“ verse- www.autoservicepraxis.de

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hen sein. Die neue Pistole wurde vorwiegend für den gewerblichen Einsatz mit HD-Geräten der Profi-Line, erkennbar an den anthrazitfarbenen Gehäusen, entwickelt. Die erreichen mit Arbeitsdrücken ab 120 bar je nach Gerät eine Rückstoßkraft zwischen 30 und 100 Newton, was zum Auslösen der Pistole reicht. Medizinisch bewiesen Zusätzlich weist die Pistole einen Winkel auf, der die Rückstoßkraft in gerader Linie in den Unterarm führt, die schnell ermüdende Hand kann komplett entlastet werden. Der Münchener Mediziner Dr. med. Marius Pfaller untersuchte die Wirkung der alten und neuen Pistole auf die Muskulatur: „Das Verrichten von Haltearbeit ist eine der größten Belastungen für den Bewegungsapparat des Menschen. Diese ergonomisch durchdachte Lösung von Kärcher unterstützt den Anwender erheblich und ermöglicht praktisch ermüdungsfreies, lang ausdauerndes Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger.“ Zusätzlich wurde der Schlauchanschluss in den vorderen Bereich der Pistole verlegt, so dass sich die Zugkräfte des Schlauches über einen günstigeren Drehpunkt in die Pistole geleitet werden. Dies erleichtert das zielgenaue Führen der Sprühlanze. Um dauerhaftes Arbeiten vor allem beim Einsatz überlanger HD-Lanzen weiter zu erleichtern, entwarf die Kärcher- Mannschaft außerdem einen Haltegriff, der einfach auf die Lanze aufgesteckt wird, drehbar und an die Armlänge anpassbar ist und die Führung der Lanze etwa beim Reinigen großer Traktoren oder Baumaschinen vereinfacht. Weitere Details verbessert Wenn man sich schon mit der Neuentwicklung einer HD-Pistole beschäftigt, dachte sich das Entwicklungsteam, widmet man sich gleich weiteren Schwachstellen. So kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Undichtigkeiten am Abschaltventil durch Verunreinigungen im Wasser, die zwischen Ventilsitz und Kugel eingeklemmt wurden und das Ventil beschädigten. In der neuen Pistole sind Ventilsitz und Kugel aus hochfester Keramik und vertragen eingeklemmte Rückstände klaglos. Ein häufiger Kritikpunkt seitens der Anwender betraf die Schraubverbindungen, etwa von Schlauch zu Pistole oder von der Pistole zur Lanze. Die bislang eingesetzten M22-Gewinde erforderten acht Keramik statt Metall steigert die Lebensdauer des Abschaltventils. volle Umdrehungen zum Lösen sowie zum Festziehen im Falle eines Zubehörwechsels. Mit dem neuen, viergängigen Trapezgewinde reicht eine 360-Grad- Drehung für eine sichere, kraftschlüssige Die Pistolenschalen wurden an den hoch belastenden Stellen zusätzlich verstärkt. Verbindung bzw. zum Öffnen. Das „EASY!Lock“ genannte System reduziert so die Rüstzeiten um bis zu 80 Prozent. Damit die Kunden sich nicht gezwungen fühlen, alles neu kaufen zu müssen, wird außerdem ein Adaptersystem von M22- Gewinde zu „EASY!Lock“ angeboten, inklusive einem Adapter-Finder zur besseren Übersicht. Und schließlich widmete man sich noch dem leidigen Thema der düsenseitigen O-Ring-Dichtung, die bei Produktentwickler Benjamin Weiss (l.) und Mark Otterbach mit der neuen HD-Pistole einem Düsenwechsel gerne mal verloren ging oder beschädigt wurde. Sie sitzt jetzt radial direkt vor dem Haltegewinde, ist dadurch deutlich langlebiger und kann nicht mehr herausfallen. Um der hohen Beanspruchung der HD-Pistole im täglichen harten Einsatz gerecht zu werden, wurden die Pistolenschalen an den hoch belastenden Stellen zusätzlich verstärkt. Ab September verfügbar Natürlich können auch die Betreiber von SB-Waschparks die neue Pistole einsetzen, aufgrund der geringeren Drücke bis max. 80 bar ist hier aber der Rückstoßeffekt nicht so stark ausgeprägt. Die technischen Verbesserungen nutzen aber auch hier der längeren Lebensdauer. Die „EASY!Force“-Pistole ist für alle professionellen Kalt- und Heißwasser- Hochdruckgeräte bis max. 300 bar geeignet und ab 1. September im Handel verfügbar. Dieter Väthröder ■ Hände weg: spürbar leichtere Bedienung im Praxistest. Mit-Entwickler Wolfgang Holzwarth (l.) ist zufrieden. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 47

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PRODUKTE ADBLUE Effizient befüllen Tecalemit, eine Marke der Horngruppe, stellt zwei neue mobile AdBlue-Abgabegeräte für die Werkstatt zur AdBlue- Betankung von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen vor. Das pneumatisch betriebene Modell BlueMobil eco ist über das vorhandene Druckluftnetz einfach in Betrieb zu nehmen. Dank integriertem Durchflussmesser FMT 3 haben Anwender die Abgabemenge immer im Blick. Als Fahrwagen mit vier Lenkrollen ist das Gerät auch bei wenig Platz flexibel einsetzbar, so der Hersteller. Das elektrisch betriebene Modell Blue- Mobil 60 zeichnet sich neben dem Durchflussmesser vor allem durch einen integrierten Akku aus und kann so netzunabhängig flexibel eingesetzt werden. Der integrierte Vorratsbehälter fasst rund 60 Liter. Ein spezielles Automatik-Zapfventil für die Adblue-Befüllung von Pkw soll dabei für eine einfache Handhabung sorgen. vg ■ HORN GmbH & Co. KG www.tecalemit.de Foto: Tecalemit WERKZEUG Spanlos reparieren Foto: Hazet Der Remscheider Werkzeughersteller Hazet bringt neue Gewinderoll-Werkzeuge auf den Markt. Mit den Produkten der 843er-Serie sollen defekte Gewinde spanlos und ohne besonderen Kraftaufwand reparierbar sein. Dabei kann die fehlerhafte Komponente häufig sogar im eingebauten Zustand instand gesetzt werden, die Festigkeit des Bauteils bleibe erhalten und der Gewindeanfang lässt sich wieder darstellen, so Hazet. Auch in beengten Verhältnissen sollen die handlichen Werkzeuge bestens einsetzbar sein. Die Serie besteht dabei aus vier Werkzeugsätzen und umfasst so je nach Set Gewinde mit einem Durchmesser von 5 bis 16, 10 bis 36, 10 bis 60 oder 50 bis 110 Millimetern für das Arbeiten an Nfz-Achsen. Diese professionelle Gewindereparatur mit den Gewinderoll-Werkzeugen mache das Ersetzen teurer Fahrzeugkomponenten unnötig, ist der Werkzeughersteller überzeugt. vg ■ Hazet-Werk – Hermann Zerver GmbH & Co. KG www.hazet.de KLIMASERVICE Vorgaben vom Stern Der italienische Klima-, Diagnose- und Abgasspezialist Brain Bee baut für die Mercedes-Benz-Organisation ein neues Klimaservicegerät. Das Clima 9000D- 1234 ist dabei mit einer spezifischen Kältemittelanalyse ausgestattet und wurde speziell nach den Vorgaben von Mercedes-Benz entwickelt und adaptiert. Werkstätten stehe somit ein intuitiv zu bedienendes Gerät für den Service an Fahrzeugen mit dem neuen Kältemittel R1234yf zur Verfügung und das zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, so der AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Hersteller. Neben R134a sind mehr und mehr Neufahrzeuge mit dem neuen Kälte mittel R1234yf ausgestattet. Denn ab dem 1.1.2017 verbietet die EU-Richtlinie 2006/40/EG den Einsatz des herkömmlichen Kältemittels R134a bei allen Neufahrzeugen. Werkstätten müssen sich daher in den nächsten Jahren entsprechend auf mindestens zwei Kältemittel einstellen. vg ■ Brain Bee Deutschland GmbH www.brainbeeautomotive.com/brainbee/ Foto: Brrain Bee www.autoservicepraxis.de

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SERVICE-APP Erweiterte Funktionen Mit der Behr Hella Service App können Füllmengen von Kältemitteln und Kompressor-Ölen ermittelt werden. Im Zuge eines Updates kommt die kostenlose App mit erweiterten Funktionen und Inhalten daher. Sie deckt jetzt nicht nur Füllmengen für den Bereich Pkw und Nkw ab, WERKZEUG Scharfe Sache Das neue Taschenmesser von Carolus zeichnet sich durch seine Robustheit und das klare Design in Schwarz-Rot aus. Ein verlässlicher Begleiter in der Werkstatt, ist der Hersteller überzeugt. Denn die Beschichtung der Klinge sorge dafür, dass sondern auch den Bereich Landmaschinen. Zudem seien die Informationen rund um den Kompressortausch aktualisiert und ergänzt worden, so der Hersteller. vg ■ Behr Hella Service GmbH www.behrhellaservice.com die Schärfe der Schneide langfristig erhalten bleibt. Durch die integrierte Sägefunktion sei das Messer auch für faserige Materialien geeignet. Der ergonomische Zweikomponentengriff lässt es gut in der Hand liegen. Und hat man gerade keine Foto: Behr Hella Service Hand frei, ist das Taschenmesser im praktischen Gürtelclipp sicher und gut verstaut. vg ■ Gedore Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG www.carolus.de Foto: Carolus Die einzige Alternative zu uns sind wir. Aus autop und Stenhøj wird AUTOPSTENHOJ. Seit 20 Jahren arbeiten autop und Stenhøj erfolgreich Seite an Seite. Als AUTOPSTENHOJ machen wir das ab sofort auch Hand in Hand. Für mehr Know-how. Für mehr erstklassige Produkte. Für mehr Effizienz. Für Sie! Mehr Wünsche? Die werden bei uns mit offenen Armen empfangen. Besuchen Sie uns auf der Automechanika, Frankfurt: 13.09. bis 17.09.2016 (Halle 8, Stand G96) / Future Workshop (Halle 2 Stand C29). Mehr erfahren: www.autopstenhoj.com

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TÜV SÜD-AKTUELL Fragen an ... Philip Puls, Leiter Technische Prüfstelle für den Kfz-Verkehr Bayern Noch immer erfüllen viele Werkstätten nicht die Anforderungen der HU-Scheinwerfer- Prüfrichtlinie an den Prüfplatz. Was raten Sie diesen Betrieben? Diese Betriebe sollten sich zeitnah mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen und eine geeignete Messfläche definieren. Man sollte besser nicht damit kalkulieren, dass sich die pflichtmäßige Einführung verschiebt. Welche Hilfestellung kann TÜV SÜD leisten? Wir bieten neben der aktiven Beratung auch Infoschriften mit Beispielen für eine ausreichend genaue, aber dennoch kostengünstige Umsetzung der Forderung. Wer kontrolliert eigentlich in der Werkstatt, ob ab 1. Januar 2017 tatsächlich alle Anforderungen an den Prüfplatz erfüllt werden? Der Prüfingenieur, welcher die Hauptuntersuchung durchführt. Er prüft, ob eine gültige Stückprüfung/Kalibrierung nach gültiger Prüfvorschrift vorliegt, sonst darf er die Scheinwerferprüfung an der Stelle gar nicht durchführen. Sukzessive und nach Einführung der Fahrzeuguntersuchungsverordnung (FUV) werden dann die Innungen die Prüfstützpunktüberprüfung übernehmen. Mit Umsetzung der FUV wird dann auch eine vollumfängliche rückführbare Kalibrierung nach ISO 17025 spätestens gefordert. Welche Möglichkeiten haben Werkstätten mit einem alten Arbeitsplatz, der die Anforderungen der Prüfrichtlinie nicht erfüllt? Bleibt nur die kostspielige bauliche Veränderung der Werkstatt? Man muss sich die Gegebenheiten vor Ort anschauen. Vielleicht existiert in der Werkstatt eine Fahrschienen-Hebebühne, die auf die Anforderungen justiert werden kann. Alle namhaften Hersteller haben inzwischen Systemlösungen im Angebot, beispielsweise Nivellierplatten, Abziehrahmen, Bodenbeschichtungen o. Ä., mit denen man ebenfalls die Voraussetzungen für die Scheinwerferprüfung erfüllt. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 HU-SCHEINWERFER-PRÜFRICHTLINIE Basis für guten Service Mit der Einführung der „Richtlinie für die Überprüfung der Einstellung der Scheinwerfer von Kraftfahrzeugen bei der Haupt untersuchung nach § 29 StVZO“ (HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie) haben sich die Anforderungen für die Scheinwerferprüfung seit 1.1.2015 deutlich verschärft. Die Übergangsfrist für Systeme, die zu diesem Stichtag bereits in Betrieb waren, beträgt zwei Jahre. Die neue Prüfrichtlinie stellt hohe Anforderungen an die Beschaffenheit des Prüfplatzes in der Werkstatt. Entscheidend ist das Vorhandensein einer geeigneten Aufstellfläche für das Fahrzeug und das Scheinwerfer- Einstellung-Prüfgerät (SEP). So darf die Neigung des Bodens über die Länge des Prüfplatzes maximal 1,5 Prozent betragen. Auch für Unebenheiten der Stellflächen sind Limits vorgegeben: Die Unebenheit der Aufstellfläche für das SEP darf nicht größer als 1 Millimeter pro Meter sein. Laut Richtlinie müssen die Systeme zur Überprüfung der Scheinwerfer zudem alle zwei Jahre einer Stückprüfung durch einen Sachkundigen unterzogen werden. Hintergrund für die höheren Anforderungen an den Prüfplatz sind die Beleuchtungssysteme in modernen Fahrzeugen, die mit gebündeltem Licht arbeiten. Schon geringe Einstellfehler können zur Blendung anderer Verkehrsteilnehmer führen. Deshalb ist es wichtig, genau eingestellte Scheinwerfer zu haben. Philip Puls, Leiter Technische Prüfstelle für den Kfz-Verkehr Bayern bei TÜV SÜD, weist darauf hin, dass die Werkstatt eine richtlinienkonforme Messfläche nicht in erster Linie für die HU benötigt. Puls: „Ein geeigneter Arbeitsplatz ist notwendig, wenn die Werkstatt Scheinwerfer instand setzt und bei der Justage der Beleuchtung dem Kunden eine qualitativ hochwertige Dienstleistung anbieten möchte.“ Moderne Scheinwerfersysteme erforderten ein Umdenken, erklärt Puls. Die Toleranz, welche der Gesetzgeber bei der HU zugesteht (0,5 Prozent), ist für die Grundeinstellung viel zu groß. Namhafte Fahrzeughersteller fordern daher schon heute von ihren Vertragspartnern eine Messtechnik, die über die Anforderungen der Scheinwerferprüfrichtlinie noch deutlich hinausgeht. TÜV SÜD hat für Werkstätten einen Info-Flyer mit den wichtigsten Informationen zur neuen Scheinwerfer-Prüfrichtlinie erstellt. Bestellung kostenlos per E-Mail unter as-marketing@ tuev-sued.de. Foto: TÜV SÜD Bei der Einstellung neuer Scheinwerfertypen kommt es auf höchste Genauigkeit an. www.autoservicepraxis.de

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MANUFAKTUR B26 Neues Oldtimer-Service-Center Harald Wagner (li.) und Peter Winkler im neuen TÜV SÜD Service-Center für Oldtimer Foto: TÜV SÜD Am 25. Juni startete das neue TÜV SÜD ClassiC-Center in der gleichzeitig eröffneten Manufaktur B26 im alten Ritz-Pumpenwerk Schwäbisch Gmünd. Die Experten von TÜV SÜD bieten in der Becherlehenstraße 26 die gesamte Service-Palette rund um historische Fahrzeuge an: Oldtimer-, Änderungs-, Schaden- und Wertgutachten sowie Haupt- und Abgasuntersuchung. Zudem begleiten die Fachleute von TÜV SÜD ClassiC ihre Kunden umfassend in Sachen Reparatur und Restauration. „Wir freuen uns riesig, dass wir hier an diesem historischen Ort und inmitten der Fangemeinde unser neues ClassiC-Center eröffnen können“, sagt Michael Wendt, Leiter der Niederlassung Aalen bei der TÜV SÜD Auto Service GmbH. Das Motto der Eröffnung lautete: „Wir kennen sie alle!“ Schließlich haben die TÜV SÜD- Experten beinahe jedes Fahrzeug im Rahmen der Hauptuntersuchung bereits auf der Prüfgasse gehabt. Ein großes Plus für Oldtimerfans, denn die Sachverständigen kennen die Stärken und Schwächen, den Originalzustand sowie zeitgemäße Umbauten von beinahe jedem Modell. Zusätzlich punkten die Experten mit dem umfassenden Datenblatt-Service zu über 90 Prozent aller Pkw-Serienfahrzeuge und vielen Motorradmarken. Ob Motortyp, Getriebe oder Reifenalternativen – die Angaben gehen weit über die in den Fahrzeugpapieren üblichen Daten hinaus. Mehr Informationen zum Datenblattservice im Internet unter www.tuev-sued.de/datenblattservice. AUTOMECHANIKA 2016 Themennachmittag von TÜV SÜD „Herausforderung Schadenmanagement“ lautet das Motto des Kundennachmittags, den TÜV SÜD am Dienstag, 13. September 2016, von 15:30 bis 17:30 Uhr auf der Automechanika veranstaltet. Der Themennachmittag findet am Messestand von AUTOHAUS/asp statt (Stand 4.1 FOY 14), da TÜV SÜD in diesem Jahr nicht mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten ist. Weitere Informationen zu den Leistungen von TÜV SÜD gibt es unter www.tuev-sued.de/schadenmanagement. Personalie Dr. Jörg Löffler, CEO der TÜV SÜD- Tochter Fleet Logistics Gruppe Dr. Jörg Löffler (49) ist neuer Chief Executive Officer (CEO) der TÜV SÜD-Tochter Fleet Logistics Gruppe. Er übernahm zum 1. August 2016 das Ruder von Rainer Laber, unter dessen Leitung das Unternehmen in den vergangenen Jahren zum europaweit größten unabhängigen Anbieter von Flottendienstleistungen gewachsen ist. Löffler kommt vom Münchner Bremssysteme-Spezialisten Knorr Bremse. Er soll den Ausbau des Unternehmens fortführen. Seit der Akquisition von Fleet Logistics International durch die TÜV SÜD Auto Service GmbH im Jahr 2012 hat sich das Flottengeschäft unter dem Dach des TÜV SÜD-Konzerns sehr erfolgreich entwickelt. Das Unternehmen ist heute weltweit in 41 Ländern tätig und betreut 150.000 Fahrzeuge europaweit. „Neben dem weiteren internationalen Ausbau des Geschäfts wird der Fokus auf der Intensivierung der Kontakte zu unseren Kunden liegen“, sagte Löffler. „Wichtig ist mir dabei, dass wir diese Ziele als ein internationales Team erreichen.“ Vor seinem Wechsel zu TÜV SÜD war Dr. Jörg Löffler als Vice President Corporate Development mitverantwortlich für die internationale Geschäftsentwicklung des Global Players Knorr Bremse AG. TÜV SÜD-Kontakt TÜV SÜD Auto Service Philip Puls Tel. 0 89/57 91-23 20, Fax -23 81 philip.puls@tuev-sued.de TÜV SÜD Auto Partner Thomas Gensicke Tel. 0 7 11/72 20-84 73, Fax -84 88 thomas.gensicke@tuev-sued.de Zentraler Vertrieb Tel. 07 11/7 82 41-246 vertrieb-as@tuev-sued.de www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 51

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BETRIEBSPRAXIS FINANZIERUNG Neues Equipment – solide finanziert Bei der Anschaffung neuer Werkstattausstattung spielt die Technik natürlich die Hauptrolle. Doch auch über die günstigste Möglichkeit zur Finanzierung der Investition sollten Werkstattinhaber nachdenken. Fotos: Fotolia/photocrew, privat, Fotolia/Darius Turek ein gesamtes privates Kapital investierte Herbert Brinse, Geschäftsführender Gesellschafter des Karosserie Fachbetriebs Emil + Herbert Brinse, in den Werkstattneubau im Gewerbegebiet der oberbayerischen Gemeinde Brunnthal. Im April 2015 zog die Werkstatt um. Doch nicht nur das Gebäude, auch die Werkstatteinrichtung ist neu – von der Hebebühne bis zur Lackieranlage. Die beachtliche Investitionssumme stemmte Brinse mit einer Mischung aus Eigenkapital, KfW­Darlehen und einem Bankkredit. „Falls es finanziell knapp geworden wäre, hätten wir die Werkstattausstattung geleast“, sagt Brinse. „Darüber haben wir mit unserem Ansprechpartner bei Stahlgruber ganz offen gesprochen und uns diese Möglichkeit bis zum Schluss offen gehalten.“ Schließlich habe er mit Leasing bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht, im Gegenteil: „Die Leihfahrzeuge, die wir unseren Kunden zur Verfügung stellen, konnten wir über Eurogarant zu äußerst günstigen Konditionen leasen“, so Brinse. „Zuvor hatten wir auch schon mal ein Schweißgerät geleast. Das hat alles wunderbar geklappt.“ Eine Frage der Liquidität Dass er das Leasingangebot für die Werkstattausstattung nicht annehmen musste, gibt ihm ein gutes Bauchgefühl. „Und dank der drei Prozent Skonto, die wir dadurch abziehen konnten, war es auch die günstigere Variante“, sagt Herbert Brinse. „Aber letztlich ist die Entscheidung für oder gegen Leasing auch immer eine Frage der Liquidität.“ Dies kann Martin Litwinschuh, Leiter der Abteilung Kfz­Werkstattausrüstung bei der Stahlgruber GmbH, nur bestätigen: „In der Branche gibt es viele Betriebe, die Werkstattausstattung leasen, weil sie bei ihrer Bank keine weiteren Kredite mehr aufnehmen wollen und gerade für größere Investitionen auch nicht über die entsprechenden Geldreserven verfügen.“ Doch auch Komfort und Sicherheitsaspekte spielen eine Rolle: Die festen monatlichen Kosten unabhängig von der Zinsentwicklung sowie die Möglichkeit, auch die Finanzierung unkompliziert über Stahlgruber abzuwickeln, wissen Werkstattinhaber immer mehr zu schätzen, wie Litwinschuh berichtet. Rund dreißig Prozent der gesamten Aufträge im Bereich Kfz­Ausrüstung werden bei Stahlgruber mittlerweile als Leasingverträge abgeschlossen, Tendenz weiterhin steigend. „Testgeräte in Verbindung mit Software werden heute sogar fast ausschließlich geleast“, sagt Litwinschuh. Die Werkstattbetriebe wissen vor allem zu schätzen, dass sie bei Leasing ihr Kapital nicht binden müssen, so der Stahlgruber­Experte. Für Unternehmen in schwacher finanzieller Verfassung sei das allerdings keine Lösung: „Wer bei der Bank nichts bekommt, wird auch keinen Leasingvertrag abschließen können. Denn die AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 www.autoservicepraxis.de

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Herbert Brinse, geschäftsführender Gesellschafter des Karosserie- Fachbetriebs Emil + Herbert Brinse Leasinggesellschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, überprüfen die Bonität eines Kunden vor Vertragsabschluss.“ Schwierig sei Leasing zudem bei Existenzgründungen und Betriebsübernahmen. Hier fordern die Leasinggesellschaften in der Regel zusätzliche Sicherheiten. „Wir legen Wert darauf, unsere Außendienstmitarbeiter auch zum Thema Finanzierung zu schulen, so dass sie jeden Kunden individuell beraten können“, sagt Litwinschuh. Dennoch sei es sinnvoll, sich vor dem Vertragsabschluss Rat vom Steuerberater zu holen. „Denn es gibt kein Finanzierungsmodell, das für jeden Betrieb optimal ist.“ Mitunter sei selbst für Unternehmer, die es sich leisten könnten, bar zu bezahlen, Leasing die günstigere Variante. Schließlich, so der Stahlgruber­ Experte, werden auch bei Leasingverträgen die aktuell niedrigen Zinsen angesetzt. Dass bei Barzahlung größere Verhandlungsspielräume bestehen, ist laut Litwinschuh übrigens nicht der Fall: „Bei uns wird zuerst der Preis verhandelt, danach sprechen wir über die Finanzierung.“ Angebote vergleichen Auch Unternehmensberater Michael Zülch empfiehlt allen Werkstattunternehmern, zumindest vor größeren Investitionen über Alternativen nachzudenken. Neben Barzahlung oder Bankkredit können auch Angebote anderer Leasinggesellschaften eingeholt werden. Für Werkstätten, die als GmbH geführt werden, kann auch ein Gesellschafterdarlehen interessant sein. Und natürlich sollte mit Großhändlern darüber gesprochen werden, wie zumindest ein Teil der Investitionssumme über Teilerückvergütungen gestemmt werden kann. „Die Finanzierung von Werkstattausrüstung hat Auswirkungen auf die Steuerlast, die Liquidität, das Unternehmensrating bei den Banken sowie auf die unternehmerische Flexibilität“, sagt Zülch (siehe Kasten „Tipps zur Finanzierung“.) „Da lohnt es sich, etwas Zeit zu investieren, um die beste Lösung für das eigene Unternehmen zu finden.“ Dabei empfiehlt Jürgen Hofmann von Hella Gutmann Solutions jedoch dringend, darauf zu achten, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen: „Wichtig ist es, die Gesamtkosten einer Finanzierung zu berücksichtigen und zum Beispiel nicht allein die monatlichen Leasingraten, sondern auch die Laufzeiten in Betracht zu ziehen“, betont der Verkaufsleiter für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Bei den Leasingverträgen von Hella Gutmann Solutions, die über eine Tochter des Unternehmens abgewickelt werden, schnüre man attraktive Pakete inklusive Update­Service, so Hofmann. Darüber hinaus legt das Unternehmen Wert auf absolute Transparenz. Dazu tragen auch die Konditionen bei: Der Leasingzeitraum umfasst grundsätzlich 60 Monate, Verträge werden ab einem Anschaffungswert von 1.200 Euro angeboten. „Die Akzeptanz von Leasing nimmt laufend zu“, sagt Jürgen Hofmann. „Derzeit werden 75 Prozent unserer Geschäfte via Leasing abgewickelt.“ Feste Kalkulationsgrundlage Die eigene Leasinggesellschaft erweist sich dabei als äußerst vorteilhaft – für beide Seiten: „Bei den Produktkombinationen und auch bei auslaufenden Verträgen sind wir äußerst flexibel. Zudem haben wir es in der Hand, die Konditionen möglichst attraktiv zu gestalten“, so Hofmann. „Unsere Kunden brauchen innerhalb dieses Zeitraums keine steigenden Kosten zu befürchten und haben eine feste Kalkulationsgrundlage.“ Eva Elisabeth Ernst ■ TIPPS ZUR FINANZIERUNG „Kfz-Werkstätten müssen in immer kürzeren Zeitintervallen neue Werkstattausrüstung anschaffen, um ihren Betrieb auf dem aktuellen technischen Stand zu halten“, sagt Michael Zülch, Geschäftsführer der Zülchconsulting GmbH, die hauptsächlich für die Kfz-Branche tätig ist. Das alte Sprichwort „Wer nicht investiert, verliert“ sei aktueller denn je. „Bei der Finanzierung der Investitionen gibt es allerdings keine Lösung, die für alle Betriebe zu jedem Zeitpunkt optimal ist“, warnt Zülch. Vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags sollten Werkstattinhaber daher mit ihrem Steuerberater über die Finanzierungsalternativen sprechen – auch wenn nicht allein steuerliche Aspekte eine Rolle spielen. Sechs Tipps des Beraters, was dabei zu bedenken ist: ■ Die Finanzierung von Werkstattausrüstung über den Kontokorrentkredit ist selbst bei kleineren Summen ganz und gar nicht zu empfehlen. Dafür sind erstens die Zinsen dafür zu hoch und zweitens sollte der Dispo zur Überbrückung kurzfristiger (!) finanzieller Engpässe verfügbar sein. ■ Wenn die Liquidität angespannt ist und der Kontokorrentkredit bereits in erheblichem Umfang in Anspruch genommen wurde, ist es nicht sinnvoll, die Verschuldung durch ein weiteres Darlehen auszuweiten. In diesem Fall kann Leasing die bessere Alternative zu einem Bankkredit sein. Denn ein Bankkredit würde die Eigenkapitalquote, die Liquidität zweiten Grades und den Deckungsgrad negativ beeinflussen – diese drei Bilanzkennzahlen werden für das Rating, also die Bonitätsbeurteilung eines Unternehmens durch die Banken, herangezogen. ■ Angesichts der aktuell niedrigen Zinsen kann für eine GmbH ein Gesellschafterdarlehen interessant sein: Dabei leiht der Werkstattunternehmer seinem Unternehmen Geld und kassiert dafür marktübliche Zinsen. Die Zinszahlungen fließen einerseits ins Privatvermögen und können andererseits vom Unternehmen als Geschäftsausgaben abgesetzt werden. ■ Bei Barzahlung von Werkstattausrüstung kann Ihr Verhandlungsspielraum im Hinblick auf Skonto und Rabatte größer sein. Das kann sich selbst dann lohnen, wenn Sie zur Begleichung der Rechnung einen Bankkredit aufnehmen. ■ Überprüfen Sie auch die Möglichkeit, ob Sie für Ihre Investition öffentliche Fördermittel in Anspruch nehmen können. Es gibt interessante EU-Programme sowie nationale, länderspezifische und regionale Fördergelder. Deren Beantragung läuft grundsätzlich über die Hausbank. Sich vor dem Bankgespräch von einem Experten beraten zu lassen, der sich im Förderdschungel auskennt, ist empfehlenswert. Dann können Sie bei der Bank ganz konkret nachfragen. Für geleaste Werkstattausrüstung können Sie allerdings grundsätzlich keine Fördermittel in Anspruch nehmen. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 53

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BETRIEBSPRAXIS ENGAGEMENT Starthilfe! Viele Kfz-Betriebe klagen über unqualifizierten Nachwuchs. Nicht so die Firma R & R Kraftfahrzeug-Reparatur GmbH aus Überacker. Hier bekommen auch Jugendliche eine Chance, die keinen Schulabschluss haben. „Starthilfe“ hat bei R & R zwei Bedeutungen. Die wichtigere ist, Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Start ins Berufsleben zu ermöglichen. ie Firma R & R gehört zu den größten freien Kfz­Werkstätten im Münchener Westen. Um das tägliche Arbeitspensum zu schaffen, umfasst die Belegschaft heute 20 fest angestellte Mitarbeiter. Allein sechs Kfz­ Meister kümmern sich neben dem Tagesgeschäft auch um die Ausbildung der Lehrlinge. „Wir bilden beinahe in jedem Kfz­Beruf aus“, sagt Peter Steger, der Mitgeschäftsführer von R & R ist. „An Bewerbungen für unsere Lehrstellen mangelt es uns deshalb nicht.“ Doch wenn Peter KURZFASSUNG Viele Jugendliche haben keinen Schulabschluss, geraten auf die schiefe Bahn oder finden nicht den Einstieg in das Berufs leben. Um hier zu helfen, ist neben der Hilfe des Staates auch soziales Engagement von Seiten der Unternehmen und Betriebe notwendig. Dass sich dieses Engagement in jeder Hinsicht auszahlt, zeigt das „Starthilfe“-Projekt der Firma R & R aus Überacker bei München. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Steger Bewerbungen liest, muss er leider nur allzu oft erkennen, dass wichtige Qualifikationen oder sogar der passende Schulabschluss fehlen. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass solche Jugendlichen eigentlich keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben“, sagt Peter Steger. Die Gründe, weshalb zum Beispiel ein Schul abschluss fehlt oder ein junger Mensch keinen Platz in der Gesellschaft findet, können sehr vielschichtig sein. Zweite Chance bieten Über die eigentliche Eignung, einen Kfz­ Beruf auszuüben, sagen sie aber nichts aus. Und Peter Steger weiß, wovon er spricht, denn als er ein junger Mann war, ist sein Vater sehr früh verstorben. Das hat ihn damals völlig aus der Bahn geworfen. Auf die Füße kam er erst wieder durch die intensive Unterstützung seiner Mutter und das Engagement seines damaligen Lehrmeisters. „Während dieser Zeit habe ich gelernt, dass es ohne ein intaktes Elternhaus nur sehr schwierig ist, im Leben Fuß zu fassen.“ Um seine Erfahrungen Fotos: Marcel Schoch weitergeben zu können und jungen Menschen, die so wie er damals völlig aus der Bahn geworfen wurden, eine zweite Chance anzubieten, hat er im Jahr 2004 das Projekt „Starthilfe“ bei R & R gegründet. „Im Rahmen dieses Projekts sollten Jugendliche und junge Erwachsene ohne berufliche Qualifikation, die bereits die allgemeine Schulpflicht erfüllt haben und aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck stammen, die Möglichkeit bekommen, wieder zu arbeiten und zu lernen“, erzählt Peter Steger. Natürlich wusste er von Anfang an, dass er diese Aufgabe nicht allein stemmen konnte, und hat sich deshalb an den Kreisjugendring Fürstenfeldbruck (KJR) gewandt, der wiederum mit der Agentur für Arbeit im Landkreis zusammenarbeitet. Die Idee wurde dort sofort begeistert aufgenommen und alle Hebel in Bewegung gesetzt, so dass neben der Vermittlung von Jugendlichen ohne Schulausbildung zunächst auch die nötige Grundfinanzierung gesichert war. Nachdem das Projekt bereits erfolgreich angelaufen war und sich die ersten Erfolge eingestellt hatten, bekam Peter Steger vom KJR weitere Unterstützung in Form eines ständigen Mitarbeiters. „Das erste Teilziel für die Teilnehmer der ‚Starthilfe‘ heißt zunächst immer den Schulabschluss nachzuholen beziehungsweise zu verbessern, damit der Übergang in Ausbildung oder Arbeit gelingt“, sagt Ulrich Gottwald, evangelischer Diakon, ausgebildeter Kfz­Mechatroniker und Verantwortlicher für das Projekt Starthilfe bei R & R. „Im Rahmen der ‚Starthilfe‘ ist es meine Aufgabe, die Jugendlichen auf den externen Schulabschluss an einer öffentlichen Schule vorzubereiten.“ Parallel dazu werden von Peter Steger und seinen Kollegen bei R & R die handwerklichen Fähigkeiten und Techniken in den verschiedenen Berufsfeldern den Jugendlichen gelehrt. Durch diese Kombination haben die Jugendlichen die Möglichkeit ihre Fähigkeiten und Talente zu entdecken und ziel­ www.autoservicepraxis.de

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Ein starkes Team! Ulrich Gottwald (links) und Peter Steger liegt das Wohl junger Menschen sehr am Herzen. gerichtet auf Betriebspraktika und auf ihren Ausbildungswunsch hin auszurichten. Im Gegenzug bekommt der spätere Ausbildungsbetrieb eine/n Praktikanten/in beziehungsweise Lehrling, der/die bereits handwerkliche Grundkenntnisse besitzt und über die erste Schnupperphase hinaus ist. Das haben mittlerweile auch einige Firmen im Landkreis Fürstenfeldbruck erkannt und bieten den Jugendlichen nach Durchlaufen der „Starthilfe“ Lehrverträge an. Hierzu Ulrich Gottwald: „Als Träger des Projekts ‚Starthilfe‘ übernimmt der Kreisjugendring Fürstenfeldbruck die pädagogische Betreuung, die Konzeption, die Verwaltung, Versicherung und Evaluation des Projekts. Die Firma R & R Fahrzeugtechnik GmbH bringt hingegen ihr technisches Wissen sowie die gesamte Infra struktur ein. Nach Durchlaufen des zehnmonatigen Starthilfe­Programms, das jedes Jahr vom 1. Oktober bis 31. Juli läuft und von der „Arbeitsgemeinschaft Grundsicherung Fürstenfeldbruck‘ finanziert wird, sind die Jugendlichen wieder soweit gefestigt, dass sie mit ihrer Lehre bei einem Betrieb oder bei uns beginnen können.“ In der Trainings-Werkstatt der Starthilfe bekommen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der „Starthilfe“ Einblicke in die Kfz-Berufe. Falls es während der Lehre dennoch zu Problemen kommen sollte, können die Jugendlichen bis zu ihrem Berufsabschluss mit der Hilfe von Peter Steger, Ulrich Gottwald und auch den ehemaligen Teilnehmern der Starthilfe rechnen – denn Zusammenhalt wird bei den Absolventen des Starthilfe­Projekts großgeschrieben. Hierfür sprechen auch die Zahlen: Beinahe einhundert Prozent Erfolgsquote bei den nachgeholten Schulabschlüssen und annähernd achtzig Prozent bei den erfolgreich abgeschlossenen Lehren zeigen, wie erfolgreich das Konzept ist. KOMMENTAR Peter Baumann, Marketingleiter Liqui Moly GmbH zum Firmenengagement für die Starthilfe und das Race-Projekt: „Es gibt eine grundsätzliche Verbindung zwischen R & R-Fahrzeugtechnik und Liqui Moly: Das ist die Jugend, die beiden Unternehmen sehr am Herzen liegt und für die sie Ausbildungsplätze schaffen. Leider gibt es Jugendliche, die gerne eine Lehre beginnen möchten, denen aber das schulische und soziale Rüstzeug fehlt. Genau dort setzt R & R in vorbildlicher Weise mit der ‚Starthilfe‘ und dem ‚Race-Projekt‘ an, um die Heranwachsenden an die Themen Schulabschluss und Ausbildung heranzuführen mit einer tollen Erfolgsquote. Das zeigt auf sehr beeindruckende Weise, dass nicht nur große Firmen und Konzerne Verantwortung übernehmen können, sondern jeder Betrieb im Rahmen seiner Möglichkeiten. Und diesen Rahmen kann man durch Kooperationen erweitern. Deshalb ist Liqui Moly Partner der ‚Starthilfe‘ und des ‚Race-Projektes‘.“ Peter Steger fördert gezielt die Jugendlichen bei R & R. Für Fragen hat er stets ein offenes Ohr. Rennspaß inklusive Trotzdem arbeitet Peter Steger zusammen mit Ulrich Gottwald ständig daran, die Erfolgsquote weiter zu erhöhen. Um die Ziele der Maßnahme, Werkstattpraxis, theoretische Ausbildung und Betriebspraktika für die Jugendlichen noch interessanter zu gestalten und deren Motivation weiter zu steigern, haben die beiden im Rahmen der „Starthilfe“ 2008 auch das so genannte „Race­Project“ ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein Rennteam, das ausschließlich von den Jugendlichen des Starthilfe­Projekts getragen wird. „Anfangs haben wir uns in der Pro Thunder Klasse mit zwei BMW R1200S Boxer­Motorrädern engagiert“, so Peter Steger. „Seit 2011 sind wir im Enduro­ Langstrecken­Sport mit Motorrädern von Husqvarna aktiv. Mit Hilfe unserer Sponsoren, wie Berner, BMW Motorrad, Butzner Reifenhandel, Endurobunker, GoPro, K2, Keine Macht den Drogen e.V., Liqui Moly (siehe Kasten) und Parts Europe, die das ‚Race Project‘ zu hundert Prozent finanzieren und natürlich dem Engagement unserer Jugendlichen aus dem ‚Starthilfe­ Projekt‘, gelingt es uns stets, ganz vorne mitzufahren.“ Eine besondere Herausforderung für die Jugendlichen ist dabei der hohe zeitliche Druck, der nur mit vollem Teamgeist zu bewältigen ist. „Wer zum Beispiel das 24­Stunden­Rennen von Langensteinbach im Team durchsteht, der schöpft hieraus genug Selbstbewusstsein, auch sein Leben wieder voll in die Hand zu nehmen“, weiß Ulrich Gottwald zu berichten. Mit dem „Starthilfe“­Projekt haben der Kreisjugendring Fürstenfeldbruck, die Sponsoren und die Firma R & R gute Erfahrungen gemacht und beachtliche Erfolge erzielt. Jugendliche, die über zehn Monate einen Vollzeitlehrgang besuchen, von 8 bis 17 Uhr arbeiten, um einen Ausbildungsplatz zu finden und lernen, um einen Schulabschluss zu erreichen, sind motiviert und haben eine zweite Chance verdient. Diese Chance sollte ihnen auch gegeben werden. Marcel Schoch ■ Exklusiv im asp ePaper: Interview mit Starthilfe- Absolvent Darsej Sehu. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 55

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BETRIEBSPRAXIS INTERVIEW Den Kunden schon bei Google abholen Die Werkstattkette A.T.U will sich ein neues Image geben. Andreas Schmidt, Geschäftsführer Technik, erklärt das neue Selbstverständnis, das auch weiterhin auf die Kombination von Shop und Werkstatt setzt. ie Werkstattkette A.T.U aus Weiden hat harte Zeiten hinter sich. Vor drei Jahren übernahm der neue Mehrheitseigner Centerbridge Partners das Ruder und verordnete dem überschuldeten Unternehmen eine harte Umstrukturierung. Jetzt blickt man bei A.T.U vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Wie jetzt bekannt wurde, laufen derzeit auch Gespräche mit potenziellen neuen Investoren. Andreas Schmidt wechselte im Dezember 2014 zu A.T.U. Vorher war er zehn Jahre lang Servicechef bei Mazda in Deutschland. Bei A.T.U verantwortet er das gesamte Technik-Ressort und ist unter anderem für technische Entwicklung, das gesamte Service- und Prozessmanagement sowie Weiterbildung und Qualitätsmanagement zuständig. asp: A.T.U wirbt mit dem Slogan „Die Nummer 1 Meisterwerkstatt“. Das klingt ganz schön selbstbewusst ... A. Schmidt: Die Zahlen sprechen für sich: Wir beschäftigen in unseren 608 Filialen 1.200 Kfz-Meister und über 4.000 Mechaniker. Außerdem bilden wir permanent selbst aus. Bei der Markenbekanntheit liegt A.T.U in Deutschland bei 96 Prozent. Das ist ein fantastischer Wert. Und allen Unkenrufen zum Trotz belegen wir in Kundenzufriedenheitsabfragen regelmäßig die KURZFASSUNG Reparaturwerkstatt und Shop – das ist das Konzept von A.T.U seit Gründung des Unternehmens vor 30 Jahren. Nach harten Umstrukturierungen und Negativ-Schlagzeilen will man mit neuen Ideen das Werkstattgeschäft und den Shop voranbringen. So will A.T.U den Kunden mit attraktiven Services schon im Internet bei der Werkstattsuche abholen. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 vorderen Plätze. Erst kürzlich haben wir bei der Wahl zu Deutschlands besten Händlern einen Doppelsieg im Handelsblatt errungen, einmal für die Filialen und einmal für den Onlineshop. asp: Wie ist das erste Halbjahr für A.T.U gelaufen? A. Schmidt: Wir sind voll auf Kurs und haben zusammen mit unserem Gesellschafter einen ehrgeizigen Businessplan verabschiedet. Gemeinsam wollen wir nun die A.T.U wirtschaftlich noch weiter nach vorne bringen und stabilisieren. Das Unternehmen muss nach den negativen Schlagzeilen vor einigen Jahren jetzt nachhaltig gesunden. Dafür steht die Geschäftsführung mit ihrem Kurs. asp: Als A.T.U vor 30 Jahren gegründet wurde, war die Kombination von Shop und Werkstatt etwas ganz Neues. Hat sich diese Idee mittlerweile nicht überholt? A. Schmidt: Nein, ganz im Gegenteil. Aber man muss das Konzept zeitgemäß gestalten und den Shop attraktiver machen. Der Shop belebt die Werkstatt und umgekehrt. Wir haben damit ein Merkmal, das uns vom restlichen Reparaturmarkt unterscheidet. Produkte, die zeitweise ausgelistet waren, sind jetzt wieder im Sortiment. Bei uns kann man den Kindersitz gleich vor Ort ausprobieren. Unsere Kernbotschaft lautet: Wir re parieren immer noch mit Leidenschaft Autos, aber wir wollen vor allem Partner für motorisierte Mobilität sein. Deshalb findet der Kunde jetzt bei uns beispielsweise Roller, Pedelecs und das alles verbunden mit dem entsprechenden Service. asp: Welchen Anteil hat das Werkstattgeschäft am Gesamtumsatz? Andreas Schmidt, Geschäftsführer Technik A.T.U A. Schmidt: Wir machen etwa 80 Prozent unseres Umsatzes mit dem Werkstattgeschäft, 20 Prozent über den Shop. asp: Wie steht es um die Qualität? A.T.U hat da keinen besonders guten Ruf … A. Schmidt: Jede A.T.U-Werkstatt wird zweimal pro Jahr in Kooperation mit TÜV SÜD getestet, zusätzlich machen wir regelmäßig Kundenzufriedenheitsabfragen sowie Testkäufe in den Shops. Die Ergebnisse belegen ein generell hohes Qualitäts niveau unserer Filialen. Sie zeigen uns aber auch auf, in welchen Filialen wir noch Optimierungsbedarf haben. asp: Wo hapert es? A. Schmidt: Es sind weniger die technischen Dinge, es hapert hier und da eher an der Servicewahrnehmung. Bei der Technik haben wir 90 Prozent Erfüllung. Wir haben daher ein Programm aufgezogen, in dem wir uns alle Servicekernprozesse noch einmal genauer ansehen. Dabei sind die Filialen eng eingebunden, es ist also ein Konzept von Filialen für Filialen. Die größten Verbesserungspotenziale sehe ich im Bereich Terminvereinbarung und -vorbereitung sowie bei der Fahrzeugannahme. Wir wollen letztlich ein durchgängig gutes A.T.U-Kundenerlebnis schaffen. asp: In Werkstatt-Tests wird bemängelt, dass es keine Dialogannahme gibt ... A. Schmidt: Die Dialogannahme wird auf Kundenwunsch gemacht. Wir wollen unsere Kunden nicht zu etwas zwingen. Wenn wir beispielsweise in dem für uns wichtigen Reifengeschäft Wechselsaison haben, macht es gar keinen Sinn, eine Foto: A.T.U www.autoservicepraxis.de

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Dialog annahme vorzuschreiben. Stattdessen machen wir einen reduzierten Sicherheitscheck oder eine Direktannahme ohne Beisein des Kunden. Wir nutzen die Dialogannahme standardmäßig bei Inspektionen, bei Reparaturen mit unklarem Ausgang oder bei aufwändigeren Reparaturen – wie angemerkt unter der Voraussetzung, dass der Kunde es möchte. asp: Ist A.T.U im Werkstattbereich das, was Ryan-Air unter den Airlines ist? A. Schmidt: Von Ryan-Air kann man immer viel bei der Optimierung von Standardprozessen lernen. Wir wollen jedoch individuelle Kundenbedürfnisse befriedigen und deshalb passt der Vergleich nicht. Unsere Kunden sollen einen fairen Preis für die von ihnen gewünschten Produkte und Dienstleistungen bezahlen. asp: A.T.U hat eine eigene Teilelogistik. Sparen Sie schon im Teile einkauf? A. Schmidt: Wir haben zwei Logistikzentren in Weiden und in Werl, mit denen wir alle Filialen beliefern. Der Teileeinkauf ist bei uns ein wesentlicher Faktor. Wir gehen im Einkauf in der Regel direkt an die Teilehersteller. Bei Exoten kaufen wir aber auch über den Großhandel ein. Originalteile kaufen wir auch schon mal vor Ort beim Vertragshändler, vor allem wenn es schnell gehen soll. Das macht aber nicht mehr als fünf Prozent aus. asp: Wie stellen Sie die Qualität der eingekauften Teile sicher? A. Schmidt: Für alle Verschleißteile haben wir entsprechende Qualitätssicherungsmaßnahmen und ein Qualitätssicherungssystem, damit wir die Anforderungen „OE-Qualität“ erreichen. asp: Was verkauft sich am besten? A. Schmidt: Reifen, Felgen und Bremsen – in dieser Reihenfolge. Das Räder- und Reifengeschäft mit all seinen Services macht fast 30 Prozent vom Umsatz aus. asp: A.T.U betreibt auch einen Online- Shop. Wie wichtig ist diese Verkaufsschiene? A. Schmidt: Das ist auf jeden Fall ein stark wachsender Kanal. Wir bieten online aber nicht nur Produkte an, sondern nutzen das Medium zur Kundenansprache: Werkstattkunden haben die Möglichkeit, im Internet einen Termin zu vereinbaren. Das wird auch gut angenommen. Unser Anliegen ist es, für den Kunden schnell erreichbar zu sein: Er soll sein Auto schnell und unkompliziert bringen und genauso schnell wieder abholen können. asp: Hat A.T.U eigentlich Stammkunden? A. Schmidt: Wir haben einen großen Stammkundenbestand, die alle Services bei uns machen lassen. Gleichzeitig haben wir auch viele Kunden, die vor allem Standarservices bei uns durchführen lassen. In der Kundenbindung wollen wir uns noch weiter verbessern. asp: Welche zusätzlichen Dienstleistungen bietet A.T.U den Kunden? A. Schmidt: Der Kunde hat die Möglichkeit, bei uns eine Reparaturkostenversicherung abzuschließen. Wenn die Hauptuntersuchung oder die Inspektion ohne Mängel in einer A.T.U-Filiale gemacht wurde, ist der Anreiz gegeben, eine solche Versicherung abzuschließen. Das ist im Grunde so etwas wie eine Garantieverlängerung. Sie kostet je nach Leistung des Fahrzeugs ab 20 Euro pro Monat, die Selbstbeteiligung liegt bei 150 Euro. Zusätzlich bieten wir auf Wunsch noch eine Mobilitätsgarantie. asp: Wie viel geben Werkstattkunden durchschnittlich bei Ihnen aus? A. Schmidt: Dies ist ganz unterschiedlich, da es darauf ankommt, ob die Produktgruppe Räder/Reifen mit im Kundenportfolio enthalten ist. asp: Das Thema Digitalisierung treibt derzeit alle Unternehmen um. Welche Rolle spielt sie bei A.T.U? A. Schmidt: Wir sehen da ein riesiges Betätigungsfeld, weshalb wir unsere IT- Landschaft entsprechend aufbauen, um die unterschiedlichen Applikationen aufzusetzen. Ziel ist nicht Digitalisierung zum Selbstzweck, sondern wir wollen, dass der Kunde leicht mit uns in Kontakt treten kann und dass die Prozesse transparent für ihn sind. Das gesamte Thema Online-Marketing ist von zentraler Bedeutung. Den Kunden, der beispielsweise bei Google nach einer Werkstatt sucht, müssen wir genau dort abholen. diwi ■ 360° WERKSTATT PERSPEKTIVE AUF DER AUTOMECHANIKA 2016 Echtzeit-Diagnose, Kältemittel R-1234yf und Leitfaden 5: Bei uns finden Sie innovative Lösungen zu den Themen Fahrzeugdiagnose, Connectivity, Klimaservice und Abgasuntersuchung. Wir freuen uns auf Sie. Ihre Pkw- und Nkw-Werkstattpartner WOW! und WABCOWÜRTH Halle 9.0 Stand C44 WOW! Würth Online World GmbH · Schliffenstraße / Falkhof · 75653 Künzelsau · T +49 7940 98188 - 0 · info@wow-portal.com · www.wow-portal.com WABCOWÜRTH Workshop Services GmbH · Benzstr. 7 · 74653 Künzelsau · T +49 7940 981863-0 · info@wabcowuerth.com · www.wabcowuerth.com

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BETRIEBSPRAXIS SCHADENMANAGEMENT Kompetenz „auf Knopfdruck“ Die Reparatur von Unfallschäden gilt als lukratives Geschäft. Allerdings birgt es auch Risiken, denn im Schadenabwicklungs-Dreieck zwischen Kunde, Versicherung und Werkstatt kann es schon mal knistern. erade kleine und mittlere Betriebe kennen das: Neben dem anspruchsvollen Reparaturbetrieb auch noch um die Korrespondenz mit Versicherung, Gutachter, Ersatzwagen- Vermieter und manchmal sogar den Anwalt kümmern? Manche Schadenfälle bringen nicht selten das gesamte Werkstatt-Team zur Verzweiflung. Die „Blue Button“-App von TÜV SÜD könnte in solchen Fällen die Lösung sein. Eine Werkstatt, die den „Blue Button“ drückt, ruft damit im Prinzip einen spezialisierten Dienstleister für die komplette Schadenabwicklung zur Hilfe. Diese Unterstützung ist zunächst einmal rein organisatorischer Natur: Die Absprache zwischen allen Beteiligten muss reibungslos funktionieren und lückenlos dokumentiert werden. Deren Koordination übernimmt dann ein TÜV SÜD-Schadenabwicklungs-Spezialist. Das entlastet zum einen die Werkstatt von organisatorischen Aufgaben, sichert die Prozessqualität (nichts vergessen, nichts verpassen) – und gibt letztlich auch dem Kunden das gute Gefühle, dass seine teure Reparatur in besten Händen ist. Hilfe, wenn es hakt Nicht selten kommt es im Schadensprozess zum Streit, oft dann, wenn die gegnerische Versicherung ihre Leistungen an den Geschädigten kürzt. In die Röhre gucken meist die Kfz-Betriebe, die auf einem Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben bzw. sie ihren Kunden gar nicht erst in Rech- KURZFASSUNG Der „Blue Button“ von TÜV SÜD bildet den Mittelpunkt einer digitalisierten Schadenabwicklung, die die Werkstatt im gesamten Schadenprozess unterstützt. Auf Knopfdruck stehen Experten von TÜV SÜD zur Verfügung. Sämtliche Kommunikation zum Fall wird in der TÜV SÜD WebAkte dokumentiert. Infos unter www.tuev-sued.de/schadenmanagement AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Foto: Fotolia/yossarian6, TÜV SÜD, Montage: Diane Laudien So läuft die Kommunikation im Rahmen der „Blue Button“-Dienstleistung von TÜV SÜD: Die digitalisierte Schadenabwicklung bringt alle Beteiligten im Prozess des Schadenmanagement zusammen. Die WebAkte ist der digitale Aktenordner, auf den Werkstatt, Gutachter und Anwalt gleichermaßen Zugriff haben. www.autoservicepraxis.de

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nung stellen (um diese nicht zu verärgern). In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass Kfz-Versicherer, die aktuell unter starkem Wettbewerbsdruck stehen, in vielen Fällen versuchen, ihre Leistungen im Schadenfall zu drücken. Rechnungskürzungen durch den Versicherer sind mittlerweile eher Regel als Ausnahme. Insbesondere dann, wenn die Versicherung keine juristische Gegenwehr vermutet. Ihre Chancen, damit durchzukommen, stehen leider gut: Laut Statistischem Bundesamt (Erhebung von 2012) verzichten Geschädigte in rund vier von fünf Haftpflichtfällen auf juristischen Beistand. Zu einem hohen Preis, denn sie erhalten durchschnittlich rund 30 Prozent weniger Geld als Geschädigte, die einen Anwalt mit der Wahrnehmung ihrer Rechte beauftragen. INTERVIEW MIT MAXIMILIAN KÜBLBECK „Auf die digitale WebAkte haben alle Prozess-Beteiligten Zugriff.“ asp: Herr Küblbeck, was passiert genau, wenn eine Werkstatt den „Blauen Knopf“ in der App von TÜV SÜD drückt? M. Küblbeck: Der Blue Button alarmiert als eine Art digitale Klingel speziell ausgebildete Mitarbeiter beim TÜV SÜD Kunden Service Center, die sich dann innerhalb kürzester Zeit nach Aktivierung beim Werkstattleiter melden. Sind bereits Kundendaten der Werkstatt hinterlegt, ist die Beauftragung des Sachverständigen zur Schadenbegutachtung nur noch eine Sache von wenigen Minuten. asp: Warum eine App – eine Hotline-Nummer hätte doch gereicht? M. Küblbeck: Wir wollten sicherstellen, dass uns unsere Werkstattpartner jederzeit erreichen und nicht in einer Warteschleife hängenbleiben. Außerdem weiß unser Blue-Button-Team dank der Blue-Button-App immer sofort, von welcher Werkstatt die Meldung kam, alle nötigen Unterlagen sind dann schon griffbereit, wenn wir zurückrufen. Maximilian Küblbeck ist Produktverantwortlicher bei TÜV SÜD Auto Service asp: Wie viel muss die Werkstatt für den Blue-Button-Service bezahlen? M. Küblbeck: Auf die Werkstatt kommen keine zusätzlichen Kosten zu. Der Blue Button wurde von uns als neuer Service sowohl für kleine und mittelständische Betriebe als auch für Fuhrparks und Autohäuser mit mehreren Standorten entwickelt. In größeren Betrieben übernimmt diese Funktion ein TÜV SÜD-Schadenmanager direkt vor Ort, das lässt sich natürlich nur bei entsprechenden Fallzahlen darstellen. Ab sofort kann aber jeder Betrieb, egal ob frei oder markengebunden, groß oder klein, die professionelle Schadenabwicklung von TÜV SÜD in Anspruch nehmen. asp: Wie und wann wird ggf. ein Anwalt eingeschaltet? M. Küblbeck: Nur dann, wenn Kunde und Werkstatt das für geboten halten, also zum Beispiel die gegnerische Versicherung Leistungen kürzt. Ob diese Kürzungen berechtigt oder unberechtigt sind, kann in der Regel nur ein Verkehrsrechtsspezialist prüfen. Über die TÜV SÜD WebAkte hat die Werkstatt direkten Zugriff auf einen Pool erfahrener Anwälte, es können aber auch jederzeit neue Juristen hinzugefügt werden, beispielsweise, wenn der Kunde bereits einen eigenen Anwalt hat. asp: Wozu dient die digitale WebAkte? M. Küblbeck: Die WebAkte ist gewissermaßen der digitale Aktenordner, auf den alle Beteiligten im Schadenprozess jederzeit Zugriff haben. Dort hinterlegt der Sachverständige von TÜV SÜD sein Gutachten, die Werkstatt die Abtretungserklärung des Kunden, es erfolgt die Kommunikation mit den Versicherungen – und natürlich wird hier ggf. auch der gesamte Schriftverkehr des Anwalts dokumentiert. Zusätzlich gibt es einen telefonischen Support durch dedizierte TÜV SÜD- Ansprechpartner. Stufe zwei: der Anwalt Drohen Leistungskürzungen, bekommt der „Blue Button“ von TÜV SÜD eine weitere Funktion: Die Werkstatt kann, in Absprache mit ihrem Kunden, einen spezialisierten Verkehrsrechtsanwalt beauftragen. Dieser vertritt die Ansprüche von Kunde und Werkstatt gegenüber der Assekuranz, zunächst außergerichtlich, später nötigenfalls auch auf dem Rechtsweg. Es kann viele Gründe geben, warum das Einschalten eines Verkehrsrechtsjuristen geboten erscheint: ■ Verzögerungen durch die Versicherung (zum Beispiel wenn wochenlang keine Schadensnummer vergeben wird) ■ Die Begleichung von Nebenkosten wird verweigert (zum Beispiel Fahrzeugreinigung nach Reparatur) ■ Die Lohnkosten der Werkstatt werden gekürzt ■ Keine Erstattung der Mehrwertsteuer bei älteren Autos ■ Restwert bei Totalschäden wird zu niedrig angesetzt ■ Gutachten werden nicht oder nicht vollständig anerkannt ■ Kosten für Ersatzwagen werden nicht vollständig bezahlt bzw. ein Nutzungsausfall zu niedrig angesetzt „Das Problem für juristische Laien besteht darin, dass es für alle diese Fragen keine expliziten gesetzlichen Regelungen gibt, sondern sich Anhaltspunkte für eine rechtliche Beurteilung nur der aktuellen Rechtsprechung entnehmen lassen“, so Maximilian Küblbeck, Produktverantwortlicher bei TÜV SÜD Auto Service. Ohne juristischen Beistand sei es sowohl für Kunden als auch für die Werkstätten schwer, sich gegen Leistungskürzungen der Versicherer substanziell zu wehren. Im Vorteil mit dem „Blue Button“ Die Vorteile des „Blue Buttons“ für das Autohaus sieht Küblbeck einmal in der Entlastung aller Mitarbeiter von jeglicher Korrespondenz mit Versicherung, Gutachter und anderen Beteiligten. Fehlende Daten werden durch die Mitarbeiter des TÜV SÜD Kunden-Service-Center (KSC) vervollständigt. Ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts nötig, werden diesem alle erforderlichen Dokumente digital zur Verfügung gestellt. Der bundesweite Pool erfahrener Fachanwälte sorgt für die Durchsetzung aller Forderungen des Kunden gegenüber der Versicherung. Schließlich wird der gesamte Prozess jederzeit aktuell in der digitalen WebAkte von TÜV SÜD dokumentiert und ständig aktualisiert. Insgesamt stärke der Blue Button die Kompetenz der Werkstätten in Sachen Schadenabwicklung, „ein großer Pluspunkt im Wettbewerb“, so Küblbeck. Vorteile für den Endkunden ■ Professionelle Hilfe bei der Unfallschadenabwicklung ■ Schnelle, zuverlässige Abwicklung des Schadens bei eindeutigen Sachverhalten ■ Übernahme der kompletten Kommunikation zwischen Kunden, Versicherung, Autohaus, Sachverständigem und Rechtsanwalt ■ Einbindung kompetenter Verkehrsrechtsspezialisten bundesweit Jörg Schwieder ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 59

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BETRIEBSPRAXIS STUDIE LADUNGSSICHERUNG Ein Plus an Sicherheit TÜV SÜD hat gemeinsam mit dem österreichischen Autotransporter-Spezialisten Kässbohrer erstmals die wissenschaftliche Basis für Reibbeiwerte auf Autotransportern erarbeitet. or dem Transport steht die Sicherung der Ladung mit geeignetem Zurrmaterial. Den Begriff Reibbeiwert sollte daher jeder Lkw-Fahrer kennen. Er beschreibt die Reibung der Ladung auf dem Untergrund und gibt exakte Hinweise zur Ladungssicherung. Für beinahe jede Fracht gibt es Angaben – abrufbar beim Verband Deutscher Ingenieure (VDI) oder in der neuen europäischen Berechnungsnorm 12195-1. Eine Ausnahme bilden Fahrzeuge auf Autotransportern. Die VDI-Richtlinie 2700 (Blatt 8.1) präzisiert die Sicherung von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen auf Fahrzeugtransportern. Sie beschreibt die KURZFASSUNG Weil die vorhandenen Normen zur Ladungs sicherung nur unzureichend die Verhältnisse bei Autotransportern beschreiben, haben TÜV SÜD und Aufbautenhersteller Kässbohrer in eigenen Testreihen realistische Reibbeiwerte ermittelt. Art und Anzahl der Sicherungsmittel für die typischen Beladesituationen auf Autotransportern und bezieht sich für die rechnerische Herleitung dieser Vorschriften auf Abschnitt 1 und 2 der Richtlinie. Diese Abschnitte kennen aber ebenso wie die EN 12195-1:2010/AC:2014 nicht den spe- zifischen Reibbeiwert zwischen Profilreifen und geprägten Fahrzeugschienen, wie sie bei Fahrzeugtransporten zur Anwendung kommen. Dasselbe Problem liegt laut TÜV SÜD bei Blatt 8.2 der VDI- Richtlinie 2700 vor, welches sich auf den Transport von Lkw-Fahrgestellen, Sattelzugmaschinen und Traktoren bezieht. Unklare Vorgaben In der Praxis ergeben sich aus den unzureichenden Vorgaben zahlreiche Probleme: So kommt es bei Kontrollen immer wieder zu Differenzen zwischen Kontrollorganen und Fahrern, wenn es um die richtige Sicherung von Autotransporten Foto: Fotolia/Thaut Images, Gregor Soller AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 www.autoservicepraxis.de

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geht. „Vor dem Hintergrund von 18.000 Autotransportern, die täglich über europäische Autobahnen rollen, leisten wir mit der Studie einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Mangelhafte Ladungssicherung gehört schließlich zu den häufigsten Unfallursachen“, sagt Jürgen Wolz, Chief Operating Officer und Geschäftsleiter der TÜV SÜD Auto Service GmbH. Mehr als 800 Zugversuche Für die Untersuchung haben die Experten von TÜV SÜD und der Kässbohrer Transport Technik GmbH ein Jahr lang auf einem eigens errichteten Spezial-Prüfstand bei Kässbohrer in Eugendorf geforscht und in mehr als 800 realen Zugversuchen die wissenschaftlichen Grundlagen zur Errechnung von Reibbeiwerten beim Beladen von Autotransportern ermittelt. Das Fazit der Experten: „Die Studienergebnisse sind eine profunde Basis für künftige Diskussionen in Fachkreisen – etwa auch in Normierungsgremien“, sagt Markus Otremba, Leiter Fachgruppe Ladungssicherung bei TÜV SÜD. Michael Schnäller, Leiter Homologation bei Kässbohrer, und Stefan Meixner, Leiter Sonderbau bei Kässbohrer, wünschen sich darüber hinaus, „dass das erarbeitete Wissen in Regelwerken für die Praxis direkt anwendbar gemacht wird.“ Und so funktionierten die Tests von TÜV SÜD und Kässbohrer auf dem eigens entwickelten Prüfstand: Ein Reifen wird auf die Prüfplatte gestellt, die unter diesem verschoben wird – in Längs- und Seitenrichtung. Dieses Verfahren wird je dreimal wiederholt und der Reifen dazu immer ein Stück weitergedreht. Das ist laut Schnäller wichtig, weil sonst das Ergebnis durch das „Verzahnen“ des Reifenprofils mit den Lochblechen beeinflusst würde. Das Ganze kann trocken oder nass getestet werden. Dann ermittelt ein vollautomatisches Auswertungstool die Werte. Außerdem nimmt man Rücksicht auf das Reifengewicht und belastet jeden Pneu so, dass er mit 250 Kilogramm auf die Platte drückt. www.autoservicepraxis.de BEDEUTUNG VON REIBBEIWERTEN Die Reibungskraft ist die natürliche Ladungssicherung, denn sie ist von dem Moment an da, in dem die Ladung auf der Ladefläche steht. Diese Reibung zwischen den Materialien erschwert der Ladung das Rutschen und hält sie zu einem gewissen Teil an ihrem Platz. Wie viel Prozent der Ladungssicherung durch die Reibung geleistet werden kann, hängt unter anderem von den Materialien, also z. B. der Ladefläche und der Ladung selbst ab. Je größer der Reibbeiwert, desto weniger muss die Ladung zusätzlich gegen Verrutschen gesichert werden. Für die Messung der Reibbeiwerte von Reifen auf Stahlblech wurde eigens ein Prüfstand entwickelt. Ein Beispiel: Hat ein Auto mit einer Tonne Gewicht mit bestimmten Reifen auf einer genau festgelegten Fahrbahnschiene in Fahrtrichtung einen Reibbeiwert von 0,4, werden 400 Kilo bereits durch die Reibung gesichert. Das heißt für den Belader, der laut Vorgaben 80 Prozent des Gewichts in Fahrtrichtung sichern muss, dass er noch 400 Kilo mit entsprechenden Gurten und den dazugehörigen Verfahren befestigt. Eine wichtige Angabe, die bislang fehlte. Auf der Grundlage der neuen Berechnungen und Tests soll nun ein praxisfreundliches Berechnungsmodell für die Ladungssicherung von Fahrzeugen auf Fahrzeugtransportern entwickelt werden. Man hat den worst case getestet Es wurden alle handelsüblichen Reifendimensionen für Pkw, Kleintransporter, Lkw und Traktoren zur Auswahl herangezogen. In einem Vortest wurden diejenigen Reifengrößen für Pkw und Lkw ausgewählt, welche den kleinsten und somit schlechtesten Reibbeiwert lieferten. Hinsichtlich der Profilbeschaffenheit wurden Sommerreifen, Winterreifen und Offroad- Reifen mit je unterschiedlichen Abnutzungsgraden betrachtet. Gemessen wurde mit Reifendrücken von 0,5 bis 2,0 bar. Studien-Download möglich Die Studie zu den Reibbeiwerten beim Beladen von Autotransportern steht zum Download auf der Homepage von TÜV SÜD bereit. „Ein wichtiger Schritt, denn bisher waren die Angaben in den Richtlinien des VDI im Spezialbereich Autotransporter sehr allgemein“, erklärt Otremba. „Reibbeiwerte gehören jedoch zu den wichtigsten Bausteinen bei der Berechnung der ordnungsgemäßen Ladungssicherung.“ Auf der Grundlage der Erkenntnisse von TÜV SÜD und Kässbohrer soll nun ein praxisfreundliches Berechnungsmodell für die Ladungssicherung von Fahrzeugen auf Fahrzeugtransportern entwickelt werden. Ein wichtiges Werkzeug in der Hand von Lkw-Fahrern. „Denn Fahrzeugtransporte ohne geeignete Fahrbahnschienen sind ein Sicherheitsrisiko für den Straßenverkehr“, betont Lkw-Fachmann Otremba. „Das haben unsere Untersuchungen ebenfalls ganz klar gezeigt.“ Dietmar Winkler ■ Speeder Vorführung bei Ihnen vor Ort! | Mehr Informationen: www.algema.de

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BETRIEBSPRAXIS SIEGERPORTRÄT BEST BRANDS 2016 Einfach nah dran Stahlgruber sicherte sich in diesem Jahr die Krone bei den Teile-Händlern. Doch was macht den Best-Brands-Sieger imagemäßig so erfolgreich? Ein Treffen in Poing. Fotos: Stahlgruber, Rainer Wolfsfellner, Patrick Neumann essegäste können im Herbst wieder ein besonderes Flair aufsaugen: Dann stehen nämlich die Stahlgruber Leistungsschauen in Sindelfingen und Nürnberg im Kalender. Der Teile-Händler aus Poing bei München, für den die Gebrüder Gruber bereits im Jahr 1923 den Grundstein legten und der sich eigenen Angaben zufolge immer wieder den wechselnden Marktanforderungen gestellt hat, spricht selbstbewusst vom „Treffen der Besten“. Neben den harten Fakten und der Ausrüstung fürs tägliche Werkstattgeschäft möchte man mit diesem Format auch informieren, inspirieren und faszinieren – und somit nah dran an der Basis sein. Keine Frage: Hier liegt der Kundenkontakt im Fokus. BEST BRANDS 2016 Bereits zum zweiten Mal haben sich die Magazine AUTO HAUS und asp AUTO SERVICE PRAXIS mit Hilfe ihrer Leser auf die Suche nach den beliebtesten Marken der Kfz-Branche gemacht. Die telefonische Befragung „Best Brands“, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut puls, ermittelte auf der repräsentativen Basis von 900 aspund AUTOHAUS-Lesern die Anbieter mit dem besten Image in insgesamt zwölf Produktgruppen und drei Gesamtsieger über alle Sparten. Gefragt wurde zuerst allgemein nach dem Image einer Marke, außerdem wurde das Markenbild nach den Faktoren „Preis-Leistungs-Verhältnis“ und „Qualität“ differenziert. Sieger in der Sparte „Teile-Händler“ wurde in diesem Jahr Stahlgruber. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 Hubert Seebauer von Stahlgruber mit der 2016er-Best-Brands-Trophäe „Uns ist die Kundenbeziehung sehr wichtig“, sagt Dr. Holger Hättich, Leiter Marketing und Produktmanagement, gegenüber asp AUTO SERVICE PRAXIS. Und in dieser Beziehung möchte Stahlgruber, so Marketingexperte Hubert Seebauer, als seriöser, zuverlässiger Partner wahrgenommen werden. „Die Betonung liegt auf Partner.“ Intensive Kommunikation Dabei verwundert es kaum, dass in dieser beruflichen Partnerschaft viel kommuniziert wird. Sei es etwa über den zielgruppenorientierten Vertrieb als ideale „Feedback-Kette“ (Dr. Hättich), sei es auf den Innovationstagen mit Händlern, sei es mit engagierten Kunden im Kundenbeirat oder sei es bei Workshops zur Zukunft der Werkstatt. Ferner finden in diesem Jahr wieder mehr als 1.000 Schulungstermine statt. Man investiere in das Training und die technische Ausstattung große Summen, sagt Dr. Hättich. Dass das weltweit mehr als 5.900 Mitarbeiter zählende Unternehmen das www.autoservicepraxis.de

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Ohr so nah am Markt hat, dafür gibt es laut Dr. Hättich einen Grund: „Die langjährigen Kundenbeziehungen sind das Hauptpfund.“ Doch neben diesen eher weichen Themen muss Stahlgruber in der Tat auch liefern, sprich Kfz-Teile an die Hebebühnen der Republik. Dafür wurde Anfang Juni die nunmehr 7. Ausbaustufe des Stahlgruber Logistikzentrums in Sulzbach-Rosenberg in Betrieb genommen – eine akuelle Marktanforderung. Das Ziel: die Leistungsfähigkeit im gesamten Vertriebsgebiet weiter zu verbessern. So lauten Schnelligkeit und Präzision die Schlagworte in puncto Versand. Davon werden, so sind sich die Verantwortlichen sicher, Servicebetriebe und weitere Kunden ab sofort profitieren. „Erstmalig im Kfz-Teile großhandel erfolgt der Wareneingang nahezu komplett automatisiert und ohne Wartezeiten“, heißt es aus Poing. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Dr. Hättich. Die 2016er-Best-Brands-Trophäe ist ein Beleg dafür. Patrick Neumann ■ ZUKUNFTSMUSIK FÜRS PORTFOLIO Die Stahlgruber GmbH, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 5.900 Mitarbeiter beschäftigt hat, ist auf ihr großes Leistungsspektrum stolz. Abgesehen von einem umfangreichen Sortiment bietet das Unternehmen seinen Kunden eine intelligente Logistik mit unter anderem mehrmals täglicher Zustellung, Werkstatt- und Handelskonzepte, Werkstattausrüstung und -service, einen Technischen Service und eine Hotline, Schulungen und Seminare sowie individuelle IT-Lösungen auf Modulebene wie das elektronische Teile-Informationssystem namens STAkis-S. „Leistung, die bewegt!“ lautet deshalb auch ein Claim fürs gesamte Portfolio der Poinger. Freuen sich über die Auszeichnung: Hubert Seebauer (links) und Dr. Holger Hättich Doch diese Bewegung hat sich das Stahl gruber-Management laut Dr. Holger Hättich und Hubert Seebauer auch für die eigene Organisation vorgenommen. Schließlich möchte man bei den derzeit viel diskutierten Zukunftsthemen wie Digi talisierung, Telematik und Internet der Dinge ganz vorne mit dabei sein – und das Angebot für die Kunden dahingehend schlüssig erweitern. „Da kommt in den nächsten Monaten von uns etwas“, erklärt Dr. Hättich. Klingt noch etwas nebulös. Doch weitere Details möchte der Leiter Marketing und Produktmanagement momentan noch nicht verraten. Aber es könnte, so die Spekulation, in Richtung Fitnessarmband fürs Auto gehen. Vorstellbar ist somit eine Telematik-Nachrüstlösung im Angebot von Stahlgruber. Sie wollen in der Automobilbranche durchstarten? Jobs für alle Bereiche der Branche fi nden Sie auf autojob.de – schnell, direkt und einfach. Auch als autojob.de App erhältlich: gratis im iTunes Store und bei Google Play. WIR SIND DIE BRANCHE Unterstützt von

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BETRIEBSPRAXIS SERVICEKONGRESS Kunden kriegt man auf ihrem Sofa Die Herausforderungen für Autohäuser und Werkstätten durch den digitalen Wandel waren das zentrale Thema beim 5. AUTOHAUS/asp Servicekongress in Mainz. er Kampf um Werkstattkunden beginnt im Internet. Betriebe, die nicht im Netz in Erscheinung treten und potenzielle Kunden mit attraktiven Angeboten überzeugen, verlieren dauerhaft den Kundenkontakt. Diese Botschaft nahmen die über 80 Teilnehmer des Karl Hell, Bereichsleiter Aftersales Hyundai Motor Deutschland: „Die digitale Dialogannahme bringt uns 25 Prozent mehr Effizienz.“ AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 5. Servicekongresses von AUTOHAUS und asp AUTO SERVICE PRAXIS mit nach Hause. „Die Kunden sind im Internet, dort müssen wir sie abholen, und zwar zu Zeiten, in denen keine Werkstatt mehr offen hat“, erklärte Digitalexperte Peter Lorenzen, ehemals Vice President Prof. Stefan Reindl, IFA: „Die Deckungsbeiträge im Werkstattgeschäft sind bereits sichtbar unter Druck geraten.“ Unsere Experten beim Servicekongress (v. l.): Ralph M. Meunzel (AUTOHAUS), Adrian Schnell (Autofaszination), Arno Bach (RR Team), Peter Lorenzen (AuDig.con), Matthias Klintzsch, (Shell Deutschland), Manfred Schlegel (Autohaus Max Schlegel), Tiemo Emig (RR Team), Manfred Seidel (VEACT), Sven Hölker (Bank11 für Privatkunden und Handel) und Dietmar Winkler (asp) Dealer Sales Germany bei der Fahrzeugbörse Autoscout24. Immer noch sorgen Werkstätten und Auto häuser zu wenig dafür, dass sie im Internet auffindbar sind und Kunden auf sich aufmerksam machen, mahnte Lorenzen an. Und: „Pflegen Sie Google My Business, dann werden Sie auch bei der Google- Suche sichtbar.“ Der Servicekunde ist heute online und erwartet mehr und mehr, die Dienstleistung im Netz von seinem Wohnzimmersessel aus gleich buchen zu können“, so Lorenzen. Servicebörsen und Fast Fitter hätten das bereits erkannt und seien schon Adrian Schnell, Autofaszination: „Die Kundenkommunikation über digitale Medien muss einfach sein, sonst wird sie nicht stattfinden.“ Fotos: S. Schwarzenböck (4), M. Vogl (1), D. Winkler (5) www.autoservicepraxis.de

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(v. l.) Prof. Hannes Brachat (AUTOHAUS) im Gespräch mit Matthias Klintzsch (Shell Deutschland) in der begleitenden Fachausstellung Austausch in der Ausstellung: Kurt Nördershäuser, ADELTA.FINANZ AG, mit Miriam Rosacha, Christoph Wicke und Götz Kühne (alle Carmando GmbH) Immer Chefsache: Philip Puls (TÜV SÜD Auto Service GmbH) gab Tipps, wie man digitale Projekte in Unternehmen umsetzen sollte. Sven Hölker (Bank11 für Privatkunden und Handel) zeigte, wie digitale Kanäle die Reparaturfinanzierung erleichtern können. aktiv. Der Autohandel müsse aufholen und ebenfalls seine Serviceleistungen online anbieten. Lorenzen: „Das bedeutet: Leistungen müssen künftig auf der Webseite des Händlers kalkulierbar und buchbar sein.“ Dass Werkstätten sich den Verlust von Kundenkontakten nicht leisten können, machte Prof. Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft in seinem Vortrag deutlich: „Das Servicegeschäft ist kein Selbstläufer und es ist damit zu rechnen, dass Werkstattumsätze künftig rückläufig sind“, so Reindl. Damit würde sich der Trend der letzten Jahre fortsetzen, in denen die Umsätze preisbereinigt rückläufig waren. Von 1995 bis 2014 sind die Umsätze zwar nominell um 23 Prozent gestiegen, preisbereinigt ergebe sich aber ein Minus von über sieben Prozent, ergänzte Reindl. Wie wertvoll gut gepflegte Kundendaten im Servicegeschäft sind, zeigte Manfred Seidel, Vertriebschef des Münchner Start-up VEACT, auf. „Kundendaten sind Ihr wichtigstes Gut. Überlassen Sie Ihren Schatz nicht branchenfremden Technologiekonzernen“, warnte Seidel. VEACT hat eine IT-Anwendung entwickelt, mit deren Hilfe die bereits vorhandenen Kundendaten in den IT-Systemen von Autohäusern und Werkstätten aufbereitet und im Hinblick auf Vertriebsaktivitäten analysiert werden können. Manfred Schlegel, Geschäftsführer Autohaus Max Schlegel, sieht den wichtigsten Hebel zur Kundenbindung künftig im direkten Zugriff auf Fahrzeugdaten und Fahrer über Online-Assistenzdienste wie Opel OnStar. In Kombination mit einer Smartphone-App könnten Werkstätten dem Nutzer künftig Service-Angebote direkt auf sein Smartphone schicken. „Neue Fahrzeuge werden sich vor allem über die verfügbaren Smartphone-Services differenzieren“, ist sich Schlegel sicher Dietmar Winkler ■ Peter Lorenzen (Au.Dig.con): „Bieten Sie Ihren Kunden auf Ihrer Website buchbare und kalkulierbare Services an.“ SERVICEKONGRESS 2016 Der 5. Servicekongress fand am 7. Juli erstmals als Gemeinschaftsveranstaltung der Schwesterredaktionen AUTOHAUS und asp AUTO SERVICE PRAXIS statt. Die mehr als 80 Teilnehmer hörten im Mainzer Hotel Atrium elf Vorträge zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung des Werkstattgeschäfts. Am Vorabend gab es bereits Gelegenheit zum Networking beim gemeinsamen Abend essen. Dinner-Speaker Thomas Hausch, Geschäftsführer Nissan Center Europe, machte mit seinem Vortrag Lust auf E-Mobilität. Seine Prognose: Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Stromer auf die Straße zu bringen, ist noch erreichbar. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2016 65

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BETRIEBSPRAXIS KAROSSERIE- UND FAHRZEUGTECHNIK Ende des Streichkonzerts Beim Branchentreff des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) in Friedberg ermutigte der Verband seine Mitglieder, sich gegen die Spar-Methoden der Versicherungen zu wehren. echnungskürzungen durch Versicherungen und deren Dienstleister sind weiterhin Ärgernis Nummer Eins bei den Karosseriefachbetrieben. Das wurde beim Branchentreff des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) am 24. Juni in Friedberg deutlich. ZKF-Präsident Peter Börner kritisierte das Vorgehen der Versicherer: „Da liegen Prüfberichte mit unberechtigten Kürzungen von bis zu 50 Prozent auf dem Schreibtisch des Hauptgeschäftsführers. Wir müssen handeln und dem Treiben ein Ende setzen.“ ZKF-Hauptgeschäftsführer Klaus Weichtmann verwies darauf, dass Herstellervorgaben für die Arbeitszeitwerte für die Reparatur in einer freien Werkstatt nicht bindend seien. „Die Herstellervorgabezeiten wurden ursprünglich für das eigene Händler- bzw. Werkstattnetz und für den Garantiefall entwickelt. Diese Vorgaben binden die eigenen Vertragswerkstätten, nicht aber die freien Karosserie-Fachbetriebe“, erklärte Weichtmann und verwies auf entsprechende BGH-Rechtsprechung. In der Praxis werden zu wenige Fachbetriebe tatsächlich aktiv. Peter Börner forderte die Mitglieder auf, im Zweifel einen Anwalt einzuschalten oder im Falle unberechtigter Rechnungskürzungen bei Kaskoschäden das Sachverständigenverfahren aufzurufen. Mit einem eigenen Anwaltsmodell unterstütze der Verband die Mitgliedsbetriebe. Zudem sei der neue „Dienstleistungsservice für Betriebe“ (DfB) eine Lösung. Dabei treten Betriebe ihre Forderungen gegenüber den Versicherern an die Eurogarant AutoService AG ab, die dann die Außenstände eintreibt. Der DfB ist ein gemeinsames Angebot von ZKF und Eurogarant Auto- Service. Der neue Service übernimmt die Prüfung des Kostenvoranschlages, holt alle Freigaben ein, koordiniert die Sach- Foto: Panthermedia/Erwin Wodicka Im Zweifel kann das Urteil eines Sachverständigen für Klarheit sorgen. verständigen und schaltet notfalls einen Rechtsanwalt ein. Zudem übernimmt der DfB auch die Rechnungszahlung an die Betriebe. diwi ■ IMPRESSUM ISSN NR. 1437-1162 Anschrift von Verlag und Redaktion Springer Automotive Media Springer Fachmedien München GmbH Aschauer Str. 30 · 81549 München Tel. 0 89/20 30 43-0 Fax Redaktion 0 89/20 30 43-12 18 Fax Anzeigen 0 89/20 30 43-12 40 http://www.autoservicepraxis.de Springer Fachmedien München GmbH ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Nature. Redaktion Herausgeber Dipl.-Ing. Jürgen Wolz (TÜV SÜD Auto Service GmbH), Lars Kammerer (TÜV SÜD Auto Service GmbH) Anschrift siehe Verlag Chefredaktion (V.i.S.d.P.) Ralph M. Meunzel Tel. 0 89/20 30 43-12 03 Koordination Patrick Neumann Tel. 0 89/20 30 43-11 84 Redaktion Valeska Gehrke (vg) Tel. 0 89/20 30 43-23 09 Alexander Junk (aj) Tel. 0 89/20 30 43-23 10 Dietmar Winkler (diwi) Tel. 0 89/20 30 43-27 92 Online-Redaktion Ralf Padrtka (Leitung) Tel. 0 89/20 30 43-12 84 Thomas Maier Tel. 0 89/20 30 43-23 11 Frank Selzle Tel. 0 89/20 30 43-11 08 E-Mail: autoservicepraxis@springer.com Ständige Mitarbeiter Eva-Elisabeth Ernst, Manfred Schlegel, Marcel Schoch, Dieter Väthröder, Erwin Wagner Gesamtleitung Herstellung Maren Krapp Tel. 0 89/20 30 43-14 18 Layout Diane Laudien Tel. 0 89/20 30 43-11 87 Verlag Geschäftsführer Peter Lehnert Tel. 0 89/20 30 43-22 54 Verlagsleiter Springer Automotive Media Ralph M. Meunzel Tel. 0 89/20 30 43-12 03 Anzeigen- und Marketingleitung Michael Harms Tel. 0 89/20 30 43-12 42 Anzeigenverkauf Sanja Klöppel Tel. 0 89/20 30 43-12 24 Birgit Zipfel Tel. 0 89/20 30 43-11 91 Fax 0 89/20 30 43-12 40 Marketing Alexandra Wutz (Fachliche Leitung) Tel. 0 89/20 30 43-21 05 Susanne Schwarzenböck Tel. 0 89/20 30 43-11 36 Fax 0 89/20 30 43-11 81 Anzeigenverwaltung Aylin Uysal Tel. 0 89/20 30 43-23 58 Gültig ist die Anzeigen-Preisliste ab 01.10.2015 Gelegenheitsanzeigen Doris Kester-Frey Tel. 0 89/20 30 43-11 33 E-Mail: kontakt.anzeigen@springer.com Leitung Vertriebskoordination Fachzeitschriften Tatjana Sachenbacher Tel. 0 89/20 30 43-16 27 Online-Medien Stefan Griessmann (Leiter Portale) Tel. 089/20 30 43-11 57 Ute Sauermann Tel. 089/20 30 43-22 18 (Produktmanagerin Portale SAM) Abo-Service Tel. 0 89/20 30 43-15 00 Fax 0 89/20 30 43-21 00 Sitz: Aschauer Str. 30 · 81549 München E-Mail: vertriebsservice@springer.com Der Verlag übernimmt keine Haftung für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotomaterial, daher besteht auch kein Anspruch auf Ausfallhonorar. Mit dem Autorenhonorar gehen die Verwertungs-, Nutzungs- und Vervielfältigungsrechte an den Verlag über, insbesondere auch für elektronische Medien (Internet, Datenbanken, CD-ROM). Es werden nur solche Manuskripte angenommen, die an anderer Stelle weder veröffentlicht noch gleichzeitig angeboten sind. Für die mit Namen des Verfassers gekennzeichneten Beiträge übernimmt die Redaktion lediglich die pressegesetzliche Verantwortung; sie stellen also nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Erscheinungsweise 11 Ausgaben pro Jahr Bezugspreis Einzelheft: € 10,90 netto/€ 11,66 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Jahresabonnement Inland: 81,60 netto/€ 87,31 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Ausland (Europa): € 93,60 netto/ € 100,15 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Ausland (außerhalb Europa): auf Anfrage. Preisänderungen vorbehalten. Alle weiteren Aboangebote und -preise finden Sie unter www.autoservicepraxis.de. 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FREIER TEILEMARKT 2016 INHALT 04 Nachrichten Aktuelles aus der Branche 08 Freier Teilemarkt Neuer Wettbewerb für Kooperationen 12 Interview GVA-Präsident Hartmut Röhl 16 Teileidentifikation Endlich Bewegung im Streit um Daten 20 Stoßdämpfer Besuch in der Monroe-Produktion 24 MS Motorservice Teileinformationen per App 26 Logistik Neues Stahlgruber-Logistikzentrum 28 BBE Aftersales-Forum Herausforderungen für die Branche 31 Digital-Marketing VEACT veredelt Kundendaten 32 Schulung So verbessern Sie die Servicequalität 36 Teilebestellung C-Teile-Management von Würth 38 Connected Car Wie sich Geschäftsprozesse ändern 41 3D-Druck Additive Fertigung bei BMW 42 Marderabwehr Wirksame Produkte von Stop & Go 44 Onlinehandel Werkstätten als Kunden im Teileshop IMPRESSUM Spezial Freier Teilemarkt, Sommer 2016 erscheint als Beilage der Fachzeitschriften asp AUTO SERVICE PRAXIS 7-8/2016 und AUTOHAUS 16/2016 Auflage: 45.000 Chefredakteur: Ralph. M. Meunzel Autoren: Valeska Gehrke, Alexander Junk, Daniela Kohnen, Patrick Neumann, Marcel Schoch, Dieter Väthröder Koordination: Dietmar Winkler Anzeigen: Michael Harms (Leitung), Sanja Klöppel, Birgit Zipfel Herstellung: Maren Krapp (Leitung), Diane Laudien Druck: Stürtz GmbH, 97080 Würzburg Verlag: Springer Fachmedien München GmbH, Aschauer Straße 30, 81549 München Titelbild: Jakub Jirsák/Fotolia.com Globales Geschäft Woher kommen künftig Ihre Ersatzteile in der Werkstatt und wie viel werden Sie dann noch daran verdienen? Welche Spanne bleibt beim Großhandel hängen und wie sieht dieser Großhandel in Zukunft überhaupt aus? Oder bestellen Sie dann häufiger online da sich Autos ohnehin im Internet der Dinge bewegen? Fertige Antworten auf diese Fragen werden wir in unserem Sonderheft Freier Teilemarkt nicht liefern, aber es ist spannend, einen Blick darauf zu werfen, welche enorme Dynamik sich im Handel mit Kfz-Ersatzteilen entwickelt. Hier geht es um einen Milliardenmarkt. Noch ist das Tagesgeschäft der einzelnen Werkstatt vom Kräftemessen der Investoren und Handelskooperationen beim Kampf um Marktanteile scheinbar wenig betroffen. Aber es ist eben dieser Großhandel, der als Konzeptgeber über seine Kooperationen die Werkstatt-Landschaft entscheidend prägt. Deshalb wagen wir einen Blick auf die ganz großen Player unter den Einkaufskooperationen, die in globalen Maßstäben denken. Europa ist für sie kein Wachstumsmarkt mehr. Die Musik spielt für sie heute in den USA und in Asien. Am anderen Ende der Skala wird es eng: Ob lokale Teilehändler ihre Nische verteidigen können, ist derzeit noch ungeklärt. Laut einer aktuellen Umfrage von Wolk After Sales Experts erwarten rund 70 Prozent der lokalen Großhändler, dass ihre Roherlöse in den nächsten fünf Jahren sinken, vor allem beim Verkauf von Verschleißteilen an ihre wichtigste Kundengruppe – die freien Werkstätten. Dietmar Winkler, Redakteur asp AUTO SERVICE PRAXIS autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2016 3

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FREIER TEILEMARKT 2016 GEMEINSAMES DACH Gebündelte Serviceleistungen Schaeffler hat seine Serviceleistungen für die Werkstatt gebündelt. Der Zulieferer bietet alle Leistungen zu seinen Produkten und Reparaturlösungen für die Werkstatt ab sofort unter der Marke Repxpert an. Damit baut Schaeffler sein Angebot global weiter aus, zu dem das bereits auf dem Markt befindliche gleichnamige Onlineportal und technische Trainingsmöglichkeiten rund um die Produkte und Reparaturlösungen der Marken LuK, INA, FAG und Ruville gehören. Herzstück der Onlineplattform Repxpert ist der TecDoc-basierte, herstellerübergreifende Onlinekatalog. dko ■ Weitere Infos unter www.repxpert.de Foto: Schaeffler Automotive NEUES WERKSTATTNETZ Wartung für alle Marken Die Groupe PSA baut derzeit ein markenunabhängiges Werkstattnetz für Wartung und Reparatur unter dem Markennamen Euro Repar Car Service auf. Damit erweitert der Konzern seine Reichweite und ist nicht mehr auf die drei Marken Peugeot, Citroen und DS Automobiles begrenzt. „Euro Repar Car Foto: Peugeot Service-Standorte sind in der Lage, Kunden praktisch aller Fabrikate sowohl Wartungen als auch Reparaturen gemäß Herstellerrichtlinien anzubieten“, erklärt Bas Viveen, Direktor für Teile und Service in Deutschland. Unter dem Label werden den Kunden damit Qualität bei Teilen und Arbeiten sowie geschulte Mitarbeiter garantiert. Derzeit gehören in Deutschland bereits über 160 Servicebetriebe dazu. In Europa sind es über 2.000 Werkstätten. Das neu geschaffene Werkstattnetz geht aus einer Fusion von Eurorepar und Motaquip Car Service hervor. dko ■ Weitere Infos unter eurorepar.de B2B-ONLINE-PLATTFORM Einfacher und schneller suchen Tyre24 hat seine B2B-Handelsplattform erweitert und den Verschleißteilebereich mit neuen Funktionen ausgestattet. Zusätzliche Filtermöglichkeiten unterstützen Händler nun dabei, unter den rund fünf Millionen verschiedenen Autoteilen schneller und einfacher das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Möglich machen das Suchfunktionen, mit FREIER TEILEMARKT 2016 denen beispielsweise speziell nach Premium- oder Budgetherstellern recherchiert werden kann und sich zudem mehrere Hersteller kombinieren lassen. Auch die Unterscheidung von Produkten für die Vorder- und Hinterachse ist möglich. dko ■ Weitere Infos unter www.tyre24.de autoservicepraxis.de | auhohaus.de Foto: Saitow AG

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WERKSTATT MESSEN 2016 26. bis 28.August Dortmund: Westfalenhalle 08. bis 09. Oktober Berlin: Messegelande Funkturm 15. bis 16. Oktober München: Messegelande online anmelden: Scannen Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone ein oder besuchen Sie unsere Messe-Website unter www.wm-werkstattmessen.de Sichern Sie sich schon jetzt ihre persönlichen VIP-Tickets!

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FREIER TEILEMARKT 2016 KURZMELDUNGEN Die Wilhelm Schwenker GmbH & Co. KG scheidet zum 31.12.2016 aus der CARAT Systementwicklungs- & Marketing GmbH & Co. KG aus. Der Gesellschafterstatus soll zum Ende des Jahres aufgehoben werden, da sich die strategische Ausrichtung und Sortimentspolitik des Unternehmens Schwenker verändert hat. Der Schritt wurde einvernehmlich von beiden Parteien beschlossen. Nach Unternehmensangaben wird man künftig Optionen für weitere Anknüpfungspunkte verfolgen. Auf der Automechanika stellt das Unternehmen NSK erstmals eine eigene Marke, NSK ProKIT, mit den ersten Produkten für den freien Teilemarkt vor. Das Angebot umfasst die ProKIT-Reparatursätze, die ausschließlich aus Teilen in OE-Qualität bestehen. Nicht nur die von NSK gefertigten Radlager entsprechen den Herstellervorgaben, sondern auch sämtliche Befestigungs- und Anbauteile. In den kommenden Monaten soll das Pro- KIT- Angebot weiter ausgebaut werden. Zu finden ist das Unternehmen auf der Automechanika in Halle 4.0 am Stand E 51. Der Zulieferer SAF-HOLLAND zeigt auf der Automechanika einen neuen, doppelreihigen Kugellenkkranz inklusive des vom Unternehmen entwickelten Schmierstoffverteilers CentroLube. Der Zentralschmierverteiler versorgt alle Schmierpunkte um den Kugellenkkranz mit nur einer Schmierstelle. Laut Unternehmensangaben wird dadurch eine gleichmäßige Verteilung des Schmierstoffes und eine gleichbleibend gute Leistungsfähigkeit garantiert. Gleichzeitig können Centro-Lube Zentralschmiereinheiten nachgerüstet und an die Zentralschmierung des Fahrzeugs angeschlossen werden, was den Schmiervorgang des Kugellenkkranzes nochmals vereinfacht. Zu finden ist der Achsenspezialist auf der Automechanika in Halle 6, Ebene 0, am Stand B20. FREIER TEILEMARKT 2016 Foto: SAF Markenübergreifend bestellen Die WOW Würth Online World GmbH (WOW) bietet mit der OTD-Plattform (Original-Teile-Direkt) eine E-Commerce-Lösung, die den Teilevertrieb, technische Daten, Marketingangebote und logistische Aufgaben verknüpft. „Mit der OTD-Plattform wollen wir die Teileversorgung vereinfachen“, erklärt Boris Bäthge, Key Account Manager von WOW. Über ein Online-Portal können Autohausgruppen, Autohäuser, Hersteller oder Einkaufsverbände ihr Teile- und Marketingangebot definierten Nutzern zur Verfügung stellen. Großer Vorteil: Die Werkstatt kann für die Teilebestellung markenübergreifend eine Plattform nutzen und muss nicht verschiedene Teilekataloge durchsuchen. Denn der Lizenznehmer hat die Möglichkeit, alleine oder in einer Gruppe als Händlergemeinschaft Produkte anzubieten. Zudem bestehen vielfältige Individualisierungs- Foto: WOW möglichkeiten, so Boris Bäthge. Beispielsweise lassen sich das Layout und die Domain der Plattform individuell anpassen oder kundenspezifische Rabatte für Werkstätten und Autohäuser hinterlegen. Auch spezielle Werbeaktionen, eine Fundgrube oder Mailingaktionen seien möglich. „Ein besonderes Gimmick, das wir bieten, ist die Tourenplanung“, erzählt Boris Bäthge begeistert. Mit dieser könnten verschiedene Händler ihre Waren gemeinsam an Autohäuser und Werkstätten liefern. Eine Logistik- App generiert dabei auf Basis von GPS- Daten sinnvolle Touren. Bei der OTD GmbH, die in diesem Jahr in die WOW Würth Online World GmbH integriert wurde, ist man überzeugt, dass die neue Plattform die Prozesse für Werkstätten, Autohäuser sowie für den OE-Teilehandel vereinfachen und vor allem beschleunigen wird. vg ■ Teile einkaufen und verkaufen Der ZDK hat geänderte Teileverkaufsund Teileeinkaufsbedingungen (Stand 6/2016) veröffentlicht. Die Texte wurden an die aktuellen Verkaufsbedingungen für Neuwagen, Gebrauchtwagen und an die AGB für Kfz-Reparaturen angepasst. Die neue Version berücksichtigt damit die jüngste Rechtsprechung des BGH zur Verjährungsverkürzung von Sachmangelhaftungsansprüchen. Geändert wurden die AGB für den Verkauf neuer und gebrauchter Fahrzeugteile in den Punkten Zahlung, Lieferung und Verzug, Eigentumsvorbehalt, Haftung für Sachmängel sowie Haftung für sonstige Schäden. Derzeit ist noch nicht klar, ob die Teileverkaufsbedingungen im Zuge der Reform des Mängelgewährleistungsrechts (Aus- und Einbaukosten) mittelfristig einer weiteren Änderung bedürfen. Werden die Teileverkaufsbedingungen für Kaufverträge mit Verbrauchern verwendet, sind ab dem 01.02.2017 zudem Informationspflichten nach dem Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG) zu erfüllen. Der ZDK will rechtzeitig informieren. diwi ■ autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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Wir stellen vor: Mike Bellaby, Chefingenieur für Zulieferungsentwicklung bei TRW. Ob es sich um die Freigabe von Lenkungsteilen von TRW handelt oder um die Vorbereitung auf sein nächstes Seitenwagenrennen: Mike stellt sicher, dass jede Komponente auf Herz und Nieren getestet wird. TRW ist das einzige Unternehmen, bei dem alle sieben unabhängigen Sicherheitstests der Lenkungsteile durchgeführt werden. Für echt großartige Leistung, verlassen Sie sich auf Echte Originale. Schauen Sie sich Mikes Geschichte an auf www.trwaftermarket.com/lenkungsteile ECHTE ORIGINALE EIN TRW-SYSTEM www.trwaftermarket.com/lenkungsteile Bei TRW wird jedes Teil so gebaut, dass es jede Herausforderung meistert, genauso wie es unsere 4000 Ingenieure, Designer und Produktexperten bereits auf der ganzen Welt tun. Mit über 100 Jahren Erfahrung in der Erstausrüstung setzt TRW Maßstäbe in Sachen Sicherheit und Qualität.

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FREIER TEILEMARKT 2016 HINTERGRUND KFZ-TEILEMARKT Viel Lärm um NEXUS Einkaufskooperationen für Kfz-Ersatzteile sind längst international unterwegs. Behaupten müssen sie sich gegen global agierende Unternehmen, Finanzinvestoren und den neuen Mitspieler NEXUS. Foto: Fotolia/Dezay er Handel mit Kfz-Ersatzteilen ist ein Milliardenmarkt. Allein in Europa wird das Marktvolumen für den Kfz-Aftermarket auf fast 200 Milliarden Euro geschätzt. Und genau wie das Geschäft mit Neuwagen ist auch der Reparaturmarkt längst ein internationales Geschäft, das zunehmend von global agierenden Unternehmen, Finanzinvestoren und Handelskooperationen dominiert wird. Der Großhandel für Kfz-Ersatzteile hat auf die Internationali- KURZFASSUNG Seit 2014 schließt die internationale Einkaufskooperation NEXUS in den Kreis der etablierten Handelskooperationen auf. Das Unternehmen tritt selbstbewusst auf. Die Konkurrenz begegnet NEXUS dagegen mit teils hämischen Kommentaren. FREIER TEILEMARKT 2016 sierung bereits vor Jahrzehnten reagiert. Durch Zusammenschlüsse mit anderen Einkaufskooperationen oder durch die Aufnahme von neuen Mitgliedern im Ausland haben sich die Einkaufskooperationen international aufgestellt. NEXUS macht mächtig Wind Mit einem Umsatz von zuletzt 14 Milliarden Euro ist ATR International mit Abstand die größte Einkaufskooperation für Kfz-Teile. Die internationale nicht börsennotierte Aktiengesellschaft wurde bereits 1999 unter dem Dach der ATR in Stuttgart gegründet. Heute sind 224 Handelsunternehmen aus 53 Ländern Mitglied in der ATR International AG. Die Gewichte haben sich in den letzten Jahren zunehmend verschoben: Vor zehn Jahren haben die deutschen ATR-Gesellschafter Matthies, Stahlgruber und da- mals noch WM etwa 85 Prozent des Umsatzes gemacht. In der Zwischenzeit hat sich das Verhältnis glatt umgekehrt. „Die großen Wachstumsmärkte sind schon lange nicht mehr in Zentraleuropa. Das Wachstum findet in Asien und Osteuropa einschließlich Russland statt“, erklärt Roland Dilmetz, Vorstand von ATR International. Für dieses Jahr geht Roland Dilmetz von einem Verkaufsumsatz der ATR-Mitglieder von über 17 Milliarden Euro aus, davon rund 8 Milliarden Euro in den USA und Mexico, wo Mitte 2015 mit AutoZone der führende Einzelfachhändler und einer der größten Anbieter von Kfz-Ersatzteilen und Zubehör in Nordamerika der Handelskooperation beigetreten ist. Frech, selbstbewusst und zumindest gemessen am Umsatzvolumen recht erfolgreich, ist vor zweieinhalb Jahren ein autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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neuer Mitspieler auf die Bühne getreten und fordert die etablierten Kooperationen wie ATR, Auto Distribution International (Deutsches Gründungsmitglied ist die Carat-Gruppe) oder Group Automotive International (Deutsches Gründungsmitglied ist Groupauto Deutschland, die 2009 aus der Kooperation der Coparts Autoteile GmbH und Select AG hervorging) heraus. NEXUS Automotive ist 2014 mit 4 Milliarden Umsatz gestartet und liegt 2016 voraussichtlich bei über 10 Milliarden weltweit. „Wir sind aus der Rolle des Herausforderers herausgewachsen und spielen in der gleichen Liga“, sagt Bas Donders, Director Marketing & Sourcing selbstbewusst mit Blick auf ATR und Co. „Wir sind eine globale Kooperation. Ich würde sogar sagen, dass wir die einzige Kooperation sind, die wirklich global unterwegs ist“, so seine Überzeugung. Die Kooperation, die Anfang 2014 von vier Managern aus der Kfz-Zulieferindustrie gegründet wurde, konzentrierte sich anfangs schwerpunktmäßig auf Nordafrika und Middle East. Heute ist bezogen auf das gehandelte Volumen Nordamerika (4 Mrd. Euro) der wichtigste Markt, an zweiter Stelle steht Europa (3,1 Mrd.), an dritter Stelle der Mittlere Osten/Afrika (2 Mrd.). Bas Donders: „Heute ist für uns auch Südamerika und der Asien-Pazifik-Raum wichtig.“ In Deutschland hat Nexus bisher nur zwei Mitglieder gefunden: den DIE GROSSEN KOOPERATIONEN Umsätze 2015 der Handelskooperationen im Vergleich: 14 Mrd. € 9,3 Mrd. € 7,25 Mrd. € 6,1 Mrd. € NEXUS ADI GROUPAUTO Quelle: eigene Recherche, Wolk Aftersales Experts autoservicepraxis.de | autohaus.de Klimaservicegeräte für Fahrzeug- Klimaanlagen seit 1956 Seit 1956 ist Robinair Weltmarktführer bei Geräten für Rückgewinnung, Recycling und Nachfüllen von Kältemittel sowie Ausrüstung und Zubehör für den Service an Fahrzeug-Klimaanlagen. Fahrzeughersteller (OEMs), Autohäuser, Werkstätten sowie Industrie- und Handelsunternehmen vertrauen seit 1956 auf Klimaservicegeräte von Robinair. ROBINAIR.COM

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FREIER TEILEMARKT 2016 INTERVIEW CHRISTIAN SCHÄFERBARTHOLD Schäferbarthold ist einer von zwei deutschen Gesellschaftern bei NEXUS. Warum sind Sie bei NEXUS eingestiegen? C. Schäferbarthold: Es waren mehrere Gründe, die uns dazu bewogen haben. Bisher hatte unser Unternehmen ohne jede Kooperation über 90 Jahre hinweg Bestand und damit haben wir uns sehr gut entwickelt. Dennoch haben wir uns neu die Frage gestellt, wo wir durch Kooperation profitieren können. Wir haben dann mit verschiedenen Kooperationen Gespräche geführt. Anhand eines definierten Warenkorbs haben wir nach eingehender Analyse schließlich festgestellt, dass es trotz aller Boni bei uns auf der Einkaufsseite nicht den entscheidenden Vorteil bringen würde. Zudem haben wir heute schon Christian Schäferbarthold Lieferanten in ganz Europa und in sehr geringem Umfang darüber hinaus. Auch deshalb könnten wir in den üblichen Kooperationen, die preislich eher national ausgerichtet sind, keine Vorteile für uns generieren. Und was sprach dann für NEXUS? C. Schäferbarthold: Was wir bei NEXUS finden, ist ein Zusammenschluss von international leistungsfähigen Unternehmen. Über NEXUS-Mitglieder erhalten wir in einigen Ländern beim Einkauf bessere Konditionen, als es bisher der Fall war. Als exportlastiger Großhändler ist es für uns zudem möglich, über NEXUS zusätzliche Absatzgebiete zu erreichen. Der bessere Preis über die Masse war also nicht das schlagende Argument? C. Schäferbarthold: Natürlich ist der Einkaufspreis ein häufig genannter Vorteil mit all den Boni, die gegeben werden. Und es gibt weitere Vorteile wie angeschlossene Werkstattkonzepte, die natürlich nützlich und notwendig sind. Dazu kommen die an die Kooperation gebundenen Vertriebspunkte. Wir sind aber vor allem im Bereich Vertragswerkstätten und im Bereich von Handelskunden aktiv. Wir sind also kein typischer Distributeur, der Werkstätten mehrmals am Tag anfährt. Wir haben einen zentralen Standort und beliefern von dort aus Kunden in Deutschland, Europa und weltweit. Wie verteilt sich das Geschäft? C. Schäferbarthold: 80 Prozent des Umsatzes machen wir innerhalb Europas, etwa ein Viertel bis ein Drittel in Deutschland. 20 Prozent entfallen auf Zielmärkte außerhalb Europas. Wo sind für Schäferbarthold die interessanten Märkte in der NEXUS-Welt? C. Schäferbarthold: Bei NEXUS schauen wir vor allem in Richtung Naher Osten und Asien, wo wir als Anbieter europäischer Originalteile ein gefragter Partner sind. Das heißt, Sie profitieren in erster Linie von dem Netzwerk-Gedanken? C. Schäferbarthold: Je weiter wir von unserem Standort Deutschland wegkommen, desto größer sind unsere Kunden. In Asien bedienen wir keine Werkstätten, sondern größere Absatzvermittler. Nexus versteht es sehr gut, hier den Kontakt herzustellen. Wie sieht der Handel in Deutschland das Engagement neuer Mitspieler wie NEXUS, aber auch von Finanzinvestoren? C. Schäferbarthold: Man muss zwei Dinge unterscheiden: Da sind zum einen Finanzinvestoren, die in die Branche investieren wollen und verkaufswillige Unternehmer bzw. Eigentümer suchen. Zum Zweiten geht es um den möglichen Anschluss an eine Kooperation. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass mit NEXUS eine weitere Kooperation im deutschen Markt Fuß fassen könnte. Aber das internationale Einkaufsvolumen von 9 Milliarden Euro ist nicht gerade unbedeutend. Interview: Dietmar Winkler Teilegroßhändler Schäferbarthold (siehe Interview) und den Onlinehändler Auto- Teile-Pöllath (ATP). „Es wird aber sicher weitere Partner geben“, ist Donders zuversichtlich. Das Problem: Die großen bundesweit aufgestellten Teilehändler sind bereits Mitglied einer Kooperation. NEXUS will den Fokus daher erweitern und nicht nur Distributoren, sondern FREIER TEILEMARKT 2016 auch den Einzelhandel, regionale Großhändler und Internet Player ansprechen. Ein eigenes Werkstattnetz wird es in Deutschland bis auf weiteres nicht geben. Bas Donders: „Es ist schwierig, ein solches Netzwerk zu starten. Wir haben im letzten Jahr ein internationales Konzept für Pkw und Trucks gestartet, nicht zuletzt, weil der Markt das verlangt. Das befindet sich aber erst im Teststadium in regionalen Märkten.“ Das Werkstattnetz NEXUS Trucks wurde von einem französischen NEXUS-Partner in Frankreich gestartet. Auch in Polen versucht man es mit einem eigenen Werkstattnetz. Kein Wettbewerber Ist NEXUS nun ein ernstzunehmender Herausforderer für die angestammten Einkaufskooperationen? ATR-Vorstand Dilmetz gibt sich gelassen: „Für die ATR International AG ist NEXUS kein Wettbewerber. Wir bedienen eine ganz andere Zielgruppe und suchen jeweils die führenden Großhändler in den Märkten.“ Dilmetz kann sich eine kleine Spitze nicht verkneifen: „Überspitzt gesagt: Mit vier Autohändlern oder Einzelhändlern in Uruguay wäre uns als ATR nicht gedient.“ Thomas Vollmar, Sprecher der CA- RAT-Geschäftsführung und Präsident ADI, beantwortet dieselbe Frage mit einer ordentlichen Portion Ironie: „NEXUS hat in den Lücken neben den etablierten Kooperationen eine Daseinsberechtigung gefunden und bedient die noch nicht kooperierten Handelsunternehmen mit einfachen Botschaften zu ergänzenden Erträgen.“ Dass NEXUS irgendetwas anders macht als die Konkurrenz, kann Vollmar nicht erkennen: „Copy and paste lautet offensichtlich die Formel, wobei wir die echten Inhalte noch nicht wahrgenommen haben. Solange aber die Industrie bereit ist, für dieses Geschäftsmodell Zusatzkonditionen zu zahlen, haben die Akteure wohl alles richtig gemacht.“ Unterm Strich könnte seine Einschätzung des Konkurrenten kaum negativer sein: „Wir sehen unsere Abgrenzung zu Nexus ganz deutlich in unseren Inhalten und der Verbindlichkeit unserer Vereinbarungen.“ Vollmar verweist zudem auf das europäische Werkstattnetz „ad“ sowie das Schulungs- und Technologiezentrum mit mehreren hundert Technikern. NEXUS setzt derweil auf frische Methoden beim Networking und hat für die Geschäftsanbahnung zwischen Mitgliedern und Lieferanten eine Art Speeddating entwickelt: Nach fünf Minuten Redezeit wird gewechselt. Dietmar Winkler ■ autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2016 INTERVIEW Software ist auch ein Ersatzteil Der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) kämpft für einen fairen Wettbewerb im Aftermarket. Wie entscheidend künftig der Zugang zu Fahrzeugdaten sein wird, erklärt GVA-Präsident Hartmut Röhl. KURZFASSUNG Der Freie Teilemarkt profitiert von der guten Auslastung der Werkstätten und konnte den Umsatz im ersten Halbjahr erneut steigern. Sich abzeichnende Veränderungen der Automobilindustrie betreffen auch den Aftermarket. asp: Wie beurteilen die Unternehmen des Freien Teilehandels die wirtschaftliche Situation in diesem Jahr? H. Röhl: Das Jahr 2015 war zwar kein Jahr zum Jubeln, aber die Unternehmen des Freien Teilemarktes haben insgesamt den Umsatz leicht gesteigert. Im ersten Halbjahr 2016 hat sich dieser Trend erfreulich fortgesetzt. Laut aktueller GVA­Blitzabfrage konnten 80 Prozent der Unternehmen sowohl im Handel als auch in der Teileindustrie ihren Umsatz in den ersten sechs Monaten steigern. Ein Drittel der Unternehmen hat den Umsatz sogar deutlich um mehr als fünf Prozent gesteigert. Das passt zu den Rückmeldungen der Werkstätten, unserer wichtigsten Kundengruppe. Sie freuen sich über eine stabile Auslastung. Wir rechnen damit, dass dieses Jahr insgesamt weiterhin gut verläuft. asp: Trotzdem geraten die Margen zunehmend unter Druck. Warum? H. Röhl: Die Bruttomargen bleiben unter Druck. Mehrere Faktoren spielen hier eine Rolle. Neben dem starken Wettbewerb der Unternehmen untereinander und durch die Internetangebote spüren wir die Bestrebungen der Fahrzeughersteller, die sich im Service stärker den Segmenten II und III widmen und hier um Marktanteile kämpfen. asp: Wie stark spüren Sie den Internethandel? FREIER TEILEMARKT 2016 H. Röhl: Der Internethandel mit Kfz­Teilen hat mittlerweile einen merklichen Anteil errungen. Treiber ist der vermutete niedrigere Preis bei Online­Anbietern. Das übt unweigerlich einen Druck bei Preisverhandlungen im traditionellen Handel aus, der letztlich auf die Marge drückt. Die Unternehmen des Freien Teilehandels haben aber auch in der Vergangenheit schon bewiesen, dass sie auf der Kostenseite nachjustieren können. Die Branche reagiert flexibel auf Markt ­ veränderungen auch in ihren eigenen Prozessen. Die Kostenreduzierung hat allerdings natürliche Grenzen. Dass sich Kunden wünschen, mehrmals am Tag vom Handel beliefert zu werden, verursacht Kosten. asp: Wo ist noch Luft in der Prozesskette vom Hersteller bis zum Endkunden? H. Röhl: Den größten Stellhebel sehe ich im Bestellverhalten der Werkstätten. Eine bessere Terminplanung mit deren Kunden würde die Teile­Bestellung deutlich entspannen. Dann wäre es gar nicht notwendig, die Werkstätten bis zu sechs Mal am Tag zu beliefern. Und die Werkstätten müssten dann ein Ersatzteil auch nicht mehr bei drei Großhändlern gleichzeitig bestellen, um die Chance einer schnellen Belieferung noch auszureizen. Ein besser geplanter Werkstattbetrieb würde zu einer besser geplanten Werkstattbelieferung führen und könnte nebenbei eine Menge Kosten sparen. asp: Die Automobilindustrie steht vor gravierenden Technologie-Veränderungen. Was heißt das für den Teilehandel? H. Röhl: Als Verband müssen wir die langfristigen Veränderungen beobachten und im Sinne unserer Mitglieder begleiten. Die Elektrifizierung des Antriebs­ GVA-Präsident Hartmut Röhl spricht von einer Neuerfindung des Automobils. strangs und die Vernetzung der Fahrzeuge via Internet werden den Aftermarket mindestens ebenso verändern wie die Automobilindustrie insgesamt. Aber der Teilehandel hat sich schon oft an geänderte Marktbedingungen angepasst. asp: Wie schlimm wäre der Abschied vom Verbrennungsmotor? H. Röhl: Wenn es irgendwann zu einer vollständigen Elektrifizierung des Antriebsstrangs käme, wäre ein erheblicher Teil der bis jetzt umsatztragenden Ersatzteile im zukünftigen Markt nicht mehr erforderlich. Der Elektroantrieb hat aber nicht nur deutlich weniger Verschleißteile, er beeinflusst auch andere Verschleißkomponenten, die auch bei solchen Fahrzeugen noch vorhanden sind – z. B. erfolgt ein großer Teil der Bremsleistung durch den Motor und nicht mehr durch die klassische Friktionsbremse, was auch bei dieser Komponente zu einem deutlich niedrigeren Ersatzbedarf führt. Aber: Das Fotos: Dietmar Winkler, Alexander Vorbau autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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Ende des Verbrennungsmotors ist ja noch lange nicht in Sicht und die zukünftigen Generationen der Verbrennungsmotoren werden zwar einen geringeren Bedarf an Verschleißteilen haben, dafür werden diese aber von höherem Wert sein. asp: Ist das Thema Digitalisierung und Vernetzung der Fahrzeuge bei Ihren Mitgliedern in seiner Tragweite schon erkannt? H. Röhl: Die Tragweite wurde erkannt, die Auswirkungen sind aber im Tages geschäft sicher noch nicht ganz angekommen. Unsere Mitglieder und die Marktstrukturen sind gerade dabei, sich den neuen Herausforderungen anzupassen. Auf der anderen Seite würden durch die Konnektivität ganz neue Märkte entstehen. Wir würden feststellen, dass Software letztlich nur ein anderes Ersatzteil ist. Daher müssen wir sicherstellen, dass wir einen gesetzlich abgesicherten Zugang zu technischen Informationen und zu den „elek tronischen Ersatzteilen“ erhalten. Und als Wichtigstes den gleich berechtigten Zugang zu den durch die Digitalisierung und Vernetzung entstehenden, von den Fahrzeugen erzeugten Datenstrom. Ein lokaler Großhändler allein hat kaum Möglichkeiten, sich ein umfassendes Dienstleistungsportfolio für die digitalen Erlebniswelten des Autofahrers aufzu bauen. Über Kooperationen könnten aber auch kleine und mittlere Unternehmen Möglichkeiten erhalten, die sonst nur den ganz Großen vorbehalten sind. Und: Wir werden zu einer weite ren Konzentration in unserem Wirtschafts zweig kommen. Die letzten spektakulären Übernahmen im Teilegroßhandel markieren wohl noch nicht das Ende dieser Entwicklung. asp: Bleiben wir bei der Vernetzung der Fahrzeuge: Wie können sich freie Werkstätten und der Independent Aftermarket positionieren? H. Röhl: Die Vernetzung der Fahrzeuge kommt einer Neuerfindung des Automobils gleich. Das Auto ist künftig nicht mehr nur Fortbewegungsmittel, sondern auch ein Türöffner für diverse Dienstleistungen. Die verpflichtende Einführung von E­Call für neu typgenehmigte Fahr­ autoservicepraxis.de | autohaus.de ZUKUNFT GEMEINSAM GESTALTEN. UMFASSEND. DIGITAL. INNOVATIV. ZF begrüßt Sie auf der Automechanika 2016 an gleich zwei Messeständen. Denn unter den Marken SACHS, LEMFÖRDER, TRW und openmatics erwartet Sie dort unser bisher größtes Produkt- und Service-Portfolio für den Aftermarket. Als besonderes Highlight erwartet Sie exklusiv bei uns eines von deutschlandweit nur zwei 7D Kinos. Dort tauchen Sie mit allen Sinnen ein und erleben eine virtuelle Reise zu den ZF Kernkompetenzen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! www.zf.com/services Besuchen Sie uns! Automechanika, Messe Frankfurt, 13. – 17. September 2016 Halle 2 Stand C90 // Halle 3 Stand A91

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FREIER TEILEMARKT 2016 zeuge ab April 2018 wird den Markt für Anwendungen rund um die Vernetzung weiter beflügeln. Der Gesetzgeber hat von Anfang an erkannt, dass das Thema gesetzgeberisch begleitet werden muss, um Wettbewerb zu sichern. Wenn das Thema Fahrzeugvernetzung nicht richtig ausgestaltet wird, wäre es dem OEM möglich, den Markt weiter zu monopolisieren. Deshalb hat der Gesetzgeber im Rahmen der E­Call Verordnung gefordert, dass eine offene, standardisierte und sichere Datenplattform geschaffen werden muss, die nicht nur dem OEM, sondern auch unabhängigen Marktteilnehmern den Zugang zu den im Fahrzeug erzeugten Daten ermöglicht. asp: Wie könnte diese neutrale Plattform aussehen? H. Röhl: Die Automobilindustrie hat ein eigenes Modell, das Extended Vehicle vorgestellt, das auch den Zugriff Dritter ermöglicht. In diesem Modell liegen die Daten aber beim Hersteller, d. h., die Daten könnten überwacht oder gefiltert werden. Zudem läge der Erstzugriff beim OEM, was nicht wettbewerbsneutral wäre. Kurzum: Aus unserer Sicht ist das Modell nicht akzeptabel. Daher arbeiten wir, d. h., die verschiedenen Akteure des Freien Teile­ und Service­Marktes, an einer Alternative, die dem Gesetzgeber vorgelegt werden kann. asp: Und? H. Röhl: Wir haben im intensiven Dialog mit Teileherstellern und Teilehandel sowie Automobilclubs, Versicherern und anderen Anbietern von Services ein alternatives Modell entwickelt, das in Kürze vorgestellt werden soll. Das Zeitfenster ist kurz. Allen Betei ligten ist klar: FREIER TEILEMARKT 2016 GVA-Präsident Hartmut Röhl (re.) im Gespräch mit asp-Redakteur Dietmar Winkler Nur wer an den Daten partizipiert, wird am Markt bestehen können. asp: Wie wäre diese Plattform aufgestellt? H. Röhl: Denkbar wäre eine neue Gesellschaft, bei der Unternehmen aus Teileindustrie, Teilegroßhandel, aber auch Versi cherer oder Daten­Publisher als Gesellschafter fungieren. Mit dem Projekt ist eine enorme Investition verbunden. Die Verbände begleiten das Projekt in der Gründungsphase sehr intensiv, weil wir darauf achten müssen, dass es keine Diskriminierung gibt. Wichtig ist ein Gleichgewicht zwischen Industrie, Handel und Drittanbieter. asp: Aber die Fahrzeugindustrie schafft doch bereits Fakten ... H. Röhl: Deshalb benötigen wir sehr schnell eine Basis­Infrastruktur und eine gesetzliche Regelung hierfür. Als Interimslösung wäre ein Universal­Dongle für die OBD­Schnittstelle denkbar. Wir haben immerhin 250 Millionen Fahrzeuge in Europa im Markt, die über eine OBD­Schnittstelle verfügen. Ab 1.4.2018 werden Neufahrzeuge dann mit einer Elektronik ausgestattet sein, die den 16­poligen OBD­Stecker austrocknet. Schon beim Volvo XC90 werden nur noch die gesetzlich vorgeschrieben emissionsrelevanten Mindestdaten auf dem OBD­Stecker übermittelt. Ähnlich ist das bei der neuen E­Klasse von Mercedes. Künftig werden noch deutlich mehr Verschleißteile elektronisch überwacht werden und die Daten über SIM­Karte an den autorisierten Empfänger weitergeschickt werden. Die Fehler­ und Reparaturinformationen würden damit für die Werkstatt nicht mehr im Fahrzeug selbst abrufbar sein. asp: Der GVA hat Kiaverklagt, weil Daten zur Fahrzeug- und Ersatzteilidentifikation nicht so bereitstellt werden, wie der Handel das benötigt. Was sind die Hintergründe? H. Röhl: Wir haben geklagt, weil wir erreichen wollen, dass die technischen Informationen in einer Form zugänglich sein müssen, die für den Freien Markt brauchbar ist, so wie es der Europäische Gesetzgeber auch gewollt hat. Das Landgericht Frankfurt hat uns erstinstanzlich Recht gegeben. Das Urteil besagt, dass der Zugang zu den Daten in elektronischer Form zur unmittelbaren elektronischen Weiterverarbeitung gegeben sein muss. Vertreter der EU­Kommission haben unsere Auffassung bei diesem Thema wiederholt als zutreffend bestätigt. asp: Seit langem kämpft der GVA gegen die restriktiven Regelungen des Designschutzes. Sind Sie hier weitergekommen? H. Röhl: Diese Kfz­Teile machen rund 25 Prozent des Marktvolumens aus. Sie sind nach deutschem Recht schützbar, was den Automobilherstellern eine Monopolstellung sichert. Die Designgesetzgebung sollte durch Einführung einer Reparaturklausel europaweit harmonisiert werden, allerdings hat die EU­Kommission den Entwurf zur Neufassung der EU­Designrichtlinie 98/71/EG zurückgezogen, nachdem das Vorhaben am Widerstand Deutschlands und Frankreichs im Ministerrat gescheitert war. Gleichzeitig hat sie erneute Studien angekündigt. asp: Und zu welchem Ergebnis sind die Experten darin gekommen? H. Röhl: Sowohl die Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung als auch die rechtliche Untersuchung befürworten die Idee einer Reparaturklausel, die Kfz­Reparaturen vom Designschutz ausnimmt. Wir sehen jetzt auch in Deutschland damit einen weiteren Anknüpfungspunkt, um Bewegung in die Sache zu bringen. Aufgrund des starken politischen Einflusses der Automobilindustrie hatte es das Thema leider nicht ins Regierungsprogramm der Großen Koalition geschafft. Interview: Dietmar Winkler ■ autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2016 TEILEINFORMATION Hersteller sind in der Pflicht Ein wegweisendes Urteil, ein neuer Branchenverband und eine neue Reparatur-Suchmaschine – es kommt Bewegung in das ewige Thema der Teile- und Reparaturinformationen. Kfz-Teilekataloge – wie hier von Carat – helfen bei der Identifizierung des passenden Ersatzteils. it Inkrafttreten der Euro-5/6-Verordnung (Aftermarket-GVO) sowie den entsprechenden Typgenehmigungsregeln wurden die Fahrzeughersteller verpflichtet, dem freien Teile- und Reparaturmarkt den Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen zu ermöglichen. Allerdings kommen die Fahrzeughersteller dieser Verpflichtung bis heute oftmals nur unzureichend nach und zeigen allgemein noch eine große Verweigerungshaltung, wenn es um den Zugang zu den Basisdaten für die Fahrzeug- und Ersatzteilidentifikation geht. Insbesondere der freie Teilehandel beklagt den mangelhaften Zugriff auf KURZFASSUNG Wenn es um die Bereitstellung von Daten zur Teileidentifikation und Kfz-Reparaturen geht, kämpft der freie Teilemarkt oft gegen die Datenhoheit der Automobilhersteller. Ein aktuelles Gerichtsurteil bringt Bewegung in den Machtkampf. FREIER TEILEMARKT 2016 elektronische Daten in einem entsprechenden Format, das den Aufbau eines Sortiments und eindeutiger Teilekataloge ermöglicht. Der Zugang zu diesen Daten, speziell zur Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN) mit den exakten Informationen zu den im einzelnen Fahrzeug verbauten Teilen ist aber laut GVA eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass der freie Kfz-Teilehandel den Werkstätten markenübergreifende Kataloge und eine eindeutige, VIN-basierte Ersatzteilidentifikation anbieten kann. Auch eine Studie der EU-Kommission zu den Auswirkungen der Euro-5/6-Verordnung, die Ende 2014 vorgelegt wurde, zeigt, dass die Fahrzeughersteller ihren diesbezüglichen Pflichten nur unzureichend nachkommen. Thema für die ganze Branche Dies hat nicht nur Auswirkungen auf den freien Teilehandel, sondern auf alle unabhängigen Marktteilnehmer entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Foto: Carat Kfz-Aftermarket. So sind neben dem Teilehandel auch die Hersteller von Mehrmarkendiagnosegeräten, Katalogdienstleister oder Schulungsanbieter betroffen. GVA-Präsident Hartmut Röhl: „Die Studie belegt, dass der freie Kfz-Teilehandel dadurch an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Servicebetriebe sind auf eine zeitnahe Belieferung mit dem passenden Ersatzteil angewiesen, sonst wenden sie sich vom Lieferanten ab und bestellen vermehrt bei Fahrzeugherstellern.“ Die Folge wären letztendlich höhere Preise für den Endverbraucher. Röhl weiter: „Um hier kurzfristig gegenzusteuern, ist vor allem die konsequente Durchsetzung des aus unserer Sicht bestehenden klaren Rechtsanspruchs der Unternehmen des freien Marktes auf Zugang zu den Basisdaten der Fahrzeughersteller notwendig.“ Vor diesem Hintergrund hat der GVA genau diese Konsequenz gezeigt und ein Verfahren gegen den Hersteller Kia vor dem Landgericht in Frankfurt angestrebt. Am 21. Januar dieses Jahres wurde der Klage erstinstanzlich stattgegeben und Kia zur Bereitstellung der Daten in elektronischer Form verpflichtet. Auch wenn der Hersteller Einspruch eingelegt hat, geht der GVA davon aus, dass das Urteil über alle Instanzen Bestand haben wird und damit eine Signalwirkung auf andere Hersteller einhergeht (siehe Kasten S. 19). Gemeinsam stärker Zudem haben sich die größten unabhängigen Datenherausgeber zur neuen „European Independend Auto motive Data Publishers Association“ (ADPA) zusammengeschlossen, um gemeinsam für den Zugang zu den Herstellerdaten und damit faire Wettbewerbs bedingungen zu kämpfen (siehe Kasten rechts). autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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ZUGRIFF AUF INFORMATIONEN SICHERN Mit der neu gegründeten „European Independent Automotive Data Publishers Association” (ADPA) will die Reparatur-Informationsbranche die Wettbewerbsfähigkeit im freien Reparaturmarkt stärken. Die Vertreter der größten unabhängigen Herausgeber von Informationen und Daten aus der Automobilbranche haben sich am 21. Januar 2016 in Brüssel zusammengeschlossen und den neuen europäischen Branchenverband „European Independent Automotive Data Publishers Association” (ADPA) ins Leben gerufen. Zu den Gründungsmitgliedern gehört neben Autodata, Robert Bosch, HaynesPro, Hella Gutmann Solutions und der Sator Holding auch die TecAlliance Produktmarke TecRMI, deren Vize-Präsident Ralf Pelkmann gleichzeitig zum Vorsitzenden gewählt wurde. Die neu gebildete ADPA soll unabhängigen Datenherausgebern den Zugang zu Daten und Informationen aus der Automobilbranche ermöglichen und faire Wettbewerbsbedingungen schaffen. Dadurch sind sie zukünftig in der Lage, wettbewerbsfähige, innovative sowie Multimarken-Produkte und -Dienstleistungen zu konzipieren und diese den Akteuren auf dem automobilen Aftermarket anzubieten. „Das ist ein historischer Tag für die Reparatur-Informationsbranche. Der Zusammenschluss ermöglicht uns mit Blick auf die Marktentwicklung und Politik innerhalb der EU, mit einer Stimme zu sprechen. Die Großen der Branche sind in diesem Verband vertreten, und wir sind alle stolz auf diesen bedeutenden Erfolg“, sagt Ralf Pelkmann, Vorsit- In einer weiteren Initiative hat der Berufs- und Wirtschaftsverband ZKF Anfang dieses Jahres die Branchen-Suchmaschine „Repar-Pedia“ ins Leben gerufen (siehe Kasten S. 18). Nach der Testphase wird die Lösung auf der diesjährigen Automechanika in Frankfurt vorgestellt. Es ist also Bewegung in der Branche, die eine Verbesserung der Lage im freien Teilemarkt verspricht. Bedrohung Connected Car Doch Hartmut Röhl sieht bereits neue dunkle Wolken aufziehen: „Der Zugang zu den Daten zur Fahrzeug- und Ersatzteilidentifikation bildet hier nur eine – wenngleich eine wichtige – Baustelle. Die Wettbewerbsprobleme erstrecken sich auch auf andere Bereiche: Man denke nur an Pläne der Fahrzeughersteller im Zuge der Fahrzeugvernetzung – Stichwort: Extended Vehicle – oder den Trend dahin, dass Teilen des freien Marktes bei Austausch oder bei Zusatzausrüstungen eine notwendige Anmeldung in den Fahrzeugsystemen verweigert wird. Das alles bedroht den Wettbewerb im Kfz-Aftermarket!“ autoservicepraxis.de | autohaus.de zender der ADPA. Peter van der Galiën, stellvertretender Vorsitzender der ADPA, ergänzt: „Dadurch, dass wir den unabhängigen Aftermarket-Unternehmern den Zugang zu allen nötigen Informationen sichern, wird unser Verband konkurrenzfähige Entscheidungen für alle Verbraucher und Unternehmen im Kraftfahrzeugsektor ermöglichen.“ Die Gründungsmitglieder (v. l.): Nick van de Belt (HaynesPro), Peter van der Galïen (HaynesPro), Ralf Pelkmann (TecRMI), Michael Pedersen (Hella Gutmann Solutions), Mark Trepte (Autodata), Harald Neumann (Robert Bosch), Frank Barth (Sator Holding - LKQ) Zeiten ändern sich. Wechseln Sie zum Reifen- & Felgenportal mit System! JETZT INFORMIEREN & TESTEN! Entdecken Sie alle Funktionen und Vorteile in der neuen Broschüre auf unserer Website und testen Sie die Demoversion ohne Eingabe persönlicher Daten. ☎ 07122 / 825 93 -40 RSU GmbH · vertrieb@tyresystem.de Foto: ADPA

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FREIER TEILEMARKT 2016 STARTSCHUSS FÜR REPAIR-PEDIA Beim Branchentreff des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) am 24. Juni in Friedberg fiel der Startschuss für das ehrgeizige Informationsportal Repair-Pedia. Die Datenbank für Fachbetriebe im Internet ist Teil des ZKF-Zukunftsprogramms „Agenda 2020“. Re pair- Pedia funktioniert wie Google und Wikipedia. Nach Eingabe der Suchanfrage für ein bestimmtes Fahrzeugmodell erscheinen die Ergebnisse der zur Verfügung stehenden Reparaturinformationen sortiert nach ihrer Relevanz. „Das größte Problem unserer Branche ist, dass die zahlreichen Reparaturinformationen nicht gebündelt über einen digitalen Zugang erreichbar sind, sondern über verschiedenste Portale oder im Web mühsam zusammengesucht werden müssen“, erklärte ZKF-Präsident Peter Börner. Hinter Repair-Pedia stehe die Idee, alle verfügbaren Reparatur-Informationen zu bündeln und Kfz-Fachbetrieben, Sachverständigen, Versicherern und Dienstleistern zur Schadenabwicklung zugänglich zu machen. Schnittstellen zu DAT und Audatex In der jetzt verfügbaren ersten Stufe sind bereits 4.500 Dokumente online verfügbar, dazu gehören ZKF-Tipps, IFL-Meldungen und Kti-Studien. Im August werden in der zweiten Ausbaustufe zudem Schnittstellen zu den Kalkulationssystemen bei DAT und Audatex realisiert. Bis zur Automechanika sollen darüber hinaus Reparaturinformationen von Drittanbietern wie TEC Alliance, AVL oder Alldata eingebunden werden. Zudem ist geplant, dass Nutzer über die erweiterte Datenbank automatisch Warnhinweise zu aktuellen Rückrufaktionen erhalten, wenn ihre Suchanfrage ein Modell betrifft, zu dem ein Rückruf vorliegt. Langfristig werde das Datenvolumen Schritt für Schritt auf über eine Million Hinweise wachsen, erklärte Börner. Das Jahresabo für die Grundversion der Datenbank beträgt momentan 285 Euro (225 Euro für ZKF-Mitglieder). Daneben ist außerdem ein Einzelabruf von Informationen möglich. Für ihre Abrufe erhalten Nutzer grundsätzlich jeweils einen Lieferschein, um die Kosten an ihre Kunden weiterbelasten zu können. „Hierzu sind ohne Zweifel die Inhalte der Reparaturhinweise von elementarer Bedeutung, darüber hinaus bedarf es auch einer intelligenten Lösung, die Hinweise durchsuchen, verknüpfen und anzeigen zu können“, ergänzt Dieter Hierholz, Vorstandsvorsitzender der repair-pedia AG und Gesellschafter der BAKS GmbH. Als Vision der repair-pedia AG stehen neben den bekannten Reparaturhinweisen unter anderem auch Videos, 3D-Grafiken, interaktive Dialoge im repair-pedia Forum und eine kompetente Hotline samt technischer Redaktion im Vordergrund. Jede Antwort auf eine gestellte Frage wird ein neuer öffentlicher Reparaturtipp und mit den Kooperationen der Datenanbieter stehen auf alle Fragen jederzeit Antworten bereit. Die repair-pedia AG wird im Oktober die neue Suchmaschine auf der Automechanika präsentieren. FREIER TEILEMARKT 2016 Foto: repair-pedia AG Der freie Teilegroßhandel bietet indes immer ausgefeiltere Informations- und Bestellmedien für seine Kunden und Partnerwerkstätten. Welche technischen Informationen benötigen Werkstätten heute tatsächlich? Dieser Frage sind die Spezialisten des Werkstattsystems Motoo gemeinsam mit Vertretern ihrer Werkstattpartner nachgegangen. Die Ergebnisse sind in einem neuen Technik-Paket gebündelt, das den Motoo-Partnerwerkstätten ab sofort zur Verfügung steht. Unter anderem umfasst dies einen zusätzlichen Datenlieferanten für Original-Hersteller-Daten, das Katalog- und Teileinformationssystem sowie die neue hauseigene technische Hotline. Wesentlicher Bestandteil des Technik-Pakets ist das Hess-Teileinfor mationssystem „Spektrum“. Bisher als Smart-Client-Software für den PC angeboten, wird es aktuell ergänzt durch den Webkatalog „Spektrum-Online“ und die „Spektrum-App“ für Smartphone & Tablet (iOS + Android). Großhandel unterstützt Der Carat-Teilekatalog Elekat ist als lokale DVD-Version und als Browseranwendung webElekat 2.0 für den Autoteilehandel und freie Pkw- und Nfz- Werkstätten verfügbar. Angebundene Werkstätten haben alle für den Bestellprozess relevanten Informationen – bis hin zu Arbeitswerten und technischen Handbüchern – online auf einen Blick zur Verfügung und können somit deren Kunden eine zeitnahe Fahrzeugreparatur gewährleisten. Wessels und Müller bietet für seine Kunden und Werkstattkonzepte Autoteam, Autoteam Plus und AutoPro mit dem WM-KAT eine Informations- und Bestellplattform sowohl als Smart Client-Version als auch als Online-Portal an. Grundmodul ist der Teilekatalog, der sich durch ein Reihe weiterer Module ausbauen lässt. Mit der WM-KAT App lassen sich Teile unabhängig von Ort und Zeit bestellen. Mit Coparts Online bietet der Bochumer Großhändler eines der umfangreichsten interaktiven Informationssysteme. Zur Fahrzeugidentifikation stehen autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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wahlweise Abfragen über KBA-Nummern, Suchbaum oder die VIN-Abfrage zur Verfügung. Wartungs- und Reparaturdaten stehen von TecRMI, Autodata und Alldata bereit und können als Module zugebucht und integriert werden. Eine Vielzahl weiterer Module, vom kostenlosen Glaskalkulator über die Schadenkalkulation mit SilverDAT bis hin zum OE-Teileservice sind verfügbar. Nach Herstellervorgaben Auch Stahlgruber hat mit STAkis-S eine Kombination aus Ersatzteil- und Werkstattsoftware mit Teilekatalog, der Möglichkeit zur VIN-Abfrage und optional Arbeitswerten und Inspektionsdaten. Weitere Module sind beispielsweise ein Reparaturleitfaden von Autodata nach Original-Herstellervorgaben, ein Original-Reparaturleitfaden, eine Schadenkalkulation sowie ein Warenwirtschaftssystem. Dieter Väthröder ■ MUSTERKLAGE GVA GEGEN KIA Der Gesamtverband Autoteile-Handel e.V. hat in einem Musterverfahren vor dem Landgericht Frankfurt einen Erfolg gegen den Fahrzeughersteller Kia erzielt. Das Gericht gab einer Klage des GVA statt und entschied am 21. Januar erstinstanzlich, dass Fahrzeughersteller verpflichtet sind, unabhängigen Marktteilnehmern die Daten zur Fahrzeug- und Ersatzteiliden tifikation in elektronischer Form zur unmittelbaren elektronischen Weiterverarbeitung zur Verfügung zu stellen. Das Urteil hat weitreichende Konsequenzen und Signalwirkung für den gesamten europäischen Kfz-Ersatzteilmarkt. GVA-Präsident Hartmut Röhl begründet die Klage folgendermaßen: „Kia ist aus unserer Sicht seinen Verpflichtungen aus den Euro-5/6-Verordnungen bezüglich Art und Umfang des Zugangs zu den technischen Informationen gegenüber den unabhängigen Marktteilnehmern, insbesondere dem freien Teilehandel, nicht ausreichend nachgekommen. Da entsprechende außergerichtliche Versuche nicht gefruchtet haben, haben wir als GVA sowohl gegen Kia als auch gegen den hiesigen Importeur Musterverfahren angestrengt.“ Der GVA sieht in dem Urteil eine Bestätigung dafür, dass der Verband mit seinem Standpunkt auf Linie der EU-Institutionen liegt. Das Urteil gebe dem Verband in der Sache „kräftig Rückenwind“, freut sich Hartmut Röhl. Foto: Larry W. Smith / dpa / picture alliance Auch die anderen Fahrzeughersteller könnten sich nun nicht mehr hinter der Behauptung verstecken, die Regeln von Euro 5/6 seien vermeintlich nicht eindeutig genug. Sollte das Urteil – wovon der GVA ausgeht – über die Instanzen Bestand haben, werde das Urteil leicht auf andere Fahrzeughersteller übertragbar sein, sagt Röhl. REIFEN UND FELGE GEHÖREN ZUSAMMEN ... ... wie Köln und Dom. Testen Sie JETZT unseren neuen Webshop auf www.tysys.de Stets die neuesten Trends, die größte Auswahl und der beste Service. 100% gebührenfrei! 4 Fleet Group GmbH Abt. TYSYS · Xantener Straße 105 · 50733 Köln · Fon: + 49 (0) 221/97666-287 · Fax: + 49 (0) 221/97666-214 · E-Mail: info@tysys.de · Web: www.tysys.de

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FREIER TEILEMARKT 2016 STOSSDÄMPFER Ritt auf dem fliegenden Teppich Im belgischen Sint-Trudien betreibt Automobilzulieferer Tenneco das größte Stoßdämpfer-Werk in Europa. Wir haben uns die Produktion und Entwicklungsabteilung für Monroe-Stoßdämpfer angesehen. elgien ist nicht nur das Land guter Schokolade und zahlreicher Biersorten, sondern hier befindet sich auch die Europa-Zentrale des amerikanischen Automobilzulieferers Tenneco, der sich auf Stoßdämpfer und Abgassysteme spezialisiert hat. Im flämischen Sint-Trudien befindet sich laut Unternehmensangaben die größte Stoßdämpfer-Produktion Europas. Täglich verlassen hier rund 32.000 Monroe-Stoßdämpfer die Fabrik und werden für alle relevanten OEM sowie für den Aftermarket hergestellt. Im angegliederten Forschungszentrum entstehen zudem neue Stoßdämpfer-Technologien. Die Redaktion von asp AUTO SERVICE PRAXIS durfte sich vor Ort über die Neuheiten informieren und die unterschiedlichen Technologien anschließend live in verschiedenen Autos erfahren. Sportmodus für Ford Focus RS Etwa 95 Prozent der Produktion in Sint-Trudien werden an große Automobilhersteller geliefert. Darunter: VW, Audi, Ford, Daimler Chrysler, Renault Trucks, Volvo Trucks, Scania und DAF. Die übrigen fünf Prozent der Produktion sind für den Aftermarket bestimmt. Zum Stoßdämpfer-Portfolio gehören herkömmliche Einrohr- und Zweirohrdämpfer sowie Teile für die elektronischen Dämpfer. Die Fertigungstiefe ist dabei sehr groß: Neben der Herstellung von Rohren und Stangen, dem Schwei- Fotos: Alexander Junk, Tenneco, TRW Aftermarket KURZFASSUNG Automobilzulieferer Tenneco betreibt im belgischen Sint-Trudien die größte Stoßdämpfer-Produktion Europas. Hier werden auch neue Stoßdämpfer-Technologien erforscht, die Fahrkomfort und Sicherheit nochmals erhöhen sollen. FREIER TEILEMARKT 2016 autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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ßen von Basisbaugruppen und dem Lackieren werden Module montiert und Baugruppen für den Ersatzteilmarkt hergestellt. Zwei Technologien werden sogar in Reinraumumgebungen gefertigt. Hierzu gehören adaptive Fahrwerkslösungen („Dual Mode“), die Fahrern von Kompaktwagen ermöglichen, per Knopfdruck zwischen einem Standard-Fahrkomfort und einer sportlichen Fahrwerkseinstellung zu wechseln. Dual Mode ist mit einer einfachen Steuereinheit ausgestattet, die zwischen einem weichen und einem harten Dämpfungsniveau umschaltet. Das System wird beispielsweise für den neuen Ford Focus RS produziert. Dabei kommen moderne Produktionsverfahren wie Laserschweißen zum Einsatz. Schon während des Fertigungsvorgangs wird das System getestet und elektrisch betätigt. Intelligente Dämpfung In einer zweiten Produktionsstraße werden Stoßdämpfer mit der neuen „CVSA2/Kinetic“-Technologie gefertigt, zu der ein Anti-Roll-System von Tenneco in einem semiaktiven Dämpfungssystem gehört. Diese Technik macht Querstabilisatoren überflüssig, sodass sich das Fahrzeuggewicht verringert und die Fahr eigenschaften verbessert werden. Das System wirkt auf Rollbewegung und Traktion und ist damit eine ideale Lösung für Off-Road-SUV und Sportwagen. Das CVSA2-System basiert auf einer Steuerungssoftware, die Sensorinformationen zur Radbewegung, zum Lenkradwinkel, CVSA2/Kinetic-Stoßdämpfer machen Querstabilisatoren überflüssig und verringern das Gewicht. zur Fahrzeuggeschwindigkeit, zum Bremsdruck und zu anderen Steuerungsfaktoren verarbeitet. Die Dämpfung jedes Stoßdämpfers kann unabhängig voneinander angepasst werden, damit ein optimaler Fahrkomfort und eine hohe Fahrzeugkontrolle gewährleistet sind. In der Produktion dieser Dämpfertechnologie wird das Öl in einem sauberen Vakuum eingefüllt und anschließend werden umfassende Tests durchgeführt, einschließlich der Integration in die Elektrik und das Hydrauliksystem des Fahrzeugs. Forschung für mehr Komfort Direkt neben der Produktion in Sint-Trudien befindet sich das Forschungszentrum Monroe Engineering & CVSA-Stoßdämpfer können in Echtzeit Straßenbedingungen und Fahrsituationen erfassen. Technology Center („METC“). Hier werden die Dämpfungssysteme der Zukunft erforscht, entwickelt und getestet. Das METC wurde 1995 erbaut und beschäftigt derzeit 165 Mitarbeiter. Es ist in verschiedene Bereiche unterteilt: Der Bereich Mecha tronik widmet sich der Energiegewinnung mit Hilfe von Elektromagnetismus und der Entwicklung kostengünstiger Dämpfertechnologien. Der Bereich Fahrzeugdynamik erforscht die Anforderungen von Stoßdämpfern für Fahrzeuge und die Interaktion der entsprechenden Komponenten, um die Fahr dynamik verbessern zu können. Auch die Entwicklung von Berechnungswerkzeugen, um die Produktentwicklung zu beschleunigen und die technischen Parameter zu prognostizieren, ist Teil des Forschungszentrums. Die Materialforschung umfasst Neuerungen in der Werkstoffbranche, die für Tenneco relevant sind, beispielsweise Langfaserverbundstoffe, hochfeste Stähle, Aluminium und Fügetechniken. In Sint-Trudien werden unterschiedliche Stoßdämpfer-Typen für die Autohersteller und den Aftermarket produziert. Der „One-Corner“-Test im METC ermöglicht Haltbarkeitsprüfungen an Modulen im Rahmen der Endprüfung der Stoßdämpfer. autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2016 21

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FREIER TEILEMARKT 2016 „WIR INVESTIEREN VIEL BUDGET IN DIE ENTWICKLUNG“ TRW Aftermarket deckt mit seinen Stoßdämpfern knapp 90 Prozent der europäischen Pkw ab. Wir haben mit Peter Jobelius (Technischer Leiter TRW Aftermarket Europa) und Simon Schröder (Produktmarketing Stoßdämpfer TRW Aftermarket Europa) über die Produkte gesprochen. FREIER TEILEMARKT 2016 Simon Schröder (Produktmarketing) Peter Jobelius (Technischer Leiter) Was unterscheidet die Stoßdämpfer von TRW Aftermarket von der Konkurrenz? P. Jobelius: Viele Hersteller möchten einen Marktführer kopieren oder nur einen Dämpfer entwickeln, mit dem sie möglichst viele Fahrzeuge abdecken. Wir investieren viel Budget in die Entwicklung, um herauszufinden, für welche Fahrzeuge ein Stoßdämpfer geeignet ist. S. Schröder: Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern machen wir bei TRW unser eigenes Re-Engineering. Wir schauen uns den Markt und die Stoßdämpfer für die verfügbaren Fahrzeuge genau an. Wir analysieren und messen dann die für uns relevanten Stoßdämpfer und erstellen daraus unsere eigenen Produktfamilien auf Artikelnummer-Basis. Wie gehen Sie beim Re-Engineering genau vor? P. Jobelius: Wir überprüfen zunächst alle Original-Stoßdämpfer auf unserer Testmaschine hinsichtlich Dämpfungscharakteristik, Dimensionen und sonstigen Einbaumerkmalen. Die Dämpfungscharakteristiken legen wir dann in einem Diagramm zusammen, um zu sehen, wie die Toleranzen sind und die Dämpfungseigenschaften zueinander stehen. Gibt es deutliche Unterschiede und Abweichungen im Dämpfungskurven-Diagramm, dann wird bei uns ein neues Modell oder eine Teilenummer entwickelt. Oft gibt es auch Stoßdämpfer mit fünf oder sechs Originalteile-Nummern, die eine identische Dämpfungscharakteristik aufweisen und sich zu einem Modell zusammenfügen lassen. Kann der Kunde das Dämpfungsverhalten des Stoßdämpfers beeinflussen und beispielsweise eine sportlichere Variante für sein Fahrzeug wählen? S. Schröder: Wir könnten zwar Stoßdämpfer entwickeln, die beispielsweise 50 Prozent härter oder weicher als das Original sind. Das wollen wir aber nicht. Wir haben eine Modelllinie als OE-Ersatz. Tuning oder das Umrüsten von Fahrwerken überlassen wir anderen. P. Jobelius: Zudem wollen wir es vermeiden, dass sich durch Sport-Stoßdämpfer das Fahrverhalten ändert oder eine KBA-Freigabe benötigt wird. Ganz anders im Rennsport. Das machen wir ab und an, jedoch nicht in der Serienproduktion. Wie hoch ist Ihre Marktabdeckung? P. Jobelius: Wir sind momentan die Nummer drei auf dem europäischen Markt mit einer Abdeckung von rund 89 Prozent im Bereich der europäischen Pkw, was 240 Millionen Fahrzeugen entspricht. S. Schröder: Wir haben die letzten fünf Jahre sehr viele Teilenummern aufgenommen. Die meisten Fahrzeuge, die wir abdecken, sind zwischen drei und fünf Jahren auf dem Markt, es sind aber auch zehn Jahre alte Fahrzeuge dabei. Haben Sie auch Neuentwicklungen wie elektrisch verstellbare Stoßdämpfer oder Stoßdämpfer aus Aluminium im Portfolio? P. Jobelius: Bis auf die elektronisch verstellbaren Dämpfer gibt es keine weiteren Technologien, die den Stoßdämpfer-Markt signifikant beeinflussen. Wir haben als Unternehmen entschieden, diesen Bereich nicht abzudecken. Stoßdämpfer werden im Regelfall erst nach fünf Jahren getauscht, diese neuen Technologien sind für den Aftermarket jetzt noch nicht relevant. Das sind aber genau die Fragestellungen, mit denen man sich in Zukunft beschäftigen muss. Bei den Materialien sind wir nicht gebunden. Wenn ein Stoßdämpfer aus Aluminium besteht, können wir das auch realisieren. Haben Sie noch weitere Fahrwerkskomponenten im Portfolio? S. Schröder: Ja, wir haben komplementäre Fahrwerksfedern, Domlager sowie Staubschutzund Durchschlagschutz-Kits. Alle drei Produktlinien sind auch in unserem Stoßdämpfer-Produktkatalog zusammengeführt, um eine gute Übersichtlichkeit für den Kunden zu garantieren. Interview: Alexander Junk Das ist wichtig, denn in Zukunft sollen Stoßdämpfer noch leichter werden. Auch der Ergonomie wird ein eigener Bereich gewidmet. Hier werden Strategien für ein besseres Komfortempfinden von Stoßdämpfern erarbeitet – denn bei der Entwicklung muss ein großes Augen merk darauf gerichtet werden, dass Stoßdämpfer geräuschlos agieren und keine Resonanzen entstehen. Und im Bereich der „Angrenzenden Technologien“ werden Erkenntnisse zu aktuellen und zukünftigen Technologien gewonnen, die bei der Fahrleistung einen Mehrwert bedeuten könnten. Gerade in der Entwicklung befindet sich das neue „Acocar“-Dämpfersystem. Hier zirkuliert das Öl der Dämpfer mit Hilfe von hydraulischen Pumpen, die jeweils unabhängig voneinander geschlossen werden können. Acocar kann so neben der Dämpfung aktive Kräfte aufbauen. Das ersetzt die Stabilisatoren und sorgt dafür, dass die Karosserie jederzeit stabil bleibt. Das System steuert zudem gleichzeitig die Radbewegungen, um den Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn zu verbessern. Im anschließenden Fahrtest mit einem Range Rover fühlte sich das wie der Ritt auf dem fliegenden Teppich an: Das Auto schien geradezu über die Straße zu schweben. Alexander Junk ■ Rudi Schurmans, Engineering-Leiter bei Tenneco, erklärt das Produktportfolio. autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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Die Unternehmen des freien Kfz-Teilemarktes und die Kfz-Servicebetriebe sorgen gemeinsam für bezahlbare Mobilität - das ganze Autoleben lang. Der freie Kfz-Teilehandel ist Ihr Partner! www.gva.de Besuchen Sie uns auf der Automechanika 2016 in Frankfurt: Halle 5/6.1, Stand B03

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FREIER TEILEMARKT 2016 MS MOTORSERVICE Technische Information per App Mit der neuen Motorservice-App bekommt der Mechaniker Reparaturinformationen direkt am Fahrzeug und ist in der Werkstatt unabhängig von einem Computer-Arbeitsplatz. Foto: MS Motorservice er Online-Katalog des Ersatzteilspezialisten MS Motorservice ist jetzt auch über die mehrsprachige App per Smartphone und Tablet verfügbar. Darüber enthält die Anwendung, die für Android- und IOS-Geräte erhältlich ist, verschiedene Funktionen rund um das Produktsortiment sowie technische Hilfestellungen, die weltweit mobil abgefragt werden können. Das neue Tool wurde kürzlich vorgestellt. Der digitale Katalog enthält die Produkte der KURZFASSUNG Verlässliche technische Informationen werden für Werkstätten immer wichtiger. Reparaturen an zunehmend komplexen Bauteilen sind sonst gar nicht mehr möglich – zumal für freie Betriebe. MS Motorservice liefert Hilfestellung per App. FREIER TEILEMARKT 2016 Marken Kolbenschmidt, Pierburg und TRW Engine Components. „Wir wollen den Service-Gedanken stärker ausbauen und den Kunden mit technischen Informationen zur Seite stehen, die Produkte werden immer komplexer“, sagte Tobias Kasperlik, Vorsitzender der Divisionsleitung Aftermarket. Infos als PDF Über eine Stichwortsuche oder vordefinierte Filter sind technische Informationen zu Bauteilen als PDF abrufbar – der Mitarbeiter in der Werkstatt hat über sein Mobiltelefon oder ein Pad damit direkten Zugriff auf die Dokumente. Bei Bedarf können diese auch ausgedruckt werden. Bei einem Fahrzeugschaden müssen lediglich Teilenummern der verbauten Komponenten eingegeben werden. Die App sucht dann das passende Ersatzteil heraus und findet den Motor service- Händler in der Nähe. Wahlweise funktioniert die Suche auch nach dem Mo torentyp. „Mit der neuen Motor service- App ist der Mechaniker in der Werkstatt unabhängig vom Desktop und hat außerdem die Möglichkeit, mobil auf unsere gesamte Servicewelt zuzugreifen“, erklärte Sven Zeitler, Leiter Marketing bei der MS Motorservice International GmbH. Eine Tobias Kasperlik, Vorsitzender Divisionsleitung Aftermarket autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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weitere Funktion ist der „Fake Check“: Durch Einscannen oder manuelle Eingabe des Barcodes von Motorservice-Teilen kann der Benutzer sicherstellen, dass diese echt sind und es sich nicht um ein Plagiat handelt. Laut Sven Zeitler gibt es kurz nach dem Start der App in den Stores bereits über 600 Downloads der Anwendung. Eine weitere Neuigkeit von MS Motorservice: Künftig soll das „Promotoren- Konzept“ zur Vertriebsunterstützung im Ausland weiter ausgebaut werden. Das Prinzip: Technisch geschulte Mit arbeiter agieren weltweit als verlängerter Arm eines Gebietsverkaufsleiters in einem bestimmten Markt. Promotoren schlagen die Brücke vom Großhändler direkt in dessen Filialen und zu den Werkstattkunden. Motorservice wolle seine Marken dadurch näher zum „Point of Repair“ bringen, erklärte Hansjörg Rölle, Mitglied der Divisionsleitung Aftermarket. Promotoren für weitere Länder Das erste Pilotprojekt gab es 2010 in Polen. 2015 wurde das Programm in Russland erweitert, seit 2016 gibt es jetzt zusätzlich je einen Promotor in Italien, Ungarn, der Türkei und Südafrika. Bis 2018 sollen weltweit 20 Promotoren im Einsatz sein, die die jeweilige Landessprache sprechen und die lokalen Besonderheiten kennen. Dietmar Winkler ■ NEUES LOGISTIKZENTRUM Die zum Automobilzulieferer KSPG AG (Rheinmetall Gruppe) gehörende MS Motorservice International GmbH hat ihre Logistikkapazitäten am Standort in Neuenstadt am Kocher noch einmal deutlich erweitert. Auf einem bereits 2013 erworbenen Nachbargelände ist jetzt eine neue Logistikhalle entstanden, die auf 5.400 Quadratmetern eine Kapazität von 7.000 Palettenstellplätzen bietet. Zusätzlich ist in dem 14 Meter hohen Gebäude die Qualitätssicherung angesiedelt. Durch eine Transportbrücke, über die eine Fördertechnik den Materialtransport ermöglicht, erfolgt die Anbindung an die bereits bestehenden Logistikgebäude. In der dort vorhandenen Halle wurde zusätzlich ein modernes Kleinteilelager (AKL) errichtet. In den Verwaltungsgebäuden des Firmensitzes im Gewerbegebiet Unteres Kochertal wurde etwa zeitgleich eine Erweiterung der Büroflächen durchgeführt. Die Investitionen am Standort Neuenstadt belaufen sich in Summe auf neun Millionen Euro. Bestellverhalten und Anforderungen der Kunden hätten sich verändert und erforderten noch schnellere Reaktionszeiten beim Versand, begründet das Unternehmen den Neubau. In der neuen Halle ist unter anderem ein Messzentrum zur Qualitätssicherung untergebracht. Hier stehen in einem klimatisierten Raum mehrere 3D-Koordinatenmessgeräte zur Kontrolle der Produktabmessungen zur Verfügung.

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FREIER TEILEMARKT 2016 STAHLGRUBER Logistikzentrum ausgebaut Stahlgruber hat Anfang Juni im Logistikzentrum in Sulzbach-Rosenberg ein teilautomatisiertes Wareneingangsterminal mit einem automatischen Kleinteilelager eingeweiht. ur noch wenige Sekunden bis zum Start: Bernhard Strauch, CEO der Stahlgruber GmbH, und Andrej Jerman, COO der Stahlgruber GmbH, drücken symbolisch einen roten Knopf, der auf einer Bühne installiert ist. Es folgen eine kurze Stille und völlige Dunkelheit, bis wenige Augenblicke später sich wie von Geisterhand das Palettensystem des neu errichteten teilautomatisierten Wareneingangsterminals und des automatischen Kleinteilelagers in Bewegung setzt. Gemeinsam mit Partnern und Lieferanten des Unter- KURZFASSUNG Anfang Juni hat Stahlgruber am Standort in Sulzbach-Rosenberg ein teilautomatisiertes Wareneingangsterminal und ein automatisches Kleinteilelager eingeweiht. Damit erhöht sich die Kapazität des Logistikzentrums deutlich. FREIER TEILEMARKT 2016 nehmens sowie Vertretern aus Politik und Wirtschaft wurde der Erweiterungsbau Anfang Juni im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg eingeweiht. Zur Einweihungsfeier hielten Andreas Schoene, Leiter Logistik der Stahlgruber GmbH, Richard Reisinger, Landrat in Amberg-Sulzbach, und Michael Göth, Erster Bürgermeister von Sulzbach- Rosenberg, eine Laudatio. Abgerundet wurde das Programm durch ein Artistenprogramm einer Turnergruppe und einen Künstler, der Stahlgruber auf einer speziellen Leinwand mit Leuchtfarben porträtierte. 20.000 Positionen am Tag Durch die mittlerweile siebte Ausbaustufe (2012 war die letzte Erweiterung) des Stahlgruber-Logistikzentrums kann die Leistungsfähigkeit des Teile-Großhändlers weiter verbessert werden. Davon profitieren laut Stahlgruber ab so- Fotos: Stahlgruber, Alexander Junk fort die Werkstätten und weitere Stahlgruber-Kunden. Der Zeitplan der einzelnen Bauabschnitte wurde genau eingehalten, das Stahlgruber-Logistikzentrum konnte nach nur 16 Monaten Bauzeit pünktlich in Betrieb genommen werden. Der Neubau kostete insgesamt 32 Millionen Euro und machte Umbauten am Bestandsgebäude in Höhe von vier Millionen Euro notwendig. Entstanden sind ein beeindruckendes Wareneingangsterminal mit über 17.000 Quadratmeter Fläche und 19 Wareneingangstoren sowie ein automatisches Kleinteilelager mit 165.000 neuen Lagerplätzen. Pro Regalbediengerät können 120 Behälter pro Stunde abgefertigt werden. Der Neubau ist durch eine zweistöckige Brückenkonstruktion an das Bestandsgebäude angebunden. Auf der einen Ebene befindet sich die Fördertechnik, die zweite Ebene ist für Personen und Stapelverkehr reserviert. Die Brückenkonstruktion ist 50 Meter lang, 6,9 Meter breit und zehn Meter hoch. Annähernd 1.000 Tonnen Stahl und über 10.000 Kubikmeter Beton waren für die Realisierung des neuen Gebäudekomplexes nötig. So entstand ein umbauter Raum von 190.000 Kubikmeter, was dem Volumen von mehr als 200 Einfamilienhäusern entspricht. Die Auslagerkapazität konnte mit der Errichtung des Neubaus auf 20.000 Positionen pro Tag erhöht werden. Erstmalig im Kfz-Teilegroßhandel erfolgt der Wareneingang nahezu komplett automatisiert und ohne Wartezeiten. Im neuen automatischen Kleinteilelager werden Kundenaufträge mit deutlich gesteigerter Schnelligkeit und Präzision für den Versand bereitgestellt. Die gesamte Länge der Behälterfördertechnik beträgt dabei 3,2 Kilometer, die Palettenfördertechnik autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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kommt immerhin noch auf 600 Meter. Die maximale Geschwindigkeit der Behälterfördertechnik am Wareneingang beträgt dabei pro Strecke rund 400 Behälter pro Stunde. Kurs auf Wachstum Der Neubau war dringend notwendig, denn die Erweiterung des Vertriebsgebietes durch die Mehrheitsbeteiligung an der PV Automotive GmbH machte mehr Kapazität notwendig. Stahlgruber hatte 51 Prozent der Anteile des Essener Unternehmens 2013 übernommen und damit ein flächendeckendes Netz von Verkaufshausstandorten in Deutschland errichtet. Sulzbach-Rosenberg soll nun als zentrales Logistikzentrum ganz Deutschland versorgen – vor der Übernahme hatte Stahlgruber hauptsächlich Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Teile Ostdeutschlands beliefert. Darüber hinaus werden auch Stahlgruber-Verkaufshäuser in Österreich, Italien, Kroatien, Tschechien, und Slovenien versorgt. Die Zahlen sind beeindruckend: Täglich starten laut Stahlgruber über 2.000 Touren zur Kundenbelieferung. Stahlgruber beschäftigte 2015 insgesamt 6.407 Mitarbeiter, davon allein 5.084 in Deutschland. Der Umsatz betrug 2015 1,466 Milliarden Euro. Lieferanten ausgezeichnet Flankierend zur Einweihung des Erweiterungsbaus wurden im Rahmen der Stahlgruber-Lieferantentagung 2016 Auch als Miniaturmodell verfügbar: das neue Wareneingangsterminal und Kleinteilelager zudem die zehn besten Lieferanten des Unternehmens ausgezeichnet. Geehrt wurden die sechs Besten nach Punkten sowie vier weitere Lieferanten in Sonderkategorien. Die Lieferanten werden mit dieser Auszeichnung in den „High Performance Club“ von Stahlgruber aufgenommen. Geehrt werden mit dieser Auszeichnung die Leistung des jeweiligen Partners sowie die konstruktive Zusammenarbeit mit Stahlgruber. Unter den Kandidaten mit der höchsten Punktzahl befinden sich dieses Jahr Herth+Buss Fahrzeugteile GmbH & Co. KG, Lesjöfors Springs GmbH, Mahle Aftermarket GmbH, Wulf Gaertner Autoparts AG, NGK Spark Plug Europe GmbH und Schaeffler Automotive Aftermarket GmbH & Co. KG. In den Sonderkategorien konnten die Sonax GmbH (Chemie), BP Europa SE (Schmierstoffe), Hazet – Werk Hermann Zerver GmbH & Co. KG (Werkzeug/ Werkstattausrüstung) und der diesjährige „Turnover Winner 2013 bis 2015“, die Robert Bosch GmbH, Punkte sammeln. Alexander Junk ■ TECHNISCHE DATEN Der Neubau ist mit einer Brückenkonstruktion an das Bestandsgebäude angebunden. Andrej Jerman (COO, links) und Bernhard Strauch (CEO) drücken den roten Knopf. Das automatische Palettensystem setzt sich wenig später in Bewegung. Das Wareneingangsterminal und das neue automatische Kleinteilelager (AKL) im Überblick: ■ Investitionsvolumen: 32 Millionen Euro ■ Bauzeit: 16 Monate ■ Umbauter Raum: 190.000 m³ ■ Verbauter Stahl in Stahlbeton: 930 Tonnen ■ Betonmenge: 10.400 m³ ■ Stahlbau für AKL: 1.000 Tonnen ■ Nutzfläche auf zwei Ebenen verteilt: 22.330 m² ■ Neue Behälterstellplätze: 165.000 ■ Behälterfördertechnik: 3,2 km ■ Palettenfördertechnik: 600 m ■ Neue Wareneingangstore: 19 ■ Steigerung der Auslagerkapazität: ca. 20.000 Positionen pro Tag autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2016 27

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FREIER TEILEMARKT 2016 17. KÖLNER AFTERSALES-FORUM Aftermarket der Zukunft Auf dem 17. Kölner Aftersales-Forum der BBE Automotive GmbH sprachen Ende Juni namhafte Experten über die Herausforderungen der Branche und wie sich diese in Zukunft meistern lassen. rotz des steigenden Fahrzeugbestands in Deutschland gerät das Teile­, Zubehör­, Reifen­ und Servicegeschäft angesichts des sich verschärfenden Verdrängungswettbewerbs und der wachsenden Anforderungen unter Druck. Welchen Herausforderungen sich die Branche in Zukunft stellen muss, wurde auf dem 17. Kölner Aftersales Forum der Beratungsgesellschaft BBE Automotive GmbH Ende Juni diskutiert. Unter dem Motto „Der Aftermarket für Pkw­Komponenten – Neue Technologien, Kundenbeziehungen und Services gestalten das Geschäft von morgen“ sprachen im Kölner Hilton Hotel Fotos: BBE Automotive, Alexander Junk zahlreiche Experten über wichtige Trends, Zukunftsperspektiven und erfolgreiche Marketingstrategien für den Aftermarket. Kunden-Recherche im Internet Nach der Begrüßung durch Michael Borgert, Geschäftsführer der BBE Automotive GmbH, startete der Kongress mit einem Vortrag von Eckhard Brandenburg, Senior Consultant der BBE Automotive GmbH. Brandenburg präsentierte einen interessanten Vergleich zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Aftermarket. In beiden Märkten gibt es Ähnlichkeiten: Auch in Amerika wächst der Aftermarket aufgrund der wachsenden Zahl an Fahrzeugen an. Im Gegensatz zu Deutschland ist der Aftermarket dort jedoch mehr diversifiziert und hat einen Marktanteil von 73 Prozent, während es hierzulande nur 51 Prozent sind. Gerade der Do­it­Yourself­Markt spielt in den USA eine deutlich größere Rolle. Wie der typische Aftersales­Kunde 4.0 tickt, war das Thema von Markus Frömgen, Director Strategic Consulting & Project Management der BBE Automotive GmbH. Frömgen argumentierte, Georg Wallus (Techno-Einkauf) sprach über Kooperationen. Kristian Kremer (Seat) möchte die Loyalität des Kunden erhöhen. Thomas Koch (Bosch) sieht die Hoheit über die Daten im Auto in Gefahr. Markus Frömgen (BBE Automotive) fordert mehr Online-Flexibilität. Kurt Sigl (BEM) möchte die Elektromobilität hierzulande voranbringen. FREIER TEILEMARKT 2016 autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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KURZFASSUNG Das 17. Kölner Aftersales-Forum stand dieses Jahr ganz im Zeichen der Herausforderungen der Zukunft: Themen wie Vernetzung, Elektromobilität, Online- Nutzung und der Wettbewerbsdruck wurden von den Experten diskutiert. dass die Smartphone­Nutzung sich auch auf die Werkstatt­Auswahl auswirkt. Obwohl der persönliche Kontakt noch die entscheidendste Komponente bei der Auswahl der Werkstatt ist, haben sich laut einer BBE­internen Studie bereits 26 Prozent der Pkw­Fahrer vorab im Internet informiert. Immer mehr Kunden kaufen zudem Teile, Reifen oder Zubehör online. Das hat zur Folge, dass sie eine schnellere Reaktion auf Online­Anfragen erwarten. Werkstätten sollten dem Kunden deshalb relevante Informationen auf der Webseite zur Verfügung stellen und sich flexibel auf ihre Bedürfnisse einstellen. Um „Kooperation als Antwort auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen des markengebundenen Autohandels“ ging es im Vortrag von Georg Wallus, Geschäftsführer der Techno­ Einkauf GmbH in Norderstedt. Als CEO der größten Einkaufsgesellschaft für markengebundene Autohäuser sieht Wallus vor allem Vorteile durch Kooperationen. Das veränderte Nutzungsverhalten der Menschen durch die Digitalisierung, die zunehmende Urbanisierung und neue Antriebstechnologien wie Elektromobilität werden seiner Eckhard Brandenburg (BBE Automotive) sieht Parallelen zu den USA. Frank Fuhrmann (First Stop Reifen) warnt vor geringerer Autonutzung. SERIENERSATZ? GANZ KLAR: BILSTEIN! Wir freuen uns auf Ihren Besuch: automechanika, 13.-17.09.2016, Messe Frankfurt, Halle 6.0, Stand B40 Mit BILSTEIN bleiben Ihre Kundenfahrzeuge das, was sie sind: echte Originale. Unsere kompromisslose Qualität ist der Grund, warum uns die Automobilindustrie in der Serienfertigung vertraut. Mit unserem Teileprogramm von BILSTEIN B1 bis BILSTEIN B4 in uneingeschränkter Erstausrüster-Qualität haben Sie das perfekte Handwerkszeug für Ihr Tagesgeschäft: Serienersatz. bilstein.de autoservicepraxis.de | autohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2016 „WIR MÖCHTEN DAS FAHREN SORGLOS GESTALTEN“ Vor welchen Herausforderungen steht das Aftersales-Geschäft? Kristian Kremer, Leiter Vertrieb Service bei der Seat Deutschland GmbH in Weiterstadt, stand uns Rede und Antwort. Herr Kremer, welche Bedeutung hat das Aftersales-Geschäft für Seat? K. Kremer: Das Aftersales-Geschäft soll den Deckungsbeitrag für unsere Partner sicherstellen und Kunden langfristig an unsere Marke binden. Über Loyalität im Service entsteht auch eine Loyalität zur Marke. Was sind Ihre Zielgruppen und wie haben die sich über die letzten Jahre verändert? K. Kremer: Prinzipiell gehört jeder Kunde, der einen Seat fährt, zu unserer Zielgruppe. In den letzten Jahren hat sich das Segment eins stark entwickelt, deshalb arbeiten wir in diesem Bereich verstärkt mit dem Vertrieb an Rundum-sorglos-Paketen für unsere Kunden. Wir möchten das Fahren mit einem Seat für den Kunden sorglos gestalten. Wie versuchen Sie Kunden im eigenen Servicenetz zu halten? K. Kremer: Das erreichen wir mit einem Top-Service und indem wir besonders auf die Kundenbedürfnisse eingehen. Dafür setzen wir auf Loyalisierungsprodukte wie beispielsweise die Garantieverlängerung, Wartungspakete oder für ältere Fahrzeuge auch 5-Plus-Pakete. Ändern sich die Kundenanforderungen im Aftersales-Geschäft durch das Internet? K. Kremer: Ja, die Kunden haben mehr Wahlmöglichkeiten über die neuen Anbieter wie beispielsweise Amazon oder Ebay und auch ein gutes und transparentes Einkaufserlebnis. Einfachheit, Schnelligkeit und Transparenz werden wichtiger für den Kunden. Was bieten Sie bereits online für Services an? K. Kremer: Wir bieten eine flächendeckende Online-Terminbuchung inklusive Preistransparenz und Serviceauftritt über Händlerseiten. Außerdem ermöglichen wir die Online-Buchung einer Anschlussgarantie und verschiedene Wartungspakete. Auch Teile und Zubehör über Seat Ebay Shops gehören zum Portfolio. Was für Angebote bietet Seat für den freien Aftermarket? K. Kremer: Über unser NORA-Programm bieten wir freien Händlern unsere Original-Teile und Zubehör an. Unsere NORA-Leistungszentren sorgen für Beratung und die pünktliche Lieferung der Teile. Was für Schulungen für Partner bieten Sie an? K. Kremer: Seat bietet im Aftersales technische und nichttechnische Schulungen an. In den meisten Fällen online und face-to-face. Welche Auswirkungen hat die zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge? K. Kremer: Es ist leider noch zu früh, um hier eine Prognose zu wagen. Michael Kremer (Seat Deutschland) Wird die Elektromobilität Auswirkungen auf das Aftersales-Geschäft haben? K. Kremer: Ja, es ist zu erwarten, dass die Fahrzeuge weniger Wartung und weniger Teile benötigen. Interview: Alexander Junk Meinung nach die Branche am meisten beschäftigen. Aus Sicht eines Autoherstellers kam Kristian Kremer (siehe Interview im Kasten), Leiter Vertrieb Service der Seat Deutschland GmbH in Weiterstadt, zu Wort. In seinem Vortrag zu „Aftersalesstrategien der Automobilhersteller als Antwort auf die Herausforderungen von morgen – das Beispiel Seat“, zeigte der Vertriebs­ und Serviceleiter, dass sich die Umsatzentwicklung im Aftersales blendend entwickelt hat. Dennoch ist FREIER TEILEMARKT 2016 der Markt schwierig, denn bei Seat sind die Kunden sehr jung und preissensibel. 20 Prozent fahren schon nach dem ersten Jahr nicht mehr zur Markenwerkstatt. Es sei deshalb wichtig, ihre Loyalität zu fördern. Seat erreiche dies durch Flatrate­Produkte. Auch neue Dienste wie eine Online­Terminvereinbarung oder Ersatzteile über Ebay Motors würden die Loyalität stärken. Bei der Gestaltung der Online­Präsenz sei es zudem wichtig, es dem Kunden so einfach wie möglich zu machen. Wie das Reifengeschäft von morgen aussieht, war das Thema von Frank Fuhrmann, Geschäftsführer des Reifen­Netzwerks First Stop Reifen Auto Service GmbH in Bad Homburg. In Zukunft wird es laut Fuhrmann deutlich weniger Autos und eine ältere Kundschaft geben. Reifen würden sich weiter diversifizieren und müssten deshalb zunehmend als Kundenbindungsinstrument genutzt werden. Als Beispiel nannte er den neuen Pannenschutz „Driveguard“ von Bridgestone, bei dem Sicherheit mit Komfort und Fahrspaß einzigartig kombiniert werden. Daten gehören dem Nutzer Ein sehr flammendes Plädoyer für Elektromobilität hielt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes eMobilität e.V. (BEM) in Berlin. In seinem Vortrag „Elektromobilität – Wohin geht die Reise?“ kritisierte er, dass E­Autos in Deutschland nicht in Schwung kämen und vor allem passende Geschäftsmodelle entwickelt werden müssten. Zukünftig sei Geld in der Elektromobilität hauptsächlich mit Dienstleistungen und Software, jedoch nicht mehr mit Hardware zu verdienen. Werkstätten und Autohäuser seien deshalb gut beraten, sich dieser Entwicklung nicht zu verschließen und sie aktiv zu gestalten. Wie sich der Aftermarket in Zeiten von Digitalisierung und Vernetzung zukünftig aufstellen kann, war das Thema des letzten Vortrags von Thomas Koch, Vertriebsleiter Europa Mitte für den Automotive Aftermarket bei der Robert Bosch GmbH in Karlsruhe. Koch ging auf die zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge ein und erklärte, welche wichtige Rolle Sensoren dabei spielen. Dabei fallen eine Menge von Daten an, die momentan im Besitz der Autohersteller sind. Es gelte daher Regeln zum Erhalt des freien Wettbewerbs aufzustellen. So sollte der Fahrer darüber entscheiden dürfen, wer welche Fahrzeugdaten bekommt und wer sie nutzen darf. Es sei notwendig, einen einfachen und sicheren Datenzugang diskriminierungsfrei zu gewährleisten und Standards zu etablieren. Alexander Junk ■ autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2016 DIGITALES MARKETING Wenn Sie wüssten, was Sie wissen Mit einem ausgefeilten Softwaretool bringt ein Münchener Start-up die Kundendaten in Kfz-Betrieben auf Vordermann. Das Gute daran: Alle Daten sind im Unternehmen meist schon vorhanden. Sie haben einen Kundennewsletter verschickt und kaum Resonanz bekommen? Dann sind Sie in guter Gesellschaft, denn erfahrungs gemäß sind die Öffnungsraten dieser Marketing-Allzweckwaffe miserabel. Dass man Kunden gezielter ansprechen muss, um ihre Aufmerksamkeit zu wecken, weiß Philipp Posselt. Der Unternehmer und Chef des Münchener Start-up-Unternehmens VEACT GmbH hat sich auf das digitale Marketing für Autohäuser und Werkstätten spezialisiert. VEACT entwickelt und vertreibt eine softwarebasierte Plattform zur Digitalisierung von Marketing-Prozessen. Damit Kampagnen erfolgreich verlaufen, nutzt VEACT sämtliche im Autohaus verfügbaren Datenquellen – Rechnungen, Service-Historien, Zufriedenheitsabfragen sowie Kampagnendaten – und verdichtet diese zu Kundenprofilen. Vom Fahrzeug zum Kundenstamm „Wir bekommen durch unsere Analyse einen 360-Grad-Blick auf die im Unternehmen bereits vorhandenen Kundendaten“, erklärt Posselt. „Viele Betriebe wissen gar nicht, was sie wissen“, so seine Erfahrung in der Branche. Das Prinzip in wenigen Worten zusammengefasst: VEACT hilft Betrieben, aus Fahrzeugdaten, die ja in den EDV-Systemen vorhanden sind, in einen Kundenstamm zu verwandeln. Posselt: „Man kann sich unsere Software als selbst lernendes Sys- KURZFASSUNG Es lohnt sich, die im Unternehmen bereits vorhandenen Informationen über das Kaufverhalten von Kunden zu analysieren. Das Wissen um mögliche Potenziale erleichtert die gezielte Kundenansprache. tem vorstellen: Mit jeder Kampagne steigt die Prognosesicherheit für künftige Marketing-Aktionen. Unsere Software ermöglicht dem Autohaus das richtige Timing, wann es mit welchem Produkt auf welche Kunden zugehen soll.“ Durchschnittlich erzielen VEACT Kunden je Euro Marketing-Investition 18 Euro Kampagnenumsatz. Kunde ist nicht Kunde Ein Zwischenschritt ist die Einteilung der Kunden in „verlorene Kunden“, teil-loyale Kunden und loyale Kunden. Vorhandene Rechnungsdaten der vergangenen Jahre sind dafür die Grundlage. „VEACT separiert aktive Kunden von inaktiven Kunden“, erklärt Posselt. „Dieser Schritt ist sinnvoll, denn Kunden, die seit 30 Monaten nicht da waren, sind in der Regel verloren.“ Auf der anderen Seite stehen die loyalen Kunden, also jene, die ohnehin schon alles bei einem Kfz-Betrieb machen lassen, vom Reifenwechsel bis zur Reparatur. „Diesen Kunden müssen Sie nicht mehr gewinnen, den haben Sie schon“, erklärt Posselt. Besonders interessant ist hingegen die Gruppe der teil-loyalen Kunden. Diese machen beispielsweise die Hauptuntersuchung regelmäßig in der Werkstatt oder den saisonalen Reifenwechsel. Posselt: „Diese Kunden sind offen für neue Angebote, wenn man sie gezielt anspricht.“ Gezielte Ansprache heißt: Einen vermuteten Bedarf beim Kunden decken. Die Software berechnet aufgrund des bisherigen Kaufverhaltens des Kunden, für welche weiteren Produkte die höchste Kaufwahrscheinlichkeit besteht. Das ermöglicht eine gezielte Kundenansprache und vermeidet Streuverluste. Am Abschluss jeder Kampagne steht eine exakte Erfolgskontrolle. Philipp Posselt ist Spezialist für digitales Marketing in Autohäusern und Werkstätten. Wichtig bei alldem ist der Datenschutz. „Achten Sie auf die Spielregeln des Datenschutzes, sonst drohen Abmahnungen“, warnt VEACT-Chef Posselt. Ohne die ausdrückliche Einwilligung des Adressaten in den Erhalt von Werbe-E- Mails werden diese wettbewerbsrechtlich als „unzumutbare Belästigung“ angesehen. Wer trotzdem Werbe-E-Mails verschickt, begeht einen Verstoß gegen den Datenschutz. Datenschutz immer beachten Die Einwilligungserklärung des Kunden liegt erfahrungsgemäß bei Autohäusern in 30 bis 50 Prozent der Fälle vor. Fehlende Einwilligungserklärungen zu einer bereits vorhandenen E-Mail-Adresse können aber nachträglich noch eingeholt werden. Eine Möglichkeit hierzu wäre beispielsweise das Einholen der Einverständniserklärung im Rahmen eines Gewinnspiels. Dietmar Winkler ■ Foto: VEACT autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2016 31

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FREIER TEILEMARKT 2016 SCHULUNGSANGEBOTE Qualität ist Lernsache Auto repariert und Kunde kommt trotzdem nicht wieder. Höchste Zeit, in die Schulung der eigenen Servicemitarbeiter zu investieren. Der Teilehandel bietet für jeden Bedarf ein breites Angebot. erkstatttests zeigen immer wieder, dass die Qualität der Werkstattprozesse oftmals in ihren Abläufen verbessert werden kann. Die Werkstatt­ und Teilehandelspartner setzen daher in ihren Schulungen vermehrt auf das Thema optimierte Werkstattabläufe. Kundenzufriedenheit ist das A und O eines funktionierenden Geschäfts. Obwohl beinahe schon eine Binsenweisheit, haben in der Vergangenheit interne Werkstatttests der Werkstatt­ und Teilehandelspartner gezeigt, dass es in diesem sensiblen Punkt immer wieder zu Defiziten bei den Werkstätten kommt. KURZFASSUNG Zahlreiche Schulungs- und Trainingsangebote der Teilehandelspartner helfen Werkstätten und Autohäusern Wissenslücken zu schließen und sich so für den Wettbewerb fit zu machen. Das betrifft nicht nur das technische Know-how, sondern auch den Umgang mit Kunden. In Werkstatttests zeigt sich immer wieder: An der Serviceorientierung mangelt es am häufigsten. Die Verbesserungspotenziale sind von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. Das ist die Erfahrung der Handels­ kooperation ATR. Um den Betrieben Unterstützung bieten zu können, führt ATR regelmäßige interne Werkstatttests durch. Basierend auf diesen Ergebnissen wird dann dem Partner ein individuelles Feedback zu seinen internen Werkstattabläufen gegeben. Darüber hinaus bietet ATR den Konzeptpartnern mehrere Tagesschulungen speziell zur Steigerung der Servicequalität an. So gibt es seit 2013 für Werkstattinhaber und ­teams die Schulung „Serviceprozesse/Kundenzufriedenheit – So organisieren Sie Ihre Werkstatt richtig“ in Zusammenarbeit mit TÜV SÜD. Zusätzlich gibt es seit diesem Jahr für Mechatroniker und Me­ Foto: ZDK FREIER TEILEMARKT 2016 autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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Foto: Hess Klassiker Präsenzschulung: Teilehändler und Systempartner haben ein riesiges Angebot an Themen für Werkstattmitarbeiter. Bosch setzt bei der Verbesserung der Servicequalität seiner Werkstattpartner vor allem auf die Vermittlung von technischen Wissen. Foto: Bosch chaniker die Schulung „Werkstattabläufe/Arbeitsplanung – Erfolgreicher Werkstattalltag durch Teamarbeit“. Beide Trainings werden als Tagesschulungen in den Verkaufshäusern der ATR­Gesellschafter angeboten. Auf Wunsch besteht auch die Möglichkeit, für 980 Euro ein individuelles Inhouse­Coaching zu buchen, bei dem die Prozesse vor Ort analysiert werden. Bei der Schulung zu den Serviceprozessen liegen die inhaltlichen Schwerpunkte bei der Analyse, Steuerung und Kontrolle der betrieblichen Kernprozesse – und dies von der telefonischen Terminvereinbarung bis hin zur Fahrzeugabholung. Die Schulung zu den Werkstattabläufen konzentriert sich hingegen auf Werkstattplanung, Arbeitsvorbereitung, Annahmeprozesse, Datenbeschaffung und Arbeiten nach Herstellervorgaben. Beide Trainings bestehen aus einem Theorie­ sowie einem Praxisteil direkt am Fahrzeug. Dabei handelt es sich grundsätzlich um Tagesschulungen. Die Dauer des Inhouse­Coachings richtet sich nach dem Bedarf des Betriebes und liegt zwischen ein und drei Tagen. Bosch Auch bei Bosch hat man den Bedarf an Werkstatt­Servicequalität­Schulungen erkannt und bietet sowohl Schulungen für alle Berufsgruppen im Bereich Handel als auch Werkstätten an. Schulungsbedarf sieht man bei Bosch vor allem bei der Optimierung und Stabilisierung der Der Serviceberater-Wettbewerb von Carat umfasst eine Fernschulung in Kombination mit Präsenztagen. Arbeitsprozesse und ­schritte und bei der Steigerung des Wissensniveaus für neue Systeme. Alle Schulungen werden jährlich im Bosch­eigenen „Trainingsprogramm für Kfz­Technik“ und im Online­Portal „Bosch Automotive Campus“ veröffentlicht. Dort können sie auch gebucht werden. Auf Anfrage werden auch maßgeschneiderte Trainings angeboten. Besonderen Wert legt man bei Bosch auf die Aus­ und Fortbildung der Werkstattmitarbeiter. Zentral stehen hier speziell zusammengestellte Ausbildungsprogramme mit den Berufszielen „Bosch Automobil Serviceberater“, „Bosch Diagnosetechniker“ oder „Staatlich anerkannter Fahrzeug­Servicetechniker“. Darüber hinaus werden ein­ und mehrtägige technische Trainings für jede Zielgruppe – ob Anfänger oder Profi – zu verschiedenen Fachbereichen (z. B. Benzineinspritzung, Dieseleinspritzung oder Elektrik) angeboten. Die kaufmännischen Trainings bieten hingegen ein breites Spektrum an Themen, die von der professionellen Unternehmensführung, über Technik für Kaufleute bis zum Selbst­ und Zeitmanagement reichen. Sie richten sich an Inhaber, Betriebsleiter, Geschäftsführer und Mitarbeiter aus Service und Verkauf in Kfz­Betrieben. Gesetzte Ziele sind hier die Prozessoptimierung im Kfz­Betrieb, Sicherheit im täglichen Werkstattablauf und bei der Kundenbetreuung. Auch die Vermeidung von Kundenreklamationen und schlechten Testergebnissen sind Inhalte der Trainings. Die Schulungen finden in den Bosch Trainings Centern statt (z. B. Plochingen, Wien und Otelfingen) sowie diversen regionalen Standorten bundesweit (z. B. Hamburg, Dortmund, Leipzig, Schwerin, Münster, Kassel). Der Tagespreis für eine technische Schulung beläuft sich im Pkw­Bereich auf 216 Euro (zzgl. MwSt.) pro Tag und Teilnehmer. Carat Carat bietet für den Bereich Servicequalität zwei verschiedene Lehrgänge an. So wird im Rahmen des sogenannten Serviceberaterwettbewerbs den Werkstattsystempartnern eine Fernschulung MEHR IM NETZ Hier gibt es weitere Infos der Schulungsanbieter ■ www.atr-akademie.de ■ www.automotive-campus.com ■ www.carat-gruppe.de ■ www.motorkolleg.de ■ www.motoo.de ■ www.wm-schulungen.de autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2016 33

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FREIER TEILEMARKT 2016 in Kombination mit Präsenz tagen angeboten. Zu Beginn startet die Werkstatt mit Fragebögen, die sie ausgefüllt an Carat zur Auswertung sendet. Die 15 Besten aus den jeweiligen Bereichen kommen dann in das Finale und können dort nochmals ihr Können unter Beweis stellen. Für seine PartnerPlus­Betriebe bietet Carat einen Servicemanager­Lehrgang, der die Basis zur Teilnahme an PartnerPlus bildet. Dieser Lehrgang muss regelmäßig durch eine Weiterbildung in den Bereichen BWL und Technik aufgefrischt werden. Auch dort werden die Partnerbetriebe in puncto Servicequalität fit gemacht und können das mit einem Signalisationselement nach außen darstellen. Die Präsenzschulungen finden regional statt und haben unterschiedliche Dauer von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen. Die Kosten differieren je nach Schulungsmodell. Coparts Im Schulungskonzept Motorkolleg der Coparts werden neben technischen und kaufmännischen Schulungen auch individuelle Beratungen zum Thema Werkstattabläufe angeboten. Die Schulungen, die zugänglich für Mitarbeiter und Unternehmer der Coparts­Werkstätten sind, reichen von Sachkundelehrgängen über elektronische Schulungsinhalte bis hin zur Betriebswirtschaft. In den Lehrgängen, die auf praktische Inhalte und Nutzen im Werkstattalltag Wert legen, fließt vor allem das Feedback der Werkstätten ein. Die Schulungen, die in der Regel ein bis zwei Tage dauern, finden regional bei den Coparts­Gesellschaftern statt und kosten zwischen 300 und 3.000 Euro. FREIER TEILEMARKT 2016 Foto: ATR Teilnehmer der Coparts-Systemtagung wurden über das Angebot von Motorkolleg informiert Hess Auch bei Hess Autoteile ist man aufgrund eigener jährlicher Werkstatttests überzeugt, dass die Servicequalität einer Werkstatt mit der fachlichen Leistung sowie der Serviceorientierung der Mitarbeiter steht und fällt. Regelmäßig getestet Alle hier vorgestellten Werkstattsystempartner sehen im Bereich Servicequalität Verbesserungspotenzial. Das Gespräch mit Kunden beim Ersatzteilverkauf will trainiert sein. wird der vollständige Ablauf im Betrieb, von der Terminierung bis zur Übergabe des reparierten Fahrzeugs. Das Schulungsangebot „Motoo“, das neben Unternehmer und Kfz­Meister auch Nachwuchskräfte anspricht, umfasst daher mehr als 170 Kurse, Fachvorträge und Seminare. Speziell zum Thema Servicequalität bietet Motoo Kurse zum Umgang mit Kunden, zu Fragen der Kommunikation sowie zum Bereich der persönlichen Motivation an. Kerninhalte dieser Schulungen sind unter anderem die kundenorientierte Kommunikation, der Umgang mit Rückfragen und Kundeneinwänden, die richtige Ansprache bei verschiedenen Kunden, die Gesprächsvorbereitung und die Grundregeln der Gesprächsführung. Auch auf Vorbildfunktion und Führungsstile wird eingegangen. Die Übungen zur Kommunikation und Gesprächsführung werden in kleine Gruppen durchgeführt. Dabei kommen unterschiedliche Lernmethoden zum Einsatz. Sie reichen von Inputreferaten über Gruppenarbeiten bis hin zu Gesprächsund Praxistrainings. Die Schulungen finden an den Motoo­Standorten in Köln, Aachen, Bochum, Kreuztal, Koblenz und Trier sowie an weiteren Standorten wie beispielsweise den Bildungsstätten der Handwerkskammern oder direkt in kooperierenden Akademien statt. Die Schulungsdauer beträgt meist wenige Stunden, aber auch Tagesveranstaltungen und mehrtägige Kurse im Bereich der Sachkundelehrgänge sind im Angebot. Zahlreiche Seminare und Vorträge werden dabei kostenlos angeboten. Tagesseminare kosten in der Regel unter 200 Euro. Die Preise für Sachkundenachweise richten sich nach Umfang und Dauer der Lehrgänge. Wessels + Müller Die Wessels + Müller AG bietet zum Thema Steigerung der Werkstatt­Servicequalität Schulungen für Unternehmer und Führungskräfte an. Sie konzentrieren sich vor allem auf die Arbeitsplanung, den Fahrzeugcheck in der Kfz­Werkstatt, das Zeitmanagement (Selbst­ und Zeitmanagement für Profis) und auf die Vorbereitung für Werkstatttests an. Darüber hinaus werden Kernfähigkeiten, wie die Foto: Coparts autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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richtige Werkstattplanung, Arbeitsvorbereitung, Datenbeschaffung, präzise Diagnose und Kundengespräche vermittelt. Aber auch die Optimierung der Organisation der eigenen Arbeit (zum Beispiel: Setzen von Prioritäten) und das Vermitteln von Kernkompetenzen werden angesprochen. Dabei werden ausgewählte Werkstattprozesse auf den Prüfstand gestellt, Lösungen diskutiert und Ergebnisse gecheckt. Auch Erfahrungen und neue Methoden aus dem Markt werden analysiert und an den erforderlichen Werkstattprozessen gespiegelt. Die eintägigen Schulungen finden in den Trainingscentren der WM­Verkaufshäuser statt, sind auf zwölf Teilnehmer beschränkt und kosten 189 Euro (zzgl. MwSt.). Alle vorgestellten Teilehändler und Werkstattsystempartner sehen im Bereich Servicequalität Verbesserungsbedarf bei Werkstätten. ATR und Bosch machen dies an den Ergebnissen von Werkstatttests oder Umfragen fest. Auch Carat konzentriert sich bei den Schulungen auf die Bereiche Betriebswirtschaft und Technik bei Coparts und Carat sieht man in diesem Bereich − und hier speziell bei der Kundenannahme und Werkstattplanung − das größte Verbesserungspotenzial. Hess (Motoo), WM und Carat sehen auch bei den Themen Homepage und Social Media noch Defizite. Die Trainings sind daher, je nach Anbieter, unterschiedlich ausgerichtet. Werkstätten sollten sich daher vor Buchung einer Schulung genau informieren und sich mit dem Anbieter in Verbindung setzen. Marcel Schoch ■ Foto: Carat

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FREIER TEILEMARKT 2016 C-TEILE-MANAGEMENT Kleine Teile, große Wirkung Im Umgang mit C-Teilen steckt ein hohes Potenzial zur Verbesserung der Abläufe und Reduzierung der Prozesskosten. Würth bietet eine exakte Analyse und anschließende Maßnahmen. ie sind unentbehrlich im Tagesgeschäft eines Kfz-Betriebs und werden von der Werkstatt bis zum Büro ständig benötigt. Ob Schraube oder Kopierpapier – der Bedarf an sogenannten C-Teilen ist enorm. Doch obwohl sie geringwertig in der Anschaffung sind und einen niedrigen Anteil am gesamten Beschaffungsvolumen haben, verursachen sie hohe Prozesskosten. So hat Würth als Lieferant für Werkstattbedarf errechnet, dass im Autohaus zwar nur fünf Prozent des Einkaufsvolumens KURZFASSUNG Die Würth-Experten haben errechnet, dass C-Teile im Autohaus 50 Prozent der Prozesskosten im Einkauf als interne Kosten der Bestell abwicklung verursachen. Gleichzeitig entfallen aber nur fünf Prozent des Einkaufsvolumens auf C-Teile. FREIER TEILEMARKT 2016 auf C-Teile entfallen, diese aber gleichzeitig 50 Prozent der Prozesskosten im Einkauf als interne Kosten der Bestellabwicklung verursachen. Kaum im Fokus Der geringe Anteil am Einkaufsvolumen begründet aber laut Jens Görsdorf, Leiter der Division Auto bei Würth, die Problematik: „C-Teile müssen immer vorrätig sein, wegen des geringen Einkaufsvolumens hat sie aber kostenseitig kaum einer im Blick. Über das Ungleichgewicht zwischen Prozesskosten und tatsächlichem Wert der C-Teile herrscht im Auto haus oft geringes Bewusstsein. Dabei ist der gegenüberstehende Beschaffungsaufwand extrem hoch.“ Im Rahmen des C-Teile-Managements hat die Adolf Würth GmbH & Co. KG deshalb Strategien für Autohäuser entwickelt, die zu deutlichen Kosteneinsparungen führen. In ersten Sondierungsgesprächen erkennen die Unternehmen in der Regel sehr schnell das Ungleichgewicht zwischen dem Wert der Teile und den entstehenden Prozesskosten, weiß Jens Görsdorf. Es folgt eine detaillierte Analyse aller Rechnungen und Aufträge im Rahmen der C-Teile-Bestellung über einen bestimmten Zeitraum. Dabei wird unter anderem ermittelt, wer welche Bestellungen bei welchem Lieferanten getätigt hat, in welchen Abständen, welche Mengen und zu welchen Konditionen. Es folgt neben direkten Kostenvergleichen zwischen verschiedenen Lieferanten die Analyse des Einsparpotenzials bei den Einkaufs- und Prozesskosten sowohl bei einer reinen Lieferantenkonsolidierung als auch bei der Einführung eines strategischen C-Teile- Managements durch entsprechende Handlungsempfehlungen. Fotos: Fotolia/dima_pics, Würth autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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Bei einer konventionellen C-Teile-Bestellung fallen stets die gleichen Prozessschritte an. Die reichen von der Bedarfsermittlung über die Bestellauslösung zur Wareneingangskontrolle, internen Buchungsschritten bis zur Rechnungsanweisung. Das führt dazu, dass viele Kapazitäten, vom Besteller über die Buchhaltung und weitere involvierte Abteilungen, gebunden sind. Etwa vier bis sechs Mitarbeiter sind so an einem Bestellprozess beteiligt. „Wir wissen heute aus Berechnungen, dass die Prozesskosten für eine Bestellung, egal, ob Schraube oder ganzer Motor, bei rund 100 Euro liegen“, so Jens Görsdorf. Eine Reduzierung der Kosten lässt sich also hauptsächlich über weniger Bestellvorgänge bewirken. Deshalb werden zuerst die Möglichkeiten der Bedarfsbündelung geprüft, etwa indem man Bestellungen nur noch monatlich statt wöchentlich durchführt. Ein zweiter Ansatz geht dahin, Lieferanten zu bündeln oder zu reduzieren. Dabei bleibt man realistisch: „Wir wissen, dass wir nicht alles abdecken können und es immer weitere Lieferanten neben uns geben wird. Trotzdem achten wir im Rahmen unserer – übrigens kostenfreien – Analyse darauf, ein Leistungsangebot abgeben zu können. Durch unsere Analyse können wir natürlich maßgeschneiderte Lösungen anbieten“, sagt Jens Görsdorf. Versteckte Kosten aufspüren In Zeiten niedriger Renditen im Neuwagenverkauf verstehen immer mehr Unternehmen, wie wichtig es ist, versteckte Kosten aufzuspüren und zu reduzieren, um das Betriebsergebnis zu steigern. Neben der reinen Kostenersparnis aus dem C-Teile-Management ergeben sich weitere Vorteile aus den freigewordenen Kapazitäten, die dann produktiv etwa in Richtung Kundengewinnung und -betreuung oder fürs Marketing eingesetzt werden können. Zudem bietet Würth alle Möglichkeiten der elektronischen Anbindung, etwa im Online-Shop, der Scanner-gestützten 50 Prozent der eingekauften Artikel sind C-Teile. Ihr Einkaufswert-Anteil: fünf Prozent. ERHEBLICHES EINSPARPOTENZIAL Interview mit Jens Görsdorf, Leiter Division Auto der Adolf Würth GmbH & Co. KG Für welche Betriebe ist das C-Teile-Management interessant? J. Görsdorf: Vor allem Betriebe mit mehreren Standorten und dezentraler Einkaufsstruktur, das heißt, wenn jeder Betrieb und darin wiederum jede Abteilung eigenständig Bestellungen auslöst. Je größer das Unternehmen, umso größer ist der Prozessaufwand und die Komplexität, gleichzeitig steigt die Zahl der Lieferanten. Wie gehen Sie dabei vor, um Potenziale zu ermitteln? J. Görsdorf: Anhand der Daten, die uns ein Unternehmen zur Verfügung stellt, das können Lieferscheine oder Rechnungen über einen bestimmten Zeitraum sein, analysieren wir das bisherige Bestellverhalten, Jens Görsdorf, Leiter Division Auto die Lieferantenzahl, die Konditionen, Bestellhäufigkeit und bestellte Mengen. Auf Basis dieser Ist- Analyse unterbreiten wir Vorschläge, wie eine optimierte Beschaffung aussehen könnte. Welche Maßnahmen ergeben sich aus einer Analyse? J. Görsdorf: Es gibt die Möglichkeit einer Bestellreduktion durch Bedarfsbündelung, im zweiten Ansatz die Reduktion und Bündelung von Lieferanten sowie die Zusammenfassung von Rechnungen eines Lieferanten. Wie profitiert ein Unternehmen vom C-Teile-Management? J. Görsdorf: Durch die Reduktion der Bestellprozesse ergeben sich freie Kapazitäten beim Personal bei gleichzeitig reduzierten Prozesskosten. Hinzu kommen Preisvorteile durch größere Bestellmengen bei weniger Lieferanten, ebenso Vorteile bei Skonto und Bonifizierung. Damit haben wir bei Prozesskosten und Einkaufskonditionen einen erheblichen Benefit. Sind damit die Einsparpotenziale erschöpft? J. Görsdorf: Ergänzend können unsere Kunden natürlich auf unser Orsy-Regalsystem zurückgreifen, das als Zentral- oder Arbeitsplatzlager Platz und Laufwege spart und von unserem Außendienst nach definierten Vorgaben regelmäßig bestückt wird. Außerdem haben sie die Möglichkeit, über unser Scannersystem zu bestellen, das geht schneller und vermeidet Fehler. Interview: Dieter Väthröder Bestellung mit Barcodeleser oder der Online-Bestellung mittels Smartphone-App. „Lagerverwaltung zählt unserer Meinung nach nicht zum Kerngeschäft eines Autohauses, vielmehr lenkt sie davon ab und ver ursacht vergleichsweise hohe Kosten“, ist Jens Görsdorf überzeugt, „mit unserem Angebot zum C-Teile- Management wollen wir dies den Kunden abnehmen.“ Dieter Väthröder PROZESSKOSTEN TEILEBESTELLUNG Verteilung des Einkaufsvolumens 20 % 30 % 50 % ■ A-Artikel ■ B-Artikel ■ C-Artikel autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2016 37

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FREIER TEILEMARKT 2016 CONNECTED CAR Im Zwiegespräch mit dem Auto Über das digitale Fahrzeug wird am Markt leidenschaftlich und viel diskutiert. Eine Erkenntnis: Es könnte schon in wenigen Jahren ganze Geschäftsmodelle über den Haufen werfen. Wer die OnStar-Taste drückt, kann sich mit dem Berater austauschen und eine Ferndiagnose starten. Fotos: Opel, Junk, ZF Die Taste mit dem blauen Kreis und dem weißen „On“-Schriftzug angetippt, schon besteht im Testwagen Gewissheit. „Alles im grünen Bereich“, sagt die Opel-OnStar-Beraterin – und meint damit den von uns gefahrenen KURZFASSUNG Der persönliche Online- und Service- Assistent OnStar von Opel macht es vor: Die Rüsselsheimer schaffen in puncto Connected Car Fakten – zur Freude des Autofahrers. Doch was bedeutet das für die Kfz-Betriebe? FREIER TEILEMARKT 2016 Astra Fünftürer. Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr steht dieser persönliche Online- und Service-Assistent zur Ver fügung. Per Ferndiagnose werden etwa der Reifendruck geprüft, aber auch Funktionen wie Motor, Getriebe oder Airbags. „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun“, fragt die freundliche Stimme. Einen Augenblick später schickt sie die nächstgelegene Tankstelle aufs Display des Infotainment-System – und wünscht einen schönen Tag. Doch damit nicht genug. Der persönliche Assistent aus Hessen, den der Halter die ersten zwölf Monate gratis nutzen kann und der auf Wunsch in allen Pkw-Modellen mit dem Blitz verfügbar ist, hat noch mehr drauf: unter anderem eine automatische Unfallhilfe, einen WLAN-Hotspot, die Fernbedienung via „myOpel Smartphone-App“ und eine automatische Zieleingabe. Bereits rund neun Monate nach dem Marktstart verzeichnete Opel satte 1,5 Millionen Interaktionen. Der klassische Maschinenbau scheint bei neuen Fahrzeugen immer mehr in den Hintergrund zu treten. Der Pkw-Lenker soll einfach entspannter am autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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Ziel ankommen. So auch im überzeugenden wie vernetzten Kompaktklässler. Ein weiteres „Connected Car“-Beispiel gefällig? Anfang Juli verkündeten der vom Abgasskandal geplagte Autobauer VW und der Technikriese LG Electronics, dass sie gemeinsam eine innovative Plattform entwickeln wollen. Diese sogenannte Cross-Over-Plattform soll künftig eine bessere Fahrzeugkonnektivität und Benutzerfreundlichkeit garantieren. Mit Hilfe der viel zitierten Wolke, sprich Cloud-Technologien, hat der Fahrer dann digitalen Zugang zu etwa intelligenter Haustechnik und ortsbasierten Services. Und zwar nahtlos, also in Echtzeit. Aftermarket in Turbulenzen Doch was bedeuten die beiden Beispiele aus Rüsselsheim und Wolfsburg für die heimischen Servicebetriebe? Wie wird sich der Markt verändern? Und welche Player geben auf dem Weg zum autonomen Fahren, das das Wörtchen „Connected“ zwingend voraussetzt, das Tempo vor? Der Branchenverband CLEPA, der sich als europäische Stimme der Automobilzulieferer versteht, zeichnet folgendes Zukunftsbild: Fahrzeuge stehen in ein paar Jahren als Synonym für große Mobilgeräte – stets verbunden mit dem Arbeitsplatz, dem eigenen Heim oder der Werkstatt des Vertrauens. Daten fließen von A nach B nach C – und umgekehrt. Hilfestellung leistet hierbei die Europäische Union mit ihrem Notrufsystem eCall, mit dem ab April 2018 verpflichtend alle neuen Pkw- und Das aktuelle Auto des Jahres, der Opel Astra, überzeugt im Test mit seinem Service „OnStar“. autoservicepraxis.de | autohaus.de AUTONOME FAHRZEUGE NACH MARKEN Welche Marken verbinden Sie am ehesten mit autonomen (selbstfahrenden) Fahrzeugen? Mercedes-Benz 23,4 Google 17,5 12,7 Audi Tesla Motors Toyota Apple Opel Smart Basis: n=1.022 | Angaben in % Quelle: puls Marktforschung GmbH

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FREIER TEILEMARKT 2016 DATENKONTROLLE BEIM KUNDEN Herr Ernst, die offene Datenplattform Caruso ist ein Thema für den Independent Aftermarket (IAM). Warum ist sie so wichtig? H. Ernst: Fahrzeugbezogene Daten speziell mit wartungs- oder verschleißspezifischen Inhalten müssen für alle Werkstätten zugänglich sein. In der Zukunft werden die Fahrzeuge oder die Datenbanken, in denen diese Daten verarbeitet werden, auf der Basis von „Use Cases“, also Anwendungsfällen, eigenständig Initiative ergreifen, um die fällige Wartung oder Reparatur einzuleiten. Inklusive der Entscheidung, wo diese Information aufläuft. Ein fairer Wettbewerb ist nur dann möglich, wenn der Besitzer des Fahrzeugs diese Entscheidung beeinflussen kann. Also die Kräfte des Marktes entscheiden – und nicht ein Quasi-Monopol der Vertragswerkstätten. Die Automobilhersteller versuchen natürlich, den Datenzugang exklusiv für ihre Vertragswerkstätten abzusichern. Die Gründe dafür sind nicht nur Kundenbindung oder Differenzierung gegenüber den Wettbewerbern, sondern auch Zusatzerlöse durch den Dienste- und Daten-Verkauf sowie verbesserte After-Sales-Leistungen sind wichtige Antriebskräfte. Der Kunde muss aber auch künftig die Kontrolle über seine Daten behalten und damit ohne weitere Einflussnahme seine Werkstatt frei wählen können. Die Digitalisierung macht also ordentlich Tempo … H. Ernst: Die Zeit drängt, denn schon bald wird die elektronische Servicedokumentation das altbekannte Scheckheft im Papierformat ablösen. Früher reichte ein Griff ins Handschuhfach zum Scheckheft mit den obligatorischen Stempeleinträgen, um die Wartungshistorie nachzuvollziehen – künftig sind Schnittstellen zu digitalen Datensätzen notwendig. Idealerweise sollte die Dokumentation weiterhin direkt im Auto frei zugänglich sein, damit sowohl die Fahrzeugbesitzer als auch die Werkstätten sie nutzen können – und zwar jede Werkstatt. Zuversichtlich, dass diese Telematikplattform für einen fairen Wettbewerb zwischen OEM und IAM sorgen wird? H. Ernst: Wesentliche Voraussetzung für den Erfolg einer offenen Telematikplattform ist die Festschreibung eines freien zeitgleichen Datenzugangs ohne Restriktionen durch den Gesetzgeber. Dann ist der IAM in der Lage, mittels Caruso den Zugang zu den Leistungen der freien Werkstätten für den Autofahrer langfristig aufrechtzuerhalten. Auch für All-Makes-Servicebetriebe ist diese Plattform essenziell, denn nur so können sie ihr Geschäftsmodell erfolgreich weiterführen. Zudem lassen sich über diese offene Telematikplattform attraktive Serviceangebote gemeinsam mit anderen Anbietern wie beispielsweise Versicherungen oder Pannenhilfe-Organisationen entwickeln und anbieten. Und was ist mit dem Autofahrer? Wo wäre dann sein Platz beim standardisierten Datensammeln? H. Ernst: Die Fahrer beziehungsweise Eigentümer automatisierter und vernetzter Fahrzeuge müssen über die Erhebung und Verwertung ihrer Fahrzeugdaten informiert werden und ihre Einwilligung geben. Andernfalls würde die Akzeptanz für die Preisgabe ihrer Daten wohl fehlen, denn kaum einer will zum oft zitierten gläsernen Bürger werden. Seine Daten sind aber erforderlich, um zuverlässige Verkehrsleitsysteme, Warnsysteme oder auch neue attraktive Dienstleistungen anzubieten. Hierbei ist auch die klare Trennung von fahrzeugbezogenen Daten (Eigentümer) und Bewegungsprofil-bezogenen Daten (Fahrer) erforderlich, falls dies nicht die gleiche Person ist. So kann es sein, dass sich ein Fahrer zum Beispiel entscheidet, die Dienstleistung der Meldung der jeweils günstigsten Tankstelle zu erhalten bei circa 100 Kilometer Restreichweite, auch wenn er in einem Mietwagen unterwegs ist. Das muss für den Fahrer komfortabel gelöst werden. Herr Ernst, danke für die interessanten Einblicke. FREIER TEILEMARKT 2016 Helmut Ernst, Leiter von ZF Services und Chef der neuen Aftermarket-Organisation Interview: Patrick Neumann Vom Notruf eCall bis zum sogenannten Business-Call oder Consumer-Call ist der Weg nicht mehr weit. Transporter-Modelle vom Band rollen müssen. Für CLEPA hat dieser regulatorische Schritt das Potenzial, den Aftermarket komplett zu verändern. Denn: Vom Notruf eCall bis zum bCall oder cCall und einer neuen Art von Kundenbindung ist der Weg nicht mehr weit. Mit deutlichen Vorteilen für die Autobauer, wenn das Auto die Initiative übernimmt und selbstständig den Reparatur- oder Wartungstermin anstößt. Der Ausweg für einen fairen Wettbewerb zwischen den OEM und dem Independent Aftermarket (IAM) könnte eine offene und unabhängige Telematikplattform wie „Caruso“ sein (siehe Interview links), die den freien und zeitgleichen Datenzugang gewährleistet. Und die dem Kunden bei seinen Daten das Heft des Handelns und Entscheidungsfreiheiten überlässt. IT-Riesen rütteln am Establishment Interessant: Auf dem Weg zum autonomen Fahren und dem Connected Car in Reinkultur gewinnen ganz neue Player an Bedeutung. Eine Kampfansage ans automobile Establishment. So ergab eine repräsentative Studie von puls Marktforschung kürzlich, dass Google diesbezüglich BMW klar den Rang abgelaufen hat. Der Suchmaschinen-Gigant landete in der Umfrage, für die die Marktforscher online 1.022 Autokäufer befragten, auf Rang zwei beim Zukunftsthema autonomes Fahren. Hinter Mercedes-Benz. Die Schwaben konnten offenbar den Rückenwind der E-Klasse-Einführungskampagne für sich nutzen. Ein weiterer richtiger Quereinsteiger ist Apple auf Rang acht. Auch Herausfor derer Tesla schaffte es locker in die Top-Ten. Die Amerikaner landeten in der Umfrage, die noch vor dem tödlichen Autopilot-Crash stattfand, auf Rang sechs. Patrick Neumann ■ autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2016 3D-Druck BMW erprobt additive Verfahren Vor allem im Prototypenbau vor der Serienproduktion bringt der Einsatz additiver Fertigungsmethoden Autobauern Schnelligkeit und mehr Flexibilität. Das zeigt ein Besuch im BMW-Entwicklungszentrum. er Autobauer BMW verspricht sich von 3D-Druck-Verfahren Kosten- und Zeitvorteile vor allem im Prototypenbau und in der Serienproduktion bei kleineren Stückzahlen. Außerdem seien Anwendungen im After sales vorstellbar, wenn beispielsweise Ersatzteile dezentral nach digitalen Bauplänen vor Ort hergestellt werden können. „Es ist vorstellbar, dass in Schwerpunktniederlassungen oder Hubs eine 3D-Druckanlage steht, von wo aus man die Ersatzteile verteilt. Die Vorteile liegen auf der Hand, man spart Logistikkosten und Zeit“, erklärte Udo Hänle, Bereichsleiter für Produktionsstrategie und technische Integration bei BMW im Rahmen eines Pressetermins im Münchner Entwicklungszentrum. Dort arbeitet BMW mit einem Team von 30 Mitarbeitern an unterschiedlichen Methoden der additiven Fertigung, wie der 3D-Druck im Entwicklerjargon genannt wird. Das Team des Additive Manufacturing Center im Forschungsund Innovationszentrum (FIZ) des Unternehmens bearbeitet jährlich nahezu 25.000 Prototypenaufträge und liefert dabei über 100.000 Bauteile pro Jahr an die BMW-Group-internen Kunden aus. Das Spektrum reicht vom kleinen Kunststoffhalter über Designmuster bis hin zu Fahrwerkskomponenten aus Metall für die Funktionserprobung. Je nach Verfahren und Bauteilgröße stehen Teile schon nach wenigen Tagen zur Verfügung. Im Gegensatz zu klassischen Herstellungsprozessen wie Fräsen, Schleifen oder Drechseln, bei denen Gegenstände vor allem durch das Abtragen von Material geformt werden, entstehen Produkte beim 3D-Druck, indem Material schichtweise aufgetragen wird. Grundlage sind digitale Baupläne der gewünschten Pro- dukte. Bei additiven Verfahren können Gegenstände aus Kunststoff oder Metall auch in kleinen Stückzahlen kosteneffizient und schnell hergestellt werden. Nur bei kleinen Stückzahlen Bei der Produktion großer Stückzahlen sind allerdings die klassischen Herstellungsmethoden deutlich kostengünstiger, da sich hier die Anschaffung entsprechender Werkzeuge für die Fertigung lohnt. Dennoch arbeitet BMW an der Weiterentwicklung additiver Fertigungsverfahren – auch für den Serieneinsatz. Die neuen, flächig arbeitenden Drucktechnologien erlauben deutlich schnellere Produktionszeiten im Vergleich zu herkömmlichen, punktuellen 3D-Druckverfahren. Dabei findet eine Belichtung der kompletten Bearbeitungsfläche durch Beamer oder Infrarot statt. Jüngstes Beispiel sind erste Testeinsätze der HP Multi Jet Fusion Technologie. Das Verfahren des Druckerherstellers HP arbeitet mit Druckköpfen Fotos: BMW und Flüssigkeiten, ähnlich wie bei einem herkömmlichen Tintenstrahldrucker. Zu Beginn des Prozesses wird eine dünne Kunststoffpulverschicht aufgetragen. Als Nächstes spritzt der Druckkopf zwei Lösungen in das Pulverbett. Zeitgleich erfolgt das Aufschmelzen der jeweiligen Materialschicht durch flächige Infrarotstrahlung. Mit einer flächigen Belichtung durch einen Beamer arbeitet die CLIP-Technologie (Continuous Liquid Interface Production). BMW setzte das Verfahren ein, um individualisierte Seitenblinker der „Drive Now“-Carsharing-Flotte zu produzieren. Im Rahmen einer Social- Media- Kampagne stimmten Kunden über die Namen ab. Ähnliche Individualisierungen am Fahrzeug sind nach Ansicht des Herstellers ein weiteres vielversprechendes Anwendungsfeld für additive Fertigungsmethoden. Dietmar Winkler ■ Udo Hänle, Bereichsleiter für Produktionsstrategie und technische Integration bei BMW autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2016 41

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FREIER TEILEMARKT 2016 MARDERABWEHR Verbissener Kampf Produkte zur Marderabwehr sind ein interessantes Zusatzgeschäft für Kfz-Betriebe. Unter der Marke Stop & Go bietet die Norbert Schaub GmbH ein ganzes Sortiment gegen die streitsüchtigen Tiere. utobesitzer und Steinmarder liefern sich seit den 1980er­Jahren einen verbissenen Kampf. Millionen Gummiteile, Dämmmatten, Schläuche und Kabel sind bisher Opfer dieses Konflikts. Die Norbert Schaub GmbH hat den Kampf aufgenommen und kennt die besten Abwehrmethoden. „Zum Start der jährlichen Mardersaison im Frühsommer nehmen die Marderschäden schlagartig wieder zu“, weiß KURZFASSUNG Marderverbiss am Fahrzeug gehört zu den gefürchtetsten Ärgernissen am Fahrzeug. Je nachdem, was der Marder im Motorraum zerbissen hat, sind die Schäden und daraus resultierende Folgeschäden entsprechend teuer. Geeignete Abwehrmaßnahmen, wie sie die Norbert Schaub GmbH unter dem Markennamen Stop & Go anbietet, können für Werkstätten deshalb ein lukratives Zusatzgeschäft sein. FREIER TEILEMARKT 2016 Joerg Schlesinger, Teiledienstleiter und Verantwortlicher für den zentralen Einkauf im Autohaus Westend in München zu berichten. Und nicht nur die Werkstätten merken dies, sondern zunehmend auch die Versicherer − denn die Zahl der Marderschäden nimmt zu. Marderschäden nehmen zu So verzeichneten im Jahr 2007 die deutschen Versicherer noch rund 175.000 Marderschäden, bis 2014 kletterten sie bundesweit auf rund 216.000. Die jährliche Schadensumme stieg im selben Zeitraum von 38 auf 64 Millionen Euro. Der Grund für diesen Anstieg liegt im geänderten Verhalten des Steinmarders. Da sein natürlicher Lebensraum vom Menschen eingeschränkt oder zerstört wurde, bleibt nämlich vielen Tieren nichts anderes übrig, als sich als so genannter „Kulturfolger“ im unmittelbaren Umfeld des Menschen anzusiedeln und seinen Le­ Fotos: Marcel Schoch, Norbert Schaub GmbH Jöerg Schlesinger (Autohaus Westend) hat wirksame Mittel gegen Steinmarder. bensbedingungen anzupassen. „Marderschäden können deshalb am Fahrzeug das ganze Jahr über auftreten“, sagt Joerg Schlesinger. „Im Frühjahr, zur Paarungszeit, ist die Gefahr aber besonders hoch.“ Dann stecken die männlichen Tiere ihre Reviere neu ab. Dabei vereinnahmen Marder auch Fahrzeuge in ihrem Revier, vor allem, wenn diese lange unbenutzt am Straßenrand stehen. Stößt ein Marder im oder auf dem Fahrzeug auf die „Hinterlassenschaften“ eines männlichen Konkurrenten, reagieren sie äußerst aggressiv. Im Beißrausch wird dann alles im vermeintlichen Bau des Rivalen zerbissen und angeknabbert, was zwischen die Zähne passt. Um Rat gefragt, empfehlen viele Werkstattbetreiber ihren Kunden irgendwelche Hausmittel wie Klosteine, Hundehaare oder sogar Hasendraht. „Diese Maßnahmen sind fast wirkungslos“, weiß Joerg Schlesinger aus seiner langjährigen Werkstattpraxis. Auf der Suche nach wirkungsvollen Marderabwehrmaßnahmen stieß Joerg Schlesinger jedoch Anfang 2014 auf die Produkte der Norbert Schaub GmbH aus Neuenburg. Dort ist man seit 30 Jahren auf Marderabwehr­ autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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maßnahmen spezialisiert und bietet unter der Marke „Stop & Go“ alles an, was den Appetit des Marders auf Autoinnereien verleidet. Gründliche Reinigung „Kommt ein Kunde mit einem Marderschaden in die Werkstatt, müssen Fahrzeug und Motorraum von den Duftmarken des Marders gereinigt werden“, erklärt Joerg Schlesinger. „Da eine Hochdruckwäsche der Motor­Elektronik schaden kann, verwenden wir den ‚Stop & Go Duftmarken­Entferner‘, der als Schaum aufgesprüht wird.“ Er wird nach wenigen Minuten Einwirkzeit mit klarem Wasser abgespült. „Anschließend kann die ‚Stop & Go Duftscheibe‘ in den Motorraum gehängt werden“, so der Kfz­Profi. „Sie riecht für den Marder nach gefährlichem Feind und hält mindestens sechs Monate.“ Genauso zuverlässig sei auch das ‚Stop & Go Anti­ Marderspray‘, ein für den Marder übelriechendes Duftkonzentrat, das zur langanhaltenden Wirkung auf einen so genannten Duftspeicher gesprüht wird. „Soll die Wirkung zeitlich unbegrenzt sein, bieten wir verschiedene stoß­ und spritzwassergeschützte Ultraschallgeräte an“, erzählt Joerg Schlesinger. Sie senden einen frequenzmodulierten Ultraschallton aus, um Gewöhnung zu vermeiden. In der erweiterten Variante verfügt es über einen zweiten Lautsprecher, der bei sehr stark verwinkelten Motorräumen eine Schallabdeckung des gesamten Aggregats garantiert. Die Stromversorgung erfolgt dabei über die Autobatterie oder über integrierte Batterien, die je nach Typ zwölf bis 24 Monate halten. Für Marder, die nicht hören wollen, hat Stop & Go Hochspannungsgeräte im Programm. Sie arbeiten auf Impulsbasis und geben einen sehr unangenehmen, aber für das Tier unschädlichen Stromschlag ab. Beste Erfahrungen hat man im Autohaus Westend mit dem Kombigerät „Stop & Go 8 Plus­Minus“ gemacht, das Ultraschall und Hochspannung kombiniert. „Hiervon haben wir letztes Jahr zum Aktionspreis von 305 Euro (inkl. Arbeitszeit) von der Knopfzellen­betriebenen Version 30 Geräte eingebaut. Bis Juni dieses Jahres waren es schon 16.“ Wesentlich für den Verkaufserfolg ist auch die kurze Einbauzeit. „Ein erfahrener Mechaniker benötigt dafür kaum eine Stunde, da alles zur Montage im Motorraum, wie Kabelbinder, Schrauben und optional auch ein spezieller Montagewinkel, mitgeliefert wird. Wirkungsvoll, aber unschädlich Da zudem die Hochspannungsgeräte gesetzeskonform mit einem Schwingungssensorschalter ausgestattet sind, der sie automatisch ausschaltet, sobald der Motor angelassen wird, entfällt auch der Anschluss an Klemme 15. Selbst das Masseschalten der einzelnen Kontaktplatten bei mit Kunststoff verkleideten, lackierten oder schallisolierten Motorräumen fällt weg, da sie wie ein Sandwich aus einer Plus­ und einer Minus­Platte aufgebaut sind. So wird der Stromschlag auch bei geringster Berührung unabhängig vom Fahrzeug­Masseanschluss sicher ausgelöst. „Wichtig ist nur, dass die sechs Kontaktplatten an den richtigen Stellen im Motorraum angebracht werden“, erklärt Joerg Schlesinger. „Diese liegen nicht unterhalb des Motors, sondern oberhalb im Bereich des Zylinderkopfes.“ Dies erklärt sich aus dem Verhalten des Marders, der sich gerne in höhlenartige Räume zurückzieht. Wird er dort gestört, ist der Lerneffekt größer als bei Störungen am „Zugang“ zur Höhle. Auch sind dort die Kontaktplatten im Winter vor Schneematsch und Salz und damit vor Kriechströmen geschützt. Die Platten selbst bestehen aus Edelstahl und können nicht korrodieren. Selbst an Komponenten am Fahrzeug, die sich weder mit Duftspray noch mit den Geräten schützen lassen, wie Verkabelungen an Lambdasonde oder Tank, hat man bei Stop & Go gedacht und bietet Aluschutzschläuche mit thermischer Isolation an. Sogar eine marderbissfeste Autoantenne ist im Programm. Bleibt noch die Frage nach den Preisen. Sie reichen inklusive Mehrwert steuer von zehn Euro für den Duftmarken­Entferner über 49,80 Euro für das Standard­Ultraschallgerät bis zu 185 Euro für das batteriebetriebene Hochspannungsgerät „8 Plus­Minus“ (jeweils zuzüglich Montage). Damit sind die einzelnen Abwehrmaßnahmen allemal günstiger als der durchschnittliche Marderschaden in Deutschland – und der liegt bei rund 300 Euro. Marcel Schoch ■ Foto: Marcel Schoch Mit dem optional lieferbaren Montagewinkel lässt sich das Marderabwehrgerät leicht im Motorraum montieren. autoservicepraxis.de | autohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2016 TEILE – OFFLINE ODER ONLINE? Der Support entscheidet Nach satten Zuwachsraten ist jetzt beim Online-Kfz-Teilehandel eine Saturierung eingetreten. Mit zwölf Prozent Marktanteil stößt der Online-Vertriebskanal damit langsam an seine Grenzen. Reifen und Abgasanlagen werden heute von Autofahrern gerne im Netz gekauft. Die Pneumontage erfolgt meist in der Werkstatt. Abgasanlagen werden oft „Do it yourself“ eingebaut. Foto: Marcel Schoch, Qualität ist Mehrwert, rexbo, Bosch, TMD ange Zeit war das Online-Geschäft mit Kfz-Ersatzteilen vielen Werkstätten ein stetes Ärgernis. Kein Wunder, entgingen gerade freien Betrieben wertvolle Margen, wenn Kunden mit im Internet gekauften Teilen zum Service kamen. Doch jetzt scheint ein Umdenken eingetreten zu sein. Immer mehr Werkstätten decken sich auch KURZFASSUNG Für Onlineshops sind Werkstätten mittlerweile eine bedeutende Kundengruppe. Die Shopbetreiber hoffen deshalb, dass das Hauptwachstum in diesem Segment stattfindet. Um dies zu erreichen, müssten aber die Webshops zuerst beim Support im Bereich schwierig zu verbauender Technikteile nachbessern. bei den Onlineshops mit Ersatzteilen ein. Das hat zumindest eine vom Verein Freier Ersatzteilemarkt (VREI) und der Strategieberatung 2hm & Associates GmbH durchgeführte Untersuchung ergeben. Gemäß dieser ist der Anteil gewerblicher Kunden im Onlinehandel seit 2012 von einem Drittel auf fast die Hälf- FREIER TEILEMARKT 2016 autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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te angestiegen. Viele Onlineshops haben deshalb reagiert und bieten ihren Profikunden mengen- und frequenzabhängige Rabatte an. Das ist ein klares Signal an die Kfz-Branche, denn letztlich verwenden die Onlineshops damit ein Kundenbindungsinstrument, das bisher von den großen Teilezulieferern benutzt wurde. Das spiegelt sich auch im Preis wider. Gemäß der vom VREI e.V. und 2hm durchgeführten zweiten europäischen Studie zum Onlinehandel mit Kfz-Ersatzteilen sind Preisunterschiede zwischen Offline- und Online-Handel von bis zu 21 Prozent für die gleichen Teile keine Seltenheit. Ein Preisvergleich lohnt sich also für Werkstätten, speziell bei Verschleißteilen. Fahrzeugalter spielt eine Rolle Die steigende Beliebtheit von Onlineshops liegt aber nicht nur an den günstigen Preisen. Eine Untersuchung der BBE Automotive GmbH hat ergeben, dass diese auch mit dem zunehmenden Alter der privat genutzten Fahrzeuge zusammenhängt. Klar: Hierdurch steigt auch der Bedarf an Verschleißteilen. Paradoxerweise nahm parallel dazu, so BBE Automotive, die Zahl der Reparatur- und Serviceaufträge in Werkstätten zwischen 2008 und 2014 um 17 Prozent ab. Einzige Erklärung: Hobbyschrauber nehmen die Servicearbeiten und kleineren Reparaturen selbst vor – mit günstigen Teilen aus dem Internet. Dieser Trend bedingt einen harten Wettbewerb der Online-Teilehändler, der sich am Beispiel Reifenhandel verdeutlichen lässt. Gemessen am Jahr 2007 ist hier ein 17-prozentiger Preisverfall bis März 2015 zu erkennen. Und das, obwohl gleichzeitig der größte Suchmaschinen-Anbieter Google bei den Suchklicks „Reifen“ einen signifikanten Anstieg verzeichnet. Angebot und Nachfrage bestimmen hier nicht den Preis – im Gegenteil: Um Anteile im wachsenden Segment zu erwerben oder zu halten, ist und bleibt der günstige Preis das schlagkräftigste Argument. Der Trend, Kfz-Ersatzteile im Netz zu kaufen, spiegelt sich auch an der Nutzer-Zunahme der auf Automobiltechnik spezialisierten Online-Communities wie „WENIGE RETOUREN BEI SCHEIBENWISCHERN“ Interview mit Bonimir A. Dolić, Geschäftsführer der rexbo GmbH in Coesfeld. Der Online-Auto teilehändler beliefert Kunden in mehr als 130 Ländern. Welche Teile und Komponenten werden bevorzugt von Privat-, welche von Werkstattkunden bei rexbo bestellt? B. A. Dolić: Der Privatkunde kauft vermehrt Verschleißteile wie Bremsen und die dazugehörigen Komponenten sowie Scheiben wischer und Filter. Bei Werkstattkunden hingegen sieht das schon anders aus. Diese bestellen komplexere Bauteile wie Lichtmaschinen, Anlasser, Kompressoren und Lenkungsteile. Wie hoch ist die Rückläuferrate bei Privat- und Werkstattkunden? Gibt es Unterschiede? B. A. Dolić: Die Retouren-Quote ist mit der steigenden Qualität der Datenbanken, zum Beispiel TecDoc, gesunken – Fehlbestellungen gibt es aber immer noch. Schlüssel- oder Fahrgestellnummer kann jeder eingeben, aber wenn die Daten dahinter nicht sauber eingepflegt sind, kommt es zu Retouren. Im Vergleich zum Privatmann haben die Werkstattkunden den Vorteil, dass diese besser wissen, ob es ein herstellerspezifisches Teil ist oder nicht. Im Privatbereich gibt es beispielsweise rund um Bremsteile besonders viele Retouren. Das liegt daran, dass die oftmals für ein bestimmtes Herstellersystem gefertigt wurden. Wenige Retouren gibt es hingegen bei Scheibenwischern. Wie kommen die Daten der zu bestellenden Teile ins Netz? B. A. Dolić: Über eine Datenbank wie TecDoc kommen die Daten ins Netz. Ein Hersteller wie Bosch zum Beispiel ist für alle Bosch-Teile verantwortlich und muss die Daten bei TecDoc einpflegen – dies geschieht oftmals noch manuell, so ist die Datenpflege mit einer gewissen Fehlerquote belastet. Bei kleineren Herstellern kann daher die Quote schon mal etwas höher sein. Wie aktuell sind die hinterlegten Teile-Infos? B. A. Dolić: Die Daten werden monatlich gepflegt. Aktuelle Fahrzeuge beziehungsweise deren Teile werden sofort eingepflegt und monatlich an die Händler ausgeliefert. Wie gehen Sie mit der Teilereklamation um? Wer trägt die entstehenden Kosten? B. A. Dolić: Reklamationen können online angefordert werden. Bei eingebauten Teilen muss der Käufer einen Nachweis eines fachgerechten Einbaus erbringen, dann wird das reklamierte Teil zum Testen an den Hersteller geschickt. Bei einem Fehler des Bauteils bekommt der Kunde Ersatz oder Erstattung der Kosten samt Einbaurechnung. Lag kein Fehler vor, wird kein Ersatz geleistet und der Kunde muss sich an seine Werkstatt wenden. Ein Klimakompressor zum Beispiel wird oft falsch eingebaut, weil das Spülen des Neusystems vergessen wird. Wird ein falsches Teil bestellt, muss der Kunde die Versandkosten tragen, wenn es nicht auf unsere Empfehlung geschehen ist. Deswegen raten wir, im Zweifelsfall vorab das Callcenter zu kontaktieren. Bei einem komplexen Teil wie beispielsweise einem Lenkgetriebe liefern wir für eine schnelle Abwicklung ohne Test ein Ersatzteil. Interview: Marcel Schoch rexbo-Website: Teile für fast alle bekannten Automarken autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2016 45

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FREIER TEILEMARKT 2016 Christina Guth, Initiative „Qualität ist Mehrwert“ Bremsenteile und Wischerblätter sind bei Online- Käufern am beliebtesten. motor-talk.de (3,8 Mio. Nutzer), autobild. de (3,4 Mio. Nutzer) oder autople num.de (1,5 Mio. Nutzer) wider. Dort bekommen Online-Privatkunden in der Regel auch das für Servicearbeiten nötige Wissen. Deshalb muss an dieser Stelle gefragt werden, welche Teile hauptsächlich gekauft werden. Am beliebtesten sind mit jeweils 41 Prozent Bremsenteile und Wischerblätter, gefolgt von Filtern (38 Prozent), Batterien und Leuchtkörpern (jeweils 37 Prozent). Bei schwierig zu verbauenden Technikteilen liegt der Anteil laut VREI unter einem Prozent. Oder anders ausgedrückt: Je komplizierter die Teilezuordnung und Montage ist, desto geringer sind auch die Online-Anteile. Keine Fachkenntnis nötig Der Umsatz der Online-Teilehändler findet hauptsächlich in der Kategorie „Easy Products“ statt. Hier hat sich vor allem der Internetriese Amazon etab- liert. Mit einem geschätzten Umsatzvolumen von 80 bis 120 Millionen Euro eine ernste Konkurrenz für große Händler wie A.T.U oder kfzteile24. Trotzdem scheint der Markt groß genug, dass sich rund 50 auf den Endkundenhandel spezialisierte Online-Kfz-Ersatzteile-Shops mit nennenswerter Bedeutung mit einer oder mehreren Online-Plattformen den deutschen Markt teilen können. Was bedeuten aber diese Entwicklungen für den klassischen B2B-Offline-Teilehandel? In erster Linie wohl, dass bei den schwierig zu verbauenden Technikteilen, für deren Montage hochspezialisiertes Fachwissen notwendig ist, sich die klassischen Offline-Händler mit Fachberatung, Service und kurzen Lieferzeiten weiterhin am Markt behaupten beziehungsweise ihre Marktstellung ausbauen können. Dieses Argument bestätigt auch die Initiative „Qualität ist Mehrwert“ (qualitaet-ist-mehrwert.de) mit ihrer diesjährigen Werkstattumfrage zum Thema Online-Bestellung. Ansprechpartner gefragt Das Umfrage-Ergebnis fasst die Pressesprecherin und verantwortliche Initiatorin Christina Guth wie folgt zusammen: „Für die Qualität der Arbeit ist entscheidend, dass sowohl das Produkt als auch der Service zum Produkt stimmen. Wenn eine Werkstatt keinen Ansprechpartner hat, dann nutzt auch der günstigste Preis nichts.“ Ähnlich sehen dies auch VREI und die Strategieberatung 2hm − denn wenn der Werkstattleiter vor zwei Jahrzehnten Probleme mit einem Bauteil hatte, fuhr er zum lokalen Teilehändler und bekam häufig die erhellende Erklärung. Beipackzettel vom Online-Händler können das nicht. Marcel Schoch ■ „Easy Products“: Lampeneinheiten, Leuchtmittel ... FREIER TEILEMARKT 2016 ... und Schmierstoffe gehören zu den Rennern in den Onlineshops. autoservicepraxis.de | auhohaus.de

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