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Mit freundlicher Empfehlung www.autoservicepraxis.de B43 385 D 10,90 EURO 01.2017 SPRINGER AUTOMOTIVE MEDIA TITELTHEMA Digitale Serviceprozesse in der Werkstatt und im Autohaus FERTIGUNG Neues Fügeverfahren beim Porsche Panamera REIFEN Z Tyre erweitert sein Reifenabo TEILEHANDEL Studie: Originalteile sind auf dem Vormarsch TÜV SÜD-AKTUELL Prüfmittelüberwachung: Keine Zeit verlieren 5 Jahre Garantie auf alle Produkte der Power Transmission Group für den Automotive Aftermarket www.contitech.de/5 www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 1

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www.der-neue-crafter.de Sichern Sie sich den International Van of the Year 2017 schon jetzt. 2017 Nur für kurze Zeit mit attraktiver Frühbucherprämie. 2 Der neue Crafter. Die neue Größe. Eine Experten-Jury aus 24 Ländern ist sich einig: Der neue Crafter ist Van of the Year 2017. 1 Bestellen Sie ihn ab sofort und profitieren Sie von seiner attraktiven Frühbucherprämie 2 und der kostenlosen Anschlussgarantie 3 . Weitere Informationen bei Ihrem Volkswagen Nutzfahrzeuge Partner oder unter www.der-neue-crafter.de www.van-of-the-year.com Gültig bis zum 04.03.2017. Für Großkunden steht die Frühbucherprämie in Einzelfällen gegebenenfalls nicht zur Verfügung. Ihr betreuender Volkswagen Nutzfahrzeuge Partner berät Sie hier gern hinsichtlich der Verfügbarkeit. 3 Angebot gültig bei allen teilnehmenden Händlern bis 30.06.2017 beim Kauf eines neuen Crafter. Die Aktion beinhaltet eine um zwei Jahre verlängerte Garantie im Anschluss an die zweijährige Herstellergarantie mit einer maximalen Gesamtlaufleistung von 120.000 km. Über die weiteren Einzelheiten zur Garantie informiert Sie Ihr Volkswagen Nutzfahrzeuge Partner. Bei Aus- und Aufbauten nur gültig für werksseitigen Lieferumfang. Abbildung zeigt Sonderausstattung.

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LEITARTIKEL Zettelwirtschaft bye-bye ie Digitalisierung ist in aller Munde und hält auch in die Werkstatt Einzug. Deutlich wird sich das bei den Serviceprozessen auswirken, die mehr und mehr digitalisiert werden. Die gewohnte und über Jahre immer weiter perfektionierte Zettelwirtschaft und unübersichtliche Listenschreiberei verschwindet – bei manchen Betrieben schrittweise und eher punktuell, andere Betriebe setzen hingegen komplett auf digitale Service prozesse. Doch was bedeutet diese Veränderung für das einzelne Autohaus oder die einzelne Werkstatt? Und welche Unterstützung erhalten beispielsweise Vertragshändler bei der Umsetzung? In der Digitalisierung der Serviceprozesse liegt die Zukunft. Beispiel Hyundai. Seit 2016 installieren die Koreaner in den Händlerbetrieben digitale Serviceprozesse. Denn Hyundai sieht darin die Zukunft. Serviceleiter Karl Hell ist überzeugt, die Prozesse werden schneller und kostengünstiger, wenn Arbeitsschritte wie die Dialogannahme, der Werkstattauftrag, die Werkstatt-Auftragsdisposition, die Endkontrolle und die Fahrzeugübergabe elektronisch unterstützt werden. Und tatsächlich, bei unserem Ortstermin im Autozentrum Ries, Pilotbetrieb für den neuen digitalen Aftersales-Prozess bei Hyundai, berichtet Geschäftsführer Horst-Dieter Ries von Arbeitserleichterungen. Anfangs sei es zwar etwas gewöhnungsbedüftig gewesen auf die alt bekannten Zettel zu verzichten, doch schon bald begeisterten die positiven Aspekte. Unser Best- Practice-Artikel stellt den Umstellungsprozess von analog auf digital im Autozentrum in Hessen vor. Viel Spaß beim Lesen! Valeska Gehrke, Redakteurin www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 3

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INHALT 14 Digitaler Serviceprozess Papierlos von der Terminvereinbarung bis zur Rechnungsstellung 12 In eigener Sache Mit der neuen asp-News-App sind Leser stets up to date. 26 Reparieren statt tauschen Remanufacturing – die kostengünstigere Alternative TITEL 14 Hintergrund Der digitale Serviceprozess – die Instrumente stehen bereit 16 Interview Hyundai-Servicechef Karl Hell zur Digitalisierungsstrategie 18 Best Practice Digitale Serviceprozesse im Autozentrum Ries in Hessen 20 Diagnose Umfrage: Aktuelle Geräte und digitale Trends 24 Reparaturinformationen Effiziente Suche mit der Datenbank Repair-pedia AUTOMOBILTECHNIK 26 Elektronik Defekte Komponenten reparieren statt tauschen 29 Messe Premiere für die Retro Classics Bavaria in Nürnberg 30 Fertigung Porsche Panamera: Neue Maßstäbe in der Fertigung AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 32 Produkte Neues aus den Bereichen Motorenöl, Bremsen & Co. 34 Verschleißteile Online-Portale: Wissen rund ums Ersatzteil WERKSTATTTECHNIK 38 Abgasanalyse Alles sauber: Diesel-Diagnose mit Lehnert Tools 40 Carat Ein Jubiläumstreffen mit Carat-Chef Thomas Vollmar 42 Reifen Z Tyre erweitert sein Reifenabo 46 Produkte Neues aus den Bereichen Werkzeug, Einrichtung & Co. BETRIEBSPRAXIS 50 Interview Jürgen Wolz, COO TÜV SÜD Auto Service GmbH 52 Recht Offene Kundenrechnungen: Factoring kann helfen 54 Teilehandel Studie: Original teile sind auf dem Vormarsch 56 Interview Thomas Aukamm, neuer ZKF-Hauptgeschäftsführer 58 Branchentreffen Carat-Truckdrive Symposium in Kassel RUBRIKEN 03 Leitartikel 06 Nachrichten 37 ASA-News 48 TÜV SÜD-Aktuell 32 Impressum Weitere Inhalte auf autoservicepraxis.de und im asp ePaper § 29 AUTO SERVICE PRAXIS veröffentlicht regelmäßig sämtliche im Verkehrsblatt abgedruckten Mitteilungen des Bundesministers für Verkehr, soweit diese für § 29 StVZO relevant sind. AUTO SERVICE PRAXIS-Abonnenten verfügen damit über die im Sinne der AU-Anerkennungsrichtlinie erforderlichen Informationen und sind somit vom Bezug des ansonsten vorgeschriebenen Verkehrsblattes befreit. 49 Digitalreport 2016/17 Autohäuser haben in Sachen digitaler Vermarktung Nachholbedarf. www.autoservicepraxis.de

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DAS SUPERTOOL für die Praxis rund um Werkstatt und Service asp-Magazin Werkstattinfos, Reportagen und Praxisbeispiele iele für Ihr Geschäft asp-App mobil immer bestens informiert: News, Heftarchiv, ePaper und mehr Digitales Heftarchiv alle Artikel der letzten 9 Jahre ePaper für den digitalen italen asp-Nutzer: digital.autoservicepraxis.de Newsletter alles Wichtige tagesaktuell Rückruf- Datenbank alle Infos auf einem Blick Weiter lesen Extra-Hefte wie „Räder & Reifen“ und „Freier Teilemarkt“ asp informiert Sie praxisnah und tages aktuell über alles, was der Werkstattprofi braucht. www.autoservicepraxis.de ist eine Marke von:

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NACHRICHTEN AUTONOMES FAHREN Anderweitig beschäftigt Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Deloitte sind Komfort und Zeitgewinn die Hauptmotivation für autonomes Fahren. Die Untersuchung „Autonomes Fahren in Deutschland – wie Kunden überzeugt werden“ förderte zutage, dass potenzielle Käufer selbstfahrender Fahrzeuge die gewonnene Zeit durch kommunizieren und arbeiten nutzen möchten. Befragt wurden rund 2.100 meistgeklickte Artikel im Dezember 1. Autozulieferer: Schaeffler kauft Elektromotoren-Hersteller 2. Autoteilegroßhandel: Hess übernimmt Schwenker 3. Werkstatttest: Schlechte Noten für Porsche-Zentren 4. Daimler: CLA Shooting-Brake und S-Klasse 5. Studie: Originalteile gewinnen an Boden Meldung verpasst? Mit dem kostenlosen Newsletter von asp wäre das nicht passiert. Abo unter www.autoservicepraxis.de/newsletter. Frage der Woche (2. bis 8. Januar) Das Deutsche Kfz-Gewerbe geht zuversichtlich ins neue Jahr. Gilt das auch für Sie? ■ Ja, wir erwarten eine Umsatzsteigerung im Servicegeschäft. (24%) ■ 2016 war ein gutes Jahr. Wir sind froh, wenn wir das Niveau halten können. (36%) ■ Der Aftersales-Bereich gerät immer weiter unter Druck. Wir kalkulieren hier weniger Umsatz ein. (31%) ■ Kann ich noch nicht sagen. (9%) AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 E-COMMERCE Gebündeltes Angebot Beim Zusammenschluss der vier Großhändler der Reiff-Gruppe präsentierte das Unternehmen tyre1 im Januar seinen neuen Onlineshop. Bisher können Kunden über die einzelnen Großhandelsshops der Handelsmarken R.TEC, Hanse Trading, Reifen und Räder und Reifen Krupp bestellen. Doch damit ist ab Januar 2017 Schluss: Der tyre1-Onlineshop löst die bisherigen Shops ab und bündelt das Angebot für die Kunden, hieß es in einer Mitteilung. Die tyre1 GmbH & Co. KG ist WEITERBILDUNG Über 12.000 Teilnehmer Die Trainingsprogramme von ZF Aftermarket bieten Partnern und Kfz-Werkstätten praxisorientierte Schulungsinhalte Die technischen Schulungen des zu ZF Friedrichshafen gehörenden Ersatzteilspezialisten verzeichneten im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 12.000 Teilnehmer. Das Qualifizierungsprogramm umfasst auch die Themen von morgen: So gibt es im Bereich Elektromobilität u.a. Zertifizierungen in verschiedenen Stufen, von elektrotechnisch unterwiesener Person (EuP) bis hin zur zehntägigen Spezialistenschulung. ZF Aftermarket hält bereits seit sechs Jahren modulare Schulungsprogramme zu Hochspannungsanlagen, hieß es in einer Meldung. Die Foto: Delphi Autofahrer – folgende Kernaussage kristallisiert sich zudem heraus: Kunden wollen von der neuen Technologie überzeugt werden – das gelingt am besten durch persönliche Erfahrung: Durch ausgedehnte Testfahrtangebote oder in Car Sharing-Flotten sollten die Kunden möglichst „niedrigschwellige“ Möglichkeiten bekommen, die neue Technologie selbst zu erleben, so die Empfehlung. msh ■ eigenen Angaben zufolge einer der größten Reifengroßhändler in Europa. Mit den sechs Standorten in Deutschland (Reutlingen, Schifferstadt, Karlsbad, Fürstenwalde, Bautzen und Chemnitz) und zwei Auslandsgesellschaften (Pneus Krupp France und R.TEC-Hanse Polska) verfügt das Unternehmen über eine Lagerfläche von rund 80.000 Quadratmetern. 250 Mitarbeiter beschäftigt das zur Reiff-Gruppe gehörende Unternehmen im Geschäftsfeld Reifengroßhandel. msh ■ Schweinfurter wollen 2017 auch die umfassenden Schulungsinhalte des ZF Services proTech-Werkstattkonzepts um die TRW-Produkte erweitern. msh ■ www.autoservicepraxis.de Foto: ZF Aftermarket

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AUTOPROMOTEC Bologna baut aus Auf der vom 24. bis 28. Mai 2017 stattfindenden Autopromotec wird es noch lebhafter zugehen als in den Vorjahren. Da Foto: Autopromotec sind sich die Veranstalter sicher: Als Beleg nehmen die Italiener den guten Vorbuchungsstand – den Angaben zufolge sind die meisten Flächen bereits ausgebucht: Auf der Messe in Bologna wird es wie gewohnt Werkstattausrüstungen und Produkte sowie Dienstleistungen für den Automobil-Aftermarkt zu betrachten geben. Da die Ausstellernachfrage zur letzten Messe um 19 Prozent zugenommen hat, wurde die Ausstellung vergrößert. Besonders im Reifensektor konnte ein Anstieg verzeichnet werden – die vorgesehene Ausstellungsfläche wurde daraufhin verdoppelt. msh ■ GOOGLE Kooperationen im Fokus Die Google-Mutter Alphabet bringt die Entwicklung von Technik für selbstfahrende Autos in eine eigenständige Tochterfirma unter ihrem Konzerndach. Sie werde Waymo heißen, gab ihr künftiger Chef Jon Krafcik bekannt. Schon zuvor wiederholten Google-Manager stets, man wolle nicht selbst zum Autobauer werden, sondern strebe Deals mit etablierten Herstellern an. Seit Start der Forschung im Jahr 2009 seien den Angaben zufolge über 3,2 Millionen Kilometer zurückgelegt worden. Zunächst waren es Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus, inzwischen entwickelt Google auch eigene Autos. Dennoch würde die Produktion eines eigenen selbstfahrenden Autos vorerst nicht verfolgt. msh/dpa ■ UMFRAGE Vertrauensbonus für US-Hersteller Die deutschen Autohersteller müssen sich weiter anstrengen, wenn sie beim autonomen Fahren ihren Platz in der internationalen Spitzengruppe halten wollen. Aktuell sagen 28 Prozent der Deutschen, dass Hersteller aus den USA eine führende Rolle rund um die Entwicklung selbstfahrender Autos haben. Dahinter folgen deutsche Anbieter (19 Prozent), Unternehmen aus China und Japan (je zehn Prozent) sowie Südkorea (acht Prozent). Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 1.006 Bundesbürgern ab 18 Jahren. Die größte Kompetenz beim autonomen Fahren wird aktuell gleichermaßen neuen Automobilherstellern wie Tesla und klassischen Automobilherstellern wie BMW, Daimler oder Toyota zugesprochen. msh ■ Foto: Ford Das Portal Autoreifenonline.de will das Nutzererlebnis verbessern sowie Service und Sortiment im B2B-Bereich ausbauen. Dessen Anbieter Delticom betreibt zahlreiche Reifen- und Autoservice-Onlineshops. Neben Autoreifenonline.de gehören ReifenDirekt und Tirendo zum Angebot der Hannoveraner. „Mit den im Frühjahr vorgestellten Delticom B2B Services wollen wir vor allem unabhängigen Werkstätten und Händlern ermöglichen, am wachsenden Anteil des Online-Handels teilzuhaben und ihr Geschäft zu erweitern“, sagte Andreas Faulstich, Leiter B2B bei Delticom. Freie Betriebe müssen auch beim Thema RDKS flexibel sein. Eine gute Lösung ist daher die Bevorratung mit Universalsensoren, empfiehlt der Anbieter Schrader International: „So werden die Logistik vereinfacht, Fehlkäufe ausgeschlossen und Lagerkosten gespart“, erläutert Markus Schmid, Head of Marketing und Global Aftermarket. Dennoch gebe es je nach Sensortyp und Herstellermarke auch bei den Universalmodellen große Unterschiede sowie entsprechende Vor- und Nachteile. Gängig seien frei programmierbare Universalsensoren sowie nicht programmierbare Multiprotokollsensoren und konfigurierbare Sensoren. Die PV Automotive GmbH hat ein neues Verkaufshaus in Bonn errichtet. Die Fertigstellung dauerte nur 7 Monate. Auf dem rund 6.000 qm großen Grundstück entstand ein Gebäude mit einer Lagerfläche von 1.500 Quadratmetern. Die Baukosten betrugen 3 Millionen Euro. Mit den Investitionen in das neue Verkaufshaus ergeben sich für Kunden, Lieferanten und den Kfz- Teilehändler zahlreiche Vorteile: Ein deutlich vergrößertes und sofort verfügbares Warensortiment, über das zukünftig mehr als 40.000 Artikel bereitgehalten werden können. Das Essener Handelshaus gehört zu Stahlgruber und ist mit einer Mitarbeiterzahl von rund 1.700 an 84 Standorten in Deutschland präsent. Der Anbieter von Schließsystemen Kiekert AG hat das Vertriebsteam um Guglielmo Guastella erweitert. Als Executive Vice President Sales wird er den globalen Vertrieb des Automobilzulieferers leiten. Er berichtet an den Vorstandsvorsitzenden Karl Krause. Der studierte Diplom-Kaufmann verfügt über langjährige Berufserfahrung im Vertrieb. Vor seinem Wechsel war Guglielmo Guastella Vertriebsmitarbeiter u.a. bei Rheinmetall Automotive (KSPG). www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 7

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NACHRICHTEN DIESELSKANDAL Mehr „AdBlue“-Verbrauch nach Umrüstung Einige Modelle des VW-Konzerns werden nach der Umrüstung im Zuge des Dieselskandals mehr Zusatzstoffe zur besseren Abgasreinigung verbrauchen. Bei Hunderttausenden 2,0-Liter-Dieseln mit sogenanntem SCR-Katalysator könne der Verbrauch der Harnstofflösung „AdBlue“ nach dem Software-Update in der Werkstatt steigen, sagte ein Volkswagen-Sprecher. Zuvor hatte das Internetportal Motor-talk.de darüber berichtet. Betroffen sind in Deutschland rund 145.000 Autos vorwiegend der Modelle Audi Q5 und Seat Alhambra sowie VW Passat und VW Sharan. Volkswagen will den Besitzern der Autos jeweils Gutscheine für fünf neue Füllungen des „AdBlue“-Tanks spendieren. „AdBlue“ wird in den betreffenden Modellen im Abgasstrang zugegeben und reagiert unter bestimmten Bedingungen mit den gesundheitsgefährdenden Stickoxiden (NOx) – so soll der Ausstoß verringert werden. Für typgenehmigungsrelevante Fahrzeugwerte wie den Spritverbrauch und die CO 2 -Emissionen hat VW versichert, dass durch die Software-Umrüstung keine Verschlechterung entsteht. „Eine ‚AdBlue‘-Verbrauchsabweichung hat keinerlei negative Auswirkungen auf andere typgenehmigungsrelevante Fahrzeug-Eigenschaften wie den Kraftstoffverbrauch, die Motorleistung oder die Abgasund Geräusch-Emissionen“, sagte ein Sprecher. Auf die gesamte Lebenszeit bezogen seien nach der Umrüstung in der Werkstatt nur einzelne wenige zusätzliche „AdBlue“-Füllungen notwendig. Es handelt sich um einen genormten Zusatzstoff, der an Tankstellen und in Werkstätten verkauft wird. Laut „Autobild“ sprechen die Autohersteller beim „AdBlue“- Verbrauch von rund zwei Prozent des Dieselverbrauchs. dpa ■ Foto: Total ELEKTROMOBILITÄT Skepsis immer noch groß Eine deutliche Mehrheit der Autofahrer sieht Elektroautos als Transportmittel der Zukunft – zugleich aber gibt es aus Sicht der weitaus meisten möglichen Kunden AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Foto: Schachtner noch große Hürden. Dies sind der hohe Preis der Fahrzeuge und die geringe Akku- Reichweite. Das geht aus einer Untersuchung von „Yougov“ auf Basis von repräsentativen Umfragen hervor. Demnach sagten 64 Prozent der Autofahrer, Elektroautos seien das Transportmittel der Zukunft. Zu den größten Hürden zählen der Preis (89 Prozent) und die geringe Akku- Reichweite (88 Prozent). Die Reichweite sollte mindestens zwischen 301 und 500 Kilometern liegen, hieß es. Bemängelt wurden zudem die Ladeinfrastruktur (85 Prozent) und eine lange Ladedauer (76 Prozent). Elektroautos spielen auch auf der Automesse in Detroit (noch bis 22. Januar) eine wichtige Rolle. In Deutschland sind die Fahrzeuge aber nach wie vor Ladenhüter. Auch das Interesse an der Kaufprämie für Elektroautos ist gering. Bis zum 1. Januar 2017 – ein halbes Jahr nach der Einführung – wurden insgesamt lediglich 9.023 Anträge auf eine Prämie gestellt, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Anfang Januar in Eschborn mitgeteilt hatte. dpa/msh ■ www.autoservicepraxis.de

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INFRASTRUKTUR Spezielle Landmarkenschilder Foto: BMVI Neue Technik auf dem von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt initiierten Digitalen Testfeld Autobahn (DTA): Die Teststrecke auf der A9 in Bayern wird jetzt mit speziellen Landmarkenschildern für das automatisierte und vernetzte Fahren ausgestattet. Mit diesen neuen Schildern können autonome Autos ihren exakten Standort selbständig bestimmen. Laut Dobrindt müssen automatisierte und vernetzte Fahrzeuge hochpräzise über die Fahrbahn steuern. Dafür müssen sie zu jeder Zeit punktgenau ihren Standort kennen. Die speziellen Landmarkenschilder auf dem Digitalen Testfeld Autobahn sind dafür ein wichtiger Fixpunkt. Zusammen mit modernster Sensorik und einer zentimetergenauen digitalen Karte sind die neuen Schilder ein weiterer Baustein auf dem Weg zur ersten volldigitalisierten und vollvernetzten Straße. Die neuen Landmarkenschilder werden von der Autobahndirektion Südbayern rund um das Autobahndreieck Holledau auf der A9 und der A93 errichtet – im Abstand von etwa 2,5 Kilometern. Sie haben keine Ähnlichkeit mit StVO-Verkehrszeichen und für den menschlichen Fahrer keine Bedeutung. Bundesminister Dobrindt hat das Digitale Testfeld Autobahn im September 2015 auf der A9 in Bayern eingerichtet – als technologieoffenes Angebot für Industrie und Forschung. Innovative Unternehmen und Forschungseinrichtungen können dort moderne und zukunftsweisende Systeme und Technologien im Realverkehr erproben, zum Beispiel Sensoren, Messeinrichtungen, die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander oder mit der Infrastruktur. msh ■ KFZ-GEWERBE Neue Bedingungen veröffentlicht Wie das ZDK am 12. Dezember mitteilte, ändern sich die Bedingungen für Autohäuser und Werkstätten. Die Änderungen betreffen unter anderem die Ausführung von Arbeiten an Kraftfahrzeugen, Anhängern, Aggregaten und deren Teilen und für Kostenvoranschläge. Auch die Teileverkaufsbedingungen sind betroffen. Ebenfalls wurden die Neuwagenverkaufsbedingungen einer Änderung beziehungsweise Ergänzung unterzogen. Gleiches gilt für die Verkaufsbedingungen bei den gebrauchten Fahrzeugen. Beispielhaft wurden Regelungen zur außergerichtlichen Streitbeilegung umfangreich ergänzt. Im Verkaufsbereich sind unter anderem die Bedingungen beim Zahlungsvorgang betroffen. Die Bedingungstexte stehen Interessierten im Springer-Buchshop unter www.springer-automotive-shop.de zur Verfügung. msh ■ MESSE FRANKFURT Digitale Welten aus Komponenten Der Kalender „Events driving Mobility“ 2017, den die Messe Frankfurt in limitierter Auflage herausgibt, entstand in Zusammenarbeit mit dem Fotografen und Künstler Rafael Neff. Er erschuf aus zahlreichen Technologie-Komponenten namhafter Hersteller phantastische sowie phantasievolle Welten. Bei den aus über 9.000 Einzelaufnahmen zusammengefügten Bildwelten verbinden sich die unterschiedlichsten Einzelelemente zu Kompositionen. Entstanden sind Mega-Cities aus Getriebeteilen, Ventilen, Kolben, Zylinder- und Pendelrollenlagern, Filtern und Nockenwellen. Geriffelte Oberflächen eines Scheinwerferglases wandeln sich zum Planeten, Auto-Glanzwatte zu Wolkenformationen. Der Kalender veranschaulicht laut Messe das breite Themenspektrum der Veranstaltungen innerhalb des Geschäftsfelds Mobility & Logistics. So wurden zwei neue Messekonzepte entwickelt. Die Scalex, eine Fachmesse für Supply Chain und Logistik, debütierte in Kenia im März 2016 erfolgreich und wird 2017 zusätzlich auch in Südafrika stattfinden. Mit der Hypermotion, einer Fachmesse mit begleitender Konferenzserie zu intelligenten Systemen und Lösungen für Verkehr, Logistik und digitale Infrastruktur, schließt die Messe Frankfurt eine Lücke im nationalen und internationalen Messemarkt der Verkehrsmessen. Die erste Hypermotion findet vom 20. bis 22.11.2017 in Frankfurt statt. tm ■ Foto: Rafael Neff www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 9

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NACHRICHTEN GESCHÄFTSENTWICKLUNG Autohandel mit Zuversicht Die deutschen Autohändler zeigen sich nicht nur mit 2016 zufrieden, sondern blicken auch optimistisch in die Zukunft. Laut einer Umfrage von Mobile.de unter 382 Händlern rechnet knapp ein Drittel (31,9 Prozent) mit anhaltendem Geschäftserfolg. 32,2 Prozent der Befragten erwarten steigende Umsätze. Das sind 5,8 Prozent mehr optimistische Prognosen als im Vorjahr. Nur 9,4 Prozent erwarten eine negative Entwicklung. 2015 waren es noch 18 Prozent. Etwa ein Viertel (26,4 Prozent) legt sich noch nicht fest. „Wir sind zuversichtlich, dass 2017 ein starkes Jahr für den Autohandel wird und werden hart daran arbeiten, noch mehr Nachfrage für unsere Kunden zu generieren“, sagte Torsten Wesche, Leiter Händlervertrieb bei Mobile.de. Vor allem der clevere Zukauf werde immer entscheidender. Fast alle Befragten (87,4 Prozent) bestätigen dies. Fast ebenso viele (86,5 Prozent) glauben, dass die Bedeutung des Zukaufs in diesem Jahr sogar noch zunehmen wird. Nur jeder Zehnte (10,2 Prozent) hält das Thema für weniger wichtig, 2,4 Prozent messen ihm keine Bedeutung zu. Bereits im vergangenen Jahr sorgte die Optimierung des Zukaufs für bessere Ergebnisse. 44,5 Prozent sind mit dem Geschäftsverlauf in 2016 zufrieden, mehr als jeder Zehnte Händler (10,5 Prozent) sogar sehr. Das sind knapp 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. 37,7 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie 2016 mehr Fahrzeuge absetzen konnten als 2015. Fast ein Drittel (30,7 Prozent) verbesserte den Kundenservice Foto: Schachtner und damit ihre Wettbewerbssituation. Auch die Reduzierung des Fahrzeugbestands (23,7 Prozent) und die Steigerung der Werkstattauslastung (23,4 Prozent) standen auf der Agenda. „Statt weniger Fahrzeuge anzubieten, setzt der Handel nun eher auf cleveren Zukauf und starke Serviceleistungen – online wie offline – und trifft damit den Nerv der Konsumenten“, so Wesche. se ■ AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Marke Modell Produktionszeitraum BMW 1er Januar 2007 bis Oktober 2013 Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug erkennbar an Servicemaßnahme: Das für eine vollständige keine Angabe keine Angabe keine Angabe Bremskraftunterstützung erforderliche Unterdruckniveau im Bremssystem kann möglicherweise über die Fahrzeuglebensdauer nicht bereitgestellt werden. Fahrzeug lässt sich nur mit erhöhter Pedalkraft verzögern. Einbau einer „On- Board-Diagnose Bremsunterdruck“. 2er siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 3er siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 5er siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 5er GT Dezember 2011 bis Juni 2012 Wegen eines Programmierfehlers des Airbag-Sensors beim Lieferanten würden bei einem Frontoder Heckcrash in Längsrichtung falsche Daten an den Airbag übermittelt. Es besteht das Risiko, dass der Fahrer- und Beifahrerairbag sowie Gurtstraffer nicht auslösen. Austausch einer Variante des Airbag-Sensors. keine Angabe keine Angabe Eine durchgeführte Reparatur wird in den Datenbanken hinterlegt. 7er siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Fiat Doblo Cargo Juli 2016 Mögliche Nichtkonformität des Materials der Pleuels der Vorderradaufhängung. Ungeeignete Pleuels werden ausgetauscht. Iveco Daily 2015 bis 2016 Ösenverbindung des sekundären Seils der Feststellbremse kann brechen. Feststellbremse hätte dann keine Funktion. Austausch des Seils der Feststellbremse. 4 keine Angabe keine Angabe 3.764 5T6 (mechanische Getriebe) und 5T7 (Automatik-Getriebe) keine Angabe AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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Mercedes-Benz AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Marke Modell Produktionszeitraum C63 AMG Coupé Edition 1 (BR 205) Dezember 2015 bis Juni 2016 Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug erkennbar an Mittlere Lippe des Frontspoilers kann sich während der Fahrt lösen und in den Verkehrsraum fallen. Fixierung der Frontspoilerlippe und ggf. Nacharbeitung. keine Angabe keine Angabe keine Angabe GLA (BR 156) November 2015 Mögliche fehlerhafte Entfaltung des Fond-Sidebacks auf der linken Seite durch ggf. beschädigte Gehäuse des Airbags. Austausch des linken Fond- Sidebacks. C-Klasse (BR 205) Februar bis Mai 2016 Möglicherweise beschädigte ESP- Hydraulikeinheiten/-Steuergeräte. ESP-Funktion könnte bis zur Abschaltung reduziert werden. Austausch der Verbund ESP-Hydraulikeinheit/ -Steuergerät. keine Angabe keine Angabe keine Angabe keine Angabe keine Angabe keine Angabe GLC (BR 253) siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Nissan Primastar (X83) 22.09.2012 bis 14.12.2013 Durch einen Fehler im Gießprozess können Risse im Lenkrad entstehen. Bei großen Kräften kann Lenkrad brechen und sich schlimmstenfalls von der Lenksäule lösen. Lenkrad muss überprüft und ggf. ausgetauscht werden. 67 keine Angabe keine Angabe Renault Megane IV Produktionsbeginn 04.02.2016 Trafic III Espace 5 mit Motor R9M Gen 2, Kennzahl 452 Produktionsbeginn 18.06.2015 03.12.2014 bis 15.07.2015 Kontakt zwischen Bremsschlauch mit der vorderen Felge und des Reifens möglich. Beschädigung der Bremsschläuche und somit Beeinträchtigung der Wirksamkeit des Bremssystems möglich. Sichtprüfung der Bremsschläuche vorne links und rechts, falls erforderlich sind diese auszutauschen. Eine nicht konforme Dicke der EGR-Hochdruckleitung kann zur Rissbildung und zu Undichtigkeiten im Abgasrückführsystem führen. Austausch der EGR-Hochdruckleitung. 337 0C90 Eine durchgeführte Reparatur wird im internen Renault-Händlernetz (ICM-System) dokumentiert. 2.671 0CAC Dokumentation im internen Renault-Händlernetz (ICM-System). siehe oben 1.149 0CBV siehe oben Rolls-Royce Ghost 2009 bis 2012 Wegen eines Programmierfehlers des Airbag-Sensors beim Lieferanten würden bei einem Frontoder Heckcrash in Längsrichtung falsche Daten an den Airbag übermittelt. Risiko besteht, dass Fahrer- und Beifahrerairbag sowie Gurtstraffer nicht auslösen. Austausch einer Variante des Airbag- Sensors. Skoda Citigo Januar bis März 2016 Mangelhafte Verklebung der Frontblende des Panoramadachs. Laut KBA könne sich diese lösen und in den Verkehrsraum fallen. Ersatz der Frontblende. Subaru Ribeca 2006 bis 2014 Wegen korrosionsbedingter Schwergängigkeit des Schließmechanismus und des Sicherungshakens wird Motorhaube unter Umständen nicht korrekt verriegelt und könnte sich während der Fahrt öffnen. Austausch der Motorhaubenverriegelung. Suzuki Jimny Dezember 2013 bis Juli 2014 Yamaha XSR700 Bauzeitraum 2015 und 2016 Möglicher Unterdruck im Bremskraftverstärker, der nicht gehalten werden kann. Eine Betätigung des Bremspedals wird dann durch fehlende Unterstützung des Bremskraftverstärkers erschwert. Austausch des Bremskraftverstärkers. Zündschluss-Kabelbaum kann aufscheuern und zum Kurzschluss führen, Motorrad kann während der Fahrt ausgehen und nicht mehr fahrbereit sein. Einbau eines neuen Zündschloss-Kabelbaumes mit geänderter Kabelführung. keine Angabe keine Angabe keine Angabe 6 60C6 Eine durchgeführte Reparaturmaßnahme ist anhand eines Aufklebers an der Reserveradmulde bzw. im Serviceplan sowie in ElsaPro erkennbar. 904 201613/201614 keine Angabe 2.399 JPVW keine Angabe 1.102 keine Angabe keine Angabe www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 11

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NACHRICHTEN NEUE NEWS-APP AM START asp macht mobil Moderner Look, topaktuelle Brancheninformationen und große Funktionalität – die neue asp AUTO SERVICE PRAXIS News-App für iOS- und Android-Geräte gibt es ab sofort kostenlos im Shop. ie digitale Revolution lässt keinen Stein auf dem anderen. In der Welt der Bits und Bytes müssen nahezu alle Branchen ihre traditionellen Denkmuster aufgeben und neue Vertriebsmodelle entwickeln, um ihr Geschäft weiter erfolgreich zu gestalten. Die Automobilwirtschaft kann davon gerade ein Lied singen. Doch noch viel schneller hat es die Verlagsbranche getroffen. Das Smartphone als Lesegerät, Suchmaschinen als News-Verteiler und Content- Aggregatoren, Autoren als Selfpublisher Lesen Sie, was Sie am meisten interessiert – dank themenspezifischer Push-Benachrichtigungen. – die veränderte Mediennutzung und die neuen Konkurrenten bringen viele Verlagshäuser weltweit ins Wanken, manche davon sind bereits Geschichte. Wie schaffen Zeitungen und Magazine den Sprung in das digitale Zeitalter? asp AUTO SERVICE PRAXIS setzt auf eine schnelle Anpassung an die neuen Bedürfnisse von Lesern und Kunden. Das Credo: vielversprechende technische Entwicklungen zügig aufgreifen und umsetzen. Das gelang mit www.autoservicepraxis.de ebenso wie mit der nagelneuen News- App heute. Als Anfang dieses Jahrzehnts das Surfen auf Smartphones und Tablets populär wurde, startete auch asp AUTO SERVICE PRAXIS im mobilen Internet durch – als einer der ersten deutschen KURZFASSUNG Mit der innovativen und modernen News- App liefert asp seinen Nutzern topaktuelle Brancheninformationen auf die Endgeräte der Kfz-Werkstätten – schnell, bequem und kostenlos. Ab sofort steht in den App- Stores von Apple und Google die Version 1.0 zur Verfügung. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Foto: asp www.autoservicepraxis.de

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Links: Rubriken in der Übersicht Mitte: Alle Artikel immer dabei Rechts: Aktuelle Rückrufe im Blick Fachinformationsanbieter für die Werkstattbranche. Mit der innovativen und modernen News-App liefert asp seinen Nutzern topaktuelle Brancheninformationen auf die Endgeräte der Kfz-Werkstätten – schnell, bequem und praxisnah. Der Download und die Nutzung der App sind gratis. Aufgrund des sich verändernden Nutzerverhaltens und der zunehmenden Digitalisierung in den Werkstätten werden viele Nutzer das neue Medium bald nicht mehr missen wollen. Ab sofort steht in den App- Stores von Apple und Google die Version 1.0 zur Verfügung. Bei der Programmierung arbeitete asp eng mit den Digitalexperten der Agentur Nebelhorn aus Hannover zusammen. Die News-App orientiert sich an dem bereits etablierten und erfolgreichen Konzept der Schwesterzeitschrift AUTOHAUS, inzwischen wurden wichtige Bereiche aber entscheidend weiterentwickelt. Das fängt bereits mit dem Einstieg an: Der Nachrichten-Stream auf der Startseite wurde im Vergleich zur Ursprungsversion deutlich verlängert, durch Scrollen mit dem Finger nach unten können die User nun nahezu beliebig viele Meldungen laden. Dank großer, hochauflösender Bilder lassen sich Inhalte auch schneller erfassen. Mehr Lesevergnügen Herzstück der asp AUTO SERVICE PRAXIS News-App sind Branchenmeldungen, Rückrufe, technische Innovationen und Hintergrundberichte, die die Online- Redaktion von Montag bis Freitag Teilen Sie Artikel über Facebook, Twitter und WhatsApp oder verschicken Sie diese einfach per E-Mail. recherchiert und kostenlos bereitstellt. Dazu kommen spannende Analysen und Einblicke in die Kfz-Branche. Aktuelle Test berichte zu Automodellen, rechtliche Aspekte und Urteile, Oldtimer und Klassik-Beiträge, Neuigkeiten unseres Partners TÜV SÜD sowie Bilderserien und Videos passend zum jeweiligen Beitrag runden das Angebot ab. Ein weiteres Feature der App ist die Anbindung an autojob.de, dem großen Online-Portal für Stellen und Ausbildungsplätze in der Kfz-Branche. Absolut neu ist die Möglichkeit, sich Meldungen per Push-Benachrichtigung auf den Startbildschirm oder in die Benachrichtigungsleiste des Smartphones schicken zu lassen. Die Funktion ist je nach Interessenslage einstellbar und umfasst neun mögliche Favoriten-Kategorien – die aber auch komplett deaktiviert werden können. Wer anderweitig beschäftigt ist oder wen der Blick auf den Bildschirm zu sehr anstrengt, kann sich die News auch vorlesen lassen. Alle Highlights im Überblick ■ Lesen Sie, was Sie interessiert – dank themenspezifischer Push-Benachrichtigungen. ■ Lassen Sie sich Meldungen einfach und bequem vorlesen. ■ Swipen Sie durch Bildergalerien oder schauen Sie Autovideos. ■ Speichern Sie Ihre Favoriten auch für unterwegs ohne Internetverbindung. ■ Teilen Sie Artikel über Facebook, Twitter und WhatsApp oder verschicken Sie diese per E-Mail. Ralf Padrtka ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 13

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TITEL Die digital geführte Dialogannahme ist nur ein Baustein. Foto: g-stockstudio/Getty Images/iStock DIGITALE SERVICEPROZESSE Mehr als nur eine Annahme Terminvereinbarung online, digitale Fahrzeugannahme mit Tablet und komplette Integration der mobilen Anwendung mit dem Produktionssystem im Betrieb. Der digitale Serviceprozess lebt von Vernetzung. KURZFASSUNG Integrierte Lösung heißt das Zauberwort – wenn die Digitalisierung in der Werkstatt eine echte Arbeitserleichterung bringen soll, müssen die Teilsysteme miteinander kommunizieren können – sonst bleibt das Tablet in der Ecke liegen. enn von Digitalisierung im Service die Rede ist, fällt unweigerlich das Stichwort digitale Dialogannahme. In vielen Werkstätten ist die interaktive Fahrzeugannahme mit einer Checkliste auf dem Tablet tatsächlich der erste Schritt. Digitalisierung auf die Annahme zu beschränken wäre jedoch zu großen Autohausgruppe mit 16 Standorten der gesamte Prozess zur Rücknahme von Leasingrückläufern ohne Medienbrüche digitalisiert. Die Konkurrenz sieht es ähnlich: „Unser APi R 1000 ist kein reines digitales Dialogannahmesystem, die Funktionalitäten gehen weit darüber hinaus“, betont Markus Hoffmann, Geschäftsbereichsleiter Software bei APi International. Der Leipziger Software-Anbieter war einer der ersten am Markt. „Das System ist sehr flexibel, der Kunde kann selbst entscheiden, welche Module er nutzt“, erklärt Hoffmann. „Wir können alle Prozesse des automobilen Aftermarktes abbilden.“ Die individuell konfigurierbaren Checklisten zur Fahrzeugannahme sind nur ein Teil des Spektkurz gesprungen, das bestätigen fast alle Anbieter von mobilen Dialogannahmesystemen. Der „Check Advisor“, den die Softwareschmiede ApplicoData zusammen mit dem DMS-Anbieter Betzemeier Automotive auf den Markt gebracht hat, versteht sich jedenfalls längst nicht mehr nur als Instrument zur Erstellung bzw. Bearbeitung von Prüflisten, sondern als modernes Tool zur Abwicklung, Verschlankung und Abbildung von ganzheitlich digitalen Prozessen. Dabei handelt es sich um eine Cloudlösung, die plattformunabhängig auf allen mobilen Endgeräten browserbasiert läuft. Wichtigste Neuerung: Mit dem System kann nun ein kompletter Workflow abgebildet werden. So wurde jüngst bei einer AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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rums: das System bietet zudem Hilfe bei der Bewertung von Unfallschäden, bei der UVV-Prüfung gewerblich genutzter Fahrzeuge, der Gebrauchtwagenbewertung sowie bei der Inspektion oder saisonalen Checks. Im Rahmen der Automechanika 2016 hat Werbas ein webbasiertes Nachfolgersystem für seine alte mobile Tablet-Lösung in der Werkstatt vorgestellt. „Werbas blue“ ist eine neue, erstmals komplett webbasierte Werkstattlösung, die auf allen Endgeräten läuft. Das System ist betriebssystemunabhängig und läuft mit jedem Browser. Blue ist bewusst nicht als Cloudlösung konzipiert. Die Daten des Anwenders liegen weiterhin auf dessen eigenen Server: „Wir haben uns zunächst für diese Lösung entschieden, da es innerhalb der Branche immer wieder Vorbehalte gegen die Platzierung von Kundendaten in der Cloud gibt“, erklärt Joachim Herwig, Leiter Entwicklungstechnologie der Werbas AG. Skepsis gegen Cloudlösung Im Prinzip wird mit dem webbasierten Werbas blue die Werkstatt-Management- Lösung um einen Baustein ergänzt, der die mobile Nutzung vieler Funktionen ermöglicht. Die Leitfunktion des lokal installierten Werbas bleibt bestehen. Der Zugriff erfolgt über WLAN, ist aber auch außerhalb des eigenen WLAN funktionsfähig. Es wird laut Anbieter nur eine Internet-Verbindung benötigt. Kern der mobilen Anwendung ist ein Dashboard, über das der Anwender auf seinem mobilen Gerät aktuelle Informationen abrufen kann, beispielsweise aktuell offene Aufträge, eine Übersicht der Abholtermine oder die Aufteilung der Aufträge auf die Kundenberater. Medienbrüche sind tabu Die Digitalisierung der Serviceprozesse bringt für den Mitarbeiter im Idealfall eine deutliche Erleichterung von Arbeitsschritten sowie die Schaffung durchgängiger Prozesse ohne Medienbrüche. Das spart doppelte Arbeit: Bilder müssen nicht separat erstellt, übertragen und dann dem Auftrag zugeordnet werden. Handschriftliche Feststellungen bei der Serviceannahme müssen nicht mehr eingepflegt werden, womit Übertragungsfehler vermieden werden. Sämtliche Informationen sind mit der Erfassung eindeutig einem Auftrag zugeordnet und werden automatisch an den richtigen Stellen im Werkstatt- Management-System hinterlegt. Genau daran mangelt es in der Praxis aber oft den Systemen: „Weil sie keine Erleichterung im Arbeitsalltag bringen, finden Systeme für die digitale Dialogannahme oft keine Akzeptanz bei den Mitarbeitern. Daher müssen die Systeme einfach in der Bedienung sein und leicht zu verstehen“, ist Adrian Schnell vom Schweizer Automobildienstleister Autofaszination überzeugt. Ein weiteres Thema, das Mitarbeiter abschreckt, ist die Transparenz der eigenen Leistung. Mit den digitalen Geräten ist jeder Schritt nachvollziehbar und messbar. Die Schweizer vertreiben mit dem „Driver Butler“ ein System, das den Einstieg in die digitale Dialogannahme so leicht wie möglich machen soll. „Der Driver Butler ist ein webbasiertes System, das für den Servicemitarbeiter absolut niederschwellig ist“, erklärt Schnell. Neben den inneren Widerständen in den Organisationen fehlt es im Markt an wirklich integrierten Lösungen. Problematisch ist zudem die Anbindung bereits vorhandener DMS-Systeme. Historisch bedingt haben die Betriebe ganz unterschiedliche Systeme im Einsatz, deren Anbindung an neue digitale Teillösungen sich als aufwändig erweist. Schnittstellenprogrammierung heißt es dann – das ist teuer und zeitaufwändig. Alle Termindaten auf einen Blick Auf Integration von Daten setzt auch der Softwareanbieter Soft Nrg. Das Produkt „Soft-Pad“ für die digitale Fahrzeugannahme via Tablet greift online und mobil auf vorhandene Werkstatttermine zu. Durch die Anbindung an die hauseigene Datenbank stehen alle wichtigen Termindaten aus der telefonischen Terminvereinbarung oder Auftragsvorbereitung zur Verfügung. Zudem stellt Soft-Pad diverse Kunden-/Fahrzeuginformationen sowie die wichtigsten Informationen aus der Kundenakte bereit. Mit dem Tablet werden Mängel am Fahrzeug erfasst, zusätzliche Arbeiten geplant und zukünftige Reparaturen vermerkt. Vorhandene Beschädigungen können im Bild festgehalten werden. Die Aufnahmen stehen dann im späteren Bearbeitungsprozess sowohl auf dem Tablet als auch auf dem Desktop-PC zur Verfügung. Dietmar Winkler ■ DAS KANN DIGITALISIERT WERDEN Foto: Fotolis/opka/redkoala Diese Schritte im Serviceprozess lassen sich digital im System abbilden – einmal hinterlegte Informationen stehen allen Mitarbeitern zur Verfügung. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 15

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TITEL DIGITALER SERVICEPROZESS Schneller, transparenter und kostengünstiger Die Digitalisierung im Service kommt, darüber sind sich die Experten einig. Aber was heißt das konkret für die Werkstattpraxis im Autohaus? Erste Erfahrungswerte aus der Hyundai-Serviceorganisation. In der Hyundai-Serviceorganisation wird derzeit der digitale Serviceprozess implementiert, 68 Betriebe arbeiten bereits damit. Fotos: Hyundai ie sieht der digitale Serviceprozess, der derzeit im Kfz- Gewerbe ein brisantes Thema ist, konkret in der Praxis aus? Wie gehen die Serviceberater damit um? Welche Veränderungen und Investitionen sind für seine Implementierung nötig? Fragen an Karl Hell, Serviceleiter Hyundai Deutschland, der bereits über einige Praxiserfahrungen berichten kann. asp: Wie erlebt der Kunde das neue Reparaturerlebnis? K. Hell: Die Aussagen und Informationen des Autohaus-Personals erfolgen schneller und kompetenter. Es gibt für den Kunasp: Herr Hell, Hyundai ist gerade dabei, den digitalen Serviceprozess in den Händlerbetrieben zu installieren. Was ändert sich damit für die Mitarbeiter? K. Hell: Dem Serviceberater stehen auf Knopfdruck die wichtigsten Informationen, die zur Kundenberatung notwendig sind, zur Verfügung. Die Kommunikation im Autohaus wird dadurch verbessert und die Verwaltung kann optimiert wer- den. Das macht die Prozesse schneller und spart Geld. Bevor die Digitalisierung eingeführt wird, müssen die Prozessabläufe allerdings angepasst werden. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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den also eine größere Transparenz über Ablauf und zu erwartende Kosten. asp: Welche Prozessschritte wurden letztlich digitalisiert? K. Hell: Alles was das kundenorientierte Arbeiten des Servicepersonals im Autohaus angeht, wird mit elektronischen Medien unterstützt. So zum Beispiel die Aufnahme der Kundendaten, die Dialogannahme, der Werkstattauftrag inklusive Servicechecklisten, die Werkstatt-Auftragsdisposition, die Endkontrolle und zuletzt die Fahrzeugübergabe asp: Die vier Schritte vor der Reparatur lauten Reservierungsliste, Kundenberatung, Dialogannahme und Kostenvoranschlag. Was ist der Unterschied zum herkömmlichen Serviceprozess? K. Hell: Die Prozessschritte sind alle in einem System erfasst. Die Mitarbeiter werden somit durch den Prozessablauf geführt. Das spart Zeit und macht den Prozess nachvollziehbarer. asp: Was ändert sich nach der Reparatur, also bei der Endkontrolle und der Zufriedenheitsabfrage? K. Hell: Für die Endkontrolle stehen die notwendigen Informationen zur Verfügung. Dem Kunden wird nicht nur die Rechnung erklärt, sondern es können auch die ausgebauten Teile mit Fotos dokumentiert und gezeigt werden. asp: Kann der Kunde beispielsweise seinen Termin bereits per Smartphone direkt im System des Händlers buchen? K. Hell: Sofern das Händlereigene Dealer Management System (DMS) über diese Funktion verfügt, ist das möglich. asp: Wird der Kunde künftig stärker in digitaler Form angesprochen, beispielsweise, um an Servicetermine oder Marketingaktionen erinnern? K. Hell: Das wird sich kontinuierlich weiterentwickeln. In der aktuellen Phase sieht der Kunde, wo sein Fahrzeug gerade im Autohaus ist. Ebenso wird er über aktuelle Angebote informiert. Über Smartphone wird der Kunde über die Fertigstellung und Auftragserweiterung informiert. Marketinginformationen erhält der Kunde über unsere Service-App. asp: Was ändert sich bei der Arbeits verteilung in der Werkstatt? K. Hell: Der Auftrag wird digital disponiert und an die Mechaniker weitergeleitet. Die größte Herausforderung ist dabei der Umgang mit dem Fahrzeugschlüssel. asp: Wie haben die Serviceberater bisher auf die Installation reagiert? K. Hell: Serviceberater, die zuvor bereits einen aktiven Serviceverkauf in der Dialogannahme durchgeführt haben, sehen in der sogenannten Digitalisierung eine klare Hilfe und Unterstützung ihrer Arbeit. Etwas differenzierter stellt sich das Bild bei Serviceberatern dar, die ihre Aufträge bisher ausschließlich am Schreibtisch geschrieben haben. Sie werden von uns an die neuen Prozesse mit Schulungsprogrammen herangeführt. Karl Hell: „Bevor die Digitalisierung eingeführt wird, müssen die Prozessabläufe angepasst werden.“ KURZFASSUNG Seit gut sechs Monaten ist der digitale Serviceprozess bei Hyundai Deutschland Realität. 68 Händler arbeiteten Stand Anfang Dezember 2016 damit, 2017 sollen weitere 140 Händler damit ausgestattet werden. Ein erstes Fazit zieht Karl Hell, Serviceleiter Hyundai Deutschland. asp: Welche Veränderungen sind in der Werkstatt notwendig, um diesen Prozess zu installieren? K. Hell: Es wird ein WLAN mit ausreichender Datenübertragung benötigt. Jeder Mechaniker und Serviceberater benötigt einen Tablet-PC. asp: Mit welchem Aufwand ist zu rechnen hinsichtlich Kosten und Zeit? K. Hell: Ein handelsüblicher Tablet kostet ca. 500 Euro. Die Lizenzgebühr beträgt 109 Euro pro Monat und Standort. Die Schulung ist kostenlos und erfolgt über e-Learning und Webinar. asp: Gibt es bereits Kundenreaktionen? K. Hell: Das System ist seit ca. sechs Monaten live. Bis heute haben wir 68 Händler damit ausgestattet. Konkrete Reaktionen liegen uns allerdings bisher noch keine vor. asp: Geregelte Abläufe sichern den Prozess qualitativ ab. Kann man bereits Verbesserungen zum Beispiel bei der Fehlerquote messen? K. Hell: Dazu können wir noch keine validierte Aussage treffen. Dazu ist das System noch zu kurz im Einsatz. asp: Wie sehen die nächsten Schritte im Digitalisierungsprozess im Service aus? K. Hell: Das System wird bei unseren Händlern weiter ausgerollt. Bis Ende 2017 wollen wir weitere140 Händler damit ausstatten. Entscheidend ist hier natürlich, dass die Systeme und die Prozessabläufe nachhaltig in den Betrieben implementiert werden. 2017 wird der Festpreiskalkulator weiter ausgebaut und es steht dem Berater ein Analysetool zur Verfügung, das einen deutlichen Mehrwert für den Kunden schafft. So wird es uns gelingen, die Kundenloyalität noch weiter auszubauen. asp: Herr Hell, herzlichen Dank für das Gespräch. Interview: Ralph M. Meunzel ■ AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 17

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TITEL BEST PRACTICE Der Zettel hat ausgedient! Die Digitalisierung macht auch vor der Werkstatt nicht halt. Bei Hyundai-Händlern hat die Zettelwirtschaft im Service bereits ausgedient, denn die Koreaner wissen: Dem digitalen Serviceprozess gehört die Zukunft. rtstermin bei der Autozentrum Ries GmbH in Bad Soden­Salmünster, einem der größten Hyundai­Vertragshändler in Hessen. Das Autohaus unter der Leitung von Geschäftsführer und Inhaber Horst­ Dieter Ries war 2016 Pilotbetrieb für den neuen digitalen Aftersales­Prozess von Hyundai. „Wir sind seit 2001 im mittleren Kinzigtal und weit darüber hinaus Ansprechpartner für alle an der Marke Hyundai Interessierten“, berichtet Horst­ Dieter Ries. „Deshalb war es für mich und meine 22 Mitarbeiter von Anfang an Ziel, dass unsere Kunden zu hundert Prozent mit unseren Serviceleistungen rund um die Marke Hyundai zufrieden sind.“ Horst­Dieter Ries hat deshalb auch sofort das Potenzial des neuen digitalen Serviceprozesses von Hyundai erkannt, als es ihm und seinem Autohaus zu Test zwecken Anfang 2016 von der Hyundai Motor Deutschland GmbH angeboten wurde. Heute nach einem Jahr Pilottestphase sind er und seine Mitarbeiter in der Lage den gesamten Aftersales­Prozess digital auf einem Tablet darzustellen und direkt zu bearbeiten. Der Prozess beginnt bereits bei der Reservierungsliste. „Wesentliche Grundlage für eine ausgelastete Werkstatt ist die Organisation der Aufträge“, sagt Alexander Krauß, zuständig für die Erstellung und Durchführung von Schulungen der neuen Software bei der Hyundai Motor Deutschland GmbH. „In der digitalen KURZFASSUNG Die Experten sind sich einig − die Digitalisierung des gesamten Service-Prozesses im Autohaus kommt. Bei Hyundai ist er heute schon Realität. Nach einer einjährigen Erprobungsphase in ausgewählten Pilotbetrieben liegen erste konkrete Erfahrungswerte vor. Welche Veränderungen die Umstellung mit sich brachte, darüber berichtet Horst-Dieter Ries, Geschäftsführer der Autozentrum Ries GmbH in Bad Soden-Salmünster. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Im Autozentrum Ries wurde der neue digitale Serviceprozess von Hyundai ein Jahr lang getestet. Reservierungsliste sind für alle Mitarbeiter die aktuellen Termine für den Tag oder einen individuell wählbaren Zeitraum sofort übersichtlich einsehbar, so dass sie effizient geplant werden können.“ Ist der Kunde vor Ort, ermöglicht die Software bei der Dialogannahme einen Schritt­für­ Schritt­Fahrzeugcheck zusammen mit dem Kunden. Keine doppelten Prüfungen mehr „Bei der Fahrzeugprüfung können keine Prüfpositionen vergessen werden“, erklärt Enrico Geisler, Kundendienstleiter im Autozentrum Ries. „Unsere Serviceberater können mittels der digitalen Dialogannahme bereits alle sicherheitsrelevanten Prüfpunkte checken, die später, bei erfolgreicher Prüfung, dann nicht mehr in der Wartungsliste des Mechanikers erscheinen.“ Dies verhindert doppelte Prüfungen, spart Zeit und steigert die Produktivität des Serviceberaters. Darüber hinaus bekommt der Kunde bereits bei der Dialog annahme einen verbindlichen Kostenvoranschlag, da das System direkt auf Preise für Wartung, Service und Ersatz teile zugreifen kann. „Aus dem Kostenvoranschlag können dann unmittelbar Werkstattaufträge generiert sowie vorgeschriebene Aufträge aus dem DMS (Dealer Management System) in das System übernommen und weiterverarbeitet werden“, ergänzt Horst­Dieter Ries. Danach lässt sich der Auftrag direkt auf digitalem Weg an die Werkstatt übermitteln. Auf einem künftig in der Werkstatt montierten Bildschirm sind die Aufträge detailliert für jeden Mitarbeiter als „Plantafel“ dargestellt. Der einzelne Auftrag erscheint zudem auf dem Tablet des jeweiligen Mechanikers, der den Auftrag so Punkt für Punkt abarbeiten kann. Der Arbeitsfortschritt kann, falls notwendig, von jedem Kollegen www.autoservicepraxis.de Fotos: Marcel Scchoch

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Die Zeiten der „Zettelwirtschaft“ sind im Autozentrum Ries endgültig vorbei. von seinem Tablet abgefragt werden. „Diese Funktion ermöglicht es zum Beispiel unserem Reifenservice, falls andere Arbeiten am Fahrwerk vorgezogen werden müssen, Arbeitszeiten besser zu planen“, so Enrico Geisler. „Wartezeiten, bis der Kollege fertig ist, gibt es daher bei uns seit Einführung des Systems nicht mehr.“ Die digitale Checkliste, die bereits vom Serviceberater abgearbeitet wurde, verhindert darüber hinaus Dopplungen und das entscheidende Prüfpunkte vergessen werden. „Das System ist jedoch so flexibel, dass Reparaturpotenziale als auch unvorhergesehene Mängel am Fahrzeug jederzeit vom Serviceberater oder Mechaniker aufgenommen werden können“, ergänzt Alexander Krauß. „Von seinem Arbeitsplatz aus kann dann der Mechaniker die Arbeitsfreigabe über den Werkstattleiter bzw. Serviceberater auf digitalem Weg direkt vom Kunden einholen. Arbeitsverzögerungen lassen sich so weitestgehend verhindern.“ Zur Statusabfrage gehört auch das Auftragsmanagement. Die Software bietet hier jederzeit für alle Mitarbeiter die Möglichkeit über die zwei Bereiche „Servicebericht“ und „Werkstattauftrag“ alle relevanten Daten von der Auftragsnummer, Verfügbarkeit der Teile bis hin zum Reparaturstatus und dem zuständigen Mechaniker detailliert abzufragen. Sind die Arbeiten erledigt, folgt die Endkontrolle. Hier müssen alle Arbeiten am Fahrzeug nochmals als final „erfolgreich erledigt“ in der Software bestätigt werden. Danach erst kann die Rechnungsstellung über das DMS erfolgen. Letztlich wird noch der Kunde bei Fahrzeugübergabe kurz nach seiner Zufriedenheit befragt. Negative Bewertungen erreichen die Verantwortlichen so ohne zeitliche Verzögerungen, und das, während der Kunde noch im Autohaus ist. Schnell einsatzbereit „Wir mussten sämtliche zettelbasierten Arbeitsprozesse bei uns im Autohaus mit Einführung des Systems umstellen“, berichtet Horst­Dieter Ries. „Anfangs war es schon etwas gewöhnungsbedürftig, keine Zettel mehr zu verwenden. Jedoch hatten wir als Pilotbetrieb von Hyundai gut ein Jahr Zeit uns darauf einzustellen.“ Horst­ Dieter Ries schätzt aber die komplette Umstellungsphase für einen Hyundai­ Betrieb, der ab sofort mit der fertig entwickelten Software arbeiten kann, auf maximal drei Monate. „Obwohl Hyundai Schulungen in Form von E­Learnings, Webinaren, vor Ort Coachings und auch einen telefonischen Support anbietet, wurde vieles davon von uns nicht benötigt, da die meisten Funktionen des Systems selbsterklärend sind. Schulungen waren deshalb selbst bei uns als Pilotbetrieb nicht notwendig, so dass wir bereits nach zwei Wochen mit dem System arbeiten konnten“, erzählt Horst­Dieter Ries von seinen Erfahrungen. Auch haben alle Mitarbeiter schnell die Vorteile des neuen Systems erkannt. Vor allem das Wegfallen von Mehrarbeit durch Arbeitsdoppelungen und das zeitintensive Schreiben von Auftrags­ oder Werkstattarbeitszetteln, aber auch die Prozess­ und Planungssicherheit wurden hier von allen als wesentliche Arbeitserleichterung erkannt – und das bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeits­Effektivität bei gleichem Zeitaufwand. Auch die Kunden haben die neue Software positiv angenommen, da sie auch für diese Kosten­ und Planungssicherheit sowie Transparenz der durchgeführten Arbeiten bedeutet. Verglichen mit der alten „Zettelwirtschaft“, rechnet sich deshalb der Einsatz der Software. Selbst die Investitionskosten halten sich in Grenzen. Da die Software von Hyundai kostenlos vorinstalliert wird, müssen lediglich Tablets bei Hyundai eingekauft und ein betriebsabdeckendes WLAN­Netz installiert werden. Hinzu kommen dann noch monatlich 109 Euro Lizenzgebühr für die Software. „Aufgrund des gesteigerten Gesamtumsatzes amortisieren sich diese Kosten innerhalb weniger Monate“, sagt Horst­Dieter Ries. Marcel Schoch ■ Horst-Dieter Ries (l.) und Enrico Geisler (Mitte) vom Autozentrum Ries mit Alexander Krauß von Hyundai (re.) Vom Schreibtisch aus kann heute die Statusabfrage zu jedem Auftrag durchgeführt werden. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 19

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TITEL DIAGNOSE Zukunftsmusik? Was tut sich in der Diagnosewelt? Wir haben bei Diagnosegeräte-Herstellern nachgefragt und stellen aktuelle Geräte, Trends und zukünftige Entwicklungen wie DoIP vor. ie Diagnose ist nach wie vor einer der wichtigsten Bausteine im Reparaturprozess, auch wenn dring lichere Themen wie die HU-Scheinwerfer-Prüfung oder Dauerbrenner wie die Abgasuntersuchung ihr in letzter Zeit die Show stehlen. Dabei sind spannende Entwicklungen zu beobachten, wie unsere Umfrage bei Herstellern von Diagnose- KURZFASSUNG Die Umfrage bei Diagnosegeräteherstellern stellt aktuelle Geräte vor und geht auf Trends und Entwicklungen wie PassThru, DoIP (Diagnostic over Internet Protocol) oder integrierte statistische Fehlerhäufigkeiten ein. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 geräten zeigt. Denn auch hier haben Themen wie Digitalisierung und Vernetzung immer größere Auswirkungen. Beispielsweise erhält Big Data eine zunehmende Bedeutung. Online-Datenbanken mit herstellerspezifischen Bezeichnungen wie geführte Fehlersuche, erfahrungsbasierte Reparatur, WTI-live oder Google basierte Suche sind für Diagnosesysteme unabdingbar, um die Komplexität der Fahrzeuge abbilden zu können und den Anwender bei der Fehlersuche zu unterstützen. Noch nicht im Alltag angekommen Immer mehr Hersteller haben auch das so genannte PassThru-Verfahren im Angebot, auch wenn dieses bislang gerade in freien Werkstätten noch keine große Rolle spielt. Doch die Bedeutung könnte steigen, da „immer mehr Baugruppen im Fahrzeug ohne entsprechendes Lernverfahren vonseiten des Herstellers nicht mehr austauschbar sind“, ist Frank Lehmann vom Produktmanagement bei der Actia I+ME GmbH überzeugt. Bei Bosch sieht man darin neue Geschäftsmöglichkeiten für freie Werkstätten. Denn durch das PassThru-Verfahren erhalte die freie Werkstatt Zugriff auf die Originaldaten der Automobilhersteller. So könnten Kundenaufträge, die bislang an Vertragswerkstätten weiter verwiesen wurden, selbst durchgeführt werden. Auch DoIP (Diagnostic over Internet Protocol) wird sich nach Ansicht der meisten befragten Diagnosegeräte-Hersteller mehr und mehr verbreiten. In den ersten Fahrzeugen wie dem Volvo XC90 ist es bereits verbaut. Einige Diagnosetools weisen daher schon entsprechende Module auf oder lassen sich bei Bedarf erweitern. DoIP zeichnet sich durch einen wesentlich schnelleren Datentransfer aus, ein wichtiger Vorteil. Denn zukünftige Fahrzeug generationen werden im ständigen Datenaustausch mit anderen Fahrzeugen, Servicegeräten oder der Infrastruktur stehen. Das 7-Zoll-Diagnosegerät Expert 3000 von Brainbee soll noch in diesem Jahr ein Nachfolgemodell erhalten. Bei Bosch verfügen die neuesten Diagnosegeräte, das KTS 560 und 590 sowie das All-in-One-Gerät KTS 350, bereits über eine integrierte Ethernet-Schnittstelle für DoIP. Denn das Unternehmen sieht einen klaren Trend hin zu DoIP bzw. der Kommunikation per Ethernet-Schnittstelle. Die neue Gerätegeneration ist zudem mit einer PassThru-Schnittstelle ausgestattet. Denn in 2017 erwarte man eine deutliche Nachfrage nach Online-Services wie Pass- Thru sowie auf die Online-Werkstattsoftware Esitronic Web. Dank der Web-Nutzung der Software seien keine Updates Das neueste Diagnoseprodukt von AVL Ditest, der „MDS 185 NF“, ist kompakt und robust zugleich und wird mit der Schnittstelle VCI 1000 kombiniert. www.autoservicepraxis.de Fotos: WOW, Brainbee, AVL Ditest, Rema Tip Top, Bosch, Hella Gutmann Solutions, Texa, Actia

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Das Axone S von Rema Tip Top lässt sich vom TPMS-System zu einem vollwertigen Diagnosesystem „upgraden“. oder Installationen mehr erforderlich, der Anwender greife immer auf die neuesten Inhalte zu. Auch die Wissensdatenbank „Erfahrungsbasierte Reparatur“ (EBR) biete dem Mechaniker professionell aufbereitete Reparaturanleitungen online direkt an seinem Arbeitsplatz. Eine Herausforderung stelle aber teilweise die notwendige Infrastruktur zur Nutzung der Online-Services dar. Denn viele Werkstätten verfügten zwar über Internet in den Büroräumen, aber noch nicht direkt an der Hebebühne. Auch bei Hella Gutmann Solutions werden Rückmeldungen von Werkstätten erfasst und fließen etwa in Form statistischer Fehlerhäufigkeiten in das Repair- Konzept mit ein. Um immer auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben, sind die Diagnosegeräte der mega macs Reihe modular aufgebaut. So sind etwa das mega macs 56 sowie die anderen aktuellen Geräte der mega macs-Palette bereits mit PassThru-Fähigkeit ausgestattet. Anwender müssten daher bei Bedarf nicht zwingend in ein weiteres, neues Gerät investieren. Daneben bietet HGS mit mega macs PC x-Change aber eine kostengünstige Stand-Alone-Lösung für ein zusätzliches PassThru-Notebook oder -Tablet an. Das gibt Werkstätten mehr Flexibilität, da das Flashen häufig viel Zeit in Anspruch nimmt und das vorhandene Diagnosegerät in der Zeit nicht für andere Arbeiten nutzbar ist. Neben PassThru sieht man bei HGS auch die wachsende Bedeutung von DoIP. „Die ersten Fahrzeuge mit diesem zukunftsweisenden Konzept rollen bereits auf den Straßen“, so Ralf Gutekunst, Produktmanager bei Hella Gutmann Solutions. Auch hier können vorhandene Die neuesten Diagnosegeräte KTS 560 und 590 ver fügen über eine Ethernet-Schnittstelle. Neben Online-Services sieht Bosch in der Vernetzung der Werkstattgeräte einen starken Trend (Bild rechts). Diagnosegeräte von HGS auf aktuellen Softwarestand über den neuen Stecker- Adapter „DIVA“ DoIP-fähig werden. Und Ralf Gutekunst ist sich sicher: „Mit den zukünftigen Fahrzeuggenerationen, die im permanenten Datenaustausch mit anderen Fahrzeugen sowie mit Portalen stehen, wird sich die Diagnosewelt weiter verändern.“ Daten sind wichtig Bei AVL Ditest nutzt man die so genannte Feedback-Funktion, um wichtige Daten und Informationen zurückzuspielen und zu nutzen. Denn „wer die Daten hat, beherrscht die Welt“, weiß Harald Hahn, Geschäftsführer von AVL Ditest um deren Wichtigkeit. Die Nachfrage auf dem Diagnosemarkt bewege sich insgesamt auf einem sehr hohen Niveau, da sich Werkstätten heute durch die rasante Zunahme elektronischer Funktionen an jedem Arbeitsplatz mit einem Diagnosegerät ausstatten müssten. Mit dem neuesten Diagnosegerät MDS 185 NF, der Kommunikationsschnittstelle VCI 1000 sowie der Diagnose-Software XDS ist man bei AVL gut aufgestellt und erwartet auch für 2017 „Verkäufe auf einem hohen Niveau“. In Italien bei Brainbee sieht man ebenfalls den Trend, dem Anwender auch die „PassThru wird in Zukunft ein wichtiger Baustein innerhalb der Arbeitsprozesse von Werkstätten sein“, ist Ralf Gutekunst von Hella Gutmann Solutions überzeugt. Unten: der mega macs 56 mit VCI als PassThru-Interface notwendigen Infos zur Fehlererkennung und Instandsetzung zur Verfügung zu stellen, am besten direkt im Tool abgebildet. Dies wird bei den eigenen Diagnosegeräten über die so genannte geführte Fehlersuche in mehreren Variantentiefen realisiert. Zudem sind die Italiener überzeugt, dass die Software in Zukunft auch im Bereich Diagnose eine immer größere Rolle spielen und in weitere Servicefunktionen integriert wird. Nach dem Expert 3000 und dem Expert XL arbeitet man aktuell an einem neuen Diagnosegerät. Die Neuentwicklung, vielleicht ja ein Expert 4000, soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Eigentlich auf den Reifenhandel konzentriert, hat auch Rema Tip Top mit dem Profiler Axone S Plus ein Diagnosetool im Portfolio, das durch Softwareupdates vom TPMS zum vollwertigen Diagnosegerät umrüstbar ist. Dies sei eine Notwendigkeit geworden, da selbst bei einfachsten Tätigkeiten die Fahrzeugdiagnose immer wichtiger werde. Die Herausforderung laute: „Diagnoselösungen so zu gestalten, dass sie auch für Marktteilnehmer verwendbar sind, für die der Werkstattservice nicht im Mittelpunkt des Geschäfts steht“, heißt es von Rema Tip Top. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 21

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TITEL Auch bei der Würth Online World (WOW) setzt man auf erfahrungsbasiertes Wissen. In WTI live werden Community- Erfahrung und professionelles Diagnosewissen kombiniert. Denn die statistische Fehlerhäufigkeit gewinne an Bedeutung. Durch die Rückmeldemöglichkeit in der WOW Diagnosesoftware werden entsprechende Daten für die statistische Fehlerhäufigkeit erhoben und können dem Anwender so wertvolle Zeit bei der Fehlersuche ersparen, so das Unternehmen. Eine Herausforderung sieht man bei WOW im Bereich Konnektivität, im Mittelpunkt dabei: die Kundenbindung zwischen Werkstatt und Autofahrer. Denn Hersteller würden Kunden mit der gezielten Aufforderung zum Werkstattbesuch an ihre Händler binden. Hier seien Lösungen für Mehrmarkenwerkstätten gefragt. Man habe bereits technische Voraussetzungen für entsprechende Connectivity-Lösungen geschaffen, heißt es von WOW dazu. Flexible Zusatzmodule Mit dem Axone Nemo hat Texa ein neues Diagnosegerät auf den Markt gebracht, das zukunftsweisende Techniken aufweist und wie sein Namensgeber aus „Findet Nemo“ schwimmen kann. Das Gerät zeichnet sich neben seinem robusten Gehäuse, dem Display aus Gorilla-Glas und der verbesserten IDC5 Software vor allem durch die Möglichkeit aus, zusätzliche externe Module per Magnetfläche anzuschließen. Etwa das thermodynamische Modul, mit dem Ab- AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Das Axone Nemo von Texa kann nicht nur schwimmen, sondern ist mit zukunftsweisenden Techniken wie dem thermografischen Modul oder dem Modul für DoIP ausgestattet. fragen und Tests an Elektro- und Hybridfahrzeugen vorgenommen werden können. Auch die Diagnose an modernen Fahrzeugen mit ISO Standard 13400 (DoIP) ist mit dem entsprechenden Texa Modul möglich. Der Blick geht also in die Zukunft. Denn die Diagnose im Aftermarket folge immer mit ein paar Jahren Verzug den Entwicklungen bei den Fahrzeugherstellern, weiß man bei dem italienischen Diagnosespezialisten. „Wir werden uns also zukünftig mehr und mehr zum Beispiel um Fahrerassistenzsysteme kümmern und die dafür notwendige Technik zur Verfügung stellen müssen. Elektro- und Hybridfahrzeuge werden immer größere Bedeutung gewinnen, auch da muss die entsprechende Diagnose- und Messtechnik vorhanden sein. Das Diagnosesystem iQ 400 von WOW wird über einen robusten Hochleistungs-Laptop bedient und mit dem kabellosen Diagnoseinterface Snooper kombiniert. DoIP ist ebenfalls eine Herausforderung“, erklärt Werner Arpogaus, Geschäftsführer von Texa Deutschland, und ist überzeugt: „Die Diagnose ist also auch zukünftig fundamental in der Werkstatt, auch wenn aktuell aufgrund vieler gesetzlicher Vorgaben andere Werkstattausstattung mehr im Fokus steht.“ Seit 2016 auf dem Markt: das Mehrmarken- Diagnose-Tool MultiDiag 360 hier als robuste Tablet-Anwendung für den mobilen Einsatz. Zukunft Remote Diagnose? Der französische Hersteller Actia hat schon früh auf PassThru gesetzt und auf der Automechanika 2016 sein neues Mehrmarken-Diagnose-Tool MultiDiag 360 vorgestellt. „Damit haben wir die klassische Diagnose um Teileinformation, technische Daten, Fehlersuchhilfen und Fall-Datenbank erweitert. Natürlich unter Verwendung unserer PassThru-Schnittstelle“, erklärt Frank Lehmann, Produktmanager Actia. Denn die Fahrzeuge und ihre Fehler würden immer spezifischer und seien somit oft ohne Hilfe des Herstellers nicht mehr reparabel. Neben dem PassThru-Verfahren werde auch die Bedeutung von DoIP in den nächsten Jahren stark anwachsen. „Die meisten Hersteller arbeiten bereits damit, da es langfristig die Kommunikation des Fahrzeuges mit dem Servicebetrieb oder direkt mit dem Hersteller sehr stark vereinfacht“, weiß Frank Lehmann. Generell sieht er einen Trend in Richtung Remote Diagnose: „Mit Hilfe von DoIP und entsprechender Datenübertragung werden die Fahrzeugdaten (Fehler/Service) via UMTS/LTE usw. direkt an den Hersteller gesendet. Dem Fahrer werden somit Termine in der Fachwerkstatt vermittelt oder die nächstgelegene Werkstatt zur Fehlerbehebung mitgeteilt.“ Valeska Gehrke ■ www.autoservicepraxis.de

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begeisternd GANZHEITLICH DIGITAL! Mit betzemeier, dem Pionier in der Entwicklung besonderer Softwarekonzepte für Autohäuser. Bereits seit 1989 begeistern wir unsere Kunden und begleiten sie auf dem Weg zum Erfolg. Praxisorientierung und eine innovative Sicht der Dinge sind dabei stets bewährte Begleiter. bezahlbar besonders bewährt beeindruckend „betzemeier - wir sind mehr als nur ein DMS Anbieter. Innovative Konzepte, wie z.B. eine integrierte Kunden-App, belegen unseren Vorsprung.“ „Da sind sich viele Steuerberater einig: betzemeier und DATEV machen die Buchführung im Autohaus perfekt!“ Wir bieten Ihnen Dealer-Management-Systeme, Werkstattterminplaner, Zeiterfassung, Gebrauchtwagen-Management, CRM, uvm. für: AUDI I CITROËN I DACIA I FORD I HONDA I HYUNDAI I KIA I MITSUBISHI I NISSAN I OPEL I PEUGEOT I RENAULT I SEAT I SKODA I TOYOTA I VW I etc.

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TITEL Nach Stichworteingabe spuckt die Datenbank eine Trefferliste nach Google-Vorbild aus. Mit Rückrufen von asp AUTO SERVICE PRAXIS Foto: Fotolia/vadymvdrobot, Repair-pedia REPARATURINFORMATIONEN Ich hab da mal eine Frage Zur Automechanika wurde die Reparaturdatenbank Repair-pedia der Öffentlichkeit vorgestellt. Inhalte und Nutzbarkeit der Datensammlung mit integrierter Suchmaschine werden jetzt zügig ausgebaut. chwarz auf weiß steht die Grundidee der Suchmaschine Repairpedia schon in der „Agenda 2020“ des Zentralverbandes für Karosserie­ und Fahrzeugtechnik (ZKF). Dort hat man sich die Installation einer Reparaturdatenbank mit einer möglichst einfachen Suchmöglichkeit und schneller Ergebnisanzeige nach dem Vorbild großer Suchmaschinen und Wissensdatenbanken im Internet auf die Fahne geschrieben. Im Februar letzten Jahres fiel der Startschuss zur Branchenlösung Repair­pedia, die gemeinsam von der ZKF­Tochter Eurogarant AutoService AG und dem Branchen­Softwarespezialisten BAKS GmbH betrieben wird. Auf der Automechanika Frankfurt wurde Repairpedia dann der Öffentlichkeit vorgestellt. Einen Tag vor Messebeginn erfolgte die Freischaltung für die Nutzer­Registrierung. Die Repair­pedia AG arbeitet mit Hochdruck daran, die Inhalte der Daten­ KURZFASSUNG Die Reparaturdatenbank Repair-pedia liefert nach Eingabe eines Stichwortes eine Liste mit allen relevanten Treffern. Auf bis zu zwei Millionen Dokumente soll der Fundus der Datenbank anwachsen. Durch Verknüpfung einer Suchabfrage mit einem konkreten Aufrag kann die Abfrage dem Werkstattkunden auf seiner Rechnung anschließend berechnet werden. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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bank sowie die Funktionen der Suchmaschine auszubauen. Schon im April letzten Jahres unterzeichnete das Unternehmen einen Lizenzvertrag mit dem ZKF über die Integration der ZKF/AIRC­Tipps sowie deren zukünftige Verwaltung und Produktion für Repair­pedia. ZKF­Mitglieder können diese aber weiterhin auch über den ZKF­Server (www.zkf­tipps.de) abrufen. Google als Vorbild Auf der Webseite www.repair­pedia.eu muss sich der Nutzer allerdings nicht mehr durch einen Suchbaum hangeln, sondern kann wie von Google gewohnt, einen Suchbegriff eingeben. Innerhalb von Millisekunden erhält er dann die Ergebnisse, nicht nur aus den ZKF­Tipps, sondern auch aus den Datensätzen anderer Lieferanten, wie Spies Hecker, Standox, Alldata, DeKoLa, KTI oder IFL. Vorstandsvorsitzender der Repair­pedia AG Peter Börner: „Zur Stunde decken wir stark den Bereich unserer derzeitigen Kunden ab, die zu 95 Prozent aus dem Bereich Karosserie und Lack stammen. Seit mehr als sechs Monaten arbeiten wir mit Hochdruck an der Integration aller Reparaturdaten und ­anleitungen von unterschiedlichen Anbietern. Wir gehen davon aus, dass wir in den ersten Wochen des neuen Jahres auch diesen Bereich vollumfänglich abdecken können und damit einen Meilenstein erreichen.“ Dazu sollen nicht nur weitere Datenlieferanten eingebunden werden, sondern die Zahl der Dokumente auch aus anderen Bereichen als Karosseriereparatur wesentlich gesteigert werden. Laut Börner sind derzeit rund 180.000 Dokumente in die Datenbank eingepflegt. Sie stammen zum Großteil aus der Zusammenarbeit mit dem Datenlieferanten Alldata, außerdem aus den ZKF­Tipps und ­Meldungen sowie von weiteren Datenlieferanten. Durch eine kontinuierliche Marktüberwachung sollen künftig bereits kurz nach dem Roll­out neuer Fahrzeuge herstellerkonforme Reparaturinformationen für den Karosseriebereich zur Verfügung stehen. Wachsender Funktionsumfang Bereits zum 31.10.2016 wurde im Rahmen eines Updates der Funktionsumfang ausgebaut. So kann ein Suchbegriff nicht nur über die Standard­Suche in Repair­pedia laufen, sondern mit einem Klick auf das komplette Internet ausgedehnt werden. Auf der Ergebnisliste sind die Treffer mit der „JEDE WOCHE EIN STÜCK BESSER“ Peter Börner, Vorstandsvorsitzender der Repair-pedia AG, gibt Auskunft über den aktuellen Entwicklungsstand der Wissensdatenbank Repair-pedia. Bei der Integration neuer Funktionen sind die Entwickler im Zeitplan. asp: Wie ist der aktuelle „Stand der Dinge“ bei Repair-pedia? P. Börner: Im Bereich unserer Webseite und deren Funktionen sind wir bereits sehr weit fortgeschritten. Auf Basis der genialen integrierten Suchmaschine haben wir gerade in den letzten Monaten viele weitere Funktionen entwickelt und den Kunden zur Verfügung gestellt. In unserer technischen Redaktion nehmen wir gerade die geplanten Stückzahlen in der Produktion der bekannten ZKF-Tipps auf. Wir werden also jede Woche ein Stück besser und haben bislang genau das erreicht, was die Werkstätten gefordert haben. ZKF-Präsident Peter Börner asp: Welche Partner sind derzeit in das Projekt eingebunden? P. Börner: Neben dem ZKF als Initiator und Ideengeber, sind dies die bekannten Datenlieferanten für die Fahrzeugreparatur, die Kalkulationsdatenanbieter, die Werkstatt-Softwarehäuser und natürlich unsere beiden Gesellschafter, die BAKS GmbH und die Eurogarant AutoService AG. Kompetenzen bündeln lautet hier die Aufgabe und noch nicht Bestehendes neu erfinden. asp: Wie kommt Repair-pedia an die Herstellerinfos? P. Börner: Wir bewegen uns in einem Markt, der sicherlich noch nicht ausreichend, aber dennoch gut mit Daten der Hersteller versorgt ist. Unser Ansinnen ist es, einen Marktplatz zu schaffen, auf dem sich alle Anbieter mit allen Werkstätten und Sachverständigen treffen können. Somit ist es Schwerpunkt der Drittanbieter auf Repair-pedia, sich mit Unterstützung des Berufsverbandes um die Beschaffung der Daten zu bemühen. Die Erstellung unserer eigenen Produkte wie ZKF-Tipps und Repair-pedia Infos, läuft auf den langbewährten und europäischen Wegen mit teilweiser großen Unterstützung der Hersteller. asp: Warum sollte eine Werkstatt Repair-pedia benutzen? P. Börner: „Ich muss mal jemanden fragen“, was in der Werkstatt oft genug ausgesprochen wird, kostet sofort Zeit und Geld. Genau an dieser Stelle wollen wir ansetzen. Jeder Mitarbeiter einer Kfz-Werkstatt, welcher Branche auch immer, soll in Sekunden über alle Reparaturinformationen verfügen. Das Suchen nach Handbüchern oder das Fragen sollen minimiert werden, denn Repairpedia kennt ganz sicherlich eine oder mehrere Antworten. Darüber hinaus schaffen wir es, möglichst viele Dokumente im Einzelabruf zur Verfügung zu stellen und damit die Gemeinkosten der Werkstatt zu senken. Als besonderen Vorteil machen wir es möglich, diese Kosten der Einzelabrufe auch weiterberechnen zu können. asp: Welche Schritte sind in nächster Zukunft geplant? P. Börner: Wir planen ein Forum für Nutzer, ein Bonusprogramm für Tipps liefernde Werkstätten, große Verbesserung der bestehenden Dokumente und die Zunahme der abrufbaren Informationen auf über zwei Millionen Datensätze. Unsere Planungsliste für 2017 ist lang und umfangreich. Wichtig dabei ist, der Anwender, die Werkstatt und unsere Gremien stehen im Mittelpunkt unserer Planungen und geben die Weiterentwicklung vor. Foto: ZKF entsprechenden Quelle gekennzeichnet. Eine Eingrenzung der Suche ist jetzt über einen Filter zum Beispiel nach Hersteller, Modell etc. möglich. Seit der Automechanika sind außerdem Rückrufe aus der exklusiven Datenbank von asp AUTO SERVICE PRAXIS in die Suche eingebunden und werden mit Erscheinungsdatum an oberster Stelle mit einem speziellen Logo angezeigt. Die Symbole bezüglich Verfahren und Geräte, die innerhalb eines Textes den Bezug zwischen Bild und Text hervorheben sollen, wurden vereinheitlicht. Repair­pedia hat weiterhin eine Lösung gefunden, die Kosten für das Abo (Gemeinkosten) einzelnen Aufträgen zuzuordnen. So kann der Kunde vor dem Abruf eines Dokuments eine Auftragsnummer angeben, die sich auf dem Lieferschein wiederfindet. Die Kosten können somit auftragsbezogen weiterbelastet werden. Sie reichen von acht Euro für den Einzelabruf (Nicht­ZKF­Mitglieder zehn Euro) über 225 Euro (285 Euro) für das Jahresabo Repair­pedia pur bis zu 495 euro (595 Euro) für das voll umfängliche Repair­ pedia plus. Interessenten können sich auf den Informationstagen zwischen dem 20. Januar und 3. Februar detailliert über Repair­pedia informieren. Dieter Väthröder ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 25

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AUTOMOBILTECHNIK AUFARBEITUNG ELEKTRONISCHER KOMPONENTEN Reparieren statt tauschen Der Austausch defekter Fahrzeugelektronik ist bei älteren Fahrzeugen meist nicht mehr wirtschaftlich. Wiederaufbereitete oder reparierte Bauteile können eine zeitwertgerechte Alternative darstellen. KURZFASSUNG Der Preisunterschied ist frappierend: Die Aufarbeitung eines ABS-Steuergerätes ist für um die 300 Euro zu haben. Das entsprechende Neuteil würde dreimal so viel kosten. Einige Dienstleister haben sich auf die Aufbereitung von Elektronik spezialisiert. Remanufacturing ist ein entscheidender Baustein, um qualitativ hochwertige, ressourcenschonende und zeitwertgerechte Lösungen über alle Phasen des Fahrzeug-Lebenszyklus zu bieten“, erklärt Volker Eberlein, Vice President Technical von Bosch Automotive Aftermarket Electronic Services. Reparieren statt tauschen, so das Argument des Fachmanns, kann allemal die preisgünstigere Alternative sein. Speziell bei Elek tronik spielen die Verfügbarkeit der Komponenten und deren Preis mit zunehmendem Fahrzeugalter eine entscheidende Rolle. Elektronik ist preisgünstig, wenn sie in großen Mengen produziert wird. Nach der Massenproduktionsphase wird sie aber stetig teurer. Bei älteren Fahrzeugen kann defekte Elektronik einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeuten, da der Preis eines Neuteils im Vergleich zum Fahrzeugwert unwirtschaftlich sein kann. Remanufacturing und Reparatur sind hier faire und zeitwertgerechte Alternativen. Genauso sieht es auch Oliver Cramm von der c3 Cramm Car Concept GmbH und fügt hinzu: „Oft ist nur ein kleines Bauteil im Cent-Bereich defekt. Ein Neugerät kostet jedoch mehrere Hundert Euro, wenn nicht sogar Tausend Euro oder mehr.“ Das Unternehmen c3 Cramm Car Concept mit Sitz in Isenbüttel hat sich auf die Reparatur und Instandsetzung von defekter Kfz-Elektronik spezialisiert. Gründe für die Ausfälle von elektronischen Bauteilen sind meist Vibrationen und thermische Belastungen. Zu den AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Schwachstellen gehören unter anderem Prozessoren oder Widerstände sowie das Auftreten von kalten als auch gebrochenen Lötstellen oder schlechten Verbindungen bei gebondeten Geräten. Aber auch externe Einflüsse können Ursache für den Ausfall elektronischer Komponenten sein. Vorteile der Instandsetzung Für einige Fahrzeuge sind am Markt keine Original-Ersatzteile mehr verfügbar oder in der Neuanschaffung sehr kostenintensiv. Daher muss der Fachmann auf eine zeitwertgerechte Alternative zurückgreifen. Nach Aussage des Refabrikations- Unternehmens Glaubitz GmbH & Co. KG handelt es sich bei den meisten Instandsetzungsarbeiten um Plug & Play-Lösungen. Bei 99 Prozent der Reparaturen sei kein Anlernen oder Codieren notwendig, da die Experten in der Lage sind, fahrzeugspezifische Daten auf dem Gerät bei der Reparatur zu erhalten. Ziel ist es, die Geräte zu reparieren, um einen Austausch zu vermeiden. Der Kunde erhält so sein eigenes Gerät im reparierten Zustand zu- rück. Das ist ein Vorteil speziell für freie Werkstätten, da sie in diesem Fall nicht auf einen Markenkollegen angewiesen sind. Vor jeder Instandsetzung führen die Fachleute von Glaubitz für jedes Gerät eine Eingangsüberprüfung durch, um sich gegen mögliche Fehldiagnosen abzu sichern. Erst nach dieser konkreten Fehlerfeststellung folgt die Instandsetzung. Erstaunlich: 15 bis 20 Prozent der eingeschickten Geräte haben keinen Fehler, so die Erfahrung bei Glaubitz. Diese Vor gehensweise hilft die Kosten für Werkstatt und Kunden so gering wie möglich zu halten. Trends bei Elektronik-Reparaturen „Das Angebot an elektronischen Komponenten, Sensoren und Fahrerassistenzsystemen wächst ständig. So entstehen immer neue aufzuarbeitende Produkte“, erklärt Prof. Rolf Steinhilper von der Universität Bayreuth. Als gängigste Geräte zählt er unter anderem ABS-/ASR-/ ESP-Steuergerät, Motorsteuergerät, Getriebesteuergerät, Tachos, Displays, Kombi instrumente, Radio/CD/Navigati- REMANUFACTURING – EIN WACHSENDER INDUSTRIEZWEIG Vice President Technical Volker Eberlein von Bosch Automotive Aftermarket Electronic Services beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Remanufacturing. „Der Stellenwert der Aufbereitung von elektronischen Komponenten wird in Zukunft stark wachsen“, erklärt Eberlein. „Generell wird immer mehr Elektronik in Fahrzeugen eingesetzt, so dass Kunden und Werkstätten zunehmend mehr Lösungen benötigen. Das Aufbereiten von Steuergeräten und anderen Elektronikkomponenten wird aus technologischen, ökonomischen und ökologischen Gründen immer notwendiger.“ Die schnellen Innovationszyklen in der Elektronikindustrie machten es immer anspruchsvoller, Elektronikbauteile langfristig und zu vertretbaren Preisen verfügbar zu halten, erklärt der Fachmann. Endbevorratung oder der Erhalt von Produktionsanlagen treiben den Preis neuwertiger Elektronik-Ersatzteile. Volker Eberlein, Vice President Technical von Bosch Automotive Aftermarket Electronic Services „Gerade um dauerhaft Lösungen bieten zu können, die dem Zeitwert von Fahrzeugen Rechnung tragen, wird der Bedarf an Aufarbeitung und Reparatur immer größer und von Kunden und Markt aktiv gefordert werden“, erklärt Volker Eberlein. Foto: Bosch www.autoservicepraxis.de

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Foto: C3-Cramm Car Concepts GmbH onssysteme, Klimabedienteil, Turbolader und -teile auf. „Neu hinzugekommen sind die LED-Scheinwerfer. Im Rahmen der Reparatur von LED-Scheinwerfern werden LED oder Stellmotoren getauscht oder instandgesetzt, Dichtungen erneuert, Kabelschäden behoben und defekte Schaltungen repariert“, sagt Professor Steinhilper. In der Werkstatt würden im Rahmen der Instandhaltung ständig Steuergeräte, Scheinwerfer oder zum Beispiel Getriebe gegen Neuteile ausgetauscht. Diese gebrauchten Bauteile müssten jedoch nicht gleich entsorgt werden, sondern könnten im Remanufacturing repariert und in einen Zustand versetzt werden, der dem Neuteil mindestens gleichwertig ist. Auch immer mehr Old- und Youngtimer verfügen über eine elektronische Ausstattung. Daher entwickeln Refabrikations-Experten auch Reparaturlösungen für Classic-Steuergeräte und bauen ihr Angebot immer mehr aus. Auch Bosch hat diesen Trend erkannt: „Neben dem Benzineinspritzsteuergerät D-Jetronic haben wir unser Portfolio jüngst auch um andere wichtige Classic-Erzeugnisse wie frühe ABS-Steuergeräte, Zündsteuergeräte oder Motorsteuergeräte ergänzt. Hier arbeiten wir eng mit den Classic-Abteilungen verschiedener Premium-Hersteller zusammen“, fügt Volker Eberlein von Bosch hinzu. Grenzen der Refabrikation Die zunehmende Vernetzung elektronischer Fahrzeugkomponenten beeinflusst die Refabrikation elektronischer Bauteile. Die Analyse von Fehlfunktionen erfordert hierbei eine umfangreiche Simulation des Fahrzeugumfelds. Hierbei steigen mit den komplexeren Bauteilen auch die Anforderungen an die Technologien, die ein Betrieb bei Reparatur und Aufbereitung beherrschen muss. So müsse eine Reparatur am Ende dem Kunden und der Werkstatt immer noch einen Vorteil bieten, betont Eberlein. „Bei einfachen Elektroniken oder Sensoren lohnt sich die Reparatur häufig rein preislich gegenüber dem Ersatz durch ein neues Teil nicht.“ Das bestätigt auch Professor Steinhilper und berichtet weiter: „Es können auch keine Mircrocontroller oder digitalen Speicher repariert werden. Diese müssen durch neue ersetzt werden. Geht die Firmware hierbei verloren muss diese neu geflasht werden.“ Bauteile mit Wasserschäden oder Beschädigungen der Hauptplatine durch externe Kurzschlüsse oder Unfälle, sind ebenfalls von der Reparatur ausgeschlossen. Eine Refabrikation kommt bei elektronischen Komponenten, wie zum Beispiel das Airbagsteuergerät, aus Sicherheitsgründen nicht in Frage, da sind sich alle Experten einig. Ökologisch und ökonomisch Das Tempo des technischen Fortschritts bei der Fahrzeugelektronik ist sehr hoch. Die Produktionszyklen für eine bestimmte Generation sind allerdings kurz, während gerade hochwertige Fahrzeuge, in denen die Technik verbaut ist, oft viele Jahrzehnte auf der Straße sind. Daher sind sich alle Refabrikations-Experten einig, die Wiederaufarbeitung von defekten www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 27

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AUTOMOBILTECHNIK Steuergeräten ist ökonomisch und ressourcenschonend. Bei der Instandsetzung der Teile wird weniger Energie verbraucht, als für die Herstellung neuer Komponenten nötig wäre. Zukunft der Refabrikation Die Refabrikation werde nach Einschätzung der befragten Experten auch in Zukunft einen hohen Stellenwert behalten. „Immer komplexere Systeme bieten immer mehr Spielraum für Anfälligkeiten, gerade auch die immer kürzer werdenden Entwicklungszyklen bringen Tücken mit sich. Fehler, die erst nach längerer Erprobung auftreten würden, treten teilweise erst dann auf, wenn die Fahrzeuge bereits auf dem Markt sind“, erläutert Oliver Cramm. Steinhilper weist zusätzlich darauf hin, dass immer kürzere Innovationszyklen und größere Variantenanzahl an Fahrzeugkomponenten das Ersatzteilmanagement erschweren. „Hier sind Alternativen gefragt. Remanufacturing ist eine davon. Obsoleszenzmanagement ist ein weiteres Stichwort, das hier zu nennen ist beziehungsweise bei dem Remanufacturing die interessanteste Lösung bietet“, so der Professor. Insgesamt sei auch die Thematik 3D-Druck eine wichtige neue Technologie. Hiermit könnten insbesondere kleine Kunststoffteile, wie zum Beispiel Abdeckkappen, Stecker, Befestigungslaschen oder Gehäuseteile für die Refabrikation nachproduziert werden. Werkstätten profitieren Auch Werkstätten profitieren von der Aufarbeitung der elektronischen Bauteile in Kooperation mit Spezialisten. Durch das Angebot von Kfz-Elektronik-Reparaturen setzen sie sich von den Mitbewerbern ab. Ferner können Werkstätten den Aus- und Einbau eines Gerätes ihren Kunden berechnen sowie die extern vergebene Dienstleistung der eigentlichen Bauteilreparatur mit Gewinnspanne verkaufen. Der Kunde spart dennoch viel Geld gegenüber dem Kauf eines Neuteiles. Das bestätigt auch Oliver Cramm und fügt hinzu: „Die Gewährleistung auf die Instandsetzung ist bei seriösen Anbietern genauso lang oder länger als die gesetzliche Neuteil-Gewährleistung von zwei Jahren. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Kunde der Marke treu bleibt, da bei einem Defekt die Geräte instand gesetzt werden konnten und er nicht durch ein teures Neuteil verärgert ist.“ Die Elektronik- AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Aufarbeitung von Elektronik ist Handwerk. Spezialisten entwickeln ihre Verfahren stets weiter und ergänzen die dazu notwendige technische Ausrüstung. Einfaches Prozedere Die Zusammenarbeit ist für die Werkstatt denkbar einfach. Hat die Werkstatt den Ausfall einer Komponente diagnostiziert, sorgt sie für den fachgerechten Ausbau und beauftragt ein Refabrikations-Unternehmen. Nach der Übersendung des Steuer gerätes beziehungsweise der elektronischen Komponente führt der Experte eine umfangreiche Funktionskontrolle durch. Das Instandsetzen der defekten Geräte erfordert ein spezielles Know-how und Equipment. Während die Herstellung von elektronischen Komponenten eine rein industrielle Fertigung ist, handelt es sich bei der Reparatur um einen handwerklichen Vorgang. Ist der Fehler gefunden, beginnt der Experte mit dem Reparaturvorgang. Einige Geräte lassen sich Foto: c3 Cramm Car Concept GmbH für die Reparatur nicht einfach öffnen. Hierfür benötigt der Fachmann spezielle CNC-Fräsen, die das Gehäuse öffnen, ohne die elektronische Einheit im Inneren zu beschädigen. Eine defekte Bondingverbindung kann der Experte mit einem Bonder reparieren. Die Parameter für das Bonding erstellt der Techniker anhand der Fehlerliste, so dass die Maschine eine perfekte neue Verbindung zu den jeweiligen Bauteilen setzt. Defekte Bauteile, wie zum Beispiel den CPU (Hauptprozessor) oder einen Chip, lötet der Experte aus und ersetzt diese gegen die jeweiligen neuen Bauteile. Eine ausführliche Funktionsprüfung und Endkontrolle schließt den Reparaturauftrag ab. Die Reparaturzeiten versuchen die Experten durch straffe Prozesse, zuverlässige Logistik und EDV-Unterstützung möglichst kurz zu halten. In der Regel ist das reparierte Gerät daher binnen 48 Stunden wieder zurück und bereit zum Einbau. Die Refabrikations-Unternehmen bieten ihren Kunden Reparaturen zum Festpreis oder individuelle Reparaturlösungen an. Ferner informieren sie nach Diagnose der elektronischen Komponente die Kfz-Werkstatt mit einem Kostenvoranschlag über die Höhe der Reparaturkosten. Viele Unternehmen bieten auch einen schnellen 1:1-Austausch an. Innerhalb von 24 Stunden liefern sie das benötigte Bauteil im Tausch gegen das defekte Gerät. Frauke Rodenbostel ■ DAS KANN REPARIERT WERDEN Die Liste der Gerätetypen, die sich für die Aufarbeitung eignen, ist lang: ■ Motorsteuergeräte ■ Zündschaltgeräte ■ ABS/ASR/ESP-Steuergeräte ■ Teilweise ABS/ASR/ESP-Hydraulikeinheiten ■ Getriebesteuergeräte ■ Kupplungssteller für automatisierte Schaltgetriebe ■ Drosselklappen ■ Stellglieder für Turbolader ■ Cockpits/Displays/Tachoeinheiten ■ Klimabedienteile ■ elek. Servolenkungen ■ Pumpensteuergeräte (elek. Dieselpumpen) ■ Luftmassenmesser (je nach Typ) Hier weiß nur der Spezialist weiter. ■ Zündverteiler ■ Zentralelektroniken (verschiedene Gerätetypen) ■ Diagnosemittel (z. B. Opel Tech2 Diagnosetester, Mitsubishi MUT III Tester, Nissan Consult und weitere) ■ Oldtimer- / Youngtimerelektronik ■ Nutzfahrzeugelektronik Foto: c3 Cramm Car Concept GmbH Quelle: Glaubitz GmbH & Co. KG (ecu.de) www.autoservicepraxis.de

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AUTOMOBILTECHNIK RETRO CLASSICS BAVARIA Classic-Ableger in Nürnberg Vom 9. bis 11. Dezember fand zum ersten Mal die Retro Classics Bavaria statt. Die kleine Schwester der Oldtimermesse Retro Classics Stuttgart hatte einen stark regionalen Bezug – das zeigte sich an den Ausstellern. enn die große Oldtimermesse Retro Classics in Stuttgart der große Paukenschlag zum Saisonauftakt ist, war der bayerische Ableger in Nürnberg dessen Widerhall am Jahresende. Mit der Retro Classics Bavaria will der Veranstalter Retro Messen GmbH eine Drehscheibe für Sammler, Verkäufer und Liebhaber alter Automobile in Franken installieren. Neue Ausstellergruppen Die Ausstellung im Messezentrum Nürnberg füllte immerhin vier Hallen auf insgesamt 35.000 Quadratmeter. Rund 350 Aussteller fanden den Weg in die Franken- Metropole, darunter Händler, Werkstätten, Teilehändler und Anbieter von Accessoires sowie auch Prüfgesellschaften. Zum Vergleich: In Stuttgart belegten zuletzt mehr als 1.500 Aussteller rund 125.000 Quadratmeter Hallenfläche. Die Stamm-Messe, die bereits seit 17 Jahren stattfindet, ist damit gemessen an der Ausstellerzahl gut viermal so groß wie ihr Bayern-Ableger. Der Veranstalter war mit dem Messeverlauf dennoch sehr zufrieden: Mit 26.544 Messegästen auf dem Nürnberger Messegelände habe man die Ziele sogar übertroffen. Fast 90 Prozent der Besucher stammten aus Bayern. Offenbar gelang es dem Veranstalter auch, ganz neue Aussteller mit der regionalen Messe anzuspre- TÜV SÜD AUF DER RETRO CLASSICS BAVARIA Live- Bewertung eines Ford Mustang, Baujahr 1967. TÜV SÜD war bei der Premiere der Retro Classics Bavaria mit einem ganz besonderen Messestand dabei: Privat­ und Autohauskunden wurden aus dem umgebauten, klassischen „Airstream Traveler“ mit Getränken und kleinen Leckereien versorgt. Kundenmagnet auf dem Stand war unter anderem ein Ford Mustang Cabrio, Baujahr 1967. Das ganze Wochenende wurden mit einer Vielzahl von Autohäusern, Werkstätten, Versicherungen und Privatkunden Gespräche geführt. „Neben neuen Aufträgen und Kooperationen hat der Messestand dazu beigetragen, dass TÜV SÜD für unsere Zielgruppen und Kunden ‚erlebbar‘ wird“, erklärte Lars Kammerer, Leiter Marketing und verantwortlich für TÜV SÜD ClassiC. Viele regionale Aussteller wie die Feser-Gruppe nutzten die Gelegenheit. Fotos: Dietmar Winkler chen: Nur rund zehn Prozent der Aussteller in Nürnberg waren bislang auch in Stuttgart dabei. Classic-Informationen von Profis „Wir wollen der Oldtimer-Szene mehr regionale Plattformen anbieten, sowohl den Messebesuchern als auch den Ausstellern“, sagte Karl Ulrich Herrmann, Geschäftsführer der Retro Messen GmbH. „Es gibt viele gute Spezialisten in den jeweiligen Regionen, die sonst kaum Möglichkeiten haben, sich professionell zu präsentieren.“ In Nürnberg war auch TÜV SÜD mit einem Stand in Halle 3A vertreten. Dort konnten Besucher unter anderem die Live-Bewertung von Fahrzeugen durch einen TÜV Sachverständigen miterleben und sich über Themen rund um Classic Cars sowie die Erstellung von Wertgutachten für Young- und Oldtimer informieren. Ein Highlight der Messe war die Sonderschau zum Automobilhersteller Horch mit zahlreichen restaurierten Fahrzeugen, mit dabei unter anderem ein Horch 930 Cabriolet, ein Horch 780 Sportcabriolet von 1932 und ein originalgetreuer Nachbau eines Horch 853 „Manuela“. Der Termin der nächsten Retro Classics Bavaria ist vom 8. bis zum 10. Dezember 2017. Dietmar Winkler ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 29

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AUTOMOBILTECHNIK PORSCHE Neue Maßstäbe in der Fertigung Der neue Porsche Panamera wird jetzt komplett im Werk Leipzig gebaut. In der neuen Produktion kommen modernste und nachhaltige Fertigungsverfahren zum Einsatz. Fotos: Porsche Die Entscheidung für einen weiteren Werksausbau im Porsche-Werk Leipzig fiel im März 2014 mit dem Ziel, die Produktion der neuen Generation Panamera komplett nach Leipzig zu holen. Bislang fand hier lediglich die Vorund Endmontage der aus dem Volkswagenwerk Hannover gelieferten lackierten Karossen statt. Mit einer Investitionssumme von 500 Millionen Euro hat Porsche nicht nur den Standort Leipzig gestärkt, sondern in zwei Jahren Bauzeit unter anderem auch einen komplett neuen Karosseriebau für die Sportlimousine errichtet. Neben dem Macan ist der Panamera nun AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 die zweite Baureihe, die vollständig in Leipzig gefertigt wird. Auf 56.000 Quadratmetern entstehen seit August 2015 mit Hilfe von 475 Robotern und 200 Mitarbeitern pro Schicht auf Basis des Modularen Standard Baukastens (MSB) die Karossen der zweiten Panamera-Generation. Hohe Fertigungstiefe Neben dem Karosseriebau wurden im Zuge der Erweiterungsmaßnahmen für den Panamera weitere Bereiche der Produktion ausgebaut, unter anderem die Kapazitäten in der Montage erhöht, die Infrastruktur angepasst sowie ein Logis- Roboter legen über 200 Meter Klebenähte pro Karosse des neuen Panamera. www.autoservicepraxis.de

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KURZFASSUNG Porsche baute sein Werk Leipzig für den neuen Panamera aus, der jetzt komplett dort gefertigt wird. Der Materialmix der Karosserie erfordert modernste Fügeverfahren, die gleichzeitig sehr energieeffizient sind. tikzentrum errichtet. Ein neues Qualitätszentrum bündelt auf 6.000 Quadratmetern alle Bereiche der Fahrzeugoptimierung an einem Ort. Die Karosserie des Panamera wird auf Basis des flexiblen Modularen Standard Baukastens (MSB) innerhalb des Volkswagen-Konzerns gefertigt. So können neben verschiedenen Radständen auch spezifische Aufbauten umgesetzt werden. Alle Modelle werden dabei über die gleichen Fertigungsanlagen gefahren. Dass die richtige Baugruppe zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, überwacht ein übergeordnetes Fabrikleitsystem (Bodytracking). Bereits ab dem ersten Bauteil ordnet es den Baugruppen einen Fahrzeugauftrag zu und überprüft permanent, ob alle notwendigen Bauteile für den Auftrag vorhanden sind. Alle gefertigten Baugruppen und Karosserien werden dazu mittels eines QR-Codes sowie RFID, also der Identifizierung über elektromagnetische Wellen, markiert und mehrfach während des Fertigungsdurchlaufs geprüft. Dies ermöglicht eine lückenlose Identifikation, Steuerung und Visualisierung aller Fertigungsparameter im Karosseriebau. So entstehen aus 430 Einzelteilen im Schnitt 13 Panamera-Karosserien pro Stunde mit einer Fertigungstiefe von 90 Prozent. Moderne Fügetechniken Beim Aufbau der Karosserien setzt Porsche auf eine Leichtbau-Matrix, die sicherstellt, dass ein Werkstoff seinen speziellen Eigenschaften entsprechend zielgerichtet eingesetzt wird. So besteht die Außenhaut komplett aus Aluminium, insgesamt hat die Karosse einen Aluanteil von 45 Prozent und erreicht ein Gewicht von 325 Kilo. Um Aluminiumbleche, Aluminiumguss und hochfeste Stahlbleche miteinander zu verbinden, kommen neueste mechanische und thermische Fügetechniken zum Einsatz. Gegenüber dem Macan hat der neue Panamera beispielsweise nur halb so viele Schweißpunkte. Im Gegenzug werden unter anderem 600 Flowdrill-Schrauben pro Karosse verarbeitet. Diese fließlochformenden Schrauben werden unter Druck und mit hoher Geschwindigkeit eingedreht. Dabei schneiden sie nicht nur ihr Gewinde selbst, sondern erhitzen sich und das Material so stark, dass es förmlich miteinander verschmilzt. Daneben werden die Verfahren Stanznieten, Alu-Laserschweißen und Clinchen eingesetzt. Das Clinchen, auch Durchsetzfügen genannt, verbindet durch Druck verschiedene Bleche miteinander. Eine weitere fügetechnische Besonderheit ist das Rollfalzen der Seitenwände an die Karosserie. „Beim f ormschlüssigen Verbinden der leichten Aluminiumseitenwand mit den hochfesten Blechen der Karosseriestruktur kombinieren wir das Rollfalzen mit einem Klebeverfahren“, sagt Christoph Beerhalter, Leiter Karosseriebau in Leipzig. Jedes Fahrzeug besitzt insgesamt mehr als 200 Meter Klebenaht, auch um Aluminium und Stahl zum Korrosionsschutz galvanisch zu trennen. Darüber hinaus kommen Bolzenschweiß-, Widerstandsschweiß- und Klebetechniken zum Einsatz. Im MIG/MAG-Schweißverfahren werden über 15.000 Schweißnähte gelegt. Nachhaltige Technik Die neuen Fügetechniken wurden auch unter dem Aspekt der Energieeffizienz entwickelt. Eine neue Photovoltaik versorgt den Karosseriebau mit vier Megawattstunden Energie, ergänzt durch ein angrenzendes Blockheizkraftwerk. Neben den neuen Fügetechniken sorgen zum Beispiel eine neu programmierte Servopneumatik an den Schweißzangen oder der völlige Verzicht auf Druckluft an einigen Komponenten für Energieeinsparungen. Bereits für den Macan wurden Roboter-Schweißzangen mit einer Kühlung mit Wärmerückgewinnung entwickelt, die jährlich 365.000 kWh einsparen. Laut Karosseriebau-Leiter Beerhalter gibt es für alle im Werk eingesetzten Füge- und Verbindungstechniken auch Reparaturlösungen für die Werkstatt. Welche genau das sind, wollte Porsche zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht kommunizieren. Dieter Väthröder ■ TAKTGEBER LOGISTIK Das Porsche­Produktionssystem gewährleistet, dass ein neues Fahrzeug optimal produziert werden kann. Dabei steht die Logistik vor der großen Herausforderung, die hohe Varianz in den Ausstattungen der Fahrzeuge abzubilden und punktgenau das richtige Material für das richtige Fahrzeug bereitzustellen. Dazu erreichen pro Arbeitstag 17.000 Ladungsträger für die Montage und 8.600 Ladungsträger für den Karosseriebau in ca. 550 Lkw das Werk Leipzig. In den logistischen Versorgungszentren Karosseriebau und Montage wird aus diesen Ladungsträgern in der richtigen Reihenfolge das Material kommissioniert, sequenziert oder sortenrein in der Fertigstellung bereitgestellt. Am Tag sind 270.000 so genannte Picks notwendig, also einzelne Teile, die automatisch oder durch Mitarbeiter kommissioniert und an den Einbauort gebracht werden. Ein Schwerpunkt in der Versorgung der Montage bildet die Just­in­Sequence­Belieferung von circa 75 Modulen, zum Beispiel der Cockpits. Diese werden direkt vom Lieferanten ohne Zwischenlagerung im Werk exakt in der richtigen Reihenfolge und zum richtigen Termin angeliefert und am Einbauort bereitgestellt. Foto: Porsche www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 31

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PRODUKTE ZUBEHÖRKATALOG Im neuen Look Foto: ST Suspensions Federal-Moguls Motorparts hat zwei neue Kataloge für Motorenteile vorgestellt. Die beiden Kataloge für Nüral Zylinderkomponenten und Glyco Gleitlager kommen im einheitlichen Layout daher, was die Suche nach den passenden Produkten erleichtern soll. Das Sortiment in OE-Qualität sei erweitert worden und decke jetzt im Vergleich zu den letzten Ausgaben 30 Prozent mehr Motoren ab. „Die neugestalteten Nüral und Glyco Kataloge passen perfekt in unser umfassendes Engine Expertise Konzept für Motorenteile. Sie demonstrieren deutlich, wie weit wir unser Programm ausgebaut haben“, so Andreas Grosse- Coosmann, Direktor Marketing Nordeuropa, Federal-Mogul Motorparts EMEA. vg ■ Federal-Mogul Holdings Corporation www.federalmogul.com TUNING Dynamik pur ST Suspensions bietet jetzt für den BMW M2 einen neuen ST Federsatz für eine dezente Tieferlegung in Verbindung mit dem Serienfahrwerk von bis zu 20 Millimetern. Zur Verfügung stehen auch die ST DZX Spurverbreiterungen für eine Verbreiterung von 25 Millimeter pro Achse. Die ST Foto: Federal-Mogul Federn sollen in Verbindung mit dem BMW M Fahrwerk für mehr Fahrdynamik sorgen. Der BMW M2 erhalte ein noch direkteres Handling, so der Hersteller. asp ■ KW automotive GmbH www.st-suspensions.de IMPRESSUM ISSN NR. 1437-1162 Anschrift von Verlag und Redaktion Springer Automotive Media Springer Fachmedien München GmbH Aschauer Str. 30 · 81549 München Tel. 0 89/20 30 43-0 Fax Redaktion 0 89/20 30 43-12 18 Fax Anzeigen 0 89/20 30 43-12 40 http://www.autoservicepraxis.de Springer Fachmedien München GmbH ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Nature. Redaktion Herausgeber Dipl.-Ing. Jürgen Wolz (TÜV SÜD Auto Service GmbH), Lars Kammerer (TÜV SÜD Auto Service GmbH) Anschrift siehe Verlag Chefredaktion (V.i.S.d.P.) Ralph M. Meunzel Tel. 0 89/20 30 43-12 03 Koordination Patrick Neumann Tel. 0 89/20 30 43-11 84 Redaktion Valeska Gehrke (vg) Tel. 0 89/20 30 43-23 09 Alexander Junk (aj) Tel. 0 89/20 30 43-23 10 Dietmar Winkler (diwi) Tel. 0 89/20 30 43-27 92 Online-Redaktion Ralf Padrtka (Leitung) Tel. 0 89/20 30 43-12 84 Thomas Maier Tel. 0 89/20 30 43-23 11 Frank Selzle Tel. 0 89/20 30 43-11 08 E-Mail: autoservicepraxis@springer.com Ständige Mitarbeiter Eva-Elisabeth Ernst, Martin Schachtner, Marcel Schoch, Dieter Väthröder, Erwin Wagner Gesamtleitung Herstellung Maren Krapp Tel. 0 89/20 30 43-14 18 AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Layout Diane Laudien Tel. 0 89/20 30 43-11 87 Verlag Geschäftsführer Peter Lehnert Tel. 0 89/20 30 43-22 54 Verlagsleiter Springer Automotive Media Ralph M. 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Mit dem Autorenhonorar gehen die Verwertungs-, Nutzungs- und Vervielfältigungsrechte an den Verlag über, insbesondere auch für elektronische Medien (Internet, Datenbanken, CD-ROM). Es werden nur solche Manuskripte angenommen, die an anderer Stelle weder veröffentlicht noch gleichzeitig angeboten sind. Für die mit Namen des Verfassers gekennzeichneten Beiträge übernimmt die Redaktion lediglich die pressegesetzliche Verantwortung; sie stellen also nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Erscheinungsweise 11 Ausgaben pro Jahr Bezugspreis Einzelheft: € 10,90 netto/€ 11,66 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Jahresabonnement Inland: 81,60 netto/€ 87,31 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Ausland (Europa): € 93,60 netto/ € 100,15 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Ausland (außerhalb Europa): auf Anfrage. Preisänderungen vorbehalten. Alle weiteren Aboangebote und -preise finden Sie unter www.autoservicepraxis.de. Abonnementkündigung: schriftlich, nach einem Bezugsjahr, 6 Wochen zum Bezugszeitraums ende. Bankverbindung Hypo-Vereinsbank München (BLZ 700 202 70) Kto.-Nr.: 1 830 209 200 IBAN: DE02 7002 0270 1830 2092 00 BIC: HYVEDEMMXXX, UST-ID: 152942001 Druck L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG DruckMedien Marktweg 42-50, 47608 Geldern Gerichtsstand und Erfüllungsort: München Handelsregister: Amtsgericht München HRB 110956 Angeschlossen der Informationsgemein schaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW), Sicherung der Auflagenwahrheit. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung. Inhaber- und Beteiligungsverhältnis (gemäß § 8, Absatz 3, des Bayer. Pressegesetzes): Gesellschafterin der Springer Fachmedien München GmbH ist zu 100 % die Springer-Verlag GmbH. Deren 100%ige Gesellschafterin ist die Springer Science+Business Media GmbH. 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AUTO SER- VICE PRAXIS-Abonnenten verfügen damit über die im Sinne der AU-Anerkennungsrichtlinie erforderlichen Informationen und sind somit vom Bezug des ansonsten vorgeschriebenen Verkehrsblattes befreit. Bei der Springer Fachmedien München GmbH erscheinen auch die Zeitschriften AUTOHAUS, Autoflotte, GW-trends und Sprit+. www.autoservicepraxis.de

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MOTORENÖL Klare Ausrichtung BREMSEN Neuer Sensorring Mit drei neuen Specific-Produkten will Motul einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten und sich bereits auf die Einführung der Abgasnorm Euro 7 in drei bis vier Jahren ausrichten, heißt es in einer Mitteilung. Denn dann stünden Fahrzeughersteller vor der großen Herausforderung, die CO 2 -Emissionen ihrer Fahrzeugflotten von 130 g/km auf 95 g/km zu verringern. In modernen Motorkonzepten würden verstärkt Ultraleichtlaufviskositäten wie SAE 0W20 in Verbindung mit einer abgesenkten HTHS-Viskosität zum Einsatz kommen. Dadurch werden Reibungsverluste minimiert, mechanische Energie zurückgewonnen und der Kraftstoffverbrauch reduziert, so der Hersteller. Das vollsynthetische Hochleistungsmotorenöl Motul Specific 5122 SAE 0W20 etwa ist eine maß geschneiderte Lösung für reduzierten Kraftstoffverbrauch und optimalen Verschleißschutz in modernsten Benzinmotoren von Jaguar und Land Rover (JLR), bei denen ein Motorenöl mit der Der ABS Sensor ist als Signalgeber für die Regelung des Bremsdrucks ein wichtiges Teil des ABS. Über einen Sensorring wird dabei gemessen, wie schnell sich die Räder drehen. Bei einem Defekt ist eine schnelle Fehlerdiagnose entscheidend. Textar bietet daher einen praktischen ABS Sensor Checker für Bremsscheiben mit magnetischem ABS Sensorring an. Ohne eine aufwändige Diagnose sei damit ein leichtes und kostengünstiges Prüfen der Magnetsegmente des Sensors möglich. Das Prüfgerät mache durch Auflegen die Magnetfelder sichtbar, unregelmäßige Verläufe, die auf einen defekten Senorring hinweisen, seien schnell erkennbar. Für einen begrenzten Zeitraum liegt das Prüfgerät Bremsscheiben mit magnetischem ABS Senorring kostenlos bei. vg ■ TMD Friction www.tmdfriction.com Freigabe STJLR 51.5122 vorgeschrieben ist, so der Hersteller. Es ist als 12 x 1, 4 x 5 sowie als 60-Liter-Verpackungseinheit erhältlich. vg ■ MOTUL Deutschland GmbH www.motul.de Foto: Motul Foto: TMD Friction ERSATZTEILE Streifenfreie Sicht Heyner bringt mit dem Rear Classic einen neuen Heckscheibenwischer auf den Markt. Denn gerade im Winter bei Nässe oder Schnee ist die Sicht durch stark www.autoservicepraxis.de Foto: Alca Mobil Logistics + Services verschmutzte Heckscheiben häufig eingeschränkt. Die neuen Heckscheibenwischer Rear Classic sind für viele Fahrzeuge mit traditioneller Wischerarmkonstruktion die passende Lösung, ist Heyner überzeugt. Eine Edelstahlfeder im vollverzinkten Stahlrahmen sorge für gleichmäßigen Druck auf die Scheibe und stelle so auch bei langen Autofahrten eine klare und streifenfreie Sicht auf die Straße sicher. Dank der Nano-Graphit-Beschichtung bleibe das eingebaute Wischergummi lange flexibel und einsatzfähig, so der Hersteller. vg ■ Alca Mobil Logistics + Services GmbH www.heyner-germany.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 33

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AUTOMOBILTECHNIK VERSCHLEISSTEILE Online-Wissen ist alles Immer noch erzielen Werkstätten mit dem Verschleißteilhandel einen Großteil ihres Umsatzes. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie dabei vom Teilehandel. NGK bietet über die FZ- Schlüsselnummer-Abfrage eine fahrzeugtypsichere Identifizierung von Zündkerzen an. er Wechsel von Zündkerzen und Keilriemen ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil des großen Kundendienstes. Aber auch bei kleinen Reparaturen sehen verantwortungsbewusste Mechaniker nach deren Zustand und wechseln bei Bedarf diese Teile aus. Auch wenn eine einzelne Zündkerze oder ein Keil- oder Zahnriemen nicht viel kostet, so macht es doch ihre Masse, die bei den Umsatzzahlen deutlich zu Buche schlägt. Wichtig ist hierbei jedoch, dass speziell bei modernen Fahrzeugen die Identifizierung des benötigten Ersatzteiles schnell und sicher durchgeführt werden kann. Mit der mittlerweile fast schon zum Standard gewordenen FZ-Schlüsselnummer- Abfrage bieten der Teilehandel und auch die Teilehersteller zur sicheren Identifizierung online zahlreiche Informationen, die weit über die eigentliche Ersatzteilerkennung hinausreichen. Jedoch ist der Einund Ausbau sowohl von Zündkerzen als auch von Keilriemen lange schon nicht mehr so einfach, wie er einst war. Mechaniker benötigen hierzu zahl reiche Zusatzinformationen, um sie zügig und fachgerecht durchführen zu können. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Foto: NGK Neue Wissensplattform Aus diesem Grund hat NGK Spark Plug Europe GmbH seit September 2016 eine neue Internetplattform, das so genannte „TekniWiki“ ins Netz gestellt, die eine breite Palette an technischen Inhalten zur Verfügung stellt. Werkstätten können sich hier kostenfrei anmelden und finden alle technischen Informationen zu NGK-Produkten. Aber auch Tipps und Tricks zur Montage von Zündkerzen mit Angabe von Anzugsdrehmomenten und Drehwinkel- Angaben. Darüber hinaus dient sie als Wissensplattform und kann auch, neben Werkstattmitarbeitern, von Berufsschullehrern, Bildungsinstitutionen, aber auch von allen anderen, die sich für Zündungs- und Sensoren-Technologie interessieren, genutzt www.autoservicepraxis.de

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Foto: NGK Über das TekniWiki sind alle Infos zu Zündkerzen und anderen Teilen bequem online abfragbar. werden. Zusätzlich kann über das frei zugängliche TekniWiki jedermann auch das so genannte NGK E-Learning nutzen, technische Videos ansehen oder Informationen herunterladen. Alle Infos unter einem Dach Der Vorteil des neuen Portals liegt speziell für Werkstätten klar auf der Hand. Bisher nämlich mussten Kunden von NGK Spark Plug Europe stets mehrere Quellen im Auge behalten, um keine Informationen über Produkte der Marken NGK und NTK zu verpassen. Das neue Online-Portal fasst quasi alle diese Informationen aus mehreren Quellen „unter einem Dach“ zusammen. So umfasst das TekniWiki vier benutzerfreundliche Rubriken: „Technisches Know-how“ beinhaltet die E-Learning-Anwendung von NGK Spark Plug Europe. Hier haben Besucher nun auch über Smartphones oder Tablet-PCs Zugang zu interaktiven Kursen über Zündkerzen, Glühkerzen, Lambdasonden, Zündleitungen und Zündspulen. Im „Download“-Bereich finden sich die aktuellen Kataloge und Broschüren des Unternehmens. Ein Klick auf „Videos“ umfasst alle technischen Clips aus dem YouTube-Kanal von NGK. Jedes Video kann angesehen werden, ohne das TekniWiki zu verlassen. Schließlich bietet der Bereich „Neuigkeiten“ aktuelle Nachrichten über NGK Ignition Parts und NTK Vehicle Electronics. „Für den Erfolg der Marken NGK und NTK ist es wichtig, dass Kunden zu Informationen so bequem wie irgend möglich Zugang haben“, so Sebastian Albers, Technical Service Specialist bei NGK Spark Plug Europe. „Das TekniWiki macht die Informationssuche für jeden zu KURZFASSUNG Der Verschleißteilehandel ist ein wichtiges Standbein für jede Kfz-Werkstatt. Das wissen auch Teilehersteller wie NGK oder ContiTech und versuchen mit immer neuen Services, den Verkauf noch weiter anzukurbeln. Vor allem Online-Portale haben sich hier, besonders wenn es um die Wissensvermittlung rund ums Ersatzteil geht, als Mittel der Wahl herausgestellt. Sebastian Albers, Technical Service Specialist bei NGK Spark Plug Europe, steht Kunden auch persönlich telefonisch zur Verfügung. einem Kinderspiel, der sich für unsere Produkte interessiert. Und dank der vielen Videos und des interaktiven E-Learnings macht es auch noch Spaß.“ Das TekniWiki findet sich in 15 Sprachen unter www.tekniwiki.com und kann über Desktop, Tablet und Mobiltelefon gleichermaßen genutzt werden. Nach wie vor besteht aber immer noch zusätzlich für Werkstätten die Möglichkeit bei akuten Problemen oder technischen Fragen werktags (Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr und Freitag 8 bis 14 Uhr, zwischen 12 und 13 Uhr Mittagspause) direkt den Technical Service Spezialisten, Sebastian Albers, unter der Telefonnummer 02102- 974-103 anzurufen. Auch bei der ContiTech AG hat man sich darüber Gedanken gemacht, wie man Foto: NGK

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AUTOMOBILTECHNIK freien Werkstätten bei der Prüfung, der Teilebestellung und dem Wechsel von Zahn-, Antriebs- oder klassischen Keilriemen noch mehr unterstützen kann. Damit Werkstätten den Riemenzustand und vor allem die Spannung im Riementrieb bei der Direktannahme oder einem Service schnell überprüfen können, bietet ContiTech seit Herbst 2016 den so genannten Belt Tension Tester Mini (BTT Mini) an. Das Messgerät im Kompaktformat misst die Schwingfrequenz des Riementriebs mithilfe eines Beschleunigungssensors. Wie ContiTech betont, ist es wegen der kompakten Bauweise des BTT Mini auch an sehr beengten Stellen im Motorraum möglich, mit dem Messgerät die Riemenspannung sicher zu messen. Wer jedoch unsicher ist, an welcher Stelle genau gemessen werden muss, der kann unter www.contitech. de/ aam im Bereich „Mess- und Montagewerkzeuge“ die empfohlenen Messstellen und Frequenzen für den jeweiligen Riementrieb nachlesen. Die hier gelisteten Angaben stellen für die jeweiligen Riementypen die stets korrekte Einstellung der Riemenvorspannung sicher. Im Online-Katalog von ContiTech können Werkstätten den passenden Riemen auswählen und bestellen. ContiTech vermittelt seinen Werkstattkunden so viel Wissen über Riemenantriebe wie möglich. Foto: ContiTech Online den passenden Riemen finden Ergibt die Messung, dass der Riementrieb gewechselt werden muss, kann die Werkstatt direkt im Online-Katalog unter www.contitech.de/aam („Fahrzeugsuche“) ohne Online-Anmeldung den passenden Riemen heraussuchen und anschließend, wie gewohnt, bestellen. Sind für die Montage noch weitere detaillierte Informationen zum Produkt wie Montagetipps, Einbauanleitungen, Bilder, Videos und so weiter nötig, besteht die Möglichkeit, diese über die oben genannte Seite im Product Information Center (PIC) nach Eingabe der Artikel-Nummer abzufragen. Auch nach Scannen des QR-Codes auf der Produktverpackung mit dem Smartphone stehen alle diese Informationen dem Mechaniker zur Verfügung. So kann er über sein Smartphone bei der Montage noch fehlende Informationen schnell „nebenbei“ abrufen. Darüber hinaus versucht ContiTech über die Social-Media-Kanäle möglichst dicht vor allem an die jüngeren Mitarbeiter der Werkstätten heranzukommen. So stehen auf YouTube und Facebook zahlreiche Videos mit Praxistipps zur Montage von Riemenantrieben zum Download bereit. Die Videoserie, die unter dem Namen „Watch and Work“ angeboten wird, stellt leicht verständlich die häufigsten Montageprobleme und deren Lösungen dar. Moderiert werden sie vom ContiTech-Schulungstrainer Stefan Meyer, Der Einbau von Antriebsriemen gestaltet sich bei modernen Fahrzeugen zuweilen sehr schwierig. Foto: ContiTech der in den fünfminütigen Videos erklärt, wie Riemenantriebskomponenten richtig gewechselt werden müssen. Spezialtipps runden die Videos ab und sollen helfen, so zu arbeiten, dass Riemen und Motor nicht beschädigt werden. Auch zeigt Stefan Meyer, welche Werkzeuge wie angesetzt werden müssen und welche Handgriffe die Arbeit erleichtern (YouTube: www.contitech.de/aam-yt-de, Facebook: www.contitech.de/aam-fb). Zusätzlich sind die Folgen auch im Product Information Center (PIC) mit den jeweiligen Produkten verlinkt. So können die Informationen schnell gefunden werden. Nach und nach sollen weitere Videos zu den gängigsten Motoren von Audi, Citroën, Ford, Opel, Renault und VW folgen. Die Videos sind zunächst in Deutsch und Englisch abrufbar. An weiteren Sprachen wird zurzeit gearbeitet. Fünf-Jahres-Garantie Letztlich versucht ContiTech auch durch seine neue Fünf-Jahres-Garantie freien Werkstätten zusätzliche Verkaufsargumente zu liefern. Betriebe, die diese in Anspruch nehmen möchten, müssen sich einmalig unter www.contitech.de/aam („5 Jahre Garantie“) registrieren. Für die nach der Registrierung in Pkw verbauten Antriebsriemen und Riemenantriebskomponenten aus dem Produktprogramm Automotive Aftermarket gilt dann die fünfjährige Herstellergarantie. Zusätzlich bekommen registrierte Werkstätten auch den vierteljährlichen E-Mail- Newsletter mit Informationen zu neuen Produkten und Werkstatttipps. Marcel Schoch ■ AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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ASA NEWS Foto: ASA-Bundesverband ASA-BUNDESVERBAND Personell verstärkt ASA-Präsident Frank Beaujean (re.) begrüßt Volkmar Görgen, den neuen Leiter der ASA-Geschäftsstelle. Der ASA-Bundesverband startet mit zusätzlicher personeller Unterstützung ins Jahr 2017. Das hat der ASA-Vorstand mit Präsident Frank Beaujean an der Spitze kurz vor Weihnachten bekannt gegeben. Die Leitung der Geschäftsstelle hat Volkmar Görgen mit dem Jahreswechsel übernommen. Diplom-Kaufmann Görgen (54) war mehr als 25 Jahre in unterschiedlichen leitenden Positionen im Automobilhandel und für Automobilhersteller tätig. In den letzten Jahren konzentrierte er sich vor allem auf seine Tätigkeit als freier Unternehmensberater. „Wir sind froh, mit Volkmar Görgen einen Geschäftsstellenleiter für den ASA- Verband gefunden zu haben, der sich aufgrund seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit bestens in der Welt der Automobilhersteller, -händler und -werkstätten auskennt. Herr Görgen kann gestalten, wenn es sein muss hart verhandeln und beherrscht zudem die diplomatische vermittelnde Tonart. Wir sind zuversichtlich, mit ihm einen Repräsentanten gefunden zu haben, der die künftigen technischen und politischen Herausforderungen im Sinne unserer Mitglieder aktiv mitgestaltet“, sagte Frank Beaujean in einem Statement. Volkmar Görgen soll als Geschäftsstellenleiter vor allem administrative Aufgaben übernehmen und die neben ihrer beruflichen Tätigkeit ausnahmslos ehrenamtlich engagierten ASA-Vorstandsmitglieder durch gezielte Projektarbeit und -betreuung unterstützen. Eines seiner ersten Projekte wird das ASA-Zukunftsprogramm „Quo Vadis ASA 2025“ sein. Dessen Ziel ist es, dem Verband in den nächsten Jahren mehr Schlagkraft, Mitglieder und damit politische Durchsetzungsfähigkeit zu verleihen. Volkmar Görgen: „Ich freue mich auf die spannende Herausforderung, aktiv die Zukunft eines Wirtschaftsverbandes mitgestalten zu dürfen.“ Görgen dankte gleichzeitig seinem Vorgänger, Richard Linzing, als bisherigem Leiter der Geschäftsstelle für seine gute Vorarbeit. Verbunden mit dem Wechsel in der Geschäftsstelle beendet Richard Linzing auch seine Tätigkeit als Presseverantwortlicher für den ASA-Verband. ASA-Präsident Frank Beaujean dankte ihm ausdrücklich für die professionelle Pressebetreuung seit 2005 und wünschte ihm viel Glück und Erfolg für seine persönliche und berufliche Zukunft. Für die Pressearbeit hat sich der ASA-Verband ab Januar 2017 die Dienste des Redaktionsbüros SRG-Medien Frank Schlieben, Bernd Reich GbR in Ottobrunn gesichert. „Mit Bernd Reich und Frank Schlieben verbindet mich und meine Vorstandskollegen eine langjährige, von Respekt und Wertschätzung geprägte Zusammenarbeit. Die beiden haben sich in den letzten 20 Jahren einen untadeligen Ruf als Vollblutjournalisten und Branchenkenner erworben und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihnen“, sagte ASA- Präsident Frank Beaujean. KOMPAKT Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen e.V. Die Non-Profit-Organisation Prosafe (Product Safety Forum of Europe) hat sich zur Aufgabe gemacht, die Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen in Europa zu verbessern. Bereits 2016 hat Prosafe eine Initiative gestartet, um die allgemeine Überwachung von Fahrzeug-Hebebühnen bzw. deren CE-Konformität zu koordinieren. Im Fokus stehen dabei Zwei-Säulen- sowie Scheren-Hebebühnen. Überwachungsbehörden aus neun Mitgliedsstaaten der EU beteiligen sich an der Initiative. Für die Untersuchung greift Prosafe sowohl auf Schadens- und Unfallberichte zurück als auch auf die eigene Prüfung von Hebebühnen. Geplant ist es, die Untersuchungen bis Ende 2017 abzuschließen. Das Resultat wird Prosafe in einem detaillierten Abschlussbericht zusammenfassen. Ziel ist es, unsichere Hebebühnentypen und nicht den europäischen Regeln konforme Bühnen zu identifizieren. Mit der CE-Konformität versichert der Foto: BlitzRotary Die Initiative Prosafe prüft die Sicherheit und CE-Konformität von Hebebühnen. Hersteller einer Hebebühne, dass diese allen geltenden Regelungen in der EU entspricht. So müssen Hebebühnen unter anderem den Anforderungen der Maschinenrichtlinie entsprechen. Hebebühnen, welche nicht die CE-Konformität erfüllen, sollen vom Markt verschwinden. Weitere Infos: www.prosafe.org. KONTAKT Geschäftsstelle ASA-Bundesverband Telefon: 0 89/80 07 19 92 Fax: 0 89/84 00 58 56 E-Mail: geschaeftsstelle@asa-verband.de www.asa-verband.de www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 37

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WERKSTATTTECHNIK ABGASANALYSE Alles sauber! Die stete Reduzierung von Verbrauch und Emissionen, aber auch die Folgen des VW-Abgasskandals, lassen die Ansprüche an die Diesel-Diagnose steigen. Lehnert Tools hilft Werkstätten sie zu erfüllen. Tobias Lehnert (rechts) entwickelt und testet zusammen mit Stefan Basel alle von Lehnert Tools angebotenen Diesel-Diagnose-Werkzeuge. oderne Common-Rail-Einspritzsysteme funktionieren viele Jahre klaglos. Tritt ein Fehler auf, dann wird er oft vom Fahrer nicht bemerkt und manchmal erst bei der nächsten AU diagnostiziert. Auch freie und markengebundene Kfz-Werkstätten haben oft ihre liebe Not, solche Fehler schnell und zielführend zu finden. Die Firma Lehnert Tools aus Neuenstadt am Kocher weiß um die Probleme bei der Diagnose von Dieseleinspritzsystemen und hat für die häufigsten Fehler entsprechende Diagnosewerkzeuge entwickelt. „Mit unseren jeweiligen Diagnosetools können Rücklaufmengen-, Rücklaufdruck-, Temperatur- und Niederdruckmessungen oder Hochdruckprüfungen durchgeführt werden“, sagt Geschäftsführer Tobias Lehnert. „Aber auch an den Tank-Ersatz-Betrieb haben wir gedacht.“ Daneben führt Lehnert Tools auch alles zur SCR-Diagnose. Rücklaufmengen vergleichen Ein häufiger Fehler beim Common-Rail- Einspritzsystem ist ein defekter Hochdruck-Injektor. „Diesen Fehler kann man einfach finden, indem man die jeweiligen Fotos: Lehnert Rücklaufmengen der Zylinder miteinander vergleicht“, so Tobias Lehnert. „Mit unserem Rücklaufmengenmessungs-Tool (LE-UNPR06) kann man für jeden Injektor mittels Prüfglas die genaue Rücklaufmenge überprüfen. Dazu entfernt man die Injektor-Anschlüsse der Rücklaufleitungen und ersetzt diese durch unsere Plexiglas-Skalen-Röhrchen. Auf diese Weise erkennt man, wie die Rücklaufmenge in allen Skalenröhrchen ansteigt. Bei stark unterschiedlichen Rücklaufmengen ist ein Defekt des Injektors wahrscheinlich.“ Um die unterschiedlichen Einspritzsysteme von Bosch, Siemens, Denso und Delphi zu prüfen, bedarf es lediglich des Universal- Diagnosekoffers für alle Common-Rail Einspritzsysteme. Common-Rail-Injektoren zerstäuben den Kraftstoff nur optimal bei hohem Druck (bis 2100 bar). Bereits bei geringsten Abweichungen von den Soll-Werten, zum Beispiel durch kleine Undichtigkeiten, verändert sich ihr Einspritzverhalten. Dies führt zu Fehlfunktionen, wie Startoder Rundlaufschwierigkeiten, erhöhtem Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß. Die Fehlercodes des Steuergeräts geben hier nur Anhaltspunkte zur Fehlfunktion. Um den Fehlern auf die Spur zu kommen, braucht es eine Kombination aus Motortester und präziser, oft länger andauernder Messung der Injektor-Rücklaufmenge im Kreislaufverfahren. Mit dem Werkzeugkoffer zur Diagnose der KURZFASSUNG Die komplexe Einspritztechnik von Common-Rail-Dieselfahrzeugen stellt so manche freie, aber auch markengebundene Werkstatt bei der Diagnose und Reparatur vor Probleme. Seit Mitte der 90er-Jahre vertreibt und entwickelt die Firma Lehnert Tools GmbH zahlreiche Spezialwerkzeuge, mit denen sich alle Diagnose- und Reparaturanforderungen überzeugend bewältigen lassen. Unser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Tools. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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Rücklaufmengen im Kreislaufverfahren (LE-UNKR0602) kann eine Überprüfung der Rücklaufmenge im geschlossenen System auch unter Last (im Fahr-Langzeittest) durchgeführt werden. „Das Tool, entwickelt für Bosch Piezo Injektoren mit einem Rücklaufdruck von bis zu 16 bar, ist kompatibel zu allen Systemen und lässt sich einfach über Schnellverschlüsse anschließen“, ergänzt noch Tobias Lehnert. Nützliches Zubehör wie ein Thermometer und Druckmanometer zum Einschalten in den Kraftstoffkreislauf ist ebenfalls erhältlich. druck von 2.500 bar durchgeführt werden. Die digitale Druckanzeige ist mit einem 2,5 Meter langen Kabel ausgestattet, so dass sowohl der niedrige Startdruck im Stand als auch der Hochdruck während der Fahrt genau abgelesen werden können. Flexible Schläuche und optional erhältliche abgewinkelte starre Adapterleitungen erlauben dabei auch eine Prüfung des Hochdruckbereichs an schwer zugänglichen Stellen. Harnstoff-System prüfen Zur Erfüllung der Euro-5-Norm oder Abgasstufe 3b (Tier 4i) und höher wird im Common-Rail-Einspritzsystem ein Harnstoffgemisch in der Abgasanlage eingespritzt. „Um die einwandfreie Funktion zu gewährleisten, muss regelmäßig eine Prüfung der Harnstoffeinspritzanlage erfolgen“, erklärt Tobias Lehnert. „Dabei wird die Fördermenge der Einspritzung überprüft, um eine einwandfreie Aufspaltung der NOx-Gase zu ermöglichen.“ Zur Prü- Mit der Niederdruck-Kreislaufprüfung (LE-UNTS01) lassen sich Luftblasen und Verunreinigungen im Kraftstoffsystem zwischen Tank und Hochdruckpumpe erkennen. Um Fehler im Fahrbetrieb festzustellen, hat Lehnert Tools das Diagnosewerkzeug Tank- Ersatz-Betrieb entwickelt (LE-UNTE01). Fehlern auf der Spur Oft sind es kleine Fehler, die zu Störungen der Dieseleinspritzung führen. „Kommt Diesel aus dem Tank? Bilden sich Luftblasen vom Tank Richtung Hochdruckpumpe oder ist Schmutz im Kraftstoff “, fragt Tobias Lehnert − denn diese Fragen müssen vor der Diagnose der Injektoren geklärt sein. Mittels der Lehnert Niederdruck-Kreislaufprüfung (LE-UNTS 01) können diese Fehler erkannt werden. Das Prüfkit enthält hierzu T-Stücke mit Original-Kupplungen, mit denen sich die zwei enthaltenen Manometer an verschiedenen Stellen im Niederdruckbereich schnell zwischenkoppeln lassen. Die Klarsichtschläuche an den T-Stücken lassen dabei Luftblasen und Verunreinigungen im Kraftstoffsystem erkennen und ob Diesel aus dem Tank ins System gefördert wird. Die Messungen können sowohl im Stand als auch während der Fahrt durchgeführt werden. Da sich viele Fehler nur im Fahr betrieb feststellen und lokalisieren lassen, hat Lehnert Tools das Diagnosewerkzeug Tank-Ersatz-Betrieb entwickelt (LE-UN- TE01). Es ermöglicht, unabhängig vom Fahrzeugtank, den Betrieb des Motors im Stand und im Fahrzustand, um Fehler zwischen Tank, Kraftstofffilter oder Hochdruckpumpe ermitteln zu können. Auch ist hiermit eine bessere Reinigung des Kraftstoffsystems möglich, da sich das vorgeschriebene Mischungsverhältnis zwischen Reinigungsmittel und Kraftstoff im separaten Kanister optimal ein stellen lässt. Lehnert Tools hat auch an die Hochdruckprüfung gedacht. Mit dem im Diagnosekoffer „Hochdruckprüfung“ (LE- UNHD2502) enthaltenen digitalen Manometer können Messungen an Common- Rail-Dieselmotoren bis zu einem Arbeitsfung des Harnstoff-Systems respektive um Fehler zu finden, müssen alle seine Bauteile überprüft werden. Hierzu werden in Verbindung mit den Prüfabläufen im OBD-Tester mechanische Werkzeuge und Adapter benötigt, um folgende Prüfungen durchführen zu können: Sichtprüfung des Sprühbildes des Dosiermoduls, Bestimmung der Einspritzmenge/Zeit, Druckprüfung des Förderdrucks, Spülen der Bauteile mit Wasser, um evtl. Kristallisationen und Schmutz zu entfernen, Qualitätskontrolle des Harnstoffs mittels Refraktometer sowie seine Untersuchung auf Verunreinigungen durch Mineralöl mit Öltestpapier und Entlüftung der Anlage und Wiederbefüllung mit Harnstoff. „Alle diese Anforderungen deckt unser Diagnosekoffer vollständig ab“, sagt Tobias Lehnert und ergänzt, dass Abgasnachbehandlung nicht gleich Abgasnachbehandlung sei. „Daher fertigen wir für jeden Hersteller seinen spezifischen Diagnosekoffer an.“ Marcel Schoch ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 39

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Foto: Angelo Cavalli/picture-alliance WERKSTATTTECHNIK CARAT Spanische Momente Die Digitalisierung beschäftigt auch die Carat Unternehmensgruppe – exakt 20 Jahre nach ihrem Start. Ein Jubiläumstreffen mit Geschäftsführer Thomas Vollmar in Mannheim. icht nur für Fußball-Fans ist Madrid eine Top-Adresse. Das hat man sich auch in der Carat Unternehmensgruppe gedacht – und die spanische Metropole für das anstehende Jubiläums-Event ausgewählt. 20 Jahre nachdem der Startschuss für die heute namhafte wie am Markt erfolgreiche Einkaufskooperation im Autoteilegroßhandel fiel, möchte Thomas Vollmar am 20. Mai in Madrid die Branche zusammenbringen. Ein Pflichttermin zum Kommunizieren. Der Carat-Geschäftsführer spricht von „einem besonderen wie hochklassigen Programm“, das die rund 400 Gäste aus dem Gesellschafter- und Lieferantenkreis erwartet. Mehr möchte er aktuell noch nicht verraten. Doch abseits von Gesellschafterversammlung und Galaabend dürfte auch das viel diskutierte Thema Digitalisierung in der spanischen Hauptstadt die Runde machen. Gut vorstellbar, dass die Teilnehmer nicht nur in den Programmpausen heftig und intensiv über die Um- und Aufbrüche der Autoindustrie debattieren werden. Schneller und flexibler Denn was passiert eigentlich, wenn die vom Endkunden praktizierten digitalen Einkaufsgewohnheiten auch am B2B- Markt Schule machen? Was geschieht, KURZFASSUNG Für Carat-Chef Thomas Vollmar bieten die am Markt erhältlichen Dongle-Lösungen für Telematik-Features zum Nachrüsten auch Chancen für die freien Servicebetriebe. Deshalb möchten die Mannheimer diesen Trend intensiv begleiten. wenn sich auch in den Werkstätten der Republik Smartphones und Tablets als Kommunikationsinstrumente Nummer eins durchsetzen? Und das digitale Handeln im Web-Shop – allein schon technisch – deutlich komplexer machen? Wie verändern sich das Geschäft und die Preise, AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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Fotos: Carat Thomas Vollmar: „Am Markt ist eine große Unsicherheit da.“ wenn sich der Digital-Gigant Amazon die deutsche Kfz-Branche gezielt vornimmt? Auch Carat-Chef Thomas Vollmar hat in den letzten Wochen und Monaten viele Bedenken und Ängste gespürt. „Am Markt ist eine große Unsicherheit da“, so der Geschäftsführer. „Eine Frage, die ich öfter höre: Sollen wir weiter auf den klassischen Großhandel setzen?“ Thomas Vollmar nickt bejahend – der Großhandelsprofi blickt selbstbewusst, aber mit Respekt in die Zukunft. Denn dass Amazon über kurz oder lang in den Markt einsteigen wird, gilt COREXX ÜBER PLAN Der Markt hat positiv auf das ganzheitliche Konzept der neuen Exklusivmarke Corexx von Carat reagiert. Dabei handelt es sich um eine exklusive Handelsware der ad-Autoteile Cargo GmbH & Co. KG, die sich über die an die Carat-Gruppe angebundenen Großhändler beziehen lässt. Auf der 2015er-Leistungsmesse hatte die Systemzentrale die Ersatzteilmarke erstmals präsentiert – mit einem modern gestalteten Stand, der für Aufsehen sorgte. „Auf Corexx sind wir richtig stolz“, erklärte damals Carat-Geschäftsführer Thomas Vollmar im Gespräch mit asp AUTO SERVICE PRAXIS. Die neue Exklusivmarke, die – außer bei den Chemieprodukten – die bisherige Eigenmarke ad abgelöst hatte, sei eine echte Alternative. Heute geht der Carat-Geschäftsführer noch einen Schritt weiter: „Corexx ist mehr als eine Alternative“, so Thomas Vollmar. Man liege über Plan. Alle Mitglieder des 140 Firmen großen Gesellschafterkreises würden Produkte der Newcomer-Marke beziehen. Zu den Sortiments-Rennern zählen Bremsbeläge und -scheiben sowie Pkw-Radlager Bremsbacken & Co. sind gefragt. Hereinspaziert zur Leistungsmesse: Mit digitalen Themen und nah an der Werkstatt dran möchte die Carat Unternehmensgruppe im Oktober den Unternehmern Mut machen. LEISTUNGSMESSE In diesem Jahr findet die Leistungsmesse am 14. und 15. Oktober in Kassel statt. und Filter, aber auch die Arbeitsscheinwerfer. Laut Carat alles Produkte von Top-Lieferanten. 2017 sollen acht bis neun neue Warengruppen dazukommen. Und auch im Nkw-Bereich hätten die Gesellschafter Corexx akzeptiert. Quasi ein Start aus dem Nichts. Für Thomas Vollmar eine Bestätigung in Sachen Qualität und Konzept. Denn er weiß natürlich auch, dass die Markenloyalität auf diesem Terrain sehr hoch ist. schon seit Längerem in der Branche als offenes Geheimnis. Thomas Vollmar: „Wichtig ist, dass der Großhändler eine Top- Leistung vor Ort erbringt. Waren ein- und verkaufen kann Amazon besser.“ Doch er schiebt gleich noch ein weiteres Argument hinterher: Carat sei eine Servicegesellschaft. Und man biete einen Service, ohne den die Werkstatt nicht existieren könne. Dongles als Chance Ein Beispiel: Die neuerdings am Markt verfügbaren Dongle-Lösungen für Telematik-Features zum Nachrüsten bieten laut dem Carat-Chef Chancen. Auch für die freie Werkstatt. „Doch wer macht die Vermittlung? Sind die freien Servicebetriebe heute überhaupt schon dazu in der Lage?“, fragt Thomas Vollmar im Gespräch mit asp AUTO SERVICE PRAXIS. Seiner Meinung nach könnten sich die Dongles zu einem Verkaufsförderungsinstrument entwickeln. Deshalb möchte die Mannheimer Zentrale diesen Trend intensiv begleiten. Übrigens ein Thema, das sich auch auf der 2017er-Jubiläums-Leistungsmesse in Kassel wiederfinden wird – so viel lässt sich Thomas Vollmar schon jetzt in die Karten schauen. Die Zukunft als Chance – mit digitalen Themen und nah an der Werkstatt dran möchte man den Unternehmern und ihren Mitarbeitern in Kassel Mut machen. „Auf der Messe werden wir Zukunft spielen“, sagt Thomas Vollmar. Keine Frage: Das dürfte ein spannendes Jubiläumsjahr werden. Patrick Neumann ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 41

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WERKSTATTTECHNIK Z TYRE Der Pfeil geht nach oben Z Tyre ist mit der Entwicklung ihres Reifenabos zufrieden. Im Frühjahr sollen die immer gefragteren Ganzjahrespneus die Flatrate-Offerte ergänzen. ichael Saitow durchdenkt seine digitalen Geschäftsmodelle immer aus Sicht des Verbrauchers. So auch bei Z Tyre, dem 2016 gestarteten Reifenabo. Soll man auf die wachsende Nachfrage nach Ganzjahresreifen reagieren? Der CEO der gleichnamigen AG nickt in seinem Büro in Kaiserslautern – und lächelt zufrieden. „Ab kommendem Frühjahr wird es im Z-Tyre-Angebot Ganzjahresreifen geben“, betont der engagierte Internetunternehmer. Keine Frage: Auch er spürt die steigende Nachfrage nach den Allwetterpneus – und reagiert darauf. Damit liefert er den rund 400 Z-Store- Partnern ein weiteres Pro-Argument, die seit dem Start der aktuellen Wintersaison Foto: Robert Kneschke/Fotolia KURZFASSUNG Ab diesem Frühjahr komplettiert Z Tyre ihr Reifenabo mit den derzeit immer gefragteren Ganzjahresreifen. Ein weiteres Pro- Argument für die hierzulande rund 400 Z- Store-Partner. Diese werden seit dem Start der aktuellen Wintersaison in Montagebetriebe und Profi-Partner unterschieden. in Montagebetriebe und Profi-Partner unterschieden werden. Letztere kämen in den Genuss unter anderem einer umfangreichen Verkaufsunterstützung, höherer Margen und kostenfrei zur Verfügung gestellter Lagerware als Konsignationslager, heißt es aus Kaiserslautern. Dafür zahlen sie monatlich einen Werbekostenzuschuss, der ihnen am Jahresende beim Erreichen von 50 Abos, dem Mindestziel, erstattet wird. Michael Saitow: „Wir haben Händler, die mindestens ein Abo pro Tag abschließen.“ Integration einer B-Brand? Zudem treibt den CEO derzeit die Frage um, wie die B-Brand eines renommierten Reifenherstellers die Akzeptanz des Reifen abos beim Endkunden noch weiter erhöhen würde. Das Interesse aus der Industrie sei da. Mehr will er aber im Gespräch noch nicht verraten. Dass Michael Saitow mit Z Tyre und der Reifen-Flatrate einen interessanten Weg beschritten hat, zeigt der CEO mit wenigen Klicks am Büro-Flatscreen. So hatte das bekannte Portal „t-online.de“ die User kürzlich zum Reifenabo befragt: „Rund 44 Prozent bezeichnen es als Klasse“, freut er sich. Also rund jeder Zweite. Argumente wie der richtige Reifen für die entsprechende Saison, die Reifengarantie sowie das Sonderkündigungsrecht sollen das Reifenabo schmackhaft machen – und die Pkw-Lenker in die Z Stores führen. Dort bindet er sich via Flatrate fest an den Kfz-Betrieb, wodurch sich leichter Zusatzgeschäfte machen lassen. Etwa die AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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Foto: Patrick Neumann Sind mit der Richtung, in die sich das Flatrate-Angebot entwickelt, zufrieden: CEO Michael Saitow (rechts) von der Saitow AG und Stephan Nungess, Geschäftsführer der Z Tyre GmbH. Montage und Einlagerung sowie die kostenlose Reifeninspektion. Das sind alles Kundenkontakte, die der Unternehmer für sich nutzen kann. „Wir haben unser Ziel im Wintergeschäft erreicht“, fasst Michael Saitow die Saisonale-Wechsel-Saison zusammen. Auf die Händler kommt es an Das dürfte sich dann auch auf den Konten der Z-Store-Partner bemerkbar gemacht haben – insofern die lokalen Unternehmer hier mit Herzblut und großem Marketing engagement dabei waren (siehe Infokasten unten). „Das Ganze ist kein Selbstläufer“, erklärt Z-Tyre-Geschäftsführer Stephan Nungess. „Wir bieten dem Handel bis zu 25 Prozent Marge und damit starke Erträge. Dies funktioniert allerdings nur, wenn die Händler wirklich Lust darauf haben und mit Eigeninitiative aktiv dabei sind.“ Bedeutet: Die Werbung und der Vertrieb für das Produkt liegen im lokalen Handel vor Ort. Mit besonderen Flyeraktionen oder Facebook-Kampagnen kann man aber laut Z Tyre GmbH schnell die eigenen Ziele übertreffen. Es gebe Partner, die das kostenlos zur Verfügung gestellte POS- Material dominant platzieren. Aktives Verkaufen und kreative Ideen führen also zum Erfolg. Aufgrund des neuen Online-Performance-Marketingprogramms wird dieser Enthusiasmus jetzt auch wirtschaftlich honoriert. Schließt also ein Profi-Partner ein Z-Tyre-Abo mithilfe seines eigenen verkäuferischen Geschicks ab, erhält er die in Aussicht gestellten 25 Prozent Marge komplett. Erzeugt aber nachweislich eine Marketingmaßnahme aus dem Hause Z Tyre über Google & Co. diesen Lead, wird die Marge durch zwei geteilt. Der Profi-Partner bekommt dann nur 12,5 Prozent – plus die Einnahmen aus der Räder montage. Man habe hier dazugelernt, so Michael Saitow, und Anreize für die Eigeninitiative geschaffen. Vertriebsteam ausgebaut Obwohl Michael Saitow den Charakter von Z Tyre als sehr startup-mäßig bezeichnet, kommt er hierzulande an einem professionellen Außendienst nicht vorbei. Deshalb wurde kürzlich auch das Vertriebs team auf 15 Mitarbeiter aufgestockt. Denn der Außen- und Innendienstmannschaft kommt eine wichtige Rolle zu: Neben der kompetenten Betreuung der Händler und Kunden kann nur sie in langen Gesprächen mit potenziellen Partnern eine mögliche Skepsis aus der Welt schaffen. „Mit derzeit mehr als 400 Z-Store- Partnern liegt der Ausbau des Vertriebsnetzes mit geplanten 700 Partnern voll im Plan“, so die Botschaft aus Kaiserslautern. Patrick Neumann ■ BEGEISTERTER Z-STORE-PARTNER Patricks Reifenservice aus Deißlingen ist seit Mai 2016 Z-Store-Partner. Dass Patrick Bechtold in seinem Betrieb schon rund 100 Reifenabos verkauft hat, liegt auch an seiner Frau Daniela. Zwar sei sie anfangs wie er nicht davon überzeugt gewesen, doch die Idee des Reifenabos habe sie innovativ und cool gefunden, erinnert sich der Unternehmer aus dem 6.000-Seelen-Ort Deißlingen. Ein langes Gespräch mit dem Z-Tyre-Außendienstmitarbeiter, schon fiel der Entschluss, künftig als Z-Store-Partner zu agieren. „Aber richtig und mit Herzblut und nicht halbherzig“, erklärt Patrick Bechtold. „Und diese Entscheidung hat sich bisher mehr als ausgezahlt. Meine anfängliche Abneigung hat sich in Begeisterung gewandelt.“ Für den unternehmerischen Erfolg sei es wichtig, so Patrick Bechtold, „dass man selbst an das Produkt glaubt und es wirklich auch verkaufen will.“ Gerade bei einem neuen und erklärungsbedürftigen Produkt wie der Reifen-Flatrate. In Sachen Marketing setzt der Unternehmer auf Dominanz – um die Neugier und das Interesse der Kunden zu wecken. „Sei es in meinem Betrieb, in den sozialen Medien, bei der Teilnahme an einer Gewerbeschau oder bei der Schaltung von Anzeigen in lokalen Medien. Neben dem kostenlos zur Verfügung gestellten Werbematerial nutze ich am Point of Sale auch eigenentwickeltes Werbematerial wie Visitenkarten oder Bildschirmschoner mit Infos zum Reifenabo“, erklärt er. Das zeigt offenbar Wirkung. Patrick Bechtold: „Bisher haben sich Kunden in jeder Altersklasse und mit den unterschiedlichsten Autotypen für das Reifenabo entschieden. Der jüngste Abokunde bei mir ist 18, der älteste 62.“ Unternehmer Patrick Bechtold (rechts) mit Z-Tyre-Außendienstmitarbeiter Christopher Völker Foto: Z Tyre www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 43

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PRODUKTE Foto: Werbas WERKZEUG Kniffelige Situationen ade In besonders schwer zugänglichen Motorzwischenräumen kann das Festziehen oder Lösen von Schrauben zu einer kniffeligen Angelegenheit für Mechaniker werden. Carolus bietet hier Abhilfe und stellt die neuen verlängerten Schraubendrehereinsätze 1/2“ vor. In Verbindung mit einer Umschaltknarre sind selbst schwer zugängliche Stellen keine Herausforderung mehr, so der Hersteller. Die verlängerten Schrau- ZUBEHÖR Gut geschützt Würth stellt mit dem „Lackierkabinenschutz 4in1“ eine elegante Lösung zum Schutz vor Farb- und Lacknebeln vor. Denn das einmal angebrachte Produkt kann dank seiner vier Lagen mehrfach verwendet werden. Die silikonfreie Folie bietet so einen zuverlässigen Schutz vor Farb- und Lacknebel und reduziert durch ihre statische Aufladung Staubeinschlüsse beim Lackieren, so der Hersteller. Dabei lasse sich die bis zu AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 WERKSTATT-MANAGEMENT Für die mobile Inventur bendrehereinsätze kommen dabei in drei verschiedenen Sets daher: für Innenvielzahn XZN, Innensechskant und Torx. Die Klingenlängen der 26- bis 32-teiligen Sets betragen 55 bis 200 Millimeter und werden in einem stabilen Kunststoffkoffer geliefert. Der Preis pro Set liegt aktuell bei je 59,90 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Diese spezielle Preisaktion ist noch bis Ende Juni 2017 gültig. vg ■ 140° Grad hitzebeständige Folie leicht von einer Person alleine anbringen und entfernen. Die Folie wird in gewünschter Höhe angelegt und entlang der Innenwände ausgerollt. Die Foto: Würth Die webbasierte Werkstatt-Management- Lösung Werbas blue wird jetzt um einen weiteren Baustein ergänzt. Denn jedes Jahr wieder steht in vielen Werkstätten die Inventur an, die dank der mobilen Erweiterung „Warenwirtschaft mit Inventur“ jede Menge Zeit und Druckkosten einsparen soll. Dabei wird im lokal installierten Werbas eine Inventur inklusive Zähllisten angelegt, die nach der Freischaltung der Erweiterung in Werbas blue zur Verfügung stehen und nicht mehr ausgedruckt werden müsse, so der Hersteller. In der mobilen Anwendung auf dem Tablet oder dem Smartphone lassen sich die Zähllisten nach unterschiedlichen Kriterien sortieren oder filtern – etwa nach Artikelnummer, Lagerort oder Lagername. Jede Zählposition umfasst Informationen wie Artikelnummer oder Bezeichnung und den Sollbestand. Dieser wird dann per Eingabe vom Anwender um den Istbestand ergänzt. Als weitere hilfreiche Informationen lassen sich auch der genaue Lagerort, der Hersteller oder die Warengruppe angeben. Ab Ende jeder Zählposition zeigt ein grünes oder rotes Smiley an, ob Unklarheiten bestehen. vg ■ Werbas AG www.werbas.de Gedore-Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG www.carolus.de erste Lage wird anschließend nach unten ausgebreitet und glatt gestrichen. Nach Verwendung kann sie an der Perforierung unterhalb vom Klebestreifen einfach abgetrennt werden. Sobald die vierte Lage verbraucht ist, lässt sich die Schutzfolie mit Klebestreifen abziehen und eine neue Rolle Lackierkabinenschutz 4in1 anbringen. vg ■ Adolf Würth GmbH & Co. KG www.wuerth.de www.autoservicepraxis.de Foto: carolus

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Fotos: Institut-Neuscheler EINRICHTUNG Ordnung halten Die Aufbewahrung und der Umgang mit Autoschlüsseln ist in Werkstätten und Autohäusern sehr wichtig. Einerseits muss die häufig große Anzahl an Schlüsseln sicher verwahrt werden, zudem gilt es die Rückgabe von Schlüsseln außerhalb der Geschäftszeiten zu regeln. Das Institut-Neuscheler hat hier eine Reihe von BUCHTIPP Lösungen parat. „Für eine optimale Schlüsselverwaltung bieten wir Sicherungssysteme in allen Größen und Sicherheitsstufen“, erklärt Raphael Neuscheler. Viele der Sicherheitslösungen könnten passend für die jeweiligen betrieblichen Anforderungen individuell konfiguriert werden, etwa besondere Innenausstattungen für Schlüssel-Kombi -Tresore. In solchen Schlüssel-Kombi-Tresoren können neben Schlüsseln auch Diagnosegeräte, Ordner, Laptops oder Bargeld sicher verwahrt werden. Das neu entwickelte Schlüsselmanagement-Panel soll zudem gerade bei der Organisation vieler Schlüssel helfen, um stets schnell den richtigen zu finden. Außerdem ist die Information, welcher Mitarbeiter welchen Schlüssel entnommen hat dank eines Berechtigungs- und Rollenkonzepts auf den ersten Blick erkennbar, so der Hersteller. Auch die speziellen Einwurf-Systeme seien sicher, versicherungskonform und einfach im Handling. Neben den mechanischen Sicherheitslösungen bietet das Institut-Neuscheler mit Argos Tronic auch ein elektronisches Diebstahlschutzsystem für das Frei - gelände von Autohäusern an. vg ■ Institut-Neuscheler Wolfgang Neuscheler www.neuscheler.net

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TÜV SÜD-AKTUELL Fragen an ... Philip Puls, Leiter Technische Prüfstelle für den Kfz-Verkehr Bayern Bei der Umsetzung der Scheinwerferprüfrichtlinie gab es viele Diskussionen um eine mögliche Verschiebung des Stichtags. Wie ist der Stand der Dinge? Bisher gibt es keine entsprechende Verlautbarung vom Bundesverkehrsministerium und somit keine rechtlich gültige Neufassung oder Verschiebung der Prüfrichtlinie, die bereits 2014 im Verkehrsblatt veröffentlicht wurde. Derzeit orientieren sich die Innungen daher an der Empfehlung des ASA-Verbandes vom 30.11.2016 mit den dort aufgeführten Stichtagen bzw. Übergangslösungen. Unabhängig davon setzt die TÜV SÜD Auto Service, in den eigenen Prüfstellen ihrer Überwachungsorganisation, die Richtlinie sukzessive verordnungskonform durch. Laut ASA-Mitteilung wurde der Bestandsschutz für „alte“ Scheinwerfereinstellsysteme um ein Jahr verlängert. Wie unterstützt TÜV SÜD Werkstätten bei Fragen? Wir beraten die Werkstätten und stellen uns so auf, dass wir den Prüfstützpunkten zeitnah eine von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) anerkannte Kalibrierung des Scheinwerfereinstellsystems (Arbeitsplatz und Scheinwerfereinstellgerät) anbieten können. Die DAkkS hat uns erst Ende Dezember 2016 unser Kalibrierverfahren bestätigt, so dass wir erst danach an die Serienreife gehen konnten. Die 2011 veröffentlichte „Bremsprüfstandsrichtlinie“ stellt auch neue Anforderungen an die Bauart neuer Bremsprüfstände. Wie gut sind die Werkstätten vorbereitet? Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass die entsprechende Richtlinie in den Werkstätten fristgemäß umgesetzt wird. Die Richtlinie ist aufgrund vieler Veröffentlichungen dazu lange bekannt. Dennoch sensibilisieren wir die Inhaber der Prüfstützpunkte durch unsere Sachverständigen oder regionalen Ansprechpartner und empfehlen, rechtzeitig und proaktiv auf die Werkstatt-Ausrüster zuzugehen, um Engpässe zu vermeiden. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 Foto: TÜV SÜD PRÜFMITTELÜBERWACHUNG Keine Zeit verlieren Die Umsetzung der HU-Scheinwerfer- Prüfrichtlinie hat in letzter Zeit für einige Unklarheiten gesorgt. Denn eigentlich hätten die Vorgaben der Prüfrichtlinie, die bereits 2014 im Verkehrsblatt veröffentlicht wurde, mit dem Stichtag 1. Januar 2017 auch für Einstellplätze angewendet werden müssen, die bereits vor dem 1.1.2015 in Betrieb waren. Prüfstützpunkte, die nach dem 1. Januar 2015 neu in Betrieb genommen wurden, müssen die Voraussetzungen ohnehin bereits erfüllen. Die „Richtlinie für die Überprüfung der Einstellung der Scheinwerfer von Kraftfahrzeugen bei der Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO“ stellt bestimmte Mindestanforderungen an den Prüfplatz in den Werkstätten. Im Kern stellt die neue Richtlinie sicher, dass die bauliche Beschaffenheit des Prüfplatzes in der Werkstatt eine hinreichend genaue und reproduzierbare Überprüfung der Beleuchtung am Fahrzeug überhaupt zulässt. Die Richtlinie fordert außerdem, dass die Geräte zur Überprüfung der Scheinwerfer alle zwei Jahre einer Kalibrierung durch einen Sachkundigen unterzogen werden. Jetzt können Werkstätten, die ihr Scheinwerfereinstellprüfsystem noch nicht den Vorgaben der neuen Richtlinie angepasst haben, wohl kurzzeitig aufatmen. Denn: Der Bestandschutz wurde für diese Scheinwerfereinstellprüfsysteme de facto verlängert, es gibt eine Schonfrist bis 1.1.2018. Das geht aus einer Verlautbarung des ASA-Verbandes vom 30.11.2016 hervor, der sich auf das Bundesverkehrsministerium (BMVI) beruft. Als Begründung werden die nach wie vor bestehenden Unklarheiten bei der Durchführung der Kalibrierung in den Werkstätten angeführt. Die Frist für den zwingenden Nachweis einer Kalibrierung wurde daher laut ASA-Verband bis zum 1.1.2018 verlängert. Eine offizielle Bestätigung seitens des BMVI für die Verschiebung steht allerdings immer noch aus. „Für alle neuen Systeme zur Überprüfung der Einstellung von Scheinwerfern gilt die Richtlinie seit dem 1.1.2015 aber unverändert“, erläutert Philip Puls, Leiter Technische Prüfstelle für den Kfz-Verkehr Bayern. Für diese Systeme gilt eine Übergangsregelung, die im Verkehrsblatt 14/2016 veröffentlicht wurde (Regelung über abweichende Anforderungen von den Nummern 6.2.6. und 6.2.7. der DIN EN ISO/IES 17020:2012). Diese sieht neben der Stückprüfung ab 1.1.2017 zusätzlich eine Kalibrierung in drei Messreihen vor. Foto: TÜV SÜD Neue Scheinwerfertechnik erfordert genauere Prüfeinrichtungen in der Werkstatt. www.autoservicepraxis.de

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DIGITALISIERUNG Der Digitalreport 2016/17 In Sachen digitaler Vermarktung haben die Autohäuser hierzulande ordentlich Nachholbedarf. Das ist das Ergebnis des TÜV SÜD Digitalreports 2016/17, der ab sofort unter www.tuevsued.de/autohaus-digitalreport zum Herunterladen bereitsteht. Demnach sind nur 21 Prozent der Händler sehr gut oder gut bei der digitalen Vermarktung ihrer Autos. Für den Digitalreport haben die TÜV SÜD-Experten die Online-Aktivitäten von mehr als 650 Auto- Foto: TÜV SÜD häusern bundesweit untersucht. Immerhin: Knapp 90 Prozent sind auf Social- Media-Plattformen aktiv. Für den Autokäufer ist mittlerweile das Internet die erste Informationsquelle. 75 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer informieren sich laut aktuellem DAT-Report vorab im Netz. Selbst beim Neuwagenkauf sind es 68 Prozent. Wie nutzt der Handel diesen Trend? Die Experten der TÜV SÜD Auto Plus GmbH haben bundesweit 657 Autohäuser analysiert. Im Fokus standen jeweils die 20 größten Händler einer Marke. Insgesamt 48 Kriterien wurden dabei unter die Lupe genommen, darunter Website, Onlinekommunikation, Onlinevertrieb oder die Präsenz auf Social-Media-Plattformen. Das Ergebnis: Lediglich 7 Prozent der untersuchten Händler sind digital sehr gut aufgestellt, immerhin 14 Prozent warten mit einer guten digitalen Leistung auf. Dagegen zeigen 48 Prozent erheblichen Nachholbedarf und 31 Prozent setzen sich ungenügend mit den Chancen der digitalen Vermarktung auseinander. Dazu erklärt Tobias Eppler, Digitales Consulting TÜV SÜD Auto Plus: „Unser TÜV SÜD Digitalreport 2016/17 zeigt, dass ein Großteil der Händler noch deutliches Verbesserungspotenzial hat. Als Branchenpartner wollen wir dieses Potenzial aufdecken und gemeinsam mit unseren Kunden Verbesserungsstrategien für den digitalen Auftritt entwickeln – vom Konzept bis zur Umsetzung.“ Der Digitalreport offenbart weitere Details: 87 Prozent der Autohäuser haben einen Social-Media-Auftritt, 12 Prozent der Autohäuser betreiben einen Online- Shop im Aftersales und lediglich 4 Prozent kommunizieren über einen Text- oder Videochat auf ihrer Website direkt mit dem Kunden. Enormer Nachholbedarf auch bei der Suchmaschinenoptimierung: 82 Prozent der untersuchten Autohäuser kümmern sich zu wenig darum, dass sie vom Kunden im Internet gut gefunden werden. Der TÜV SÜD Digitalreport 2016/17 steht unter www.tuev-sued.de/autohaus-digitalreport zum kostenlosen Download bereit. RETRO CLASSICS 2017 Zurück in die Zukunft TÜV SÜD ClassiC ist wieder auf der Oldtimermesse Retro Classics in Stuttgart vertreten. Unter dem Motto „Zurück in die Zukunft“ stellen die TÜV SÜD ClassiC Experten das Thema Wertgutachten in den Mittelpunkt. Am Stand: Ein DeLorean DMC-12. Der begehrte 80er-Jahre-Klassiker ist bekannt aus dem Film „Zurück in die Zukunft“. Die Preise für Oldtimer steigen weiter – und TÜV SÜD ClassiC zeigt mit einer Hebebühne vor Ort, worauf beim Oldtimerkauf geachtet werden muss. Außerdem stellt TÜV SÜD ClassiC das aktuelle TÜV SÜD ClassiC Barometer vor. Hier erfahren Autohäuser und Werkstätten, wo ihre Kunden Service, Reparatur oder Restaurierung vornehmen lassen und wie Young- und Oldtimerbegeisterte „ticken“. Retro Classics Stuttgart, 02.-05.03.2017, TÜV SÜD ClassiC finden Sie in Halle 1. PERSONALIE Dr. Houssem Abdellatif leitet das Projekt „Highly Automated Driving“ bei der TÜV SÜD Auto Service GmbH. Mit der neu geschaffenen Position verstärkt TÜV SÜD sein Engagement bei der Entwicklung von Absicherungsmethoden für die Typzulassung hochautomatisierter Fahrzeuge. „Wir freuen uns, dass wir den ausgewiesenen Fachmann für Fahrerassistenzsysteme Dr. Abdellatif für diese neue Position gewinnen konnten“, sagt Patrick Fruth, Leiter der Division Auto Service bei TÜV SÜD. Als Leiter des Projekts „Highly Automated Driving“ wird Dr. Abdellatif federführend sichere Prüfmethoden für die Typzulassung autonomer Fahrzeuge entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei die Absicherung von Wirksamkeit und Funktion hochkomplexer Assistenz systeme sowie Embedded Security. Schwerpunkt ist die Simulation von Verkehrssituationen für Funktions- und Wirksamkeitsprüfungen als Methode für die Typzulassung. TÜV SÜD ist als einzige unabhängige Prüforganisation Partner im Projekt PEGASUS des Bundeswirtschaftsministeriums. Vor seinem Wechsel zu TÜV SÜD war der promovierte Maschinenbauingenieur in verschiedenen Führungspositionen für die Entwicklung sicherheitskritischer Software und Elektronik in unterschiedlichen Unternehmen tätig. TÜV SÜD-Kontakt TÜV SÜD Auto Service Philip Puls Tel. 0 89/57 91-23 20, Fax -23 81 philip.puls@tuev-sued.de TÜV SÜD Auto Partner Thomas Gensicke Tel. 0 7 11/72 20-84 73, Fax -84 88 thomas.gensicke@tuev-sued.de Zentraler Vertrieb Tel. 07 11/7 82 41-246 vertrieb-as@tuev-sued.de Foto: TÜV SÜD www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 49

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BETRIEBSPRAXIS INTERVIEW Wir müssen auch Software prüfen Beratung der Werkstätten, Weiterentwicklung der Hauptuntersuchung und Digitalisierung sind nur einige der Themen, mit denen sich Jürgen Wolz in seiner Rolle als COO bei TÜV SÜD Auto Service beschäftigt. asp: Herr Wolz, welche Themen haben Sie seit Amtsantritt am meisten beschäftigt? J. Wolz: Im Werkstattgeschäft war das Thema DAkkS-Akkreditierung für uns als Prüf organisation ein herausragendes Thema. Einerseits stand die Reakkreditierung als Überwachungsorganisation an. Andererseits ging es um die Frage, welche alternativen Anforderungen in den Prüfstützpunkten erfüllt werden müssen, um auch weiterhin dort die HU durchführen zu können. Hier geht es um die eingesetzten Prüfmittel in den Werkstätten, also Bremsprüfstände, Scheinwerfereinstellprüfgeräte und -plätze sowie AU-Geräte. Hintergrund ist die Überführung des deutschen Systems der Prüfmittelüberwachung mit Eichung und Stückprüfung in die europäische Systematik nach der ISO-Norm, die nur noch eine Kalibrierung kennt. asp: Was kommt auf Werkstätten hier zu? J. Wolz: Für die Prüfstützpunkte und Werkstätten müssen wir jetzt die Nachweisführung gemeinsam mit den Inhabern schrittweise aufbauen. Das ist die Herausforderung für dieses Jahr: Wir benötigen von allen Prüfstützpunkten die Information, welche Prüfmittel vorhanden sind und ob sie kalibriert bzw. stückgeprüft sind. Außerdem benötigen wir die entsprechenden Nachweise: Kalibrierprotokolle, Eichscheine, Stückprüfungsprotokolle, um das auch gegenüber der DAkkS und den obersten Landesbehörden nachweisen zu können. Das Problem ist, dass es bislang weder Verfahren für die Kalibrierung bisher stückgeprüfter bzw. geeichter Prüfmittel gibt und zudem die akkreditierten Dienstleister feh- KURZFASSUNG TÜV SÜD bereitet sich mit Hochdruck auf die weitere Digitalisierung der Fahrzeugtechnik vor und überlegt schon jetzt, wie die Sicherheit bei hochautomatisierten Autos gewährleistet werden kann. Dazu ist ein Blick auf die Software notwendig. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 len, die eine solche Kalibrierung durchführen könnten. Deshalb gibt es das 2016 im Verkehrsblatt veröffentlichte Übergangsszenario bis Ende 2020, das stufenweise an das ISO-konforme Kalibrierverfahren heranführt. Aber auch dieses muss sukzessive und stufenweise umgesetzt werden. asp: Ist diese Problematik den Werkstätten überhaupt noch vermittelbar? J. Wolz: Manche Information und Entscheidung sind leider vom Gesetzgeber nicht so gekommen wie erwartet. Es fehlt beispielsweise immer noch der Leitfaden, der die Details zur Überprüfung des Systems zur Scheinwerferprüfung (Gerät in Kombination mit Fahrzeugaufstellfläche) festlegt. Dieser ist die Grundlage dafür, um der Werkstatt zu sagen, ob der vorhandene Prüfplatz samt Gerät geeignet ist oder nicht. Weil diese Details noch nicht bekannt sind, mussten wir uns in der Kommunikation sehr zurückhalten. Stellen Sie sich vor, eine Werkstatt investiert, um dann festzustellen, dass die Investition aufgrund geänderter Toleranzen, anderer vorgeschriebener Kalibrierverfahren oder Festlegungen doch nicht erforderlich gewesen wäre. asp: Viele Werkstätten müssen so oder so investieren, um die Anforderungen für die Durchführung der HU zu erfüllen. Wollen diese Betriebe überhaupt investieren? J. Wolz: Wir haben eine Befragung von Werkstätten bei einem unabhängigen Dienstleister beauftragt. Das Ergebnis zeigt, dass 85 Prozent der Betriebe auf jeden Fall weiterhin die HU als Service anbieten wollen und entsprechend in den Scheinwerfereinstellplatz investieren. asp: Mit welchen Investitionen müssen Werkstätten rechnen? J. Wolz: Je nach Ausgangssituation vor Ort ist der Aufwand unterschiedlich. Wenn bauliche Maßnahmen am Boden nötig sind, muss der Betrieb schnell einen hohen vierstelligen oder gar fünfstelligen Betrag ver- Jürgen Wolz ist COO bei der TÜV SÜD Auto Service GmbH. anschlagen. Es gibt aber mittlerweile auch viele günstigere technische Lösungen, die wir teilweise zusammen mit den Herstellern entwickelt haben: Aufsetzbare Metallplatten für die Werkstatt, nivellierbare Hebebühnen oder Flächen, die nachträglich plan ausgegossen werden. asp: Ab 2020 müssen Werkstätten auch Bremsprüfstände vorhalten, die richtlinienkonform sind. Könnte es hier, wie teilweise befürchtet, zu Engpässen kommen? J. Wolz: Das ist angesichts langer Lieferzeiten nicht ganz unrealistisch. Wir empfehlen unseren Kunden, sich frühzeitig um das Thema zu kümmern. Wir selbst sind mitten im Austausch in unseren eigenen Prüfstellen. Insgesamt müssen wir circa 400 Prüfstände an unseren TÜV SÜD Service-Centern ersetzen, der Großteil steht noch in diesem Jahr an. www.autoservicepraxis.de

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Foto: Dietmar Winkler asp: Wie sieht es bei der Umsetzung des ASA- Livestreams speziell mit Bremsprüfständen aus? Hier ist immer wieder von Problemen die Rede… J. Wolz: Das Thema ASA-Livestream ist ganz klar im Anfangsstadium. Wir stellen das in unseren eigenen TÜV SÜD Service- Centern bereits um. Dort funktioniert es bereits sehr gut. Die Ausrollung in die Fläche braucht aber noch Zeit. In den Werkstätten ist das Zusammenspiel von Prüfstand, HU-Adapter und Software der Prüfgesellschaften die große Herausforderung. Dazu sind wir mit dem ASA-Verband in einem intensiven Austausch. Es macht keinen Sinn, das vor 2019 flächendeckend auszurollen, weil in den Werkstätten die Bremsprüfstände noch nicht entsprechend ausgerüstet sind. Viele Betriebe haben neue Prüfstände gekauft, aber ohne ASA-Modul, das laut Hersteller jedoch nachgerüstet werden kann. asp: Sollten Betriebe ein eigenes W-LAN für den ASA-Livestream bereithalten – das wäre noch eine zusätzlich Investition? J. Wolz: Der Prüfingenieur muss sich bei der Prüfung möglichst einfach in das Netzwerk einklinken können. Alles andere verzögert den Rüstprozess. Auch im Hinblick auf datenschutzrechtliche Vorgaben ist die Bereitstellung eines separaten W-LAN- Netzes sicher sinnvoll, ist jedoch immer im Einzelfall zu bewerten. asp: Welches Zwischenfazit können Sie bei der Einführung des HU-Adapters ziehen? J. Wolz: Die Einführung hat sehr gut funktioniert und der Betrieb läuft viel problemloser als gedacht. Der HU-Adapter unterstützt jetzt schon die Sachverständigen und Prüfingenieure vor Ort. asp: Wie können die Funktionalitäten des HU-Adapters weiterentwickelt werden? J. Wolz: Im Hinblick auf zukünftige Themen denken wir momentan an die Einführung der Prüfung des E-Call Systems. Wir arbeiten außerdem daran, eine Prüfmöglichkeit für Softwarestände und Softwaremanipulationen im Auto zu entwickeln. Durch aufgespielte Steuergeräte-Updates ist es möglich, Fahrzeuge zu tunen. Wir müssen als Prüforganisation in der Lage sein, jederzeit festzustellen, ob der Softwarestand noch der freigegebenen Version des Herstellers oder einer freigegebenen Tuningversion entspricht. Illegales Chiptunig oder nicht mehr vorschriftenkonforme Softwarestände könnten dadurch erkannt werden. Dazu bedarf es aber einer Datenbank für freigegebene Softwarestände bezogen auf den Fahrzeugtyp/Fahrzeug. asp: Geben die Fahrzeughersteller diese Informationen heraus? J. Wolz: Die Hersteller sind aufgrund aktueller Diskussion bereit, Daten herauszugeben. Die Herausforderung ist die Entwicklung einer sauberen Datenbank. asp: In naher Zukunft kommen hochautomatisierte Autos auf die Straße. Wie kann deren Sicherheit gewährleistet werden? J. Wolz: An diesen Themen arbeiten wir ebenfalls mit Hochdruck. Wir sind die einzige unabhängige Prüforganisation, die sowohl beim Pilotprojet Pegasus als auch bei den Arbeitsgruppen des „Runden Tisches zum automatisierten und vernetzten Fahren“ dabei ist. Dabei handelt es sich um ein großes Projekt zum Thema automatisiertes Fahren, das von der Bundesregierung initiiert wurde. Hier werden Werkzeuge, Messparameter und Prozesse entwickelt, um die Wirksamkeits- und Zuverlässigkeitsanalyse für automatisierte Systeme durchführen zu können. Als Prüforganisation sind wir sowohl bei der Homologation solcher Systeme gefragt, aber auch bei der regelmäßigen technischen Überwachung. Wir haben den Bereich automatisiertes Fahren mit Houssem Abdellatif als neuer Business Line Manager personell verstärkt. Er leitet das Projekt „Highly Automated Driving“ bei TÜV SÜD Auto Service GmbH. Letztlich geht es darum, hochautomatisiertes Fahren sicher auf die Straße zu bringen und dieses über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zu gewährleisten. asp: Wie sieht die Zeitschiene bei der Erweiterung der HU aus? J. Wolz: Die nächsten fünf Jahre sind quasi gesetzt, da die aktuelle europäische PTI- Richtlinie bis Mai 2018 in Deutschland um- gesetzt sein muss. Dies geschieht mit der so genannten Fahrzeuguntersuchungsverordnung, die die derzeitigen Paragraphen zur HU und SP der StVZO ersetzen wird und bis Mai 2017 veröffentlicht werden soll. Was danach kommt, ist noch ungewiss. Ein Ziel der EU ist sicherlich die gegenseitige Anerkennung der HU innerhalb der Europäischen Union sowie der weitere Ausbau der elektronischen Prüfpunkte. asp: Mit der „Work Box“ hat TÜV SÜD eine neue Form für die Prüfstelle entwickelt. Eine Prüfstelle im Container. Welche Idee steht dahinter? J. Wolz: Letztlich geht es auch darum neue Märkte zu testen. Es ist ein geringerer Invest als eine Prüfstelle im Beton und baurechtlich leichter zu realisieren, um zum Beispiel neue Standorte zu testen. Es erfolgt aber eine feste Installation – die Work-Box ist also nicht „mobil“. Aber wir können mit der Prüfbox auch flexibel auf Kundenanforderungen reagieren. Die Prüfbox kann beispielsweise als Shop-in-Shop-Lösung auf dem Gelände eines Autohauses installiert werden. Es handelt sich dabei um eine komplette Prüfstelle, die von einem namhaften Werkstattausrüster ausgerüstet wird. Mit der Lösung haben wir im Markt derzeit ein Alleinstellungsmerkmal. asp: Wie geht es bei der Abgasuntersuchung weiter? Kommt die Endrohrmessung? J. Wolz: Es ist davon auszugehen, dass noch in diesem Jahr wieder die verpflichtende Endrohrmessung kommt. Das ist auch im Sinne der europäischen PTI-Richtlinie. Wir haben festgestellt, dass es Manipulationen gibt, die über die reine OBD-Prüfung nicht festgestellt werden können. Das muss also durch eine Endrohrmessung ergänzt werden. Genauso aber auch andersherum. Gleichzeitig muss aber auch eine Absenkung der Grenzwerte und die Weiterentwicklung angegangen werden, also z. B. die Messung der Partikelanzahl oder des NOx- Ausstoßes. Interview: Dietmar Winkler ■ JÜRGEN WOLZ Jürgen Wolz ist seit April letzten Jahres als Chief Operating Officer (COO) für das operative Geschäft der TÜV SÜD Auto Service GmbH verantwortlich. Der studierte Diplom-Ingenieur, Fachrichtung Maschinenbau, ist seit 1997 für TÜV SÜD tätig. Vor seinem Wechsel in die Geschäftsleitung hatte der 51-Jährige seit 2011 die Leitung der Technischen Prüfstelle für den Kfz-Verkehr in Bayern inne. Sein Verantwortungsbereich umfasst nicht nur die amtlichen Dienstleistungen wie Haupt- und Abgasuntersuchungen. TÜV SÜD Auto Service GmbH bietet unter anderem auch Schaden- und Wertgutachten, Gebrauchtwagen-Zertifikate, Fahrzeugmanagement, Umweltmanagement für Werkstätten sowie Qualitätsmanagement. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 51

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BETRIEBSPRAXIS FACTORING Nicht nur für die Großen Zur Sicherung der Liquidität des Betriebes kann Factoring ein geeignetes Instrument sein. Was man beim Verkauf von Forderungen an einen Dritten wissen und beachten sollte. in neues Jahr beginnt und das alte Spiel geht wieder von vorne los. Gerade im Winter nehmen die Auto unfälle zu. Natürlich ist eine gute Werkstattauslastung positiv, aber die Zahlungsmoral der Kunden ist nicht immer einwandfrei. Nach einem Unfall kommen die Kunden in die Werkstatt und lassen das Fahrzeug reparieren. Nun müssen oftmals teure Ersatzteile bestellt werden und mit der Reparaturarbeit geht man in Vorleistung. Doch nach der Rechnungsstellung wartet man darauf, dass sich der Kunde bequemt, die Leistung zu bezahlen, Werkstattinhaber alle oder einzelne Kundenforderungen ab, zahlt innerhalb von ein paar Tagen dem Werkstattinhaber je nach Ausformung des Factorings zwischen 70 und 90 Prozent der Kundenforoder dass eine Versicherung den Schaden reguliert. Jeder Werkstattinhaber kennt diese Situation. Daher ist es an der Zeit, sich einmal alternative Lösungen, wie etwa das Factoring anzusehen. Das bedeutet Factoring Grundsätzlich versteht man unter Factoring den Verkauf von Forderungen. In dieser Situation tritt der Factor (ein Kreditinstitut oder ein Factorunternehmen) als dritte Person in das Leistungsverhältnis zwischen Werkstattinhaber und Kunden mit ein. Dabei kauft der Factor dem KURZFASSUNG In der Praxis spielen unterschiedliche Formen des Factoring eine Rolle. Auch für Werkstätten kann das Instrument zur Sicherung der Liquidität interessant sein. Die verbreitete Annahme, Factoring sei nur etwas für große Unternehmen, ist falsch. Foto: Fotolia/motorradcbr AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 www.autoservicepraxis.de

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derung aus und treibt gegebenenfalls die Forderung selbst beim Kunden ein (siehe Grafik rechts). Verschiedene Formen des Factorings Bei der Ausgestaltung unterscheidet man echtes und unechtes Factoring. Beim echten Factoring – in Deutschland ist diese Form am häufigsten vertreten – kauft der Factor einzelne oder alle Kundenforderungen auf und übernimmt auch das Risiko des Forderungsausfalls, sogenanntes Delkredererisiko. Beim unechten Factoring hingegen übernimmt der Factor dieses Ausfallrisiko nicht. Daher wird diese Form des Factorings als eine Art Darlehen angesehen. Des Weiteren wird zwischen Full Service Factoring und Inhouse Factoring unterschieden. Beim Full Service Factoring übernimmt der Factor das komplette Dienstleistungsspektrum, also von der Debitorenbuchhaltung über das Mahnwesen bis hin zum Inkassoverfahren. Im Gegensatz dazu verbleibt beim Inhouse Factoring die Debitorenbuchhaltung und auch das Mahnwesen im Betrieb. Es gibt noch mehr Varianten: Man unterscheidet das offene vom stillen Factoring. Beim offenen Factoring wird dem Kunden gegenüber offengelegt, dass die Forderung an den Factor abgetreten ist. Dies wird oftmals von Betriebsinhabern nicht gewünscht, da eine Forderungsabtretung vom Kunden schlecht aufgefasst werden könnte. Daher gibt es auch die Möglichkeit eines stillen Factorings, bei dem der Kunde von der Forderungsabtretung nichts mitbekommt, da er weiterhin auf ein Konto des Werkstattinhabers zahlt, das sogenannte Factoringkonto, das dann zum Beispiel dem Factor abgetreten wird. Vor- und Nachteile des Factorings Für Unternehmen ergeben sich durch die Abtretung von Forderungen durchaus einige Vorteile: ■ Verbesserung der Liquidität, da der Factor sofort einen Großteil der offenen Rechnungen begleicht ■ Durch sofortigen Liquiditätszufluss können bestehende Kreditlinien reduziert und Neuanschaffungen getätigt oder Rechnungen mit Skontoabzug beglichen werden ■ Erhöhung der Eigenkapitalquote durch Verkauf der Forderungen und der daraus resultierenden Verkürzung der Bilanzsumme DIE BETEILIGTEN BEIM FACTORING Factor kauft Forderungen auf Factor Werkstattinhaber Factor treibt die Forderungen ein Werkstattleistung und Geldforderung Kunde Quelle: RAW ■ Schutz vor einem totalen Forderungsausfall, da dieses Risiko der Factor übernimmt ■ Planungssicherheit, da eine gewisse Größenordnung, zwischen 70 und 90 Prozent der offenen Rechnungen garantiert ausbezahlt werden ■ Abbau von Verwaltungsaufwand beim Full Service Factoring, da der Factor die gesamte Abwicklung von Debitorenbuchhaltung über Mahnwesen bis hin zu einem Inkassoverfahren übernimmt ■ Keine Rechtsanwaltskosten für das Eintreiben von Forderungen Diesen Vorteilen stehen aber auch einige Nachteile gegenüber: ■ Je nachdem wie die Bonitätsprüfung ausfällt und der Arbeitsaufwand vom Factor eingeschätzt wird, kommen höhere oder niedrigere Kosten auf den Werkstattinhaber zu. Diese können zwischen 1 und 4 Prozent des angekauften Forderungsbestands betragen ■ Eventuelle Imageprobleme beziehungsweise Kundenentfremdung bei einem offenen Factoring Wann sich Factoring lohnt Gerade im Mittelstand hält sich weiterhin die Meinung, dass Factoring nur etwas für Großunternehmen sei. Dies war sicherlich in der Vergangenheit zutreffend, doch in letzter Zeit gibt es immer mehr Anbieter, die sich gerade auch auf mittlere und kleine Betriebe spezialisiert haben. Dabei ist aber zu beachten, dass die Factoringgebühren meist höher sind, je geringer der Forderungsbestand ist. Manche Anbieter verlangen auch einen Mindestumsatz an verkauften Forderungen, der ungefähr bei 50.000 Euro pro Jahr liegt. Daneben hängt die Factoringgebühr meistens auch noch von dem geschätzten Arbeitsaufwand für den Factor und vom jeweiligen Ausfallrisiko Barbara Lux-Krönig Wirtschaftsprüferin, Steuerberaterin ■ KOMMENTAR Eine gute Liquiditätsplanung und die Schaffung von Liquiditätsreserven sind für jeden Werkstattbetrieb unerlässlich. Dafür muss aber auch ein besonderes Augenmerk auf das Debitorenmanagement gelegt werden. Durch den Einkauf von teuren Ersatzteilen und durch eine schleppende Zahlungsmoral kann ein Betrieb schnell mal in finanzielle Engpässe geraten. Um dies zu vermeiden, muss eine funktionierende Debitorenbuchhaltung vorhanden sein, die die offenen Rechnungen im Blick hat, nach einer gewissen Zeit Mahnungen verschickt und gegebenenfalls ein Inkassoverfahren einleitet. Es gibt aber immer wieder Betriebe, bei denen es keinen klaren Prozess für das Forderungsmanagement gibt oder bei denen die Inhaber oftmals die Konfrontation mit dem Kunden wegen einer nicht gezahlten Rechnung scheuen. In diesen Fällen bietet es sich an, über den Verkauf der Forderungen, sprich Factoring nachzudenken. In einer derartigen Gemengelage kann es nämlich durchaus sinnvoll sein, lieber die Factoringgebühr in Kauf zu nehmen, aber dafür, relativ zügig nach der Rechnungserstellung einen Liquiditätszufluss im Betrieb zu haben. Maximilian Appelt Rechtsanwalt, Steuerberater www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 53

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BETRIEBSPRAXIS TEILEHANDEL Originalteile auf dem Vormarsch Auch markenunabhängige Werkstätten greifen häufiger zu Originalteilen. Diese müssen sie nicht zwangsweise über den Markenbetrieb um die Ecke bestellen. Neue Vertriebskanäle bahnen sich ihren Weg. ür Reparaturen am Fahrzeug greifen freie Werkstätten immer häufiger auf Originalteile zurück. Ein Grund hierfür ist die zunehmende Technologisierung der Fahrzeuge. Das vormals vorhandene Preisgefälle zwischen Ersatzteilen des freien Aftermarktes und den OE-Teilen wird dadurch stetig kleiner, was die Wahl von OE-Teilen zusätzlich begünstigt. Dies ist das Kernergebnis einer aktuellen Marktuntersuchung zum Handel mit Originalteilen, die die Unternehmensberatung Wolk After Sales Experts jetzt in Bergisch Gladbach vorgestellt hat. Nach Einschätzung der Branchenexperten beziehen markenunabhängige Pkw-Werkstätten bereits heute 25 bis 30 Prozent ihres Gesamtersatzteilebedarfs in Form von OE-Teilen der Autohersteller. Wachstumsraten von fünf Prozent „Die Entwicklung des OE-Teilegeschäfts veranlasst uns zu der Prognose, dass in diesem Geschäftsfeld im Aftermarket mit jährlichen Wachstumsraten bis zu fünf Prozent zu rechnen ist“, erklärte Sebastian Heitfeld, von Wolk After Sales Experts und Autor der Marktuntersuchung. In der Untersuchung wurden 39 Unternehmen unter die Lupe genommen, die Originalteile an Werkstätten verkaufen. Der Blick auf die Firmenprofile zeigt: Die am Markt aktiven Unternehmen unterscheiden sich deutlich in ihrem Geschäftsmodell und lassen sich in unterschiedliche Betriebstypen unterscheiden. Dabei haben sich laut Wolk insgesamt acht unterschiedliche Geschäftsmodelle herauskristallisiert. Neben mehreren Teilegroßhändlern, die ihren Ursprung eigentlich im markengebundenen Fahrzeughandel haben, existieren spezielle Online-Plattformen, die Originalteile verkaufen, sowie Großhändler des unabhängigen Teilemarktes (IAM), die neben den IAM-Teilen auch Originalteile verkaufen. Interessant sind die Firmen aus dem klassischen Automobilhandel, beispiels- AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 STUDIEN ZUM TEILEMARKT Vorstellung von zwei neuen Studien in Bergisch Gladbach (v.l.): Sebastian Heitfeld (Wolk After Sales Experts), Klaus-Dieter Esser (ADE Esser), Hartmut Röhl (GVA), Christoph Lamsfuß (Wolk After Sales Experts) und Michael Quack (Wolk After Sales Experts) Die Unternehmensberatung Wolk After Sales Experts hat am Firmensitz in Bergisch Gladbach zwei neue Studien zum Teilemarkt vorgestellt. Über die Ergebnisse der Untersuchung wurde heftig diskutiert. Mit dabei war unter anderem Hartmut Röhl, Präsident des Gesamtverbandes Autoteile- Handel (GVA). Laut einer Marktuntersuchung zum Handel mit Originalteilen beziehen markenunabhängige Pkw-Werkstätten bereits heute 25 bis 30 Prozent ihres Gesamtersatzteilebedarfs in Form von OE-Teilen der Autohersteller. Außerdem stellte Wolk Aftersales Experts eine Befragung zum lokalen Teilegroßhandel vor. Sie zeigt, dass rund 70 Prozent der lokalen Teilegroßhändler sinkende Roherlöse in den nächsten fünf Jahren erwarten. Der Umsatzanteil mit freien Pkw-Werkstätten werde in den nächsten fünf Jahren um 2,4 Prozentpunkte sinken. Die Studien: ■ Zukünftige Herausforderungen an den lokalen Teilegroßhandel in Deutschland ■ Genuine Parts Wholesalers in Germany Foto: Dietmar Winkler weise die Firma Cloppenburg, die zusätzlich das Geschäftsfeld Vertrieb von OE- Teilen bedienen. In dieselbe Kategorie fällt die Emil Frey-Gruppe, die den OE-Teilevertrieb in eine eigene Firma ausgelagert hat (EFA Autoteilewelt). Vergleichbar ist das Nora-System des Autohaus Wolfsburg. Man bedient sich auch hier einer eigenen Firma, um OE-Teile an die freien Werkstätten zu liefern. KURZFASSUNG Originalteile der Fahrzeughersteller finden über verschiedene Kanäle den Weg in die freie Werkstatt. Unterschiedliche Geschäftsmodelle haben sich herauskristallisiert, längst nicht mehr nur auf den Bahnen des klassischen markengebundenen Vertriebs. Beim norddeutschen Autohaus Dello ist man so weit, dass man neben dem Fahrzeughandel und dem Vertrieb von Originalteilen auch noch IAM-Teile unter eigener Marke anbietet. Auch regionale Kooperationen spielen laut Wolk im OE-Teilehandel mit und wachsen in dem Feld. Als Beispiel wurde OT Regio unter dem Dach der Techno Einkaufskooperation genannt. Dabei handelt es sich um einen regionalen Zusammenschluss markengebundener Autohäuser, um eine bedarfsgerechte Belieferung freier Werkstätten mit Originalteilen zu realisieren. OT Regio bündelt die Bestellungen in einem einzigen Online-Shop. Ähnliche Bündelungseffekte nutzt das Unternehmen OTD Originalteile-Direkt, das Markenhändler einer Region zu einem www.autoservicepraxis.de

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Quelle: Wolk Aftersales Experts Die Grafik zeigt die unterschiedlichen Vertriebskanäle für Originalteile im Aftermarket. Parallel zum klassischen OE-Kanal vertreiben auch Online-Shops und der Teilegroßhandel Originalteile der Fahrzeughersteller. einzigen Service-Netzwerk vereint; indem die Teile-Lieferungen der einzelnen Markenhändler im Logistikhub gebündelt werden, kann die Belieferung der Werkstätten häufiger erfolgen. OTD gehört zur Würth Gruppe. Ein Feld für den Teilegroßhandel Eine weitere Partei im OE-Teilevertrieb ist der klassische Teilegroßhandel. Ein Großhändler, der die Spielräume der GVO genutzt hat, ist die Firma Coler. Der Handel mit Originalteilen und der Zugriff auf die Teilekataloge der Fahrzeughersteller beschert dem Großhändler nicht zuletzt einen Vorteil beim Thema Teileidentifikation über die VIN. „Neben Kfz-Ersatzteilen und Zubehör des freien Marktes führen wir ebenso Originalteile zahlreicher Automobilhersteller und liefern daher unseren Kunden ein echtes Vollsortiment“, wirbt Coler auf der Webseite. Mit rund 25.000 Originalersatzteilen der Marken Citroën, Peugeot, DS und Ford wirbt auch der Teilegroßhändler Certus mit Sitz in Korschenbroich. Das Unternehmen wurde 2009 vom Teilehändler Autoteile Post AG gegründet und versteht sich als reiner Teilelieferant. Eine immer wichtigere Bedeutung kommt künftig über den reinen Teileverkauf hinaus dem Transfer von technischem Fachwissen zu: „Teile folgen dem Know-how und diese Tendenz wird durch die neuen Fahrzeuge weiter verstärkt werden“, sagte Helmut Wolk im Rahmen der Vorstellung der Studienergebnisse. Für den Teilehandel sei dies eine wichtige Botschaft: „Es wird demjenigen Unternehmen leichter fallen, Teile zu verkaufen, das auch gleich das nötige Know-how zur Montage, Kalibrierung und Diagnostik anbietet.“ Außerdem stellte Wolk Aftersales Experts eine zweite Studie zur Situation des lokalen Teilegroßhandels vor. Eine Befragung von Unternehmen des lokalen Autoteilegroßhandels in Deutschland im Frühjahr 2016 zeigt, dass rund 70 Prozent der lokal ausgerichteten Händler deutlich sinkende Roherlöse in den nächsten fünf Jahren erwarten. Der intensive Wettbewerb führt dazu, dass der lokale Teilegroßhandel erwartet, dass sein Umsatzanteil mit freien Pkw-Werkstätten in den nächsten fünf Jahren um 2,4 Prozentpunkte sinken wird. Dietmar Winkler ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 55

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BETRIEBSPRAXIS INTERVIEW Basteln an der Agenda 2025 Thomas Aukamm ist seit Jahresbeginn neuer Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF). Das sind seine Pläne im neuen Amt. asp: Herr Aukamm, was war Ihre erste Amtshandlung als neuer Hauptgeschäftsführer des ZKF? T. Aukamm: Als erste echte offizielle Amtshandlung konnte ich in den ersten Wochen die Übergabe eines komplett ausgestatteten Werkzeugwagens an eine Europaschule für Fahrzeugtechnik vornehmen, mit der wir als Verband und unsere Mitgliedsbetriebe hervorragend kooperieren. In den kommenden Tagen und Wochen geht es um das intensive Einarbeiten in die Strukturen, Aufgaben und Erwartungen des Verbandes und seiner Mitglieder. asp: Welche Projekte haben Sie sich für die nächsten Monate vorgenommen? T. Aukamm: Erst einmal den Verband und seine Mitglieder wirklich verstehen und hieraus eine neue Mission erarbeiten. Das ist meines Erachtens die wichtigste Grundbedingung, um als Sprachrohr und Meinungsvertreter der Mitgliedsbetriebe erfolgreich und akzeptiert agieren zu können. asp: Welche Themen der Agenda 2020 müssen noch weitergetrieben werden? T. Aukamm: Die „Agenda 2020“ hat ihre wesentlichen Ziele erreicht. Hierzu gehören unter anderem auch der EuroDFT, mit dessen Hilfe als Diagnosesystem in den freien K&L-Betrieben herstellerunabhängig Steuergeräte ausgelesen und programmiert werden können. Mit Repair-pedia hat man ein wesentliches Ziel erreicht, online basiert ein Wissensportal für Karosserie-, Kfz-Werkstätten und Sachverstän- KURZFASSUNG Der Hauptgeschäftsführer des ZKF will, dass der Verband die Mitgliedsbetriebe als Problemlöser in die Zukunft begleitet – diese ist digitalisiert und gehorcht ganz neuen Marktkräften, beispielsweise durch Versicherer, die ins Geschäft drängen. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 dige zu schaffen, welches auf den ZKF- Tipps basiert und von der ZKF-Tochter Eurogarant AutoService AG betrieben und weiterentwickelt wird. In Sachen Nachwuchswerbung für zukünftige Auszubildende wurde eine Kampagne geschaffen, die von jeder Innung und jedem Betrieb genutzt werden kann. Die Nutzfahrzeug- Kompetenz wurde weiter ausgebaut und neue Felder wie Caravan-Reparatur wurden geschaffen. Insgesamt hat man damit die Ziele sogar vorzeitig erreicht und aus diesem Grund wird man nun gemeinsam mit dem Vorstand eine „Agenda 2025“ erarbeiten, die weiter auf die Herausforderungen der Zukunft eingehen wird. asp: Wie sieht eine Agenda 2025 aus – welche Themen müssen angepackt werden? T. Aukamm: Gleich zu Beginn von 2017 wird sich das gesamte ZKF-Präsidium mit Vorstand und Geschäftsführung in Klausur begeben und auf Basis der aktuellen und zukünftigen Themen die Bestandteile der Agenda 2025 erarbeiten. Hierbei wird man vor allem auch die Zukunft der Mobilität, fortschreitende Digitalisierung, neue Karosseriekonzepte und vor allem auch sich verändernde Marktverhältnisse zwischen Betrieben und Versicherern im Auge haben. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und hierfür ist es unsere Pflicht, den Betrieben die richtigen Empfehlungen geben zu können. asp: Der Versicherer HUK-Coburg bastelt am eigenen Werkstattnetz. Wie sehen Sie diese Entwicklung? T. Aukamm: Als Verband stehen wir im direkten Dialog mit der HUK und kommunizieren unsere Schlussfolgerungen einerseits, sprechen aber andererseits mit unserer Expertise auch über Chancen. Ein eigenes Werkstattnetz eines Versicherers kann aus dessen Perspektive Sinn machen – funktionieren wird es jedoch nur, wenn sich die Betriebe in welcher Form auch immer dabei gesund entwickeln können. Die Thomas Aukamm ist der neue Hauptgeschäftsführer des ZKF. bisher zugesagten Umsatzgrößen in der Schadensteuerung sind für die meisten Betriebe betriebswirtschaftlich und existenziell jedoch deutlich zu gering. Zudem bedeutet dies für betroffene Betriebe, einen großen Schritt weg von der unternehmerischen Eigenverantwortung und Freiheit. Insoweit bleibt unsere Aussage „jeder Mitgliedsbetrieb sollte sich genauestens überlegen, ob er diesen Schritt geht“ bestehen. asp: Was könnte am Ende einer solchen Entwicklung stehen – dass der Versicherer auch noch vorschreibt, wo Kfz-Teile eingekauft werden? T. Aukamm: Möglich ist dies. In anderen Ländern besteht sogar eine Einkaufskooperation zwischen sich im Wettbewerb befindenden Versicherern. So lassen sich relevante Masseneffekte und damit die günstigsten Preise erreichen. Dass damit ein nicht unwesentlicher Teil des Ergebnisbeitrags bei den Werkstätten verschwindet, wäre die Konsequenz. Betriebe könnten www.autoservicepraxis.de Foto: ZKF

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unter dieser Konstellation nur noch überleben, wenn der Stundenverrechnungssatz auf der anderen Seite angehoben wird. asp: Der ZKF lehnt die Forderung der HUK- Coburg nach einheitlicher Signalisation der Partnerbetriebe ab. Warum? T. Aukamm: Unsere Werkstattbetriebe sind freie Unternehmer mit eigener Identität und Neutralität – und dies in den meisten Fällen schon seit mehreren Generationen sehr erfolgreich. Die einheitliche Signalisation für nur einen Versicherer würde bei einer weiteren Zunahme der Schadensteuerung eine pure Abhängigkeit von diesem Partner-Versicherer bedeuten. Dieser wiederum müsste im Gegenzug eine Auslastung garantieren, damit der Betrieb überleben kann. Um die Unabhängigkeit unserer Mitgliedsbetriebe zu sichern, können wir zum gegenwärtigen Diskussionsstand nur davon abraten, seinen Betrieb einheitlich für einen Versicherer zu signalisieren und damit andere existenziell notwendige Auftraggeber zu verdrängen. asp: Wo betrifft das Thema Digitalisierung die Betriebe am meisten? T. Aukamm: Eigentlich könnte man die Frage umdrehen: Wo betrifft das Thema Digitalisierung die Betriebe in der Zukunft nicht mehr? Ich gehe davon aus, dass zukünftig neben dem gesamten Prozessablauf der Schadenregulierung der Einkauf sowie die gesamte Kommunikation digitalisiert werden. Hinzu kommt seitens der zu reparierenden Fahrzeuge eine regelrechte digitale Revolution auf uns zu. Zunehmend werden Komponenten und Fahrzeugteile mit Steuergeräten im Auto verknüpft sein. Der ZKF hat daher gemeinsam mit dem ZDK die Entwicklung des Diagnose-Tools „EuroDFT“ umgesetzt. Hiermit wird es den freien Werkstätten herstellerunabhängig möglich, nicht nur Fahrzeugdaten auszulesen, sondern ZUR PERSON auch Programmierungen für das Fahrzeug mit der Originalsoftware vorzunehmen. Dies kann damit für neueste Euro 5- und Euro 6-Fahrzeuge erfolgen. asp: Wo besteht in Sachen Digitalisierung Nachholbedarf bei den Betrieben? T. Aukamm: Gerade die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeuge mit Assistenzsystemen, High-Tech-Steuergeräten mit komplexer Software oder der Elektrifizierung des Antriebsstranges verlangen weitere Investitionen der Betriebe in Diagnose- und Programmier-Werkzeuge, damit sie ihre Arbeit richtig erledigen können. Wir als ZKF und Verband für die freien Werkstätten kämpfen dafür, dass verhältnismäßig günstige Allround-Technologien wie zum Beispiel der erwähnte Euro- DFT für unsere Mitgliedsbetriebe am Markt erhältlich sind. In solche markenübergreifenden Problemlöser werden die Werkstätten zukünftig verstärkt investieren müssen, im Schwerpunkt in das entsprechende Personal, um Reparaturen erfolgreich durchführen zu können. asp: Wie schwer ist es für Mitglieder in der Ausbildung heute Nachwuchs zu finden? T. Aukamm: Wie in nahezu allen Handwerksberufen werden auch im Karosserieund Fahrzeugbauer- sowie im Fahrzeuglackierer-Handwerk dringend geeignete Auszubildende gesucht. Die Situation hat sich sowohl im hochtechnisierten Karosserie- und Fahrzeugbau als auch im Bereich der anspruchsvollen Fahrzeuglackierung verschärft. Waren vor zehn Jahren noch zu viele Bewerber auf Ausbildungsplatzsuche, so sind viele Betriebe heute glücklich, wenn überhaupt noch Bewerbungen von geeigneten Kandidaten eingehen. Auffallend ist jedoch, dass Betriebe, die sich in der jeweils ansässigen Region einen hohen Bekanntheitsgrad erworben haben und vom Image her anerkannt sind, deutlich weniger Nachwuchsprobleme haben als Kollegenbetriebe. Individuelle Aktivitäten der einzelnen Betriebe, zum Beispiel durch gezielte Ansprache von Lehrern allgemeinbildender Schulen, Schülerpraktika oder sogar Lehrerpraktika, zeigen durchaus Erfolg. Interview: Dietmar Winkler ■ Zum 1. Januar 2017 hat Thomas Aukamm als neuer Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) die Nachfolge von Dr. Klaus Weichtmann angetreten. Mit der Branche verbinden ihn zahlreiche berufliche Stationen. Zwischen 2005 und 2010 war der 46-Jährige als Director Automechanika fünf Jahre lang für die weltweit größte Fachmesse für Werkstattausrüstung verantwortlich. Außerdem war der Diplom-Betriebswirt für internationale Unternehmensführung in London als Geschäftsführer Vertrieb, Marketing & Recruiting bei EDAG Engineering für die Automobilindustrie tätig. Zuletzt war er Senior Partner für den Interim Management Provider AC Alphamanagement. www.autoservicepraxis.de

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BETRIEBSPRAXIS CARAT TRUCKDRIVE SYMPOSIUM 2016 Mit Laptop und Lederhose Zum Jahresende lud die Carat Gruppe ihre Nkw-Partner zum Truckdrive-Symposium nach Kassel. Über 120 Nkw-Partner trafen sich zum kollegialen Austausch und ließen sich bayerisch inspirieren. enn ein Unternehmen aus Baden-Württemberg nach Hessen zu einem Symposium mit bayerischem Einschlag einlädt und über 120 Partner aus allen Bundesländern dem Ruf folgen, kann man fast schon von einer multi-nationalen Veranstaltung reden. Zum Jahresende hat die Carat Gruppe ihre Truckdrive-Partner nach Kassel gerufen. In seiner Begrüßung erklärte Carat- Geschäftsführer Thomas Vollmar: „Das Truckdrive Symposium ist für uns eine Gelegenheit, gemeinsam mit unseren Partnern auf das Jahr zurückzublicken Der Marketing Award ging an die Vertreter von Sonax und Lumileds Germany. AUTO SERVICE PRAXIS 01/2017 und uns für die gute Zusammenarbeit zu bedanken.“ Mit Blick nach vorne ging er auf eine der großen Herausforderungen der Zukunft ein: „Die Digitalisierung ist das Thema, was uns die nächste Zeit intensiv beschäftigen wird. Auch innerhalb der Carat sind wir schon positiv infiziert von dem, was da auf uns zukommt. Wir möchten uns ganzheitlich daran beteiligen“, so Vollmar. Stephan Bens, Leiter der Nkw-Systeme bei Carat, sicherte den Partnerbetrieben eine weiterhin verlässliche Zusammenarbeit zu und blickte voraus in das Jubilä- Zünftiger Ausklang: Bayerischer Abend mit Fingerhakeln und Maßkrugstemmen Fotos: Dieter Väthröder Carat-Geschäftsführer Thomas Vollmar betonte die wachsende Bedeutung der Digitalisierung. umsjahr 2017: „Für 2017 steht uns ein großes Ereignis ins Haus, wir sind froh 20 Jahre Carat mit Ihnen feiern zu können. Dazu sind wir bereits 2016 mit Jubiläumsaktionen gestartet, denn das Jubiläumsjahr möchten wir gemeinsam mit Ihnen marketingtechnisch umsetzen. Ein Höhepunkt wird die Jubiläums-Leistungsmesse 2017 in Kassel sein.“ Bens betonte außerdem die Bedeutung eines qualifizierten Marketings für den erfolgreichen Verkauf und leitete so über zur mit Spannung erwarteten Verleihung des Marketing Awards. Die Preisträger Sonax und Lumileds Germany mit der Marke Philips hatten die Carat und ihre Partner durch herausragende Leistungen im Produktmarketing überzeugt. Spätestens mit Keynote-Speaker Heinrich Kürzeder wurde es dann richtig bayerisch. Der Vertriebsprofi zeigte, wie die Bayern Laptop und Lederhose charmant und erfolgreich kombinieren. Bayerischer Abschluss Auf der Niester Königs-Alm erlebten die Gäste zum Ausklang einen urbayerischen Abend. Dort durften die Teilnehmer mit typischen Hüttenspielen wie Bierfaßrollen, Fingerhakeln oder Maßkrugstemmen ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen. Dazu gab‘s Live-Musik und Bier vom Fass. Dieter Väthröder ■ Keynote-Speaker Heinrich Kürzeder referierte über das Thema Vermarktung auf bayerisch. www.autoservicepraxis.de

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