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Mit freundlicher Empfehlung www.autoservicepraxis.de B43 385 D 10,90 EURO 7-8.2017 SPRINGER AUTOMOTIVE MEDIA TITELTHEMA Mit saisonalen Aktionen wirksam Kunden ansprechen TECHNIKSERIE Mild-Hybrid-Fahrzeuge mit 48-Volt-Bordnetz BEST PRACTICE Das Induktionsgerät löst selbst kniffelige Fälle SCHMIERSTOFFE Bag-in-Box-Lösung als Alternative zur Ölbevorratung TÜV SÜD Themenfeuerwerk auf dem IAA-Messestand BESTENS AUFGESTELLT FÜR VOLKSWAGEN JETZT ERHÄLTLICH 504.00/507.00 508.00/509.00 MIT DER SHELL HELIX PRODUKTFAMILIE SIND SIE BESTENS AUFGESTELLT FÜR DIE HEUTIGEN UND ZUKÜNFTIGEN ANFORDERUNGEN DES VOLKSWAGENKONZERNS. Erfüllt Anforderungen der neuen Motorengenerationen: Hält den Motor nahezu werksauber* Verbesserte Kraftstoffeffizienz** Verwendbar für die verschiedensten Kraftstoffe (Benzin, Diesel, Erdgas, Bio Diesel und Benzin mit Ethanol Beimischungen) Kompatibel mit Dieselpartikelfilter * Gemäß Ergebnis des Sequence VG Schlammtests ** Gemäß ACEA Verbrauchstest – MB M111FE (CEC-L-54-T-96). Nachgewiesene Kraftstoffeinsparung von mindestens 2,5 % (Mittel von drei Prüfl äufen) www.autoservicepraxis.de

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LEITARTIKEL Kundenkontakte nutzen as Zusatzgeschäft ist für Werkstätten das Salz in der Suppe. Ob im Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter – saisonale Angebote sorgen für wichtigen zusätzlichen Umsatz. Eine gute Gelegenheit dazu stellt natürlich der turnusmäßige Reifenwechsel dar. Denn ist der Kunde einmal im Haus, kann man ihm der Jahreszeit entsprechende Produkte anbieten. Auch präventive Arbeiten wie ein Batterieschnellcheck oder eine Schnellvermessung zeigen mögliche Potenziale auf, die zu Zusatzgeschäft führen können. Spezielle Aktionen und Events stärken die Kundenbindung. Vor allem im Sommer möchten viele Autofahrer zudem ihr Fahrzeug für die geplante Urlaubsreise nochmal richtig durchchecken lassen. Ist die Bremse in Ordnung, wie sieht es mit der Reifenprofiltiefe aus und funktioniert die Klimaanlage einwandfrei? Werkstätten mit entsprechenden Angeboten können hier punkten. Neben den typischen saisonalen Aktionen sind auch Events eine gute Gelegenheit, die Kundenbindung zu stärken. Dabei ist Kreativität gefragt, vom eher klassischen Tag der offenen Tür über den Teile-Flohmarkt bis zum individuellen Sommerfest mit Live-Band und selbstgebackenem Kuchen. Denn im Mittelpunkt stehen nicht die messbaren Erfolge, sondern die übergeordnete Imagewirkung. Der Kunde soll sich wohlfühlen und die Werkstatt als kompetenten Partner wahrnehmen. Das Autohaus Gohm + Graf Hardenberg in Konstanz hat beispielsweise mit dem Projekt „Musik macht mobil“ gute Erfahrungen gemacht. Das Besondere dabei: durch die Kooperation von vier eigentlich konkurrierenden Autohäusern und der Unterstützung der Stadt Konstanz konnten die Besucher an einem Tag die Leistungen und Produkte verschiedener Marken kennenlernen und vergleichen. Diese Zusammenarbeit machte ein Event möglich, das ein einzelner Betrieb nie hätte stemmen können (mehr dazu ab Seite 20). Viel Spaß beim Lesen! Valeska Gehrke, Redakteurin www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 3

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INHALT 14 Saisonales Werkstattgeschäft Passend zur Jahreszeit lässt sich der Umsatz mit entsprechenden Aktionen steigern. Foto: Adobe Stock/Syda Productions Foto: Adobe Stock/industrieblick 24 48-Volt-Systeme Eine Vervierfachung der Bordspannung ermöglicht Mild-Hybrid-Fahrzeuge. 42 Kurzer Prozess Stark Kfz-Technik setzt auf das schwedische Induktionsgerät. TITEL 14 Saisonales Geschäft So können Kfz-Betriebe den Umsatz ankurbeln 16 Urlaubscheck Bremsflüssigkeitswechsel als Zusatzgeschäft 18 Interview Aftersales-Trainer Arne Büchner gibt Verkaufs-Tipps 20 Best Practice Imagewerbung der besonderen Art 22 Reifengeschäft Von Cabaret bis Rockkonzert – mit Ideen überraschen AUTOMOBILTECHNIK 24 Technikserie, Teil 4 48-Volt-Fahrzeuge können den Verbrauch reduzieren 28 Tausch der Luftfederung Wie es funktioniert und was dabei zu beachten ist 30 Mahle Elektromobilität rückt stärker in den Fokus AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 32 Mazda Classic Ein Traum wird wahr: Automobilmuseum Frey 34 3D-Druck Additive Produktionsverfahren nehmen zu 36 Kurz vorgestellt Der BMW 325d GT und der Opel Mokka 37 Produkte Neues aus den Bereichen Bremse, Verschleißteile & Co. WERKSTATTTECHNIK 40 Batterie Wie Starterbatterien länger halten 42 Best Practice Das Induktionsgerät löst selbst kniffelige Fälle 44 Hebetechnik Die neuen Zweisäulen- Hebebühnen von Blitzrotary 46 Produkte Neues aus den Bereichen Hebetechnik, Werkzeug & Co. BETRIEBSPRAXIS 50 Best Practice Poot und Kueßner setzen auf Petronas-Konzept 52 Interview Lars Kammerer von TÜV SÜD gibt einen Ausblick zur IAA 54 Gebindegrößen So hat man immer das richtige Motorenöl auf Lager 56 Recht Wenn die Reparatur misslingt – diese Rechte hat der Kunde 58 Sicherheit Fahrerassistenzsysteme zum Nachrüsten RUBRIKEN 03 Leitartikel 06 Nachrichten 39 ASA-News 48 TÜV SÜD-Aktuell 47 Impressum Spezial: Freier Teilemarkt § 29 AUTO SERVICE PRAXIS veröffentlicht regelmäßig sämtliche im Verkehrsblatt abgedruckten Mitteilungen des Bundesministers für Verkehr, soweit diese für § 29 StVZO relevant sind. AUTO SERVICE PRAXIS-Abonnenten verfügen damit über die im Sinne der AU-Anerkennungsrichtlinie erforderlichen Informationen und sind somit vom Bezug des ansonsten vorgeschriebenen Verkehrsblattes befreit. 48 Bremsprüfstände Neue Anforderungen an Bremsprüfstände und deren Kalibrierung www.autoservicepraxis.de

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Wir stellen vor: Chris Kollar, Produktmanager bei TRW Nordamerika. Ob beim Eishockey für die Spitfires oder bei der Arbeit am Corner Module, der Komplettlösung von TRW für Brems-, Lenkungs- und Aufhängungsteile – um richtig gut zu sein, muss Chris nicht nur viele Fähigkeiten beherrschen, er muss sie auch perfekt zusammen einsetzen. TRW’s exklusives Corner Module vereint alle Hauptkomponenten, damit alles perfekt passt, jedes Mal. Bremsen, Lenkung und Aufhängung – optimal aufeinander abgestimmt für ultimative Sicherheit. Vertrauen Sie für echte Höchstleistung auf Echte Originale. Sehen Sie sich Chris’ Geschichte auf trwaftermarket.com/de/cornermodule an. www.trwaftermarket.com/de/cornermodule Bei TRW wird jedes Teil so gebaut, dass es jede Herausforderung meistert, genauso wie es unsere 4.000 Ingenieure, Designer und Produktexperten bereits auf der ganzen Welt tun. Mit über 100 Jahren Erfahrung in der Erstausrüstung setzt TRW Maßstäbe in Sachen Sicherheit und Qualität.

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NACHRICHTEN AUDIOTECHNIK Das Auto als Klangkörper Meistgeklickte Artikel im Juni 1. Audi: Erhöhte Abgaswerte durch einen technischen Fehler 2. PSA: Diverse Probleme im ersten Halbjahr 3. Schaeffler: Automobilzulieferer schockt die Börse 4. Mercedes-Benz: Mängel bei Citan, Sprinter und Co. 5. Bosch: Technologiekonzern baut Chip- Werk in Dresden Meldung verpasst? Mit dem kostenlosen Newsletter von asp wäre das nicht passiert. Abo unter www.autoservicepraxis.de/newsletter. Frage der Woche (19. bis 25. Juni) Der VW-Konzern will in den kommenden Jahren stärker auf Erdgasmobilität setzen. Kann die Technologie aus dem Dornröschenschlaf geholt werden? ■ Ja, Erdgas verbrennt sauberer als ein Diesel und ist eine günstige Alternative zu Elektroautos (24 %) ■ Nein, Erdgas wird sich nach dem Imageschaden durch den geborstenen Tank nicht mehr erholen (70 %) ■ Weiß nicht (7 %) AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Continental hat mit „Ac2ated Sound“ ein neues Konzept für die Audiotechnik in Autos erfunden. Das Technologieunternehmen ersetzt herkömmliche Lautsprecher im Fahrzeug durch Aktuatoren, die Schall erzeugen, indem sie bestimmte Oberflächen im Fahrzeug in Schwingung versetzen. Das Verfahren wurde von der Funktionsweise von Saiteninstrumenten inspiriert und soll gänzlich ohne Lautsprecher auskommen. Darüber hinaus bietet es Vorteile beim Gewicht, dem erheblich reduzierten Einbauvolumen sowie geringeren Stromverbrauch. Gut klingen soll es laut Expertenmeinung ebenfalls. In einem Demonstrationsfahrzeug hat Continental darüber hinaus die Skalierbarkeit des Systems vorgeführt. Wann die Technik marktreif ist, hat der Hersteller bislang noch nicht verraten. aj ■ WETTBEWERB Wissen clever kombinieren Dieses Jahr wurde das Finale des 11. Serviceberater-Wettbewerbs der Carat-Gruppe im Berufsbildungszentrum Arnsberg ausgetragen. Insgesamt 20 Serviceprofis KOOPERATION Transparente Reparatur Foto: Carat aus ganz Deutschland waren ins Sauerland gekommen und beschäftigten sich an drei Tagen mit den Themen Hybridsysteme, Bankgespräch und digitaler Verkaufsraum. Schließlich traten sie mit ihrem erworbenen Wissen in den Disziplinen Betriebswirtschaft, Technik sowie einem Schwerpunkt in der Prüfung an, aus der dann die Sieger ermittelt wurden. Dem Finale in Arnsberg waren verschiedene Fragebogen-Runden vorausgegangen, die zuvor im Selbststudium absolviert werden mussten. Der Wettbewerb wird alle zwei Jahre von Carat ausgetragen. aj ■ Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) bietet ab sofort allen Nutzern der Webseite www.motor-talk.de eine Online-Lösung, um Reparatur- und Inspektionskosten zu checken sowie eine passende Werkstatt in der Nähe mitsamt Termin zu finden. Möglich wird das durch die Verknüpfung des FairGarage-Werkstattportals der DAT mit der Motor-Talk-Community. Auf der Motor-Talk-Webseite können individuelle Preisinformationen zu zahlreichen Reparaturen und Wartungsarbeiten an Pkw, SUV und Kleintransportern ermittelt werden. Kalkuliert wird bei Fair- Garage stets auf Basis der Original-Herstellerdaten. Dazu sind über 16.000 Werkstätten in dem System gelistet. Mit 2,8 Millionen registrierten Nutzern ist Motor- Talk zudem Europas größte Online-Auto- Community. aj ■ www.autoservicepraxis.de Foto: DAT Foto: Continental

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CONNECTED CAR Chance für Autohäuser Das IT-Unternehmen Autoaid hat eine offene Connected-Car-Plattform für Autohäuser und Werkstätten vorgestellt. Mit dieser Lösung können Autohäuser selbst von den Möglichkeiten des Connected Car profitieren. Die Plattform wurde als Komplettlösung, bestehend aus Hardware sowie cloudbasierter Software, entwickelt. Ein Dongle, der in den OBD-II-Port eines Fahrzeugs eingesteckt wird, überträgt Telematik- und Fahrzeugdaten mittels integrierter SIM-Karte an die Cloud. Autohäuser und Werkstätten greifen auf diese Daten komfortabel über ein Web-Portal zu, wobei unter anderem Inspektions- und Serviceintervalle oder Öl- und Kilometerstände abrufbar sind. Autohäuser können ihre Kunden so zum richtigen Zeitpunkt mit individuellen Angeboten ansprechen. Die Plattform ist ab sofort für die Marken der VAG verfügbar. Bis Anfang 2018 soll Autoaid auch für weitere große Hersteller eingeführt werden. aj ■ Foto: Autoaid AIRBAG-REPARATUR Instandsetzen statt tauschen Das niederländische Unternehmen „Airbagbank“ hat sich auf die kostengünstige Reparatur von Airbags spezialisiert. Bei den lebensrettenden Aufprallkissen ist oft nur das Airbagsteuergerät oder ein Teil des Systems wie der Airbagstecker defekt. Trotzdem wechseln viele Werkstätten den gesamten Airbag aus. Bei Airbagbank wird nur das defekte Teil repariert und die Reparatur Schritt für Schritt dokumentiert. So kann der Kunde sicher sein, einen funktionstüchtigen Airbag zu bekommen. Das Unternehmen repariert vor Ort im niederländischen Cuijk, verschickt die benötigten Teile aber auch zu Partner-Autowerkstätten in ganz Deutschland. aj ■ BERUFSMEISTERSCHAFT ZKF-Kandidat für WorldSkills Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) hat den diesjährigen Teilnehmer der WorldSkills vorgestellt: Mirko Betz (rechts im Bild, mit seinem Coach Vincent Wicker) vom Ausbildungsbetrieb EDAG Engineering GmbH wird an den 44. Berufsweltmeisterschaften teilnehmen, die vom 14. bis 19. Oktober 2017 in Abu Dhabi stattfinden. Der 21-jährige Betz, der eine Ausbildung zum Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker absolviert hat, versucht dort innerhalb von 22 Stunden die Aufgabenstellung im Bereich Karosserietechnik bestmöglich zu erfüllen und eine der begehrten Medaillen zu bekommen. Die WorldSkills werden seit 1950 alle zwei Jahre veranstaltet, seit 1999 ist auch der ZKF mit einem Kandidaten vertreten. aj ■ Foto: ZKF Im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme des Bremsen- und Kupplungsherstellers FTE Automotive durch Valeo hat die Europäische Kommission Zweifel daran geäußert, dass das Geschäft mit hydraulischen Aktoren (Aggregat zur elektronischen Steuerung hydraulischer Lasten in Getrieben) den EU-Richtlinien entspricht. Valeo ist bereits in diesem Bereich mit einer eigenen Sparte aktiv. Sollte Valeo nach Umsetzung der angekündigten Veränderung die Zustimmung der Europäischen Kommission für die FTE-Übernahme erhalten, ist die Veräußerung der bis dahin eigenen Sparte an den italienischen Zulieferer Raicam, einen Spezialisten für Kupplungsund Bremssysteme, für Ende 2017 geplant. Original Marken Partner, ein Zusammenschluss der Unternehmen Bosal, Dana/Victor Reinz, GKN/Spidan, Mahle Aftermarket und TMD Friction/Textar, bietet erneut Schulungen an. Die nächste findet am 23. September im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer zu Leipzig statt. Das Schulungsangebot deckt nahezu alle wichtigen Produktbereiche beim Pkw ab und wird von Experten durchgeführt. Die Kurse gliedern sich in mehrere Abschnitte, die sich dem jeweiligen Spezialgebiet der einzelnen Original Marken Partner widmen. Webasto hat eine russische Vertriebs- und Servicezentrale in Lobnja (Oblast Moskau) eröffnet. Die neue Zentrale umfasst auf einer Fläche von rund 4.000 Quadratmetern Verwaltung, Schulungsräume, Montage und zwei Werkstätten. Insgesamt hat Webasto rund 10 Millionen Euro in den neuen Standort investiert.Von Lobnja aus werden die Automobilhersteller mit Heizsystemen für die Erstausstattung in ihren russischen Werken beliefert. Jörg Schernikau übernimmt als Geschäftsführer die Leitung der beiden Geschäftsbereiche Climate Control Systems und Automotive Controls der Eberspächer Unternehmensgruppe. Dirk Walliser, bisheriger Geschäftsführer Automotive Controls beim Esslinger Automobilzulieferer, verantwortet die gruppenweite Leitung des neu geschaffenen Bereichs Business Innovation. Der Felgenhersteller Borbet investiert in den Anbau des Werkzeugbaus am Stammwerk in Hallenberg-Hesborn. Mit der Erweiterung will der Hersteller eine schnelle und flexible Herstellung von Werkzeugen sicherstellen. Zudem profitieren die Auszubildenden von der Erweiterung: Die neue Halle wird einen separaten Bereich für die hauseigene Lehrwerkstatt bieten. Der Ausbau soll bis spätestens Anfang 2018 abgeschlossen sein. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 7

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NACHRICHTEN FAHRZEUGTECHNOLOGIEN Bald null Emissionen und Unfälle? Beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen lautet das erklärte Ziel „Vision Zero“. Null Verkehrstote und null Emissionen sollen in Zukunft möglich sein. Dafür hat das Unternehmen neue Technologien entwickelt: So zeigte ZF Ende Juni auf dem Testgelände Driving Camp Pachfurth bei Wien eine wirkungsvolle „Geisterfahrer- Bremse“. Biegt ein Fahrer in die Gegenrichtung einer Autobahn ab, wird er zunächst gewarnt. Reagiert er nicht, wirft das Auto selbsttätig den „Rettungsanker“ in Form einer Notbremsung. Dabei greift das in einem VW Touran eingebaute System sowohl auf die Bilder einer Kamera als auch auf die Daten des Navigationssystems zurück. Eine im Bereich des Innenspiegels montierte Kamera hat die Augen des Fahrers zudem im Visier und registriert, wohin sich dessen Blick richtet. Schaut der Fahrer eine zuvor festgelegte Zeit nicht mehr in Fahrtrichtung, gibt es zunächst eine Warnung. Dabei ertönt kein Piepen mehr: Die energische Erinnerung, wieder auf die Straße zu schauen, erfolgt vielmehr durch ein heftiges Zerren und Rütteln am Sicherheitsgurt. Hilft auch das nichts, übernimmt der Bordrechner die Lenkung, verlangsamt die Fahrt des Autos, sucht nach einer geeigneten Stelle zum Anhalten und stoppt das Fahrzeug. Beide Technologien sind laut ZF nahezu serienreif. Für emissionsfreies Fahren sorgt die elektrifizierte Hinterachse „mStars“, die neben einem Elektroantrieb auch eine aktive Hinterachslenkung bereithält. Da das Foto: ZF Räderpaar am Heck um bis zu acht Grad mitlenkt, schweben die Insassen beim Spurwechsel förmlich um die Biegungen. Um die Vision Zero schneller zu erreichen, arbeitet ZF Friedrichshafen mit zahlreichen Partnerfirmen zusammen: Unter anderem Astyx, einem Hersteller von Ultrafrequenz-Radargeräten, und Nvidia, einem Hersteller von Grafikprozessoren. Auch mit Hella wurde eine Kooperation bekanntgegeben. aj ■ REIFENSERVICE Mobiler Reifenmonteur Wer keine Zeit für einen Reifenwechsel in der Werkstatt hat, für den hat das Delticom-Tochterunternehmen MobileMech die passende Lösung parat: Mobile Reifenmonteure können den Kunden zuhause AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 oder an einem Ort der Wahl besuchen und den Reifenwechsel durchführen. Die speziell ausgestatteten MobileMech-Fahrzeuge haben die entsprechende Ausstattung parat, um Räder auch wuchten oder Foto: Delticom die Reifen auf Felgen aufziehen zu können. Wer den Satz Reifen bei Delticoms Reifen-Shop Reifendirekt.de ordert, kann sich zudem die Reifen (auch vormontiert) direkt zur Montage liefern lassen. Es lassen sich Service-Leistungen durchführen. Bislang als Pilotprojekt gestartet, sollen bis Ende des Jahres 500 MobileMech- Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen rollen. Es werden noch Partner für das Franchise-System gesucht: Im Fokus sind Autohäuser und Werkstätten, die einen mobilen Reifenwechsel durchführen wollen und ein gewisses Basis-Know-how mitbringen. Das MobileMech-Fahrzeug mitsamt Ausrüstung muss vom Partner geleast werden. Neben einer Franchise- Gebühr zahlt der Partner zudem noch eine Verkaufsprovision. MobileMech sorgt wiederum für die Schulungen und die notwendigen Kundenkontakte. aj ■ www.autoservicepraxis.de

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EXPERTENGIPFEL AFTERSALES Kooperationen eingehen Die Digitalisierung bietet dem Handel viel Potenzial um Prozesskosten zu optimieren. Doch das Bewusstsein dafür fehlt in den Betrieben teilweise noch. Die Aftersales-Experten (v. l.): Matthias Heinz (Würth), Andreas T. Franz (Suzuki Deutschland), Torsten Fiebig (Veact), Jens Görsdorf (Würth), Frank Ahlers (Würth), Christian Geradehand (Govoni), Patrick S. Eheim (Porsche Deutschland), Gerd Meyer (Mazda Motors Deutschland), Prof. Stefan Reindl (ifa), Jörg Kracke (Subaru Deutschland), Ralph M. Meunzel (Chefredakteur AUTOHAUS), Arno Bach (RR-Team), Johannes Alings (Fiat Chrysler Automobiles) und Jens Brech (Toyota Deutschland) igitalisierung, aber wie?“ – mit dieser Frage eröffnete Moritz Schwarz, Sales Director E-Business International bei Würth, Anfang Juli den Expertengipfel Aftersales, der sich inzwischen als erfolgreiches Branchentreffen etabliert hat. Bereits seit fünf Jahren lädt der Handelskonzern Würth die Aftersales-Verantwortlichen bekannter Automarken nach Zweiflingen. Moderiert wurde das Treffen von AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel. Um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, hat Würth einen pragmatischen Weg eingeschlagen und dem Thema in den letzten fünf Jahren einen höheren Stellenwert eingeräumt. Wichtig dabei: Klare Verantwortlichkeiten schaffen. Und: „Digitalisierung darf nicht nur der IT überlassen werden, da sie alle Unternehmensbereiche betrifft“, weiß Moritz Schwarz. Würth setzt auf so genannte „Quick-Wins“, Leuchtturmprojekte, die, auch wenn sie nicht sofort perfekt sind, wertvolle Erfahrungen darstellen. Genehmigungsverfahren, der „Würth-Sofort-Service“ oder der „Click & Collect-Service“ bieten Händlern beispielsweise mehr Beschaffungsflexibilität bei der Online-Bestellung. Alles aus einer Hand „Der Kunde wünscht sich alles aus einer Hand – ob C-Teile oder A-Teile“, ist Schwarz überzeugt. Er forderte die Servicechefs auf, großen Playern wie Amazon, die auch ins B2B-Geschäft einsteigen, etwas entgegenzusetzen und über Kooperationen nachzudenken. Denn häufig nutzen Händler unzählige verschiedene Portale für die Teilebestellung – das sorgt für unnötig hohe Prozesskosten. Die Aftersales-Experten waren sich einig, dass das Bewusstsein für diese Problematik noch nicht ausreichend vorhanden ist. Als Gründe nannten sie Gewohnheit, Tradition und lokale Verpflichtungen. Der offensichtliche Mehrwert für den Händler, die Zeit- und Kostenersparnis, müsse sich auch in einem Mehrwert für den einzelnen Mitarbeiter niederschlagen, um ein Umdenken zu erreichen. In Sachen Digitalisierung stellte Torsten Fiebig, Digital Consultant bei Veact, den Aftersales-Experten zudem ein selbstlernendes System vor, eine Art Assistent, der nach Analyse aller Kundendaten die selektive Kunden-Kommunikation per SMSoder Chat übernimmt. Auch das Thema Ganzjahresreifen wurde mit Arno Bach, Geschäftsführer von RR-Team diskutiert. Diese bleiben für Fahrzeugführer in puncto Sicherheit immer ein Kompromiss. Für den Handel bringen sie Verluste im Servicegeschäft mit sich, da die Kundenkontakte weniger werden. „Das ist vielen Autohäusern noch nicht klar“, glaubt Arno Bach und will Betrieben Argumentationshilfen und Schulungen an die Hand geben. Christian Geradehand, Vertriebsleiter Export von Govoni mit Sitz in Italien, stellte in Zweiflingen die Kooperation mit Würth im Bereich Spezial- und Sonderwerkzeug vor. Gemeinsam will man hier in Zukunft Kompetenz zeigen. Valeska Gehrke ■ Foto: Valeska Gehrke www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 9

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NACHRICHTEN ZDK-MITGLIEDERVERSAMMLUNG Bewusstseinswandel Neuwahlen und die Zwischenbilanz des im Amt bestätigten ZDK-Präsidenten Jürgen Karpinski bestimmten die diesjährige Mitgliederversammlung des Deutschen Kfz-Gewerbes in Montabaur. a soll noch einer sagen, der Zentralverband des Deutschen Kfz- Gewerbes (ZDK) tue nichts für die Fitness seiner Mitglieder. Die Vertreter der Landes- und Fabrikatsverbände, die die vielen Treppen in und rund um Schloss Montabaur und seine zahlreichen Nebengebäude gemeistert haben, haben etwas für ihre Gesundheit getan. Und irgendwie war die diesjährige Mitgliederversammlung des ZDK, die auf Einladung des Landesverbandes Rheinland-Pfalz in dem malerischen Westerwaldstädtchen stattfand, auch ein Marathon. Ein Wahlmarathon nämlich, denn zahlreiche Positionen mussten bestätigt oder neu gewählt werden. Die meisten Personalien gingen glatt durch: Präsident Jürgen Karpinski, die Vize-Präsidenten Wilhelm Hülsdonk und Thomas Peckruhn, Freie-Werkstatt- Vertreter und neuer stellvertretender Bundesinnungsmeister Stefan Vorbeck, Dr. Harry Brambach als weiterer Handwerksvertreter, Johann Gesthuysen und Dirk Weddingen von Knapp als Fabrikatsvertreter – alles einstimmig, kein Problem. Aber bei den zehn weiteren Mitgliedern für den ZDK-Vorstand hakte KURZFASSUNG Fünf neue Mitglieder im ZDK-Vorstand und die Themen Diesel, Daten, Digitalisierung und Disruption standen im Zentrum der diesjährigen ZDK-Mitgliederversammlung in Montabaur. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Elf Kandidaten für zehn Posten Es gab nämlich elf Kandidaten für die zehn Posten – eine geheime Wahl wurde erforderlich und damit die Versammlung um fast zwei Stunden verlängert. Dabei war eigentlich von vorneherein klar, dass die anderen Landesverbände den Bayern, die drei Kandidaten nominiert hatten, nur zwei Mitglieder im Vorstand zugestehen würden. Und so harrten alle der Auszählung, obwohl Insidern schon im Voraus klar war, dass Rudolf Angerer, der frühere Kfz-Mechaniker-Weltmeister und Vorstandsmitglied im Landesverband Bayern, es nicht schaffen würde. Demokratie braucht eben manchmal ihre Zeit. „Eine umfassende Digitalisierungsstrategie ist für jedes Unternehmen in Handel und Service das Gebot der Stunde!“ ZDK-Präsident Jürgen Karpinski Die Einrichtung eines Ausschusses für Old- und Youngtimer, dem zukünftig Matthias Kemmer vorstehen wird, die Ausführungen von ZDK-Geschäftsführer Patrick Kaiser zum geplanten europäischen Kaufrecht 2.0 und Joachim Syhas Informationen zur neuen Meisterverordnung konnten danach nur noch im Schnelldurchgang abgehandelt werden. Zwischenbilanz von Karpinski Bemerkenswert war aber auf jeden Fall die Rede des anschließend im Amt bestätigten Jürgen Karpinski: die Zwischenbilanz des ZDK-Präsidenten. Sie war geprägt von den vier „D“: Disruption, Digitalisierung, Daten und Diesel. Unter dem Stichwort „Disruption“ forderte der 67-Jährige nicht weniger als einen Bewusstseinswandel jedes Einzelnen ein. „Setzt selbiger nicht oder zu spät ein, dann wird’s gefährlich.“ Bei der Digitalisierung wollte er einen Weckruf aussenden: „Eine umfassende Digitalisierungsstrategie ist für jedes Unternehmen in Handel und Service das Gebot der Stunde!“ Zur Diesel-Diskussion merkte er an, dass der ZDK Fahrverbote für die falsche Strategie halte: „Millionen Dieselfahrern droht die Enteignung, unseren Mitgliedsbetrieben drohen hohe Verluste im Han- del, und Kfz-Betrieben, die zufällig in möglichen Verbotszonen angesiedelt sind, droht womöglich sogar die Pleite – weil ja keiner mehr hinfahren darf.“ Anstatt zu reglementieren, sollten besser Anreize zur Umrüstung älterer Dieselfahrzeuge geschaffen werden, so seine Forderung. Denn: Fahrverbote seien in Deutschland so populär wie Waffenverbote in Texas. Auch zum Thema Händlerverträge hatte er eine Botschaft: „Händlerverträge müssen eine verlässliche und vor allen Dingen eine berechenbare und planbare Grundlage für unternehmerische Entscheidungen sein und bleiben.“ „Die Kfz-Betriebe brauchen einen flächendeckenden Internetzugang mit hinreichenden Bandbreiten im Gigabit-Bereich.“ Aus dem ZDK Forderungskatalog zur Bundestagswahl Verhindern, Verbessern, Fordern Die Arbeit des ZDK, so Karpinski, folge den Leitgedanken: Verhindern, Verbessern, Fordern. Verhindert habe der Verband zum Beispiel, dass die Betriebe durch das Berufs-Kraftfahrer-Qualifikations-Gesetz zusätzlich belastet wurden. Das betrifft auch eine deutliche Schlechterstellung der Unternehmen bei der Erbschafts- und Schenkungsteuer. Die Funktion eines eingetragenen Kreditvermittlers wurde nicht geschaffen. Ebenso wenig kam es zu zusätzlichen Belastungen bei der Neuregelung der Versicherungsvermittlung. Verbessern konnte der ZDK, dass Fahrten zum Tanken, Waschen und zur Reparatur mit Roten Kennzeichen erlaubt sind. Außerdem können Autohäuser und Werkstätten künftig von ihren Lieferanten nicht nur neues Material, sondern auch die Ein- und Ausbaukosten www.autoservicepraxis.de

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Foto: ZDK ZDK-Vorstand für die Amtszeit von 2017 bis 2020 (erste Reihe v.l.): Werner Norren, ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn, Präsident Jürgen Karpinski und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk. Zweite Reihe (v.l.): Stefan Vorbeck, stellvertretender Bundesinnungsmeister, Michael Ziegler, Johann Gesthuysen und Arne Joswig. Dritte Reihe (v.l.): Bruno Kemper, Michael Kraft, Frank Mund und Holger Schade. Dahinter (v.l.): Albert Vetterl, Andreas Tröger, Dr. Harry Brambach sowie Arnulf Winkelmann ersetzt bekommen, wenn sie deren mangelhaftes Material bei einer Reparatur verwendet haben. Katalog zur Bundestagswahl Unter der Überschrift Forderungen präsentierte ZDK-Präsident Karpinski den Katalog des Verbandes zur Bundestagswahl: ■ Eine neue Bundesregierung muss Rechtssicherheit für Autofahrer bei der Nutzung ihrer Dieselfahrzeuge schaffen. ■ Maßnahmen zur Luftreinhaltung müssen alle Verursacher einbeziehen – und nicht nur den Straßenverkehr. ■ Insbesondere die kommunale Verkehrspolitik ist gefordert: Mit Grüner Welle und einem gleichmäßigen Verkehrsfluss lassen sich Stickoxid-Emissionen deutlich reduzieren. ■ Darüber hinaus muss das Wettbewerbsrecht eine Gleichberechtigung aller Marktteilnehmer beim Datenzugriff durchsetzen. ■ Das Kfz-Gewerbe benötigt einen uneingeschränkten und direkten Zugriff auf die Daten im Kraftfahrzeug, um zukunftsorientierte Geschäftsmodelle umsetzen zu können. ■ Die Kfz-Betriebe brauchen einen flächendeckenden Internetzugang mit hinreichenden Bandbreiten im Gigabit- Bereich. ■ Ein flächendeckendes 5G-Funknetz für die vernetzte Mobilität ist zwingend notwendig. ■ Nicht zuletzt ist die Einbindung des Kfz-Gewerbes in den Gesamtkomplex der technischen Fahrzeug-Überwachung unabdingbar. ■ Das bewährte System zur technischen Fahrzeug-Überwachung in Deutschland muss auf Dauer erhalten bleiben. Das Fazit des ZDK-Präsidenten fiel dementsprechend nüchtern aus: „Wir haben schon viel erreicht, aber wir haben auch noch viel vor.“ Doris Plate ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 11

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NACHRICHTEN AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Marke Modell Produktionszeitraum 5er-Limousine Mai 2017 und Touring mit Automatikgetriebe (G30 und G31) Chrysler Dodge Ford (G11 und G12) 300 mit Allradantrieb (LX) Charger mit Allradantrieb (LD) B-Max mit 1,5-Liter-Dieselmotor C-Max mit 1,5-Liter-Dieselmotor Ecosport mit 1,5-Liter-Dieselmotor Fiesta mit 1,5-Liter-Dieselmotor Focus mit 1,5-Liter-Dieselmotor Transit Connect mit 1,5-Liter- Dieselmotor Transit Tourneo mit 1,5-Liter- Dieselmotor Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug erkennbar an Fehler am Kugelkopf des Bremspedals/Wird Bremspedal versehentlich nach oben gezogen, kann dies zu einer permanenten Aktivierung des Bremslichtschalters führen/Prüfung des Kugelkopfes des Bremspedals, ggf. Austausch des Fußhebelwerks. keine Angabe 0035190100 Speicherung in BMW-internen Datenbanken siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 01.04.2014 bis 30.06.2016 01.04.2014 bis 30.06.2016 12.12.2014 bis 30.04.2015 01.10.2014 bis 30.04.2015 20.01. bis 29.04.2015 Vordere Gelenkwelle kann sich aufgrund mangelhafter Verschraubung lösen/Gelöste Welle kann in den Verkehrsraum fallen, Schäden am Antriebsstrang und Unterbodenbauteilen möglich/Befestigungsschrauben der vorderen Gelenkwelle zum Differential- und Verteilergetriebeflansch müssen ausgetauscht und mit dem richtigen Drehmoment festgezogen werden. Vordere Gelenkwelle kann sich aufgrund mangelhafter Verschraubung lösen/Gelöste Welle kann in den Verkehrsraum fallen, Schäden am Antriebsstrang und Unterbodenbauteilen möglich/Befestigungsschrauben der vorderen Gelenkwelle zum Differential- und Verteilergetriebeflansch müssen ausgetauscht und mit dem richtigen Drehmoment festgezogen werden. Nicht den Vorgaben verbautes Nockenwellenrad verbaut/Bauteil kann durch Materialermüdung brechen und einen Motorschaden oder ein Absterben des Motors verursachen/Überprüfung und ggf. Erneuerung des Nockenwellenrads inklusive Zahnriemen und Anbaukit. keine Angabe T03 keine Angabe keine Angabe T03 keine Angabe keine Angabe 16B42 Eintrag der offenen Service-Aktion wird gegen die Fahrgestellnummer ETIS getauscht. siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 06.10.2014 bis 30.04.2015 siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 01.10.2014 siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben bis 30.04.2015 18.01. bis siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 30.04.2015 und 23.12.2014 bis 26.03.2015 siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Lancia Thema April 2014 Vordere Gelenkwelle kann sich aufgrund mangelhafter Verschraubung lösen/Gelöste Welle kann in den Verkehrsraum fallen, Schäden am Antriebsstrang und Unterbodenbauteilen möglich/Befestigungsschrauben der vorderen Gelenkwelle zum Differential- und Verteilergetriebeflansch müssen ausgetauscht und mit dem richtigen Drehmoment festgezogen werden. Mazda 6 (GJ) 31.07.2012 bis 01.12.2014 CX-7 (ER) 08.05.2007 bis 07.08.2012 CX-9 (TB) 01.02.2008 bis 21.04.2010 RX-8 (SE) 14.02.2003 bis 07.05.2004 Wassereintritt in Bremssattel möglich/Beeinträchtigte Funktionsfähigkeit der Feststellbremse/Austausch der Bremssättel. 1 6123 keine Angabe keine Angabe keine Angabe Vermerk in Mazda-Systemen Korrosion der vorderen Querlenker/Versagen des Kugelkopfes, schwergängige Lenkung/Austausch der vorderen Querlenker. 12.595 siehe oben siehe oben siehe oben 541 siehe oben siehe oben siehe oben keine Angabe siehe oben siehe oben AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 www.autoservicepraxis.de

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AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Marke Modell Produktionszeitraum Mazda RX-8 (SE) 14.02.2003 bis 16.02.2008 Mercedes-Benz A-Klasse August 2016 bis März 2017 A-Klasse (BR 176) April 2011 bis April 2013 B-Klasse (BR 246) B-Klasse August 2016 bis März 2017 Citan CLA (BR 117) mit Ottomotor M270 (Links-/Rechtslenker) und Dieselmotor OM651 (Linkslenker) Kraftstoffleitungs-Anschluss kann Risse bekommen/Kraftstoffleck und Brand möglich/Austausch der Kraftstoffpumpen-Einheit. Mischungsverhältnis des Treibmittels bestimmter Airbag-Zündpillen ab Werk des Lieferanten entspricht nicht der Spezifikation/Fehlerhafte Zündpillen könnten dadurch im Falle eines Unfalls mit Aktivierung der Beifahrer-, Becken-, Knie- oder Window-Airbags nicht wie vorgesehen zünden/ Austausch der betroffenen Airbags. Anschlussstutzen der Unterdruckleitung am Bremskraftverstärker kann brechen/Bremskraftverstärkung kann sich sukzessive reduzieren, höherer Kraftaufwand nötig/Austausch der Unterdruckleitung des Bremskraftverstärkers. keine Angabe keine Angabe Vermerk in Mazda-Systemen keine Angabe keine Angabe keine Angabe siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 03. bis 05.12.2016 April 2011 bis April 2013 CLA August 2016 bis März 2017 Mischungsverhältnis des Treibmittels bestimmter Airbag-Zündpillen ab Werk des Lieferanten entspricht nicht der Spezifikation/Fehlerhafte Zündpillen könnten dadurch im Falle eines Unfalls mit Aktivierung der Beifahrer-, Becken-, Knie- oder Window-Airbags nicht wie vorgesehen zünden/ Austausch der betroffenen Airbags. Nicht der Spezifikation entsprechende Aktualisierung der Steuergeräte während des Werkstattaufenthaltes/Fehlfunktionen Airbag-Steuergerätes, des elektronischen Stabilitätsprogramms oder der Abstandsregelung möglich/Aufspielen einer neuen Software. Anschlussstutzen der Unterdruckleitung am Bremskraftverstärker kann brechen/Bremskraftverstärkung kann sich sukzessive reduzieren, höherer Kraftaufwand nötig/Austausch der Unterdruckleitung des Bremskraftverstärkers. Mischungsverhältnis des Treibmittels bestimmter Airbag-Zündpillen ab Werk des Lieferanten entspricht nicht der Spezifikation/Fehlerhafte Zündpillen könnten dadurch im Falle eines Unfalls mit Aktivierung der Beifahrer-, Becken-, Knie- oder Window-Airbags nicht wie vorgesehen zünden/ Austausch der betroffenen Airbags. CLS (BR 218) September 2016 Falsche Ausführung der Unterbodenverkleidung verbaut/Einhaltung der Fußgängerschutzanforderungen ggf. nicht sichergestellt/Überprüfung und ggf. Austausch der Unterbodenverkleidung. E-Klasse (BR 213) mit AMG-8-Zylinder-Motoren (M177 - 450 kW) E-Klasse mit Taxi- Dachzeichen (SA-Code 341) Oktober 2016 bis Mai 2017 Januar 2016 bis April 2017 E-Klasse August 2016 bis März 2017 Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug erkennbar an An Ölzulaufleitung der Abgasturbolader Micro- Performationen möglich, die sich durch Vibrationen und Temperaturwechsel ausweiten können/ Entstehung einer Ölleckage möglich, in Kontakt mit heißen Bauteilen ist ein Brand nicht auszuschließen/Austausch der Ölzulaufleitung. Verklebung der Oberschale mit dem Unterteil des Dachzeichens entspricht nicht der Spezifikation/ Oberschale des Taxi-Dachzeichens kann sich im Fahrbetrieb von der Unterseite lösen, Unfallrisiko für nachfolgenden Verkehr/Taxi-Dachzeichen an den potenziell betroffenen Fahrzeugen werden überprüft und ggf. nachgearbeitet. Mischungsverhältnis des Treibmittels bestimmter Airbag-Zündpillen ab Werk des Lieferanten entspricht nicht der Spezifikation/Fehlerhafte Zündpillen könnten dadurch im Falle eines Unfalls mit Aktivierung der Beifahrer-, Becken-, Knie- oder Window-Airbags nicht wie vorgesehen zünden/ Austausch der betroffenen Airbags. siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben V2SCNCODE siehe oben siehe oben keine Angabe siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 2 siehe oben siehe oben keine Angabe siehe oben siehe oben siehe oben 8292831 siehe oben siehe oben keine Angabe siehe oben www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 13

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TITEL SAISONALES WERKSTATTGESCHÄFT Passend zur Jahreszeit Mit saisonalen Aktionen in der Urlaubszeit oder beim Reifenwechsel können Werkstätten zusätzliche Umsätze generieren und auch neue Kunden in den Betrieb locken. Fotos: Adobe Stock/industrieblick, Hans Hess Autoteile, Johnson Controls ommerzeit ist Urlaubszeit. Doch bevor es mit Wohnwagen und Gepäck in die Berge geht, sollte das Fahrzeug noch einmal gründlich durchgecheckt werden. Ist die Bremsanlage in Ordnung und wie sieht es mit den Stoßdämpfern aus? Vielleicht sollten auch die Reifen ausgetauscht werden, wenn sie kaum noch Profil aufweisen. Eine clevere Werkstatt weiß das zu nutzen, denn in je- KURZFASSUNG Das saisonale Werkstattgeschäft eignet sich sehr gut, um dem Betrieb zusätzliche Einnahmen zu bescheren. Viele Hersteller von Kfz-Teilen bieten dafür Unterstützung an. Events im Autohaus sorgen zusätzlich dafür, Besucher in den Betrieb zu locken. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Kostenloser Batteriecheck Viele Hersteller von Kfz-Teilen und Zubehör unterstützen Autohäuser dabei, saisonale Produkte zu verkaufen. asp AUTO SERVICE PRAXIS hat bei den Herstellern nachgefragt, was sie im Portfolio haben. Der Batteriehersteller Johnson Controls bietet bei seinen Varta-Batterien beispielsweise den „Varta Batterie Test-Check“ für Partnerwerkstätten an, damit sie den Kunder Jahreszeit lassen sich saisonale Zusatzgeschäfte erzielen (siehe Tabelle rechts). Wenn das Auto beim Wechsel der Sommer- oder Winterreifen turnusmäßig in der Werkstatt steht, ist das ebenfalls ein guter Zeitpunkt, um der Jahreszeit entsprechende Produkte anzubieten. Da Kfz- Betriebe mit saisonalen Angeboten selten alleine sind und vielleicht auch eine Räumung des Lagers ansteht, kann es sich auch lohnen, seine Produkte und Dienstleistungen antizyklisch zu verkaufen. Im Interview mit Arne Büchner (siehe Seite 18) erklärt der Aftersales-Trainer, wie man beim Verkauf vorgehen sollte. Eine weitere Möglichkeit zur Umsatzsteigerung ist das Organisieren von Events wie beispielsweise einem Teile-Flohmarkt oder einem Tag der offenen Tür. Dabei geht es weniger um den Verkauf, als vielmehr seine Kompetenz als Betrieb zu präsentieren und neue Kunden zu gewinnen. Das Autohaus Gohm + Graf hat beispielsweise mit dem Event „Musik macht mobil“ zahlreiche Bands im Autohaus auftreten lassen (siehe Anwenderreportage S. 20), was sich als Erfolg herausstellte. www.autoservicepraxis.de

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den einen kostenlosen Batterie-Test offerieren können. Registrierte Werkstätten bekommen vom Hersteller mindestens zweimal im Jahr ein Paket für den Urlaubs check und Wintercheck. Das Paket enthält Thekenaufsteller, Flyer, Rechnungsbeileger, Poster, Handyreiniger und Sonnenbrillenputztücher. Dazu liefert der Batteriehersteller Argumente, warum ein Batteriecheck für die ungetrübte Urlaubsfahrt wichtig ist. Inzwischen nehmen laut Johnson Controls mehr als 3.500 Werkstätten in Deutschland an dem Programm teil. Cashback und Reifengarantien Reifenhersteller Pirelli bietet jedes Jahr vor der Reifenwechselsaison im Sommer und im Winter teilnehmenden Händlern eine Cashback-Aktion an. Kunden, die vier Pirelli-Reifen oder Kompletträder ab einer bestimmten Größe kaufen, erstattet der Hersteller bis zu 40 Euro der Servicekosten. Dazu gehören unter anderem die Reifenmontage, der Räderwechsel, das Auswuchten, die Reifen- oder Räderwäsche und die Achsvermessung. Auch eine Reifengarantie ist Teil des Kaufes: Wird der Reifen im ersten Jahr nach Kauf beschädigt, ersetzt Pirelli 100 Pozent der Kosten beim Kauf eines Ersatzreifens. Reifenhersteller Nokian Tyres bietet beim Kauf von SUV-Reifen eine ähnliche Garantie an: Sollte die Aramid-Seitenwandverstärkung einen unbeabsichtigten Schaden aufweisen, ersetzt Nokian den Reifen kostenfrei gegen einen neuen, gleichwertigen Reifen. Der Hersteller führt darüber hinaus speziell auf einzelne Werkstattsystem-Anbieter Motoo unterstützt seine Partner mit einem Urlaubscheck. Autohäuser zugeschnittene Maßnahmen zur Verkaufsunterstützung durch, beispielsweise Incentive-Maßnahmen für Winterkompletträder und individuelle Aktionen für Wiederverkäufer. Goodyear Dunlop bietet Käufern eines Satzes Ganzjahresreifen vom Typ „Vector 4 Seasons“ eine einjährige Reifengarantie mit kostenlosem Versicherungsschutz an, der Diebstahl, Schäden und Vandalismus abdeckt. Die Kosten für die Beschaffung und Montage eines neuen Reifens sowie die Entsorgung des Altreifens werden im Rahmen der Garantie übernommen. Endverbraucher, die bis Ende des Jahres zudem einen Goodyear-Reifen (alle Modelle) kaufen und sich bei dem Hersteller registrieren, können zudem einen Gutschein für ein Jahr kostenloses Tanken gewinnen. Reifenhersteller Yokohama bietet zum 100-jährigen Bestehen eine besondere Aktion an: Wenn der Endverbraucher vier Winterreifen im teilnehmenden Handel kauft, erhält er einen Hotelgutschein für zwei Personen und zwei Übernachtungen in einem Magic-Days-Plus-Hotel seiner Wahl. Die Laufzeit für die Hotelgutschein- Aktion ist laut Hersteller vom 15. September 2017 bis 15. November 2017 geplant. 10-Punkte-Check für den Urlaub Auch Anbieter von Werkstattsystemen bieten saisonale Produkte an: Systemanbieter Motoo hat für Werkstätten eine 10-Punkte-Urlaubs-Checkliste parat, bei der alle langstreckenrelevanten Fahrzeugparameter wie eine Sicht- und Funktionsprüfung der Außenbeleuchtung, Wischerblätter, Reifen und Batterie geprüft werden. Der Check umfasst auch die Kontrolle der Flüssigkeitsstände von Kühlwasser, Scheibenwischwasser, Motorenöl, Servolenkung und Bremsflüssigkeit. Darüber hinaus legen die Motoo-Werkstattmitarbeiter ein Augenmerk auf eine intakte Windschutzscheibe und kontrollieren den Riementrieb, die Bremse, die Abgasanlage sowie die Stoßdämpfer. Auch auf anstehende Hauptuntersuchungs- oder Inspektionstermine machen die Techniker bei Bedarf aufmerksam. Die Motoo-Systemzentrale trägt die Kosten für die Kampagne. Zusätzlich werden auch Plakate und Flyer gestellt. Alexander Junk, Marcel Schoch ■ Monat Januar Februar März April Juni Juli August September Oktober November Dezember SAISONALE ZUSATZGESCHÄFTE Zusatzgeschäft Wischwasser-Service (Zugabe von Frostschutz und Reiniger-Konzentrat) Frühjahrsputz (Aufbereitung und Reinigung Fahrzeug von Salz und Staub) Wechsel Winter- auf Sommerreifen ■ Klimaservice (Klimaanlage fit für die heiße Jahreszeit?) ■ Bremsencheck (Bremsflüssigkeitswechsel vor Urlaubsfahrt) ■ Verkauf oder Verleih von sommerspezifischem Zubehör (Dachboxen, Sonnenschutz u.a.) ■ Klimaservice: Reinigung der Klimaanlage und Innenraumfilter-Tausch ■ Wechsel Sommer- auf Winterreifen ■ Fit für den Winter? (Unterbodenschutz, Rostschutz, Frostschutz) ■ Lichteinstellservice ■ Weihnachtsgeschäft, z.B. Geschenkgutscheine für Kundendienst ■ Kühler-Frostschutz ok? ■ Verkauf oder Verleih von winterspezifischem Zubehör (Schneeketten u.a.) Johnson Controls bietet für Partner-Werkstätten einen kostenlosen Batteriecheck und zusätzliches Werbematerial an. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 15

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TITEL BREMSENSERVICE „Zur richtigen Zeit“ Der Bremsflüssigkeitswechsel ist gerade zur Urlaubszeit ein lohnendes Zusatzgeschäft. Neben dem täglichen Service- und Reparaturgeschäft sind saisonale Angebote ein zusätzliches Standbein, um den Umsatz der Kfz-Werkstatt zu steigern. Zur Urlaubszeit bietet sich der Bremsenservice an. Fotos: Marcel Schoch aisonales Zusatzgeschäft – da denkt jeder sofort an den Reifenwechsel von Sommer- auf Winterreifen im Herbst und umgekehrt im Frühjahr. Doch es gibt sehr viel mehr Möglichkeiten, Kundschaft ins Haus zu holen. Zur Urlaubszeit bietet sich eine Aktion zum Bremsenservice an. KURZFASSUNG Nebengeschäfte sind das Salz in der Suppe der Geschäftsbilanz einer Kfz-Werkstatt. Besonders lukrativ, da flexibel einsetzbar, sind saisonale Geschäfte. Klassiker wie Winter- und Sommerreifen-Wechsel reichen aber oft nicht aus, den Umsatz merklich anzukurbeln. Doch mit etwas Initiative können beinahe jeden Monat im Jahr dem Kunden spezielle Angebote unterbreitet werden. Der Bremsflüssigkeitswechsel ist nur eines von vielen. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Damit eine solche Aktion zum Erfolg werden kann, muss sie sorgfältig vorbereitet werden. Hierzu gehört vor allem, wie Christian Mayer, Geschäftsführer der Firma Automobile Mayer KG in Aschau weiß, dass die saisonalen Geschäfte bereits zwei bis drei Wochen vorher beim bestehenden Kundenstamm angekündigt werden. Hierzu reicht meist ein Mailing. „Die klassische Werbepost hat heute ausgedient“, sagt Christian Mayer. „Sie ist einerseits sehr teuer und wird andererseits von vielen als lästig empfunden.“ Die Werbetrommel kräftig rühren Werbewirksam ist hingegen nach wie vor das „klassische“ Aktionsbanner. Solche Werbeplakate werden oftmals von den Werkstattausrüstern oder Werkstattsystempartnern kostenfrei angeboten. Man muss sie nur nutzen – so wie Auto Mayer, der sich unter anderem eines Pappaufstellers in Form der lebensgroßen Hella-Gutmann-Werbeikone Lucy bedient. An diesem lassen sich die saisonalen Angebotsplakate anbringen und werden mit Sicherheit von den Kunden beachtet. Auch Werbeanzeigen in regionalen Tageszeitungen sind wirksam. Auf jeden Fall muss die Aktion, die man für die Werkstatt plant, genau zur richtigen Zeit stattfinden, ansonsten verpufft sie wirkungslos. „Eine solche Aktion ist die Bremsenwartung“, sagt Uschi Winkler, Pressesprecherin von Hella Gutmann. „Obwohl der Bremsencheck eigentlich zu jedem Kundendienst gehört, gibt es gerade vor den Sommerferien, in denen viele Fahrzeuge voll beladen lange Urlaubsfahrten abspulen, die Möglichkeit, sicherheitsbewusste Kunden mit einem Bremsen- und insbesondere Bremsflüssigkeitscheck anzusprechen.“ www.autoservicepraxis.de

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Werkstattausrüster Hella Gutmann bietet das so genannte BMB-Tool (BM steht für Brake Maintenance, B für die rollbare Gerätevariante für 20-Liter-Kanister) für den Bremsenservice von sämtlichen hydraulischen Bremsanlagen von Pkw, Lkw und Motorrädern an. Das Bremsenservicegerät ist ein Garant für schnelles, fachgerechtes Wechseln von Bremsflüssigkeiten und Entlüften von Brems- und Kupplungsanlagen. Es eignet sich für alle synthetischen DOT-Bremsflüssigkeiten der Spezifikationen DOT 3, 4 und 5.1. Das BMB-Tool kann mit einem 20-Liter-Kanister Bremsflüssigkeit bestückt werden. Genug für bis zu hundert Bremsflüssigkeitswechsel. Kritische Kunden überzeugen Wie wichtig der regelmäßige Bremsflüssigkeitswechsel ist, weiß Christian Mayer nur zu gut. „Wenn uns Kunden nach der Aktion fragen und weshalb sie wichtig sein soll, erklären wir ihnen, dass die Bremsflüssigkeit hygroskopisch ist und deshalb mit der Zeit Wasser zieht“, so der Kfz-Meister. „Hierdurch sinkt ihr Siedepunkt rapide. Wenn dann die Bremsanlage, wie im Anhängerbetrieb oder bei langen Bergabfahrten, hohen Belastungen ausgesetzt ist, kann es vorkommen, dass bei mehrfachen Bremsungen hintereinander die Bremsflüssigkeit zu sieden beginnt. Dann wird die Bremskraft nicht mehr an die Räder übertragen und das Pedal ‚fällt durch’. Diese Erklärung überzeugt auch den kritischsten Kunden“, berichtet Mayer. Speziell bei modernen Fahrzeugen mit ABS-, ESP- und SBC-Systemen ist das Innere der Hydraulikkreise durch zahlreiche Ventile mit Ecken und Kanten gespickt. Wird an ihnen der Bremsflüssigkeitswechsel mit zu hohem Druck, also hoher Fließgeschwindigkeit, durchgeführt, besteht das Problem, dass die Flüssigkeit zu schäumen beginnt und die wichtige Entlüftung nur unvollständig gelingt. Ein schwammiges Bremspedal ist die Folge – trotz neuer Flüssigkeit. Die Befüllung mit niedrigem und idealerweise leicht pulsierendem Druck hingegen sorgt dafür, dass die neue Bremsflüssigkeit Luft- und Feuchtigkeitseinschlüsse vor sich herschiebt und schließlich aus dem System entfernt. Die Aktion muss genau zur richtigen Zeit stattfinden, ansonsten verpufft sie wirkungslos. Die richtige Befüllung ist wichtig „Um ein perfektes Ergebnis zu erzielen, wechseln wir die Bremsflüssigkeit an modernen Autos mit knapp 1 bar, auch wenn der Prozess dann signifikant länger dauert“, erklärt Kfz-Meister Mayer. „Bei Oldtimern arbeiten wir mit höheren Drücken. Praktischerweise lässt sich der Druck an unserem Bremsenwartungsgerät von Hella Gutmann stufenlos einstellen.“ Wichtig ist auch, damit eine Aktion zum finanziellen Erfolg wird, dass die eingesetzten Tools sich einfach, schnell und präzise bedienen lassen. Der Anschluss des BMB-Tools an das Flüssigkeitsgebinde erfolgt über ein zentrales Saug- und Ein Pappaufsteller mit Hella- Gutmann-Werbeikone Lucy zeigt aktuelle Aktionen an. Rücklaufrohr mit einem speziellen Kegelanschluss – so können unterschiedliche Gebinde angeschlossen werden. Automatischer Ablauf Nach Verbinden des Schlauchs an den Adapter, der auf den Ausgleichsbehälter des Brems- oder Kupplungssystems geschraubt wird, arbeitet das System selbständig, so dass das Entlüften der einzelnen Radbremszylinder und das Überprüfen auf Dichtheit von nur einer Person durchgeführt werden kann. Das spart wertvolle Zeit. Das Gerät schaltet automatisch ab, wenn ein Gebinde leer oder der Füllvorgang bzw. Tausch beendet ist. So wird niemals Luft ins System gepumpt. Da das BMB-Tool wartungsfrei ist, beginnt die Amortisierung zudem bereits beim ersten Einsatz. Mit dem rollenden BMB-Tool für den Austausch der Bremsflüssigkeit gibt Hella Gutmann Werkstätten, Prüfstellen, Fast- Fittern und allen, die beim Bremsenservice richtig aufs Gas drücken wollen, ein robustes und praxistaugliches Werkzeug an die Hand. Aufgrund seiner einfachen Anwendung ist das Gerät ein wichtiger Baustein für schnelle Prozesse und wirtschaftliches Arbeiten an den Hydraulikkreisläufen moderner Brems- und Kupplungsanlagen. Das sind beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches saisonales Zusatzgeschäft. Marcel Schoch ■ Uschi Winkler von Hella Gutmann berät Kfz-Meister Christian Mayer bei Bedarf in Sachen Zusatzgeschäfte. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 17

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TITEL INTERVIEW „Kunden in den Betrieb holen“ Wie soll ein Kfz-Betrieb beim saisonalen Werkstattgeschäft vorgehen und welche Events sind sinnvoll? Arne Büchner, Inhaber der Aftersales Trainingsmanufaktur in Geisenhausen, gibt Tipps für die Praxis. asp: Herr Büchner, was empfehlen Sie Kfz- Betrieben für Aktionen, um das saisonale Werkstattgeschäft anzukurbeln? A. Büchner: So widersprüchlich es klingt: Beim saisonalen Werkstattgeschäft ist ein antizyklisches Vorgehen wichtig. Wenn ich beispielsweise mein Lager räumen und Winter-Kompletträder an den Mann bringen möchte, sollte ich sie im Sommer und nicht im Winter verkaufen. Das Geheimnis ist, diese Räder nicht zu einem Zeitpunkt zu verkaufen, wo ich von einem hohen Bedarf ausgehen kann. asp: Warum nicht? A. Büchner: Das hängt mit der Preiswahrnehmung des Kunden zusammen. Im Winter wissen alle Kunden, was Winterräder kosten. Im Sommer weiß es keiner, weil niemand damit konfrontiert wird. Es gibt keine bunten Werbeprospekte und die Bekannten reden auch nicht darüber. Es ist schlichtweg kein Gefühl für die Preise der Winterräder vorhanden. Folglich ist der Kfz-Betrieb bei der Preisgestaltung viel freier. Das Gleiche gilt übrigens umgekehrt für typische Produkte im Sommer, die ich wiederum im Winter verkaufen sollte. Eine Klimaanlagen-Wartung sollte im Winter und nicht im Sommer angeboten werden. asp: Interessanter Ansatz. Spielt denn der Kunde beim antizyklischen Verkauf mit? A. Büchner: Der Kunde nimmt es mir viel eher ab, wenn ich ein spezielles Sommer- Angebot für Winterräder oder ein Winter- Angebot für Sommerräder offeriere. Was glauben Sie, was ich für eine hohe Auf- KURZFASSUNG Aftersales-Experte Arne Büchner vertritt die Auffassung, saisonspezifische Kfz-Teile nicht in der Saison, sondern antizyklisch zu verkaufen. Betriebe sollten ihre Kompetenzen zudem besser herausstellen und dem Kunden auch präsentieren. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Foto: Arne Büchner Arne Büchner, Inhaber der Aftersales Trainingsmanufaktur in Geisenhausen merksamkeit habe, wenn ich Winterräder bei 35 Grad Außentemperatur verkaufe? Ich erhöhe zudem die Verkaufschancen, da ich viel weniger Wettbewerb habe. Die meisten Kfz-Betriebe machen den gleichen Fehler und vermarkten Sommerprodukte im Sommer und Winterprodukte im Winter. Das ist aber uninteressant, da der Wettbewerb dann wahnsinnig stark ist und es ohnehin eine große Auswahl gibt. asp: Zieht dieses Vorgehen nicht vor allem die Schnäppchenjäger an? A. Büchner: Es geht ja nicht nur darum, damit viel Geld zu verdienen. Ziel ist es, das Lager leer zu bekommen und Kapital flüssig zu machen. Da sind Rabatte natürlich in Ordnung. Mit dem Erlös kann ich dann wieder in andere Ware investieren, mit der sich mehr Gewinn machen lässt. Kfz-Betriebe haben ja häufig das Problem, dass beispielsweise nicht nur Reifen der letzten Saison auf Lager sind, sondern auch ältere Reifen, die schon drei oder vier Jahre auf dem Buckel haben. Ein paar Prozente hier und da helfen nicht mehr. Hau die Dinger raus, selbst wenn es der halbe Preis ist. Natürlich kann ich Winterräder auch im Winter zu günstigen Konditionen verkaufen, ich werde aber geringere Chancen haben, da die anderen das auch tun. asp: Wie sollte ein Kfz-Betrieb vorgehen, wenn er eine bestimmte Produktkategorie aus dem Lager abverkaufen möchte? A. Büchner: Hier muss ich alle Werbekanäle nutzen, die ich habe. Tischaufsteller und Flyer können gerne verwendet werden. Letztendlich möchte ich aber gezielt verkaufen und lade deshalb Kunden schriftlich ein und spreche sie kurz darauf, innerhalb von 48 Stunden, telefonisch an. Die zweite Möglichkeit, die fast schon in Vergessenheit geraten ist, ist der klassische Flohmarkt. Der Betrieb sollte zu einem Flohmarkt einladen und die Kunden ganz offen darauf hinweisen, dass beispielsweise das Lager für Winterräder an einem Samstag von 10 bis 14 Uhr geräumt wird. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst und dazu gibt es noch Hammerpreise. asp: Wie sollte man bei der Organisation eines Flohmarktes vorgehen? A. Büchner: Einer unserer Kunden hatte im letzten Sommer einen Teile-Flohmarkt für Youngtimer veranstaltet. Die haben zunächst Plakate gedruckt, Radiowerbung gemacht und das Ganze auf der Facebook- Seite des Autohauses angekündigt. Auf dem Flohmarkt gab es dann unterschiedliche Stände, unter anderem für Felgen, Reifen und Karosserie- sowie Bremsenteile unterschiedlichster Marken. Kaffee und Kuchen haben die ebenfalls angeboten. Das war ein unglaublicher Erfolg: Es kamen Leute von sehr weit her, die sonst niemals in das Autohaus gekommen wären. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, das anders über das Autohaus gesprochen und hier beispielsweise die Youngtimer- Kompetenz hervorgehoben wurde. asp: Gibt es Produkte, die sich auf einem Flohmarkt besonders gut verkaufen lassen? www.autoservicepraxis.de

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A. Büchner: Ein Flohmarkt eignet sich besonders gut für Teile, die schon fast für das Museum gedacht sind. Viele Autohäuser sitzen auf Teileschätzen, die finanztechnisch eine Katastrophe, aber perfekt für einen Flohmarkt sind. Das zieht neue Leute an, die dann auch Kunden des Autohauses werden können. asp: Was gibt es noch für Aktionen, die Kfz-Betriebe durchführen können? A. Büchner: Ich wundere mich immer wieder darüber, dass Werkstätten sich neue Geräte anschaffen oder Dienstleistungen anbieten, ohne das wirklich publik zu machen. Jede neue Hebebühne oder Wuchtmaschine wird von den Werkstätten als selbstverständlich erachtet. Warum? Wenn ich investiert habe, muss ich doch meinen Kunden zeigen, welchen Mehrwert ich für sie geschaffen habe. asp: Wie soll das denn funktionieren? A. Büchner: Einige Kfz-Betriebe haben sich beispielsweise ein Gerät für die Spülung von Automatikgetrieben gekauft, aber die kommunizieren das nicht. Stattdessen wird eine Getriebespülung neben der Inspektion gemacht, was ich für einen großen Fehler halte. Wer so ein Gerät hat, muss seine neue Kompetenz zeigen und ganz gezielt Kunden einladen, um zu erklären, wie die Spülung des Getriebes funktioniert – und zwar markenübergreifend. Ich versichere Ihnen: Die große Mehrheit lässt sich davon überzeugen, dass sie so etwas auch haben möchten. Eine Spülung kostet mit Neufüllung so um die 400 bis 800 Euro und der Vorher-Nachher-Effekt ist beeindruckend. www.autoservicepraxis.de asp: Lässt sich dieses Konzept auch auf andere Bereiche übertragen? A. Büchner: Natürlich. Manche Kfz-Betriebe haben beispielsweise sehr gut organisierte Reifenlager. Das weiß nur kein Mensch. Wer so ein tolles „Reifenhotel“ hat, muss dafür auch Werbung machen. Man muss dem Kunden im Rahmen eines Tages der offenen Tür zeigen, dass die Reifen ordentlich gelagert und was für Maschinen verwendet werden. Das Ganze funktioniert auch im Bereich Auto-Aufbereitung, wenn man beispielsweise besondere Pflegeprodukte und Verfahren nutzt. Der Aufwand muss verdeutlicht werden. Kfz-Betriebe zeigen nur das Vorher und Nachher, nicht den Prozess dazwischen. Ich muss meine Kompetenzen hervorheben. Denn die Leute kaufen dort, wo die Kompetenz ist. Leider haben viele Autohäuser hier noch Nachholbedarf. asp: Ist es in Zeiten der Digitalisierung überhaupt noch notwendig, seine Kompetenz vor Ort zu demonstrieren? A. Büchner: Wir gehen immer davon aus, dass der Kunde schon alles im Internet gelesen hat und sich auskennt. Meistens hat er aber im Detail wenig Ahnung. Wenn GUTE QUALITÄT. GUTER PREIS. mir jemand ein Produkt gut erklären kann, kaufe ich das doch lieber beim Fachhändler vor Ort. Über die Digitalisierung wird alles getan, um den Kunden aus dem Autohaus fernzuhalten. Wir sollten aber alles tun – ob digital oder analog – den Kunden in den Betrieb hereinzuholen. Der reine digitale Kontakt lässt in den Augen der Kunden die Kompetenz des Betriebes schwinden. Sie sind dann vergleichbar mit allen anderen. Interview: Alexander Junk ■ Manchmal muss es eben gut und günstig sein – genau dann ist AUDURA die richtige Wahl. Das Sortiment umfasst hochwertige Lenkungsteile und Radlagersätze zu einem fairen Preis für die zeitwertgerechte Reparatur. Überzeugen Sie sich selbst. AUDURA ist über STAHLGRUBER und PV erhältlich. BLACK SUMMER Jetzt AUDURA Preis und Qualität testen und gewinnen! BIS 30.09.17 Erfahren Sie mehr unter www.audura.parts facebook.com/audura.parts

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TITEL BEST PRACTICE Außergewöhnliche Atmosphäre Imagepflege der besonderen Art: Bei dem Event „Musik macht mobil“ lauschten interessierte Besucher im Autohaus Gohm + Graf Hardenberg zwischen Fahrzeugen und Hebebühnen musikalischen Klängen. om Chor über das Orchester bis hin zur Heavy-Metal- und Punkband. Im Rahmen der Veranstaltung „Musik macht mobil“ lernten die Besucher den Mehrmarkenbetrieb Gohm + Graf Hardenberg in Konstanz von einer ganz anderen Seite kennen. Statt Motorgeräuschen und dem geschäftigen Treiben aus der Werkstatt waren die unterschiedlichsten musikalischen Klänge zu hören. Da trat im Ausstellungsraum ein großer Chor auf, während sich in der Werkstatt die Samba-Band eintrommelte und in der Dialogannahme die Jazz + Rockschule Probeunterricht gab. „Das war eine ganz besondere Atmosphäre. Wie die Zuhörer von den Fahrzeugen umrahmt der Musik gelauscht haben, KURZFASSUNG Der Mehrmarkenbetrieb Gohm + Graf Hardenberg hat mit der Teilnahme an dem Event „Musik macht mobil“ Maßstäbe in Sachen Image und Kundenbindung gesetzt. Die Ausstellungsräume wurden kurzerhand zu Konzertsälen umfunktioniert. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 so etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählt Thomas Desch, Niederlassungsleiter Gohm + Graf Hardenberg begeistert. Win-Win-Situation In Konstanz war man mal wieder auf der Suche nach geeigneten Spielstätten für die lokale Musikszene, so entstand die Idee zum Projekt „Musik macht mobil“, eine Kooperation des Kulturbüros und der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz. Die vier teilnehmenden Autohäuser, Auer Gruppe, Blender, Gohm + Graf Hardenberg sowie Südstern-Bölle, stellten ihre Räumlichkeiten gerne als Spielorte zur Verfügung. Nicht ganz uneigennützig, wie Thomas Desch mit einem Augenzwinkern zugibt: „Wir machen uns immer Gedanken, wie wir die Menschen in unser Haus bekommen. Mit so einem Event kann man das verbinden. Es waren unheimlich viele Menschen Während auf der Bühne die Musik spielt, schauen sich interessierte Besucher die Fahrzeuge genauer an. Fotos: Desch, Gehrke vor Ort, aber in einer ganz anderen Atmosphäre, das war spannend.“ Insgesamt 555 Musiker, querbeet aus allen Musikrichtungen, traten bei „Musik macht mobil“ Anfang Juli in den vier Auto häusern auf. Je nach Größe des Betriebs konnten die Künstler die Verkaufsräume oder auch die Werkstätten als Spielstätte nutzen. Ein Shuttlebus pendelte dabei zwischen den verschiedenen Veranstaltungsorten. Bei Gohm + Graf Hardenberg wurden die beiden Ausstellungshallen der Marken VW und Audi mit entsprechender Bühnentechnik und Bestuhlung zu Konzertsälen umfunktioniert. Auch die Werkstatt, die Dialogannahme sowie diverse Besprechungsräume standen offen und wurden zum Einsingen, Einspielen oder Thomas Desch, Niederlassungsleiter Gohm + Graf Hardenberg in Konstanz www.autoservicepraxis.de

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Improvisieren genutzt. Die Verantwortlichen hatten sich dabei bewusst dafür entschieden, den Rahmen für das Musikevent zu bieten, die Besucher aber nicht aktiv anzusprechen oder in Verkaufsgespräche zu verwickeln. „Dennoch war es interessant zu beobachten, wie sich der eine oder andere Besucher dann doch ein Fahrzeug genauer angesehen hat. Eine Familie hat sich beispielsweise in einen VW-Bus gesetzt und der Musikdarbietung gelauscht“, so Thomas Desch. Ästhetisches Gesamtbild Die herumstehenden Fahrzeuge wurden natürlich bewusst in Szene gesetzt, etwa links und rechts von der Bühne oder als Rahmen für die Bestuhlung. Ob man wollte oder nicht, an den Fahrzeugen kam man also nicht vorbei. Vereinzelte Besucher fragten auch nach einem Termin für eine Probefahrt. In dem Fall gaben die anwesenden Autohaus-Mitarbeiter ihre Visitenkarten gerne weiter. Das stand aber nicht im Mittelpunkt, wie Thomas Desch erklärt. Ihm ging es vielmehr um die übergeordnete Imagewerbung: „Wie können wir uns als Autohaus präsentieren und wie werden wir in der Region wahrgenommen. Allein, dass so viele Menschen bei uns waren, ist ja schon ein Mehrwert.“ Gelungenes Experiment In dieser Hinsicht war die Veranstaltung ein voller Erfolg: „In Spitzenzeiten war das Autohaus so voll wie noch nie“, ist er überzeugt und geht von bis zu 500 Besuchern gleichzeitig aus. Mit einem riesigen Schulchor war sogar die jüngere Zielgruppe gut vertreten. „Das sind die Kunden von morgen, die zwangsläufig auch an unseren Premiumprodukten vorbeigelaufen sind“, freut sich der 48-Jährige. Aufgrund der guten Erfahrung und dem positiven Feedback von allen Seiten – selbst der Bühnentechniker staunte über die gute Akustik im Ausstellungsraum – denkt man bei Gohm + Graf Hardenberg schon über eine Wiederholung nach. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir das nächste Mal die Werkstatt noch mehr einbeziehen“, verrät Thomas Desch seine ersten Ideen. Dabei könnte das Autohaus etwa das Rahmenprogramm aktiver mitgestalten und interessierten Besuchern einen Einblick in die Praxis gewähren. Auch die Außenflächen wurden genutzt, hier konnten sich die Besucher stärken. Der Verkaufsraum bei Gohm + Graf Hardenberg war zu Spitzenzeiten so voll wie noch nie zuvor. Schon bei der Eröffnung des neuen Standorts in Konstanz vor zwei Jahren kam ein solches interaktives Konzept sehr gut an. „Wir hatten mehrere Stationen aufgebaut, an denen die Mechaniker verschiedene Arbeiten vorführten. Beim Dellendoktor konnten die Kunden beispielsweise selbst ausprobieren eine Delle herauszudrücken“, erinnert sich der Niederlassungsleiter. So konnte der Betrieb seine Leistungen präsentieren und viele Kunden nutzten die Chance einmal hinter die Kulissen zu blicken. Das zeugt von Transparenz, schafft Vertrauen und trägt zur Kundenbindung bei, ist Thomas Desch überzeugt. „Viele Besucher waren überrascht, wie viel Aufwand und welche Techniken notwendig sind, um ein Fahrzeug zu reparieren.“ Kundenpflege durch Information Im nächsten Jahr will er wieder ein ähnliches Event realisieren. Denn das Interesse sei da und im Zuge der zunehmenden Fahrzeugtechnik werde es in Zukunft immer wichtiger den Kunden umfassend zu informieren. Thomas Desch: „Wir müssen Kompetenz zeigen und die Technik erlebbar machen. Diese beratende Funktion wird zukünftig immer wichtiger werden.“ Valeska Gehrke ■ TAG DER OFFENEN WERKSTATT Kundenbindung durch: ■ Transparenz: Den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen bieten und die Werkstatt sowie weitere Räumlichkeiten öffnen. ■ Technik: Verschiedene Reparaturarbeiten vorstellen und beispielsweise aktuelle Themen wie Fahrerassistenzsysteme aufgreifen. ■ Interaktion: Die Kunden mit einbeziehen, an „Action-Points“ können Besucher beispielsweise selbst Hand anlegen und ihr Können ausprobieren. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 21

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TITEL Der Comedy-Abend von Reifen Stiebling und der Stadt Herne war schnell ausverkauft. Foto: Stiebling, Reifen Center Wolf, Secura EVENTS IM REIFENSERVICE Win-Win für alle Das Produkt Reifen erzeugt kaum Emotionen. Das übernehmen Reifenhändler mit Weitsicht durch pfiffige Marketing-Aktionen in Kombination mit sozialem Engagement. Ein Gewinn für alle Beteiligten. eit vielen Jahren versucht die Reifenindustrie das Produkt Reifen stärker in den Fokus der Autofahrer zu rücken, bislang jedoch mit eher mäßigem Erfolg. „Es gibt für die Kunden nichts Langweiligeres, als Reifen zu kaufen“, bringt es Hans Behle auf den Punkt. Seit der Gründung seines Unternehmens Premio Secura Reifenservice GmbH im Jahr 2010 mit Stammsitz in Bielefeld hat er mittlerweile die neunte Filiale eröffnet, die er in Kooperation mit der Reifen Krieg-Gruppe betreibt. 2017 wurde das Unternehmen vom Magazin Focus unter die 500 Unternehmen mit dem stärksten Umsatzwachstum im Einzelhandel gewählt. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. „Wir sind in erster Linie Premio-Händler, aber dahinter stehen immer Menschen, und die Kunden kommen wegen der Menschen vor Ort zu uns. Mit unseren Aktionen wollen wir der Marke Premio Secura ein Gesicht geben und die Kundenbeziehungen verstärken“, so der Unternehmer. Dafür geht Behle mit seinem Team auch mal außergewöhnliche Wege. „Wir sind anders, wir sind modern, jung und machen auch mal verrückte Dinge“, erklärt Behle. Würfeln für Kinder Gemeinsam mit einem Team aus Filialleitern werden regelmäßig neue Aktionspläne geschmiedet. „Die Ideen dazu kommen nicht selten aus der Mannschaft, das ist wichtig und gut für das Teambuilding“, sagt Behle. Heraus kommen dann Aktionen wie der „Crazy Monday“, wo es an jedem Montag im September letzten Jahres ein neues Angebot zu „verrückt“ kleinen Preisen gab. Der Erfolg gab dem Team recht, eine Neuauflage steht in den Startlöchern. Neben dem geschäftlichen Erfolg brennt Hans Behle aber auch ein ganz anderes Thema auf der Seele: „An der ehemaligen Grundschule unserer Tochter mussten wir mit Erschrecken feststellen, dass viele Familien so arm sind, dass ihre Kinder nicht an Schulveranstaltungen teilnehmen konnten.“ Daraus entstand die Aktion „Würfeln für Prozente“, bei der die Kunden an drei AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 www.autoservicepraxis.de

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Tagen gegen eine Spende für den Förderverein der Grundschule Moers, einem der Secura-Standorte, um satte Rabatte würfeln konnten. Im Ergebnis konnte der Schule ein Scheck über 1.000 Euro überreicht werden. „Soziales Engagement hat für mich einen hohen Stellenwert. Dass wir daraus aus Marketingsicht etwas mitnehmen können, steht an zweiter Stelle“, so Behle. Comedy und Kundennähe Das Familienunternehmen Reifen Stiebling mit Stammsitz in Herne, mittlerweile in der vierten Generation und mit 12 Filialen im Ruhrgebiet am Markt, setzt ebenfalls auf eine Kombination aus Kundennähe und sozialem Engagement durch aufmerksamkeitsstarke Aktionen. Geschäftsführer Christian Stiebling entwickelt gemeinsam mit Sohn Alexander regelmäßig Ideen für Events, die die Kundenbindung und -gewinnung fördern. So wurden im letzten Jahr gemeinsam mit Industriepartner Continental Eintrittskarten für das Endspiel der Fußball- Europameisterschaft in Paris verlost. Im Mai dieses Jahres veranstaltete Stiebling zum achten Mal gemeinsam mit dem Kulturbüro der Stadt Herne einen Comedy- Abend mit „Ruhrpott-Imbiss“ – Currywurst, Pommes und Pils. Bereits im Februar stand die „Super-Bowl-Nacht“ mit Public Viewing auf dem Programm. Die mittlerweile in der Region bekannten Veranstaltungen finden regelmäßig reißenden Absatz. Gelebte Integration Gleichzeitig setzt man sich für soziale Projekte in der Region um Herne ein. „Alle KURZFASSUNG Ausgefallene Marketingaktionen bringen nicht nur geschäftlichen Erfolg. In Verbindung mit sozialem Engagement erzielen sie einen nachhaltigen, positiven Effekt bei Kunden und Mitarbeitern. Aktivitäten entspringen nicht der puren Berechnung in einem Marketingplan. Vielmehr sind sie von innen motiviert und der starken Verbundenheit zur Region sowie unserer Leidenschaft für soziales Engagement geschuldet“, sagt Alexander Stiebling. So sponsert das Unternehmen mittlerweile 120 Trikotsätze für Jugendmannschaften im Ruhrgebiet, zum Beispiel für das Projekt „Kids ins Team“ der Ordensgemeinschaft der „Amigonianer“ in Gelsenkirchen. Kinder zwischen sechs und 18 Jahren unterschiedlichster Nationalitäten können hier nicht nur Fußball spielen, sondern lernen auch Werte wie Rücksichtnahme, Teamgeist und Toleranz kennen. „Das Projekt hat einen hohen Anspruch und ist für mich vor allem gelebte Integration“, erklärt Christian Stiebling sein Engagement. Im Bereich der Sportförderung greift Stiebling auch auf prominente Unterstützung zurück. So konnte er Kult-Trainer Peter Neuruhrer und Vize- Weltmeister Christoph Metzelder für eine Talk-Runde beim TuS Haltern, einem Stiebling-Standort, gewinnen. „Emil“, der reflektierende Elch, brachte im letzten Herbst und Winter 2.500 Schulkinder sicher zur Schule. In Kooperation mit zwei lokalen Radiosendern ins Leben gerufen, wurden die Anhänger in vier Städten im Ruhrgebiet kostenlos verteilt. „Mit unseren Aktionen und dem Engagement für die Region werden wir zum positiv besetzten Gesprächsthema. Das erleichtert auch den Gesprächseinstieg im Geschäft. Unsere Zuwächse in einem eigentlich schrumpfenden Markt bestätigen dies“, so Alexander Stiebling. Wolf lässt´s krachen Reifengroßhändler Reifen Center Wolf im hessischen Nidderau verwandelte im Juni sein Gelände in einen Hexenkessel. Gemeinsam mit dem Lions Club Nidderau veranstaltete Inhaber Alexander Wolf mit der Nidderauer Rocknacht ein Benefiz- Konzert mit sechs Rock-Bands und lockte damit rund 1.500 Fans an, die unter freiem Himmel sechs Stunden feierten. Der Reinerlös von rund 10.000 Euro ging an den Lions Club und wird für gemeinnützige Zwecke eingesetzt. Alexander Wolf zu den Hintergründen: „Meine Frau Regina und ich sehen soziales Engagement als etwas Wichtiges an. Als Unternehmer haben wir eine soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und unserer Region. Dieser wollen wir gerecht werden. Auch überregional engagieren wir uns für wohltätige Projekte.“ Darüber hinaus profitiert natürlich auch das Unternehmen von der Veranstaltung: „Wir haben die Aktion natürlich auch beworben und einige Geschäftspartner und Kunden sind gekommen, um mit uns zu feiern. Sämtliche Besucher waren begeistert. Auch wenn dies ein nachrangiger Grund war, hat sich die Rocknacht sicherlich positiv auf unser Image ausgewirkt“, resümiert Alexander Wolf. Dieter Väthröder ■ 1.500 Fans feierten bei der Rocknacht auf dem Gelände von Reifen Center Wolf. Die Aktion bei Premio Secura Reifenservice brachte Geld für einen guten Zweck. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 23

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AUTOMOBILTECHNIK 48-VOLT-SYSTEME Mit Spannung erwartet Mit der Einführung von 48-Volt-Systemen lassen sich bei Mild-Hybrid-Fahrzeugen nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch besonders stromhungrige Verbraucher mit Energie versorgen. Durch eine milde Hybridisierung verbrauchen Autos weniger Sprit. Technikserie Teil 4 Fotos: Adobe Stock/Syda Productions, Schaeffler, Continental, BorgWarner ie Menge der elektrischen Verbraucher im VW Käfer war überschaubar: Bis auf den Anlasser, das Licht, Scheibenwischer und vielleicht noch ein Autoradio gab es nicht viel zu versorgen und so kam das Kultauto mit einem 6-Volt-Bordnetz zurecht. Um das Stromnetz stabiler zu machen und Autos zuverlässiger zu starten, folgte in den 1960er-Jahren dann die Einführung des 12-Volt-Bordnetzes, das sich bis heute ge- KURZFASSUNG Die 48-Volt-Technologie hält Einzug in die Autos und ermöglicht neben der Einsparung von Emissionen durch eine milde Hybridisierung auch stromhungrige Verbraucher besser zu versorgen. Es lassen sich damit ganz neue Anwendungen umsetzen. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 bräuchlichen 12 Volt sollte die Spannung im Auto auf 36 Volt verdreifacht werden. Unter Berücksichtigung eines kleinen Puffers entstand so die Idee des 42-Volt- Bordnetzes. Diese Zahl war nicht zufällig gewählt, denn bei 60 Volt beginnt laut Definition der Hochvoltbereich, der für den Menschen potenziell tödlich sein kann, wenn er mit der Spannung in Berührung kommt. Dann sind intensive Schutzmaßnahmen im Motor zur Isolation notwendig, was die Preise für das Auto in die Höhe treiben würde – so wie es bei heutigen Elektrofahrzeugen oder Hybridhalten hat. Doch die Anzahl der elektrischen Verbraucher ist seitdem stark angestiegen: Mittlerweile muss ein Auto rund 40 Systeme versorgen, darunter Klimaanlage, Scheibenheizung oder Start- Stopp-System. Schon in den 1990er-Jahren zeigten sich erste Engpässe, da die Lichtmaschinen damals noch nicht so leistungsfähig waren. Zur Jahrtausendwende dachte die Automobilindustrie deshalb darüber nach, die Spannung des Bordnetzes zu erhöhen, um das System stabiler zu machen. Statt der ge- Das P2-Modul verbindet E-Antrieb und Kupplung mit dem Getriebe. www.autoservicepraxis.de

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fahrzeugen der Fall ist, in denen mehrere Hundert Volt Spannung von der Batterie zum Motor fließen. Alles unter 60 Volt ist dagegen sicher. 42 Volt boten sich daher an, um den Kollaps des Bordnetzes zu verhindern. Das 42-Volt-System entpuppte sich dennoch als Rohrkrepierer und geriet schnell wieder in Vergessenheit. Der Grund war simpel: Lichtmaschinen mit höheren Leistungen und effizientere Bus- Systeme eroberten den Markt, was eine Stabilisierung des Bordnetzes zur Folge hatte. Das 42-Volt-Projekt wurde von den meisten Herstellern verworfen. Nur zwei Automobilmodelle in den USA und Japan wurden damit ausgestattet. Umweltschutz als Treiber Nun ist das Thema erneut in den Fokus gerückt. Zwar stieg die Anzahl stromhungriger Verbraucher im Auto weiter an, aber der eigentliche Treiber für ein Bordnetz mit höherer Spannung sind die immer strengeren Vorschriften bei CO 2 - Emissionen (ab 2020 sind nur noch 95 Gramm pro Kilometer erlaubt). Dadurch sind die Hersteller gezwungen, die Effizienz des Autos zu erhöhen und an allen Stellschrauben zu drehen. Ein Schlüssel zu mehr Effizienz ist die Hybridisierung des Antriebsstrangs. Toyota macht das schon seit Jahren, allerdings kommen hier Hochvoltsysteme zum Einsatz, was die Technik sehr teuer macht. Warum also nicht einfach auf ein 48-Volt- Netz setzen? Eine Vervierfachung der 12-Volt-Batteriespannung liefert genügend Stabilität des Bordnetzes für zukünftige stromhungrige Anwendungen, befindet sich aber noch unter der 60-Volt- Hochvoltgrenze und liefert genügend Power, um ein so genanntes „Mild- Hybrid“-Konzept zu realisieren. Im besten Fall lassen sich damit immerhin 10 bis 15 Prozent CO 2 einsparen. Ein weiterer Vorteil: 48-Volt-Systeme können flächendeckend und kostengünstig eingeführt werden. Automobilzulieferer Continental rechnet bis 2030 mit einem weltweiten Markt von 25 Millionen Neufahrzeugen, die mit einem Mild-Hybrid-Antrieb auf 48-Volt-Basis ausgestattet werden. Möglich wird dies durch die Unterstützung des Verbrenners durch einen Elektromotor, der dem Motor beim Beschleunigen assistieren kann („boosten“). Ein Mild-Hybrid-System hat mit rund 10 bis 15 Kilowatt Leistung genügend Power, um dem Motor beim Beschleunigen zu helfen. DÜNNERE KABEL, MEHR LEISTUNG Kabeldicke 12 V 48 V max. Leistung 3 kW 12 kW Leistung vervierfacht Die Einführung von 48-Volt-Systemen in Autos führt nicht nur zur CO2-Ersparnis, sondern ermöglicht auch eine Vervierfachung der Leistungsgrenze: Statt maximal drei Kilowatt wie in 12-Volt-Systemen erhöht sich die Leistung in einem 48-Volt-Bordnetz auf 12 Kilowatt. Damit sind stromhungrige Anwendungen wie ein elektrischer Kompressor möglich. Gleichzeitig lässt sich der Leitungsquerschnitt um 75 Prozent reduzieren. Damit ist der Kabelstrang leichter sowie günstiger und kann darüber hinaus platzsparender untergebracht werden. Sobald der Motor zudem nicht mehr benötigt wird, kann er abgestellt und die Geschwindigkeit gehalten werden („Segeln“), was wiederum Kraftstoff spart. Auch das Rekuperieren funktioniert effizienter: Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gas, wird der Vortrieb genutzt, um die Batterie wieder zu laden – so wie bei einem Dynamo. Die Batterie (im Regelfall eine Lithium- Ionen-Batterie) kann im Gegensatz zu einem Hybrid- oder Elektroauto deutlich kleiner ausfallen, was wiederum Gewicht einspart. Darüber hinaus startet der Motor im Start- Stopp-Modus viel schneller und kaum merklich, was bei heutigen Start-Stopp-Systemen mit Anlasser nicht der Fall ist. Eine andere praktische Anwendung eines Mild-Hybrid-Systems ist das elektrische Rangieren, was die Emissionsbelastung bei der Parkplatzsuche In einer P0-Anordnung ist ein Mild-Hybrid leicht realisierbar. minimiert. Ein 48-Volt-System kann zudem parallel zu einem 12-Volt-System betrieben werden. In seiner einfachsten Form („P0-Anordnung“) lässt sich ein Mild- Hybrid mit einem so genannten Riemenstartergenerator (RSG) realisieren, der eigentlich ein Elektromotor ist. Der Riemenstartergenerator ist dabei wie eine konventionelle Lichtmaschine mit einem Riemenantrieb mit dem Verbrennungsmotor verbunden. Dadurch halten sich Änderungen im Motor in Grenzen, was das System auch für die Kompaktklasse interessant macht. Einen Schritt weiter geht die so genannte P2-Anordnung, bei der der Elektromotor zwischen Motor und Getriebe zwischen zwei Kupplungen sitzt. Das ist schwieriger umzusetzen, dafür ist auch rein elektrisches Fah- HYBRID-KLASSEN IM ÜBERBLICK Hybrid-Klasse Mikro-Hybrid Mild-Hybrid (48 Volt) Mögliche Funktionen Maximales Leistungsniveau ■ Start-Stopp ■ Boosten (eingeschränkt) ■ Rekuperieren (eingeschränkt) ■ Start-Stopp ■ Boosten ■ Rekuperieren ■ Elektrisch rangieren Voll-Hybrid (HEV) ■ Start-Stopp ■ Boosten ■ Rekuperieren ■ Elektrisch fahren (eingeschränkt) Plug-in-Hybrid (PHEV) ■ Start-Stopp ■ Boosten ■ Rekuperieren ■ Elektrisch fahren ■ Segeln ■ Segeln 3 bis 5 Kilowatt 10 bis 15 Kilowatt 20 bis 50 Kilowatt 75 bis 120 Kilowatt www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 25

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AUTOMOBILTECHNIK Der Renault Scénic Hybrid Assist setzt auf einen 48-Volt-Riemenstartergenerator von Continental. ren möglich, da der abgestellte Motor nicht mitgeschleppt werden muss. Dafür muss die Elektromaschine genügend Leistung mitbringen. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Elektrischer Kompressor Die Vorteile eines 48-Volt-Systems gehen aber weit über die milde Hybridisierung und die Stabilisierung des Bordnetzes hinaus. So können zum Beispiel auch Verbraucher im Auto zum Einsatz kommen, die sich in einem 12-Volt-System nicht realisieren lassen. So hat Turbolader-Spezialist BorgWarner beispielsweise den elektrisch betriebenen Kompressor „eBooster“ für das 48-Volt-Netz entwickelt, der im 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Benzinmotor der neuen S-Klasse von Daimler zum Einsatz kommt. Der eBooster übernimmt dabei die Aufladung bei niedrigen Touren, bis der Turbolader einsatzbereit ist. Da Turbolader generell bei niedrigen Drehzahlen noch nicht ausreichend Schub liefern, ist der eBooster somit geeignet, das gefürchtete Turboloch zu umgehen. Dafür kann er auf bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute in 0,27 Sekunden beschleunigen und schickt bis zu fünf Kilowatt in den Antriebsstrang. Das soll einerseits Sprit sparen, andererseits auch für Fahrspaß sorgen. Ein Bypass-Ventil sorgt dafür, dass der eBooster vom regulären Turbolader abgetrennt wird, wenn eine gewisse Drehzahl erreicht wird. Ab 2020 soll der eBooster dann auch in vielen anderen Automodellen zu finden sein. Audi setzt in seinem SUV SQ7 bereits auf ein ähnliches System von Valeo, allerdings ist der SQ7 nur zum Teil mit 48 Volt elektrifiziert und setzt weiterhin auf einen 12-Volt-Generator und ein 12-Volt-Bordnetz. Ein weiterer Einsatzzweck für die 48-Volt- Technik ist eine elektrifizierte Achse, die kürzlich von BorgWarner an einem Audi A6 als Prototyp vorgestellt wurde. Damit lässt sich beispielsweise ein frontgetriebenes Fahrzeug mit relativ wenig Aufwand in ein Allradauto verwandeln oder ein bestehender Allradantrieb optimieren. Durch die Elektrifizierung am Heck lässt sich auch das Drehmoment gezielter verteilen, um beispielsweise durch „Torque Vectoring“ die Fahrdynamik und Sicherheit zu erhöhen. Ebenfalls ein interessanter Einsatzzweck für das 48-Volt-System ist ein elektronisches Fahrwerk. Audi setzt im neuen Audi A8 beispielsweise auf ein aktives Federungssystem, das jedes Rad separat je nach Fahrsituation über elektrische Aktoren nach oben ziehen oder nach unten drücken kann. Dadurch kann das Fahrwerk eine große Bandbreite an Abstimmungen, vom Abrollkomfort einer Luxuslimousine bis hin zur Dynamik eines Sportwagens, abdecken. Wenn eine seitliche Kollision droht, kann sich das Auto zudem blitzschnell anheben, um so mögliche Unfallfolgen für die Insassen zu reduzieren. Eine weitere Einsatzmöglichkeit eines 48-Volt-Systems ist die Heizung des Katalysators, um schnell eine Emissions- 48-Volt-Mild-Hybrid-Systeme lassen sich in unterschiedlichen Ausführungen in das Fahrzeug integrieren. Im Bild links handelt es sich um eine P0-Anordnung (also mit mechanischer Verbindung zwischen Verbrennungs- und Elektromotor) als Frontantrieb, im Bild rechts als Heckantrieb. www.autoservicepraxis.de

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minderung zu erreichen. Automobilzulieferer Continental hat diese Technologie kürzlich vorgestellt. In den Startlöchern Die ersten Mild-Hybrid-Fahrzeuge auf 48-Volt-Basis stehen bereits in den Startlöchern: Der Renault Scénic Hybrid Assist ist demnächst mit einem 48-Volt-Antrieb von Continental ausgestattet. Ein wassergekühlter Induktionsmotor mit sechs Kilowatt Leistung (temporär zehn Kilowatt) sorgt dabei für eine hohe Rekuperationsleistung und stemmt bis zu 150 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Das soll dem Auto zu einem CO 2 -Zielwert von 92 Gramm pro Kilometer verhelfen. Auch der neue Audi A8 ist mit einem 48-Volt-Bordsystem und Riemenstartergenerator ausgestattet, der das Segeln bei ausgeschaltetem Motor im Geschwindigkeitsbereich von 55 bis 160 Kilometer pro Stunde für immerhin 40 Sekunden und einen komfortablen Start unterstützt. Laut Audi schafft der Riemenstartergenerator zudem eine Rekuperationsleistung bis 12 Der elektrische Kompressor („eBooster) von BorgWarner eliminiert das Turboloch. Kilowatt, was in Summe bis 0,7 Liter Treibstoff pro 100 Kilometer im realen Fahrbetrieb sparen soll. Für den urbanen Stadtverkehr gibt es außerdem Ansätze, reine Elektrofahrzeuge auf Basis eines 48-Volt-Systems zu realisieren. Im Gegensatz zu Hochvolt- Elektrofahrzeugen ist die Fahrleistung zwar limitiert, jedoch müssen auch keine Hochvolt-Schutzmaßnahmen getroffen werden. Automobilzulieferer Mahle hat beispielsweise ein Demonstratorfahrzeug entwickelt. Der e.Go Life, ein mit 48 Volt elektrisch angetriebener Kleinwagen, soll zudem schon im kommenden Frühjahr produziert werden. Alexander Junk ■ Ikone. Wir sind eine starke Marke, weil wir unser Unternehmen seit 140 Jahren immer weiter ausbauen. Doch wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus. Wir bauen darauf. Und wir wachsen noch heute. Sie kennen den Namen. Sie kennen die Farbe. Die älteste fortlaufend bestehende Handelsmarke für Autoteile der Welt. Schauen Sie sich unser gesamtes Sortiment auf der neuen, optimierten Website an: www.lucas.info/de

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AUTOMOBILTECHNIK TE-Geschäftsführer Werner Wernicke (r.) und Kfz-Meister Sascha Bartschek. LUFTFEDERUNG Das Niveau konstant halten Beim Austausch der Luftfederung gibt es einige Fallstricke zu beachten, sonst sind Schäden programmiert. asp AUTO SERVICE PRAXIS hat die entsprechenden Arbeiten in einer Kfz-Werkstatt in Berlin begleitet. Fotos: Alexander Junk uftfederungen sorgen in Pkw für mehr Komfort und Sicherheit: Erstmals 1959 von Borgward in Großserie eingesetzt, sind sie aus Autos der gehobenen Mittel- und Oberklasse heutzutage nicht mehr wegzudenken. Es gibt Systeme mit integriertem Stoßdämpfer – so genannte Luftfedermodule – und welche, die nur die Funktion der Stahlfeder übernehmen und mit einem externen Dämpfer zusammenarbeiten. Die einfachste Variante ist die Niveauregulierung: Der Druck in den Luftfederbeinen passt sich den jeweiligen Fahrzeugzuständen an. So kann ein Auto je nach Beladung immer auf demselben Level gehalten werden. Aufwändigere Systeme können Wankbewegungen ausgleichen oder das Bilstein liefert die neue B3-Luftfeder komplett mit Anleitung und Einbauhilfe im Paket. Fahrverhalten auf sportlich oder komfortabel trimmen. Die Luft für die Federung stammt üblicherweise aus einem Kompressor im vorderen oder hinteren Bereich des Fahrzeugs unter der Abdeckung. Luftfedertausch lohnt sich Nach einer gewissen Fahrleistung muss eine Luftfederung ausgetauscht werden, da der Federbalg, in den die Luft gepumpt wird, über die Jahre porös wird und die Luft nicht mehr halten kann. „Auch eine Überladung kann Schäden am Federbalg des Fahrzeugs verursachen“, weiß Sascha Bartscheck, Kfz-Meister beim Reparaturund Teilebetrieb TE Taxiteile Berlin GmbH. Ist die Luft entwichen, sackt das Fahrzeug durch und die Niveauregulie- AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 www.autoservicepraxis.de

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rung funktioniert nicht mehr. Dann führt kein Weg mehr am Austausch der Luftfederung vorbei, was jedoch nicht ganz trivial ist. Denn arbeitet die Werkstatt nicht streng nach Herstellervorgaben, sind Schäden vorprogrammiert. Wird die Luftfeder beispielsweise verspannt eingebaut, ist sie sofort defekt und kann gleich wieder ausgetauscht werden. Ein Luftfedertausch ist dennoch ein einträgliches Geschäft, da immer mehr Fahrzeuge mit Luftfederung auf den Markt kommen und im Reparaturfall gute Margen zu erzielen sind. „Rund 20 Prozent der Kunden bestellen eine C-Klasse von Mercedes inzwischen mit Luftfederung, bei Volvo sind es sogar bis zu 70 Prozent“, sagt Frank Nestroi, Verkaufsleiter für Deutschland, Österreich und Schweiz beim Stoßdämpferspezialisten Bilstein. Für zahlreiche Volumenmodelle gibt es deshalb schon die passenden Luftfedern auf dem Aftermarket. Vor der Montage sollte die Batterie an ein Erhaltungsgerät angeschlossen werden. Anschließend Strebe zur Radaufhängung und Befestigung der Feder am Querlenker lösen. Mehrmals befüllen TE Taxiteile Berlin hat sich auf den Austausch der Luftfederung spezialisiert. Das Unternehmen startete ursprünglich mit dem Teilevertrieb für Mercedes-Benz- Taxis, stieg vor zwölf Jahren dann in das Reparaturgeschäft ein und repariert mittlerweile auch viele Fahrzeuge von Privatkunden. Wir haben TE Taxiteile in Berlin besucht und waren beim Austausch der Luftfederung einer E-Klasse von Mercedes-Benz live dabei. Das T-Modell (S211) stammt von 2008 und ist an der Hinterachse sogar serienmäßig mit der Luftfederung „Airmatic“ ausgestattet, die hier ausschließlich der Niveauregulierung dient und von Bilstein zugeliefert wird. Das System besteht aus der Luftfeder B3, einem Druckspeicher und der Leitung zum Kompressor. Der Austausch der Luftfederung an der Hinterachse dauert rund zwei Stunden, bei komplexeren Systemen oder Fahrzeugen mit Luftfederung an allen Rädern dementsprechend länger. Zu Beginn muss das Fahrzeug an ein Batterieerhaltungsgerät angeschlossen werden, da die Diagnosesoftware „Star Diagnose“ von Daimler viel Strom zieht. Nachdem sich das Fahrzeug auf der Hebebühne befindet, wird das Rad auf der Seite demontiert, an der die Luftfederung ausgetauscht werden soll. Nach dem Entfernen des Rades lässt sich über die Diagnosesoftware die noch in der Luftfeder befindliche Luft ablassen. Als Nächstes werden die Luft-Verbindungsschläuche vom Kompressor zur Luftfeder getrennt. Ist diese Arbeit erledigt, geht es an den eigentlichen Ausbau der Luftfederung. Hierzu müssen die Streben der Radaufhängung und die Befestigung der Luftfeder am Querlenker gelöst werden, so dass sich der Federbalg aus dem Halteclip hebeln lässt. Nach dem Trennen von Luftschlauch und elektrischem Anschluss Nach der Demontage des Rades ist der Luftfederbalg hinter dem Stoßdämpfer sichtbar. Sind die Verbindungen getrennt, lässt sich die Luftfeder aus dem Halteclip heraushebeln. MONTAGE-TIPPS ■ Die Diagnosesoftware muss die Feder entleeren und mit Luft befüllen können. ■ Die Luft aus dem Federbalg muss vor dem Austausch immer entfernt werden. ■ Das Fahrzeug darf niemals mit druckloser Luftfederung vollständig von der Hebebühne abgelassen werden. ■ Die neue Luftfeder sollte immer in mehreren Schritten mit Luft befüllt werden. kann die neue Luftfederung eingesetzt werden. Davor sollte jedoch ein neuer weißer Plastik-Halteclip aus dem Bilstein- Paket an entsprechender Stelle platziert werden. Durch Befüllen der Luftfeder mit 0,5 bar rastet der Halteclip ein. Die blaue Montagehilfe und ein Getriebeheber helfen nun, die Feder zum Querlenker auszurichten und korrekt einzubauen. Nach Befestigung muss die eingebaute Luftfeder auf 2 bar gefüllt, danach ins Niveau gebracht und nochmals auf 5 bar befüllt werden. Anschließend wird die untere Halteschraube am Querlenker mit dem vorgeschriebenen Drehmoment festgezogen und die Strebe befestigt. Ist alles fertig montiert, wird das Rad wieder angebracht und das Fahrzeug kann heruntergelassen werden. Die Niveauregulierung funktioniert nun nach dem ersten Motorstart automatisch. Alexander Junk ■ Die Luft-Verbindungsschläuche vom Kompressor zur Luftfeder sollten getrennt werden. Eine Montagehilfe (Mitte) und ein Getriebeheber sind beim Einbau der neuen Feder Pflicht. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 29

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AUTOMOBILTECHNIK MAHLE Zweigleisig unterwegs Mahle forciert seine Aktivitäten in der E-Motoren-Produktion. Automobilzulieferer Mahle will einerseits die Potenziale des Verbrennungsmotors weiter ausschöpfen, andererseits aber auch die Elektromobilität kontinuierlich vorantreiben. KURZFASSUNG Der Verbrennungsmotor wird zunächst seine Vorrangstellung behalten. Aus diesem Grund setzt Mahle auf eine Doppelstrategie: den Verbrennungsmotor optimieren sowie zukünftsfähige Lösungen für die Elektromobilität bereitstellen. ei Mahle ist man überzeugt: der Verbrennungsmotor wird mindestens in den nächsten zwei Jahrzehnten seine dominante Marktdurchdringung behalten. Um die Klimaziele einzuhalten, sei es daher unumgänglich, diesen weiter zu optimieren, erklärte Wolf-Henning Schneider, Vorsitzender der Geschäftsführung und CEO des Mahle- Konzerns anlässlich der Technischen Pressekonferenz. Das Unternehmen stellte in Stuttgart seine Doppelstrategie vor. Denn neben der Optimierung der Verbren- Zukunft Elektromobilität Seine Expertise will Mahle zukünftig auch verstärkt einsetzen, um die Elektromobilität voranzutreiben. Denn neben infrastrukturellen Aspekten wie der Bereitstellung von Schnellladesäulen, sei auch die Fahrzeugtechnik weiter gefordert. Mit effizienten Antriebssystemen, Leistungselektronik sowie elektrischen Nebenaggregaten kann das Unternehmen schon heute integrierte Systemlösungen aus einer Hand anbieten. Dem Thermomanagement als Grundvoraussetzung für Reichweite, Batnungsmotoren sieht der Automobilzulieferer in der Elektromobilität langfristig einen Schlüsselbaustein, um einen CO 2 - neutralen Individualverkehr zu erreichen. Verbrennungsmotor optimieren Um Verbrauch und Emissionen des Verbrennungsmotors weiter zu reduzieren, setzt Mahle auf zwei Säulen: Reibungsoptimierung und die Vermeidung von Öleintrag in den Brennraum. Mit Technologien zur optimierten Mechanik und Schmierung bei Ottomotoren seien bis zu sechs Prozent weniger CO 2 -Emissionen im WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure) möglich. Auch im realen Fahrbetrieb zeigen die Maßnahmen nachhaltige Wirkung bei den Emissionen und beim Verbrauch, so Mahle. Allein durch reibungsarme Oberflächen, verringerte Reibkontaktflächen und optimierte Spielgestaltung erreiche man im Herzstück des Motors, der „Power Cell Unit“ (PCU), eine direkte Reibungsreduzierung, die zu einer CO 2 -Reduzierung von bis zu 2,5 Prozent führt (WLTP). Die neuen Motorkomponenten ermöglichen zudem den Einsatz niedrigviskoser Öle und entlasten den Ölkreislauf. Die Kolben benötigen weniger Kühlöl, wodurch die Ölpumpe bedarfsgerecht in jedem Betriebspunkt reguliert werden kann. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 www.autoservicepraxis.de

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Fotos: Mahle terielebensdauer, Leistungsfähigkeit des Antriebssystems und Innenraumkomfort kommt eine Schlüsselrolle zu. Im Vergleich zum Verbrennungsmotor fällt bei E-Fahrzeugen dabei die wichtigste Wärmequelle weg. Der Innenraumkomfort lässt sich auch über einen speziellen Hochvolt-Heizer, jedoch auf Kosten der Reichweite, sicherstellen. Alternativ bietet Mahle eine weitere Lösung: durch Nutzung der geringen Abwärme des E-Motors und der Leistungselektronik in Verbindung mit einer Kühlmittel- Wärmepumpe kann die Reichweite sogar um bis zu 20 Prozent erhöht werden (bei 0 Grad Celsius). Auch zur thermischen Konditionierung von Batterien in Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybridfahrzeugen hat Mahle Lösungen entwickelt, die bereits in Serie gefertigt werden. Mit Schnellladefunktionen und leistungsfähigeren Batterien wird dem Batteriethermomanagement zukünftig jedoch eine noch größere Bedeutung zukommen. Neutrale Stromerzeugung In Stuttgart stellte sich Mahle selbstbewusst als Technologietreiber sowohl beim Verbrennungsmotor als auch in Sachen Elektromobilität dar. Bei der Elektromobilität ist man sich aber auch der Notwendigkeit einer umfassenden „Well-to- Wheel“-Betrachtung bewusst („vom Bohrloch bis zum Rad“), die neben dem Fahrzeugwirkungsgrad („Tank-to- Wheel“) auch die Stromerzeugung und -bereitstellung miteinbezieht. Denn nur mit großteils CO 2 -neutral gewonnenem Strom zahle die Elektromobilität über die lokale Emissionsfreiheit hinaus nachhaltig in die Klimaziele ein, so CEO Wolf- Henning Schneider. Valeska Gehrke ■ 48-VOLT-FAHRZEUGKONZEPT MEET – Mahle efficient electric transport Die Anforderungen an künftige Fahrzeuge im urbanen Umfeld ändern sich. Hohe Effizienz, intuitive Bedienung und Wendigkeit stehen im Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund entwickelt Mahle ein Demonstratorfahrzeug, das aufzeigen soll, wie sich diese Kernwerte durch einen gesamtsymmetrischen Ansatz realisieren lassen. Auf Grundlage zahlreicher Messfahrten in der Stuttgarter Innenstadt entschied man sich beispielsweise für einen 48­Volt­Antrieb. Das MEET­Demonstratorfahrzeug und sein Gesamtkonzept wird Mahle erstmals auf der IAA 2017 vorstellen. www.autoservicepraxis.de Kompetenz in der Werkstattausrüstung Von Prüfständen über Hebetechnik bis hin zu modernen Servicegeräten. Alles aus einer Hand. MAHA Maschinenbau Haldenwang GmbH & Co. KG Hoyen 20 | 87490 Haldenwang maha.de

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In Augsburg erzählen jetzt 45 historische Mazda-Modelle auf mehr als 1.500 qm Ausstellungsfläche die eindrucksvolle Geschichte des japanischen Herstellers. MAZDA CLASSIC Ein Traum wird wahr In Augsburg eröffnete das Automobil Museum Frey, das einzige Mazda Museum außerhalb Japans. Für die Classic-begeisterte Familie Frey erfüllte sich damit ein lang gehegter Wunsch. Fotos: Mazda KURZFASSUNG Nicht nur für Mazda-Fans und Autonarren ist das Mazda Classic Automobil Museum Frey einen Besuch wert. Die schön restaurierten Old- und Youngtimer sowie das gelungene Ambiente in dem ehemaligen Augsburger Straßenbahndepot begeistern auch Laien. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 igentlich sollte es schon im letzten Jahr soweit sein: Verschiedene Auflagen der Stadt Augsburg verzögerten die Eröffnung aber immer wieder. Erst wenige Tage vor dem 13. Mai gab es dann grünes Licht von den Behörden: Das erste Mazda Museum außerhalb Japans konnte an den Start gehen. Mazda Classic – Automobil Museum Frey, wie das Museum vollständig heißt, ist ein Projekt des Augsburger Mazda Händlers Auto Frey mit Unterstützung von Mazda Motors Deutschland. Seniorchef Walter Frey, der seit mehr als 30 Jahren Mazda-Fahrzeuge sammelt, hat sich damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Klassiker und Einzelstücke Denn das unter Denkmalschutz restaurierte ehemalige Straßenbahndepot der Stadt Augsburg bietet nun auch einen geschmackvollen Rahmen für die liebevoll vom Vater und seinen beiden Söhnen Johannes und Markus wieder hergerichteten und allesamt fahrbereiten Mazda-Modelle aus der Geschichte der japanischen Marke. Unter den 45 Ausstellungsfahrzeuge sind dabei nicht nur historische Mazda- Modelle, die es auf dem deutschen Markt gab, sondern auch zahlreiche Klassiker, die z. B. nur in Japan oder den USA verkauft wurden, sowie seltene Einzelstücke aus der insgesamt rund 120 Fahrzeuge umfassenden privaten Sammlung der Familie Frey. Bislang standen die Schätze dicht an dicht in Lagerhallen und Scheunen, jetzt können sie im schönen Ambiente glänzen. Attraktive Event-Location Das neue Museum bietet darüber hinaus auch einen 700 qm großen Eventbereich, eine attraktive Gastronomie sowie einen Mazda Classic Shop mit ausgewählten hochwertigen Mazda Merchandising- Produkten. www.autoservicepraxis.de

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Ein 700 qm großer Eventbereich, Shop und Gastronomie machen Mazda Classic zu einer attraktiven Location für Veranstaltungen aller Art. Noch vor der offiziellen Eröffnung gab es eine große Eröffnungsfeier mit rund 160 geladenen Gästen. Prominente aus Augsburg und Umgebung waren ebenso anwesend wie der extra aus Japan angereiste Vizepräsident der Mazda Motor Corporation, Akira Marumoto. Marumoto würdigte die Leistung und die Leidenschaft der Familie Frey, die seit 1978 Mazda-Händler in Augsburg und mittlerweile an drei Standorten in der Region vertreten ist: „Mit diesem einzigartigen und beeindruckenden Mazda Museum, dem ersten außerhalb Japans, ist der Traum wahr geworden, Ihre einmalige Der Liebling der Familie: der Mazda Cosmo. Die Baureihe stellte Mazda in Japan für den japanischen und US-amerikanischen Markt von 1967 bis 1998 her. Sammlung historischer Mazda-Fahrzeuge aus aller Welt der Öffentlichkeit zu präsentieren.“ Auch Europachef Jeffrey Guyton und Deutschland Geschäftsführer Bernhard Kaplan sowie sein Vorgänger Josef A. Schmid ließen sich den Blick auf das neue Schatzkästchen nicht entgehen. Der Mazda R360 war ein Coupé von Toyo Kogyo und Mazdas erstes Pkw-Modell. Das in der japanischen Kei-Car-Klasse angesiedelte Modell wurde 1960 präsentiert. Auch technisch interessant Nicht nur für Mazda-Fans ist das Museum ein Kleinod mit vielen Hinguckern: Highlights der Sammlung sind z. B. der Mazda Luce sowie das Mazda Familia 1000 Coupé von 1966 oder der Mazda Cosmo Sport von 1967. Technologisch ist die Entwicklung und Produktion der RX-7-Baureihe ab 1978 über drei Generationen mit ihren verschiedenen Ausbaustufen des Zweischeiben-Kreiskolbenmotors besonders interessant. Natürlich werden auch hierzulande bekanntere historische Mazda-Modelle, angefangen vom ersten ab 1972 offiziell verkauften Mazda 616 über die Erfolgs- Baureihen Mazda 323 und Mazda 626 bis hin zum Mazda MX-5 der ersten Generation von 1990 oder die Xedos-Modelle aus den 90er Jahren gezeigt. Um die Besucher auf Dauer nicht zu langweilen, wollen die Freys Schritt für Schritt auch die anderen Autos aus ihrer Sammlung zur Schau stellen. Beabsichtigt ist außerdem, dass Mazda Classic zu einem Forum für Clubtreffen mit historischen Mazda-Modellen und markenübergreifenden Oldtimer-Veranstaltungen wird. So gibt es bei Mazda Classic immer etwas Neues zu entdecken. Mazda-Vize Marumoto versprach auch: „Wir geben uns Mühe, auch weiterhin außergewöhnliche Autos zu bauen, die dann den Weg in dieses Museum finden.“ Doris Plate ■ MAZDA CLASSIC Seit 30 Jahren sammelt die Familie Frey Mazda-Modelle. Begonnen hat alles mit Vater Walter Frey (Mitte). Seine Söhne Joachim (l.) und Markus waren von Kindesbeinen an mit dabei. Gemeinsam führen sie mittlerweile drei Mazda-Betriebe und nun auch ein Museum. Mazda Classic – Automobil Museum Frey, Wertachstraße 29b, 86153 Augsburg Tel. 08 21/42 06 07 30 E-Mail: info@mazda-classic-frey.de Web: www.mazda-classic-frey.de ■ Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr ■ Eintrittspreise: Erwachsene: 5,00 €; Kinder 13-17 Jahre: 2,50 €; Kinder bis12 Jahre: freier Eintritt; Senioren/Studenten: 2,50 € www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 33

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AUTOMOBILTECHNIK 3D-DRUCK Digitale Fertigungswelten Additive Produktionsverfahren entwickeln sich zu einer Alternative. Die Automobilindustrie experimentiert seit langem mit 3D-Druck. Eine Fachkonferenz zeigt eine Technik auf dem Sprung. in gewisser Michelangelo Buonarroti gab sich zur Zeit der Hochrenaissance vor über 500 Jahren bescheiden: Er habe von seinem David nur den überflüssigen Marmor meißeln müssen. Diese keineswegs ressourcenschonende Form des Schaffens nennt sich deduktives Verfahren. Eine spätere Innovation war das Spritzgussverfahren. Im Juni veranstaltete die Messe Erfurt die „RapidTech“ und viele hofften dort auf den Durchbruch des 3D-Drucks. Die Geräte verwenden „additive“ Fertigungsverfahren. Additive Technologien stellen für BMW eine Produktionsmethode der Zukunft dar. Auf Basis digitaler Konstruktionspläne tragen diese eine Vielzahl von Materialien schichtweise zu einem dreidimensionalen Objekt auf. Dieser Produktionsprozess findet in einem geschlossenen Bauraum statt, der kompakt wie ein Küchenherd sein, aber auch Garagengröße erreichen kann. Die Aufmerksamkeitskurve für die Technologie zeigt derzeit wieder steil nach oben, nicht zuletzt, weil Konzerne wie General Electric und Autobauer wie VW, Ford oder BMW fleißig investieren und Kompetenzen aufbauen bzw. aufkaufen. Fotos: BMW Trotzdem scheint es um den Hype, der die Medienlandschaft vor ein paar Jahren fest im Griff hatte, mittlerweile etwas ruhiger geworden zu sein. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zitierte im Januar 2013 Bre Pettis mit den Worten: „Was die Erfindung des Desktop-Publishing für die Medienbranche war, ist die rasant fortschreitende Entwicklung des Desktop-Manufacturing für die fertigende Industrie.“ Doch als Chef des 3D-Druck-Herstellers MakerBot befand sich Pettis im Marketing-Modus – eine solche Schlagzeile findet sich heute seltener. Vision, keine Utopie Wenngleich das Potenzial nicht unterschätzt werden sollte: Die Neuordnung der Ersatzteilversorgung in deutschen Kfz- Werkstätten ist zwar noch Vision, aber keine Utopie. Robert Stache und André Heinrichs von der Volkswagen AG gewährten auf der Fachkonferenz „3D-Druck – additive Fertigung in der Automobilindustrie“ Einblicke in die Entwicklung einer bionischen A-Säulen-Verstärkung für das VW Golf Cabriolet. Von den komplexeren Konstruktionsmöglichkeiten erhoffen sich die Forscher robustere und leichtere Karosserieteile. Mit dem 3D-Druck ist es möglich, komplexe Bauteile, die im herkömmlichen Maschinenbau nicht darstellbar sind, zu fertigen. Bei anderen Bauteilen sprechen Individualisierungsmöglichkeiten, Variantenvielfalt sowie beschleunigte Entwicklungszyklen für die additive Fertigung. Schließlich steht ein digital konstruiertes und ausgedrucktes Bauteil schneller zur Verfügung als ein im herkömmlichen Spritzgussverfahren produziertes Teil. Vollendete Formen Stache und Heinrichs dämpfen jedoch die Euphorie: Ihnen zufolge ist der Einsatz im Automobilbau trotz deutlicher Kostensenkungen in absehbarer Zeit weiterhin nur bei Einzelstücken und in der Kleinserie wirtschaftlich. Konkurrenzfähig dagegen ist der 3D-Druck beim Leichtbau. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 www.autoservicepraxis.de

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Bei Opel in Rüsselsheim schätzt man additive Fertigung, weil Bauteile ohne Zwischenschritt („tooling“) aus digitalen Dateien gefertigt werden können, was laut Sylke Rosenplänter Zeit- und Kostenvorteile bringt. „Jedes Design kann realisiert werden, es gibt keine Beschränkungen wie bei konventionellen Produktionsmethoden“, erklärte die Direktorin für Virtual Design Operations & Systems Development bei der Adam Opel GmbH auf der Fachkonferenz des Süddeutschen Verlags. Gegenwärtig nutze Opel die Technologie u. a. beim Bau von Prototypen. Im Bereich Rapid Prototyping haben sich die Drucker bereits durchgesetzt, bestätigte auch Bitkom. „Mussten früher oft in wochenlangen Prozessen neue Formen gegossen und Modelle gebaut werden, geschieht dies mittlerweile in wenigen Stunden“, hieß es in einer Mitteilung des Branchenverbandes. Im Prototypenbau von Opel findet 3D- Druck beim so genannten Packaging Anwendung. Dabei experimentieren Entwickler an einer bestmöglichen Anordnung der Komponenten im Motorraum. Auch im Bereich Aftersales prüft Opel derzeit additive Fertigungsmethoden, etwa in der Produktion von Ersatz- oder von Zubehörteilen, erklärte Rosenplänter. Bis die Nachteile des Druckverfahrens Ergebnis einer Werbeaktion: Individualisierte Seitenblinker der Mini-CarSharing-Flotte. ausgeräumt sind, bleibt die Anwendung jedoch beschränkt: Die Herausforderungen betreffen u. a. das Datenmanagement, die Datenqualität und die manuelle Bestückung im Vorfeld. Auch die Nachbehandlung ist zeit- und kostenintensiv, erklärten Robert Stache sowie André Heinrichs von VW und verwiesen auf die notwendigen Schritte beim Bauteil-Handling (Entfernung der Stützstruktur sowie eine Nachbehandlung der Oberfläche). BMW nutzt u. a. eine Selective-Laser-Melting- Anlage von SLM Solutions aus Lübeck. Gedruckte Clips sind bei Rolls-Royce in den Modellen Phantom und Shadow in Gebrauch. Noch keine Massenproduktion 3D-Drucker eignen sich bislang nicht für die Massenproduktion, weil der Prozess zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Laut Petra Fastermann wird sich das in den nächsten Jahren aber ändern. In ihrem Beitrag „3D-Druck: eine nachhaltige und Energieeffizienz fördernde Technologie“ in dem Springer-Fachbuch „Industrielle Energiestrategie“ von 2017 geht sie von einer Verzehnfachung der Druckgeschwindigkeit innerhalb der nächsten Jahre aus. Darauf setzt offenbar auch der Autohersteller PSA. Im Herbst 2016 kündigte das Unternehmen eine Kooperation mit Divergent 3D an. Man nutze ergänzende Produktionsverfahren seit vielen Jahren für kleine Pilotserien. Nun wolle man die Entwicklung und Fertigung der gesamten Fahrzeugstruktur umgestalten – das Ziel seien strukturell leichtere, rentablere und umweltfreundlichere Fahrzeuge, hieß es in einer Mitteilung. Güngör Kara, Director Global Application and Consulting beim oberbayerischen Hersteller und Weltmarktführer EOS, traut der Technologie viel zu: „Als führender Anbieter im industriellen 3D- Druckbereich sehen wir einen eindeutigen Trend weg vom klassischen Prototypenbau hin zur industriellen Vorserien- und Serienfertigung“, erklärte er im März. Udo Hänle, Bereichsleiter für Produktionsstrategie und technische Integration bei BMW, gab sich im vergangenen Jahr zuversichtlich: „Additive Technologien stellen für die BMW Group eine der wesentlichen Produktionsmethoden der Zukunft mit einem vielversprechenden Potenzial dar.“ Seit über 25 Jahren nutze BMW 3D- Druck-Technologie. Klassische Anwendungsbeispiele sind maßgeschneiderte und komplexe Komponenten in überschaubaren Stückzahlen, nicht zuletzt bei Classic-Cars. Neue Anwendungsgebiete sind u. a. Kunststoffhalterungen für Warnblinker oder die Türentriegelungstaste für den Rolls-Royce Phantom sowie individualisierte Seitenblinker der „Drive Now“ CarSharing-Flotte. Bei einer Social- Media-Kampagne stimmten Kunden über die Namen von 100 Mini-Flottenfahrzeugen ab, hieß es in einer Mitteilung. Auch bei Toyota gibt es ebenso Individualisierungsbestrebungen auf 3D- Druck-Basis. Wie Yashuhide Yokoi, Industriedesigner bei der japanischen Firma Kabuku Inc., erläuterte, hat das „Toyota Open Road Project“ zum Ziel, die neuen Elektro-Dreiräder der Marke i-ROAD zu personalisieren. Im Ergebnis ziert die Frontpartie ein in Form, Farbe und Muster unterschiedlich ausgedrucktes Kunststoff-Accessoire. Martin Schachtner ■ KURZFASSUNG 3D-Druck wird in der Automobilindustrie seit langem genutzt. Insbesondere im Bau von Prototypen und in der Kleinserie ist die additive Fertigung wirtschaftlich. Die neue Fertigungstechnologie erobert zunehmend Einsatzbereiche, wie auf einer Konferenz von Spezialisten in Bremen deutlich wurde. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 35

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AUTOMOBILTECHNIK BMW 325D GT Sportliche Reisekutsche BMW hat die Schrägheck-Variante „Gran Turismo“ des 3er etwas aufgefrischt und mit neuen Motoren versehen. Der mit VTG-Lader ausgestattete Diesel in unserem Testwagen 325d GT leistete 224 PS und ein Drehmoment von satten 450 Newtonmeter. In Kombination mit dem Step tronic-Achtgang-Automatikgetriebe OPEL MOKKA X Kompakter Familien-SUV AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 ist er sehr flott unterwegs und eignet sich dank der komfortablen Sitze und guten Platzausbeute auch als Langstreckenfahrzeug. Pfiffig: Ab einer Geschwindigkeit von 110 Kilometer pro Stunde fährt der GT automatisch einen Heckspoiler aus, der den Auftrieb an der Hinterachse um bis zu 35 Prozent reduzieren soll. aj ■ Foto: Valeska Gehrke Foto: Alexander Junk Mit dem Mokka X hat Opel einen Kompakt-SUV im Angebot, der zwischen dem neuen Crossland X und dem Grandland X angesiedelt ist. Wir hatten die Diesel- Variante 1.6 CDTI mit 136 PS in der Ausstattungsvariante „Innovation“ und der Farbe „Safran Orange“ im Test. Der spritzige Vierzylinder ist wahlweise als reiner Fronttriebler oder auch als Allrad-Variante erhältlich. Zur Sonderausstattung gehören hier unter anderem das adaptive Fahrlicht „AFL+“ mit LED-Scheinwerfern, das neun verschiedene Licht-Modi nutzen kann. Auch der Online-Assistent „On- Star“ ist Teil der Ausstattung. Gut gefallen hat uns auch das Radio „R 4.0 IntelliLink“, das auch Apple CarPlay und Android Auto beherrscht. aj ■ Hochwertig: Das M-Sportlenkrad und die Cockpit-Ausführung „Esche Maser“ sind Hingucker. AUTO-CHECK ■ Kräftiger Motor ■ Hochwertige Verarbeitung ■ Bequeme Sitze ■ Hoher Anschaffungspreis Das Luxus-Radio mit 7-Zoll-Farbdisplay lässt keine Wünsche offen. AUTO-CHECK ■ Adaptive LED-Scheinwerfer ■ Spritziger Motor ■ Großzügiges Platzangebot ■ Schlechte Übersicht ■ Allradantrieb nur optional www.autoservicepraxis.de

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PRODUKTE ZÜNDKERZEN 120.000 Kilometer Laufleistung Die Iridium-Zündkerzen „Z 366“ und „Z 367“ der Federal-Mogul-Marke Beru sind nun auch auf dem Aftermarket für Audi (A3, A5 und A6), BMW (2er und Mini One) und VW (Golf VII ) erhältlich. Iridium-Zündkerzen besitzen an der Mittelelektrode eine Legierung aus dem gleichnamigen Metall, das eine zuverlässige Zündung sicherstellen soll. Die Zündkerzen halten laut Hersteller bis zu 120.000 Kilometer. Außerdem sollen sie die Motorleistung erhöhen und Benzinverbrauch sowie Emissionen senken. aj ■ Federal-Mogul Aftermarket GmbH http://beru.federalmogul.com/de Foto: Federal-Mogul Foto: Otto Zimmermann BREMSSCHEIBEN Formschlüssig vernietet Neu im Programm von Bremsenhersteller Otto Zimmermann sind Bremsscheiben der Reihe „Formula F“, die aus hochgekohltem Gussmaterial und Aluminium gefertigt sind. Sie zeichnen sich laut Hersteller durch hohe Stabilität und exzellente Wärmeleiteigenschaften aus. Das soll ebenso wie die Gewichtseinsparung von bis zu 15 Prozent eine gute Bremsleistung ermöglichen und den CO 2 -Ausstoß verringern. Reibring und Topf werden bei der Formula-F-Reihe formschlüssig miteinander vernietet. aj ■ Otto Zimmermann GmbH www.otto-zimmermann.de KATALOG Hohe Marktabdeckung Schaeffler bietet mit dem neuen FAG- Radlagersatz-Katalog für Fahrzeuge von knapp 60 Automobilherstellern weltweit das richtige Radlager und die passende Reparaturlösung. Mit insgesamt mehr als 1.180 Radlagersätzen ist eine Marktabdeckung von rund 94 Prozent garantiert. Foto: Motip Dupli Dabei reicht das Portfolio vom klassischen Radlagerset über den achsweisen Radlagertausch bis hin zu Reparaturlösungen für leichte Nutzfahrzeuge. aj ■ Schaeffler Technologies AG & Co. KG www.fag.de REINIGER Für klare Sicht Foto: Schaeffler Das Presto-Scheibenreiniger-Programm von Motip Dupli soll für eine gründliche Reinigung der Scheibe innen und außen sorgen. Der Insektenlöser entfernt verschmierte und getrocknete Insekten. Für eine streifen- und schlierenfreie Reinigung ist der Scheibenreiniger geeignet. Um einer Neuverschmutzung vorzubeugen, empfiehlt sich die Verwendung des Regenabweisers. Einmal aufgesprüht, bildet das Produkt eine lang wirkende, wasserabweisende Schutzschicht, die eine klare Sicht bei Regen ermöglicht. aj ■ Motip Dupli GmbH www.motipdupli.de www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 37

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PRODUKTE SCHMIERSTOFFE Von der Dose bis zum Fass DBV hat das Sortiment an Schmierstoffen um die Gertriebeöle ATF-8G und 75W- 90S sowie die für Benzin- und Dieselmotoren von Volvo formulierten Motorenöle 0W-20 und 0W-30 Volvo VCC erweitert. Das ATF-8G eignet sich speziell für ZF- Getriebe der Serie HP-8, das 75W-90S ist für den Einsatz in konventionellen Schalt- und Achsgetrieben von Nutzfahrzeugen konzipiert. Alle Schmierstoffe sind je nach Bedarf in diversen Gebindegrößen von der Ein-Liter-Dose bis hin zum 60- oder 208-Liter-Fass bestellbar. aj ■ DBV Würzburg GmbH www.dbv.eu Foto: DBV SCHMIERSTOFFE Leichtere Bremsen-Montage Foto: TMD Friction Der Schmierstoff „Hydra Tec“ von der TMD-Friction-Marke Textar eignet sich zum Schmieren von Zylinderlaufflächen, Kolben und Dichtelementen in Bremsund Kupplungssystemen. Dadurch wird beispielsweise die Montage von hydraulischen Komponenten im Bremssattel erleichtert. So lässt sich der Bremskolben besser über den Kolbendichtring schieben und die Führungsbolzen gleiten leichter durch die Führungsbuchsen. Zudem schützt die Paste die Laufflächen und metallische Bauteile vor Korrosion. aj ■ TMD Friction Services GmbH www.tmdfriction.com ONLINE-KATALOG Produktkatalog optimiert Abgas-Spezialist Bosal hat die Suchfunktion seines Online-Produktkatalogs optimiert. Aktuelle Fahrzeugdaten und Produktinformationen sorgen dafür, die passenden Produkte schneller zu finden. Durch die Verknüpfung der Produkte mit den in der Katalogdatenbank hinterlegten OE-Nummern ließen sich auf dem europäischen Markt weitere sechs Millionen Fahrzeuge identifizieren, für die Bosal mindestens eine Aftermarket-Lösung zuordnen konnte. Dazu wurde die Darstellung auf mobilen Geräten verbessert. aj ■ Bosal Deutschland GmbH www.bosal.com Foto: Bosal Foto: Herth+Buss AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 VERSCHLEISSTEILE Sicherheitsrelevantes Bauteil Herth+Buss bietet im Sortiment Jakoparts ab sofort Federbeinstützlager für verschiedene Modelle von Mazda, Nissan, Honda, Subaru und Suzuki an. Das Bauteil stellt die Schnittstelle zwischen Federbein und Karosserie dar und ist ein Teil des Federdämpfungssystems. Als Komponente der Radaufhängung ist es extremen Umgebungsbedingungen wie Vibrationen und Verschmutzung ausgesetzt und daher anfällig für Verschleiß. aj ■ Herth+Buss Fahrzeugteile GmbH & Co. KG www.herthundbuss.com www.autoservicepraxis.de

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ASA NEWS PRÜFMITTEL Behörden verlangen Kalibrierung Aus aktuellem Anlass weist der ASA- Verband alle Werkstätten darauf hin, dass sie ihre Bremsprüfstände kalibrieren lassen müssen. Für Bremsprüfstände gilt bereits seit Anfang 2017 die Kalibrierpflicht. Nur gab es durch die kurze Einführungsphase der Kalibrierung von Bremsprüfständen noch zu Beginn des Jahres 2017 kein flächendeckendes Angebot zur Durchführung der Kalibrierung. Aus diesem Grund wurde die Stückprüfung bei Prüfungen der anerkannten Prüfstützpunkte bisher nach altem Muster weiter angewendet. Die Mitarbeiter der Servicenetzwerke der Werkstattausrüster mussten für die Durchführung der Kalibrierung zunächst geschult, geprüft und mit den erforderlichen, rückführbaren Kalibrierwerkzeugen ausgestattet werden. Mit dem stufenweisen Ausrollen im zweiten Quartal 2017 sind die Mehrzahl der Werkstattausrüster nun in der Lage ihren Kunden eine Kalibrierung ihrer Bremsprüfstände durch so genannte Bevollmächtigte bundesweit anzubieten. Darüber wurden die obersten Landesbehörden, welche als hoheitliche Instanz für die Überwachung der Prüfstützpunkte verantwortlich sind, informiert. Auf Grund der unklar erscheinenden Lage nach dem Jahreswechsel und aus Kostengründen entscheiden sich Werkstätten vielfach gegen eine Kalibrierung und lassen nur eine Stückprüfung ausführen. Das kann zur Aberkennung der Zulassung des Prüfstützpunktes für die Durchführung der Hauptuntersuchung führen. Aus einigen Bundesländern sind Vorgaben in Form von Dienstanweisungen bekannt, nach denen die Kalibrierung nun zwingend anzuwenden sei. Der ASA-Verband empfiehlt Werkstätten mit anerkanntem Prüfstützpunkt für die HU daher dringend vorhandene Bremsprüfstände kalibrieren zu lassen. Die Kalibrierung ist zusätzlich zur Stückprüfung erforderlich und kostet je nach Prüfstandstyp und Kalibriermethode etwa doppelt so viel. Aktuell stehen knapp 400 Bevollmächtige zur Verfügung. Für einen Großteil der im Feld befindlichen Bremsprüfstandstypen haben die Hersteller Kalibriermethoden entwickelt. Lediglich für einige ältere Prüfstände, welche nicht der Bremsprüfstandsrichtlinie von 2011 entsprechen und bis 31.12.2019 ausgewechselt werden müssen, sind keine Kalibrierverfahren verfügbar. „Die Einführung dieser Kalibriermethoden inklusive der Schulung der Bevollmächtigten ist für diese seltenen Altmodelle aufwendig und es besteht praktisch kaum die Möglichkeit diese bis Ende 2019 wirtschaftlich zu amortisieren“, sagt ASA- Präsident Frank Beaujean. „Besonders hart ist es für diejenigen, bei denen der Hersteller nicht mehr im Markt ist“, so Beaujean. Nach aktueller Lage wird es für diese alten Prüfstände keine Ausnahmeoder Sonderregelung geben und sie müssen formal vor dem Ablauf der Bestandsschutzfrist getauscht werden. Die Betreiber sollten sich ggf. an den Hersteller wenden, um den konkreten Kalibrierstand des betroffenen BPS-Typen zu erfahren. KOMPAKT Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen e.V. Erfolgreich im Ausland Wer an die Automechanika denkt, hat meist das Bild der Automechanika in Frankfurt vor Augen. Doch die Landkarte der Automechanika umfasst inzwischen 17 Veranstaltungen weltweit. Für die ASA-Mitglieder ist dies die ideale Plattform, um ihre Produkte im Ausland zu präsentieren. Denn das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) fördert die Beteiligung an Messen außerhalb der Europäischen Union. So hat der ASA-Verband für 2017 für sieben Auslandsmessen der Automechanika eine Messebeteiligung beim AUMA (Ausstellungs-und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e. V.) beantragt. Das BMWi entscheidet in Absprache mit dem AUMA, welche Messen in das Auslandsmesseprogramm (AMP) aufgenommen werden. Ziel der Messebeteiligung des BMWi ist es, vor allem kleineren, mittelständischen deutschen Unternehmen den Markteintritt im Ausland zu erleichtern und den Export zu fördern. Die Unternehmen profitieren bei der Teilnahme an einer Automechanika im Ausland nicht nur finanziell, sondern auch logistisch. So werden Standardstände auf dem deutschen Gemeinschaftsstand angeboten. Für 2017 hat der ASA-Verband erfolgreich für sieben Messen der Automechanika eine Beteiligung beantragt. Neu-Delhi, Istanbul, Dubai und New Mexico sind bereits erfolgreich abgeschlossen. Im August folgen Moskau, im September Johannesburg und im November Shanghai. Besonders Dubai und Shanghai haben in der Regel hohe Beteiligungen von knapp 100 Ausstellern aus Deutschland. Foto: MAHA KONTAKT Bremsprüfstände müssen zusätzlich zur Stückprüfung kalibriert werden. Geschäftsstelle ASA Bundesverband Tel. 0 89/80 07 19 92 Fax 0 89/84 00 58 56 geschaeftsstelle@asa-verband.de www.asa-verband.de www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 39

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WERKSTATTTECHNIK BATTERIEMANAGEMENT Wellness für die Batterie Starterbatterien können lange halten. Wird die Batterie überbeansprucht oder das Fahrzeug steht lange, kann sie sich tiefentladen und ist dann meist chemisch tot. Dem vorzeitigen Ende kann man vorbeugen. leibatterien mit flüssigem Elektrolyt sind seit vielen Jahrzehnten kostengünstiger Standard in allen Fahrzeugen. Damit die mit verdünnter Schwefelsäure gefüllten Batterien zuverlässig funktionieren, benötigen sie jedoch regelmäßig Pflege. Neben der Kontrolle des Elektrolytstandes muss vor allem der Ladezustand regelmäßig überprüft werden. Wie oft dies geschehen muss, hängt stark von der Umgebungstemperatur und dem Einsatzprofil ab. Meist entladen sich Batterien während langer Standzeiten. Die Entladungsraten können dabei 0,3 bis 1 Prozent am Tag betragen. Um immer über den Zustand der Batterie genau Bescheid zu wissen, kann der Ctek Pro Battery Tester verwendet werden. Das neue Testgerät des schwedischen Herstellers misst nach Anklemmen an die Batterie nicht nur ihren Ladestatus, es überprüft auch Anlasser und Ladesystem. Die ermittelten Daten können dann mittels integrierten Druckers für Kunden und Fahrzeugdokumentation ausgedruckt werden. Die richtige Pflege Trotzdem kann es vorkommen, dass die Batterie tiefentladen ist. Dann hat sich auf den positiven Bleiplatten in den Zellen eine aus grobkristallinem Bleisulfat bestehende Schicht gebildet. Man spricht von Sulfatierung der Batterie. Um dem Sulfatieren vorzubeugen, bietet etwa die Firma Novitec aus Saarbrücken für rund 70 Euro mit dem so genannten Megapuls ein kleines, aber sehr wirkungsvolles Batteriepfle- KURZFASSUNG Fahrzeugbatterien leben länger, wenn sie regelmäßig gepflegt werden. Vor allem ihr Ladezustand ist wichtig. Ihn zu überwachen, ist nicht immer leicht. Jedoch können Werkstätten und Autohäuser hier auf mehr oder weniger nützliche Helfer zurückgreifen. Wir haben uns umgehört, was am Markt angeboten wird. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 defähigkeit wiederhergestellt, steigen auch Ladespannung, Säuredichte und Kälteprüfstrom deutlich messbar an. Für altersschwache 12- und 24-Volt-Bleisäurebatterien ausgelegt (6 Volt extra erhältlich), können mit Megapulse, wie Novitec verspricht, sogar teure Gel-Batterien wieder reaktiviert werden. Bleibt Megapulse im Fahrzeug fest verbaut, lässt sich mit ihm von vornherein die Lebensdauer der Batge-Gerät an. Dieses wird für eine gewisse Zeit an die Pole angeschlossen. Dabei greift es etwas Strom von der Batterie ab und gibt ihn als gleichmäßige, hochfrequente Stromimpulse an die Batterie zurück. Gleichzeitig werden die Kristalle auf den Bleielektroden zurückgebildet und erhalten so, ähnlich einer neuen Batterie, wieder ihre ursprüngliche amorphe und schwammige Struktur zurück. Ist die La- Der Megapuls von Novitec bekämpft die Sulfatierung in Blei-Säure- und Gel- Batterien. Fotos: Novitec, Kunzer www.autoservicepraxis.de

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terie erhöhen und ein kostenintensiver Neukauf über Jahre hinauszögern. Müssen mehrere Batterien, wie zum Beispiel im Fahrzeughandel, gleichzeitig überwacht werden, eignet sich hierfür eine Bluetooth-Batteriestatusanzeige sehr gut. Sowohl bei Novitec (intAct Battery-Guard) als auch bei Kunzer (Cteck CTX Battery Sense) können Sender und Apps für das Smartphone bezogen werden, mit denen sich der Ladezustand der Batterie schnell prüfen lässt. Dabei handelt es sich jeweils um einen kleinen Sender, der mittels Ringösen an die Batterie angeschlossen wird. Überwachung per App Danach muss man nur die kostenfreie Apple- oder Android-App herunterladen, um den Ladezustand der Batterie via Smartphone schnell und einfach zu kontrollieren. Der Sender ist für 6-, 12- und 24-Volt-Batterien verwendbar. Die Reichweite liegt bei ca. sechs Metern. Die vierfarbige, tachometerähnliche Anzeige zeigt den Ladezustand in dunkelgrün (vollgeladen), hellgrün (teilgeladen), orange (entladen) und rot (tiefentladen) an. Zusätzlich wird der Spannungswert alphanummerisch wiedergegeben. Bei Unterschreitung der Mindestspannung wird auf ein baldiges Nachladen der Batterie hingewiesen. Mit der App kann die Spannung von bis zu 5 Batterien kontrolliert werden. Da der Stromverbrauch des Senders bei nur ca. 2 mW liegt, schadet er der Batterie nicht. Das Leben einer Fahrzeugbatterie lässt sind auch durch hochwertige elektronisch gesteuerte Ladegeräte, wie zum Beispiel von Bosch, Fronius, Cteck oder Banner, PROBLEM EFB-PRÜFUNG Immer mehr Hybrid, EV- und Start-Stopp-Fahrzeuge kommen in die Werkstatt und bereiten zuweilen bei der Diagnose von Batterieleistung und Ladekapazität Probleme. Der Grund ist, dass aktuelle Batteriemanagement- und Prüf-Geräte nur für die Wartung von herkömmlichen Blei-Säure-, Gel- und AGM-Batterien eingesetzt werden können. Müssen Start-Stopp-Batterien, ob sie nun „Enhanced“, „Improved“, „Advanced Flooded“, „Extended Cycle Mat“ oder „Life“ genannt werden, geprüft werden, waren die Ergebnisse der Mess geräte zuweilen sehr unzuverlässig. Midtronics hat daher das Batterietestgerät der MDX-500-Reihe weiterentwickelt. Es besitzt jetzt einen Algorithmus, der speziell für das Prüfen des Batterietyps EFB entwickelt wurde und absolut zuverlässige Aussagen zum Batteriestatus zulässt. Mit dem neuen Batterietester können jedoch, wie gewohnt, auch alle anderen Batterien, die momentan auf dem Markt erhältlich sind, sicher geprüft werden. Der über Kunzer beziehbare Ctek Pro Battery Tester analysiert den Batteriestatus und testet zudem den Zustand von Anlasser und Ladesystem. Foto: Midtronics Die App von intAct Battery-Guard ist übersichtlich und zeigt auf den ersten Blick, wie es um die Batterie bestellt ist. verlängern. Als Profigeräte sind sie meist in der Lage, das Entsulfatieren durch kurze starke Pulsströme zu unterstützen, um die Kapazität auch älterer Bleibatterien zumindest teilweise wiederherzustellen. Zudem haben solche Ladegeräte einen Erhaltungsmodus, der es ermöglicht bei langen Standzeiten die Batterien ständig am Ladegerät zu belassen, ohne sie zu überladen. Das Ladegerät überwacht dabei ständig die Batterie und lädt sie, wenn die Spannung abfällt. So wird von vornherein eine Sulfatierung vermieden. Sind die Pole der Batterie verschmutzt oder oxidiert, kann der Übergangswiderstand so hoch werden, dass kaum oder gar kein Strom mehr die Bordelektrik erreicht. Das gilt auch umgekehrt für den Ladestrom. Um dem vorzubeugen, müssen die Batteriepole regelmäßig gereinigt werden. Hierzu kann man einen so genannten Batteriepol-Reiniger − das ist ein kleiner zylinderförmiger Schaber, mit dem sich der Pol ähnlich einem Hobel abziehen lässt – verwenden oder ihn mit gewöhnlichen Schmirgelleinen reinigen. Ist der Pol gereinigt, muss auf die montierte Klemme Polfett aufgetragen werden, um neue Oxidation zu vermeiden. Starthilfe Ist die Batterie durch lange Standzeit geschwächt und kann nicht extern geladen werden, kann man sie beim ersten Starten mit einem so genannten Powerpac, so wie sie u.a. von Beatit, DBPower oder Dino angeboten werden, unterstützen. Das sind kleine handliche Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von bis 20 Ah. Zur Starthilfe werden sie direkt an die Batterie angeschlossen. Bis zu fünf ca. 15 Sekunden andauernde Startversuche sind mit ihnen möglich. Die Pflege einer Fahrzeugbatterie macht nur Sinn, wenn die Qualität der Batterie auch hoch ist. Sind No- Name-Billigprodukte verbaut, helfen auch keine hochwertigen Lade- oder Pulsgeräte mehr, den chemischen Zerfallsprozess in den Zellen zu stoppen. Gute hochwertige Batterien haben daher ihren Preis. Der rechnet sich aber, denn fünf bis sieben Jahre sollte eine Batterie immer funktionieren. Wird sie gepflegt, können es sogar bis zu zehn Jahre sein. Marcel Schoch ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 41

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WERKSTATTTECHNIK BEST PRACTICE Kurzer Prozess Vielseitiger Helfer: ob zum Ausbau verklebter Scheiben oder zum Lösen von ABS-Sensoren, die Firma Stark Kfz-Technik zeigt, wie das Alesco 800 Induktionsgerät den Werkstattalltag erleichtert. Gebrochene Federn gehören zum Alltag. Durch die Induktion verlieren die Windungen ihre Kraft und die Feder lässt sich gefahrlos ausbauen. Fotos: Anna Matuschek ir kennen ihn alle, diesen Moment, in dem sich Verzweiflung breitmacht. Den Moment, in dem starke Arme an ihre Grenzen kommen und auch der cleverste Werkstatt-Mitarbeiter mit dem Latein am Ende ist. Diese eine verflixte Schraube legt KURZFASSUNG Abgerissene Schrauben, unlösbare Gewinde. Die Uhr tickt und die Arbeitszeit für einen eigentlich simplen Handgriff rennt davon. Um widerwilligen Gewinden, Schrauben, Kunststoffen oder Verpressungen den Garaus zu machen, bietet Alesco das Induktionsgerät A800 an. asp AUTO SERVICE PRAXIS war bei der Stark Kfz-Technik GmbH in Offenburg und hat sich das schwedische Werkzeug zeigen lassen. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 den Arbeitsablauf lahm, kostet den Betrieb Unmengen an Zeit. Und dann wäre da noch die Sache mit der Bezahlung. Wie rechtfertigt man so etwas vor dem Kunden? Und möchte man sich überhaupt die Blöße geben? Zuerst herrschte Uneinigkeit Im Familienunternehmen der Firma Stark hat man sich bereits im Jahr 2010 um eine Lösung bemüht. Papa Ernst teilt sich die Geschäftsführung mit seinen Söhnen Rainer und Alexander. „Als mir mein Bruder gesagt hat, dass wir uns das Alesco 800 anschaffen, habe ich ihm gesagt, dass er spinnt. Ich meinte, ganz günstig ist es ja nicht“, erinnert sich Rainer. In diesem Zusammenhang kam Thomas Vauderwange (siehe Kasten rechte Seite) ins Spiel, TECHNISCHE FAKTEN Tiefeninduktionsgerät Alesco A800i (8 kW)/A800iPLUS (10 kW) ■ Netzanschluss 3 x 400 V 16 A Schlauchpaket 3 Meter ■ Standard-Induktor 90° ■ Teflon-Schutzkappe und Abstandshalter ■ Luftgekühlte Wasserkühlung; Leistung einstellbar 5 bis 100 % in 5 %-Schritten ■ Hochwertige robuste, werkstattgerechte Bauweise mit Lenkfahrwerk ■ Abmaße: 450 x 500 x 800 mm ■ Gewicht: 78 kg ■ Kosten: 5.550 Euro (A800), 6.690 Euro (A800iPLUS) zzgl. Fracht (Nettopreise) www.autoservicepraxis.de

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ZUR PERSON Zusammen mit ihrem Vater Ernst Stark führen Rainer (li.) und Alexander (re.) den Familienbetrieb in Offenburg. der nicht nur Vertragspartner der schwedischen Firma, sondern auch ein echter Fan ist. Nach einer Einführung und einer zweiwöchigen Erprobungsphase ging das Induktionsgerät in den Besitz der Firma Stark über. Alesco 800 ist täglich im Einsatz „Wir nutzen es mindestens ein, zwei Mal am Tag für ‚Spezialfälle‘. Zum Beispiel zum Lösen der Wischergestänge im ausgebauten Zustand. Beim Audi A4 kleben sie zusammen und lassen sich fast nur so lösen“, beginnt Alexander Stark und ergänzt: „Auch so ein Sorgenkind sind ABS Sensoren. Die Schraube lässt sich eher selten einfach so herausdrehen. Dazu kommt noch das widerspenstige Kunststoffteil.“ Wie so oft hilft es auch beim Alesco 800 nicht, nur das passende Helferlein auf den Werkstattboden zu stellen. Denn der Einsatz muss gut überlegt sein. „Einfach nur so ein bisschen Rumglühen bringt nichts. Es geht auch nicht um Hitze, sondern um den blitzartigen Temperaturwechsel. Das klassische Aufheizen mit einem Brenner Ein Klassiker: Die Schraube des ABS Sensors ist festgerostet. Der Ausbau kann sich über Stunden ziehen. Thomas Vauderwange, Vauquadrat Die ersten echten Berührungen mit dem Werkstattalltag sammelte der Dipl.-Ing. (Univ.) Luftund Raumfahrttechnik, während der Entwicklung von Fahrwerkvermessungsgeräten für seinen früheren Arbeitgeber ATT (Att: gewachsen aus einem Joint-Venture der Otto Nussbaum GmbH & Co. KG und der Robert Bosch GmbH). Schnell stellte Vauderwange fest, dass festgerostete Verbindungen in diesem Zusammenhang ein großes Problem darstellen. Im Rahmen der Recherche stieß er bereits 2007 auf die schwedische Firma Alesco und deren Thomas Vauderwange, Geschäftsführer Vauquadrat Vauderwange vertreibt Alesco Geräte wie das A800. Induktionsgeräte. Schnell arbeitete er sich in die Materie ein, probierte aus. 2009 gründete er zusammen mit seiner Frau Claudia die Firma Vauquadrat GmbH Offenburg, ein Ingenieurbüro für Mess- und Umwelttechnik, sowie Sales- und Service-Niederlassung der schwedischen Firma Alesco für Deutschland, Österreich und die Schweiz. lässt das Material schrumpfen“, erklärt Vauderwange, der in seinem eigenen Testlabor bereits sehr viele Versuche gemacht hat. An sich geht es bei der Anwendung auch nicht darum, den Schraubenkopf oder das Gewinde zu erhitzen, sondern der innerlich verankerte Rost soll zersprengt werden. „Rostkaputtmachung“ ist der eigens von Vauderwange erfundene Fachbegriff. Ähnlich einem Induktionsherd wird die Wärme elektromagnetisch da erzeugt, wo sie wirklich gebraucht wird. Im Inneren des Metalls. Wer mitarbeitet, erkennt Bedarf Besonders beeindruckend ist das Verfahren bei einer eingepressten, äußeren Radlagerschale. Nach kurzer Induktion an zwei Stellen fällt der Ring aus der Nabe. „Die presse ich in der Regel mit zwischen acht und zehn Tonnen aus. Aber beeindruckend ist es schon“, sagt Rainer Stark. Bei einem täglichen Durchlauf von zehn bis 15 Fahrzeugen aller Marken und Baujahre mit drei Gesellen, einem Azubi und zwei Bürokräften sind die Starks gut aufgestellt. Seit der Das Alesco 800 kommt zum Einsatz. Der Kopf der Schraube glüht, Rost und Ablagerungen im Gewinde werden zersprengt. Gründung 1984 wurde der Betrieb immer auf modernem Stand gehalten. Dank der hohen Auftragslage gab es sogar einen Anbau. Allerdings gibt es hier keinen Chef, der im Büro sitzt. Alle arbeiten selbst an den Fahrzeugen und so fallen Probleme schnell auf. „Wir gönnen uns in Sachen Werkzeug und Spezialgeräte, was wir brauchen“, unterstreicht Rainer Stark und meint damit auch Dinge, die Abläufe im Werkstattalltag beschleunigen. Da wäre zum Beispiel das Thema Fahrwerkvermessung. Die kann im Nu erledigt sein – oder sich über Stunden ziehen. Dabei reden wir nicht von einem Softwarefehler, sondern zum Beispiel vom erschwerten Lösen der Spurstangen. Auch in diesem Bereich ist das Induktionsgerät nahezu ein Garant für planmäßige Arbeitsabläufe – und das fachgerecht, ohne durch Glühen den Vergütungsstahl zu schädigen. Dabei refinanziert sich das Alesco pro Einsatz mit 5,50 Euro auf der Rechnung, ein Betrag, mit dem Kunden und die Werkstatt gleichermaßen gut leben können. Anna Matuschek ■ Ergebnis: Nach wenigen Minuten Wartezeit bis zur Abkühlung kann die Schraube ganz einfach aus dem Gewinde gedreht werden. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 43

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WERKSTATTTECHNIK HEBETECHNIK Vom Smart bis zum Transporter Blitzrotary stellte auf der Autopromotec in Bologna neue Hebebühnen vor, darunter zwei elektromechanische Zweisäulenbühnen und eine elektrohydraulische Doppelscheren­Hebebühne. it den neuen Hebebühnen SPM40 und SPMA32 bringt Blitzrotary, ein Unternehmen der Vehicle Service Group (VSG), jetzt elektromechanische Zweisäulen-Hebebühnen auf den Markt. Die beiden Bühnen mit einer Tragkraft von 3,2 bzw. 4 Tonnen erweitern das Portfolio der elektrohy draulischen Zweisäulen- Hebebühnen. „Mechanische Zweisäulenbühnen werden bevorzugt in Vertragswerkstätten sowie in freien Werkstätten mit geringerer Deckenhöhe eingesetzt, wo hydraulische Bühnen aufgrund der Bauhöhe nicht aufgestellt werden können. Der Einsatzzweck ist bei der Zweisäulenbühne sehr universell – die meisten Reparatur arbeiten können auf dieser Hebebühne durchgeführt werden“, erläutert Jürgen Maier, Produktmanager Pkw-Hebetechnik. Universeller Einsatzbereich Kennzeichnend für die neuen Hebebühnen ist neben der geringen Säulenhöhe der flexible Aufnahmebereich. Jürgen Maier: „Es wurde wie bei den hydraulischen Rotaryhebebühnen ein Optimum zwischen Aufstellbreite und Tragarmlängen erarbeitet.“ Das Ergebnis: die SPMA32 mit asymmetrischer Bauweise ist auf maximale Durchfahrbreite und einen flexiblen Aufnahmebereich vom Smart bis zu großen Vans ausgelegt. Die SPM40 verfügt mit der symmetrischen Tragarmanordnung und langen Tragarmen über einen erweiterten Aufnahmebereich und eignet sich damit auch für größere Transporter sowie breite Pkw. KURZFASSUNG Bei Blitzrotary vervollständigen eine neue Doppelscheren­ sowie Zweisäulen­Hebebühnen das Pkw­Portfolio. Wolf­Erik Schmitt erklärt, warum die Nachfrage nach Zweisäulen­ sowie Fahrflächenhebebühnen derzeit groß ist. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Die mechanische Zweisäulenbühne SPM40 ist mit 4 Tonnen Tragkraft breit einsetzbar. Fotos: Blitzrotary, ASA Auch die Laufruhe kann sich sehen lassen, ist Jürgen Maier überzeugt: „Ein erprobtes und laufruhiges Spindelmuttersystem wird mit einer Herstellergarantie von fünf Jahren belegt.“ Denn rollgehärtete Spindeln und speziallegierte CNC gefertigte Bronzemuttern sorgen bei beiden Bühnen für die richtige Laufruhe. Auf den Hubmuttern befinden sich großzügige Frischöltanks, die immer den passenden Schmierfilm auf den Spindeln bereitstellen. Die Spindeln sind durch verschleißfeste Kunststoffbänder auch gegen Verschmutzung geschützt. Zwei leistungsstarke 3,5-kW-Motoren gewährleisten kräftigen Hub und schnelle Hub- und Senkzeiten. Die Anwendung ist dank beidseitig angebrachter Bedienteile mit Drucktasten (bei der SPMA32 optional) komfortabel und bequem. Als Zubehör stehen unter anderem eine Werkzeug- Ablageschale, ein Aufnahme-Kit für Kleintransporter oder Lieferwagen sowie ein Drehteller-Verlängerungs-Kit für Pkw zur Verfügung. Die im Mai in Bologna erstmals vorgestellten elektromechanischen Zweisäulen- Hebebühnen sind ab Lager verfügbar. Der www.autoservicepraxis.de

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Marktpreis für die 3,2 Tonnen Variante liegt bei 2.790 Euro (zzgl. MwSt., Fracht und Montage). „Wir sind mit der aktuellen Nachfrage sehr zufrieden, wobei die Nachfrage nach hydraulischen Bühnen deutlich höher ausfällt“, so Jürgen Maier. Unangefochtener Bestseller ist bei Blitzrotary aktuell die hydraulische Zweisäulenbühne SPOA3TS-5 mit einer Tragkraft von 3,5 Tonnen. NACHGEFRAGT Strategische Ausrichtung Als Teil der Dover Corporation und damit Teil eines börsennotierten Unternehmens ist VSG auf Wachstum ausgerichtet. Mit unserem aktuellen Produkt­Portfolio sind wir sehr gut aufgestellt und können die Anforderungen unserer Kunden umfassend abdecken. Der Fahrzeug­Service­Markt unterliegt jedoch einem ständigen Wandel. Was wir in den vergangenen 20 Jahren im Bereich der Fahrzeug­Entwicklung gesehen haben, werden wir in einem viel kürzeren Zeitraum (circa fünf Jahre) erneut sehen. VSG arbeitet daran, auch die zukünftigen Anforderungen markt­ und kundengerecht erfüllen zu können. Wolf-Erik Schmitt, Director of Strategic Marketing & IT – EMEA Anforderung Assistenzsysteme Generell sei die Nachfrage im Zweisäulen- Hebebühnenbereich derzeit am größten. „Hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis am günstigsten“, weiß Wolf-Erik Schmitt, Direktor strategisches Marketing & IT EMEA der VSG. „Eine starke Nachfragezunahme ist im Bereich der Achsmess- Hebebühnen zu verzeichnen. Viele Werkstätten investieren richtigerweise in diese Arbeitsplätze, die auch für die Justage der Fahrerassistenzsysteme und Scheinwerfereinstellung genutzt werden“, ergänzt Wolf- Erik Schmitt, der beim ASA-Verband auch die Funktion des Fachbereichsleiters Hebetechnik innehat. Denn um Fahrerassistenzsysteme und Scheinwerfer einstellen und justieren zu können, ist präzises Arbeiten unabdingbar. Die Anforderungen an die Werkstatttechnik steigen daher. Darin sieht der Experte auch eine zukünftige Herausforderung: „Im Reparaturbereich müssen wir unseren Kunden Hebebühnen zur Verfügung stellen, die es ihnen auch in Zukunft erlauben, alle Fahrzeuge anheben zu können und alle Arbeiten ausführen zu können.“ Auch im Transporterbereich ist ein aktueller Trend erkennbar. Denn der Kurier-, Express- und Paketmarkt wächst. „Seit einigen Jahren ist eine stetige Zunahme zu verzeichnen. Der freie Markt investiert häufig in eine 4,5 Tonnen Universalbühne, die auch die Aufnahme von Pkw erlaubt, wobei die Vertragswerkstätten mehr und mehr 5,5- oder 6,5-Tonnen-Bühnen anschaffen, um reine Transporter-Arbeitsplätze einzurichten“, so Wolf- Erik Schmitt. Für Limousinen und Vans Auf geänderte Anforderungen hat man sich auch mit der neuen elektro-hydraulischen Hebebühne DS35EXHG eingestellt. Sie wurde speziell auf Anfrage von BMW entwickelt. „Der Fahrzeughersteller setzt Doppelscheren-Hebebühnen in seinen Werkstätten weltweit seit Jahren bevorzugt ein, jedoch entsprachen die bisher am Markt Frischöltanks auf den Hubmuttern sorgen bei den neuen Zweisäulen-Hebebühnen für den passenden Schmierfilm auf den Spindeln. befindlichen Hebebühnen von der möglichen Plattformlänge nicht mehr dem aktuellen 7er (G12). So wurde die Aufnahme mit 2350 Millimeter Auszug kreiert, die ein sicheres Anheben auch dieser Fahrzeuge gewährleistet“, weiß Jürgen Maier, Produktmanager Hebetechnik Pkw. Die Doppelscheren-Hebebühne ist dank des langen Auszugs für lange Limousinen als auch für Fahrzeuge wie Volkswagen T5, Opel Movano oder Mercedes V-Klasse geeignet. Die serienmäßige Feuerverzinkung mit zusätzlicher Pulverbeschichtung sorgt für Korrosionsschutz und Langlebigkeit. Valeska Gehrke ■ Die DS35EXHG hebt jetzt auch den aktuellen 7er BMW. Günstig direkt vom Hersteller Inkl. kostenfreier Typenstatik Erdnagelbefestigung Reifenregale zu Top-Koditionen Verkaufspavillons für Gebrauchtwagenplätze Günstig und variabel durch Systembauweise Repräsentativ, modern, hochwertig Optisch individuell gestaltbar Auf Wunsch inkl. Bauantrag Reifenlagerhallen & Reifencontainer & Reifenregale Werkstatthallen und Direktannahmen ab 30 m 2 Günstig + variabel durch Systembauweise Inkl. kostenfreier Typenstatik Kurze Lieferzeiten Auf Wunsch inkl. Bauantrag Über 500 Referenzen im Automobilbereich Hacobau GmbH · 31785 Hameln · Tel. 0 51 51- 80 98 76 · info@hacobau.de · www.hacobau.de www.autoservicepraxis.de

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PRODUKTE HEBETECHNIK Schnell installiert Die neue hydraulische Zweisäulen­Hebebühne LHB­2.40 EPS, die Longus auf der Automechanika 2016 erstmals vorstellte, kommt im Markt gut an. „Die Nachfrage in Frankfurt war super und die Resonanz ist gut“, heißt es von Longus. Aktuell werden die ersten Bühnen mit dem neuen Plug­and­Play­System ausgeliefert. Die Hebebühne soll sich besonders schnell aufbauen lassen, da die Kupplungen verwechslungssicher sind sowie der Schalt/Steuerkasten nicht geöffnet werden muss. Da jede Säule über ein Hydraulikaggregat verfügt, ist keine mechanische oder hydraulische Verbindung zwischen den Säulen notwendig. Mit vier Tonnen Tragkraft und dem flexiblen Aufnahmebereich eignet sich die LHB­2.40 EPS für Fahrzeuge vom Smart bis zum Transporter (Radstand 4320 Millimeter). Zwei Sätze Tragtellererhöhungen für Transporter sind bereits im Lieferumfang enthalten. Für den Anwender steht an beiden Säulen ein Bedienelement zur Verfügung. Zudem soll die Bühne aufgrund elektronischer Messsysteme wartungsfrei sein, alle Sicherheitsfunktionen werden permanent selbst überwacht. vg ■ Longus GmbH www.longus.de Foto: Longus HEBETECHNIK Auch für Transporter Die steigenden Verkaufszahlen von Transportern führen auch zu Bedarf an entsprechender Werkstatteinrichtung. Mit der Auffahrscheren­Hebebühne ATH SH5000HA bietet ATH­Heinl eine Hebebühne mit einer Tragfähigkeit von fünf REINIGUNG Kein Auswringen mehr Die neue handgeführte Scheuersaugmaschine BD 30/4 C von Kärcher ist eine hygienische Alternative zur manuellen Reinigung mit Wischmopp und Eimer. Der bogenförmige Saugbalken ist direkt unter dem Bürstenkopf angebracht und folgt immer der Reinigungsrichtung. Er nimmt Schmutzwasser sicher auf und der Boden ist nach der Anwendung direkt AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Foto: ATH Heinl wieder trocken und begehbar, so der Hersteller. Der kompakte Lithium­Ionen­ Akku macht Einsatzzeiten von bis zu einer Stunde möglich. Nach zwei Stunden ist der Akku dann wieder vollständig geladen. vg ■ Alfred Kärcher GmbH & Co. KG www.kaercher.com Tonnen, die besonders für Transporter, auch mit langem Radstand, geeignet ist. Die Bühne ist aufgrund des Preis­Leistungsverhältnisses aktuell eines der meist verkauften Produkte bei ATH­Heinl, so das Unternehmen. Dabei lässt sie sich sowohl auf dem Boden (mit optionalen Auffahrschienen) oder auch bodeneben installieren. Auch die beiden neuen Scherenbühnen ATH Frame Lift 30 F und ATH Flex Lift 30 haben sich seit der Einführung im Januar 2017 gut etabliert. „Vor allem die erstmalig von uns eingeführte, feuerverzinkte Version der Kurzhub­Hebebühne ATH­Flex Lift 30FZ wurde bei unseren Kunden sehr positiv angenommen“, so Hans Heinl, Geschäftsführer von ATH­Heinl. vg ■ ATH-Heinl GmbH & Co. KG www.ath-heinl.de Foto: Kärcher www.autoservicepraxis.de

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DIAGNOSE-TABLET Sicher und robust WERKZEUG Neue Varianten IMPRESSUM ISSN NR. 1437-1162 Anschrift von Verlag und Redaktion Springer Automotive Media Springer Fachmedien München GmbH Aschauer Str. 30 · 81549 München Tel. 0 89/20 30 43-0 Fax Redaktion 0 89/20 30 43-12 18 Fax Anzeigen 0 89/20 30 43-12 40 http://www.autoservicepraxis.de Springer Fachmedien München GmbH ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Nature. Redaktion Herausgeber Dipl.-Ing. Jürgen Wolz (TÜV SÜD Auto Service GmbH), Lars Kammerer (TÜV SÜD Auto Service GmbH) Anschrift siehe Verlag Chefredakteur (V.i.S.d.P.) Dietmar Winkler (diwi) Tel. 0 89/20 30 43-27 92 Redaktion Valeska Gehrke (vg) Tel. 0 89/20 30 43-23 09 Alexander Junk (aj) Tel. 0 89/20 30 43-23 10 Online-Redaktion Ralf Padrtka (Leitung) Tel. 0 89/20 30 43-12 84 Thomas Maier Tel. 0 89/20 30 43-23 11 Frank Selzle Tel. 0 89/20 30 43-11 08 E-Mail: autoservicepraxis@springer.com Das neue A140­Tablet von Getac verfügt über ein brillantes, 14 Zoll großes Full HD Display und ist mit leistungsstarken i5 und i7 Prozessoren ausgestattet. Der Akku lässt sich während des laufenden Betriebs austauschen. Kennzeichnend sind eine Reihe an Sicherheitsfunktionen, um das Gerät vor möglichen Bedrohungen und unberechtigtem Zugriff zu schützen. Das Tablet wurde speziell für die robuste mobile Anwendung zugeschnitten, so dass extreme Temperaturen, Stürze, Staub oder Flüssigkeiten kein Problem darstellen. Für Techniker sind besonders die Bedienbarkeit mit Handschuhen, die gute Lesbarkeit des Displays sowie die multifunktionalen Trageund Befestigungsoptionen von Vorteil. vg ■ Getac Technology GmbH http://de.getac.com Dinosaurier Werkzeuge aus Hamburg präsentiert den neuen Umform­Profi­ Hammer HH 300 PHP2 (siehe Foto), wahlweise mit Eschen­ oder Bambusstil zum Nachrüsten. Der 71 Millimeter große Hammerkopf besteht nach wie vor aus dem besonders harten Lignum­Vitae (Guajak­Holz), das den hohen Ansprüchen der Blechumformung gerecht wird. Da dieses Tropenholz aber unter Naturschutz fällt, sind die verfügbaren Holzchargen begrenzt. Das Unternehmen stellt daher gleich eine Alternative aus Sonder­ Schichtholz vor: den HH 310 PHP4. Der Hammerkopf besteht jetzt aus speziell hergestelltem Sonder­Schichtholz, das nahezu das gleiche Gewicht erreicht wie Lignum­Vitae, so der Hersteller. Der Durchmesser des Hammerkopfs liegt bei Ständige Mitarbeiter Eva-Elisabeth Ernst, Martin Schachtner, Marcel Schoch, Dieter Väthröder, Erwin Wagner Gesamtleitung Herstellung Maren Krapp Tel. 0 89/20 30 43-14 18 Layout Diane Laudien Tel. 0 89/20 30 43-11 87 Verlag Geschäftsführer Peter Lehnert Tel. 0 89/20 30 43-22 54 Verlagsleiter Springer Automotive Media Ralph M. Meunzel Tel. 0 89/20 30 43-12 03 Anzeigen- und Marketingleitung Michael Harms Tel. 0 89/20 30 43-12 42 Anzeigenverkauf Sanja Klöppel Tel. 0 89/20 30 43-12 24 Birgit Zipfel Tel. 0 89/20 30 43-11 91 Fax 0 89/20 30 43-12 40 Marketing Alexandra Wutz (Fachliche Leitung) Tel. 0 89/20 30 43-21 05 Susanne Schwarzenböck Tel. 0 89/20 30 43-11 36 Fax 0 89/20 30 43-11 81 Anzeigenverwaltung Aylin Uysal Tel. 0 89/20 30 43-23 58 Gültig ist die Anzeigen-Preisliste ab 01.10.2016 Gelegenheitsanzeigen Doris Kester-Frey Tel. 0 89/20 30 43-11 33 E-Mail: kontakt.anzeigen@springer.com Foto: Getac 75 Millimetern, das höhere Gewicht erleichtert dem Anwender das Arbeiten. Der Stiel besteht aus Eschenholz. Mit dem HH 320 PHP5 steht der Profihammer aber auch als Variante mit gelenkschonendem Bambusstil zur Verfügung. vg ■ Foto: Dino Leitung Vertriebskoordination Fachzeitschriften Tatjana Sachenbacher Tel. 0 89/20 30 43-16 27 Online-Medien Ute Sauermann Tel. 089/20 30 43-22 18 (Produktmanagerin Portale SAM) Abo-Service Tel. 0 89/20 30 43-15 00 Fax 0 89/20 30 43-21 00 Sitz: Aschauer Str. 30 , 81549 München E-Mail: vertriebsservice@springer.com Der Verlag übernimmt keine Haftung für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotomaterial, daher besteht auch kein Anspruch auf Ausfallhonorar. Mit dem Autorenhonorar gehen die Verwertungs-, Nutzungs- und Vervielfältigungsrechte an den Verlag über, insbesondere auch für elektronische Medien (Internet, Datenbanken, CD-ROM). Es werden nur solche Manuskripte angenommen, die an anderer Stelle weder veröffentlicht noch gleichzeitig angeboten sind. 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KG DruckMedien Marktweg 42-50, 47608 Geldern Gerichtsstand und Erfüllungsort: München Handelsregister: Amtsgericht München HRB 110956 Angeschlossen der Informationsgemein schaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW), Sicherung der Auflagenwahrheit. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung. AUTO SERVICE PRAXIS veröffentlicht regelmäßig sämtliche im Verkehrsblatt abgedruckten Mitteilungen des Bundesministers für Verkehr, soweit diese für §29 StVZO relevant sind. AUTO SERVICE PRAXIS-Abonnenten verfügen damit über die im Sinne der AU-Anerkennungsrichtlinie erforderlichen Informationen und sind somit vom Bezug des ansonsten vorgeschriebenen Verkehrsblattes befreit. Bei der Springer Fachmedien München GmbH erscheinen auch die Zeitschriften AUTOHAUS, Autoflotte, GW-trends und Sprit+. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 47

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TÜV SÜD-AKTUELL Fragen an ... Thomas Sieber, Leiter Überwachungsorganisation TÜV SÜD AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Foto: TÜV SÜD Was bedeutet die Bremsprüfstandsrichtlinie für die Werkstätten? Die neuen Anforderungen beziehen sich auf Rollendurchmesser, Rollengeschwindigkeit und die sogenannte Livestream-Fähigkeit. Dabei wird per Schnittstelle eine automatisierte Übertragung der Messergebnisse in entsprechende Protokolle für Sicherheitsprüfung und Hauptuntersuchung verlangt. Je nachdem, welcher Bremsprüfstand heute im Einsatz ist, muss unter Umständen ein Austausch erfolgen. Für viele Geräte gibt es aber auch Nachrüstlösungen. Die Frage, wie in jedem Einzelfall vorzugehen ist, kann am besten der Hersteller selbst oder ein von ihm autorisierter Handelspartner beantworten. Zudem ist seit diesem Jahr auch die Kalibrierung von Bremsprüfständen erforderlich. Damit soll sichergestellt werden, dass die ermittelten Messergebnisse auch richtig sind. Über die ASA-Livestream-Schnittstelle soll sich auch der Prüfer anbinden können. Funktioniert das schon in der Praxis? Ja, das funktioniert. Dazu haben wir beispielsweise in Sachsen alle unsere Prüfstationen umgerüstet und pilotiert. Zurzeit wird der Rollout auf alle Stationen der TÜV SÜD Auto Service vorbereitet. Mittels ASA- Livestream ist es dem Prüfer bei der HU möglich, die gemessenen Bremskräfte mit einem PC in Echtzeit auszulesen. Was müssen Werkstätten tun, deren Prüfstand noch nicht der Richtlinie entspricht? Am besten wendet man sich zunächst an den Hersteller des Bremsprüfstandes. Denn nur der Hersteller kennt das Gerät und die technischen Möglichkeiten wie beispielsweise die der Nachrüstung. Ab Auslieferungsdatum 1.10.2011 sollten eigentlich alle neuen Bremsprüfstände vollständig den neuen Anforderungen an die Geräte entsprechen. Es wurden aber vereinzelt auch noch Geräte ohn ASA-Livestream-Schnittstelle verkauft. BREMSPRÜFSTÄNDE Neue Anforderungen Die 2011 veröffentlichte „Bremsprüfstandsrichtlinie“ gibt die Bauart neuer Bremsprüfstände vor. So muss der Rollendurchmesser für die Prüfung von Pkw mindestens 200 mm betragen. Auch Prüfgeschwindigkeit sowie der Reibwert der Prüfrollen sind festgelegt. Alle Geräte, die nach dem 1.10.2011 installiert wurden, müssen diese Vorgaben bereits erfüllen. Für ältere Prüfstände gibt es eine Übergangsfrist bis 31.12.2019. Spätestens ab 1.1.2020 müssen alle Bremsprüfstände mit einer Datenschnittstelle für die Hauptuntersuchung (HU) ausgestattet sein. Über die ASA- Livestream-Schnittstelle ist es dem Prüfer möglich, mit einem Notebook während der Prüfung Daten in Echtzeit auszulesen. Neue Anforderungen gibt es hinsichtlich der Überprüfung von Bremsprüfständen, die für die HU eingesetzt werden. Sie müssen durch einen akkreditierten Dienstleister nach europäischen ISO-Normen kalibriert werden. Die Kalibrierpflicht für Bremsprüfstände gilt bereits seit Anfang 2017. Die Kalibrierung ist zusätzlich zur Stückprüfung erforderlich und im Vergleich deutlich aufwendiger, weil zusätzliche Messwerte abgeglichen werden und die Messwerte auf Standardwerte zurückführbar sein müssen. Deshalb müssen auch die Gewichte für die Kalibrierung des Prüfstands selbst kalibriert sein. Um Messungenauigkeiten zu minimieren, sind aufwendige Messreihen vorgesehen. Verpflichtend ist zudem die Dokumentation der Werte in einem Kalibrierschein gemäß Vorgaben der DAkkS (Deutsche Akkreditierungsstelle). Mittlerweile haben die Hersteller für die meisten Bremsprüfstandstypen geeignete Kalibriermethoden entwickelt. Wie viele ältere Prüfstände in den Werkstätten ersetzt werden müssen kann nur geschätzt werden. Lieferengpässe können aber nicht ausgeschlossen werden. Thomas Sieber, der als Technischer Leiter der Überwachungsorganisation von TÜV SÜD auch für die Prüfmittel bei der Hauptuntersuchung in den Werkstätten verantwortlich ist: „Ursprünglich war vorgesehen, einen notwendigen Tausch der Bremsprüfstände bis spätestens 31.12.2019 zu verlangen. Damit sollte neben der Planungssicherheit für die Betriebe auch vermieden werden, dass es zu Lieferengpässen kommt. Dieser Plan wird aktuell durch die neue Anforderung einer Kalibrierung überlagert.“ Auf jeden Fall sei es zu empfehlen, sich umgehend mit der Thematik auseinanderzusetzen und die Umsetzung anzugehen. Foto: Dietmar Winkler Kalibrierung: Ein TÜV SÜD Experte misst zunächst den Rollendurchmesser des Bremsprüfstandes. www.autoservicepraxis.de

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IAA 2017 Motto: Passion, Trust, Future Mit einem multimedialen Standkonzept und zahlreichen Veranstaltungen präsentiert TÜV SÜD vom 14. bis 22. September auf der IAA in Frankfurt das breite Spektrum seiner Dienstleistungen für Werkstätten und Autohäuser. Der Messeauftritt in Halle 8 steht in diesem Jahr unter dem Motto „Passion-Trust-Future“. Auf dem digitalen Messestand erleben Besucher alle Facetten des Dienstleistungsspektrums von TÜV SÜD. Auf Großbildschirmen werden am Stand multimediale Inhalte wie Videos und Bilder gezeigt und sorgen für einen emotionalen Zugang zu hochaktuellen Themen wie Digitalisierung und automatisiertes Fahren. Zudem gibt es für Fachbesucher, aber auch an den Publikumstagen, ein anspruchsvolles und vielfältiges Rahmenprogramm am Messestand. Standbesucher erhalten Informationen zu aktuellen Themen wie das digitale Autohaus oder die Digitalisierung des Automobilhandels. Mit dem „Green Fleet Award“, der nachhaltige Flottenlösungen prämiert, und dem „Quality Award“, der Prüfstützpunkte mit der geringsten Mängelquote in den Mittelpunkt stellt, verleiht TÜV SÜD wieder zwei begehrte Branchenpreise. Ein weiteres Messehighlight: Zusammen mit asp AUTO SERVICE PRAXIS lädt TÜV SÜD am 18. und 19. September zum gemeinsamen Meet & Greet am Messestand und bietet ein spannendes Programm zu aktuellen Werkstattthemen sowie zum Bereich Classic Car. TÜV SÜD stellt das aktuelle Classic Barometer vor, das zeigt, wie die Fahrer von Old- und Youngtimern als Werkstatt-Kunden „ticken“. So wurde abgefragt, was Kunden von ihrer Werkstatt erwarten und welche Qualitätsansprüche sie an markengebundene oder freie Werkstätten haben. TÜV SÜD zeigt in Frankfurt zahlreiche digitale Lösungen für Werkstätten und Autohäuser. Ein besonderes Highlight: Erstmals wird das Konzept der mobilen Prüfbox (Blue Box) der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. (Zum Messeauftritt von TÜV SÜD siehe auch das Interview mit asp-Herausgeber Lars Kammerer auf Seite 52.) Leidenschaft für Mobilität – am Messestand von TÜV SÜD in Halle 8 ist das erlebbar. LADUNGSSICHERUNG LaSi-Folgeprüfung bei TÜV SÜD Die Ladungssicherung (LaSi) gehört zum kleinen Einmaleins in der Logistikbranche. Deutlich vereinfacht ist korrektes Laden in stabilen Aufbauten, die der Norm DIN EN 12642 Code Noch aktuell? Ansonsten schnell zur LaSi-Folgeprüfung Foto: TÜV SÜD Personalie Michael Bordich ist neuer Key Account Manager Truck & Bus Seit 1. Juli 2017 ist Michael Bordich neuer Key Account Manager Truck & Bus bei der TÜV SÜD Division Auto Service. In seiner neuen Funktion wird er die Dienstleistungen von TÜV SÜD an die definierten Kunden aus der Nutzfahrzeugindustrie vermarkten und somit das Truck & Bus-Geschäft strategisch weiterentwickeln. Der gebürtige Bremer und gelernte Seehafenspeditionskaufmann ist bereits seit 1990 in der Automobilindustrie tätig. Der 53-Jährige verantwortete diverse Aufgaben im Nutzfahrzeugvertrieb, wie beispielsweise das Key Account Management und die Verkaufsleitung bei namhaften Nutzfahrzeugherstellern. TÜV SÜD-Kontakt TÜV SÜD Auto Service Philip Puls Tel. 0 89/57 91-23 20, Fax -23 81 philip.puls@tuev-sued.de TÜV SÜD Auto Partner Thomas Gensicke Tel. 0 7 11/72 20-84 73, Fax -84 88 thomas.gensicke@tuev-sued.de Zentraler Vertrieb Tel. 07 11/7 82 41-246 vertrieb-as@tuev-sued.de Foto: TÜV SÜD XL entsprechen. Bei diesen Aufbauten nimmt die Konstruktion selbst Belastungen des Ladeguts beim Bremsen oder während der Kurvenfahrt auf. Viele Hersteller fordern inzwischen im Zuge der Produkthaftung eine zusätzliche Prüfung zur Hauptuntersuchung. Die so genannte Ladungssicherung-Folgeprüfung erfolgt alle 12 Monate und stellt sicher, dass der Aufbau noch intakt ist. Die LaSi-Folgeprüfung kann an jedem TÜV SÜD Service-Center für Nutzfahrzeuge oder durch die Sachverständigen im Außendienst in den Werkstätten oder Fuhrparks durchgeführt werden – am besten gleich im Turnus mit der Hauptuntersuchung. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 49

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BETRIEBSPRAXIS ÖLVERMARKTUNG Gelungene Partnerschaft Poot und Kueßner sind mit mehreren Betrieben in und um Köln gut aufgestellt. Nach der Bosch-Partnerschaft folgte die Petronas-Kooperation. asp AUTO SERVICE PRAXIS hat nach den Hintergründen gefragt. Das neue Petronas-Branding wurde im Rahmen der Partnerschaft realisiert. Fotos: Petronas as Konzept geht auf: 2.400 Quadratmeter Fläche, elf Mitarbeiter und die vier Namen Poot, Kueßner, Bosch und Petronas. Im April 2000 haben sich Andreas Poot und Stefan Kueß ner in Köln niedergelassen. „Ich bin Kfz-Sachverständiger, mein Partner Kfz- Meister. Eine ideale Symbiose“, erklärt Poot. Das seit 1950 bestehende Firmengelände übernahmen sie damals aus alteingesessener Hand, inklusive der Spezialisierung auf BMW. Der Wandel von der „kleinen, aber feinen“ Werkstatt zu einem KURZFASSUNG Mit der jüngst vereinbarten Partnerschaft zum Schmierstoff-Anbieter Petronas konnte der Kfz-Betrieb Poot und Kueßner seinen Betrieb modernisieren und bietet den Kunden nun auch Schmierstoffe des Herstellers AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Beim Thema Öl bis dato ungebunden Im Jahr 2015/2016 wurde nach umfangreichen Renovierungsarbeiten und kompletter technischer Neuausstattung eine weitere Filiale in Hürth bei Köln eröffnet. Hier wurden die Grundsteine für die neue Petronas-Partnerschaft gelegt. „Wir haben uns weder auf einen Schmierstoffpartner noch auf ein Außensignal festgelegt. Daher konnten wir flexibel das Petronas- Konzept mit einbinden. Wir wurden aktiv angesprochen. Es gab hierzu einige Besichtigungstermine, zum Beispiel aus Itahochmodernen Werkstattbetrieb ist erfolgreich gelungen. Einige Traditionen aus der alten Zeit hat man sich bis heute erhalten. „Als inhabergeführter Kfz-Meisterbetrieb steht für uns Kundennähe absolut an erster Stelle. Fachliche Kompetenz sowie ein sehr gutes Betriebsklima spiegeln sich letztlich in hoher Kundenzufriedenheit wieder“, unterstreicht Poot. Zweitbetrieb und Bosch-Partner Dieses Konzept führte dazu, dass 2005 eine Zweitniederlassung im Kölner Süden eröffnet werden konnte. Zwei Jahre später entstand eine Kooperation mit Bosch im Bereich Fahrzeugdiagnose und Ersatzteile als Modulpartner. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Geschäftsführer das Portfolio (neben der Spezialisierung auf BMW und Mini) bereits um einen Full-Service für alle Marken erweitert und sich zudem den Themen Karosserie, Lack und Aufberei- tung gewidmet. „Wir restaurieren auch europäische Oldtimer, das ist gut zur Erdung und vermittelt Azubis die alte Technik“, sagt Poot. Das Gros der Kundschaft bringt aber Alltagsautos. Und diese brauchen neben der HU/AU, die im Hause angeboten wird, natürlich auch Inspektionen und Ölwechsel. www.autoservicepraxis.de

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lien, dem Petronas-Europa-Hauptsitz. Die Voraussetzungen sind ähnlich wie bei Bosch. Das heißt, eine hochwertige und moderne Werkstattausstattung mit Bremsenprüfstand sowie entsprechend geschultes Personal. Darüber hinaus sollte die Werkstatt eine gewisse Größe haben und sich in einer guten Lage befinden. All diesen Ansprüchen konnten wir problemlos gerecht werden“, erläutert der Geschäftsführer. Nachdem der neue Standort in Hürth gründlich saniert wurde, startete die Kooperation. Für den Endkunden ist das seit 2016 sichtbar. Da Petronas bei vielen Konsumenten eher durch die Formel 1 und nicht als Öllieferant bekannt ist, war eine regelmäßige Aufklärung notwendig. Diese ist aufgrund regelmäßiger Schulung der Mitarbeiter aber kein Problem. Mit zwölf unterschiedlichen Petronas-Ölsorten können 90 Prozent der Fahrzeuge im Werkstattalltag bedient werden. Ein Team, bestehend aus zwei Kfz-Meistern, vier Gesellen, einem Azubi, einem Aufbereiter, sowie drei kaufmännischen Angestellten, ist auf alle Fragen der Kundschaft vorbereitet. Modernisierte Optik Den Vorteil der Kooperation für den Betrieb fasst Poot folgendermaßen zusammen: „Bestandteil der Petronas-Partnerschaft ist ein Werbekostenzuschuss, welcher in die weitere Modernisierung der Werkstatt investiert wurde. Darüber hinaus wurden die kompletten Kosten der Außensignalisierung und Petronas- Frischöltankanlage übernommen. Kernpunkte sind die in Verbindung mit Bosch angebotenen Schulungen sowie der direkte technische Zugang zu Herstellerinformationen. Im Gegenzug wurde eine faire jährliche Ölabnahmemenge, verteilt auf fünf Jahre, vereinbart.“ Auf den erzielten Umsatz möchte Poot nicht näher eingehen, jedoch ist klar: Den Wechsel mit von Kunden mitgebrachtem Öl verneinen Poot und Kueßner seit jeher. „Grundsätzlich lehnen wir Wartungen oder Reparaturen mit angelieferten Ersatzteilen ab. Gründe hierfür sind neben etwaigen Gewährleistungsrisiken auch eine betriebswirtschaftliche Mischkalkulation aus Löhnen und Ersatzteil-Erträgen“, unterstreicht er. Bisher sind die vier Namen gut gemeinsam gefahren – und das soll schließlich auch in Zukunft so bleiben. Anna Matuschek ■ Andreas Poot (links) und Stefan Kueßner haben sich als Petronas-Partner angeschlossen. Die Räumlichkeiten sind sauber und modern eingerichtet. Der Kunde steht im Mittelpunkt. INFOS ZUM KONZEPT An wen richtet sich die Initiative „Branded Workshops“ von Petronas? Ausschließlich an freie Betriebe. Wie sieht der ideale Partner aus? Welche Voraussetzung muss eine Werkstatt mitbringen? Der ideale Partner legt Wert auf eine qualitativ hochwertige Werkstattaustattung (beispielsweise bereits als Bosch-Partner) und hochwertige Schmierstoffe. Er ist nicht gebunden, gehört also weder einer Kette an, noch ist er markengebundener Vertragshändler. Zudem ist die Werkstatt an einer professionellen und ansprechenden Außendarstellung interessiert. Die Partner-Werkstatt möchte ihre Unabhängigkeit zudem nicht aufgeben, aber von der Unterstützung und auch den Weiterbildungsangeboten von Petronas profitieren. Was verspricht sich Petronas von der Partnerschaft mit Bosch? Die Ausstattung von Bosch untermauert den Qualitätsanspruch von Petronas. Bosch profitiert von dem Petronas-Netzwerk für ihre Produkte und Petronas durch die Markenbekanntheit von Bosch. Das ergänzt sich sehr gut. Gibt es ähnliche Partnerschaften mit anderen Ausrüstern? Nein. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 51

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BETRIEBSPRAXIS TÜV SÜD Volles Programm für die IAA Auf der IAA in Frankfurt ist TÜV SÜD mit einem multimedialen Standkonzept vertreten und zeigt das breite Spektrum seiner Dienstleistungen für Werkstätten und Autohäuser. ÜV SÜD ist auf der diesjährigen Automobilmesse IAA in guter Gesellschaft. Der Messestand ist in Halle 8 zu finden, wo auch die Automobilhersteller Renault, Toyota, Opel oder Hyundai für Publikumsandrang sorgen. Mit einem multimedialen Standkonzept und zahlreichen Veranstaltungen zeigt TÜV SÜD vom 14. bis 24. September einen Querschnitt aktueller und künftiger Themen. Über das Motto „Passion-Trust- Future“ sprachen wir mit Lars Kammerer, Leiter Marketing TÜV SÜD Auto Service. asp: Das Motto des diesjährigen Messeauftritts von TÜV SÜD auf der IAA lautet „Passion-Trust-Future“. Welche Idee steht dahinter? L. Kammerer: Das englische Wort „Passion“ heißt Leidenschaft und trifft damit ziemlich genau das, wofür die Mitarbeiter von TÜV SÜD tagtäglich stehen. Wir machen unseren Job mit Leidenschaft. Wer bei der Prüforganisation arbeitet, muss eine gewisse Begeisterung für das Thema Mobilität mitbringen. Die Aufgabe ist dadurch immer mehr als nur ein Beruf, sie ist Passion. Das Wort „Vertrauen“ (engl. Trust) erklärt sich von selbst: es ist in unserer DNA als Prüfdienst schon eingebaut. Unser Geschäft basiert auf Sicherheit und dem guten Gefühl, das die Kunden mitnehmen. Dahinter steht ein unglaubliches Vertrauen in die Marke TÜV SÜD. asp: Und das soll natürlich auch in Zukunft so bleiben ... L. Kammerer: …womit wir beim Motto „Future“ wären, genau. Wir begleiten un- KURZFASSUNG Beim Messeauftritt von TÜV SÜD auf der IAA in Frankfurt dreht sich alles um zukunftsweisende Themen. Unter dem Motto „Passion-Trust-Future“ werden viele digitale Dienstleistungen rund um die Themen Automobil, Handel und Service gezeigt. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 Foto: TÜV SÜD Lars Kammerer, Leiter Marketing TÜV SÜD Auto Service, startet zur IAA ein Themenfeuerwerk. sere Kunden seit 1866 – wir haben in diesem Jahr unser 150-jähriges Bestehen gefeiert. Die erste Fahrzeugprüfung fand 1906 bei unserem Vorgänger, dem Dampfkesselrevisionsverein, statt. Damals stand die Gesellschaft vor einem technologischen Umbruch. Heute erleben wir auch wieder einen entscheidenden Wandel, wir sprechen über Hochautomatisiertes Fahren und über E-Mobility. Und das sind nur zwei Beispiele für neue Felder, wo es dringend neue Sicherheitskonzepte geben muss. Wir helfen damals wie heute, aus Innovationen echten Fortschritt zu machen. asp: Was sind die Highlights am Messestand in diesem Jahr? L. Kammerer: Wir werden die Messebesucher mit einem ganz besonderen Standkonzept überraschen. TÜV SÜD präsentiert sein Leistungsspektrum mit einem digitalen Messestand, bei dem multimediale Inhalte wie Videos und Bilder auf Großbildschirmen transportiert werden. Keine Exponate, keine Glasvitrinen, es ist alles virtuell. Alle Facetten von TÜV SÜD werden durch diese multimediale Präsentation eindrucksvoll erlebbar. Dabei handelt es sich um Imagefilme, Produktpräsentationen, Videos zu Themen, die uns bewegen, aber auch Aussagen zu aktuellen Trends der Mobilität. Lassen Sie sich überraschen! asp: Aber mit echten Menschen kann man sicher auch sprechen? L. Kammerer: Natürlich sind auch unsere Mitarbeiter vor Ort und jederzeit Ansprechpartner für Besucher. Das Standpersonal ist mit Tablets ausgestattet, alle Informationen sind damit jederzeit und auf allen Endgeräten responsiv über die TÜV SÜD IAA Cloud abrufbar. asp: Welche Aktionen sind sonst noch an den Messetagen geplant? L. Kammerer: Es gibt ein vielfältiges und anspruchsvolles Rahmenprogramm am Messestand. So voll war der Terminkalender wohl noch nie: Wir veranstalten unter anderem Podiumsdiskussionen zu hochaktuellen Themen, die heute und morgen Das Wort Vertrauen erklärt sich von selbst, es ist in unsere DNA als Prüfdienst schon eingebaut. die Autobranche bewegen, beispielsweise das digitale Autohaus oder die Digitalisierung des Automobilhandels. Wir verleihen zwei Awards auf der IAA, haben einen Recruiting-Tag geplant und laden gemeinsam mit asp an zwei Tagen zu einem Meet & Greet am Stand. Zudem haben wir an den Publikumstagen spannende Thementage für die Messebesucher vorbereitet. asp: Was erwartet die Besucher bei den Meet & Greet-Veranstaltungen zusammen mit asp? www.autoservicepraxis.de

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L. Kammerer: Hier geht es um hochaktuelle Themen, die die Werkstätten bewegen. Vor allem wollen wir zu den Themen Scheinwerfereinstellgeräte und Bremsenprüfstände informieren. Dort gibt es für viele Werkstätten noch akuten Handlungsbedarf, um die Vorgaben an die Prüfgeräte und den Prüfplatz für die Scheinwerfereinstellprüfung zu erfüllen. Außerdem stellen wir das aktuelle Classic Barometer vor, das vor allem für Werkstätten interessant ist, die den Bereich Classic als Geschäftsbereich bedienen oder planen, in das Thema einzusteigen. Im Rahmen des Classic Barometers haben wir Kunden gefragt, was sie eigentlich von ihrer Werkstatt erwarten, welche Qualitätsansprüche sie haben und welche Gründe für den Besuch einer markengebundenen Werkstatt oder einer freien Werkstatt sprechen. Kurz, es geht um die Bedürfnisse der Zielgruppe in puncto Service, Restaurierung und Reparatur. asp: Welche Awards werden vergeben? L. Kammerer: Wir verleihen auch in diesem Jahr wieder den „Quality Award“. Damit werden Prüfstützpunkte ausgezeichnet, die die geringste Mängelquote bei der HU aufweisen. Eine geringe Quote ist ein Hinweis dafür, dass diese Betriebe in der Voruntersuchung besonders gut hingeschaut haben. Das bedeutet automatisch eine hohe Kundenzufriedenheit. Wir werden sechs Betriebe würdigen. Außerdem verleihen wir den „Green Fleet Award“ an Flottenbetriebe, die durch ein besonders nachhaltiges und umweltfreundliches Konzept überzeugt haben. Wir hatten auch in diesem Jahr wieder sehr spannende Bewerbungen, die durch die Fachjury bewertet wurden. asp: Welches Thema ragt in diesem Jahr auf der IAA heraus? L. Kammerer: Viele Themen wie etwa unser Blue Button im Bereich Schadenmanagement zahlen auf den Trend Digitalisierung ein. Wir zeigen viele digitale Lösungen, die Werkstätten und Autohäusern helfen, ihr Geschäft zu vereinfachen oder effizienter zu machen. Zudem werden wir erstmals unser Konzept der mobilen Prüfbox, die Blue Box, der breiten Öffentlichkeit vorstellen. Das Konzept ist virtuell bei uns am Stand zu erleben und ganz real bei einem Pilotbetrieb in Frankfurt. asp: Was gibt es zum Zukunftsthema Hochautomatisiertes Fahren zu sehen? www.autoservicepraxis.de MULTIMEDIAL Das Standkonzept von TÜV SÜD Alles in Bewegung – das passt gut zu einem Mobilitätsdienstleister wie TÜV SÜD. Am Messestand des Dienstleisters auf der diesjährigen IAA in Frankfurt von 14. bis 24. September werden multimediale Bildschirmpräsentationen einen emotionalen Zugang zu zukunftsweisenden Themen schaffen. Weitere Highlights am Messestand in Halle 8: ■ 15. Sept.: Verleihung Green Fleet Award und Verleihung Quality Award ■ 18. und 19. Sept.: Meet & Greet zusammen mit asp AUTO SERVICE PRAXIS zu Werkstattthemen L. Kammerer: Wir machen das Thema für unsere Messebesucher greifbar und erfahrbar. Am Messestand stehen unsere Fachexperten Rede und Antwort und wir werden im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Chancen und Risiken diskutieren. Wir wären nicht TÜV SÜD, wenn wir das Thema nicht ganz besonders unter dem Gesichtspunkt Sicherheit beleuchten würden. Um die Rahmenbedingungen für die Typzulassung zu definieren, bringen sich die Experten von TÜV SÜD in verschiedenen Projekten ein. Ein Beispiel dafür ist das Projekt PEGASUS des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), bei dem TÜV SÜD als einzige Prüforganisation vertreten ist. asp: Was ist Ihr persönliches IAA-Highlight? L. Kammerer: Ich werde mir auf der Messe – soweit es die Zeit erlaubt – die E-Mobility-Konzepte der deutschen Premiumhersteller anschauen. Ich bin sehr gespannt, was es in diesem Bereich Neues gibt. Dietmar Winkler ■ Aus Altersgründen zu verkaufen: Reifendienst / Kfz-Werkstatt alt eingesessen, überregional bekannt, mit Wohnungen (Südhessen) • großes Areal in bester Verkehrslage • 5-6 Wohnungen/Büros • Verkaufsraum, 2 Werkstätten mit 6 Bühnen und 2 Gruben, komplett eingerichtet (ca. 500 qm) • bestens eingeführter, langjähriger Kundenstamm Preis: € 1,25 Mio. Zuschriften unter Chiffre 113830358 an: asp AUTO SERVICE PRAXIS, Anzeigenabt., Aschauer Str. 30, 81549 München oder kontakt.anzeigen@springer.com

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BETRIEBSPRAXIS GEBINDEGRÖSSEN Die richtige Ölvorsorge Wie viel Motorenöl sollte ein Betrieb bevorraten und mit welchen Spezifikationen? Für die Lagerung von Motorenölen gibt es zahlreiche Gebindegrößen. ExxonMobil hat mit der MobilBoxx eine findige Lösung parat. ie Eisdiele am Eck bestellt das Eis nach Wettervorhersage. Schönes Wetter, viel Eis, am besten alle Sorten. Im Werkstattalltag sieht die Sache anders aus. Eine langfristige Planung ist nötig, um die Margen hoch zu halten und jederzeit arbeitsfähig zu sein. Das richtige Pricing ist wichtig, weil viele Autohalter bereit sind, für den günstigeren Ölwechsel durchaus ein paar Kilometer weiter zu fahren. Öl muss richtig verkauft werden Das dürfte mitunter daran liegen, dass laut DAT-Report 43 Prozent der Autohalter keinen Wert auf eine besondere Ölmarke KURZFASSUNG Für Werkstätten ist die vorausschauende Bevorratung von Motorenöl wichtig. Die passenden Gebindegrößen sind genauso entscheidend wie die für die jeweilige Kundschaft passenden Spezifikationen von Motorenölen. MobilBoxx: Mit Hilfe des Auslasshahns kann das Öl genau dosiert werden. Foto: ExxonMobil AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 www.autoservicepraxis.de

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legen. Somit ist es auch fast nicht verwunderlich, dass Kunden Werkstätten mit Dumping-Preisen aus dem Internet konfrontieren oder gleich zum nächsten Schnellservice ohne Filterwechsel fahren. Dabei weiß mehr als ein Drittel der Autofahrer gar nicht, welches Öl in den Motor gehört. Hier können Werkstätten ihre Kundschaft unterstützen und dabei langfristig deren Verständnis erarbeiten. Besonders hohen Aufklärungsbedarf haben Frauen, die im Durchschnitt zu 61 Prozent nicht wissen, welches Schmiermittel ihr Auto braucht beziehungsweise welches am besten geeignet ist. 5W-30 ist Verkaufsschlager Die stärkste Nachfrage von Großabnehmern bei Anbietern wie Liqui Moly und Fuchs Schmierstoffe ist immer noch die Spezifikation 5W-30 (Liqui Moly: Top Tec 4200 5W-30, Fuchs: Titan GT1 Pro C-3 5W-30). Auf Platz zwei folgt bei Liqui Moly das teilsynthetische 10W-40. Das erklärt sich aus dem durchschnittlichen Fahrzeugalter auf deutschen Straßen, das bei stolzen 9,3 Jahren liegt. Für die Werkstatt heißt das: Eine gewisse Menge Öl der Spezifikation 0W-30 oder 0W-40 sollte im Ölregal ebenso wenig fehlen wie ein viskoseres 15W-40, welches bei älteren Fahrzeugen zum Einsatz kommt. „Bei einem Jahresvolumen von bis zu 3.000 Litern pro Jahr (entspricht ca. 600 Ölwechseln) empfiehlt sich ein Ölvorrat von ca. 1.360 Litern“, rät Norbert Schell, Leiter Marketing Services Fuchs Schmierstoffe GmbH. Was sich zunächst viel anhört, ergibt eine durchschnittliche Anzahl von 2,6 Ölwechseln pro Tag (bei 230 Arbeitstagen pro Kalenderjahr) oder 2,1 bei einer Sechs- Tage-Woche. Um nicht ständig nachbestellen zu müssen, gilt es, einen gewissen Vorrat im Betrieb zu haben. Fuchs empfiehlt das PRO C-3 im 1000-Liter-Frischöltank, dazu ein Fassregal mit 6x60 Litern und ein Verkaufsdisplay mit 1-Liter-Dosen für den Endverbraucher. Liqui Moly bietet Mehrzwecktanks zwischen 705 oder 1.000 Litern an und empfiehlt die Lagerung im Ölregal mit 20- oder 60-Liter-Fässern. Bei beiden Anbietern handelt es sich um einen Auszug aus dem Produktportfolio. Ölvorrat in der Plastikblase Einen klaren Nachteil bieten „feste Verpackungen“: Egal ob voll oder leer, sie sind immer gleich groß und nehmen dementsprechend kostbaren Platz weg. Schmierstoffproduzent ExxonMobil bietet mit der MobilBoxx eine alternative Verpackungslösung für Motorenöl. Ähnlich wie bei einem Weinkarton wird der Inhalt in einem Kunststoffbeutel gelagert und von einem Pappkarton umschlossen. Die Box ist ausschließlich als zwanzig Liter Gebinde erhältlich. Zum einen bringt das Vorteile des besseren Handlings, aber auch den Nachteil, dass nach vier bis fünf Ölwechseln ein neuer Behälter geöffnet werden muss. Umweltfreundliche Lösung „Ein Regal ist integraler Bestandteil der MobilBoxx – darin lassen sich sechs Boxen bequem, übersichtlich und ordentlich auf kleinstem Raum platzieren“, sagt Alex Rennpferd, Marketingspezialist für Autoschmierstoffe bei ExxonMobil. Dank des integrierten Auslaufhahns könnten die Schmierstoffe dort auch direkt abgegeben Die Blase im Karton kann komplett ausgedrückt werden, dadurch geht kaum etwas als Rest verloren. werden. Dies sei ein bedeutender Vorteil gegenüber 60-Liter-Fässern, für die noch eine extra Abnahmevorrichtung benötigt werde, hebt Rennpferd hervor. „Wir haben Kunden, die sagen, dass Sie durch die MobilBoxx nur noch ein Drittel der bisherigen Lagerfläche für ihre Schmierstoffe benötigen“, erklärt der Marketingspezialist. Natürlich kann das MobilBoxx-System auch als Ergänzung zur Containeroder Fasslösung dienen. Als weiteren Karton statt Fass: 20 Liter passen in die Bag-in-Box-Lösung Vorteil nennt Exxon- Mobil den Umweltaspekt. Schließlich seien die neuen Verpackungen einfach zu entsorgen und die Gefahr von Leckagen ist durch den Aufbau mit der Kunststofftüte im Pappkarton deutlich minimiert. Dass dieses System bereits einen großen Fankreis hat, zeigt der Absatz der Scholle IPN, einem Weltmarktführer bei flexiblen Verpackungslösungen mit Hauptsitz in Northlake, Illinois. Seit der Einführung des Bag-in-Box-Produktes im Jahr 2008 wurden bereits 25 Millionen Stück der preisgekrönten Verpackung ausgeliefert. Den Vorteil der Bag-in-Box sieht man hier nicht nur im kleineren Volumen beim Restmüll, sondern auch bei der effektiveren Entleerung. Dadurch, dass die Blase per Hand komplett ausdrückbar ist, verbleibt kein Öl im Behälter. Das ist bei einem schweren Fass kaum möglich. „Die Nachfrage nach der Bag-in- Box ist langsam nach Deutschland geschwappt. Scholle IPN bietet hier auch viele Lösungen für die Lebensmittelindustrie. Aber natürlich braucht Öl einen anderen Zapfhahn als Apfelsaft. Darauf sind wir ebenso spezialisiert wie auf die Beutel. Für Inhalt und Kartonage sind andere zuständig“, erklärt Thomas Hoffmann, Ansprechpartner für Scholle IPN Deutschland St. Leon-Rot. Zu den Auftraggebern gehören Konzerne wie Penzoil, Shell oder Ravenol. Das System Bag-in-Box wird sicherlich auch hier zu Lande eine große Käuferschicht finden, Platzressourcen schonen und die Abfallmenge reduzieren. Anna Matuschek ■ ACHTUNG TRAGLAST Während vor der Montage von Hebebühnen oder anderen Arbeitsflächen im Zweifel ein Fachmann hinzugezogen wird, ist man beim Betrieb der Lagerflächen meist auf sich alleine gestellt. Wenn die Vorrats-Lagerfläche für Ölbehältnisse eingerichtet werden soll, ist es ratsam vorab die Traglasten von Böden und Regalen abzuklären. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, ob der Boden unterkellert ist oder nicht. Auch die Voraussetzungen des Bodenbelages müssen geeignet sein. Sollte sich eine Werkstatt zum Beispiel für die Lagerung im Karton entscheiden, können schnell 600 Kilogramm pro Quadratmeter auf den Boden drücken (bei drei mal 20-Liter-Stapeln). www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 55

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BETRIEBSPRAXIS HAFTUNG Wenn mal was schiefgeht Es kann in der besten Werkstatt passieren, dass eine Reparatur einmal nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Der Kunde hat dann mehrere Optionen. Tipps von der Kanzlei Rath, Anders, Dr. Wanner & Partner WPG. Foto: adobe stock/pressmaster, RAW achdem wir den Lesern in Ausgabe 5 der asp AUTO SERVICE PRAXIS einen kleinen rechtlichen Leitfaden rund um die Kfz-Reparatur an die Hand gegeben haben, möchten wir nun zeigen, welche Konsequenzen auf Betriebe zukommen können, falls bei der Reparatur doch einmal etwas schiefgehen sollte. Da man als Inhaber rechtlich gesehen mit dem Kunden einen Werkvertrag geschlossen hat, bei dem eine erfolgreiche Leistung geschuldet wird, muss der Werk- KURZFASSUNG Um im Falle einer missglückten Reparatur professionell zu reagieren, sollte man die Rechte des Kunden und die eigenen Pflichten genau kennen. Für solche Fälle gibt es klare Regelungen und eine Einigung ist allemal besser als ein Rechtsstreit. AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 stattinhaber bei nicht fachgerechter Reparatur wegen Sachmängelhaftung für alle Mängel einstehen, die nach der Abnahme durch den Kunden gemeldet werden. Doch was bedeutet das nun genau? Option 1: Abnahme verweigern Sollte der Kunde bereits bei Abholung des Fahrzeugs einen Mangel entdecken, so kann er entweder die Kfz-Abnahme verweigern oder die Rechnung „unter Vorbehalt der Rückforderung“ bezahlen. Verweigert er die Abnahme, so bleibt das Fahrzeug zur Behebung des Mangels zunächst in der Werkstatt. Man kann als Werkstattinhaber theoretisch zwar die Begleichung der Rechnung und die Abnahme des Fahrzeugs verlangen. Jedoch muss man dann auch beweisen, dass die Reparaturarbeiten mangelfrei durchgeführt worden sind. Fällt dem Kunden der Mangel erst später auf, so hat er der Werkstatt diesen Mangel so schnell wie möglich mitzuteilen. Grundsätzlich haben Kfz-Werkstätten in ihren AGB die Sachmängelhaftung auf ein Jahr verkürzt. Diese Verkürzung ist auch weiterhin nach den angepassten Kfz-Reparaturbedingungen des ZDK zulässig. Werkstätten müssen also für alle Mängel einstehen, die innerhalb von einem Jahr nach der Abnahme durch den Kunden festgestellt werden. Sollte sich in den AGB eine solche Regelung über eine verkürzte Verjährungsfrist nicht finden, gilt sogar die gesetzliche Frist von zwei Jahren. In diesem Zusammenhang sei angemerkt: Einen Mangel, der innerhalb des ersten bzw. zweiten Jahres aufgetreten ist, aber erst danach gemeldet wurde, muss die Werkstatt nicht beheben! www.autoservicepraxis.de

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Nachbesserung Sobald der Werkstatt ein Mangel mitgeteilt wurde, muss der Kunde dem Betrieb zunächst innerhalb einer angemessenen Frist die Möglichkeit zur Fehlerbehebung geben. Normalerweise beträgt diese Frist bei kleineren Mängeln circa 3 Tage, bei größeren Reparaturen kann sie aber auch bis zu 14 Tage betragen. Bei der Nachbesserung muss die Werkstatt den Fehler kostenfrei beheben. Doch Vorsicht, dies kann schnell teuer werden, da man als Werkstattinhaber auch etwaige Zusatzkosten wie den Transport, Arbeitsaufwand, Material und auch eventuelle Kosten für Gutachter und Rechtsanwälte, die im Zuge der Suche nach dem Mangel anfallen, tragen muss. Sollte auch dieser Nachbesserungsversuch nicht gelingen, so muss der Kunde erneut eine Möglichkeit zur Reparatur einräumen. Jedoch ist nach einer erfolglosen zweiten Nachbesserung dem Kunden ein Abwarten nicht mehr zumutbar und die Reparatur gilt als fehlgeschlagen. Der Kunde hat dann zwei Möglichkeiten: Er kann entweder vom Vertrag zurücktreten oder eine Minderung verlangen. Wann kann man zurücktreten? Ein Rücktritt vom Vertrag ist für den Kunden jedoch nur bei erheblichen Mängeln möglich. Ein erheblicher Mangel liegt grundsätzlich dann vor, wenn die Fahrtüchtigkeit oder -sicherheit des Fahrzeugs beeinträchtigt ist oder wenn mehrere Mängel zusammentreffen. Teilt der Kunde der Werkstatt den Rücktritt ausdrücklich mit, muss der Betrieb den gezahlten Werklohn zurückerstatten, darf aber im Gegenzug dazu die eingebauten Teile demontieren und zurücknehmen. Sollte dies nicht möglich sein, hat die Werkstatt einen Anspruch auf Wertersatz! Da die bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführten Arbeiten der Werkstatt nicht wertlos sind, weil beispielsweise bestimmte Fehlerursachen ausgeschlossen werden konnten, hat die Werkstatt immer noch einen Vergütungsanspruch für diese bereits getätigten Oberste Devise muss es sein, mit dem Kunden professionell umzugehen. Der macht sonst seinem Ärger Luft. Arbeiten. Man muss dann aber beweisen, wie viel die bisherige Arbeit objektiv Wert gewesen ist, um den Anspruch gegenüber dem Kunden durchzusetzen. Werklohnminderung Da sich ein Rücktritt aus technischer Sicht oft schwierig gestaltet, wird der Kunde wohl meist eine Minderung des Rechnungsbetrags verlangen. Hierzu muss er gegenüber der Werkstatt den Mangel genau bezeichnen und erläutern, wie viel weniger er deswegen zu zahlen bereit ist. Schadenersatz Sollten aufgrund der mangelhaften Reparatur weitere Schäden entstanden sein oder der Kunde beispielsweise einen Unfall verursacht haben, so könnten Schadenersatzansprüche auf die Werkstatt zukommen. Diese Schadenersatzansprüche bestehen jedoch nur, wenn die Werkstatt schuldhaft gehandelt hat. Da Werkstätten in der Regel ihre Haftung beschränkt haben, ist die Haftung für leichte Fahrlässigkeit meist ausgeschlossen. Der Werkstattinhaber muss jedoch beweisen, dass er nicht schuldhaft gehandelt hat. Ein Schadenersatzanspruch kann insbesondere auch dann entstehen, wenn die Werkstatt eine gebotene Hinweispflicht auf eine Rückrufaktion des Herstellers unterlässt. Ein derartiger Rechtsstreit wurde vor Kurzem vom Oberlandesgericht Hamm entschieden. In diesem Fall hatte eine Kfz- Werkstatt ihre Kundin nicht über eine verkehrssicherheitsrechtliche Rückrufaktion des Herstellers informiert. Als die Kundin Inspektionsarbeiten bei der Werkstatt in Auftrag gibt, behebt diese den verkehrssicherheitsrechtlichen Fehler nicht und führt somit fehlerhafte Reparaturarbeiten durch. Die Kundin erleidet aufgrund dieser mangelhaften Reparatur einen Unfall. Für den hieraus entstehenden Schaden hat die Kfz- Werkstatt einzustehen und ist gegenüber der Kundin schadenersatzpflichtig. Eine wirksame Einbeziehung der AGB in jeden Werkstattauftrag ist das A und O, da nur so die Haftung für einfache Fahrlässigkeit ausgeschlossen werden kann. Maximilian Appelt Rechtsanwalt, Steuerberater muc@raw-partner.de ■ KOMMENTAR Eine fehlerhafte Reparatur ist für alle Beteiligten eine nervige Angelegenheit. Wie in den meisten Lebenslagen muss aber oberste Devise sein, souverän mit dem Kunden umzugehen und die Situation zur beiderseitigen Zufriedenstellung zu meistern. Gerade in Zeiten, in denen sich Kunden immer mehr im Internet informieren und ihre Entscheidung für oder gegen eine Kfz- Werkstatt davon abhängig machen, ob der Betrieb gute Bewertungen im Internet hat, können unzufriedene Kunden, die ihrem Ärger zu Recht oder zu Unrecht, das bleibt mal dahingestellt, freien Lauf lassen, zu erheblichen Ertragseinbußen beitragen. www.autoservicepraxis.de Barbara Lux-Krönig, Wirtschaftsprüferin Steuerberaterin Pultdachhalle Typ PD3 (Breite: 20,00m, Länge: 8,00m) • Höhe 4,00m, Dachneigung ca. 3° • mit Trapezblech, Farbe: AluZink • inkl. imprägnierter Holzpfetten • feuerverzinkte Stahlkonstruktion • incl. prüffähiger Baustatik Mehr Infos Aktionspreis € 12.990,- ab Werk Buldern; excl. MwSt. Schneelastzone 2, Windzone 2, a. auf Anfrage www.tepe-systemhallen.de · Tel. 0 25 90 - 93 96 40

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BETRIEBSPRAXIS FAHRERASSISTENZSYSTEME Sicherheit zum Nachrüsten Mit Mobileye lassen sich auch ältere Fahrzeuge mit verschiedenen Fahrerassistenzsystemen wie Abstandswarner oder Verkehrszeichenerkennung ausstatten, was die Sicherheit erhöht und Unfälle reduziert. Das Testauto von Mobileye zeigt die Palette unterschiedlicher Fahrerassistenzsysteme. ahrerassistenzsysteme wie Abstandswarner, Spurhalteassistent oder Fußgängerwarner gehören in neuen Automobilen entweder zum Serienumfang oder sind optional erhältlich. Doch auch ältere Fahrzeuge können mit dem System Mobileye 6 des gleichnamigen israelischen Herstellers nachgerüstet werden. Ein einträgliches Geschäft für Werkstätten, die das System für rund 500 Euro netto einkaufen und ihrem Kunden für 990 Euro inklusive Mehrwertsteuer und Einbau anbieten können. Der praktische Nutzen ist erwiesen: Die Nachrüstung des 8.500 Fahrzeuge umfassenden Außendienstes von Coca Cola in Osteuropa reduzierte die Unfälle um mehr als 50 Prozent. Das ist nicht nur für Flottenbetreiber, sondern auch für Privatkunden interessant. Einbau unter einer Stunde Zwei wesentliche Komponenten sind für die Funktion von Mobileye verantwortlich: Das Hauptgerät mit Kamera und die Anzeige- und Steuereinheit. Optional ist die „E-Box“ für die Verbindung mit dem CAN-Bus erhältlich. Diese stellt sicher, dass Mobileye 6 in jedem Fahrzeug instal- AUTO SERVICE PRAXIS 07-08/2017 liert werden kann. Ebenfalls optional ist der „EyeCAN“, ein Werkzeug, mit dem das System während der Installation konfiguriert und kalibriert werden kann. Die Elektronik des Automobils, in dem Mobileye 6 eingebaut werden soll, muss diverse Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem sollte das Auto eine Eingangsspannung von 12 bis 36 Volt und eine Leistungsaufnahme mit einem Nennwert von 5,2 Watt unterstützen. Das Hauptgerät mit der Kamera sollte vorzugsweise an der oberen Kante der Windschutzscheibe montiert werden. Zudem sollte beachtet werden, dass dies in einer Höhe von mindestens 1,20 Meter geschieht und dieser Bereich vom Scheibenwischer abgedeckt wird. Das System wird in der Scheibenmitte angebracht, idealerweise im Bereich des Rückspiegels. Wichtig ist zudem, dass das Gerät die Sicht des Fahrers nicht behindert. Gleiches gilt natürlich für das Anzeigeinstrument, das auch im optimalen Sichtbereich des Fahrers montiert sein sollte. Denn Mobileye 6 warnt den Fahrer nicht nur akustisch, sondern auch visuell – beides für die optimale Funktion essentiell. Nach der Montage kann über einen Lap- Fotos: Dietmar Stanka, Mobileye top eine Verbindung mit dem Hauptgerät hergestellt werden und dessen Funktionsweise überprüft werden. Für die Justierung der Kamera ist eine Höhenmessung erforderlich. Über die Software von Mobileye lässt sich anhand der letzten sechs Ziffern der Fahrgestellnummer das entsprechende Automodell heraussuchen. Nach der Eingabe der gemessenen Höhen kann die Kalibrierung des Systems gestartet werden. Die Kalibrierung kann auf zwei Wegen erledigt werden: Über einen Messstab mithilfe der Software oder über eine automatische Kalibrierung während einer fünf bis zehn Minuten dauernden Fahrt. Danach muss über eine Schritt-für-Schritt-Erklärung die Alarm-Funktion konfiguriert werden. Eventuelle Fehlermeldungen oder Fehlfunktionen können mittels einer einfachen Anleitung problemlos behoben werden. Der gesamte Einbau inklusive Kalibrierung soll laut David Bessent, verantwortlich für den technischen Service von Mobileye Europa, in weniger als einer Stunde passiert sein. Nach der Inbetriebnahme stehen eine vorausschauende Kollisionswarnung, Geschwindigkeitsbegrenzungsanzeige, Verkehrszeichenerkennung, Abstandsüberwachung, Fußgängerkollisionswarnung einschließlich Fahrraderkennung und ein Spurhalteassistent zur Verfügung. Dietmar Stanka ■ Fußgänger voraus: Mobileye erkennt Gefahren und warnt den Fahrer optisch und akustisch. www.autoservicepraxis.de

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© phanuwatnandee/stock.adobe.com 23. und 24. Oktober 2017 in Dresden Information und Anmeldung unter www.autohaus.de/schadenforum2017 13. AUTOHAUS SCHADENFORUM K&L FÜR HANDEL UND FREIE BETRIEBE: KÖNNEN HERSTELLER AUCH SCHADEN? 23. und 24. Oktober 2017 in Dresden Fachliche Leitung: Walter K. Pfauntsch (l.), Presse + PR Pfauntsch und AUTOHAUS SchadenBusiness Moderation: Patrick Neumann (r.), stellv. Chefredakteur AUTOHAUS HUK-Coburg und Innovation Group bestimmten die Branchen-Diskussionen der letzten Jahre. Doch was leisten eigentlich die Hersteller und Importeure für ihre eigenen Autohäuser? Der gesamte OEM-Markt hüllt sich da seit geraumer Zeit in einen Mantel des Schweigens. Ein Vorzeichen auf das, was morgen mit eCall und Datenhoheit zur Marken-Allmacht in Sachen eigener Schadenslenkung werden kann? Das 13. AUTOHAUS Schadenforum am 23. und 24. Oktober in Dresden wird dieser Frage mit exklusiven Talkgästen aus der Automobilwirtschaft, der Kfz-Assekuranz und aus dem Flottenmarkt nachgehen! Unter anderem wird zu klären sein, ob Hersteller und Importeure überhaupt dem (guten) Beispiel von Opel folgen und auch freie K&L-Betriebe bei der Reparatur unterstützen. Schließlich schreiben Leasingfirmen und Schadensteuerer heute vielfach über ihr Weisungsrecht auch andere Werkstätten bei der Unfallinstandsetzung vor. Wer gewinnt, wer verliert mit autonomen Fahrzeugen? Welchen Anspruch also haben die OEM, ihre Captive-Versicherungen und Leasinggesellschaften, welche Erwartungen herrschen im übrigen Versicherungs- und Flottenmarkt sowie in der freien Teile- und Werkstattwelt? Braucht man im „autonomen“ Zeitalter des (fast) unfallfreien Autos überhaupt noch „Fremdversicherer“ oder managen Hersteller künftig auch die Risiken selbst, wie es Volvo vorhat? Und werden in dem neu verteilten, in wenigen Jahren grundlegend veränderten Markt die Dienstleister rund um den Schaden noch eine Perspektive haben? Das 13. AUTOHAUS Schadenforum birgt also genügend Zündstoff – und jeder Besucher darf sich aktiv an den Talkrunden beteiligen! Sichern Sie sich deshalb frühzeitig Ihren Platz oder gehören Sie mit zu den Ausstellern und Sponsoren dieses hochkarätigen Branchentreffs: Unter www.autohaus.de/schadenforum2017 können Sie sich direkt anmelden.

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DAS SUPERTOOL für die Praxis rund um Werkstatt und Service asp-Magazin Werkstattinfos, Reportagen und Praxisbeispiele iele für Ihr Geschäft asp-App mobil immer bestens informiert: News, Heftarchiv, ePaper und mehr Digitales Heftarchiv alle Artikel der letzten 9 Jahre ePaper für den digitalen italen asp-Nutzer: digital.autoservicepraxis.de Newsletter alles Wichtige tagesaktuell Rückruf- Datenbank alle Infos auf einem Blick Weiter lesen Extra-Hefte wie „Räder & Reifen“ und „Freier Teilemarkt“ asp informiert Sie praxisnah und tages aktuell über alles, was der Werkstattprofi braucht. www.autoservicepraxis.de ist eine Marke von:

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autoservicepraxis.de | autohaus.de Zusätzlich in dieser AUTO SERVICE PRAXIS Ausgabe: SPEZIAL Freier Teilemarkt Sommer 2017 16 Eigenmarken Warum der Teilehandel mit eigenen Marken Erfolg hat 37 Datenplattform Caruso Wie aus Fahrzeugdaten Geschäftsmodelle werden 45 Designschutz Eine europäische Allianz will das Monopol brechen ASP SPEZIAL Freier Teilemarkt 2017 Eigenmarken: Warum der Teilehandel mit eigenen Marken Erfolg hat Datenplattform Caruso: Wie aus Fahrzeugdaten Geschäftsmodelle werden Designschutz: Eine europäische Allianz will das Monopol brechen [ mehr ... ] zum ASP Inhalt Sie haben Fragen zum AUTO SERVICE PRAXIS ePaper? Unser Vertriebsservice hilft Ihnen gerne weiter! vertriebsservice@springer.com 089 / 203043 - 1500

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SPEZIAL Sommer 2017 autoservicepraxis.de | autohaus.de Freier Teilemarkt 16 Eigenmarken Warum der Teilehandel mit eigenen Marken Erfolg hat 37 Datenplattform Caruso Wie aus Fahrzeugdaten Geschäftsmodelle werden 45 Designschutz Eine europäische Allianz will das Monopol brechen

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Die Werkstattmessen 2o17 Erstmals 4 Messestandorte – mit jeweils 3 tollen Messetagen Gern begrüßen wir Sie, Ihre Familie und Ihr Team zu diesen Events. Genießen Sie das bekannte Werkstattmessen-Flair. Profitieren Sie von unseren einmaligen Messekonditionen! Merken Sie sich am besten gleich Ihren Wunschtermin vor. Online-Anmeldung für Ihre VIP-Tickets ab sofort auf unserer Messe-Website. Und so geht’s: Scannen Sie den nebenstehenden QR-Code mit Ihrem Smartphone ein oder besuchen Sie unsere Messe-Website unter www.wm-werkstattmessen.de Dortmund 1.–3. September Westfalenhalle Stuttgart 8.–10. September Messegelände Berlin 6.–8. Oktober Messegelände am Funkturm München 20.–22. Oktober Messegelände Öffnungszeiten: Freitag 10:00 bis 18:00 Uhr · Samstag 10:00 bis 18:00 Uhr · Sonntag 10:00 bis 17:00 Uhr

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FREIER TEILEMARKT 2017 INHALT 04 Nachrichten Aktuelles aus der Branche 08 Freier Teilemarkt Eine McKinsey-Studie erklärt die Zukunft 12 Interview GVA-Präsident Hartmut Röhl 16 Eigenmarken Die Zweitmarken des Teilehandels 20 Economy Service Wie Hersteller den IAM angreifen 22 Best Practice Ein Partnerbetrieb von Euro Repar 24 Technikwissen Schäden an Gleitlagern erkennen 26 Online Teilehandel Wehe, wenn Amazon kommt 30 Hinter den Kulissen ... bei Zulieferer Elring Klinger 33 Teilehandel Coparts vereint Vielfalt unter einem Dach 34 Montage Anhängerkupplung ist etwas für Profis 37 Telematikdaten Was Caruso dem freien Markt bietet 40 BBE-Aftersales-Forum Herausforderungen für Werkstätten 42 Interview Select-Vorstand Stephan Westbrock 45 Designschutz Wackelt das Monopol der Hersteller? IMPRESSUM Spezial Freier Teilemarkt, Sommer 2017 erscheint als Beilage der Fachzeitschriften asp AUTO SERVICE PRAXIS 7-8/2017 und AUTOHAUS 16/2017 Auflage: 45.000 Verlagsleiter: Ralph M. Meunzel Chefredakteur: Dietmar Winkler Konzept + Koordination: Dietmar Winkler Autoren: Valeska Gehrke, Alexander Junk, Martin Schachtner, Marcel Schoch, Dietmar Winkler, Dieter Väthröder Anzeigen: Michael Harms (Leitung), Sanja Klöppel, Birgit Zipfel Herstellung: Maren Krapp (Leitung), Diane Laudien Druck: L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG Druck-Medien, 47608 Geldern Verlag: Springer Fachmedien München GmbH, Aschauer Straße 30, 81549 München Internet: autoservicepraxis.de | autohaus.de Titelbild: adobeStock/Jana Schönknecht Sichtbar bleiben Sie haben ein schönes Firmenschild über der Eingangstür hängen und sind stolz auf den sauberen Empfangsbereich Ihres Betriebs? Dann sollten Sie sich die Frage stellen, wer künftig durch diese Tür noch kommen soll, wenn niemand von Ihrer Existenz weiß. So wie es aussieht, wird die breite Verfügbarkeit von im Fahrzeug erzeugten Daten den Aftersales komplett umkrempeln und alte Spielregeln außer Kraft setzen. Es ergeben sich gerade im Servicebereich faszinierende Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle auf Basis von technischen Daten aus dem Auto. Alexander Haid, Geschäftsführer der Datenplattform Caruso, erklärt auf Seite 37 die neue Servicewelt im Interview. „Wer die Daten hat, hat den Kunden“ ist ein oft gehörter Satz. Die Kernfrage für Werkstätten lautet, wie sie sich in die neuen digitalen Wertschöpfungsketten einklinken können. Eines ist sicher: Kein Betrieb kann dies alleine bewerkstelligen. Hier werden Werkstätten starke Dienstleistungspartner benötigen, die aus dem Rohstoff Daten ein echtes Geschäftsmodell machen. Wer diese Partner sein könnten, zeichnet sich jedoch erst undeutlich ab. Ob die Datenplattform Caruso den eigenen Anspruch einlösen kann, eine Lösung für den freien Aftermarket zu sein, ist aber ungewiss, denn der Großhandel will das Modell in der jetzigen Form nicht unterstützen. Viel Spaß beim Lesen! Dietmar Winkler, Chefredakteur asp AUTO SERVICE PRAXIS autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2017 3

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FREIER TEILEMARKT 2017 WERKSTATT-SOFTWARE Ran an die Daten Für Werkstätten, die unterschiedliche Fabrikate und Fahrzeugtypen warten, wird der Werkstattalltag zunehmend kompliziert. Abhilfe schafft das Online-Informations- und Reparaturportal „Esitronic Web“ von Bosch: Damit können Kfz-Betriebe schnell und einfach auf aktuelle Fahrzeugdaten zugreifen. Nahezu alle Pkw auf dem europäischen Markt stehen zur Verfügung. In Esitronic Web sind Reparatur anleitungen, Wartungs- und Schaltpläne sowie die Option „Erfahrungsbasierte Reparatur – Bekannte Fehler“ enthalten. Die Software muss dabei nicht installiert werden und benötigt auch keine regelmäßigen Updates durch den Nutzer. Nach dem Kauf per Kreditkarte im Bosch Webshop unter http://info.esitronic-web.com ist die Werkstattsoftware in weniger als fünf Minuten einsatzbereit und kann auf jedem PC oder Tablet mit Internetzugang über einen Browser genutzt werden. Es können auch parallel Informationen zu verschiedenen Fahrzeugen abgerufen werden. aj ■ Weitere Infos unter www.bosch.de Foto: Bosch Foto: Partslife PARTSLIFE-KONGRESS Branchentreff in Wiesbaden Ende Juni 2017 fand der 12. Partslife Kongress der Branchen-Initiative Partslife in Wiesbaden statt. Vor mehr als 140 geladenen Gästen wurden Themen aus dem Kfz-Aftermarket präsentiert. Dabei ging das Spektrum der Fachvorträge weit über den Umweltschutz hinaus: Nachdem Partslife-Geschäftsführer Wolfgang Steube (rechts im Bild) die Kongressteilnehmer durch Daten des Partslife-Geschäftsjahres geführt hatte, stiegen die Teilnehmer in die Fachthemen ein. Den Anfang machte Stefan Froeb von der meistro Effizienz GmbH. Zu den weiteren Referenten zählten Susanne Schumann (ZF Friedrichshafen AG), Frank Schlehuber (CLEPA) und Alexander Haid (Caruso GmbH). aj ■ Weitere Infos unter www.partslife.com SERVICETOOL Immer auf dem neuesten Stand Die TecAlliance GmbH stellt ihren Handels- und Werkstattkunden ab sofort ein Bulletin zur Datenbank „Repair and Maintenance Information“ (RMI) zur Verfügung. Der Bericht informiert als Servicetool quartalsweise über aktuelle Themen und Entwicklungen innerhalb der technischen RMI-Datenbank zu Fahrzeugen und Marken, Arbeitsrichtzeiten und Wartungsinformationen FREIER TEILEMARKT 2017 für die EU und EFTA-Länder. Leser erhalten so kompakt Neuerungen und das Wichtigste auf einen Blick, um Reparaturen schneller durchführen zu können. Das Bulletin wird zu Beginn in Deutsch und Englisch zur Verfügung stehen und quartalweise per E-Mail verschickt oder zum Download angeboten. aj ■ Weitere Infos unter www.tecalliance.net Foto: TecAllianace autoservicepraxis.de | autohaus.de

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Die Unternehmen des freien Kfz-Teilemarktes und die Kfz-Servicebetriebe sorgen gemeinsam für bezahlbare Mobilität - das ganze Autoleben lang. Der freie Kfz-Teilehandel ist Ihr Partner! www.gva.de

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FREIER TEILEMARKT 2017 KURZMELDUNGEN Der Öl- und Additivspezialist LiquiMoly hat zwei neue Klimaanlagenöle auf den Markt gebracht. Das PAG-Klimaanlagenöl R-1234yf ist in den Viskositäten 46 und 100 erhältlich und für das aktuelle Kältemittel R1234yf sowie für das alte Kältemittel R-134a geeignet. Außerdem enthält es von Haus aus einen fluoreszierenden Lecksucher, so dass Undichtigkeiten schnell und ohne Zusatzarbeit gefunden werden können. Moderne Fahrzeuge werden immer effizienter und leistungsfähiger, zugleich komplexer und somit auch immer anfälliger für Störungen, die durch betriebsbedingte Verunreinigungen oder durch eine hohe Laufleistung hervorgerufen werden. Mit einer breiten Palette an Additiven möchte der Schmierstoffspezialist Motul gegensteuern. Das neue Spezialsortiment umfasst Additive für das Kraftstoffsystem, den Ölkreislauf, den Kühlkreislauf, Partikelfilter sowie einen Reiniger für Drosselklappen. Mit der Verwendung ist es laut Hersteller möglich, sowohl betriebs- und laufleistungs- als auch konstruktionsbedingte Verunreinigungen mit geringem Aufwand zu entfernen. Das Handelsunternehmen PV Automotive lädt seine Kunden sowie interessierte Fachbesucher zur Leistungsschau PV Live! am 14. und 15. Oktober 2017 in die Halle 9 der Messe Hannover ein. Rund 200 Aussteller präsentieren dort Neuheiten aus den Bereichen Pkw- und Nfz-Teile, Werkzeuge, Chemie, Zubehör, Schmierstoffe und Werkstattausrüstung. In der PV Live! Arena werden in über 20 Praxisvorträgen Themen für die Werkstatt präsentiert, darunter die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen, digitale Servicehefte, Diagnose mit PassThru und die neuen Richtlinien für Scheinwerfereinstellplätze. PV Automotive präsentiert zudem in einer „Black Box“ die Eigenmarke Audura für die zeitwertgerechte Reparatur. In der „Werkstatt 4.0“ können sich die Gäste auf über 1.000 Quadratmeter Fläche bei 30 Ausstellern über Digitalisierung der Werkstattausrüstung, Service- und Reparaturprozesse, Servicehefte, Werkstattkonzepte, OE-Diagnose für freie Werkstätten, Autofahrer-App, Online-Terminvereinbarung, Telematiklösungen und weitere digitale Tools für die Werkstatt informieren. FREIER TEILEMARKT 2017 JUBILÄUM 50 Jahre Handelskooperation Unter dem Motto „Today. Tomorrow. Together.“ hat die Handelskooperation Auto-Teile-Ring GmbH Mitte Juni in Berlin mit mehr als 300 Gästen das 50-jährige Bestehen gefeiert. Alle 34 Gesellschafter sowie Vertreter von 117 Teilelieferanten und die Mitarbeiter der ATR waren eingeladen. Auf dem Programm standen ein Rückblick auf die Gründung, die Entwicklung zu einer internationalen Einkaufskooperation sowie der Ausblick auf die aktuellen Herausforderungen und Strategien, um auf dem Markt bestehen zu können. aj ■ Weitere Infos unter www.atr.de Foto: ATR VERSCHLEISSTEILE Wettbewerbsfähig bleiben Markengebundene Kfz-Betriebe haben bei Werkstattleistungen für Fremdfabrikate oft das Problem, dass sie die dafür notwendigen Verschleißteile dem Kunden nicht wettbewerbsfähig anbieten können. Darüber hinaus vergleichen viele Kunden die Preise für Verschleißteile im Netz. Die Online-Plattform Tyre24 ermöglicht es nach eigenen Angaben Autohäusern Verschleißteile für Fremdfabrikate mit einer Ersparnis von bis zu 50 Prozent auf bestehende Einkaufspreise einzukaufen und dadurch Werkstattleistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten zu können. Zudem sei eine hohe Verfügbarkeit garantiert: Mehr als fünf Millionen Produkte stehen auf der Online-Plattform zur Verfügung, darunter das gesamte Spektrum an Verschleißteilen bei Volumenmodellen. Es werden aber auch Verschleißteile für Gebrauchtfahrzeuge und Youngtimer angeboten. aj ■ Weitere Infos unter www.tyre24.com Foto: Saitow AG autoservicepraxis.de | autohaus.de

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ZF AFTERMARKET. ALLES FÜR DIE BESTE REPARATUR. ZF Aftermarket bietet ein perfektes Lösungspaket für alle Werkstätten. Ersatzteile in Erstausrüsterqualität, innovative digitale Produkte, ein globales Partnernetzwerk, einzigartige Trainingsangebote und exklusive Servicekonzepte sind die besten Voraussetzungen für langfristigen Erfolg und zufriedene Kunden. www.zf.com/aftermarket

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FREIER TEILEMARKT 2017 STUDIE ERSATZTEILEMARKT Vernetzung ist Trumpf Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey prognostiziert weiteres Wachstum im Automotive Aftermarket bis 2030. Es wird aber einschneidende Veränderungen geben. Foto: iStockphoto/andreiodo ine neue unabhängige Studie des Beratungsunternehmens McKinsey zu den Entwicklungen im Automotive Aftermarket geht davon aus, dass dieser Markt bis zum Jahr 2030 weltweit jährlich um drei Prozent wächst. Die gemeinsam mit der CLEPA (Europäische Vereinigung der Teileindustrie) erstellte Studie sieht den Aftermarket weiterhin als wichtige Säule im gesamten Automobilmarkt mit zunehmender Bedeutung vor allem im asiatischen Raum. Während in Europa das Wachstum bei 1,5 Prozent stagnieren wird, erwarten die Autoren der Studie DIE STUDIE Die McKinsey-Studie zu den Entwicklungen im Automotive Aftermarket zeigt, wie Teilehersteller und -lieferanten von neuen Möglichkeiten profitieren können. Sie wurde mit Unterstützung der CLEPA erstellt und ist jetzt erschienen. Die Studie beleuchtet Veränderungen der Branche und liefert Antworten auf Schlüsselfragen ausgehend von der jetzigen Situation im Markt und dessen Erwartungen bis 2030. Welche Trends beeinflussen künftig den Markt, wie reagieren die Unternehmen darauf strategisch und wie können sie von den erwarteten Veränderungen profitieren? Dazu wurden eine Umfrage unter 27 CLEPA-Mitgliedern der Teileindustrie sowie ausführliche Interviews mit 20 Aftermarket-Experten durchgeführt. Zusätzlich wertete McKinsey eigene Datenquellen und Experten-Netzwerke aus. Die komplette Studie ist auf der CLEPA-Homepage www.clepa.eu einsehbar. FREIER TEILEMARKT 2017 autoservicepraxis.de | autohaus.de

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SERVICES UND DIAGNOSE SIND WACHSTUMSFELDER Verschleißteile Unfall-relevante Teile Services Diagnoseprodukte Sonstige Teile Marktanteil Aftermarket in Prozent Relatives Wachstum* 0 PP + 1 PP + 3 PP + 3 PP Gründe ■ Bessere Teilequalität bei längerer Fzg.-Lebensdauer ■ Preisdruck aus Fernost ■ Verbesserte Assistenzsysteme und höhere Verkehrssicherheit reduzieren die Anzahl der Unfälle ■ Bedarf an neuen Services im Bereich Flottenmanagement und digitale Services ■ Fahrzeugdaten und neue Technologien befördern „Diagnose 2.0“ (ein neuer Markt, der von den OEM besetzt werden könnte) * Segmentwachstum im Verhältnis zum Gesamtmarkt; Angabe in Prozentpunkten (PP) Quelle: McKinsey vor allem in China mit 8,1 Prozent und im restlichen asiatischen Raum mit 6,5 Prozent die größten Wachstumsschübe. Vor allem die wirtschaftlichen und technologischen Trends, die den Aftermarket in den nächsten fünf bis zehn Jahren stark beeinflussen werden, sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die verschiedenen Marktteilnehmer standen im Fokus der Untersuchung. Laut Studie sehen sich vor allem die Unternehmen in Europa und Nordamerika auf der wirtschaftlichen Seite mit zunehmenden Konsolidierungsprozessen in der Industrie konfrontiert. Dazu kommen, nach Jahrzehnten eines relativ stabilen Umfeldes, neue Marktteilnehmer, die den Wettbewerbsdruck durch neue, vor allem digitale Geschäftsmodelle erhöhen. Steigende Kundenerwartungen und eine immer schnellere tech- 50 Jahre, dynamisch und voll im Trend Auto-Teile-Ring feiert Geburtstag. Die ATR ist die älteste und größte Handelskooperation für Kfz-Ersatzteile weltweit. Das schafft man nicht alleine. Daher möchten wir uns bei unseren Gesellschaftern, Lieferanten und Mehrmarkenwerkstätten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken. Auto-Teile-Ring GmbH Otto-Hirsch-Brücken 17 70329 Stuttgart www.atr.de

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FREIER TEILEMARKT 2017 VERNETZUNG IST ENTSCHEIDEND Interview mit Frank Schlehuber (CLEPA) zu den Folgen der prognostizierten Marktentwicklungen im freien Teile- und Werkstattmarkt. asp: Welche Auswirkungen werden die im Report gewonnenen Erkenntnisse generell für die Werkstatt haben? F. Schlehuber: Das Geschäft mit Service und Reparatur von Fahrzeugen wird auch in den nächsten Jahren wachsen. Die Studie geht von einem weltweiten Marktwachstum bis 2030 von ca. 3 Prozent aus. Wesentliche Impulse kommen zwar aus Asien, aber auch in Europa wird der Markt mit ca. 1,5 Prozent pro Jahr weiter wachsen. Davon werden auch die Werkstätten in Deutschland profitieren. Frank Schlehuber, Director asp: Wird die skizzierte Entwicklung sich in den (Teile-) Aftermarket CLEPA, rechnet mit sinkenden Margen. Kosten für Werkstätten niederschlagen? F. Schlehuber: Der Werkstatt kommt weiterhin eine Schlüsselrolle in der Wertschöpfungskette zu. Sie entscheidet auch in Zukunft, was repariert und welche Teile getauscht werden müssen. Immer komplexere Fahrzeuge machen permanente Investitionen in die Ausbildung der Mitarbeiter und Diagnosetechnik erforderlich. Die Kosten hierfür lassen sich jedoch zunehmend schwieriger an den Markt weitergeben. Die Studie zeigt, dass aufgrund zunehmender Digitalisierung und Eintritt neuer Player von sinkenden Margen auszugehen ist. asp: Wie sollten sich Werkstätten in Zukunft aufstellen? F. Schlehuber: Die Vernetzung der Werkstatt auf allen Ebenen ist hier entscheidend. Während die Vernetzung der einzelnen Diagnosegeräte für mehr Effizienz in den Werkstattabläufen sorgt, sichert die Vernetzung mit Kunden, Flotten oder eCommerce-Plattformen den Zugang zu Reparaturvolumen. Der Anschluss an Werkstattsysteme mit starker Marke und Kompetenz bei Technik und Digitalisierung wird für Werkstätten daher immer wichtiger. asp: Wie sieht die Kundenbindung der Zukunft aus, wenn die Werkstatt in einem digitalisierten Markt nicht mehr Erstkontakt für den Kunden ist? F. Schlehuber: Der Trend zu professionell gemanagten Flotten und zu digitalen Angeboten zur Service- und Reparatursteuerung wird sich weiter fortsetzen. Mit der vorgeschriebenen Einführung des eCalls ab April 2018 sind alle neuen Fahrzeuge vernetzt und ermöglichen neue Formen der Kundenbindung. Der heute so wichtige Kontakt der Werkstatt zum Kunden bekommt also Wettbewerb. Fahrzeughersteller, aber auch Versicherungen sind hier bereits sehr aktiv und neue Player aus dem digitalen Umfeld werden versuchen, in das Kfz-Servicegeschäft einzudringen und sich zwischen der Werkstatt und dem heutigen Kunden etablieren. asp: Hat eine heutige Werkstatt Chancen, sich in die prognostizierten großen Servicefabriken für autonome Fahrzeuge einzubringen? F. Schlehuber: Bis zu den Servicefabriken auf dem Land, die von automatisierten Fahrzeugen selbst angefahren werden, ist noch ein sehr weiter Weg. Die Studie hat klar gezeigt, dass weder die Elektrifizierung noch das automatisierte Fahren bis 2030 große Auswirkungen auf das Aftermarket-Geschäft haben. Konnektiviät und damit mögliche neue Formen der Kundenbindung verändern das Marktumfeld in den nächsten Jahren wesentlich stärker, speziell den Zugang zu Geschäftsvolumen. Werkstätten müssen da präsent sein, wo die Entscheidungen für Reparatur und Service getroffen werden. Das kann der Flottenmanager sein, der seine Fahrzeuge mittels Konnektivität überwacht, oder auch der Fahrer, der am Display des Fahrzeugs über eine App einen Service bucht. CLEPA setzt sich aktiv dafür ein, dass alle Marktteilnehmer auch in Zukunft einen fairen und ungehinderten Zugang zum Service- und Reparaturmarkt haben. nologische Entwicklung werden laut Studie einen deutlichen Wandel im Markt herbeiführen. Die durchgeführten Befragungen in der Teileindustrie ergaben ein eher durchwachsenes Gesamtbild: So zeigte sich, dass sich 80 Prozent der befragten FREIER TEILEMARKT 2017 Teilehersteller noch gar nicht auf den Wandel der Branche vorbereitet haben. 42 Prozent der Lieferanten gehen davon aus, dass sich die Rentabilität im Wartungs- und Instandhaltungsgeschäft in den nächsten zehn Jahren verschlechtern wird, während 29 Prozent eine Verbesserung erwarten. Positive Einflüsse ergäben sich demnach vor allem durch neue Geschäftsfelder im Bereich Digitalisierung und durch neue Dienstleistungen auf Basis von Fahrzeugdaten. Besondere Bedeutung für den Wettbewerb kommt dabei vor allem dem gleichberechtigten Zugriff auf die Fahrzeugdaten durch alle Marktteilnehmer zu, betonen die Autoren der Studie. Die wichtigsten Trends Aus den Auswertungen der erhobenen Daten und Interviews ergeben sich laut McKinsey sechs Trends, denen sich die Teileindustrie künftig gegenübersieht: ■ Die Konsolidierung der Marktteilnehmer in Europa setzt sich fort, insbesondere bei den Lieferanten und im Großhandel. Eine Situation wie in Nordamerika, wo vier führende Lieferanten 40 Prozent Marktanteil haben, ist auch für Europa nicht unrealistisch. ■ Die Automobilindustrie wird stärker in den freien Markt drängen und verstärkt ihre Bemühungen, Kunden länger in den eigenen Servicenetzen zu halten. Instrumente hierzu sind verlängerte Garantiezeiten für Neufahrzuge, zweite Teilelinien für zeitwertgerechte Reparaturen und Economy Services. ■ Der Verkauf von Teilen, aber auch von Reparatur- und Instandsetzungsleistungen über Online-Kanäle wird durch die zunehmende Digitalisierung noch weiter wachsen. ■ Der Zugang zu Fahrzeugdaten wird zunehmend relevant. Die Daten aus dem Fahrzeug helfen, Kundenbedürfnisse besser zu erkennen und Serviceleistungen schneller oder gar pro-aktiv durch vorzeitige Warnung vor möglichen Schäden dem Kunden passgenau anzubieten. ■ Neue Wettbewerber mit digitalen Geschäftsmodellen werden versuchen, einen Teil des Marktes für sich zu gewinnen, wie etwa Fuhrparksteuerer oder Versicherer. ■ Die Preistransparenz wächst durch die Digitalisierung. Rund 30 Prozent der Kunden in Europa informieren sich vorab über Werkstattleistungen. Dieter Väthröder ■ autoservicepraxis.de | autohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2017 INTERVIEW Es geht um Milliarden Der Gesamtverband Auto-Teilehandel (GVA) hofft auf das Ende des Quasi-Monopols für sichtbare Ersatzteile. GVA-Präsident Hartmut Röhl erläutert, warum die Chancen für einen Durchbruch jetzt gut stehen. asp: Der Abgasschwindel hat das Vertrauen in den Diesel erschüttert. Wie groß ist die Gefahr für den Teilehandel? H. Röhl: Die Gefahr ist durchaus da, allerdings in geringerem Umfang, denn wir sind nicht direkt betroffen von der Zahl der Neuzulassungen, sondern für uns ist relevant, wie viele Dieselfahrzeuge im Verkehr sind. Es ist schwerlich vorstellbar, dass der Gesetzgeber bereits zugelassene Diesel aus dem Verkehr zieht. Im Extremfall kann es wohl zu Fahrverboten in Großstädten kommen, aber es kann sich vermutlich keine Regierung leisten, einen großen Teil des deutschen Fuhrparks für nicht straßentauglich zu erklären. Und die Hersteller können es sich kaum leisten, dass ein großer Teil des Fahrzeugparks obsolet wird, darum müssen sie nachrüsten. Die alten Fahrzeuge müssen gewartet werden. Diejenigen, die einen Diesel fahren, werden alles daransetzen, das Fahrzeug verkehrstüchtig zu halten, denn die Chancen, beim Verkauf einen angemessenen Preis zu erzielen, sind derzeit eher gering. Das birgt Chancen für den freien Aftermarket. Ich gehe aber grundsätzlich davon aus, dass der Diesel weiterentwickelt wird und ein Garant dafür sein kann, dass die deutschen Fahrzeughersteller die CO2-Vorgaben einhalten können. asp: Die OEM sollen sich bei der Nachrüstung beteiligen. Wie finden Sie das? KURZFASSUNG Der Markt für Kfz-Ersatz- und Verschleißteile bewegt sich in Deutschland bei etwa 12 Milliarden Euro. Davon entfallen 4 Milliarden Euro auf die sichtbaren Ersatzteile, die vom Designschutz betroffen sind. (Weitere Informationen auf Seite 45). FREIER TEILEMARKT 2017 H. Röhl: Offenbar kann das ja oft bereits via Software bewerkstelligt werden, so dass ich es für richtig halte, dass Hersteller das in Eigenleistung erbringen müssen. Es wäre gut, wenn der Halter selbst entscheiden könnte, in welcher Werkstatt er das Update durchführen lässt. Und es ist schließlich auch im Interesse der Hersteller, dass durch die Nachrüstung der Diesel sein „Schmuddelkind-Image“ verliert. asp: Wie ist das erste Halbjahr für den Teilehandel wirtschaftlich gelaufen? H. Röhl: Die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr ist verhalten positiv. Wir werden per Ende erstes Halbjahr sowohl in der Industrie als auch im Handel etwa den Vorjahresumsatz erreichen. Da wir im Vergleich zum Vorjahr zwei Arbeitstage weniger hatten, verzeichnen wir sogar einen kleinen Umsatzzuwachs. Die Zahlen lassen uns positiv nach vorne blicken. Laut aktueller Zahlen des ZDK ist die Entwicklung bei unseren Kunden, den Werkstätten des freien Aftermarkets, ebenfalls positiv. Das recht erfreuliche Bild wird auch bestätigt durch die Einschätzung unserer Mitglieder zu deren Geschäftserwartung in den nächsten 6 Monaten, diese sind positiv. Rund drei Viertel haben an das Gesamtjahr positive Erwartungen. Nur etwa 5 bis 10 Prozent rechnen mit einem Umsatzrückgang. Das spiegelt eine sehr positive Grundstimmung wider – und das trotz einiger Umstände, die ein gewisses Risiko bedeuten. asp: Der GVA hat immer wieder das Monopol der Automobilhersteller auf sichtbare Ersatzteile kritisiert. Jetzt haben Sie das Thema erneut auf die Tagesordnung gebracht. Warum gerade jetzt? GVA-Präsident Hartmut Röhl: „Wir brauchen die Reparaturklausel in Deutschland.“ H. Röhl: Das politische Fenster für Veränderungen ist jetzt vor der Bundestagswahl einen Spalt breit geöffnet. Wir wollen nicht darauf warten, dass sich Brüssel in Bewegung setzt, sondern setzen darauf, dass der deutsche Gesetzgeber aktiv wird. Das europäische Recht erlaubt ausdrücklich, dass Länder eine Reparaturklausel in ihre nationale Design-Gesetzgebung einführen. Wir sind sicher, dass Deutschland nur der erste Dominostein wäre, der eine ganze Anzahl weiterer Länder veranlassen würde, eine Reparaturklausel einzuführen. Das haben wir in Gesprächen mit den nationalen Regierungen in Österreich, der Slowakei, in Rumänien und einigen weiteren Ländern festgestellt. Sie wären wohl bereit, wenn Deutschland vorangeht. Frankreich ist noch zurückhaltend, obwohl auch hier einiges in Bewegung ist. asp: Warum ist diese Reparaturklausel für Sie so wichtig? Foto: GVA autoservicepraxis.de | autohaus.de

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H. Röhl: Es geht darum, den Designschutz um eine so genannte Reparaturklausel zu ergänzen. Das Designgesetz ermöglicht den Automobilkonzernen hierzulande ein Monopol auf sichtbare Ersatzteile und verhindert damit Wettbewerb. In anderen europäischen Ländern wurden die Märkte für sichtbare Ersatzteile bereits liberalisiert. Die Preise für viele Karosserieersatzteile sind dort unabhängig von Marke, Modell und Teil deutlich niedriger als in Deutschland. Eine Untersuchung der Preise für sichtbare Ersatzteile für sechs Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller hat gezeigt, dass in Spanien und in Italien die Preise für sichtbare Ersatzteile etwa ein Fünftel geringer sind, im Nachbarland Niederlande sogar fast ein Drittel. Es geht um einen riesigen Markt: Etwa 4 Milliarden Euro entfallen allein in Deutschland auf die betroffenen sichtbaren Ersatzteile. asp: Wie stehen die Chancen, dass die deutsche Regierung das Thema aufgreift? H. Röhl: Wir müssen mit denen sprechen, die potenziell in der nächsten Regierung sitzen. Der Berichterstatter der CDU/CSU Fraktion bei der letzten Novellierung des Designrechts in Deutschland, der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Günter Krings, MdB, ist weiterhin der Motor bei den Bemühungen, erneut einen Gesetzentwurf zur Aufnahme der Reparaturklausel in das deutsche Designrecht einzubringen. Ein wesentlicher Förderer der Liberalisierung bei der potenziellen Koalitionspartei FDP ist Alexander Graf Lambsdorff (FDP). Wir haben aber auch bei den Grünen Zustimmung erfahren. Bei der SPD herrscht verbreitet ebenfalls die Einsicht, dass es von der rechtspolitischen Systematik her richtig wäre, eine Reparaturklausel einzuführen. Uns spielt in die Karten, dass viele politische Akteure nach dem Abgasskandal Vertrauen in die Fahrzeughersteller verloren haben. asp: Welche Gegenargumente bringt die Automobilindustrie hervor? H. Röhl: Die OEM haben argumentiert, dass sie mit Einführung der Reparatur- autoservicepraxis.de | autohaus.de Synergien, die bewegen. 11. – 15. 9. 2018 Ab 2018 findet die REIFEN parallel zur Automechanika statt. Automotive Aftermarket und Reifen industrie präsentieren sich erstmals an einem Ort. Nut zen Sie die Synergien zweier Weltleitmessen am internationalsten Messestandort Deutschlands. Er schließen Sie sich neue Märkte und Zielgruppen: Fach besucher aus Indus trie, Werkstatt und Handel aus 170 Ländern erwarten Sie! www.reifen-messe.de Jetzt noch Frühbucherrabatt bis 3. 7. 2017 sichern!

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FREIER TEILEMARKT 2017 klausel den kompletten Markt verlieren würden. Das ist aber nicht nachvollziehbar. Nach der Liberalisierung in anderen Ländern gingen allenfalls 10 bis 12 Prozent des Marktes langsam an den freien Markt über. Das wird keine Arbeitsplätze in der Automobilindustrie kosten, wie die Automobilkonzerne gerne behaupten, schon gar keine Arbeitsplätze in Deutschland. Auf den Barcodeetiketten der Karosserieteile der Fahrzeughersteller kann man ja ablesen, woher viele der Teile kommen: Sie stammen bei einem Hersteller z. B. vornehmlich aus Mexiko, Südafrika oder aus China, aber weniger aus deutscher Produktion. Es würde ganz im Gegenteil zu einem Zuwachs bei den mittelständischen Teileproduzenten in Deutschland kommen, die dann für den freien Markt produzieren könnten. asp: Kürzlich hat sogar die Bild­Zeitung das Thema überhöhter Ersatzteilpreise unter der Überschrift „Ersatzteilwucher“ auf den Titel gesetzt. Das muss Sie sehr gefreut haben, oder? H. Röhl: Das hilft ungemein, das Thema auf die politische Tagesordnung zu setzen. Wenn die BILD so etwas titelt, und damit die Teile der Automobilhersteller meint, dann ist das plötzlich ein Thema in Berlin. Wir betreiben aber auch selbst Agenda-Setting. Wir haben dazu eine eigene Kampagne „Gerechtigkeit für deutsche Autofahrer“(www.faire-ersatzteile.de) gestartet und Plattformwagen in Berlin mit großflächigen Plakaten bestückt. Diese fahrenden Plakatwände sind in den letzten zwei Sitzungswochen rund um den Berliner Reichstag gefahren und haben entsprechende Aufmerksamkeit erzeugt. Das Motto „Gerechtigkeit für deutsche Autofahrer“ klingt natürlich umfassender als „Reparaturklausel im deutschen Designschutz“. Wir hängen diesmal die Glocke hoch, damit sie weit schallt. FREIER TEILEMARKT 2017 asp: Welche Institutionen stehen hinter dieser Kampagne? H. Röhl: Sie ist ein Vorstoß der Europäischen ECAR Allianz (European Campaign for the Freedom of the Automotive Parts and Repair Market), die federführend für die Kampagne steht. Teil der ECAR Allianz sind u. a. die europäischen Verbände FIGIEFA, die CECRA, die FIA und der Verband der europäischen Verbraucherverbände. In Deutschland wird die Kampagne vom GVA getragen und unser Liberalisierungsansinnen wird vom ADAC unterstützt. asp: McKinsey stuft in einer aktuellen Studie die Konsolidierung des Teilehandels als eine der wichtigsten Veränderungen ein. Wie ist das zu erklären? H. Röhl: Die Studie ist im Auftrag der CLEPA entstanden, die die Teilehersteller repräsentiert. Für diese Unternehmen sind die Konzentrationsprozesse im Kfz-Teilehandel ein wichtiges Thema. Wenn man als Teileproduzent bei den großen Händlern oder Handelskooperationen nicht gelistet ist, ist man weg vom Markt. Es ist ja heute schon so, dass die Wir haben eine Kampagne mit dem Titel „Gerechtigkeit für deutsche Autofahrer“ gestartet. fünf größten Händler und Handelsgruppierungen annähernd 80 Prozent des Marktes repräsentieren. Die Teilehersteller sehen sich mittlerweile auf dem freien Markt einer ähnlichen Einkaufsmacht gegenüber wie im Erstausrüstungsmarkt. asp: Wir haben zuletzt einige Übernahmen im Teilehandel gesehen. Geht die Konzentration im Markt weiter? H. Röhl: Der Konzentrationsprozess geht weiter, und zwar getrieben durch Finanzinvestoren, die den Aftersales für sich entdeckt haben. Offenbar geht man dort davon aus, dass sich in dem Markt noch erhebliche Zuwächse erzielen lassen. Derzeit zahlen Investoren sehr ordentliche Preise für Übernahmen mittelständischer Unternehmen. asp: Mit der Datenplattform Caruso soll ein Gegengewicht zur Automobilindustrie geschaffen werden, die den direkten Zugriff auf Fahrzeugdaten hat. Wie ist Ihre Sicht auf das Projekt Caruso? H. Röhl: Die ursprüngliche Idee von Caruso war genau das, was sich der freie Teilehandel gewünscht hat. In der ersten Idee waren drei Wege für den Datenzugang vorgesehen: Zum einen für den bestehenden Fahrzeugpark über OBD- Stecker, die mit einem Datendongle nachgerüstet werden können, der zweite Weg war der Zugang zu Daten über die Server der Fahrzeughersteller. Das eigentliche Ziel war aber immer auch der direkte Zugang zu den im Fahrzeug generierten Daten. Das ist der für uns richtige Weg. Es genügt aus unserer Sicht nicht, Daten aus zweiter Hand etwa über Server der OEM zu bekommen, auf der Basis von B2B-Verträgen, bei denen die Fahrzeughersteller entscheiden, welche Daten zu welcher Zeit in welcher Form weitergegeben werden. Die im Fahrzeug generierten Daten gehören nicht den Fahrzeugherstellern. In der jetzigen Form zeichnet sich ab, dass sich Caruso vor allem auf den Datenzugang über die Fahrzeughersteller beschränkt, was wir nicht befriedigend finden. Das ursprüngliche Ziel des direkten Datenzugangs im Fahrzeug wird nur noch verschämt genannt. Wir wollen aber selbst Services anbieten – mit Daten, die direkt aus dem Fahrzeug kommen. asp: Aber es ist ja gesetzlich noch gar nicht festgelegt, wie der Datenzugang erfolgen kann … H. Röhl: Es ist von der EU noch nicht geregelt, wer welchen Zugang zu welchen Daten hat. Bisher heißt es auf der politischen Seite, dass auf der Basis von E-Call eine offene Telematikplattform im Fahrzeug entstehen soll. Dann muss der freie Teilemarkt aber auch beweisen, dass er in der Lage ist, eine solche Plattform aufbauen und betreiben zu können. Deshalb werden von der FIGIEFA unter starker Beteiligung der internationalen Handelskooperationen derzeit Verhandlungen mit potenziellen Systempartnern geführt. Man muss ja nicht Eigner einer solchen Plattform sein, um Zugang zu den Daten darauf zu haben. Caruso bleibt für uns als Option weiterhin offen, wenn die Frage des unbeschränkten, unabhängigen Datenzugangs geklärt ist. Dietmar Winkler ■ autoservicepraxis.de | autohaus.de

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DIE NEUE MARKE IN DER ERSATZTEILEWELT © by ad-AUTOTEILE CARGO GmbH & Co.KG 07/2017 COREXX: Exklusive Handelsware der ad-AUTOTEILE-CARGO GmbH & Co. KG ERSTE WAHL BEI PKW- UND NKW-TEILEN • Der neue Qualitätsstandard für Profis • Hohe Sicherheit zu Top-Konditionen • Erhältlich bei Ihrem CARAT-Händler Das Gesamtprogramm auf www.corexx.eu THE WORLD OF AUTOMOTIVE EXCELLENCE

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FREIER TEILEMARKT 2017 EIGENMARKEN Mit der zweiten fährt man besser Es muss nicht immer Premium sein. Die Zweitmarken im freien Teilemarkt bieten Alternativen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis und Vorteilen für Werkstatt und Endkunden. Foto: Stahlgruber Foto: Carat ielen Autofahrern entlockt der mittlerweile fast inflationäre Gebrauch des Begriffs „Premium“ nur noch ein müdes Lächeln. Insbesondere der Dieselskandal mit nahezu wöchentlichen neuen Negativmeldungen, aber auch durch technische Probleme genervte Fahrzeughalter, die noch dazu vom teilweise arroganten Kulanzverhalten ihres „Premium“-Herstellers abgestraft werden, lassen die Frage zu, was Premium eigentlich noch wert ist. Was nützen die engsten Spaltmaße, die schönsten Ziernähte oder die beste Konnektivität, wenn die Technik unter dem Blech nach wenigen Jahren mehr Kosten als Freude verursacht? Kein Wunder also, dass die Kunden mit Ablauf der Garantie zunehmend in den freien Markt wechseln. Dort finden sie neben meist günstigeren Stundenverrechnungssätzen auch preiswerte Alternativen bei Zubehör und immer häufiger auch bei Ersatzteilen, die als sogenannte Zweit- oder Eigenmarken eine preiswerte Alternative sowohl zu teureren Originalteilen als auch zu Billigteilen aus dem Internet mit zweifelhafter Qualität bieten. 20 Jahre Eigenmarke Aber auch für die Werkstätten selbst hat der freie Teilemarkt alternative Produkte für den Werkstattbedarf oder die Werkstattausrüstung im Angebot, die Foto: Coparts Eigenmarken zeigen Selbstbewusstsein. durch ihr Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen, ohne bei der Qualität zu sparen. Als erste Großhandelskooperation kam Carat schon 1997 mit einer Eigenmarke unter dem Label „ad“ auf den Markt. Vor allem Verbrauchsmaterialien, Chemieprodukte und Batterien sowie einige Endverbraucherprodukte wurden über die angeschlossenen Großhändler bzw. im Facheinzelhandel angeboten. Bis heute wurde das Programm kontinuierlich ausgebaut und wird aktuell um weitere Sortimente erweitert. So wird zur Carat-Leistungsmesse im Oktober die neue Produktlinie ad GL-Chemie vorgestellt, ein laut Carat qualitativ hochwertiges Additivprogramm zur Reinigung von Kraftstoff-, Öl- und Abgassystemen. Die ad-Produkte sind dabei nicht im Low-Budget-, sondern eher im mittleren Preissegment angesiedelt mit einem hohen Qualitätsanspruch. Sie bieten ein interessantes Differenzierungspotential, welches sich laut Carat als wirkungsvolles Kundenbindungsinstrument etabliert hat und FREIER TEILEMARKT 2017 autoservicepraxis.de | autohaus.de

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als ausgleichender Faktor im Sortiment zu verstehen ist. Da die Carat auch im Ausland vertreten ist und die Produkte, auch im Endverbraucherbereich, stets in der gleichen CI auftreten, haben Autofahrer auch auf Auslandfahrten die Möglichkeit, auf gewohnte Produkte zugreifen zu können. Die Eigenmarke hat mittlerweile einen Anteil von 40 Prozent am Gesamtumsatz mit der klassischen Chemie erreicht. Ersatzteile immer wichtiger Eine ganz andere Richtung beschreitet Carat mit den Men@Work-Produkten. Die Eigenmarke startete 2010 mit einem Werkzeugwagen im typischen Design in Schwarz und Silber. Heute ist die Marke so breit aufgestellt, dass vom Ein-Mann- Betrieb bis zur Großwerkstatt alle mit einer nahezu kompletten Produktlinie an Werkstatt ausrüstung bedient werden können. Die Produkte aus der Men@ Work-Serie werden zwar zu den üblichen Marktpreisen angeboten, enthalten aber Zusatzausstattungen ohne Aufpreis. Es werden nur Markenprodukte in das Men@Work-Portfolio aufgenommen, deren Qualität sich langfristig bewährt hat, um dem Kunden eine entsprechende Nutzungsdauer zu ermöglichen. Doch mit diesen zwei Eigenmarken gab sich die Carat nicht zufrieden. Mit der neuen Marke Corexx stieg das Unternehmen 2015 in den Bereich der Ersatzteile ein. Nachdem sowohl die Automobilhersteller als auch die IAM-Markenhersteller immer häufiger eigene Zweitmarken etablieren, um Kundenabwanderung einzudämmen, hat auch Carat eine eigene Ersatzteilmarke eingeführt. „Corexx ist für unsere Gesellschafter und die Werkstätten ein wichtiger Erfolgsbaustein für die zukünftige Positionierung in einem immer komple- KURZFASSUNG Eigenmarken gibt es bereits seit 20 Jahren. Relativ neu ist die Einführung von Ersatzteilen als Zweitmarke. Werkstätten können damit ihren Kunden interessante Alternativen sowohl zu teuren Originalmarken als auch zweifelhaften Noname-Produkten bieten. autoservicepraxis.de | autohaus.de Die wissen einfach, wie man meinen Alten jung hält. MEYLE macht aus Taxifahrern zufriedene Werkstattkunden. Denn durch die hohe Qualität der von uns entwickelten und gefertigten MEYLE-Ersatzteile bleiben Taxis auf der ganzen Welt einfach länger im Dienst. Und das sorgt dafür, dass auch Ihre Werkstatt mit MEYLE einfach besser fährt. Mehr Infos auf www.meyle.com

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FREIER TEILEMARKT 2017 ÜBERSICHT ZU DEN ZWEITMARKEN FREIER TEILEHÄNDLER (AUSWAHL) Anbieter ATR Carat Coparts Stahlgruber/PV Automotive Markenname Cartechnic Corexx ad men@work CAR1 Audura Portfolio Elektrik, Chemie, Schmierstoffe, Zubehör Anzahl Artikel ca. 700 Pkw 15.000, Nkw 165, Universal 85 Chemie, Öle, Batterien Chemie 150, Öl 30, Batterien 40 Ersatzteile Pkw, Nkw, Universalartikel Werkstattausrüstung Werkstattbedarf Pkw + Nkw, Chemie, Öle, Zubehör, Werkzeuge, Werkstattausrüstung >100 ca. 1.000 + 250 Werkstattausrüstung Radlagersätze, Lenkungsteile ca. 1.300 Anteil Gesamtverkäufe k. A. ca. 10 % k. A. ca. 30 % k. A. ca. 20 % Service Werkstattausrüstung entfällt entfällt entfällt über Industriepartner entfällt Schulungsangebote entfällt entfällt entfällt über Industriepartner über Industriepartner, eigene MA entfällt xeren und transparenteren Wettbewerbsumfeld“, so Marketingleiter Thomas Wolpert. Um die Marktfähigkeit konstant zu gewährleisten, ist die Auswahl der Vorlieferanten vielschichtig. Dies kann ein namhafter Markenhersteller sein oder aber auch der Vorlieferant eines Markenlieferanten in Fernost. Bei der Lieferantenauswahl ist die Thematik „gleichbleibende Qualität der Produkte“ eines der wichtigsten Auswahlkriterien. „Es werden ausschließlich Lieferanten ausgewählt, die über entsprechende Zertifizierungen verfügen und eine gleichwertige Qualität zu Erstausrüstungsartikeln liefern können“, so Wolpert. Bis Oktober sollen 15.000 Artikel für Pkw, 165 für Nkw sowie 85 Universalartikel auch für Endverbraucher verfügbar sein. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt derzeit bei rund 10 Prozent. Deutliche Preisvorteile Seit Anfang 2017 vertreibt Stahlgruber und PV Radlagersätze und Lenkungsteile unter dem Namen Audura. Ziel ist auch hier, ein qualitativ hochwertiges Sortiment für ältere Fahrzeuge anzubieten, mit dem neue Kunden gewonnen werden, die bislang nicht oder nur teilweise erreicht wurden. Der Preisvorteil gegenüber vergleichbaren Anbietern liegt zwischen 20 und 30 Prozent, wobei die Bruttopreise so gestaltet sind, dass die Werkstatt den Preisvorteil an den FREIER TEILEMARKT 2017 Kunden weitergeben kann, ohne den absoluten Rohertrag zu verlieren. Der Verkaufsanteil liegt bei rund 20 Prozent, dabei sind Kannibalisierungseffekte bei anderen Marken kaum zu verhindern. „Allerdings erhoffen wir uns durch Audura neue Märkte und Kunden zu erreichen, so dass Zusatzumsätze generiert und damit die Kannibalisierung der Erstmarken kompensiert werden kann“, so Content-Manager Elmar Voltz von Stahlgruber. Selbstverständlich wird dabei auf das Angebot patentrechtlich geschützter Teile verzichtet. Die Teile werden bei namhaften Produzenten in ISO-zertifizierten Werken unter hohen Qualitätsstandards und permanenter Prozessüberwachung hergestellt. Nachteile gegenüber den Originalmarken sind keine bekannt, auf den Hausmessen gab es bislang durchweg ein positives Kundenfeedback. Auch der Auto-Teile-Ring hat für seine Konzeptwerkstätten und Großhandelskunden mit Cartechnic eine Eigenmarke im Programm. Man beschränkt sich allerdings auf Werkstattbedarf in den Bereichen Elektrik, Chemie und Schmierstoffe sowie Lackierbedarf. Teile aus dem Programm sind auch für Endverbraucher verfügbar. Das Ziel ist auch hier eine klare Differenzierung zum Wettbewerb durch Alleinstellungsmerkmale sowie die Erschließung und Versorgung von preisbewussten Kundengruppen. Alleinstellungsmerkmal Dabei will man andere Markenprodukte nicht kannibalisieren, sondern die Anforderungen und Bedürfnisse der verschiedenen Kundengruppen erfüllen. Einen Konflikt mit den Markenherstellern sieht man nicht, da diese mittlerweile selbst ihre Zweitmarken auf den Markt bringen. Die Produkte werden überwiegend in Deutschland oder im europäischen Ausland produziert. Auch Coparts hat laut Michael Hesse, Bereichsleiter Einkauf, „zumindest bislang“ noch keine Verschleißteile im Sortiment der Eigenmarke CAR1, mit Ausnahme von Innenraum filtern eines führenden Herstellers der Erst ausrüstung. Allerdings beobachtet man auch bei Coparts den Markt diesbezüglich sehr genau, eine Entscheidung ist aber noch Insbesondere Schmierstoffe und Chemie deckt ATR mit der Zweitmarke Cartechnik ab. Foto: Auto-Teile-Ring autoservicepraxis.de | autohaus.de

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nicht gefallen. Bis dahin umfasst das Sortiment etwa 1.000 Artikel aus den Bereichen Chemie, Schmierstoffe, Batterien und Werkstattbedarf sowie rund 250 Artikel der Werkstattausrüstung, jeweils für Pkw- und Nkw-Werkstätten. Laut Coparts ist man die erste und bislang einzige Kooperation, die die Produkte aus der Werkstattausrüstung über DVSE in den Tec-Doc-Katalog eingespeist hat. Der Service für die Maschinen und Geräte wird über die eigene Tochterfirma IWS sichergestellt, Schulungen dazu bietet man über die Industriepartner oder eigene Mitarbeiter an. Schnell verfügbar Die Teile und Produkte der Zweitmarken sind in der Regel über die Verkaufshäuser oder die Kataloge innerhalb eines Tages verfügbar. Verfügbarkeit und Auffindbarkeit sind gerade bei Zweitmarken sehr wichtig, sonst könnten Werkstätten schnell auf einfacher verfügbare Markenteile umschwenken. Im Idealfall sind die Kataloge so umfassend, dass neben Markenteilen auch die Zweitmarke fahrzeugspezifisch angezeigt wird. CAR1 bietet ca. 1.250 Artikel (geringfügiger Bedarf sowie Werkstattausrüstung). Preisliche Alternative Die Zweitmarken verstehen sich nicht als Low-Budget-Produkte, sondern als preisliche Alternative zu den Markenprodukten mit hoher Qualität. Da das durchschnittliche Fahrzeugalter kontinuierlich zunimmt und damit auch die Reparaturkosten steigen sowie vor allem Fahrzeuge ab sechs Jahren vermehrt in den freien Markt kommen, haben die Zweitmarken als Alternative eine wachsende Bedeutung. Das Preis- Leistungs- Verhältnis ist ein schlagendes Argument und verhilft der Werkstatt zu mehr Umsatz und zufriedenen Kunden, ohne ein Risiko einzugehen. Die Qualität stimmt, auf Ersatzteile werden teilweise bis zu drei Jahre Garantie geboten. Somit haben Werkstätten mit einer Eigenmarke nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sondern können dem Kunden eine preislich interessante Alternative zu dubiosen Teilen unbekannter Herkunft aus dem Internet bieten. Dieter Väthröder ■ Foto: Coparts Werden auch Sie Partner unsers Euro Repar Car Service-Netzes und profitieren Sie von unserem Sonderangebot! Sichern Sie sich unsere Vorteile bis zum 30/08/2017 Kostenlose Signalisation Ihres Standortes Keine Lizenzgebühr für die ersten 6 Monate Kostenlose technische Dokumentation für 6 Monate Unterstützung bei der ERCS-Innenausstattung im Wert von 1.000€ Telefon: 0800-86586580 E-Mail: kontakt@psa-eurorepar.de Machen Sie Gebrauch von umfassender Unterstützung SCHULUNGEN - MEHRMARKENDIAGNOSE – TECHNISCHE DOKUMENTATION – KOMPETENTE BETREUUNG DIGITALISIERUNG UND MARKETING

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FREIER TEILEMARKT 2017 SERVICE-KONZEPTE Das ist was für Ältere Automobilhersteller wollen stärker ins Servicegeschäft mit Fahrzeugen der Segmente II und III einsteigen. Sie experimentieren mit Economy-Konzepten, die Kunden eine günstige Alternative bieten. ass Autohersteller sehr viel Energie darauf verwenden, auch am Service für ältere Fahrzeuge zu verdienen, zeigen die regen Aktivitäten der OEM im Bereich Economy Service. Erst vor wenigen Monaten hat Volkswagen den Start einer eigenen Servicelinie für ältere Fahrzeuge gestartet. Der Volkswagen „Economy Service“ richtet sich an Fahrzeughalter mit Autos, die älter als KURZFASSUNG Die Economy-Services der Automobilhersteller sind nicht unumstritten, denn wie erklärt man Kunden mit einem neuen Fahrzeug, dass der Nachbar mit einer alten Kiste einen Sonderpreis bekommt? Die Strategien unterscheiden sich. FREIER TEILEMARKT 2017 Der erste VW Economy-Service-Standort wurde in Bad Neuenahr-Ahrweiler eröffnet. vier Jahre alt sind. Diese Clientel geht den markengebundenen Betrieben oft verloren, spätestens nach einem Halterwechsel. Der Fokus liegt laut VW auf besonders preisgünstigen Angeboten für Verschleißreparaturen, Inspektionen und Fahrzeug-Checks sowie dem Räder-/ Reifen- und Zubehörgeschäft. Der erste Economy Service Partner wurde im März in Bad Neuenahr-Ahrweiler eröffnet. Der von der Automobilhandelsgruppe Löhr & Becker errichtete Neubau verfügt über zehn Werkstattarbeitsplätze, eine Dialogannahme, eine eigene Waschanlage und eine Prüfhalle. Rainer Blessgen, Vorstand der Löhr & Becker AG, erklärte zu dem Projekt: „Es handelt sich um einen Neubau mit zehn Werkstattarbeitsplätzen in der Größen- Foto: Volkswagen AG ordnung von 1,6 Millionen Euro.“ An weiteren Standorten sei eine Umsetzung als „Shop-in-shop“-Lösung geplant. Diese sei für etwa 5000 Euro zu realisieren, rechnet Blessgen vor. Das Konzept Economy Service hat die Segmente II und III im Visier. Die attraktiven Paketpreise sind möglich durch Abstriche bei Standards, Verrechnungssätzen und Teilekosten. Im Rahmen des Economy Service können auch Teile aus der Economy-Teileschiene von VW verbaut werden, die um 30 Prozent günstiger sind. „Früher haben wir schon viel Geld mit unnützen Maßnahmen verbrannt, um Kunden der Segmente II und III zu binden“, räumt Rainer Blessgen ein. Das soll sich jetzt ändern. VW will den Economy Service noch in diesem Jahr bei bis zu 400 bestehenden Servicepartnern einführen. Mittelfristig ist eine bundesweite Flächendeckung geplant, bis Ende 2018 soll die Marke von 800 Betrieben erreicht sein. PSA macht Service für alle Marken Die Aftermarket-Strategie des PSA-Konzerns zielt in eine andere Richtung. PSA will mit „Euro Repar Car Service“ explizit eine Marke etablieren, die sich an Halter aller Fabrikate wendet. René Tchamendje, Projektleiter Euro Repar Car Service, hat das Prinzip bei einer Veranstaltung skizziert. Das Werkstattkonzept für den Independent After Market, das aus der Fusion von Eurorepar und Motaquip Car Service hervorgegangen ist, will bis Rainer Blessgen ist Vorstand der Löhr & Becker AG autoservicepraxis.de | autohaus.de

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Ende des Jahres 400 Werkstätten unter die Marke ziehen. Bis 2020 sollen es bis zu 900 Werkstätten in Deutschland sein. Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an freie Kfz-Betriebe (siehe auch Beitrag Seite 22). Im Rahmen des Euro-Repar-Konzepts werden für ältere Fahrzeuge Teile der zweiten Teilelinie Eurorepar verbaut, die etwa ein Drittel günstiger sind. Mittlerweile umfasst das Sortiment 40 Produktgruppen, davon stammt etwa ein Drittel von PSA, der Rest sind Fremdfabrikate. Erklärtes Ziel des französischen Automobilherstellers ist es, führender Mehrmarkenhändler von Ersatzteilen in Europa zu werden. „GÜNSTIGER-KONZEPTE“ DER HERSTELLER Mercedes-Benz Volkswagen PSA Service & Smile Economy Service Euro Repar Derzeit in Pilotphase mit 6 Werkstätten Für Fzg. der Baureihen A, B, C, E, M und SLK älter als 5 Jahre Nur OE-Teile oder wiederaufbereitete OE-Teile Festpreise auf ausgesuchte Werkstattleistungen Integriert im Markenbetrieb Start des Konzepts im März 2017 mit Betrieb der Löhr-Gruppe Fahrzeuge von Volkswagen älter als 4 Jahre ■ Original-Teile / -Zubehör ■ Economy Teile ■ Schnell- und Verschleißreparaturen ■ eingeschränkte Gewährleistungs-, Garantie- und Kulanzarbeiten ■ Stand alone ■ Integriert im Markenbetrieb ■ Shop in shop Derzeit 280 Werkstätten in Deutschland Alle Marken Günstige Teile der Eurorepar Teilelinie Wartung und Reparatur PSA Betriebe oder freie Werkstätten mit Euro-Repar-Signalisation Mercedes bleibt bei OE-Teilen Neben Euro Repar mit rund 2.500 Werkstattpartnern in Europa soll dabei die eigene Teilemarke „Distrigo“ beitragen. Die Teileschiene Distrigo wurde im Herbst 2016 offiziell vorgestellt. PSA sieht die Einführung als wichtigen Schritt zum „One Stop Shop“ der Mehrmarken-Ersatzteile. Ziel sei es, den Reparaturwerkstätten das beste Multimarken-Angebot auf dem Markt anzubieten. Der Vertrieb für Mehrmarken-Zulieferteile wurde zunächst nur in Frankreich, Belgien und Luxemburg gestartet. PSA bewerkstelligt die Belieferung über Teile und Zubehör-Zentrallager. Der Konzern hat angekündigt, Distrigo für das gesamte Gebiet Europas auszurollen. Bei Mercedes-Benz befindet sich das Serviceformat „Service & Smile“ noch in der Pilotphase. Das Konzept bietet feste Werkstattpreise für ältere Fahrzeuge an. Zu den Pilotbetrieben zählen bislang sechs Mercedes-Benz-Betriebe, die zusätzlich zum Originalservice den günstigeren „Service & Smile“-Service anbieten. Das Angebot richtet sich gezielt an Kunden mit einem mindestens fünf Jahre alten Modell von Mercedes-Benz. Das Angebot umfasst gängige Leistungen wie Wartung, Hauptuntersuchung, Ölwechsel, Reifen, Reparatur an Bremsen, Auspuffanlagen oder Stoßdämpfern. Die Festpreise gibt es vor allem für die Modelle der A-, B-, C- oder E-Klasse. Neben ausgewählten Servicepaketen liegt der Fokus auf reinen Werkstattleistungen ohne Zusatzleistungen wie beispielsweise Fahrzeugreinigung, Hol- und Bring-Service oder Ersatzfahrzeug. Dietmar Winkler ■ ÜBER 5 MILLIONEN VERSCHLEISSTEILE IM SORTIMENT! • Ersatzteile für alle Marken: Neufahrzeuge, Young-/ Oldtimer oder Exoten • Großhandelskonditionen ab dem ersten Euro • Volle Herstellergarantie & über 2000 europäische Lieferanten BIS ZU ERSPARNIS! * *auf den bestehenden Einkaufspreis www.tyre24.com Tyre24 ist eine Marke der

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RUBRIK BEST PRACTICE Neue Farben, mehr Marken Frischer Wind bei Arno Sommer Automobile: mit der neuen Außenfassade beginnt eine neue Ära als freie Kfz-Werkstatt. Wir haben den Partnerbetrieb von Euro Repar Car Service vor Ort besucht. Arno Sommer Automobile unter neuer Flagge mit frischen Farben und renovierter Außenfassade. Fotos: Valeska Gehrke er ehemalige Peugeot­Servicebetrieb, die Arno Sommer Automobile GmbH in Höhr­ Grenzhausen, besitzt seit einem Jahr nicht nur einen neuen Anstrich, sondern hat sich als Mehrmarkenbetrieb komplett neu aufgestellt. „Damals stand eine Umstrukturierung bei Peugeot an. Um die neuen Bedingungen zu erfüllen, hätten wir sehr viel investieren müssen“, erklärt Geschäftsleiterin Bianka Sommer­Jung. Die Entscheidung, als freie Kfz­Werkstatt weiterzumachen, war daher schnell gefallen. Dabei waren die Vorgaben von Peugeot nicht der einzige Grund: „Als wir hier angefangen haben, waren die Geschäfte voll und es gab viel Durchgangsverkehr. Das hat leider ab­ KURZFASSUNG Jubiläum: Seit einem Jahr ist Arno Sommer Automobile Partnerbetrieb von Euro Repar Car Service. Wie der Neuanfang verlief und welche Vorteile und Bedingungen damit verknüpft sind, erfuhr asp bei einem Vor-Ort-Besuch. FREIER TEILEMARKT 2017 Bernard Tchamendje und Robert Hark von Euro Repar mit Rat und Tat zur Seite“, erinnert sie sich. Auch über andere Werkstattnetze habe man sich selbstverständlich vorab informiert. Aber der Kontakt zu PSA bestand bereits und die Kosten für die Umstellung waren überschaubar. 80 Euro Lizenzgebühren sind pro Monat fällig sowie ein jährlicher Mindestumsatz von 10.000 Euro bei Eurorepar­Teilen, der eigenen Ersatzteilschiene. Des Weiteren musste in ein neues Mehrmarkendiagnosegerät invesgenommen. Als freier Kfz­Betrieb sind wir jetzt viel breiter aufgestellt und können mehrere Marken bedienen“, so Bianka Sommer­Jung, die als Quereinsteigerin August 1991 in den Betrieb ihrer Eltern einstieg. Diese gründeten bereits 1966 ihr erstes Peugeot­Autohaus in Straßenhaus, 1998 kam ein zweiter Standort in Neuwied dazu und 2009 der dritte in Höhr­Grenzhausen. Dieser geht nun als Mehrmarkenbetrieb neue Wege und setzt dabei auf die Unterstützung von Euro Repar Car Service, ein Werkstattnetz für markenunabhängige Werkstätten, das die PSA­Gruppe 2015 startete (siehe Kasten rechts). Den Schalter umlegen Der Neuanfang war für das Team, bestehend aus zwei Mechanikern, dem Standortleiter sowie einer Halbtageskraft im Büro, zu Beginn schon eine Herausforderung. Bianka Sommer­Jung: „Viele Hilfsmittel, die man vom Hersteller kennt, hatten wir nicht mehr. Man muss sich aktiv kundig machen und Prozesse neu definieren. Dabei standen uns René Bianka Sommer-Jung mit den gesponserten Trikots inklusive Euro-Repar-Logo autoservicepraxis.de | autohaus.de

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Robert Hark (Euro Repar) mit Geschäftsführerin Bianka Sommer-Jung, Standortleiter Stefan Zöller und Oliver Horzig (Euro Repar) Arno Sommer Automobile wurde als 100. Euro Repar Car Service Partner ausgezeichnet. tiert werden. Kostenpunkt: rund 3.000 Euro. „Um nach Herstellervorgaben zu reparieren, muss ein Mehrmarkendiagnosegerät gegeben sein“, erklärt Robert Hark, Manager Euro Repar Car Service Netz bei der PSA­Gruppe, die Vorgaben. „Die Werkstätten sind da aber sehr frei. Wir geben nur eine Empfehlung, die Entscheidung liegt bei der Werkstatt selbst.“ Denn genau das ist das Konzept von Euro Repar, den Werkstätten möglichst viel Freiraum und Flexibilität zu bieten. „Schließlich gibt es einen Grund, warum eine freie Werkstatt eine freie Werkstatt ist“, weiß er. Daher bietet Euro Repar zusätzliche optionale Pakete etwa im Bereich Marketing an. Nur der einheitliche Markenauftritt, der ist Pflicht. „Da wir zu den ersten 100 Partner­Betrieben gehörten, wurde die Identity von Euro Repar gestellt“, erzählt Bianka Sommer Jung begeistert. „In dem Zuge haben wir auch direkt die Fassade neu machen lassen, das war keine Vorgabe.“ Aber eine gute Entscheidung, wie sich beim Vor­ Ort­ Besuch herausstellt: Das Gebäude leuchtet in frischen Farben und der Schriftzug „Euro Repar Car Service“ ist bereits von der Straße aus sichtbar. Das ist wichtig. Schließlich will man auf sich aufmerksam machen und neue Kunden gewinnen. Dass die Arno Sommer Automobile GmbH in Höhr­Grenzhausen jetzt ein Mehrmarkenbetrieb ist, hat sich inzwischen herumgesprochen, zumindest bei der Stammkundschaft. „Damit wir niemanden verlieren, haben wir alle unsere Kunden angeschrieben. Und viele Stammkunden kommen jetzt auch mit anderen Marken zu uns. Das ist ja ein Zeichen, dass sie sich bei uns wohl fühlen“, ist die Geschäftsführerin überzeugt. Euro Repar Car Service will den Werkstätten möglichst viel Freiraum und Flexibilität bieten. Und auch Standortleiter Stefan Zöller zeichnet eine positive Bilanz: „Die Werkstattdurchgänge sind mehr geworden. Denn wenn da eine Marken­Fahne weht, fährt der eine oder andere schon mal vorbei.“ Inzwischen sind zum Beispiel von fünf Werkstattdurchgängen am Tag zwei Aufträge für Fremdfabrikate zu verzeichnen, so seine Einschätzung. Mit Hilfe von Euro Repar spricht der Betrieb jetzt auch verstärkt die jüngere Zielgruppe an. Im Rahmen einer lokalen Sportveranstaltung etwa sponserte Sommer Automobile die Trikots – natürlich im Euro­Repar­Design und machte das Event über Facebook bekannt –, die Kontakte zu den entsprechenden Partnerfirmen vermittelte das Werkstattnetz. Auch im Werkstattportal Autobutler, das mehrheitlich zur PSA­Gruppe gehört, ist der Betrieb zu vergünstigten Euro­Repar­Konditionen aktiv. Immer mehr freie Werkstätten Nicht nur bei Sommer Automobile kommt das Werkstattnetz Euro Repar Car Service gut an, weiß Oliver Horzig, Key Account Manager Service & Parts: „Wir bekommen immer mehr Zuspruch, von ehemaligen Markenbetrieben und vor allem auch von freien Werk stätten.“ Valeska Gehrke ■ EURO REPAR CAR SERVICE Mit dem markenunabhängigen Werkstattkonzept Euro Repar Car Service spricht die PSA-Gruppe gezielt freie Werkstätten an. Neben der Unterstützung bei der Mehrmarkenreparatur umfasst Euro Repar über die „Eurorepar-DOC“- Plattform auch eine zweite Teileschiene mit mehr als 10.000 Eigenprodukten (preisgünstigere Originalteile für zeitwertgerechte Reparatur). Zukünftig soll das Angebot mit IAM- Partnerprodukten auf 300.000 Referenzen erweitert werden. Aktuell gehören dem Werkstattnetz Euro Repar Car Service rund 280 Werkstätten an, Tendenz steigend. Bis zum Jahresende will man den 400. Partner gewinnen. Langfristig sind in Deutschland bis 2021 rund 900 Partnerbetriebe geplant, heißt es von PSA. autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2017 23

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FREIER TEILEMARKT 2017 GLEITLAGER-SCHÄDEN Immer gut schmieren Gleitlager im Motor müssen die Reibung minimieren und eine verschleißfreie Drehbewegung ermöglichen. Zu viel Mischreibung, Hitzeschäden oder Partikel im Öl können sie frühzeitig schädigen. Gleitlager können durch verschiedene Einflüsse beschädigt werden. leitlager haben im Motor die Aufgabe, Kräfte zwischen relativ zueinander bewegten Komponenten aufzunehmen und zu übertragen. Dabei kommen vielfach Halblagerschalen zum Einsatz. Beispielsweise verbinden Pleuellager die Pleuelstange mit der Kurbelwelle. Die Lagerung der Kurbelwelle wird wiederum mit dem Hauptlager realisiert. Ne­ KURZFASSUNG Gleitlager sind unscheinbare Bauteile, müssen aber viel aushalten und für ein langes Leben immer gut geschmiert sein. Neben dem Verschleiß gibt es viele weitere Faktoren, die zu einem Lagerschaden führen können. FREIER TEILEMARKT 2017 Fotos: MS Motorservice International GmbH Vom Anreiber zum Fresser Doch wie lassen sich Lagerschäden zuverlässig erkennen und wann müssen sie überhaupt ausgetauscht werden? Glänzende Tragspuren auf dem Lager deuten beispielsweise nicht unbedingt auf einen Defekt hin, sondern sind eine Folge des Anpassungsverschleißes, der sogar erwünscht ist. In den ersten Betriebsstunden eines Lagers passen sich die „Gleitpartner“ nämlich aneinander an und es werden Rauhheitsspitzen geglättet. Der nächste Schritt im Lagerleben ist dann der so genannte Anreiber. Dabei wird die glänzende Spur im Hauptlastbereich ausgeprägter und es ist eine leichte Rieben der Kraftübertragung sollen die Lager aber auch die Reibung minimieren und eine nahezu verschleißfreie Drehbewegung ermöglichen. Trotzdem entsteht bei der Drehbewegung Reibung, die wiederum Wärme erzeugt. Um die Reibung zu minimieren und die Wärme abzuführen, benötigt das Lager einen Schmierfilm zwischen Lager und Wellenzapfen. Das Öl sorgt für bis zu 90 Prozent der Hitzeabfuhr im Lager. Ohne den Schmierfilm kommt es zudem zum direkten Kontakt und zur Trockenreibung, was Verschleiß und Abrieb bis hin zum Ausfall des Lagers verursacht. Gerade bei geringen Drehzahlen des Motors kann es passieren, dass sich die Gleitflächen berühren, was einen Lagerschaden mit sich bringt. Erst mit stei­ genden Drehzahlen sinken die Reibkräfte und ein permanenter Schmierfilm (Übergang von Mischreibung zur Flüssigkeitsreibung) wird gebildet. Dieser Zustand ist nahezu verschleißfrei für das Lager und sollte deshalb möglichst schnell erreicht werden. Für eine sichere Funktion des Lagers auch bei niedrigen Drehzahlen muss der Schmierstoffdruck im Lagerspalt deshalb groß genug sein. Das ist gerade in Zeiten niedrig viskoser Öle bei Downsizing­Motoren eine Herausforderung. Auch die häufige Nutzung des Start­Stopp­Systems und ein häufiges Anlaufen des Motors trägt nicht gerade zur Lagerschonung bei. Auch das verwendete Material und der Einsatzzweck des Gleitlagers wirkt sich auf die Lebensdauer aus. Geläufig sind so genannte Zweistofflager, die aus einem Stahlrücken mit Zwischenschicht und einem Lagermaterial, im Regelfall Aluminium, bestehen. Dreistofflager haben noch eine zusätzliche Laufschicht, die galvanisch, per Gleitlack oder sogar mit Sputter­Technik beschichtet ist. autoservicepraxis.de | autohaus.de

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Partikel im Öl betten sich im Lager ein und führen zu einer vernarbten Oberfläche. fenbildung erkennbar. Die Funktionstüchtigkeit des Lagers ist hierbei nicht eingeschränkt, allerdings sollte es sich hierbei um einen vorübergehenden Zustand handeln – beispielsweise durch Mischreibung. Dauert dieser an, kann es zu einem „Fresser“ kommen, wobei Zapfen und Lager verschweißen. Ein Fresser ist auch an starken Riefen und herausgerissenen Werkstoffbereichen erkennbar. Das Lager ist in diesem Fall defekt und muss ausgetauscht werden. Neben der Mischreibung gibt es noch viele weitere Formen von Schäden wie etwa durch Partikeleinwirkung, Erosion und Kaviation, Ermüdungsschäden, Überhitzungsschäden und Korrosion (siehe Beispiele oben). Jeder Schaden hat eine spezifische Ursache, die bei der Motorinstandsetzung genau herausgefunden werden sollte. Alexander Junk ■ Risse und pflastersteinartige Ausbrüche deuten auf Materialermüdung hin. Aufschmelzungen und Verfärbungen sind das Resultat von hoher Hitzeeinwirkung. HAUPTBELASTETE LAGERZONEN Bei Pleuellagern werden die stangenseitigen Lagerschalen besonders stark belastet, bei Hauptlagern sind es hingegen die unteren Lagerschalen. www.KAGUMA.com��������������������������� ��������������������������������������������� ������������������������������������������ ���������������������������������������������������� ���������������������������������������� �������������������� �������������������������������� �����������������������������������������������������

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FREIER TEILEMARKT 2017 ONLINE-TEILEHANDEL David gegen Goliath Der Online-Teilehandel versucht immer mehr Marktanteile des lukrativen Autoteilehandels zu erobern. Jetzt steht auch der Online-Handelsgigant Amazon in den Startlöchern. eit zwanzig Jahren verbinden die meisten Deutschen mit Amazon eine praktische Handelsplattform, auf der nahezu alles erhältlich ist. Die Betonung lag bisher auf „nahezu“, denn selbstredend kann man bei Amazon nicht alles bestellen. Das galt bisher auch für Kfz-Ersatzteile. Doch das soll sich ändern. Für den B2C-Bereich kann man bereits seit längerem Öle, Zündkerzen, diverse Luftfilter, Reifen und andere so genannte „Easy Parts“, also leicht wechselbare Verschleißteile, bei Amazon bestellen. Doch bald sollen auch Teile, wie Luftmengensensoren, Lambdasonden, Einspritzdüsen Der Online-Handel von Kfz-Teilen erobert immer mehr Marktanteile. KURZFASSUNG Mit Spannung wird der Markteintritt von Amazon in den Autoteilehandel von Mitbewerbern und dem so genannten klassischen Offlinehandel beobachtet. Das Thema ist so wichtig, dass auch renommierte Marktforschungsinstitute hierzu Untersuchungen durchgeführt haben. Was sie zu sagen haben und wo Chancen liegen, haben wir hier für Sie zusammengefasst. FREIER TEILEMARKT 2017 oder Ähnliches zu bestellen sein. Daneben werden sich dann auch „Must-fit“- und „Must-match“-Teile dort finden. Wachstum im B2B-Bereich Antti Alexander Wolk, Consultant bei der Wolk After Sales Experts GmbH in Bergisch Gladbach, verwundert diese Entwicklung nicht. „Wir haben für 2015 ein Online-Marktvolumen von so genannten Verschleißteilen im Online-Teilehandel von rund Fotos: Wolk, Carat, eTribes, Adobe Stock/viperagp zwei Milliarden Euro analysiert. Das entspricht ungefähr zehn Prozent des gesamten Aftermarket-Volumens.“ Wenn man die zweistelligen Wachstumsraten der Vergangenheit zugrunde legt, dürfte der Anteil bis heute weiter gestiegen sein. Deshalb ist eine gewisse Sättigung des Do-it-yourself-Anteils bald zu erwarten. Die Marktexperten von Wolk sehen daher ein künftiges Wachstum nur noch im B2B-Bereich. Obwohl der Online-Handel im Allgemeinen schon seit längerer Zeit ein Konkurrent für den klassischen Offline-Handel ist, verschärft sich hiermit, wie autoservicepraxis.de | autohaus.de

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Antti Alexander Wolk, Consultant bei der Wolk After Sales Experts GmbH man bei Wolk in einer Untersuchung kürzlich herausgefunden hat, vor allem für die kleinen lokalen Teilegroßhändler der Konkurrenzdruck nochmals. Sehr umfassend hat sich auch die eTribes Connect GmbH in Hamburg mit dem bevorstehenden Markteintritt von Amazon beschäftigt und hierzu kürzlich die Marktstudie „Knut im Stau“ veröffentlicht. Die beiden Autoren, Nils Seebach, Geschäftsführer der eTribes Connect GmbH, und Lennart A. Paul, Senior E-Commerce Consultant bei eTribes Connect, erklären darin ausführlich, weshalb gerade der Markteintritt von Amazon im Gegensatz zu dem von Online-Teileportalen wie Kfzteile24, Reifendirekt.de oder auch eBay Motors, ein hohes Risiko bergen kann. Hohe Kundentreue bei Amazon Beide Autoren erläutern, dass freie, aber auch Vertrags- und Kettenwerkstätten bisher beste Margen beim Verkauf von Einzelteilen und Arbeitsmaterialien wie Schmierstoffen erzielen konnten. Möglich war dies, da man billig vom Großhandel, Einkaufsverbund oder Hersteller einkaufen konnte und Verkaufsklassiker wie Reifen, Seitenspiegel und Öl mit einem guten Schnitt an den Endkunden weitergereicht hat. Doch ähnlich wie im Einzelhandel, nur sehr viel stärker, treibt der Online-Handel eine Preistransparenz an, die sich Konsumenten jedes Jahr mehr zunutze machen. Konkret bedeutet dies: Gekauft wird online meist dort, wo es am billigsten ist. Von Kundentreue keine Spur. Eine singuläre Ausnahme bildet hier aber Amazon. Der Konzern hat wie kein Zweiter verstanden, wie Kundentreue online funktioniert. Entscheidend ist hier zunächst das Sortiment: Amazon versucht möglichst viele Konsumentenwünsche abzudecken, weswegen früh an seinen eigenen Aktivitäten als Händler ein Marktplatz angedockt wird, auf dem andere Händler ihre Waren anbieten können. In Folge entsteht ein breites und tiefes Sortiment, dass Kunden als erste Anlaufstelle im Netz wie eine Art „Produkt-Google“ nutzen. Werden diese Kunden dann für Programme wie „Amazon Prime“ gewonnen, greift ein Lock-in-Effekt: Da Prime-Kunden eine jährliche Gebühr bezahlt haben, um ihre Einkäufe schnell und umsonst geliefert zu bekommen, wollen sie ihre „Investition“ auch abschreiben. Zudem wissen sie, dass sie nur den Preis zahlen, der auf der Produktdetailseite steht. Je mehr Bedarf über Amazon abgedeckt wird, desto günstiger wird es für den Kunden. Starke Skaleneffekte Selbst kleine Preisunterschiede fallen da nicht mehr ins Gewicht. Andere Anbieter haben daher das Problem, dass sie Amazon so weit unterbieten müssen, dass es dem Kunden wert ist, bei ihnen zu kaufen. Aufgrund der hervorragenden Prozess- und Kosteneffizienz von Amazon ist das aber beinahe unmöglich. Letztlich befindet sich der Konzern damit in einer dauernden Aufwärtsspirale. Denn je mehr Amazon verkauft und Kunden anzieht, desto größer sind IMMER EINEN SCHRITT VORAUS REIFEN, FELGEN UND VERSCHLEISSTEILE Thomas Vollmar, Geschäftsführer der Carat-Gruppe autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2017 27

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FREIER TEILEMARKT 2017 ONLINE-TEILEHÄNDLER ■ Kfzteile24 ■ Autoteile Pöllath ■ A.T.U ■ Autodoc (Konglomerat von einzelnen Unternehmen, die alle mit der gleichen Verkaufsseite im Netz sind) ■ Autoteile Meile (Delticom) ■ Autoteilemann ■ MisterAuto *Quelle: Wolk After Sales Experts GmbH die Skaleneffekte und desto günstiger kann er einkaufen und verkaufen und so gutes Geld verdienen. Dabei spielt in der Amazon-Prioritätenliste „Rendite einfahren“ eine eher untergeordnete Rolle. Vor diesem Hintergrund ist „Amazon Automotive“ im Aftermarket-Bereich ein Portal, das, wenn Autofahrer dort künftig als Erstes Produkte und Dienstleistungen rund um das Auto suchen sollten, deutlich zur Verschärfung des Wettbewerbs beitragen wird. Know-how wird wichtiger Für Autohersteller sowie ihre Zulieferer kann Amazon jedoch eine interessante Vermarktungsmöglichkeit sein. Längerfristig besteht aber wohl die Gefahr, in Abhängigkeit des Konzerns zu geraten und so die Kontrolle über die Preisgestaltung zu verlieren. Händler haben in diesem Spiel, wie man bei der eTribes Connect überzeugt ist, die schlechtesten Chancen, weil sie niemals Amazon- Kampfpreise unterbieten können, ohne draufzuzahlen. Verlierer sind in Folge damit auch die Werkstätten. Denn sie werden Verdiensteinbußen haben, da sie zum Teil auf gewohnte Margen verzichten müssen. Doch so düster wie die Studie der eTribes Connect GmbH die Zukunft für den Teilehandel schildert, ist sie nun auch wieder nicht. Denn gute Zukunftschancen liegen für die Händler gegenüber Amazon und anderen Online- Händlern im Know-how. Konkret ist hiermit die korrekte Teileidentifikation gemeint, die nach wie vor Voraussetzung für einen erfolgreichen Kauf ist. Die üblichen Online Shops – und damit auch letztlich Amazon − verfügen zwar über den TecDoc-Katalog, der bis zu einem gewissen Grad ausreichend ist. „Aber alles was darüber hinausgeht, ist durch eigene Katalogpflege zu korrigieren“, weiß Wolk. „Wer hier besser aufgestellt ist, kann auch in diesem Bereich erfolgreich verkaufen. Im Offline-Handel verhält es sich ja im Grunde genauso. Daher ist der Umstand der Identifikation aus meiner Sicht weniger an die Einkaufsquelle gebunden als vielmehr an die Qualität des Teilekataloges.“ Eine zusätzliche Pflege des Teilekataloges mit spezifischen Teileinformationen ist daher sehr wichtig für den traditionellen Offline-Teilehandel, um sich gegenüber Amazon und Co. absetzen zu können. Hinzu kommt dann noch eine nicht zu unterschätzende psychologische Komponente. „Das Vertrauen in einen persönlichen Ansprechpartner ist immer größer als in einen anonymen Online-Shop“, so Wolk. Trotzdem wird der Kunde in der Praxis sicherlich Teile bei beiden Quellen bestellen. Wie hoch die jeweiligen Anteile sind, lässt sich aber über einen guten Aftersales-Service mit umfassenden Teile- und Reparaturinformationen wesentlich beeinflussen. Öffnung des Teilelagers Auch mittelständische Unternehmen wie Carat haben die zunehmende Konkurrenz der Online-Teilehändler bereits seit längerem erkannt. Vor dem Hintergrund des Markteintrittes von Amazon, aber auch den Bestrebungen von eBay (eBay Motors), in den Autoteilehandel verstärkt zu investieren, brachte es Carat-Geschäftsführer Thomas Vollmar auf der Gesellschafterversammlung in Madrid auf den Punkt, was derzeit die ganze Branche bewegt: „Wenn wir es nicht machen, macht es ein anderer“, so Vollmar, der sich auf den Online-Teilehandel bezog. „Die Digitalisierung geht an keiner Branche vorbei, auch und gerade nicht am Teilehandel. Wer sich diesem Trend verweigert, wird nicht überleben. Wir wollen aber auch in den nächsten zwanzig Jahren noch erfolgreich Kfz-Ersatzteile verkaufen.“ Damit ging Vollmar auch darauf ein, dass immer mehr die Autofahrer durch ihr Kaufverhalten bestimmen, welchen Absatzweg ein Kfz-Ersatz- Nils Seebach, Geschäftsführer der eTribes Connect GmbH FREIER TEILEMARKT 2017 autoservicepraxis.de | autohaus.de

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Prüfung & Reparatur von Fahrzeugelektronik teil letztlich nimmt. „Wenn wir uns dieser Veränderung verschließen, werden in Zukunft andere Handelsformen das Geschäft machen“, so die Überzeugung von Vollmar. Die Carat-Händler machten deshalb auf der Gesellschafterversammlung Weg frei für eine Öffnung des eigenen Versorgungslagers „ad-Cargo“ für alle interessierten Teilehändler. Carat betrachtet dabei das ad-Cargo-Lager als eine Arte Arche Noah des mittelständischen Teilehandels. Dahinter steht das Konzept, dass jeder Teilehändler unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten in diesem Lager Ware beziehen kann. Lennart A. Paul, Senior E-Commerce Consultant bei der eTribes Connect GmbH Online und Offline verknüpfen ad-Cargo ist dabei ab sofort ein neutrales Versorgungslager, das nicht im Wettbewerb zu seinen kaufenden Teilehändlern steht. Die Teilehändler können wiederum selbst entscheiden, ob sie sich nur als Kunden oder als beteiligte ad-Cargo-Gesellschafter oder sogar als Carat-Gesellschafter von diesem Lager versorgen lassen. Für alle drei Stufen gibt es unterschiedliche Konditions- und Rückvergütungsmodelle, die im Status als Carat-Gesellschafter natürlich die besten Ausschüttungen ermöglicht. Die manchmal in der Branche geäußerte Behauptung, der klassische Teilehandel (Offline oder Direktversand über Großhändler) habe das Thema Online-Handel verschlafen, stimmt vor dem Hintergrund solcher Initiativen und Chancen demnach nicht ganz. Wolk meint dazu: „Die meisten klassischen Teilehändler in Deutschland haben ihre versteckten Beteiligungen an mehr oder weniger erfolgreichen Online-Shops.“ Die größten Profiteure der Verknüpfung von Offline- und Online-Prozessen sieht man bei Wolk After Sales Experts bei Werkstattketten wie A.T.U, Pitstop und anderen, die Prozesse am effektivsten umsetzen. A.T.U ist dadurch auch zu einem der größten Online-Player geworden, jedoch inkludiert hier der Online-Umsatz auch sehr viele Online-Buchungen von Werkstattleistungen. Es gibt untrügliche Zeichen, dass der Online-Händler Amazon in Deutschland eine neue Branche erobern will. So ist der Handelsriese gerade dabei, neue Subfirmen oder Patente einzutragen, Pilotprojekte zu starten und nach Managern aus der anvisierten Branche zu suchen. Noch ist aber Zeit, sich auf die kommenden Veränderungen einzustellen und selbst aufzurüsten. Vor allem wer in Know-how und umfassende Aftersales-Services investiert, wird sich deutlich von Amazon absetzen können. Denn die schiere Größe des Handelsriesen kann manchmal auch hinderlich sein. Marcel Schoch ■ Bei Amazon lassen sich bereits Autoteile ordern. Das Angebot soll weiter ausgebaut werden. ecu.de - Glaubitz GmbH & Co. KG Görlitzer Straße 53 02763 Zittau ein Betrieb der Telefon: 03583/ 55 47 80 Telefax: 03583/ 55 47 820 e-mail: info@ecu de www.ecu.de www.ecu.de w.ecu autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2017 29

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FREIER TEILEMARKT 2017 ELRING KLINGER Qualität hält dicht Die Initiative „Qualität ist Mehrwert“ startet eine Veranstaltungsreihe, die Werkstätten einen Blick hinter die Kulissen der Markenhersteller gewährt. Erstes Ziel war Dichtungsspezialist Elring. ie freien Werkstätten befinden sich immer häufiger im Dilemma zwischen günstigen Preisen und qualitativ hochwertiger Arbeit. Vor allem bei Ersatzteilen sehen sie sich häufig Kunden gegenüber, die auf jeden Cent achten, teilweise mit im Internet besorgten Teilen auftauchen oder auf Verwendung günstiger Teile pochen. KURZFASSUNG Die Initiative „Qualität ist Mehrwert“ lud 20 freie Werkstatt-Inhaber ein, um sich beim Dichtungshersteller Elring von dessen Qualität zu überzeugen. Damit will man Betriebe für Qualitätsprodukte sensibilisieren, um deren Bestehen gegenüber Markenbetrieben zu sichern. FREIER TEILEMARKT 2017 Elring Klinger ist ein Spezialist für Zylinderkopfdichtungen Die Initiative „Qualität ist Mehrwert“ kämpft seit 2010 für ein hohes Qualitätsbewusstsein in den freien Betrieben. Gleiche Qualität für alle Um zu verdeutlichen, welche Vorteile Werkstätten aus der Verwendung von Markenteilen ziehen können, startete eine Veranstaltungsreihe, die einen Blick hinter die Kulissen der Markenhersteller ermöglicht. Als erstes der 28 teilnehmenden Unternehmen stand Dichtungsspezialist Elring Klinger auf dem Plan. Ende Juni besuchten 20 ausgesuchte Werkstattinhaber Werk I und II am Standort Dettingen an der Erms sowie eine technische Schulung. Täglich verlassen alleine rund 25.000 Zylinderkopf- Fotos: Elring Klinger dichtungen verschiedenster Ausprägung das Werk in Dettingen. Florian Kiziak, Technischer Trainer des Geschäftsbereiches Ersatzteile, führte zu Beginn der Schulung aus, dass Elring an 49 Standorten weltweit rund 8.900 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1.800 in Dettingen. Wichtigste Information für die Werkstatt an dieser Stelle: „Die Investitionen in den Maschinenpark und die Entwicklungskosten sind enorm, es liegt auf der Hand, dass somit der Aftermarket-Kunde vom Know-how und den Möglichkeiten des Serienentwicklers profitiert“, erklärt Kiziak. Neben Zylinderkopf- und Spezialdichtungen zählen auch Radialwellendichtringe, Ventilschaftdichtungen, Dichtmassen, Zylinderkopfschraubensätze und komplette Dichtungssätze zum Portfolio. Die Trainer teilten sich an diesem Tag die Arbeit, Mario Rauch, Leiter des technischen Marketings und ebenfalls Elring-Techniker, stieg anschließend noch tiefer in die Thematik ein. Hochdynamische Komponenten In seiner Einführung erläuterte Rauch die unterschiedlichen Dichtungstypen. Die Zwei-Komponenten-Dichtung besteht als älteste Technologie aus einem metallischen Träger mit aufgewalztem Weichstoffgranulat. Diese kommt als Kopfdichtungen nur in älteren Motoren oder als Nebendichtung zum Einsatz. Im modernen Pkw-Motor setzen Hersteller meist auf Metalllagen-Dichtungen, während im Nutzfahrzeugbereich in der Regel Metall-Elastomer-Dichtungen eingebaut sind. Laut Mario Rauch beginnt die Entwicklung von Kopfdichtungen bei Elring rund fünf Jahre, bevor ein Motor auf den Markt kommt. Mit der Finite-Elemente-Methode werden autoservicepraxis.de | autohaus.de

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am Computer Kontaktzonen bestimmt und geklärt, wie eine Dichtung das Pulsieren der Bauteile auf Dauer aushält. „Genau darauf kommt es heute bei einer Kopfdichtung an. Motorbauteile sind nicht statische, sondern hochdynamische Komponenten. Diese Dynamik im sogenannten Dichtspalt zwischen Motorblock und Zylinderkopf muss eine Dichtung nicht nur abdichten, sondern im Idealfall ihr folgen und sie kompensieren können“, so Rauch. Optimale Oberflächen schaffen Dann beschrieb Rauch detailliert die einzelnen Schritte beim Tausch einer Kopfdichtung. An erster Stelle steht das richtige Reinigen der Oberflächen zwischen Block und Kopf (Dichtfläche). „Wir empfehlen hier, keine metallischen Schaber, sondern Kunststoffschaber oder eine Bürste zu verwenden, um die Oberflächen nicht zu beschädigen, denn die Oberflächengüte ist das A und O“, so Rauch. Nicht zu vergessen ist die Reinigung der sogenannten Sacklöcher, also der Gewindebohrungen für die Zylinderkopfschrauben, am besten durch Ausblasen mit Druckluft. „Dieser Punkt ist sehr wichtig, denn Öl-Rückstände vermindern die Lochtiefe, die als Dehnschrauben ausgeführten Zylinderkopfschrauben brauchen Platz. Sonst entsteht praktisch eine hydraulische Presse, die so viel Kraft entwickeln kann, dass es einen Motorblock sprengt und sich Risse bilden“, mahnt Rauch. Sind die Dichtflächen gereinigt, muss der Monteur den Zustand der Oberflächen einschätzen. Die sogenannte Makroabdichtung, beeinflusst durch den Verzug der Bauteile, kann mittels Haarlineal oder Fühlerlehren gemessen werden und darf in Längsrichtung maximal 5/100 Millimeter, in Querrichtung bis 3/100 Millimeter zwischen den Schrauben betragen. Komplizierter wird es bei der Mikroabdichtung durch die Rauigkeit der Oberflächen. Die Rautiefe darf maximal 25 µ-Meter – Tausendstel Millimeter – betragen, darüber ist maschinelles Bearbeiten (Planen) notwendig, in der Regel beim Instandsetzer, da Werkstätten kaum über die notwendigen Werkzeuge verfügen. „Eine optimale Oberfläche ist gerade bei Metalllagendichtungen sehr wichtig“, so Rauch. Was bei alten Motoren noch möglich war, das Bearbeiten mit Schmirgelpapier, Fingerspitzen gefühl und viel Erfahrung, führte durchaus zu guten Ergebnissen, weil leichte Mängel von der alten Metall-Weichstoffdichtung geschluckt wurden. Diese kleinen Fehler kann man sich heute nicht mehr leisten, heute müssen Oberflächen perfekt sein. Die Automobilhersteller sagen heute deshalb oft: Motoren nicht mehr öffnen, sondern austauschen. Dazu Mario Rauch: „Aus unserer Sicht ist eine Reparatur unter Beachtung verschiedener Vorgaben möglich. Dazu gehört das Einhalten der DIE LÖSUNG FÜR EINE ZEITWERTGERECHTE REPARATUR FÜR ALLE FAHRZEUGE AB EINEM ALTER VON 3 JAHREN EIN VOLLSTÄNDIGES SORTIMENT MIT 42 PRODUKTFAMILIEN UND ÜBER 10.000 REFERENZEN Telefon: 0800-86586580 E-Mail: kontakt@psa-eurorepar.de KAROSSERIE ZAHNRIEMEN / ZAHNRIEMENKITS BREMSEN AUFHÄNGUNG / LENKUNG STARTEN / ZÜNDUNG AUSPUFF KLIMAANLAGE SICHT FILTER MOTORTEILE FLÜSSIGKEITEN

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FREIER TEILEMARKT 2017 Oberflächengüte und das maschinelle Bearbeiten mindestens des Zylinderkopfes bei Verwendung von Metall-Lagendichtungen. Dies gilt zumindest für Motoren mit solidem Guss-Block.“ Motoren mit Alu-Block oder sogar Open-Deck-Motoren sieht er als Risikoreparatur. Qualität nur im Original Heutige Motoren „arbeiten“ durch höhere Arbeitsdrücke (z. B. CommonRail) viel mehr. Die Motoren sind außerdem leichter (Alu statt Guss) und nicht mehr massiv gebaut, sondern als sogenannte Open-Deck-Motoren ausgelegt. Es gibt kleinere Schraubendurchmesser zur Gewichts- und Platzersparnis, außerdem kleinere Motoren (Downsizing). All das führt heute zu sehr hohen Dichtspaltschwingungen. Dabei geht es zwar „nur“ um 2 bis 10 Tausendstel Millimeter, aber das reicht aus, um einen Hammereffekt auf der Dichtung auszuüben und diese platt zu klopfen. Deswegen kommen heute mit Metalllagendichtungen dynamische Dichtsysteme zum Einsatz. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, bzw. billige Nachbauteile vom Qualitätsprodukt. Elring fertigt Dichtungen von einer bis fünf Lagen in Halblagenschritten. Die obere und untere Lage des hochfesten Federstahls ist jeweils eine Funktionslage mit eingeprägter Sicke zum Ausgleich der Welligkeit der Bauteile sowie der Bauteilschwingungen. Eine spezielle Beschichtung gleicht die Rauigkeit aus. Die Zwischenstufen (z. B. 2,5) kennzeichnen Dichtungen mit integriertem Stopper. Dieser gleicht Schwingungen aus und Details für Teilnehmer: Mario Rauch sprach über Reparatur und Austausch. FREIER TEILEMARKT 2017 INITIATIVE „QUALITÄT IST MEHRWERT“ „Qualität sichert das Überleben“ „Qualität ist Mehrwert“ ist eine Initiative 28 namhafter Hersteller von Automobilteilen im Automotive Aftermarket. Ziel ist es, das Qualitätsbewusstsein bei der Fahrzeugreparatur signifikant zu steigern. Dazu werden dem Teilehandel, den Kfz-Werkstätten und den Autofahrern die Vorteile von Qualitätsteilen vor Augen geführt – mit Informationsmaterial, bei Veranstaltungen und auf der Website. Sprecherin der Initiative Christina Guth: „Wir wollen gemeinsam mit den Herstellern gegen eine Entwicklung mit immer mehr Billiganbietern und Plagiateherstellern angehen. Der Anteil an Billigteilen und Plagiaten nimmt jedes Jahr weltweit zu und ist größer und dabei ungefährlicher als der Drogenmarkt. Wir müssen in die freien Werkstätten hineintragen, dass Qualität ihre Überlebenssicherung ist, nicht nur bei den Teilen, sondern in allen Prozessen.“ ‚Qualität ist Mehrwert‘ plant jährlich zwei Veranstaltungen bei den angeschlossenen Herstellern. Alle Partner, aktuelle Termine und Informationen gibt es unter: www.qualitaet-ist-mehrwert.de Teilnehmer des Elring­Besuchs mit Christina Guth (4. v. l.) Sprecherin „Qualität ist Mehrwert“ sowie die Elring­Trainer Florian Kiziak (ganz links) und Mario Rauch (ganz rechts). vermindert so den Materialstress an der Sicke, so dass diese nicht reißen oder brechen kann. Mario Rauch zur Qualität: „Drei Blechlagen zusammennieten und eine Welle hineinprägen können Billighersteller oder Nachahmer auch, aber die Stoppertechnologie bekommen sie nicht hin. Dann enthält die Dichtung keinen Stopper oder nur einen eingeschweißten Ring statt notwendiger geprägter Varianten oder gar höhenprofilierter Stopper. Damit halten die Dichtungen deutlich kürzer. Das ist das Risiko, das Werkstätten eingehen, wenn sie billige Dichtungen im Internet bestellen, von Plagiaten ganz abgesehen. Die spielen in Deutschland kaum eine Rolle, Billigteile aus dem Internet schon.“ Schadensbilder richtig deuten Die Beschichtung der Metalllagendichtung dient dem Ausgleich der Mikrorauigkeit von Kopf und Block bis zu den oben genannten Maximalwerten. Die Dichtung muss beim Ausbau im Schadenfall das richtige Tragbild zeigen, d. h. die schwarze Beschichtung darf an den belasteten Stellen nicht mehr sichtbar sein, sondern nur das darunterliegende Metall. An Stellen, wo die Beschichtung noch sichtbar ist, hat die Dichtung nicht richtig getragen, es kommt zum Gasübertritt. Ursache sind meist nicht richtig vorbereitete Oberflächen. Elring bietet im Internet Informationen rund um das Thema Dichtungen. „Wir versuchen alle Fragestellungen im Zusammenhang mit einer Reparatur, nicht nur dichtungs-, sondern auch motorseitig, abzudecken, per Serviceinformation, per Film oder Animation auf der Homepage oder YouTube“, erklärte Florian Kiziak. Außerdem gibt es neben Schraubenkatalog und Dichtmassenberater noch die Online-Akademie, um Schulungsinhalte in Form eines Examens in acht Bereichen zu wiederholen. Bei Bestehen erhält der Teilnehmer den Sticker „Certified Expert“. Dieter Väthröder ■ autoservicepraxis.de | autohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2017 COPARTS Eine Marke – viele Facetten Die Teilehandelskooperation Coparts hat sich im Laufe ihrer mehr als 30-jährigen Geschichte zu einem Unternehmen mit vielfältigem Dienstleistungsangebot gewandelt. Das Teilegeschäft steht längst nicht mehr allein im Mittelpunkt, wie Coparts-Geschäftsführer Ulrich Wohlgemuth bei einem Besuch in der Essener Systemzentrale erklärt. Zum Coparts-Verbund gehören heute 52 Gesellschafter, die in ihrer jeweiligen Region zu den erfolgreichen Teilegroßhandelsunternehmen zählen. Coparts ist Konzeptgeber für die Werkstattsysteme Profiservice Werkstatt, Autoexcellent, Technikpartner und Top Truck. Freie Werkstätten finden darin eine Markenzugehörigkeit und vielfältige Unterstützung bei Marketing, technischem Know-how und einer verlässlichen Teilebelieferung. Die Marke Profiservice Werkstatt ist ein europäisches Premium-System, dessen Markenschild mittlerweile an über 5.000 Betrieben in 22 Ländern zu finden ist. Coparts ist längst ein internationaler Player. Als Anteilseigner der Groupauto Deutschland ist Coparts ein wichtiger Partner der Einkaufskooperation Groupauto International, die ihren Schwerpunkt in Europa hat, aber auch in Mittel- und Südamerika sowie in Russland aktiv ist. Insgesamt gehören 35 nationale Mitglieder mit fast 4.000 Points of Sale zu Groupauto International. Servicegesellschaft G.A.S Ein Meilenstein in der Geschichte der Coparts war die Gründung der Servicegesellschaft Global Automotive Service GmbH (G.A.S.) im Jahr 2006. Coparts hält als Anteilseigner derzeit 52 Prozent. G.A.S. bündelt die lokalen Kompetenzen der Werkstätten zu flächendeckenden Services, unter anderem im Flottenmanagement für namhafte Partner. Als wichtiges Aushängeschild ist sicher die Partnerschaft zur DP DHL Fleet, einer autoservicepraxis.de | autohaus.de Tochtergesellschaft der Deutsche Post AG, zu nennen. Die Kooperation sieht vor, dass Fuhrpark-Fahrzeuge im Netzwerk der G.A.S. repariert und gewartet werden. Allein 2016 waren dies 50.000 vermittelte Aufträge. In den bundesweit mehr als 1.500 Service-Werkstätten werden neuerdings auch die neuen Elektro-Transporter von DHL gewartet und repariert. Zudem sind die G.A.S.-Werkstattbetriebe eingebunden in das Service Partner Netzwerk von ADAC und Allianz. „Wir vermitteln im Rahmen der Partnerschaft Schäden in unsere Werkstätten zu besonderen Prei- sen“, erklärt Wohlgemuth das lohnende Engagement. Fester Bestandteil der Coparts-Welt ist die Praktikermesse „Profi Service Tage“, die jährlich stattfindet – im Wechsel an den Standorten Frankfurt und Göttingen. Hier finden Besucher neueste Informationen, Werkstattausrüstung und alle Infos zu Pkw- und Nkw-Teilen sowie zu Werkzeugen und der Diagnose. Über 180 Aussteller erwartet Coparts bei der Messe am 25. und 26. November in Halle 3 der Messe Frankfurt. Dietmar Winkler ■ WAECO AIRCON PARTS Coparts- Geschäftsführer Ulrich Wohlgemuth: „Ein breites Spektrum.“ Präzision, auf die Sie sich verlassen können! Foto: Coparts WENN KLIMATEILE, DANN WAECO! Das WAECO Qualitätssortiment der originalersetzenden Klimateile umfasst über 950 Artikel für weit mehr als 41.000 verschiedene Fahrzeugapplikationen. Nicht nur Kompressoren, Kondensatoren und Trockner – wir liefern Ihnen auch die für eine erfolgreiche Klimaanlagen- Reparatur benötigten Druckschalter, O-Ringe und Expansionsventile. airconservice.de

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FREIER TEILEMARKT 2017 MONTAGE Schnell verkuppeln Anhängerkupplungen sind ein wichtiges Zubehör, wenn das Fahrzeug für verschiedene Transportzwecke genutzt werden soll. Ihre Nachrüstung am Fahrzeug ist aber nur etwas für Spezialisten. Montage-Profis: Ralf Meisel von Bosal mit Domenic Pache und Steven Schumacher von Rameder (v. l.). rtstermin beim Rameder Montage Point in der Maria- Probst- Straße im Euro-Industriepark München. Die auf die Montage von Anhängerkupplungen spezialisierte Werkstatt ist einer von acht Rameder-Montagepoints in Deutschland. Die beiden Kfz-Mechaniker Steven Schumacher und sein Kollege Domenic Pache montieren täglich an bis zu vier KURZFASSUNG Die Montage von Anhängerkupplungen stellt hohe Anforderungen an die Mechaniker. Vor allem die Freischaltung bzw. Codierung setzt den Kfz-Betrieben deutliche Grenzen. Die Firma Rameder Anhängerkupplungen und Autoteile GmbH aus Leutenberg betreibt daher bundesweit eigene Montagepoints. Sie unterstützen Kfz-Werkstätten und Privatkunden bei der Montage von Anhängerkupplungen. FREIER TEILEMARKT 2017 Fotos: Schoch Fahrzeugen Anhängerkupplungen. „Unsere Kunden können hier bei uns ihre bei Rameder im Onlineshop bestellte Kupplung kurzfristig nach Terminvereinbarung einbauen lassen“, sagt Steven Schumacher. „Je nach Aufwand belaufen sich dabei die reinen Montagekosten zwischen 149 und 429 Euro inklusive Mehrwertsteuer.“ Eingespieltes Team Vor allem bei großen SUV, wie Porsche Cayenne oder BMW X7, ist der Arbeitsaufwand erheblich. „Hier müssen“, wie Domenic Pache erklärt, „zahlreiche Verkleidungen abgebaut werden, um die Anhängerkupplung überhaupt montieren zu können. Hinzu kommt die Verkabelung des Elektrosatzes. Bei Fahrzeugen mit CAN-Bus kann die Arbeitszeit zusammen mit Verlegen und Anschließen der Kabel und dem Anler- nen des Steuergerätes zwei Drittel des gesamten Montageaufwandes ausmachen.“ Bis zu vier Stunden kann deshalb eine Montage dauern. Damit sind die beiden Montage-Profis immer noch gut doppelt so schnell wie ihre Kollegen in den freien oder Marken-Werkstätten. „Gut die Hälfte unserer Aufträge erhalten wir daher von Kfz-Werkstätten in und um München“, sagt Steven Schumacher. Bei Rameder kann jede Anhängerkupplung der renommierten Hersteller, wie Bosal, Thule, Westfalia oder MVG etc., bestellt werden. Im aktuellen Fall hat sich ein Kunde für seinen VW Tiguan eine abnehmbare Anhängerkupplung „Oris AK41“ mit Elektrosatz von Bosal bei Rameder bestellt. Für ihre Montage haben Steven Schumacher und Domenic Pache gut drei Stunden kalkuliert. „Die Montage unserer Anhängerkupplung an den VW Tiguan ist vom mechanischen Aufwand nicht sehr groß“, sagt Ralf Meisel, Leiter Marketing und Produktmanagement bei der Bosal Deutschand GmbH. „Da der Tiguan des Kunden von Seiten des Werks noch nicht für eine Anhängerkupplung vorbereitet ist, muss Domenic Pache alle elektrischen Anschlüsse und Verkabelungen im Fahrzeug selbst anschließen und verlegen. Bevor es soweit ist, muss das Fahrzeug für die Montage der Kupplung vorbereitet werden. „Wir lesen zuerst den Fehlerspeicher des Fahrzeugs aus, so dass wir genau wissen, dass keine Fehler vorliegen und die Montage der Anhängerkupplung problemlos durchgeführt werden kann“, sagt Steven Schumacher. „Würde ein Fehler vorliegen und dieser ist im Fehlerspeicher hinterlegt, benachrichtigen wir den Kunden. In einem solchen Fall müssen wir aus Haftungsgründen die Montage autoservicepraxis.de | autohaus.de

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verschieben, bis der Fehler in einer Kfz-Werkstatt behoben ist. Anschließend wird das Fahrzeug mit einer Einsäulen-Hebebühne angehoben. Diese Art von Hebebühne ermöglicht es den beiden Mechanikern an der Fahrerseite und am Heck des Fahrzeuges arbeiten zu können. „Für die Montage der Anhängerkupplung legen wir das Fahrzeug am Heck und im Kofferraum völlig frei“, sagt Domenic Pache. Der erfahrene Kfz-Mechaniker meint damit, dass er und sein Kollege Steven Schumacher sämtliche Verkleidungen und Beleuchtungseinrichtungen am Heck entfernen. Verschraubt und mit Strom versorgt Auch werden die am Heck montierten Sensoren, falls vorhanden, für die Einparkhilfe samt der Heckschürze abmontiert. Nachdem Steven Schumacher den Heckverkleidungsträger abgeschraubt hat, kann er die beiden massiven Halterungen der Anhängerkupplung mit den Heckversteifungen im Unterbodenbereich des Tiguan jeweils seitlich verschrauben und zusammen mit Domenic Pache den Anhängerkupplungsträger befestigen. Nachdem die wegklappbare Steckdose für die Stromversorgung des Hängers montiert ist, verlegt Domenic Pache den der Anhängerkupplung beiliegenden Kabelsatz vom Heck des Fahrzeugs zum Steuergerät unterhalb des Armaturenbrettes im Fahrer-Fußraum. „Hier muss er lediglich die vorkonfektionierten Pins in die entsprechenden Positionen am Stecker des Steuergerätes einstecken“, sagt Ralf Meisel. „Der beiliegende Kabelstrang ist dabei lang genug, dass er vom Mechaniker problemlos unterhalb der Verkleidungsteile im Fahrgastraum verlegt werden kann. autoservicepraxis.de | autohaus.de Zwei bis drei Stunden dauert die Montage einer Anhängerkupplung an einem VW Tiguan SERIENERSATZ? GANZ KLAR: BILSTEIN! Mit uns bleiben Ihre Kundenfahrzeuge das, was sie sind: echte Originale. Unsere kompromisslose Qualität ist der Grund, warum uns die Automobilindustrie in der Serienfertigung vertraut. Mit unserem Teileprogramm von BILSTEIN B1 bis BILSTEIN B4 in uneingeschränkter Erstausrüster-Qualität haben Sie das perfekte Handwerkszeug für Ihr Tagesgeschäft: Serienersatz. bilstein.com

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FREIER TEILEMARKT 2017 Der Nachrüstsatz von Bosal enthält alles, was zur Montage notwendig ist. Anschließend muss der Kabelbaum für die Elektrik verlegt sowie ... Nach der Montage der Heckschürze wird die Schwenkbarkeit der Steckdose getestet. FREIER TEILEMARKT 2017 Die massiven Träger der Anhängerkupplung werden mit dem „Heckrahmen“ verschraubt. ... das Steuergerät für die Beleuchtungseinrichtungen am Anhänger eingebaut werden. Mit dem Diagnosegerät muss die Anhängerkupplung freigeschaltet werden. Dem Anhängerkupplungs-Satz von Bosal liegt auch das für die Steuerung der Anhänger-Beleuchtung notwendige Steuergerät bei. Während Domenic Pache es unterhalb der linken Verkleidung im Kofferraum verbaut, schneidet Steven Schumacher aus der Heckschürze den Ausschnitt für den Anhängerkupplungshaken aus. „Der Mechaniker kann hierzu die genauen Maße, wo er schneiden muss, aus der beiliegenden Montageanleitung entnehmen“, so Meisel. Nachdem Elektrik und Heckschürze samt aller Anbauteile wieder montiert sind, muss die neue Anhängerkupplung angelernt werden. „Nachrüstteile, wie Anhängerkupplungen, benötigen heute eine Adaption an das Steuergerät, da im modernen Fahrzeug mit CAN-Bus-Systemen immer mehr Signal-, Warn- und Lichtfunktionen elektronisch angesteuert werden“, erklärt Ralf Meisel. „Die Freischaltung der Anhängerkupplung erfolgt meist über eine einfach durchzuführende Codierung, wie sie u. a. das von Rameder angebotene Diagnosegerät DigiTest bietet.“ Das Verschrauben der Anhängerkupplungsaufnahme ist zu zweit leichter. Der Ausschnitt für die Kupplung in der Heckschürze geht aus der Anleitung hervor. Endkontrolle: alle Funktionen und der fachgerechte Einbau werden überprüft. Richtig codieren Die Verbindungsherstellung erfolgt per Funk-VCI mit der OBD des Fahrzeugs. Nach der Fahrzeugidentifizierung kann der Menüpunkt „Anhängekupplung codieren“ ausgewählt werden. Jetzt muss man nur noch die Zündung des Fahrzeugs anschalten und den Anweisungen des DigiTest folgen. Der DigiTest arbeitet sich selbsttätig durch die Codierung. Das komplette Setting ist nach rund fünf Minuten abgeschlossen. Wird jetzt ein Anhänger an das Fahrzeug gekuppelt und mit der Fahrzeugelektrik verbunden, erkennt die Fahrzeugelektronik den Status „Gespannbetrieb“ und passt die Fahrwerkssicherheitssysteme und die Fahrerassistenzsysteme entsprechend an. Falls vorhanden, werden dann auch Parkassistenzsysteme, wie die Rückfahrkontrolle (Kamera oder Parksensoren) im Heck deaktiviert. Zum Schluss der Montage werden Funktionen und korrekter Einbau der Anhängerkupplung geprüft. Danach wird das Fahrzeug übergeben. Ist eine Eintragung der Anhängerkupplung in die Papiere nötig, kann dies nur ein anerkannter, dafür zertifizierter Kfz-Betrieb durchführen bzw. eine Prüforganisation. Die meisten Anhängerkupplungen müssen jedoch nicht in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden, da sie bereits mit einem „e-Prüfzeichen“ versehen sind. Marcel Schoch ■ autoservicepraxis.de | autohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2017 INTERVIEW Weitere Partner sind willkommen Caruso soll künftig ein Gegengewicht zu den digitalen Geschäftsmodellen der Fahrzeugindustrie sein. Die Plattform will fahrzeugbezogene Daten allen Akteuren des Aftermarket anbieten. er Aufbau der von TecAlliance ins Leben gerufenen Datenplattform für den freien Aftermarket, Caruso, kommt voran. Ab sofort firmiert der Marktplatz als eigenständige Gesellschaft. Aktuell ist Caruso dabei, die ersten Daten von Partnern in die Plattform einzugliedern und den für das dritte Quartal 2017 geplanten Markteintritt vorzubereiten. asp: Caruso ist jetzt eine eigenständige Gesellschaft. Wer steht eigentlich hinter der Caruso GmbH? A. Haid: Die Initiative für die Schaffung einer unabhängigen Datenplattform geht ja auf eine Initiative der Teileindustrie und auf den Handel zurück. Unsere Eigner sind die 34 Gesellschafter der Tec Alliance. Formal hält die TecAlliance derzeit noch 100 Prozent an der Caruso GmbH, stellvertretend für die TecAlliance Gesellschafter. Unser Ziel und Auftrag ist es, möglichst schnell operativ tätig zu werden. Die Ausgründung einer eigenständigen GmbH schafft die Voraussetzung dafür, dass auch andere Player im Independent Aftermarket (IAM) Gesellschafter werden können. asp: Wen haben Sie als neue Anteilseigner im Blick? A. Haid: Grundsätzlich alle bisherigen und zukünftigen Akteure des Independent Aftermarket. Besonders interessant sind KURZFASSUNG Der Geschäftsführer der Datenplattform Caruso sieht in der Branchenlösung ein enormes Potenzial für den IAM. Der Teilegroßhandel sieht das Projekt eher kritisch, weil es bislang keinen direkten Zugriff auf Fahrzeugdaten gibt. Alexander Haid ist Geschäftsführer der neu gegründeten Caruso GmbH. Unternehmen aus den Bereichen Handel sowie Flotte und Leasing. Denn sie haben heute die höchste Durchdringung an Fahrzeugen, die bereits über eine Datenanbindung verfügen. Und diese Unternehmen haben selbst ein vitales Interesse daran, Daten über eine neutrale Marktplatzfunktionalität zu bekommen, unabhängig von der Fahrzeugmarke. Interessant sind aber auch Versicherungen, die ja heute schon ihren Kunden Dongle- Lösungen anbieten, um Telematik-Tarife anzubieten. Im Blick haben wir darüber hinaus Werkstätten und natürlich Software- und Dienstleistungsanbieter im Bereich Werkstatt. Das könnten Anbieter von Werkstattschulungen sein oder Unternehmen, die eine technische Hotline betreuen. asp: Wer betreibt die Plattform eigentlich technisch? A. Haid: Wir betreiben die Plattform. Wir haben aber Technologiepartner, mit denen wir zusammenarbeiten. Ganz wichtig Foto: Caruso für uns ist die Neutralität, daher ist das Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern unser wichtigster Partner. Für bestimmte Plattformfunktionalitäten holen wir weitere Partner dazu. Da sprechen wir dann von Abrechnungsfunktionen, einer Brokering-Funktion, dem Schnittstellenmanagement etc. Im Grunde handelt es sich um ein Technologiepartnernetzwerk, mit dem wir arbeiten. Unter anderem ist Bosch ein Partner, mit dem wir für bestimmte Plattformfunktionalitäten zusammenarbeiten. Bosch unterstützt uns beim Thema Engineering von Funktionalitäten. Wir müssen hoch skalierbar sein. Unsere Cloud-Lösungen müssen verlässlich funktionieren, egal ob ein Kunde 100 oder eine Million Autos angebunden hat. Es geht um Zuverlässigkeit und Belastbarkeit. Betreiber ist immer Caruso selbst, aber wir sourcen bestimmte Funktionen natürlich über Service-Level-Agreements als Dienstleistung aus. Unser Ziel und Auftrag ist es, jetzt möglichst schnell operativ tätig zu werden. asp: Der Teilegroßhandel hat große Vorbehalte gegenüber dem Modell Caruso in der jetzigen Form. Woran liegt das? A. Haid: Wir sind konkret mit vielen Großhändlern im Gespräch, nicht nur als mögliche Gesellschafter, sondern auch, damit sie als Partner auf die Plattform kommen und ihre Lösungen vermarkten bzw. ihre Softwarelösungen über die Plattform weiter ausbauen. Denn alle Marktteilnehmer im IAM eint das Ziel, den Independent Aftermarket autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2017 37

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FREIER TEILEMARKT 2017 DAS LEISTET DIE DATENPLATTFORM CARUSO Caruso soll künftig ein Gegengewicht zu den digitalen Geschäftsmodellen der Fahrzeugindustrie sein. Die neutrale und offene Branchenlösung soll es Marktteilnehmern ermöglichen, ihre fahrzeugbezogenen Daten standardisiert in einer sicheren und vertrauenswürdigen Umgebung allen Akteuren des Aftermarket anzubieten. Gegründet wurde Caruso von der TecAlliance GmbH, die als Branchenstandard für die Bereitstellung von Fahrzeug- und Artikeldaten, Reparatur- und Wartungsinformationen bekannt ist. Gesellschafter der kürzlich gegründeten Caruso GmbH sind die Gesellschafter der TecAlliance. Derzeit wirbt die Gesellschaft für weitere Partner. Geplant ist, dass im Laufe des Jahres weitere Gesellschafter aus den Bereichen Handel, Versicherungen, Flotte/Leasing und Dienstleister mit einsteigen. Auch kleinere Marktteilnehmer sind laut Caruso erwünscht. Jeder Gesellschafter kann zusätzlich Datenlieferant, aber auch Datennutzer sein. Das System soll im Oktober live gehen. Bis heute hat TecAlliance rund eine Million Euro in das Projekt investiert. Bis Ende 2018 sind mindestens weitere sechs Millionen Euro geplant. Caruso stellt die zentrale Infrastruktur für die Identifikation relevanter Daten, deren Einspeisung, die sichere Datenhaltung, das Datenmanagement, den Datenzugriffsschutz und die Datenverteilung bereit – unabhängig von zukünftigen Entwicklungen bei Fahrzeugschnittstellen, Datenquellen und Plattformtechnologien. Die Daten werden auf Caruso harmonisiert und standardisiert und an die Datenempfänger distribuiert. Der Austausch erfolgt über standardisierte und zertifizierte Schnittstellen. Der Caruso Datenmarkt Fahrzeug Fahrer Komplementäre Daten - RMI - Produkte - Preise - Techn. Unterstützung Fahrzeug Telematik-Daten - OBDII - Extended Vehicle - OTP Datenlieferant Datenkonsument Der Datenmarktplatz wird in enger Zusammenarbeit und mit technischer Beratung durch das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern entwickelt. Digitalschnittstelle Flotten Versicherer Werkstätten Diagnose in der digitalen Transformation zu unterstützen. asp: Der Teilehandel will nicht, dass Fahrzeugdaten zunächst an den Fahrzeughersteller gehen und erst dann im zweiten Schritt für den IAM geöffnet werden. A. Haid: Es gibt natürlich unterschiedliche Meinungen, wie man das angehen kann, in welcher Reihenfolge und was die beste Vorgehensweise ist. Es ist in der Tat ein Problem, wenn Fahrzeughersteller ein technisches Monopol haben. Wenn das FREIER TEILEMARKT 2017 technische Monopol aber faktisch existiert, dann muss man mit dieser Realität umgehen. Es gibt heute noch kein Fahrzeug, das eine Softwarearchitektur hat, bei der jeder auf das Fahrzeug zugreifen und Daten abgreifen kann. Die Technologie gibt es heute nicht. Die Technik ist aber mitten in der Transformation. Sie haben heute Fahrzeuge, die senden Daten, manche Fahrzeuge senden keine Daten. Manche Fahrzeuge senden Daten über einen OBD-Stecker, manche über Smartphones und ähnliche Geräte, manche sind schon über einen Extended Server beim Fahrzeughersteller, über eine SIM-Karte und eine IP-Adresse angebunden. Für uns macht das als Caruso prinzipiell keinen Unterschied. asp: Viele Marktteilnehmer haben eben Angst, dass die Automobilhersteller ihr Datenmonopol auf Dauer behalten. A. Haid: Das ist ein Politikum. Das muss auch auf EU-Ebene mit einer Gesetzgebung politisch gelöst werden. Ich gehe davon aus, dass es eine Lösung geben wird, die den Wettbewerb ermöglicht und dem IAM das Existenzrecht sichert. Der Verbraucher wird auch weiterhin die freie Wahl haben, wo er sein Auto reparieren lässt. Dafür hat die Gesetzgebung bisher immer gesorgt. Aber noch mal – wir sind ein neutraler Marktplatz und wir sind nicht für die Politik zuständig. Schauen Sie sich dieses Smartphone an (zieht ein modernes Smartphone mit Touchscreen aus der Tasche) Das ist doch auch nichts anderes als ein Marktplatz und jeder, der Ihnen eine App mit einem bestimmten Service anbietet – egal ob kostenlos oder kostenpflichtig –, kann das auf diesem Marktplatz tun. Und genau das ist Caruso. Caruso sagt nicht, was verkauft wird. Es sagt auch nicht, zu welchem Preis es verkauft wird. asp: Wie wird abgerechnet? A. Haid: Derjenige, der den Service anbietet, legt fest, zu welchem Preis. Der legt ja auch fest, wie viel er verkauft. Da das Abrechnungsmodell vom jeweiligen Anbieter bestimmt wird, kann es also auch transaktionsbezogen sein. Wir als Marktplatz bekommen eine Basisgebühr, um auf den Marktplatz zu gehen. Und dann bekommen wir eine variable Nutzungsgebühr, abhängig davon, wie aufwändig die Daten oder Marktplatzfunktionalitäten sind. Sämtliche Einnahmen werden ausschließlich in die Weiterentwicklung des Marktplatzes investiert. asp: Wird es darauf hinauslaufen, dass es viele Plattformen gibt? A. Haid: Aus meiner Sicht wird das Szenario so sein, dass es am Anfang viele unterschiedliche Player geben wird, die autoservicepraxis.de | autohaus.de

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aber eine sehr starke Fokussierung und Orientierung auf bestimmte Marktsegmente haben werden. Und dann ist es wie immer, es gibt im bestimmten Zeitraum eine sehr starke Konsolidierung und dann setzen die erfolgreichen Anbieter mit der größten Relevanz den Standard. Die Marktplätze mit unterschiedlichen Inhalten werden sich auch verknüpfen. Es ist in der Tat ein Problem, wenn Fahrzeughersteller faktisch ein technisches Monopol haben. asp: Wie relevant ist das Thema Datenschutz und Datenschutzrichtlinie für Ihr Geschäft? A. Haid: Sehr relevant. Wir orientieren uns heute am deutschen Datenschutz, weil der aus unserer Sicht der höchste Standard ist. Und wir passen das an das jeweilige Land an. Es ist extrem komplex, denn es geht auch immer um die Kategorisierung der Daten. Welche Daten verwende ich zu welchem Zweck? Wie habe ich die erhoben? Wie übermittle ich die? Wie speichere ich die? Da arbeiten wir halt mit den führenden Koryphäen inhouse und mit externen Dienstleistern zusammen, die sich in dem Bereich auskennen. Hinzu kommt, dass die Rahmenbedingungen sich noch dynamisch verändern. Die Rechtsprechung in diesem Feld entwickelt sich ja erst. asp: Gibt es Branchen, an denen Sie sich orientieren? A. Haid: Ja, Smart Agriculture: Ein Traktor ist heute ein Smartphone und der Pflug ist eine App. Die Video-Kamera am Traktor macht Bilder von den Pflanzen, über die er drüberfährt. Das geht online an den Düngemittelhersteller. Der Düngemittelhersteller stellt am Süden vom Acker andere Dosierungen online in die Maschine ein als im Norden vom Acker, weil dort eine andere Beschattung, eine andere Temperatur, andere Lichtverhältnisse, andere Pflanzen, anderer Boden vorhanden sind. Das ist Smart Agriculture. Und der Pflug ist nicht nur ein Stück autoservicepraxis.de | autohaus.de Stahl, sondern der Pflug kommt als App und der Traktor ist ein offenes System. Geschwindigkeit, Kraft, Lenkungseinschlag, das ist alles in der App hinterlegt, die den Traktor steuert. asp: Wie sieht ein konkreter Business-Case im Werkstattbereich aus? A. Haid: Wir haben die Primärdaten aus den Fahrzeugen, die entweder über einen OBD-Stecker oder über die im Fahrzeug integrierte Schnittstelle Daten liefern. Provider wie Octo, TomTom oder Abax haben heute schon je nach Anbieter so zwischen 50.000 und 100.000 bis fünf Millionen Fahrzeuge angebunden. Dazu gibt es noch Anbieter von Komplementärdaten, beispielsweise RMI-Daten oder technische Unterstützung für die Werkstatt. Diese Daten können über eine strukturierte Schnittstelle auf den Marktplatz gestellt werden. Auf der anderen Seite haben Sie die Werkstatt, die eine Werkstatt-Software nutzt. Der Provider dieser Software könnte all diese wertvollen Daten über den Marktplatz so einkaufen, dass er sie in seine Softwarelösung einbauen kann. asp: Welchen Nutzen hätte die Werkstatt? A. Haid: Nehmen Sie einen Business Case für den 60.000 Kilometer-Service. Den Kilometerstand liefert die Telematik. Von TecRMI kommt dann bei 50.000 Kilometern die Information, dass nach weiteren 10.000 Kilometern der Service fällig ist, was bei einer gegebenen durchschnittlichen Laufleistung auf ein Datum schließen lässt. Wenn wir das Fahrzeug eindeutig identifiziert haben, können wir sagen, welche Teile, welche Ölfilter beschafft werden müssen, welche Bremsbeläge oder wie viel Öl von welcher Ölsorte. Das ist ein Datensatz, den man kombinieren kann. Ein Dienstleister kann daraus für die Werkstatt eine Software-Funktionalität bauen, die der Werkstatt alle Fahrzeuge anzeigt, für die in den nächsten zwei Monaten im Bereich Karlsruhe oder Frankfurt der Service fällig wird. Über den Marktplatz kann sich jeder solche Information holen und kann sein eigenes Geschäft damit ausbauen. Dietmar Winkler ■

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FREIER TEILEMARKT 2017 18. KÖLNER AFTERSALES FORUM Vom Schrauber zum Dienstleister Auf dem 18. Kölner Aftersales Forum von BBE Automotive wurden aktuelle Trends im Aftermarket diskutiert. Zahlreiche Herausforderungen bedrohen das Geschäftsmodell der freien Werkstätten. Fotos: BBE Automotive bwohl der Fahrzeugbestand in Deutschland von 2008 bis 2016 um über zehn Prozent angewachsen ist, ging die Zahl der Werkstattaufträge im selben Zeitraum um rund vier Prozent zurück. Keine guten Zahlen, auf die Eckhard Brandenburg, Senior Consultant bei BBE Automotive, in seinem Vortrag auf dem 18. Kölner Aftersales Forum hinwies. Der Kongress stand dieses Jahr unter dem Motto „Der Aftermarket für Pkw-Komponenten – Trends, Herausforderungen und Chancen im Aftermarket 2020plus“. Dafür hatte die Unternehmensberatung BBE Automotive wieder zahlreiche Experten nach Köln geladen. Laut Brandenburg hat das durchschnittliche Fahrzeugalter mit 9,3 Jahren einen neuen Höchststand erreicht, allerdings gehen die Reparaturaufträge aufgrund der besseren Qualität und gerin- gerer Fahrleistung der Fahrzeuge weiter zurück. Zusätzlich verstärken die Fahrzeughersteller ihre Aktivitäten im Aftersales-Geschäft. Da im Neuwagen-Geschäft die Erträge schrumpfen, gewinnt das Werkstatt- und Teilegeschäft für sie an Bedeutung. Das Ziel ist klar: Durch Rolf Körbler, Geschäftsführer der Driver Handelssysteme, sprach über Reifen-Trends. lange Anschlussgarantien und Finanzierungs- sowie Flatrate-Angebote sollen die Autos länger im Servicenetz der Markenbetriebe verbleiben. Wenn möglich sogar ein Autoleben lang. Budget-Teilelinien wie „Economy Parts“ von VW oder spezielle Services für ältere Andreas Schmidt möchte A.T.U vom Problemlöser zum Mobilitätsdienstleister umbauen. Christian Schäferbarthold fordert eine Einheit der freien Teilehändler. FREIER TEILEMARKT 2017 autoservicepraxis.de | autohaus.de

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KURZFASSUNG Auf dem 18. Kölner Aftersales Forum von BBE Automotive sprachen zahlreiche Experten über die Herausforderungen des Aftermarkets. Das Geschäftsmodell der freien Werkstätten gerät immer mehr in Bedrängnis. Fahrzeuge sorgen dafür, dass die Autos günstig im Servicenetz der Hersteller repariert werden können. Herstellerspezifische Produkte wie Felgen oder Öle sollen den Kunden zudem ins eigene Autohaus locken. Kurzum: Die OEM besetzen immer mehr Geschäftsfelder des Aftermarkets. Gleichzeitig findet im Aftermarket eine Konsolidierung statt: Die Anzahl der Teilegroßhändler geht kontinuierlich zurück und die Akteure agieren immer mehr global. So verwundert es nicht, dass die Anzahl der Werkstätten ebenfalls rückläufig ist, wobei bei Markenbetrieben momentan ein stärkerer Rückgang als bei freien Betrieben zu verzeichnen ist. Multichannel-Strategie wichtig Wie der Online-Handel das Aftersales-Geschäft beeinflusst, veranschaulichte Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln. So geraten der stationäre Kfz- Teilehandel und das Werkstattgeschäft durch den Online-Handel zunehmend in Bedrängnis. Zudem versuchen Amazon und Ebay auf dem Kfz-Teilemarkt Fuß zu fassen und erreichen schwindelerregende Wachstumsraten. Laut Hudetz kranken diese Angebote aber bislang an schlechten Suchkriterien für Teile, was Spezialisten wie kfzteile24.de beispielsweise deutlich besser beherrschten. Zudem sei Vertrauen in einen Handelspartner wichtiger als nur die Preise. Als reiner Online-Teilehändler werden es die meisten Shops nach Ansicht von Dr. Hudetz trotzdem schwer haben. Wichtig sei es, auf eine Multichannel-Strategie und auf eine Kombination von stationärem Handel und Online zu setzen. Designschutz als Monopol Ein Paradebeispiel ist hier die Werkstattkette A.T.U, die sich vom „Problemlöser“ zum „Anbieter von Mobilität“ mausern möchte und neben dem stationären Werkstattgeschäft auch stark auf Online-Services setzt. Laut Andreas Schmidt, Geschäftsführer Technik bei der A.T.U, wird sich der Aftermarket in den nächsten 15 Jahren stark verkleinern, unter anderem durch die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung der Autos. Wie der gesamte Aftermarket auch, kämpft A.T.U darum, dass die Fahrzeughersteller die Daten für die Autos zukünftig offenlegen müssen. Aus Sicht eines Versicherers erklärte Thomas Geck, Geschäftsführer der HUK-Coburg Auto Service GmbH, welche Herausforderungen die Versicherung momentan beschäftigen. Dazu zählen deutlich gestiegene Kfz-Teilekosten. Besonders betroffen sind hier Karosserieteile, die durch den Designschutz abgedeckt sind. Geck sieht hier Die Anzahl der Teilegroßhändler geht kontinuierlich zurück und die Akteure agieren zunehmend global. eine „Quasi-Monopolisierung“ des Marktes und plädiert deshalb für eine Liberalisierung. Sonst ließe sich das Beitragsniveau nicht halten und das Geschäftsmodell der Versicherung sei bedroht. Auch Geck verwies auf die stärkere Kundenbindung durch die OEM, die auch Finanzierungen und Versicherungen mit dem Kauf eines Autos anbieten. Die HUK-Coburg möchte deshalb mit ihrem Autoservice-Angebot für Partnerwerkstätten gegensteuern: Werkstätten bekommen gegen eine Servicegebühr ein Werkstattkonzept und Kunden durch die HUK-Coburg. Als ersten Meilenstein möchte Geck 250 bis 300 Werkstätten an das Autoservice-Konzept anbinden. Herausforderungen sieht der Geschäftsführer in Zukunft durch autonomes Fahren und Fahrerassistenzsysteme, die weniger Unfälle und somit weniger Geschäft für die HUK-Coburg versprechen. Als Vertreter eines Kfz-Teilehändlers argumentierte Dr. Christian Schäferbarthold, Geschäftsführer der Schäferbarthold GmbH. Er mahnte in seinem Vortrag, dass durch die Elektromobilität in Zukunft deutlich weniger Teile benötigt werden. Auch eine Einheit der freien Teilehändler gegen Fahrzeughersteller sei dringend notwendig. Alexander Junk ■ Eckhard Brandenburg warnt vor einem Rückgang freier Werkstätten. Für Thomas Geck ist der Designschutz der OEM vor allem ein Kostentreiber. Kai Hudetz sieht eine Multichannel-Strategie Erfolgsfaktor für den Handel. Markus Frömgen (BBE Automotive) sprach über die Zukunftspläne der OEM. autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2017 41

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FREIER TEILEMARKT 2017 INTERVIEW Die Daten sind das Wichtigste Die Teilehandelskooperation Select AG hat durch die beiden Großhändler Knoll und Hess gewichtigen Zuwachs bekommen. Die Spielregeln erklärt Select-Vorstand Stephan Westbrock im Interview. asp: Herr Westbrock, durch die beiden Zugänge Hess und Knoll haben Sie zwei umsatzstarke Partner dazugewonnen. Welche Bedeutung haben die Zugänge? S. Westbrock: Knoll und Hess sind gemessen am Umsatz tatsächlich die größten Unternehmen in der Kooperation. Vom Umsatz her ist Hess die Nummer eins dicht gefolgt von Knoll. Danach kommt Profi Parts in Koblenz mit rund 70 Millionen Euro Umsatz. Alle anderen Aktionäre bewegen sich beim Umsatz zwischen 20 und 25 Millionen Euro. Aber: Alle Aktionäre haben bei Select den gleichen Stimmenanteil. Dieses Prinzip gilt unabhängig vom Umsatz. Und alle Aktionäre haben denselben Kooperationsvertrag, der den Umgang miteinander regelt. asp: Was ist der Grundgedanke der Kooperation Select? S. Westbrock: Als Select im Jahr 2000 von den Gründungsunternehmen Glas, Leise und Busch gegründet wurde, stand die Idee dahinter, eine Kooperation strukturiert aufzubauen mit klaren Regeln für die Partner. Man hat sich daher auf verbindliche Regeln geeinigt, dazu gehört beispielsweise auch der zentrale Teileeinkauf für alle Aktionäre. Jeder Aktionär überträgt der Zentrale zu 100 Prozent das Einkaufsmandat bis zur Referenz hinunter. Wichtig war zudem von Anfang an eine transparente Finanzierungsstruktur. Gemeinsame Projekte werden gemeinsam finanziert. Wenn wir investieren, müssen wir vorher die Aktionäre überzeugen. Ausgaben werden zu gleichen Teilen durch 15 geteilt. asp: Gibt es dann nicht ständig viele Diskussionen über das Sortiment und über Lieferanten? FREIER TEILEMARKT 2017 Vorstand der Teilehandelskooperation Select, Stephan Westbrock S. Westbrock: Natürlich wird mit den Aktionären abgestimmt, mit welchen Lieferanten wir arbeiten. Dabei gibt es zwangsläufig Diskussionen. Die sind aber wertvoll und auch notwendig. Wir treffen uns dreimal im Jahr und stimmen das ab. Wie in jeder Demokratie gibt es viele Meinungen und das ist manchmal ein anstrengender Weg. Aber, und davon bin ich überzeugt, wir haben dann auch tragfähige Entscheidungen, die hinterher nicht mehr angezweifelt werden. Diese Tragfähigkeit aus Beschlüssen braucht man, um die Dinge dann auch umsetzen zu können, beispielsweise wenn es um große Investitionen in IT­Systeme geht. asp: Knoll und Hess bringen ihre Verträge und Lieferanten mit. Profitieren künftig alle Select­Aktionäre von deren vermutlich besseren Einkaufskonditionen? S. Westbrock: Es ist eine Kultur, dass jeder immer glaubt, er habe die beste Kondition. Tatsache ist: In der Select gibt es nur eine Kondition, die dann für alle gilt. Foto: Select Wenn man beitritt, muss man das Regelwerk auch akzeptieren. Der Eintritt von Knoll und Hess hat natürlich auch einen positiven Effekt im monetären Bereich gehabt, sowohl für die Aktionäre im Bestand als auch für die neu hinzugekommenen. Das war eine klassische Win­win­Situation. asp: Select tritt aus der Kooperation Groupauto Deutschland aus. Dafür sind Sie jetzt Gesellschafter der Temot International. Warum dieser Schritt? S. Westbrock: Wir haben uns mit dem Eintritt von Hess Autoteile und auch aus den Gesprächen im Vorfeld mit der Tatsache auseinandersetzen müssen, dass Hess Mitglied der Temot International ist. Eine Doppelmitgliedschaft wollten wir auf keinen Fall dauerhaft realisieren – vermutlich wäre es auch rechtlich gar nicht möglich gewesen. Es war klar, dass wir eine Entscheidung benötigen, ob wir in der Groupauto Deutschland bleiben oder in die Temot wechseln. asp: Was hat letztlich den Ausschlag gegeben zu wechseln? S. Westbrock: Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, haben wir die Leistungsspektren der beiden internationalen Einkaufskooperationen Groupauto International und Temot International analysiert, die im Detail sehr unterschiedlich sind. Die Groupauto International wurde in erster Linie gegründet, um über internationale Partnerschaften zusätzliche Einkaufsvorteile zu generieren. Der Gründungsgedanke der Temot International war der Aufbau eines Katalogsystems. Wir haben zudem festgestellt, dass Temot International den gleichen technologischen Dienstleister für das Datenmanagement nutzt wie wir. Damit verbun­ autoservicepraxis.de | autohaus.de

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den ist ein breites Spektrum an IT­Leistungen für die Gesellschafter. Die Themen Katalog, Datenmanagement etc. sind bei Temot International sehr zentral. Daher war für uns relativ schnell klar, dass wir mit dem Eintritt in die Temot International eine Entwicklungsstufe bei den Katalogsystemen überspringen konnten. Das hieß in der Konsequenz aber auch, dass wir Groupauto Deutschland verlassen müssen. asp: Wie sieht die Zukunft des Werkstattsystems Autoexcellent aus. Hier ist Groupauto Deutschland der Konzeptgeber? Bei der Frage nach der Markenpräsenz habe ich den Eindruck, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden. S. Westbrock: Groupauto Deutschland ist Rechteinhaber. Da wir aus der Groupauto Deutschland ausscheiden, werden wir den berechtigten Zugriff auf die Autoexcellent verlieren. asp: Was bedeutet das für den Teilebezug dieser Werkstätten? S. Westbrock: Es gibt keine Lieferverpflichtungen und ­bindungen in den Verträgen. Jeder Partner kann seine Teile künftig kaufen, wo er möchte. SELECT AG asp: Laufen die Werkstattsysteme ASP und Motocrew einfach weiter? Hess hat das Werkstatt­Konzept Motoo mitgebracht, Knoll über die VMA die Freie Werkstatt. S. Westbrock: Es gibt einen Standard und klar definierte Zugriffsrechte für die Systeme. Wir gehen pragmatisch mit der Situation um, auch vor dem Hintergrund, dass sich Vertriebssysteme teilweise überschneiden. Hess behält das uneingeschränkte Nutzungsrecht an Motoo. Es gibt kein Zugriffsrecht der anderen Aktionäre darauf. Umgekehrt hat Hess auf den Zugriff auf Auto Service Partner und Autoexcellent verzichtet. Es kann also kein Mitarbeiter von Hess einen Vertrag für Autocrew oder Motocrew unterschreiben oder umgekehrt. Das Gleiche gilt auch in den Gebieten, wo sich Knoll mit einigen Aktionären überschneidet. asp: Jeder darf also nur sein System vergeben. Wie ist es mit dem Teileverkauf? S. Westbrock: Die Motoo­Partner werden von Hess bedient. Das soll auch so bleiben. Die Partner von ASP und Motocrew werden von Profiparts beliefert. asp: Gibt es eigentlich zu viele Werkstattsysteme? Kein Konzept hat es geschafft, eine wirkliche Markenpräsenz zu schaffen. S. Westbrock: Erlauben Sie mir, dazu etwas auszuholen. Bei der Frage nach der Markenpräsenz habe ich manchmal den Eindruck, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden. Markenautohäuser haben eine Marktpräsenz in der Regel nicht aufgrund der Werkstattleistung, sondern des Produkts, also der Fahrzeuge, für die die Marke steht. Sie sorgen in erster Linie für Markenpräsenz. Freie Werkstätten und Werkstattsysteme definieren sich hingegen über ihre Werkstattleistungen, die Verwurzelung in der Region und oftmals auch die Bekanntheit der Inhaber. Über die Werkstattsysteme wurde viel für das bessere, sicher auch hochwertigere Erscheinungsbild der Betriebe nach außen und die Optimierung der Betriebsabläufe Auf allen Wegen zuhause. Welche Straße Sie auch immer nehmen. Seit 17 Jahren agiert die Select AG mit Sitz in Andernach als Teilehandelskooperation. Gegründet wurde Select im Jahr 2000 durch die Unternehmen Busch aus Freiburg, Glas aus Eggenfelden und Leise aus Coburg. 15 mittelständische Teilehandelsunternehmen gehören aktuell zur Kooperation. Damit sind die Aktionäre der Select AG an 129 Standorten mit mehr als 3.800 Mitarbeitern in Deutschland vertreten. Zuletzt wurde die Kooperation verstärkt durch die Zugänge der Unternehmen Hess (zum 1. Januar 2017) und Knoll (zum 1. Juli 2017). Select präsentiert damit einen Umsatz von 700 Millionen Euro. Select ist zudem Konzeptgeber für die Werkstattsysteme Auto Service Partner, Motocrew und noch bis Jahresende Autoexcellent. autoservicepraxis.de | autohaus.de www.moogproducts.de

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FREIER TEILEMARKT 2017 erreicht. Letztlich wurde in die Werkstattsysteme investiert, um den Markt im Interesse aller Marktteilnehmer klarer und besser zu positionieren. asp: Ist das gelungen? S. Westbrock: In den letzten 20 bis 25 Jahren haben die Systeme einen hervorragenden Job für den freien Markt gemacht. Es war rückblickend die richtige Entscheidung. Heute müssen sich Werkstattsysteme bei anderen Themen weiterentwickeln. Wir helfen den Werkstatt­ Partnern mit konkreten Schulungen zusammen mit unserem Schulungspartner Trainmobil. Oft geht es darum, den freien Betrieben die Angst zu nehmen vor neuen Technologien. asp: Wie ist die Logistik innerhalb der Select organisiert? S. Westbrock: Wir haben in der Select eine klare Aufgabentrennung. Die Zentrale ist für alle zentralen Services zuständig, die für den Teilegroßhandel notwendig sind und die wir zentral einkaufen, also Teilekatalog, Datenmanagement usw. Umgekehrt ist jeder Aktionär in seiner Region zuständig für die Verfügbarkeit der Ware, für die Logistik und für das Abrechnungswesen. Auch die Kommunikation zu den Kunden vor Ort liegt in der Verantwortung der einzelnen Händler, denn die Unternehmen können vor Ort ihre unternehmerische Verantwortung selbst am besten wahrnehmen. asp: Wie viel Energie legen Sie in die Weiterentwicklung Ihrer Teilekataloge? S. Westbrock: Wir nutzen das Katalogsystem der Limex Computer AG, Osnabrück, in Lizenz. Limex liefert bildlich gesprochen den Rohbau, wir kümmern uns um die Innenausstattung. Wir sorgen dafür, dass es zu einer Referenz alle Daten für einen 360­Grad­Blick gibt, also Einbauwerte, Anzugsdrehmomente, AWs, Preise, Zolltarifnummern oder Gewichte etc. Diese Verknüpfungen stellen wir intern her. Bei unserem Product Data Management (PDM) haben wir einen Eigenleistungsanteil von gut 80 Prozent. Die Wertigkeit eines Katalogsystems ergibt sich aus der Summe der Daten und FREIER TEILEMARKT 2017 ihrer Verknüpfung. Aus Werkstattsicht liefert der „Auoteilepilot“ nicht nur die Identifizierung und Bestellung eines Teils, sondern auch alle Infos drum herum. asp: Was steuert Temot International bei? S. Westbrock: Wir nutzen heute schon Explosionszeichnungen – allerdings stammen die vom Fahrzeughersteller, sind also auch nur mit den Teilenummern des Herstellers verknüpft. Die Temot hat eigene Explosionszeichnungen hergestellt, die sich mit dem eigenen Sortiment vernummern lasen. Das ist ein Riesenvorteil in der Darstellung. asp: Werden die zusätzlichen Daten, die über das eigentliche Teil hinausgehen, wichtiger? S. Westbrock: Davon sind wir fest überzeugt. Daher haben wir mit Select Connect ein neues Produkt, das eine digitale Verknüpfung aller Daten realisiert. Wir sind gut vorbereitet auf die Veränderungen durch Connected Car und Industrie 4.0. Katalogsystem und Abrechnungssystem sind miteinander verbunden und greifen auf eine einzige Datenbank zu. Damit sind wir gut vorbereitet auf die Veränderungen im Zuge von Connected Car und Industrie 4.0. asp: Wie hoch sind die Investitionen, die Sie tätigen müssen? S. Westbrock: Die Entscheidung für den Aufbau des PDM haben wir vor fünf Jahren getroffen. Es war eine Herausforderung, die Großhändler davon zu überzeugen, dass es notwendig ist, hier in Millionenhöhe zu investieren. Am Ende waren die Aktionäre überzeugt: Ja, es ist teuer, aber es ist notwendig, um nicht vom Wettbewerb überholt zu werden. Jetzt konnten wir das PDM im letzten Jahr ausrollen und haben damit eine Datenqualität, die sich im Markt messen kann. asp: Wie sind die Rückmeldungen aus den Werkstätten? S. Westbrock: Wir sehen den Erfolg an den steigenden Zahlen der Lizenzen. Das hat uns einen riesigen Schub gegeben. Mittlerweile werden durchschnittlich 35 Prozent der Teilebestellungen über das Katalogsystem getätigt. Das zeigt, dass wir darauf nicht mehr verzichten können. asp: Wie gut ist der IAM auf das Thema Connected Car und Telematik vorbereitet? S. Westbrock: Das ist mit Sicherheit das wichtigste Thema, das wir in der nahen Zukunft zu bewältigen haben. Es geht darum, die Daten aus dem Fahrzeug zu verarbeiten und sie den Werkstätten und dem IAM so zur Verfügung zu stellen, dass sie damit arbeiten können. asp: Bei der Plattform Caruso, die sich genau das auf die Fahne schreibt, ist der Großhandel dennoch zurückhaltend … S. Westbrock: Wir begrüßen jede Initiative, die sich mit der Thematik beschäftigt. Wir glauben aber, dass wir uns zunächst darum kümmern sollten, wie wir die Daten eigentlich bekommen. Wir wissen ja noch gar nicht, welche Daten uns zur Verfügung gestellt werden und wie die rechtlichen Rahmenbedingungen in Brüssel gesetzt werden. Deswegen unterstützen wir den GVA, der über die FIGIEFA politisch in Brüssel gut vernetzt ist. Wir müssen auf der politischen Ebene deutlich machen, dass der IAM ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Es kann nicht sein, dass man den Verbraucher auf eine eingezäunte Wiese schickt und nur der OEM den Schlüssel für das Tor hat. Wir benötigen den direkten Zugang zu den Daten im Fahrzeug, nicht über den Umweg der Fahrzeughersteller. asp: Was halten Sie von den Dongle­ Lösungen für die OBD­Stecker? S. Westbrock: Es ist nicht nachhaltig, sich auf die OBD­Stecker zu konzentrieren. Denn es ist nicht sicher, dass darüber künftig noch Daten verfügbar sind, die über die gesetzliche Verpflichtung hinausgehen. Zudem sind Stecker nicht verbraucherfreundlich, wenn verschiedene Stecker, von der Versicherung bis zur Werkstatt, angeboten werden. Dietmar Winkler ■ autoservicepraxis.de | autohaus.de

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FREIER TEILEMARKT 2017 DESIGNSCHUTZ Jetzt nochmal mit Anlauf Die Reparaturklausel hat sich in der EU immer noch nicht durchgesetzt. Es ist Auslegungssache, ob nur die Anmutung des Gesamtfahrzeugs schützenswert ist oder auch die einzelnen sichtbaren Ersatzteile. ie Bild-Zeitung titelte Anfang Mai mit „Ersatzteilwucher“. Die Empfehlung der Tageszeitung an die eigenen Leser: Bei der Reparatur lässt sich viel Geld sparen. Neben den Identteilen, die anstatt der teureren Originalteile der Hersteller eingebaut werden, thematisierten die Autoren den Designschutz bei sichtbaren Karosserieteilen, wie Motorhauben, Kotflügel, Windschutzscheiben, Leuchten oder Außenspiegel etc. Eine Titelgeschichte in der größten deutschen Tageszeitung bewirkt stets Meinungsdruck, der ein Thema auf die politische Tagesordnung katapultieren kann – selbst wenn es nie wirklich weg war in den letzten 25 Jahren. Reparaturklausel-Flickenteppich Die Reparaturklausel hebt den Designschutz für sichtbare Ersatzteile auf, sodass auch „Nichtschutzrechteinhaber solche Ersatzteile produzieren und vertreiben können“, wie der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) im Juni in einem Positionspapier erklärte. Die bisherigen Regelungen des Designrechts schützen das Design sowohl des Neuwagens insgesamt und seiner einzelnen Teile als auch der jeweiligen sichtbaren Ersatzteile. In einigen europäischen Ländern wie Italien, Spanien, dem Vereinigten Königreich, Polen, den Niederlanden und Belgien gibt es mit der Re- KURZFASSUNG Art. 14 der Designschutzrichtlinie erlaubt EU-Mitgliedern eine Liberalisierung. Der GVA kämpft seit Jahren für die Reparaturklausel. Diese entzieht Autoherstellern ihr Monopol auf Ersatzteilvertrieb sichtbarer Karosserieteile. paraturklausel eine andere Rechtslage, die es Anbietern des Aftermarket erlaubt, günstigere Karosserieteile anzubieten. Der GVA kritisiert seit langem: Die Karosserieersatzteile in Deutschland sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu teuer. Darum hat die europäische ECAR Allianz (European Campaign for the Freedom of the Automotive Parts and Repair Market) die Kampagne „Mehr Gerechtigkeit für deutsche Autofahrer“ gestartet, die in Deutschland vom GVA getragen wird. Der Markt für Ersatz- und Verschleißteile beläuft sich laut Mitteilung in Deutschland jährlich auf über zwölf Milliarden Euro, etwa vier Milliarden Euro entfallen dabei auf sichtbare Ersatzteile. Sichtbare Kfz-Ersatzteile werden im Unfallreparaturgeschäft als Originalersatzteil mit OEM-Kennung verwendet, obgleich es auch IAM-Alterna- tiven gibt. „Das Designschutzrecht ermöglicht den Automobilkonzernen hierzulande ein Monopol auf bestimmte sichtbare Ersatzteile und verhindert damit Wettbewerb“, erklärt GVA-Präsident Hartmut Röhl. (siehe Interview S. 12) Eine aktuelle Studie der Preise für sichtbare Ersatzteile für sechs Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller habe laut Mitteilung gezeigt, dass sie in Spanien und in Italien etwa ein Fünftel (19 bzw.18 Prozent) geringer sind, im Nachbarland Niederlande sogar fast ein Drittel. Benachteiligung der Autofahrer Benachteiligt würden nicht nur freie Werkstätten und Ersatzteilproduzenten, sondern vor allem die Kunden, so die Position des GVA. Wenn ein Fahrzeughersteller ein sichtbares Ersatzteil zum Design anmeldet, zwinge er die Autofahrer, seine zumeist teureren Teile zu Fotos: GVA, Hella autoservicepraxis.de | autohaus.de FREIER TEILEMARKT 2017 45

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FREIER TEILEMARKT 2017 kaufen. In diesem Fall lassen sich die Hersteller das Design ihrer Fahrzeuge gleich mehrfach vom Autofahrer bezahlen – beim Autokauf und anschließend bei jeder Reparatur. Pikant dabei: Die Autokonzerne produzieren viele der betroffenen sichtbaren Ersatzteile wie etwa Scheinwerfer gar nicht selbst, sondern beziehen sie von Zulieferern. Schadenausgaben stark gestiegen Kritik gibt es auch von Seiten der Versicherer. Diese beklagten die gestiegenen Kosten im Kaskogeschäft. In einem Vortrag auf dem Kölner Aftersales Forum von BBE Automotive unterstrich Thomas Geck, Schadenleiter bei der HUK Coburg, dass die Regelungen der GVO zur Liberalisierung des Aftermarkets durch das deutsche Recht auf Designschutz konterkariert werden. Seiner Kalkulation zufolge stiegen die Ausgaben für Ersatzteile im Unfallreparaturgeschäft deutlich stärker an (ein Plus von knapp 18 Prozent in den Jahren von 2013 bis 2016) als die durchschnittlichen Ersatzteilpreise. Röhls Fazit: „(...) Es ist wirklich nicht einzusehen, warum deutsche Autofahrer wieder einmal unnötigerweise Zahlmeister sind. Wir fordern daher vom nächsten Bundestag und der Bundesregierung, mit der Reparaturklausel endlich für fairen Wettbewerb zu sorgen. Schluss mit der Benachteiligung GVA-Präsident Hartmut Röhl fordert engagiert die Einführung der Reparaturklausel. FREIER TEILEMARKT 2017 Plakative Aktion des GVA: „Zahlmeister Deutschland“: So viel kann der Autofahrer sparen. und Schluss mit dem Abkassieren der Autofahrer.“ Der Vorstoß zu „freiem Wettbewerb“ bei sichtbaren Kfz-Ersatzteilen ist nicht neu. Zahlreiche Anläufe Immer wieder versuchen Verbraucherschützer das Thema auf die politische Tagesordnung zu hieven. Im Jahr 2013 beispielsweise forderte dies eine breite Verbändeallianz in Deutschland. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), der Automobilclub ADAC, der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA), der europäische Verband der Kfz-Teilehersteller (CLEPA), der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und Vertreter der Versicherungswirtschaft sehen im Kfz-Ersatzteil-Markt nicht länger hinnehmbare Wettbewerbsbeschränkungen und fordern die deutsche Bundesregierung auf, entschieden und rasch für eine Liberalisierung einzutreten. Genützt hat es bisher freilich nichts: Die Europäische Kommission hatte den letzten Vorstoß, den Entwurf zur Neufassung der EU-Designrichtlinie 98/71/EG, im Jahr 2014 offiziell zurückgezogen. Eine abschließende Entscheidung über das Dossier, das u. a. die europaweite Einführung einer Reparaturklausel für sichtbare Kfz-Ersatzteile vorsah, wurde seit Dezember 2007 im EU-Ministerrat von Vertretern Frankreichs und Deutschlands blockiert. Durch die Veröffentlichung einer ökonomischen (Januar 2015) und einer juristischen (Juni 2016) Studie zum Thema „Designschutz“ und zum Reformbedarf des Designrechts, die im Auftrag der EU-Kommission erstellt wurden, zeigt sich aber, dass eine Reform des bisherigen Rechtsrahmens erforderlich ist. Beide Studien sprechen sich dabei klar für die Einführung einer EU-weiten Reparaturklausel aus, hieß es von Seiten des GVA. Martin Schachtner ■ autoservicepraxis.de | autohaus.de

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