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Mit freundlicher Empfehlung www.autoservicepraxis.de B43 385 D 10,90 EURO 11.2016 SPRINGER AUTOMOTIVE MEDIA TITELTHEMA Wie zukunftsfähig ist das Konzept freie Werkstatt? SCHMIERSTOFFE Vertriebsstrategien und Produktneuheiten BEST PRACTICE K+L-Betrieb mit angeschlossener Mechanikwerkstatt RÄDER & REIFEN Neue Studie zeigt Servicepotenziale beim Räderwechsel TÜV SÜD-AKTUELL Der TÜV-Report 2017: Erfolg für deutsche Hersteller SHARED PASSION FOR PERFORMANCE BMW MOTORSPORT SETZT EXKLUSIV AUF SHELL HELIX ULTRA MIT DER SHELL PUREPLUS TECHNOLOGY www.shell.de/pureplus www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 1 While Shell Helix Ultra with PurePlus Technology motor oils for the race track and the road share the same technology platform, the racing formulation is customised to meet the extreme racing conditions.

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www.der-neue-crafter.de Sichern Sie sich den International Van of the Year 2017 schon jetzt. 2017 Nur für kurze Zeit mit attraktiver Frühbucherprämie 1 Der neue Crafter. Die neue Größe. Eine Experten-Jury aus 24 Ländern ist sich einig: Der neue Crafter ist Van of the Year 2017. Bestellen Sie ihn ab sofort und profitieren Sie von seiner attraktiven Frühbucherprämie 1 . Weitere Informationen bei Ihrem Volkswagen Nutzfahrzeuge Partner oder unter www.der-neue-crafter.de Gültig bis zum 18.02.2017. Abbildung zeigt Sonderausstattung.

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LEITARTIKEL Die Zeichen der Zeit erkennen ie Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen – vom Spurhalteassistent über die Verkehrszeichenerkennung bis zur Einparkhilfe – nimmt zu, und das nicht nur in Oberklassefahrzeugen, sondern genauso in der Kompaktklasse. Auch in den Werkstätten kommen Fahrerassistenzsysteme daher verstärkt an und die Kalibrierung und Justage der rund ums Fahrzeug verbauten Kameras und Sensoren spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Zukunftsfähige Werkstätten stellen sich auf neue Prozesse, Aufgaben und Konzepte ein. Die Hersteller der Werkstattausrüstungsbranche haben darauf reagiert und bieten entsprechende Tools zur FAS-Justage an. Ob Hella Gutmann mit dem Multimarken-System CSC-Tool, das bereits seit 2013 auf dem Markt ist und stetig erweitert wurde. Oder der neue Universal-Werkstattarbeitsplatz von Bosch, der neben der Scheinwerfereinstellung und Achsvermessung in Verbindung mit den entsprechenden Kits jetzt auch die Justage der FAS ermöglicht. Und auch Snap-on Equipment stellte kürzlich eine Kontrollkamera vor, die in Kombination mit bestimmten Hofmann-Achsmessanlagen zur Kalibrierung von FAS der VAG-Gruppe eingesetzt werden kann. Werkstätten müssen sich auf die mehr und mehr vernetzten Fahrzeuge einstellen und „die Zeichen der Zeit erkennen“, ist auch Bosch Automotive Aftermarket Vorstandsvorsitzender Uwe Thomas überzeugt. In unserem Titelthema gehen wir der Frage auf den Grund: Wie zukunftsfähig sind freie Werkstätten? Starke Partnerschaften und Netzwerke seien in diesem Zusammenhang sehr wichtig, erklärt Uwe Thomas im asp-Interview. In Zukunft könnten etwa Konzepte wie Tool-Sharing Werkstätten unterstützen, damit nicht jeder Betrieb in das Equipment für alle Arten von Reparaturarbeiten investieren muss. Viel Spaß beim Lesen! Valeska Gehrke, Redakteurin asp AUTO SERVICE PRAXIS www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 3

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INHALT 14 Freie Werkstatt – ein Modell mit Zukunft? Viele Baustellen im Betrieb: Nur wer in Know-how und Equipment investiert ist überlebensfähig. Foto: Fotolia/Kitty Foto: Fotolia/indurtrieblick Foto: Fotolia/Fotomanufaktur JL 26 Umsatzbringer Öl Im Service ist das Geschäft mit dem Motorenöl wichtiger Ertragsbringer. 54 Reifengeschäft ankurbeln Eine neue Studie zeigt Servicepotenziale beim Räderwechsel TITEL 14 Hintergrund So machen sich freie Werkstätten fit für die Zukunft 18 Interview Uwe Thomas, Bosch Automotive Aftermarket 20 Best Practice Vor Ort bei der freien Kfz-Werkstatt Altintas 23 TÜV SÜD „to go“ Die flexible Prüfbox als Unterstützung für Betriebe WEITERBILDUNG 24 Führungsqualitäten Herausforderung Chefsein: Aller Anfang ist schwer AUTOMOBILTECHNIK 26 Schmierstoffe Die Suche nach der besten Vertriebsformel 28 Interview Daniel Bernicke, Shell Deutschland Oil GmbH 30 Schmierstoff-Neuheiten Motorenöle: Dünner und spezieller 33 Räder & Reifen Neuer Winter-Pneu von Continental AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 36 Messe Autosalon Paris: Bühne für Mobilität und Elektro 39 Vorstellung EDC im Renault Mégane Energy dCi 110 40 Produkte Neues aus den Bereichen Verschleißteile und Injektoren WERKSTATTTECHNIK 42 Batterie Ctek: Batterieladegeräte aus Schweden 44 Best Practice Neue Geschäftsfelder für den K+L-Betrieb Schürz 46 Prüffläche Für Fahrwerksvermessung, FAS-Justage und mehr 48 Produkte Neues aus den Bereichen Fahrwerksvermessung & Co BETRIEBSPRAXIS 52 Recht Ehevertrag: So ist der Betrieb geschützt 54 Studie Im Reifengeschäft steckt viel ungenutztes Potenzial 56 Serviceprozesse Bessere Arbeitsabläufe in der Werkstatt 58 Branchentreffen Motoo-Partnertagung 2016 in Bonn RUBRIKEN 03 Leitartikel 06 Nachrichten 41 ASA-News 50 TÜV SÜD-Aktuell 40 Impressum Zusatzinhalte online im asp ePaper und unter autoservicepraxis.de § 29 AUTO SERVICE PRAXIS veröffentlicht regelmäßig sämtliche im Verkehrsblatt abgedruckten Mitteilungen des Bundesministers für Verkehr, soweit diese für § 29 StVZO relevant sind. AUTO SERVICE PRAXIS-Abonnenten verfügen damit über die im Sinne der AU-Anerkennungsrichtlinie erforderlichen Informationen und sind somit vom Bezug des ansonsten vorgeschriebenen Verkehrsblattes befreit. 51 Digitalisierung TÜV SÜD Consulting unterstützt Betriebe dabei, Digitalstrategien zu entwickeln www.autoservicepraxis.de

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NACHRICHTEN ELEKTROMOBILITÄT Sonderausgabe Mit der Neuerscheinung „Elektromobilität“ bieten die Herausgeber Henning Hinderer, Fabian Kehle und Thomas Pflugfelder einen Ausblick auf die in den nächsten Jahren zu erwartenden Veränderungen aufgrund wachsender Anteile von elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Das Buch erscheint als erste Sonderveröffentlichung der Partner MHP, Siemens und der Hochschule Pforzheim bei AUTOHAUS Buch meistgeklickte Artikel im Oktober 1. Mercedes-Benz: Fünf Mal Werkstatt, bitte 2. BMW-M-Modelle: Schrauben fälschlicherweise wiederverwendet 3. Audi Q7/ SQ7: Verlagerung der dritten Sitzreihe 4. Mazda: Brandgefahr bei mehreren Modellen 5. Bremskraftunterstützung: Umfangreiche BMW-Serviceaktion Meldung verpasst? Mit dem kostenlosen Newsletter von asp wäre das nicht passiert. Abo unter www.autoservicepraxis.de/newsletter. Frage der Woche (31. Oktober bis 4. November) Immer mehr Fahrzeuge sind digital vernetzt und haben komplexe Fahrerassistenzsysteme. Ist Ihre Werkstatt fit für die neuen Technologien? ■ Ja: 33 % ■ Nein: 53 % ■ Weiß nicht: 13 % AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Foto: Euromaster AUTOMOBILINDUSTRIE Hersteller rücken zusammen Toyota Motor, der japanische Marktführer, und der Kleinstwagenspezialist Suzuki Motor wollen zusammenarbeiten. Beide Unternehmen erklärten Anfang Oktober, Gespräche über eine Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung begonnen zu haben. Über eine Kapitalbeteiligung sei noch nicht entschieden, sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Suzuki- EUROMASTER Franchisesystem wächst Das Franchise-Netzwerk des Werkstattexperten Euromaster wächst: Einer Mitteilung zufolge hat der 80. Franchise- Partner einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben. 2016 haben sich bisher zehn & Formular. Neben den zu erwartenden Veränderungen im Automobilmarkt und Szenarien einer Neuordnung durch neue Technologien und Marktteilnehmer zeigt das Buch, welche Veränderungen in der Zuliefererindustrie erwartet werden und welche Folgen auf den Aftersales zukommen. Zudem widmet sich das Buch dem Konzept zur Reichweitenerweiterung mittels nachrüstbarer Batterien. msh ■ Verwaltungsratschef Osamu Suzuki. Hier Kooperation, dort Konsolidierung. Einen Schritt weiter zusammen rücken in Japans Autowirtschaft offenbar Nissan Motor und Mitsubishi Motors mittels Kapitalbeteiligung. Mitsubishi war wegen Betrügereien bei der Abgasmessung in eine Vertrauenskrise sowie in Zahlungsschwierigkeiten geraten. msh ■ Euromaster ist in 17 Märkten präsent. freie Werkstätten dem Service-Netzwerk angeschlossen, erklärte das Unternehmen aus Kaiserslautern. Die Michelin-Tochter ist mit insgesamt 2.400 Service-Centern in 17 Ländern präsent. msh ■ www.autoservicepraxis.de

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ÜBERNAHME Snap-on kauft Car-O-Liner Zu Snap-on gehört neben den Bereichen John Bean und Hofmann künftig auch Car-O-Liner. Foto: Valeska Gehrke Der Hersteller und Anbieter von Werkzeugen, Geräten, Diagnostik, Reparaturdaten und Systemlösungen Snap-on hat Anfang des Monats den Abschluss einer Vereinbarung zum Kauf der Car-O-Liner Holding AB für rund 155 Millionen US- Dollar angekündigt. Dies ging aus einer aktuellen Mitteilung des US-amerikanischen Unternehmens hervor, das auch in Europa große Marktanteile hat. Das im schwedischen Göteborg ansässige Unternehmen Car-O-Liner ist mit einem Umsatz von beinahe 95 Millionen US- Dollar im vergangenen Jahr ein weltweit führender Anbieter von Kraftfahrzeug- Mess- und Richtbanksystemen sowie von Achsmessgeräten, Richtanlagen und Induktionserhitzern für Nutzfahrzeuge, wie es in einer An- Foto: Car-O-Liner kündigung hieß. Darüber hinaus vertreibt Car-O-Liner auch Equipment für den Bereich Nutzfahrzeuge. So gehört unter anderem die Nutzfahrzeug-Marke Josam zur Unternehmensgruppe. Josam ist auf Achsmess- und Richttechnik sowie Induktionserhitzung spezialisiert. Zudem ist Truck-Cam ein Teil von Car-O-Liner. Vorbehaltlich einer Zustimmung durch die Kartellbehörden werde der Abschluss der Übernahme innerhalb von 30 Tagen erwartet. „Produktangebot und Sachkenntnis von Car-O-Liner sind wichtige Ergänzungen für unsere Repair Systems & Information Group, die unsere Kapazität bei der Unfallreparatur erhöhen und die Position von Snap-on im Schwerlastbereich stärken sollen“, erklärte Nick Pinchuk, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer von Snap-on. Aufgrund bestimmter Trends im Bereich der Reparatur von Unfallschäden einschließlich des Bedarfs an höherer Präzision, der erforderlichen Integration neuer Materialien sowie der stärkeren Konzentration auf die Werkstatteffizienz glaube man bei Snap-on, dass diese Übernahme förderlich sei. msh ■ Car-O-Liner bietet Unfallreparatursysteme. Die Hella KGaA Hueck & Co. wird ihre E-Commerce Aktivitäten im Segment Aftermarket weiter ausbauen. Durch Übernahme von iParts, dem führenden Onlineshop für Fahrzeugteile in Polen, sollen die eigenen E-Commerce Aktivitäten gestärkt sowie die weitere Expansion beschleunigt werden, hieß es in einer Mitteilung. Der Zukauf bietet aktuell über zwei Millionen Kfz-Teile an und verzeichnet über 150.000 registrierte Nutzer sowie mehr als eine halbe Million Besucher pro Monat. Auch die Hess-Gruppe möchte sich vergrößern. Mit Wirkung zum 1. Januar 2017 soll dazu die Autoteile Jakobs GmbH & Co. KG übernommen werden, kündigte das Kölner Handelshaus an. Von der Zentrale in Idar-Oberstein sowie sieben weiteren Standorten betreut das Unternehmen unter anderem Kunden in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Das Unternehmen wird unter dem bestehenden Namen weitergeführt. Die 105 Mitarbeiter werden übernommen. Die europäischen Händlernetze haben sich im achten Jahr in Folge weiter verkleinert. Laut der diesjährigen Veröffentlichung „European Car Distribution Handbook 2016 (ECDH)“ der Forschungs- und Strategie- Organisation International Car Distribution Programme (ICDP) sind „drastische Veränderungen in Größe und Struktur des Händlernetzes notwendig, um Profitabilität zu gewährleisten“. Ursächlich seien eine veränderte Kundenhaltung sowie die Wettbewerbssituation. Trotz einer Erholung des Neuwagenmarktes stünden Autohändler und reine Vertragswerkstätten hinsichtlich ihrer Profitabilität unter Druck, hieß es in einer Pressemeldung. Die Bosch-Gruppe hat am 12. Oktober 2016 Verträge zur Übernahme der ITK Engineering AG unterzeichnet, ein Unternehmen für Entwicklungsdienstleistungen mit Hauptsitz in Rülzheim in der Südpfalz. Das Unternehmen wurde 1994 als „Ingenieurgesellschaft für technische Kybernetik“ (ITK) gegründet. Heute ist die ITK Engineering mit ihren mehr als 800 Mitarbeitern ein führender Dienstleister im Bereich der modellgestützten System- und Softwareentwicklung mit einem Schwerpunkt in der Automobiltechnik. „Mit der Akquisition von ITK Engineering stärken wir unsere Position im weltweiten Wachstumsmarkt der Entwicklungsdienstleistungen“, sagt Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 7

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NACHRICHTEN „BERATUNGSINTENSIV“ Maik Kynast, Bereichsleiter Vertrieb und Versicherungen Kfz bei der Santander Consumer Bank Foto: Karin & Uwe Annas/Fotolia SANTANDER Jetzt auch solo Die Santander Consumer Bank hat ihr Versicherungsangebot erweitert: AutoCare Solo soll Autofahrer enger an die Werkstatt binden und Folgeaufträge sichern. eit dem 30. September spielt Santander, was die Reparaturkostenversicherung angeht, solo. Gemeint ist das Produkt Santander Auto- Care, das es jetzt auch als Singlelösung gibt. Dank des Newcomers, den man aus der AutoFlat kennt und den die Mönchengladbacher neuerdings in Kooperation mit BNP Paribas Cardif Deutschland offerieren, können sich Autofahrer für eine langfristige Reparaturkostenabsicherung entscheiden. „AutoCare Solo ist ein Produkt für Endkunden – unabhängig von einer Finanzierung“, betonte Maik Kynast, Bereichsleiter Vertrieb und Versicherungen Kfz. Zur Erinnerung: Im Juli hatte das Finanzinstitut darüber informiert, dass man bei AutoCare künftig mit BNP Paribas Cardif Deutschland zusammenarbeite. Der neue Partner hatte dann auch gleich einige Produktverbesserungen im Gepäck, etwa die aktualisierte Laufzeit von 60 Monaten sowie zusätzlich versicherte Bauteile wie Steuerkette, Steuerkettenspanner und Abgasrückführungsventil. Zudem gilt AutoCare seitdem auch für gewerbliche Fahrzeuge. „Wichtig bei der Entscheidung war, dass wir einen Leistungsumfang haben, der besser ist als der Durchschnitt des Marktes“, erklärte Kynast den Wechsel zum neuen Kooperationspartner. Endkunden-Schutz Wie es vom Santander-Platz in Sachen AutoCare Solo hieß, werden die Fahrzeugeigentümer über eine Laufzeit von 24, 36, 48 oder 60 Monaten vor unkalkulierbaren Reparaturkosten der wichtigsten Bauteile an Motor, Getriebe und Elektrik geschützt. Gemäß den Versicherungsbedingungen, versteht sich. Kynast: „Mit Santander AutoCare Solo erweitern wir jetzt unser Versicherungsportfolio und kommen damit auch einem vielfach geäußerten Wunsch des Kfz-Handels nach.“ Schon vor dem Launch seien informierte Händler aktiv auf das Finanzinstitut zugekommen. Sie konnten den Solo-Start offenbar nicht mehr abwarten. „Somit haben wir alles richtig gemacht“, sagte Kynast. Denn die Vorteile für den Handel liegen auf der Hand: Die Unternehmer erhoffen sich dadurch eine Belebung des Werkstattgeschäftes. Und zwar langfristig. Neben professionellen POS- Materialien und Trainings stellte der Bereichsleiter außerdem für Ende des Jahres Incentives in Aussicht. Patrick Neumann ■ AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Foto: Santander asp: Herr Kynast, lassen Sie uns grundsätzlich über Versicherungen reden. Wie ist die Resonanz im Handel auf „Santander Best Insurance“? M. Kynast: Santander Best Insurance hat sich richtig gut entwickelt. Wir sehen, dass wir damit genau den Bedarf der Händler erwischt haben. Nachdem wir in der Anfangsphase noch Kleinigkeiten optimiert hatten, sind die Leistungen des Vergleichsrechners gut angenommen worden. Anders als bei anderen Vergleichsportalen ist nicht der billigste Preis entscheidend, sondern wir konnten durch den echten Vergleich einen echten günstigsten Preis bei vergleichbaren Leistungen ermitteln. asp: Wie viel Aufklärungsbedarf gibt es bei Ihren Handelspartnern, was das Thema Versicherungen anbelangt? M. Kynast: Wir haben gesehen, dass ein Grundwissen da ist. Mithilfe unserer Champions-Trainings haben wir versucht, dies deutlich zu erweitern. Wir sehen natürlich: Der Versicherungsbereich ist beratungsintensiv, man muss das Produkt erklären können und somit die Mitarbeiter im Autohaus, sprich die Verkäufer, schulen und trainieren. asp: Wie laufen diese Trainings konkret M. Kynast: Wir haben grundsätzlich zwei Verfahren. Einerseits schulen wir die Verkäufer direkt vor Ort beim Händler. Andererseits bieten wir auch für mehrere Händler oder Verkäufer zentrale Schulungen an, bei denen unsere Key Account Manager Versicherungen dabei sind. asp: Ihre Key Account Manager Versicherungen spielen dabei eine wichtige Rolle. M. Kynast: Über das reine Produkt ist man heute nicht mehr unbedingt vergleichbar. Wir haben hier einen hohen Bedarf am Markt gesehen – an Schulungen und Trainings. Deshalb haben wir uns entschieden, hier mit auf das Produkt Versicherungen spezialisierten Key Accounts zu arbeiten. Damit das Ganze mit einer hohen Qualität am Markt platziert werden kann. Interview: Patrick Neumann www.autoservicepraxis.de

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SHARED PASSION FOR PERFORMANCE BMW MOTORSPORT SETZT EXKLUSIV AUF SHELL HELIX ULTRA MIT DER SHELL PUREPLUS TECHNOLOGY www.shell.de/pureplus While Shell Helix Ultra with PurePlus Technology motor oils for the race track and the road share the same technology platform, the racing formulation is customised to meet the extreme racing conditions.

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Foto: ZF Aftermarket NACHRICHTEN Die ZF-Drehmomentwandler von Sachs lassen sich individuell an den Antriebsstrang anpassen. AUTOMATIKGETRIEBE Neue Sachs-Drehmomentwandler ZF Aftermarket ergänzt sein Produktportfolio für den Aftermarket um 55 Drehmomentwandler der neuen Generation für Pkw-Automatikgetriebe. Die neuen Produkte können mit einem Zweidämpferwandler (TwinTD) kombiniert werden, um Kraftstoffeffizienz, Schaltverhalten und Fahrkomfort zu verbessern. Die Wandlerüberbrückungskupplung besteht aus Torsionsdämpfern, die gemeinsam den Verschleiß beim Anfahren vermeiden, effizienter Kraft übertragen, Energieverluste sowie Geräusche reduzieren und dabei auch noch die Fahrdynamik verbessern sollen. Motoren mit kleinem Hubraum neigen zu Torsionsschwingungen bei niedrigen Drehzahlen und hohen Drehmomenten. Diese sollen sich mit dem Zweidämpferwandler TwinTD minimieren und frühere Schaltpunkte realisieren lassen. Das soll für einen verbesserten Fahrkomfort bei niedrigen Motordrehzahlen sowie weniger Kraftstoffverbrauch sorgen. Trotz höherer Leistung beansprucht der Wandler weniger Bauraum. Außerdem sorgt die effektive Kühlkapazität der Überbrückungskupplung für optimierte Wärmeabgabe und niedrigeren Verschleiß, heißt es in der Mitteilung. Die Überbrückungskupplungen haben zudem einen intelligenten modularen Aufbau: Dank einer Auswahl aus zwei, vier oder sechs möglichen Reibflächen mit unterschiedlichen hydraulischen Durchmessern können die Kupplungen individuell eingestellt und auf unterschiedliche Auslegungen des Antriebsstrangs abgestimmt werden, heißt es. msh ■ CHIEF DIGITAL OFFICER Digitalisierung in der Chefetage Die derzeit bekanntesten Schlagworte lauten autonomes Fahren, Big Data oder Mobility Services. Vertreter der Autohersteller greifen auf Messen und in Interviews gern die Trendthemen auf, um zugleich Herausforderungen zu benennen und eigene Lösungen zu liefern. Die Möglichkeiten der Informationstechnik verhelfen nicht nur der Automobilindustrie zu einem großen Technologiesprung. Immer häufiger stößt man jüngst auf die Managementposition des Chief Digital Officer (CDO). Medienberichten zufolge berief Audi beispielsweise jüngst Roland Villinger als obersten Digitalisierungsstrategen. Villinger war zuvor Senior Partner bei McKinsey. 2001 fungierte er als „Silicon Valley Accelerator“ des Beratungsunternehmens. Auch bei der Konzernmutter Volkswagen war Ende 2015 Johann Jungwirth zum Leiter des neugeschaffenen Fachbereichs Digitalisierungsstrategie berufen worden. Die gleiche Entwicklung AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 in Stuttgart: Seit Juni 2016 verantwortet Sabine Scheunert den Bereich „Digital und IT“ bei Daimler. Die digitale Zukunft von BMW verantwortet seit März Jens Monsees. Er war zuvor bereits für Google tätig. Nicht nur auf Herstellerseite tut sich was: TÜV SÜD hatte im Mai Dirk Schlesinger zum CDO ernannt. In dieser neu geschaffenen Position soll er die digitale Transformation weiter anschieben. msh ■ Zukunft Datenautobahn: In der Automobilindustrie wird die Digitalstrategie zur Chefsache. Foto: Envfx/Fotolia www.autoservicepraxis.de

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INDUSTRIEWETTBEWERB Alfa Romeo Giulia holt Trophäe Die neue Alfa Romeo Giulia wurde von internationalen Fachleuten bei der Jahrestagung des „Automotive Circle International“ in Bad Nauheim mit dem Preis „Euro- CarBody 2017“ geehrt. Bei dem Kongress trafen sich internationale Fachleute aus den Bereichen Karosseriedesign, Materialkunde, Prozessteuerung und Fertigung. Die italienische Sportlimousine setzte sich gegen renommierte Konkurrenten wie Honda NSX, Volvo V90, Bentley Bentayga, Aston Martin DB11, Land Rover Discovery, Skoda Kodiaq und Peugeot 3008 durch. Ausschlaggebend für den Sieg der Giulia war die innovative Karosserie, die dank weitgehender Verwendung von Hightech- Materialien wie Kohlefaser und Aluminium sehr leicht und gleichzeitig extrem verwindungssteif ist. Darüber hinaus gehört das neue Flaggschiff von Alfa Romeo zu den sichersten Fahrzeugen im Segment. Im Crashtest nach EuroNCAP-Verfahren erhielt es die Bestnote von fünf Sternen. Im Punkt „In- GVA-KONGRESS Caruso kommt Die Datenmanagement-Plattform Caruso, die der freie Aftermarket als Gegengewicht zu den digitalen Geschäftsmodellen der Fahrzeugindustrie ins Leben rufen will, soll bis Mitte nächsten Jahres arbeitsfähig sein. „Wir werden dann in der Lage sein die ersten Business Cases über Caruso abzubilden, Daten industriell zu verknüpfen und dann dies auch abzurechnen“, erklärte Alexander Haid, Projektleiter Caruso, anlässlich des diesjährigen GVA-Kongresses in Hannover. Derzeit wird Caruso als Projekt maßgeblich von dem Datenlieferanten TecAlliance vorangetrieben. Geplant ist jedoch die Gründung einer eigenständigen Gesellschaft. Als Anteilseigner werden zunächst die Gesellschafter von TecAlliance hinter Caruso stehen, also vor allem die Unternehmen der Kfz-Teileindustrie, aber auch der Teilehandel, vertreten durch den Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA). Caruso sei offen für weitere Partner, die ihre Daten auf die Plattform bringen wol- Foto: Dietmar Winkler Die innovative Karosserie der Alfa Romeo Giulia überzeugte beim Euro- CarBody 2017. Foto: Alfa Romeo sassenschutz für Erwachsene“ bestätigten die Tester einen Spitzenwert von 98 Prozent – das beste Ergebnis seit Einführung der weiter verschärften und strengeren Bewertungskriterien für EuroNCAP im Jahr 2015. Im Verlaufe der dreitägigen Veranstaltung präsentierten die Wettbewerbsteilnehmer ihre neuesten Modelle in einer Reihe von Workshops. Die Experten fälllen, sowie für potenzielle Investoren, betonte Haid. Wer die technische Basis für den Betrieb der Plattform liefern wird, ist noch offen. Derzeit seien vier Technologielieferanten in der engeren Auswahl, unter anderem Bosch. Die Idee hinter Caruso: Es geht um die Schaffung einer neutralen Datenplattform, in die Unternehmen des unabhängigen Aftermarket (IAM) Daten einspeisen. In erster Linie geht es um Daten aus Fahrzeugen, die bereits über eine digitale Datenten anschließend ihr Urteil nach einer 20 Punkte umfassenden Liste, die sich aus fünf Schwerpunkten zusammensetzt: Entwicklung und Anwendung innovativer Materialien, innovative Entwicklungsund Designlösungen, innovative Konzepte in der industriellen Fertigung, Sicherheit/Ergonomie/Akustikkomfort/Qualität sowie Präsentation des Wettbewerbsbeitrages. msh ■ v.l.: GVA-Präsident Hartmut Röhl mit Sylvia Gotzen (FIGIEFA), Philipp Grosse Kleimann (Roland Berger) und Uwe Thomas (Bosch) verbindung verfügen. Auf dieser Basis sollen neue Geschäftsmodelle aufgebaut werden, die der freie Servicemarkt dann unabhängig von markengebundenen Werkstätten anbieten könnte. GVA-Präsident Hartmut Röhl betonte, dass der diskriminierungsfreie Zugang zu den im Fahrzeug erzeugten Daten eine Überlebensfrage für die Unternehmen des IAM sei. Ziel sei der direkte Zugang über eine noch zu definierende offene Telematikplattform (OTP) im Auto. diwi ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 11

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NACHRICHTEN AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Marke Modell Produktionszeitraum Audi Q7 Januar 2015 bis Juli 2016 Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug erkennbar an Fehler im Fertigungsprozess der Sitzstruktur in der dritten Sitzreihe / Im Falle eines Unfalls kann es zu einer Vorverlagerung der dritten Sitzreihe kommen, laut KBA bestehe dann erhöhte Verletzungsgefahr für die Insassen / Nachrüstung eines Haltebügels zur zusätzlichen Befestigung der dritten Sitzreihe keine Angabe keine Angabe Die Dokumentation einer Reparaturmaßnahme erfolgt anhand eines Stempels im Serviceheft, ferner wird die Abarbeitung im System bestätigt. SQ7 siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben BMW M3 2014 bis 2016 Bei Serviceaktion wurde Hinterachsträger ggf. mit keine Angabe keine Angabe keine Angabe denselben Schrauben befestigt / Laut Vorgabe sind neue Schrauben zu verwenden / Überprüfung und ggf. Austausch der Schrauben gegen neue M4 siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben M5 siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Fiat 500 Dezember 2015 bis Januar 2016 Jeep Nichtkonformität beim Fertigungsprozess der Führungsschienen des rechten Vordersitzes / Sitz kann ggf. nicht einrasten / Überprüfung und ggf. Ersatz der Führungsschienen des rechten Vordersitzes 9.311 keine Angabe keine Angabe Abarth 500 siehe oben siehe oben 44 siehe oben siehe oben Grand Cherokee 4.834 R71 keine Angabe (WK) 03. Dezember 2009 bis 01. September 2012 Kia Sorento (UM) 20.03.2015 bis 18.05.2016 Wartungsarbeiten an der Sonnenblende bzw. am Dachhimmel können zum Kurzschluss führen / Schminkspiegelleuchte funktioniert nicht mehr, Kurzschluss- und Brandgefahr / Verkabelung der Sonnenblende ist zu überprüfen, Sonnenblenden müssen ausgetauscht, das Blech modifiziert und Kabelführungen eingesetzt werden, um die Kabel der Schminkspiegelleuchte zum Schutz vor Beschädigung neu zu verlegen Softwarefehler im elektronischen Steuermodul der Anhängezugvorrichtung / Bei Verzögerung des Zugfahrzeugs durch den Tempomaten wird im Anhängerbetrieb das Zugfahrzeug-, jedoch nicht das Anhängerbremslicht aktiviert / Steuermodul für die Anhängezugvorrichtung wird durch ein Bauteil mit modifizierter Software ersetzt KTM SX Modelljahr 2017 Frühzeitiger Verschleiß der Dichtmanschette im Handbremszylinder / Beeinträchtigte Bremsleistung / Handbremszylinder muss kontrolliert und gegebenenfalls ausgetauscht werden 2.086 X5250RTT Die durchgeführte Reparaturmaßnahme ist anhand eines Aufklebers in der Heckklappe erkennbar. keine Angabe keine Angabe keine Angabe XC siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben EXC siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Mazda 6 (GG/GY) 14.02.2002 bis 14.09.2005 RX-8 B2500/BT-50 UN (nur Fahrerairbag) Februar 2003 bis Februar 2008 14.01.2004 bis 22.09.2011 Gasgeneratoren der Airbags könnten durch stetige Feuchtigkeitseinwirkung bei einem Aufprall unnormal auslösen / Fahrzeuginsassen können durch umherfliegende Metallteile getroffen werden; schwere und tödliche Verletzungen möglich / Gasgeneratoren der Fahrzeuge sind gegen modifizierte Bauteile auszutauschen 76.018 AF037A Die Fahrgestellnummer jedes betroffenen Fahrzeugs ist in den Mazda-Systemen vermerkt und kann von Mazda Partnern und auch freien Werkstätten hinsichtlich des Status überprüft werden. siehe oben 9.449 AF037A siehe oben siehe oben 3.695 AF037A siehe oben AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 www.autoservicepraxis.de

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AKTUELLE RÜCKRUFE (TAGESAKTUELL: WWW.AUTOSERVICEPRAXIS.DE/RUECKRUFE) Marke Modell Produktionszeitraum Mercedes-Benz GLC (BR253) September 2015 bis März 2016 Softwarefehler im Steuergerät der Elektrolenkung / Deaktivierung der elektrischen Lenkkraftunterstützung möglich / Softwareupdate am Steuergerät der Elektrolenkung nötig Porsche Macan Serviceaktion: Abgasregelung bei niedrigen Temperaturen heruntergeregelt / Abgaswerte zu hoch / Software-Update Renault Espace 5 Von Produktionsbeginn 20.07.2016 Seat Mii 01.12.2015 bis 31.01.2016 Unzureichender Halt der Klebeverbindung zwischen Außenhaut und Unterkonstruktion der Motorhaube / Ablösen der Motorhauben-Außenhaut von der Unterkonstruktion möglich / Verstärkung des nicht umbördelten Bereichs mittels eines Strukturklebers; falls sich Außenhaut und Motorhaube bereits vom Trägerblech gelöst haben erfolgt Austausch der Motorhaube Erschütterungen können beim hinteren Türschloss den Sperrhebel beeinträchtigen / Unbemerkte Deaktivierung der Kindersicherung möglich / Überprüfung der Kindersicherung, ggf. Austausch eines Schlosses keine Angabe keine Angabe keine Angabe 10.500 keine Angabe keine Angabe 4.612 0CE0 Die Reparaturmaßnahme wird im internen Renault-Händlernetz vermerkt. keine Angabe 58D1 Reparaturmaßnahme wird sowohl Serviceheft als auch mittels eines Aufklebers in der Nähe des Bordwerkzeuges dokumentiert. Toledo siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Ibiza siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Leon siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben Toyota Prius Dezember 2016 bis Januar 2017 Volvo S90 Modelljahre 2016 bis 2017 Gründe/Maßnahmen Fahrzeuge (D) interner Code Vollzug erkennbar an Bremsseil kann sich aus der Arretierung an den Betätigungshebeln lösen / Bremskraft der mechanischen Feststellbremse kann entfallen / Montage einer Federspange (Clip), diese sorgt für mehr Vorspannung am Bremszug und fixiert diesen Montagefehler des Ablaufschlauches der Klimaanlage / Wassereintritt in den Insassenraum und somit Beeinträchtigung elektrischer Systeme möglich / Überprüfung des Ablaufschlauches, bei erfolgtem Wassereintritt Modifizierung des Kabelbaums 2.266 16OSD-079 Eine erfolgte Instandsetzungsmaßnahme anhand der vorhandenen Federspange aufgebockten Fahrzeug zu erkennen sowie im Garantiesystem beim Hersteller gespeichert. keine Angabe R89707 Volvo-Vertragspartner können über das Volvo- System erkennen, ob die Maßnahme bereits durchgeführt registriert wurde, freie Werkstätten nicht. V90 siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben XC90 siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben VW Passat April bis Oktober 2015 Werkzeugverschleiß kann zu klemmendem Pumpenkolben führen / Klemmender Kolben verringert Druckauf- bzw. Druckabbau im Hydrauliksystem der bremsenunterstützenden Systeme / ESC-Aggregat wird überprüft und ggf. ersetzt beim VIN-Bereich WVW ___3C _ F E 503666 - WVW ___ 3C _ G E 071821; WVW ___ 3C _ F P 421701 - WVW ___ 3C_ G P 014141 462 45E4 Eine durchgeführte Reparaturmaßnahme wird durch einen Aktionsaufkleber im Bordbuch sowie im Fahrzeug im Bereich des Kofferraumes dokumentiert. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 13

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TITEL ZUKUNFT FREIE WERKSTATT Das ist der Plan Um auch künftig am Markt zu bestehen, müssen Kfz-Betriebe auf neue Anforderungnen im Servicebereich reagieren. Wir zeigen, wo in vielen Betrieben noch Handlungsbedarf besteht. Foto: Fotolia/Fotomanufaktur Die Fahrzeugtechnik schreitet in rasantem Tempo voran. Immer mehr elektronische Bauteile, der massive Einzug komplexer Fahrerassistenzsysteme nicht nur in der Oberklasse, neue gesetzliche Vorschriften für die Durchführung der Hauptuntersuchung, alternative Antriebe und die Bedrohung des freien Reparaturmarktes, die sich aus der digitalen Anbindung der Fahrzeuge durch den Fahrzeughersteller ableitet. Droht schon bald die digitale Aussperrung der freien Werkstatt, die mit ihren begrenzten technischen Möglichkeiten künftig das Nachsehen hat? KURZFASSUNG Die Gleichung ist einfach: Investition in Know-how und Equipment ist gleich Zukunft. Die Fahrzeugtechnik, eine neue Kundengeneration, aber auch der Gesetzgeber stellen neue Anforderungen an den freien Werkstattbetrieb. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Wie zukunftsfähig ist das Geschäftsmodell der freien Werkstatt als Alternative zum markengebundenen Service? Wir haben diese Fragen unter anderem den führenden Anbietern von Werkstattsystemen im Independent Aftermarket (IAM) vorgelegt. Beruhigend: Sie haben einen Plan, wie die Transformation in die neue Mobilitätswelt gelingen kann. „Es wurde in den letzten Jahrzehnten bei technischen Änderungen immer wieder das Ende der freien Werkstätten prognostiziert. Immer haben sich die Betriebe angepasst und die Herausforderung gemeistert. Das Modell ‚Freie Werkstatt‘ wird sicher nicht aussterben“, glaubt Axel Birngruber, Leiter Werkstattsysteme und Schulungen WM SE. Der Teilegroßhändler Wessels & Müller ist Konzeptgeber der Werkstattsysteme Autoteam, AutoPro und Autoteam Plus. „Es ist sicherlich nicht so, dass die freie Werkstatt in naher Zukunft keine Existenz- berechtigung mehr hat. Sie muss sich aber auf die Veränderungen einstellen“, gibt sich Thomas Sülzle, Leiter Marketing Services der ATR, optimistisch. Auch Klaus Grote, Manager Workshop Concepts beim Teilehändler PV Automotive, ist sich sicher: „Eine Bedrohung des Geschäftsmodells ‚Freie Werkstatt‘ sehen wir nicht.“ Schulung ist das A und O Alle Konzeptgeber sind sich einig: Kfz- Betriebe, die auch künftig ihr Auskommen im Service suchen, müssen investieren – vor allem in Werkstatttechnik und in das Know-how der Mitarbeiter. Schulungen müssen sein – auch für den Chef selbst: „Werkstattinhaber erkennen ganz klar die Notwendigkeit in Schulungen, in die Fahrzeugvernetzung und Digitalisierung, technisches Equipment und regionales Marketing zu investieren“, konstatiert Axel Birngruber. Thomas Sülzle sieht als größte Herausforderung die wettbewerbsneutrale www.autoservicepraxis.de

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INTERVIEW Der Zugang zu Reparatur- und Serviceinformationen ist für freie Werkstätten unverzichtbar. Das Unternehmen Alldata hat sich auf die Bereitstellung von Original-Herstellerdaten spezialisiert. Wir sprachen mit Michael Krampe, Managing Director Alldata Europe, über das Geschäft mit Reparaturdaten. asp: Welche Bedeutung haben digitale Reparaturdaten für Werkstätten – werden diese künftig noch wichtiger? M. Krampe: Durch die zunehmende Komplexität der Autos wird der Zugriff auf umfangreiche Daten immer wichtiger. Diese Informationen sind notwendig, um diese Fahrzeuge nach Herstellervorgaben zu reparieren. Das betrifft nicht nur die eigentlichen Kfz-Reparaturen, sondern auch die Wartungs- und Inspektionsarbeiten. Wir erhalten aus den Werkstätten die Rückmeldung, dass sie sich teilweise an den jüngsten Golf gar nicht herantrauen. Man hat Angst, diese Autos zu reparieren. Das darf einem Mechatroniker nicht passieren. asp: Der Gesetzgeber ist doch aber verpflichtet, die Reparaturdaten zur Verfügung zu stellen. Eine digitale Aussperrung freier Servicebetriebe wäre gar nicht erlaubt. M. Krampe: Wenn wir von Reparatur- und Wartungsinformationen sprechen, so sind diese im Prinzip zugänglich. Es gibt heute keinen Datenengpass. Die Frage ist aber: Wie kommt man an die Daten ran? Werkstätten haben die Möglichkeit, sich kostenpflichtig auf die Hersteller-Portale aufzuschalten, entweder im Abo oder stundenweise. Alldata sieht sich mit dem Produkt Alldata Repair als vollwertige Alternative für die Mehrmarkenwerkstatt. Die Daten sind im Prinzip identisch. Derzeit haben wir 22 Fahrzeugmarken unter einem Dach. asp: Welchen Vorteil haben Werkstätten dadurch? M. Krampe: Sie finden die Informationen aller Hersteller mit einem Zugang und einer Browsereinstellung. Ein weiterer Vorteil ist die einheitliche Logik im Suchbaum. Diese Logik ist bei uns immer gleich. Erst wenn es um die Reparaturdaten selbst geht, leiten wir den Nutzer auf die Originaldokumente. Wir machen also den Einstieg deutlich nutzerfreundlicher. asp: Alldata wirbt damit, über Originaldaten zu verfügen, was heißt das? M. Krampe: Unser Datenmodell ist tatsächlich ein USP. Alldata überführt die Original-Reparaturdaten 1:1 in eine eigene Datenbank und bietet diese in einem Lizenzmodell mit 24/7 Zugriff für Mehrmarkenwerkstätten an. Das gibt es nirgendwo sonst. Wir arbeiten mit offiziellen Lizenzverträgen der Hersteller. Das erlaubt uns die Weitergabe der Daten an Dritte unter der Prämisse, diese Daten nicht redaktionell zu verändern. Wir haben uns hier als verlässlicher Partner für die OEM einen Namen gemacht. asp: Wie macht es die Konkurrenz? M. Krampe: Technische Daten werden in eigene Datenbankstrukturen überführt und standardisiert, um sie in andere Subsysteme integrierbar zu machen. Dazu muss man die Daten verändern. Es handelt sich dann nicht mehr um Originaldaten und man hat niemals die ganze Datenfülle. Das wäre überhaupt nicht zu leisten und würde Jahre dauern. Bei uns wird im Gegensatz dazu nichts abgeschnitten. Das Einzige, was wir nicht haben, sind Informationen zu Schließ- und Schlüsselsystemen. Diese sind aus der GVO bzw. Euro 5/6 ausgenommen. asp: Berücksichtigen Sie in Ihrer Datenbank auch aktuelle Rückrufaktionen der Hersteller? M. Krampe: Solche Rückrufinformationen sind sehr dynamisch auf den Herstellerportalen vorhanden, teilweise auch nur temporär und für kurze Zeit. Unsere Kunden können über das Alldata Infocenter, ein Team von Kfz-Spezialisten, Auskünfte über tagesaktuelle Informationen bekommen. Wenn wir Anfragen zu elektronischen Serviceheften bekommen, dann müssen diese Daten dynamisch auf den Servern der Hersteller abgerufen werden. Über diese Anfrage bekommen wir also aktuelle Serviceinformationen zu Gesicht. In dem Fall spielen wir diese Dokumente an den Werkstattpartner weiter. asp: Sind das telefonische Anfragen? M. Krampe: In der Regel geschieht dies auf schriftlichem Weg. Wir haben ein Anfrageformular in unserem Produkt hinterlegt. Das wird auch jeden Tag hundertfach genutzt, sehr häufig zu den elektronischen Serviceheften, wo sie heute die exakte Herstellervorgabe zur Inspektion abrufen können. Michael Krampe, CSO & Managing Director, Alldata Europe GmbH asp: Wie verhält sich die Nutzung kostenseitig? M. Krampe: Unser Abo-Modell beruht auf einer Flatfee. Die liegt bei derzeit 79 Euro pro Monat. Dies umfasst den Zugriff auf die Reparaturdaten von 22 Marken und unser Infocenter. Die Flatrate hat den Vorteil, dass die Kosten von vornherein klar sind. asp: Wie groß sind die Synergien mit der US-amerikanischen Mutter? M. Krampe: Es gibt Synergien, auch wenn die Lizenzrechte doch sehr unterschiedlich sind. Unsere kalifornische Muttergesellschaft Alldata LLC verfügt über eine 30-jährige Expertise darin, aus nicht standardisierten OE-Daten eine Datenbanklösung für Mehrmarkenwerkstätten zu bauen. asp: Wie wichtig ist für Sie der Großhandel als Abnehmer Ihres Produkts? M. Krampe: Der Teilegroßhandel ist ein wichtiger Partner für uns; zum einen natürlich als Absatzmittler, aber auch als Multiplikator in die Werkstatt. Die Großhändler bieten ihren Kunden Katalog- und Warenwirtschaftssysteme und integrieren dort eben auch Reparaturdaten. Das ist ein wichtiges Instrument, um die Werkstätten zu binden. Die Einbindung bei den Teilegrossisten ist daher eine wichtige Strategie für die technischen Datenanbieter. Auch wir gehen diesen Weg und sind unter anderem Partner von WM, Stahlgruber, PV Automotive, Matthies, der Coparts- Gruppe, Knoll oder Hess. asp: Wie ist hier das Pricingmodell? M. Krampe: Wir sehen den Grossisten als Reseller unserer Produkte, d.h. die Daten sind für die Werkstätten in den Großhändler-Portalen kostenpflichtig zubuchbar. Wir haben daneben auch Key-Account-Modelle, wo wir Lizenzen en bloc und an eine größere Gruppe verkaufen. Aber in der Regel handelt es sich um ein Wiederverkaufsgeschäft. asp: Wie viele Nutzer haben sie in Deutschland und wie groß ist das Potenzial? M. Krampe: Derzeit nutzen 4.500 Werkstätten unser System. Das Potenzial ist groß, denn eigentlich hat jede Mehrmarkenwerkstatt den grundsätzlichen Bedarf. Wir haben in den vergangenen drei Jahren sehr große Fortschritte gemacht und wachsen weiter. Wir haben uns mit unserem eigenen Vertriebsteam bislang auf die Gebiete D.A.CH. und Großbritannien konzentriert, aber auch in anderen Teilen Europas bauen wir unsere Position aus, da der Bedarf bei den Werkstätten identisch ist. asp: Hat die freie Werkstatt auch in der Zukunft noch ihre Berechtigung? M. Krampe: Eine Mehrmarkenwerkstatt wird auch in Zukunft eine Berechtigung haben. Das haben auch die Hersteller erkannt, die ihrerseits mit Aftersaleskonzepten in den Markt drängen. Das würden sie nicht machen, wenn da nichts zu holen wäre. Es wurden ja schon öfter bei Neuerungen schwarze Wolken für die freien Werkstätten an den Himmel gemalt. Aber ein zentrales Thema ist die Verfügbarkeit und Verarbeitung von Daten. Wir sehen aktuell gerade auch im Diagnosesektor sehr viel Bewegung, insbesondere im Hinblick auf das PassThru-Verfahren zur reinen OE- Diagnose. Unsere Online-Datenbank Alldata Repair ist hier auch ein idealer Baustein in dem notwendigen Datenbereich, um Werkstätten in die Lage zu versetzen, auch weiterhin Fahrzeuge reparieren zu können. Foto: Alldata www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 15

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TITEL Ausgestaltung des Datenzugriffs bei Telematikdiensten, die teils aggressiven Marketingaktionen der Fahrzeughersteller im Aftermarket, die auch auf ältere Fahrzeuge zielen, sowie die ständige Bereitschaft zur Weiterbildung seitens der Werkstätten. „Nur wer sich laufend mit den neuen Techniken beschäftigt und seine Mitarbeiter schult, wird bei der schnellen Entwicklung der Fahrzeugtechnik mithalten können“, erklärt Sülze. Investitionen stehen an „Man muss in einer gut aufgestellten Werkstatt über die entsprechende Technik verfügen. Hier kommen auf die Betriebe auch künftig weitere Investitionen zu.“ Als Beispiel nennt Sülzle die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen, den Klimaservice oder die Einstellung moderner Beleuchtungssysteme. Neue LED-Scheinwerfer können beispielsweise mit analogen Scheinwerfereinstellgeräten überhaupt nicht mehr eingestellt werden. Aufgrund der HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie ergeben sich für bereits bestehen- de Prüfplätze ab dem neuen Jahr neue Anforderungen an deren Ausgestaltung. Entscheidend ist das Vorhandensein einer geeigneten Aufstellfläche für das Fahrzeug und das Scheinwerfer-Einstellung-Prüfgerät (SEP) – viele Betriebe müssen deshalb in bauliche Maßnahmen investieren oder die Vorgaben durch den Einsatz von nivellierbaren Plattensystemen für die Fahrzeugaufstellfläche erfüllen. „Die Kalibrierung und Prüfung von Fahrerassistenzsystemen in neueren Fahrzeugen, neue Anforderungen an Bremsenprüfstände und die neuen Scheinwerfereinstellsysteme, sowie alles, was die Onlinediagnose der Fahrzeuge betrifft, sind derzeit hochaktuelle Themen für die Werkstätten“, zählt Axel Birngruber die drängendsten Baustellen für die Werkstätten auf. Immer wichtiger werde es für die freie Werkstatt online auf den Herstellerportalen zu arbeiten, beispielsweise das digitale Serviceheft, das Online-Flashen und herstellergeführte Fahrzeugdiagnose. WM biete seinen Partnerwerkstätten die entsprechenden Schulungen an. Freien Werkstätten werde in den nächsten Monaten einiges an Investitionen abverlangt, ist auch Klaus Grote von PV Automotive überzeugt: „Neue Bremsenprüfstände, Klimaservicegeräte für R1234yf Kältemittel, Scheinwerfereinstellplatz, Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen, OE-konforme Diagnose und vieles mehr. Wer künftig Inspektionen nach Herstellervorgaben durchführen möchte oder weiterhin die HU anbieten will, muss tatsächlich erheblich investieren, um die neuen gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.“ Diagnosetool EuroDFT Stichwort Herstellerportale: Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) bietet seit diesem Sommer mit dem Diagnosetool EuroDFT den Zugang zu Diagnoseportalen von fünf Autoherstellern mit einem Gerät. Kern des Systems, das der ZDK in Zusammenarbeit mit dem Start-up-Unternehmen Adis entwickelt hat, ist eine Software, die es schafft, die verschiedenen Herstellerwartungssysteme auf einem Computer laufen zu lassen. Das System, das aus FREIE WERKSTATT – DIE HERAUSFORDERUNGEN Diese Themen sind für Kfz-Betriebe bereits jetzt hochaktuell oder werden in naher Zukunft wichtig Digitalisierung der Fahrzeuge/Connected Car: Künftig werden immer mehr Fahrzeuge eine Verbindung mit der Datencloud haben und im minütlichen Takt Fahrund Zustandsdaten senden. Davon profitieren in erster Linie die Hersteller. Noch ist nicht geregelt, wie der Zugriff auf diese servicerelevanten Daten auch dem freien Markt zur Verfügung gestellt werden. Freie Werkstätten können aber heute schon von Nachrüststeckern für die OBD-II-Schnittstelle als wertvolles Kundenbindungsinstrument profitieren. Fahrassistenzsysteme: Komplexe Elektronik für Fahrassistenzsysteme wird kein Thema der Oberklasse-Fahrzeuge bleiben. Notbremsassistenzsysteme, Parkassistenzen, Adaptiver Abstands- und Geschwindigkeitsregler oder Stauassistent – bald tauchen vermehrt Fahrzeuge mit Kameras und Radarsensoren auch in den freien Werkstätten auf. Kalibriersysteme hierfür sind teuer und benötigen Platz in der Werkstatt. Zwingende Voraussetzung für die Kalibrierung ist die vorgeschaltete Achsvermessung zur Ermittlung der geometrischen Fahrachse. Klimaservice: Ab 2017 wird sich der Bestand von Fahrzeugen mit dem Kältemittel HFO1234yf fast gleich mit den Neuzulassungszahlen entwickeln. Durch das neue Kältemittel ist es erforderlich ein zugelassenes Servicegerät einzusetzen. Die Kosten für ein Klimaanlagenservicegerät belaufen sich auf vier- bis fünftausend Euro. Der hohe Bestand an Fahrzeugen mit R134a wird noch über Jahre bleiben. Daher sind diese Servicegeräte unverändert notwendig. Neue Anforderungen an Bremsenprüfstände: Die 2011 veröffentlichte „Bremsprüfstandsrichtlinie“ stellt bestimmte Anforderungen an die Bauart neuer Bremsprüfstände. Vorgegeben wird beispielsweise der Rollendurchmesser der Prüfrollen oder der Reibungskoeffizient der Rollenbeschichtung. Alle Geräte, die nach dem 1.10.2011 installiert wurden, müssen diese Vorgaben bereits erfüllen. Für ältere Prüfstände gibt es eine Übergangsfrist bis 31.12.2019, in der sie nachgerüstet werden können. Spätestens ab 1.01.2020 müssen alle Bremsprüfstände unter anderem auch mit einer Datenschnittstelle für die Hauptuntersuchung (HU) ausgestattet sein – sonst darf keine HU mehr damit gemacht werden. Scheinwerferprüfung: Mit der Einführung der „Richtlinie für die Überprüfung der Einstellung der Scheinwerfer von Kraftfahrzeugen bei der Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO“ (HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie) haben sich die Anforderungen für die Scheinwerferprüfung seit 1.1.2015 deutlich verschärft. Die Übergangsfrist für Systeme, die zu diesem Stichtag bereits in Betrieb waren, beträgt zwei Jahre. Die neue Prüfrichtlinie stellt hohe Anforderungen an die Beschaffenheit des Prüfplatzes in der Werkstatt. Entscheidend ist das Vorhandensein einer geeigneten Aufstellfläche für das Fahrzeug und das Scheinwerfer-Einstellung-Prüfgerät (SEP). Hybrid- und Elektroantriebe: Kfz-Betriebe müssen auf die Wartung und Reparatur der alternativen Antriebe vorbereitet sein – auch wenn die Fahrzeuge zahlenmäßig bisher kaum ins Gewicht fallen. Investitionen in Know-how und Ausrüstung sind notwendig. Foto: Fotolia/opka AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 www.autoservicepraxis.de

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einem OBD-Schnittstellenadapter und der Software auf einem Computer besteht, erlaubt bei Euro-5- und Euro-6-typengenehmigten Fahrzeugen die Fehlerdiagnose, Codierung und Programmierung sämtlicher Steuergeräte im Fahrzeug mit der Original-Software des Fahrzeugherstellers auf einem Tool und bietet Zugang zu Reparatur- und Wartungs-Informationen (RMI). Derzeit erlaubt das EuroDFT den Zugang zu den Systemen von insgesamt zehn Marken der Hersteller Volkswagen, BMW, Ford, Mercedes-Benz und Opel. Die Kosten liegen, je nach Ausstattung, bei um die 8.000 Euro. Daneben gibt es Leasingmodelle. Connected Car – das Gold der Daten Ein offener Konflikt zwischen Automobilindustrie und dem freien Aftermarket tobt schon seit geraumer Zeit um die Frage, wer von den Daten profitieren darf, die in modernen Fahrzeugen ständig erzeugt und in neueren Modellen gleich via eingebauter SIM-Karte an den Fahrzeughersteller gefunkt werden. Dahinter steht die Frage, wem diese Daten gehören. Während politisch um die Antwort noch gerungen wird, schaffen die Fahrzeughersteller Fakten und bieten wie BMW, Mercedes oder Opel bereits zahlreiche „Connected Services“ an. Das betrifft auch direkt das Geschäft der Werkstätten. Proaktive Hinweise zu fälligen Services aufs Fahrzeugdisplay mit entsprechender Werkstattempfehlung sind heute schon Realität. Mit Verweis auf Sicherheit und Datenschutz beanspruchen die OEM die Over-the-Air-Schnittstelle für sich. Der VDA hat das auf Anfrage bestätigt. Zwar würden bestimmte Daten nach Freigabe des Kunden dann auch Dritten zur Verfügung gestellt werden – allerdings hätte der OEM dann die Funktion des Gatekeepers. Damit will sich der freie Markt nicht abfinden und kämpft weiter um eine gesetzliche Regelung, die den direkten Datenzugriff ermöglicht. Aus Sicht des Großhandels müsse die Frage des Datenzugriffs politisch gelöst werden. „Es muss vor allem auf politischer Ebene eine klare Linie her. Im Interesse des Verbrauchers ist es notwendig, dass es ein offenes System geben muss“, sagt Thomas Sülzle von ATR. Handelskollege Klaus Grote sieht das ähnlich: „Wie beim Smartphone auch, sollte die Hoheit über die persönlichen Daten beim Verbraucher, also dem Autofahrer, und nicht beim Hersteller liegen.“ Dietmar Winkler ■ www.autoservicepraxis.de PRO60 PROFESSIONELLES BATTERIEMANAGEMENT FÜR DIE MODERNE WERKSTATT ■ für alle Blei-Säure Batterien, einschließlich AGM- und EFB-Start/Stop Technologie ■ zusätzlicher Lithium-Lademodus ■ adaptive Ladecharakteristik mit breitem Batteriegrößenbereich: 10 Ah – 1600 Ah ■ einstellbarer Konstantspannungsausgang DISTRIBUTED BY

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TITEL INTERVIEW „Jeder hat eine Chance“ Uwe Thomas, Vorstandsvorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Automotive Aftermarket, spricht im Interview über aktuelle Herausforderungen und wie freie Werkstätten diesen begegnen können. Foto: Valeska Gehrke asp: Jeder spricht von Vernetzung und Digitalisierung. Wie kommen Veränderungen konkret bei Technikern und Serviceassistenten im Werkstattalltag an? U. Thomas: Die Werkstatt ist vielfach mit Herausforderungen konfrontiert. Die Fahrzeuge werden immer komplexer und die Aufgaben anspruchsvoller. Auch die Kunden sind und werden anspruchsvoller, da sie aus dem Nicht-Automotive-Bereich bestimmte Servicemodelle, Lieferzeiten KURZFASSUNG Augmented-Reality-Anwendungen oder Tool-Sharing – Uwe Thomas, Vorstandsvorsitzender Bosch Automotive Aftermarket, ist überzeugt, dass neue Konzepte und Arbeitsabläufe in zwei bis drei Jahren in der Werkstatt ankommen. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 asp: Sie haben einige Herausforderungen angesprochen, hat eine freie Werkstatt hier noch die Chance mitzuhalten? U. Thomas: Jeder Marktteilnehmer hat die Chance mitzuhalten. Als Unternehmer muss sich der einzelne Werkstattinhaber jedoch überlegen, wo seine Profilierungschance liegt. Häufig sind gerade Ein- bis Zwei-Mann-Betriebe hervorragende Mechaniker und bewältigen unglaubliche Arbeiten an den Fahrzeugen. Aber sie l eben vom Vertrauen der lokalen Kundund Transparenz gewohnt sind. Gleichzeitig stehen Werkstätten vor der Frage, wie sie die Vielfalt, die derzeit in Werkzeugen, Tools, EDV-Systemen besteht, bewältigen, um Autos gut und effizient warten zu können. Denn wer mit drei oder vier EDV- Systemen agieren muss, ist nicht effizient. Hier brauchen Werkstätten starke Netzwerke und Partnerschaften. Netzwerke im Systemverbund oder als Werkstattkonzept und Partner im Sinne von Lieferanten. Damit meine ich nicht nur den klassischen Teilelieferanten, sondern das Bereitstellen von Bausteinen und Lösungsbeiträgen für die gesamte Wertschöpfungskette der Werkstatt. Und genau hier setzen wir mit unserer Parts-, Bytes- und Service-Strategie an. Wir liefern Teile im Rahmen unseres Portfolios und wir liefern Werkstatt- Equipment, Ausrüstung sowie technische Informationen – das klammern wir unter Bytes. Und zuletzt lernen wir immer mehr, welche Serviceerwartungen der Markt hat und spiegeln diese in unseren Konzepten für Werkstätten wider, um ihnen zu helfen, diesen vielen Herausforderungen zu begegnen. www.autoservicepraxis.de

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schaft und ihrem Fachwissen. Stellt man sie in den Wind einer Großstadt mit vielen Wettbewerbern, erkennt man, wie fit so ein Betrieb für die Zukunft ist bzw. sein muss. Daher ist es umso wichtiger, die Betriebe umfassend zu unterstützen und ihnen aber nicht nur Teile zu liefern. Denn – wie gesagt – eine Chance hat jeder, aber man muss sie ergreifen und die Zeichen der Zeit erkennen. asp: Das sind hohe Investitionen, die ein Betrieb bewerkstelligen muss, um zukunftsfähig zu bleiben und beispielsweise Fahrerassistenzsysteme kalibrieren zu können … U. Thomas: Wenn ein einzelner Betrieb für einen komplexen Fahrzeugpark alle Arbeiten ausführen möchte und investieren will, dann muss er wirklich sehr gut sein. Als Teil eines Netzwerkes, eines Werkstatt- Konzeptes kann er auch so etwas wie Tool- Sharing nutzen. Dabei wird das Fahrzeug von Werkstatt A zu Werkstatt B gefahren oder das Tool kommt zum Fahrzeug. Dabei geht es auch darum, dass die Tools ausgelastet werden. Nichts ist schlimmer als eine Werkstatt voll mit Equipment, das nur einmal im Monat für eine halbe Stunde genutzt wird. Das ist nicht wirtschaftlich. Hier helfen wir Werkstätten, indem wir Themen wie Tool-Sharing forcieren und auch die Vernetzung unter den Werkstätten vorantreiben. Wir möchten eine Rolle als Impulsgeber spielen. asp: Neue Konzepte wie Tool-Sharing oder veränderte Reparaturprozesse durch Augmented-Reality-Anwendungen – wann kommen diese Themen wirklich in der Werkstatt um die Ecke an? U. Thomas: Diese Frage impliziert, dass es noch etwas dauert und ich werde nicht müde uns allen immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass unsere handlichen Smartphones gerade mal vor zehn Jahren in unser Leben getreten sind und heute können wir nicht mehr ohne sie arbeiten oder gar leben. Das heißt: Es wird vieles viel schneller gehen. Nehmen wir das Beispiel Augmented Reality. Vor zwei Jahren haben wir auf der Automechanika zwei kleine Use-Cases vorgestellt, heute haben wir viele Anwendungsfälle parat. Wir haben beispielsweise mit Daimler eine App für Feuerwehrmitarbeiter entwickelt, damit diese an einem Unfallort schnell wissen, wo sie ein Fahrzeug aufschneiden können. Insbesondere bei elektrischen Fahrzeugen mit hohen Spannungen ist das www.autoservicepraxis.de entscheidend. In der Werkstatt sind Reparaturprozesse mit Hilfe virtuell eingeblendeter Zusatzinformationen etwa auf dem Tablet bei, heute noch vereinzelten, Werkstattketten unserer Kunden schon Realität. Die 3D-Brillen sind noch etwas unhandlich. Aber hier müssen wir nur zwei bis drei Jahre weiterdenken und dann werden „In den nächsten zwei bis drei Jahren wird es für den Endverbraucher sichtbar sein, dass seine Werkstatt hier und da deutlich anders arbeitet.“ das schöne, feine Brillengestelle sein, die sich auch preislich entsprechend entwickeln und finanzierbar sind. Dann wird das Thema nicht nur für große Werkstattketten relevant sein, sondern auch in der normalen Werkstatt ankommen. asp: Müssen die Mitarbeiter speziell geschult sein für diese neue Art des Arbeitens mit Augmented Reality? U. Thomas: Den Umgang mit 3D-Brillen lernt man intuitiv. Zwei, drei Mal üben, dann macht es plötzlich Spaß und irgendwann ist es ganz normal. Wie viele Millionen Menschen spielen aktuell Pokémon Go? An diesem Beispiel sieht man, wie schnell sich etwas verbreitet, wenn es intuitiv ist. Davon lernen wir im Automotive Sektor. asp: Arbeitsabläufe müssen umgestellt und alte Gewohnheiten geändert werden … U. Thomas: … Das ist das Stichwort, alte Gewohnheiten. Als Werkstattinhaber bin ich selber gefragt, ich muss meiner Mannschaft vorleben und zeigen, dass Veränderung der Rahmen des Spiels ist. Wer hier neugierig und interessiert ist, der wird ganz schnell wissen, wie das funktioniert. Die Konzepte müssen intuitiv sein. Wer Konzepte anbietet, die nicht entsprechend intuitiv sind, der wird damit scheitern. asp: Herr Thomas, vielen Dank für Ihre Einschätzungen. Interview: Valeska Gehrke ■

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TITEL Alice Kuch ist stolz auf ihren Meistertitel – das ist auch ein Signal an Kunden. Fotos: Marcel Schoch BEST PRACTICE Hunger auf Neues Unternehmerisches Geschick, Offenheit für Innovationen und gutes Personalmanagement sind wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg einer freien Kfz-Werkstatt. Besuch bei Autoservice Altintas in Gärtringen. adik Altintas, Kfz­Mechaniker­ Meister und Geschäftsinhaber der Firma Autoservice Altintas, einer freien Kfz­Werkstatt in Gärtringen, südlich von Stuttgart, ist seit über 27 Jahren selbstständiger Unternehmer. Heute zählt sein erfolgreiches Unternehmen neun Mitarbeiter und bietet neben Kunden­ KURZFASSUNG Freie Werkstätten müssen in die eigene Zukunftsfähigkeit investieren. Das technische Verständnis der Mitarbeiter ist ebenso wichtig wie das Equipment. Die gute Nachricht: Hersteller für Werkstattausstattungen bieten entsprechende Hard- und Softwarelösungen an. Werkstätten müssen das für sie passende Equipment aus einem vielfältigen Angebot auswählen. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Hier schraubt eine Frau Auch auf die Entwicklung, dass immer mehr Frauen in Werkstätten kommen, um ihre Fahrzeuge reparieren oder warten zu lassen, hat Sadik Altintas reagiert. „Die Zeiten, dass Frauen ihre Männer in die Werkstatt vorschickten, um ihr Fahrzeug zum Service oder zur Reparatur zu bringen, sind längst vorbei“, so Sadik Altintas. „Heute kennen sich Frauen mit Autos genauso gut aus wie Männer und sind entsprechend selbstbewusst. Ich freue mich deshalb sehr, eine Kfz­Meisterin in meidienst für alle Marken auch Reparaturen und Reifenservice an. „Von Anfang an war es mein Ziel, meine Werkstatt immer auf dem neusten technischen Stand zu halten“, sagt Sadik Altintas, der sich selbst, trotz Meistertitel, gerne auch heute noch als Auszubildender bezeichnet. Dahinter steht keine Koketterie, sondern eine klare Unternehmensausrichtung, die wesentlich zum Geschäftserfolg beiträgt. Sadik Altintas beobachtet daher sehr genau die Entwicklungen und Trends des Automobilmarktes. „Da zum Beispiel E­ Fahrzeuge eine zunehmend wichtigere Rolle im Straßenverkehr der Städte spielen und mein Betrieb unmittelbar vor den Toren Stuttgarts liegt, bereite ich gerade einen Arbeitsplatz für Wartung und Service von E­ und Hybrid­Fahrzeugen vor“, erzählt Sadik Altintas. „Meine Meister und ich machen deshalb gerade eine Hochvoltausbildung, um die nötigen Qualifikationen zu haben.“ Hier hat der erfahrene Geschäftsführer auch die UVV im Blick. Sein Motto ist ganz schlicht „Wissen schützt vor Schaden“. www.autoservicepraxis.de

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nem Betrieb zu haben. Alice Kuch habe ich vom ersten Lehrjahr an ausgebildet. Nach dem Gesellenbrief habe ich ihren Wunsch unterstützt im Abendstudium den Kfz­Meister zu machen. Nicht nur unsere Kundinnen schätzen es von einer Meisterin bedient zu werden, auch die Herren sind beeindruckt, wenn eine Frau an ihrem Auto Hand anlegt.“ Ein exzellenter Service am Kunden sei ihm wichtig, sagt der Werkstatt­Profi und betont, dass er sich automatisch auf die Bedürfnisse seiner Kunden einstelle: „Jeder – ob Student/in oder Diplomingenieur/in – wird ernst genommen.“ Ausstattung mit Diagnosegeräten Doch nicht nur die Ausrichtung auf unterschiedliche Kundenstrukturen und stete Fort­ und Weiterbildung hilft die Umsatzzahlen zu steigern, auch die Werkstattausstattung, und hier besonders die Diagnose, muss in der Lage sein, ein sehr breites Feld an Fahrzeug­Marken und ­Typen abzudecken. „Wir verwenden in der Sadik Altintas legt Wert darauf, mit modernstem Equipment in seiner Werkstatt zu arbeiten. Werkstatt vier Diagnosetester von Hella Gutmann“, so Sadik Altintas. „Daneben sind Originaltester von mehreren Marken im Einsatz.“ Dem aber nicht genug. Seit Frühjahr dieses Jahres testet Sadik Altintas auch das Diagnosetool Autologic Assist Plus. Die große Anzahl von Diagnosetestern, das werkstatteigene Fahrwerksver­ WER MEHR WEISS, KANN MEHR BEWEGEN. Wissen schafft Zukunft. Mit dem Know-how eines traditionsreichen Technologieführers im Antriebs- und Fahrwerkbereich fördert ZF Services seit vielen Jahren aktiv den Nachwuchs. Ein Engagement, durch das nicht nur die zukünftigen Meister im Wissenswettbewerb „Auto Service Meister“ profitieren können, sondern unsere gesamte Branche. Heute. Und in Zukunft. www.zf.com/services

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TITEL Alle Kunden- und Fahrzeugdaten laufen auf dem Zentralrechner zusammen. messungssystem von John Bean und die Teilebestellung machen es notwendig, dass für die zentrale Datenaufnahme, neben ASA­Netzwerk, auch eine entsprechende Verwaltungssoftware vorhanden ist, die genügend Schnittstellen bereitstellt. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Einsatz mobiler Endgeräte Bereits seit dem Jahr 1992 arbeitet Sadik Altintas mit Werbas zusammen. „Damals hatte ich ein Preisausschreiben der Werbas AG aus Holzgerlingen zur Markteinführung der neuen Werbas­Software gewonnen, bei dem die erste Windows­Version verlost wurde“, erzählt Sadik Altintas. „Da ich immer hungrig auf technische Innovationen bin, habe ich die Software sofort eingesetzt und gleich ihr Potenzial speziell bei der Kunden­ und Fahrzeugverwaltung erkannt.“ Seit dieser Zeit hat Sadik Altintas stets die neusten Prototyp­Versionen der Werbas­Software getestet. „Wir sind auf ein kritisches und technisch fundiertes Feedback angewiesen“, sagt Klaus König, zuständig für Organisation und Marketing bei der Werbas AG, „um unsere Produkte kundenorientiert weiterentwickeln zu können.“ Im Gegenzug erhält Sadik Altintas von Werbas, vor allem in der Testphase von neuen Software­Entwicklungen, bei jeglicher Art von Software­Problemen umfangreiche Unterstützung. So auch geschehen beim neusten Produkt des Tochterunternehmens der Werbas AG, der Werbas Innotec GmbH. Dabei handelt es sich um die Softwarelösung Werbas.blue, die Sadik Altintas bereits in ihrer Prototypen­Version ausgiebig testen konnte. „Wir haben mit Werbas.blue auf die zunehmende Digitalisierung von Prozessen rund um das Automobil reagiert“, sagt Klaus König. „Dies hat auch Auswirkungen auf die Werkstätten, vor allem bei der zunehmend verlangten Mobilität der Mitarbeiter.“ Die Software, die seit Anfang Oktober im Markt ist, entspricht auch den hohen Die Direktannahme kann Alice Kuch von jedem Ort auf dem Betriebsgelände managen. Anforderungen von Sadik Altintas, insbesondere an die Datensicherheit: „Im Gegensatz zu anderen Werkstattlösungen für Pkw und Nfz bleiben meine Kunden­ und Fahrzeugdaten bei Zugriff über das Smartphone oder Tablet mit Werbas.blue lokal auf meinem Server und verschwinden nicht in einer dubiosen Cloud.“ Speziell Alice Kuch nutzt bei der Direktannahme häufig ihr Smartphone, um Fahrzeug­ und Kundendaten vom Werkstattserver über Werbas.blue abzufragen beziehungsweise die Daten zu ergänzen. „So kann ich die Daten von der Auftragsannahme bis zur abschließenden Kundenübergabe stets aktuell halten – egal wo ich in der Werkstatt oder auf dem Betriebsgelände gerade bin“, sagt die junge Meisterin. Checklisten für die Annahme Der Einsatz von Werbas.blue reicht auch über die Reichweite des lokalen WLAN­ Netzwerkes hinaus. Via Internet, zum Beispiel über VPN, lässt sich von überall her eine Verbindung zum betrieblichen Server herstellen. Bei Abschleppsituationen beispielsweise können so Bilder übermittelt werden oder die Fahrzeugannahme im Rahmen des Hol­ und Bringservices auch beim Kunden vor Ort erfolgen. Darüber hinaus bietet die Software die Möglichkeit unterschiedliche Checklisten, beispielsweise für die Fahrzeugan­ und ­abnahme oder zum Zustand usw. anzulegen. Mit einfachen Symbolen (Smileys) können touch optimiert bis hin zum Smartphone die Checklisten bedient und klassifiziert werden. „Da die Checkliste dem jeweiligen Kundenfahrzeug in der Datenbank anhängt, hilft sie mir bei einem Folgetermin sofort einen Überblick über den technischen Zustand des Fahrzeugs beim letzten Service zu verschaffen“, erklärt Alice Kuch. Zur Dokumentation können sogar Bilder mit dem Smartphone gemacht und direkt dem Auftrag zugeordnet werden. „Eine Werkstatt ist aus meiner Sicht nur zukunftsfähig und erfolgreich, wenn Technik und Mensch sich ergänzen“, fasst Sadik Altintas seine Erfahrungen zusammen. „Ansonsten wären neueste Werkstatttechniken völlig nutzlos.“ Egal, ob Softwarelösung, modernste Diagnosetester oder High­Tech­Fahrwerksvermessung, für Sadik Altintas sind dies gewöhnliche, aber gute Handwerkszeuge − und diese waren immer schon nötig, um eine Werkstatt sicher in die Zukunft zu führen. Marcel Schoch ■ www.autoservicepraxis.de

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TITEL TÜV SÜD WORK BOX Hier kommt TÜV SÜD „to go“ TÜV SÜD gibt es jetzt auch im Kompaktformat, als „TÜV SÜD Work Box“. Die Instant Prüfstation für den Parkplatz ist eine interessante Alternative für Betriebe mit genügend Publikumsverkehr. Die Work Box ist voll funktionsfähig: inklusive Büro und Prüfstand. Die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen HU und AU sind Kundenmagneten und eine gute Möglichkeit, das Werkstattgeschäft anzukurbeln. Allerdings belegen die Prüfer dann auch wertvolle Kapazitäten auf der Hebebühne. Ideal wäre eine TÜV-Station direkt ums Eck, die zwar dem Autohaus Laufkundschaft zuführen würde, aber keine Werkstattkapazitäten wegnimmt. Dieser Wunsch geht jetzt in Erfüllung, und zwar mit der TÜV SÜD Work Box. Sie lässt sich in kürzester Zeit auf kleinster Fläche montieren – zum Beispiel auf einem Parkplatz vor dem Betrieb – und bietet dann die Services einer voll funktionstüchtigen TÜV-Station. Vollkommen autark Entwickelt wurde die TÜV SÜD Work Box vom Business Development der TÜV SÜD Auto Service Division. Sie umfasst ein kleines Büro sowie eine komplette Prüfbahn und kann schon in der kleinsten Ausführung Haupt- sowie Abgasuntersuchungen vollkommen autark durchführen. Das aluminiumsilberne Gebäude sieht schick aus, ist TÜV SÜD gebrandet und damit ein Publikumsmagnet für den Betrieb. „Es handelt sich um eine quasi-mobile Lösung, die ohne große Baumaßnahmen auskommt. Die Work Box benötigt keine Fundamente und ist an einem Tag auf gestellt“, erklärt Kurt Deppert, Leiter Business Development TÜV SÜD Auto Service Division. Dienstleistung kommt zum Kunden TÜV SÜD kommt also zum Kunden und nicht umgekehrt. Und das nicht nur zwei bis drei Stunden pro Tag, sondern zu ganz normalen Öffnungszeiten. Es erklärt sich von selbst, dass das Modell Work Box sich nur rechnet, wenn der Standort genügend Fotos: TÜV SÜD KURZFASSUNG Mit der TÜV SÜD Work Box schafft die Prüforganisation eine flexible Möglichkeit in nächster Nähe zum Betrieb eine vollwertige Prüfstation für HU und AU anzubieten. Die Box benötigt nur 62 Quadratmeter Platz und passt sogar auf den Parkplatz. Publikumsfrequenz erwarten lässt, was für große Händler, Gewerbeflächen mit mehreren Händlern, Werkstattketten, aber auch Hersteller-Niederlassungen zutreffen kann. Die Partner-Unternehmen müssten weder große Investitionsbeschlüsse für den Bau einer Immobilie fassen noch Genehmigungen einholen oder ausufernde Businesspläne schmieden, so Kurt Deppert: „Wir stellen die Work Box auf und können den Standort einfach mal ein Jahr antesten, dann sehen wir weiter.“ Die Work Box ist modular aufgebaut und kann, je nach Kundenaufkommen, um weitere Arbeitsplätze erweitert werden. So lassen sich auch andere Services wie Schadengutachten, Gutachten für Leasingrückläufer, Gebrauchtwagen-Bewertungen oder Aufbereitung anbieten. Bereits drei Standorte Die TÜV SÜD Work Box gibt es bereits an drei Standorten: In Bad Schussenried, dort aufgestellt von einem Sachverständigenbüro, und seit Juli 2016 auf dem Gelände von A.T.U in Berlin-Tegel sowie Stop&Go in Berlin-Pankow. Mit dem bisherigen Zuspruch zur TÜV SÜD Work Box ist Deppert zufrieden: „Wir hatten das Ziel, Handels- und Servicebetriebe, die wir als unsere Partner sehen, vor Ort stärker zu unterstützen. Mit der Work Box können wir das jetzt sehr praktikabel in die Tat umsetzen.“ asp ■ Mehr Informationen zur TÜV SÜD Work Box bei: Kurt.Deppert@tuev-sued.de www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 23

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WEITERBILDUNG FÜHRUNGSQUALITÄTEN Aller Anfang ist schwer Endlich Chef. Und nun? Junge Werkstattinhaber stehen vor vielen Herausforderungen – ebenso wie frischgebackene Werkstattleiter. Die gute Nachricht: Chefsein kann man lernen. Für Torsten Bayer, Gewinner des Wissenswettbewerbs Auto Service Meister 2016, ist Selbstständigkeit derzeit keine Option. Er plant nach der Meisterprüfung keine Existenzgründung oder Werkstattübernahme: „Ich sehe mich eher als praktischen Schrauber. Die Meisterschule ist für mich eine Investition in AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 die Zukunft – zum Beispiel als Eintrittskarte in die Industrie.“ Selbstständigkeit oder nicht – diese Entscheidung will tatsächlich gut überlegt sein. Denn Peter Ullrich bringt es auf den Punkt: Für den Abteilungsleiter Berufsbildung und Projektleiter KOMZET-e bei der Innung des Kfz-Handwerks Hamburg ist ein Werk- Foto: Fotolia/industrieblick stattchef die „eierlegende Wollmilchsau“. Organisation, Werkstattausstattung, Kfz- Technik, Azubi-Betreuung und vielleicht auch noch Serviceannahme – „das ist ein ordentliches Pensum“, bilanziert Ullrich. Kein Wunder, dass das für die Multitalente gerade am Anfang ihrer Selbstständigkeit viele Herausforderungen bedeutet. Zwar erhält man während des Meister-Lehrgangs erste Informationen zur Betriebsgründung und Werkstattleitung, viele Chefs in spe wechseln aber erst Jahre nach der Meisterprüfung in Führungspositionen, sodass alle Theorie verblasst und weitere Qualifizierung nötig ist – neben betriebswirtschaftlichem Know-how vor allem Soft Skills wie etwa Teamführung. Doch auf der anderen Seite ist es auch wichtig, mit ausreichend Praxis erfahrung und einer gewissen Seniorität in die Führungsposition zu starten – da sind sich Ullrich und sein Kollege Holger Laß, Obermeister der Kfz- Innung Ham burg, einig. Stolpersteine gibt es trotzdem noch genug. Laut einer branchenübergreifenden Studie der H.E.I. Hamburger ExistenzgründungsInitiative und der Beratungsfirma Visbal Unternehmensentwicklung mit 2.000 kontaktierten Unternehmern aus dem Jahr 2014 haben 65 Prozent Schwierigkeiten in den ersten fünf Jahren nach Gründung. „Viele Existenzgründer unterschätzen die Anforderungen, vor denen sie als ihr eigener Chef stehen“, weiß Unternehmensberater Thorsten Visbal. Schwierigkeiten sind in der Anfangszeit laut der Studie vor allem Auftragsrückgänge, unzureichende Liquidität, starke Konkurrenz und Fehler in der Planung. Als Erfolgsfaktoren erwiesen sich demnach dagegen insbesondere die folgenden Unternehmereigenschaften: Selbstmotivation, organisatorische Fähigkeiten, die richtige Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen und eine gute Kundenbindung. Und da ist sie wieder, die eierlegende Wollmilchsau … Susanne Löw ■ www.autoservicepraxis.de

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DAS RATEN DIE PROFI-TRAINER „Arbeite nicht im, arbeite am Unternehmen“ Bernd Kerwien und Georg Hensch schulen Kfz-Profis als Trainer an der TAK (Akademie des ZDK). asp hat sie nach Herausforderungen und Tipps für junge Werkstattchefs gefragt. asp: Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollten neue Werkstattchefs mitbringen? B. Kerwien: Es braucht Mut, eine gewisse Zähigkeit, Menschenkenntnis und hohe Leistungsbereitschaft. Man sollte in Chancen denken. Und natürlich die Themen Betriebswirtschaft, Marketing, Kundenorientierung, Wettbewerbsvergleich, Prozesse, Recht und Personalführung draufhaben. Man muss in Kennzahlen denken und sollte die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter realistisch einschätzen können. G. Hensch: Und man muss offen sein für neue technologische Konzepte – etwa neue Antriebsarten – und für neue Arbeitsweisen wie die Ferndiagnose. asp: Wie und wo erwirbt man diese Fähigkeiten? B. Kerwien: Man sollte sich möglichst schon im Vorfeld informieren. Unabhängig von der Branche gibt es die regionalen Wirtschaftsförderungsinstitutionen. Qualifizierungsangebote bietet die TAK (z.B. das Seminar „Meisterhaft führen“), zudem findet man online zahlreiche freie Seminaranbieter. Und auch die Hersteller bieten diverse Fortbildungen an – im Bereich Technik, aber auch Werkstattführung. Mit der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft Kraftfahrzeuggewerbe (BFW) ist man ebenfalls gut beraten, wenn man eine Werkstatt neu gründet oder übernimmt. asp: Welche Herausforderungen stehen am Anfang der Karriere an? B. Kerwien: Ein neuer Werkstattleiter muss häufig ohne Vorbereitungszeit eine völlig andere Arbeit leisten und gleichzeitig ist der Arbeitstag auf einmal nicht mehr acht, sondern zehn Stunden lang. Für Gründer gilt, dass sie in der ersten Zeit eine 7-Tage-Woche erwartet. Und das 52 Mal im Jahr. Für einige Mitarbeiter sind sie auf einmal der „Ersatz-Papa“. Generell sind Durchsetzungsvermögen, Disziplin und sich Respekt verschaffen weitere Herausforderungen. Und auch die Schnittstellenkommunikation zwischen den einzelnen Bereichen, also Service, Verkauf, Lager etc. muss gewährleistet sein. G. Hensch: Eine weitere Herausforderung ist es, den eigenen Führungsanspruch anzunehmen, egal welchen Führungsstil man wählt. Ein entsprechendes Auftreten ist gefragt. Das Annehmen der Führung verändert automatisch die Beziehung zu den Mitarbeitern – eine weitere Herausforderung. asp: Was macht einen guten Chef in einer Werkstatt aus? B. Kerwien: Ein guter Chef setzt die Mitarbeiter sinnvoll ein, schafft klare Abläufe und Zuständigkeiten und behält den Überblick. Für Gründer heißt das auch: Wie läuft mein Unternehmen eigentlich? Man sollte realistische Unternehmensziele definieren und im Auge behalten und vor allem die Belange der Mitarbeiter integrieren, beruflich wie privat – das ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wichtig. G. Hensch: Man muss auch Leistung zulassen und dafür nötige Ressourcen schaffen, wenn der Mitarbeiter etwa nach Spezialwerkzeug fragt. So schafft man Wertschätzung der Mitarbeiter. asp: Welche Fehler begehen frischgebackene Chefs häufig? B. Kerwien: Werkstattleiter behalten häufig die Kumpelei mit ehemaligen Kollegen bei, was zu fehlendem Respekt führen kann. Ein weiterer Fehler kann das andere Extrem sein, wenn man zu sehr in die Chefrolle fällt und beim Team auf Ablehnung stößt. Auch wird häufig das neue Anforderungsprofil nicht erkannt, sodass junge Chefs weiterhin fachlich in Konkurrenz zu den Mitarbeitern treten – das ist kontraproduktiv. Für Gründer gilt die Devise: „Arbeite nicht im, arbeite am Unternehmen.“ Das Foto: Bernd Kerwien Bernd Kerwien, Trainer Akademie des ZDK (TAK) Georg Hensch, Inhaber 1A! Die Medienwerkstatt GmbH heißt, man soll sich Freiräume schaffen, um das Unternehmen weiterentwickeln zu können und damit einem nicht Luft und Lust ausgehen. asp: Wie verschafft sich ein junger Chef Respekt bei seinen Mitarbeitern? B. Kerwien: Kumpelei vermeiden, saubere Abläufe und Aufgabenverteilungen schaffen, am Vorabend den nächsten Tag planen, um Flüchtigkeitsfehler und damit ein unorganisiertes Bild bei den Mitarbeitern zu vermeiden. Für Werkstattleiter ist außerdem ein gutes Standing gegenüber der Geschäftsleitung wichtig. G. Hensch: Eigene Fehler auch mal zugeben und damit signalisieren, dass man auch nur ein Mensch und zudem bereit ist, etwas zu lernen – auch das erwarten die Mitarbeiter. asp: Welche Rolle spielen Alter und Erfahrung in Führungspositionen? B. Kerwien: Häufig helfen Alter, Reife und Erfahrung. Aber es gibt auch junge Führungskräfte, die in der Lage sind, ein Team und ein Unternehmen zu führen. Ein paar Falten im Gesicht bedeuten also keinen Freifahrtschein. asp: Was sind Besonderheiten der Personalführung in der vermeintlich „burschikosen“ Werkstatt­Branche? B. Kerwien: Teilweise ist die Grätsche zwischen Bitte und Befehl schwierig. Dabei hilft es, wenn man als Werkstattchef selber aus der Branche kommt, den Stallgeruch also kennt und sich darüber hinaus Kenntnisse in Führung, Menschenkenntnis, Kommunikation und Teamführung aneignet. G. Hensch: Auch der Umgang mit Mitarbeitern aus anderen Branchen ist eine Besonderheit – so kann es etwa sein, dass Werkstattchefs im Zuge der technischen Innovationen wie der Elektromobilität Mitarbeiter mit ganz neuen Qualifikationen im Team haben. asp: Wie können sich Führungskräfte gegenüber Mitarbeitern behaupten, die früher noch Teamkollegen waren? B. Kerwien: Man muss die Macht annehmen, sich seiner Führungsrolle bewusst sein. Wichtig ist es, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu delegieren, vereinbarte Leistungen aber auch einzufordern, das Team also zu erziehen, dass sie die Macht akzeptieren, auch wenn das auf eine Konfrontation hinausläuft. Und: Konsequenzen nicht nur androhen, sondern auch durchführen. G. Hensch: Das Führungsteam muss außerdem eine Durchgängigkeit gegenüber den Mitarbeitern haben, das heißt zum Beispiel, dass ein neuer Werkstattleiter Rückendeckung vom Chef benötigt. Foto: 1A! Die Medienwerkstatt GmbH www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 25

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AUTOMOBILTECHNIK SCHMIERSTOFFVERMARKTUNG Suche nach der besten Vertriebsformel Die Schmierstoffhersteller sind sehr unterschiedlich positioniert und verfolgen jeweils ganz eigene Vertriebsstrategien. Deutschland ist ein heiß umkämpfter Markt – es geht vor allem um Umverteilung. Für Servicebetriebe ist das Geschäft mit dem Motorenöl der wichtigste Ertragsbringer. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Der Markt für Schmierstoffe ist in Deutschland umkämpft. Nirgends in Europa ist der Wettbewerb größer. Dominiert wird das Geschäft von den beiden Großen Shell und Castrol, daneben gibt es starke nationale Player wie Fuchs oder Liqui Moly. Weiter verstärkt wird der Wettbewerb durch neue oder wieder revitalisierte Marken wie Petronas oder Veedol. Ist es besser, mit einer eigenen Vertriebsmannschaft Autohäuser und Werkstätten anzusprechen, oder kann man das spezialisierten Großhändlern überlassen? Ist ein „Sowohl als auch“ die richtige Strategie? Marktführer Shell will das Geschäft mit freien Werkstätten weiter ausbauen. „Momentan entwickeln wir Konzepte zur Ausweitung unserer Vertriebsaktivitäten im Bereich freie Werkstatt“, erklärt Daniel Bernicke, Shell Marketing-Experte für Autohäuser und Werkstätten (siehe Interview S. 28). Wichtige Säule des Schmierstoffgeschäfts ist die direkte Zusammenarbeit mit OEM. Dabei spielt das Forschungszentrum in Hamburg eine entscheidende Rolle. Der französische Konzern Total betrachtet die Belieferung der Autohäuser im Direktvertrieb als Kerngeschäft. Dafür stehen 21 Außendienstmitarbeiter auf der Payroll. Als Schmierstoff-Partner im Aftersales- Bereich ist Total traditionell mit den französischen Marken Renault, Citroën und Peugeot verbunden. Seit 2003 ist Total Schmierstoffpartner für Mazda. Nissan ist 2010 dazugekommen, ebenso der koreanische Hersteller Hyundai. Beim mittelständischen Unternehmen Liqui Moly werden freie Werkstätten, Nutzfahrzeug- und Motorrad-Kunden sowie markengebundene Autohäuser jeweils von einem eigenen Verkaufsteam betreut. In Deutschland kümmern sich rund 80 Außen dienstmitarbeiter um Werkstätten und den Handel. Weitere 20 Fachberater sind für die markengebundenen Autohäuser zuständig. In Summe sind in Deutschland und Österreich etwa 130 Außendienstmitarbeiter im Einsatz. Auch der Groß- und KURZFASSUNG Fotos: Fotolia/Kitty, Petronas Beim Vertrieb ihrer Produkte setzen die Hersteller von Motorenöl auf viele Kanäle – allerdings mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Im Einzelnen ist die strategische Positionierung im Markt sehr unterschiedlich. Eigene Vertriebsmannschaft, Großhandel oder am besten beides – der Weg zum Kunden ist vielfältig. www.autoservicepraxis.de

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Fachhandel, Verbraucher- und Baumärkte sowie Tankstellen sind wichtige Vertriebswege für den Ulmer Produzenten. Pressesprecher Tobias Gerstlauer sieht bei Autohäusern noch Potenzial: „Der Gesetzgeber untersagt beim Motorenöl eine Zwangsbindung des Herstellers an seine Händler. Und weil einige Hersteller entsprechende Bonusprogramme für Händler nicht mehr anbieten, orientieren sich Autohäuser wieder freier auf dem Schmierstoffmarkt.“ Fuchs vertreibt seine Öle ausschließlich in Fachwerkstätten. Durch den Exklusivitätsanspruch entzieht man sich der Vergleichbarkeit beim Preis – durchaus ein Argument für Betriebe, die das Öl verkaufen. Fuchs ist zudem dick im Geschäft mit den Fahrzeugherstellern und bezeichnet sich selbst als einen der führenden Schmierstoff-Hersteller in der Erstbefüllung – ein Geschäft, das beispielsweise von Liqui Moly überhaupt nicht bedient wird. Programm für freie Werkstätten ExxonMobil arbeitet in Deutschland mit mehreren strategischen Vertriebspartnern zusammen. Zusätzlich gehe man gezielt mit eigenen Vertriebsleuten in den Markt, erklärt Pressesprecherin Gabriele Radke. Ein wichtiger Vertriebskanal für Exxon Mobil ist die Einkaufskooperation Techno – und das schon seit deren Gründung 1968. Eine enge Kooperation in der Entwicklung und im First-Fill unterhält ExxonMobil mit Porsche. Daran gebunden ist das Engagement im Rennsport beim Porsche Mobil 1 Supercup. Maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der freien Werkstätten hat ExxonMobil das Mobil 1 Werkstatt-Programm entwickelt, das technische Schulungen, verkaufsfördernde Trainings sowie Unterstützung beim Marketing umfasst. Ölanbieter Motul betreut Werkstätten und Autohäuser über derzeit zwei, ab 2017 drei Regionalvertriebsleiter mit insgesamt 17 Gebietsverkaufsleitern sowie einem Key- Account-Team. In den kommenden drei Jahren ist angesichts des stark wachsenden Marktes eine Aufstockung des Vertriebsteams um weitere sieben Gebietsverkaufsleiter geplant. Die vor zweieinhalb Jahren wiederbelebte Traditionsmarke Veedol ist mit vier eigenen Verkäufern unterwegs. Diese sind sowohl für die freien als auch für die markengebundenen Werkstätten erster Ansprechpartner. Verstärkt wird dieses Team jedoch durch 60 Außendienstler der neun Veedol-Marken-Partner. Dietmar Winkler ■ INTERVIEW Petronas zieht sich aus der Betreuung von Autohäusern und Werkstätten mit eigenem Personal zurück und konzentriert sich auf das Geschäft mit Markenvertriebspartnern. Wir sprachen mit Armin Bolch, Chef für Deutschland, Österreich, Benelux und Russland bei Petronas Lubricants International. asp: Welchen Marktanteil hat Petronas im deutschen Markt? A. Bolch: Unser Marktanteil bei Motorenöl liegt bei etwa 3,5 bis 4 Prozent insgesamt. Wir wollen das in den nächsten Jahren auf zehn Prozent ausbauen. „Go for ten“ heißt die Vorgabe im Vertrieb. asp: Wo ist Petronas damit positioniert? A. Bolch: Petronas Lubricants ist ein wichtiger Player, ich würde sagen: Wir stehen an der Grenze zur Champions League. Wir haben durch unser Engagement in der Formel 1 einen hohen Markenbekanntheitsgrad, den gilt es mit Leben zu füllen. Mit entsprechenden Vertriebs- und Marketingaktivitäten werden wir unsere Kompetenz als einer der Technologieführer und unsere innovativen Schmierstoffe bekannter machen. Wir haben noch Wachstumspotenzial, das macht die Aufgabe so interessant. Dafür bekommen wir auch den nötigen Rückhalt aus dem Konzern. asp: Aber Malaysia ist weit weg … A. Bolch: Unser erster Anlaufpunkt ist die Europazentrale bei Turin. Dort sitzen unsere wichtigen Ansprechpartner. Wir bauen gerade unser neues Forschungs- und Entwicklungscenter bei Turin, wo auch schon jetzt die Forschung angesiedelt ist. Die Eröffnung ist für kommendes Jahr geplant. asp: Der Markt ist verteilt. Wie schwer ist es, weitere Marktanteile zu bekommen? A. Bolch: Wir haben einerseits das für uns wichtige Vertragspartnergeschäft mit der Fiat-Gruppe, Mercedes-Benz, Mitsubishi sowie mit Case New Holland und Iveco. Hier wollen wir noch weiter wachsen und weitere Vertragspartner überzeugen. Das geht nur über den direkten Kontakt und ein gutes Beziehungsmanagement, was Kapazitäten bindet. Das Direktgeschäft mit Werkstätten wollen wir hingegen nicht mehr verfolgen. Wir setzen hier verstärkt auf Distributoren und Mineralölgroßhändler, die eine sehr gute Betreuung leisten. asp: Sie arbeiten also nur noch bei den Vertragspartnern mit eigenen Vertriebsleuten? A. Bolch: Wir haben zwei Vertriebskanäle: Ein Vertriebsteam kümmert sich um das Markenpartnergeschäft und ein weiteres Vertriebs team ist für das Distributionsgeschäft zuständig. Künftig gibt es eine ganz klare Trennung. Bis dato gab es einen Direktvertrieb für Autohäuser und Werkstätten. Aus diesem Direktgeschäft werden wir uns zurückziehen. Auf der anderen Seite bieten wir aber ein interessantes Konzept für Werkstätten. Hier gibt es verschiedene Pakete – bis hin zum „Petronas Flagship Store“, wenn eine Werkstatt die Partnerschaft mit Petronas sichtbar machen möchte. Doch auch hier erfolgt die Belieferung über den Großhandel. asp: Mit welchen Distributoren arbeiten Sie künftig zusammen? A. Bolch: Wir haben schon Distributoren, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir wollen das jedoch noch stärker kanalisieren. Deutschland ist in vier Vertriebsregionen aufgeteilt, wo wir jeweils mit ein, zwei größeren Distributoren zusammenarbeiten und natürlich auch mit einigen spezialisierten kleineren Distributoren, die dann regional noch mehr in die Tiefe gehen. Damit können wir sowohl die größeren als auch die kleineren Kunden gut bedienen. asp: Warum der Rückzug? A. Bolch: Es ist ein personalintensives Geschäft, wenn Sie in Deutschland Kfz-Werkstätten betreuen wollen – wir sprechen von 20.000 freien Werkstätten plus Vertragspartner. Es gibt immer mehr Mineralölgroßhändler, die sich um dieses Kundengeschäft bemühen und eine gute Betreuung gewährleisten. asp: Was passiert mit den Werkstätten, die bereits mit Petronas arbeiten? A. Bolch: Sie werden von einem der Distributoren oder Mineralölgroßhändler beliefert. Armin Bolch, Petronas Lubricants International asp: Petronas ist sehr aktiv im Sport-Sponsoring. Was ist die Motivation? A. Bolch: Wir sind in allen Facetten des Rennsports vertreten. Der Rennsport transportiert positiv besetzte Werte und erhöht den Bekanntheitsgrad. Die Hochtechnologie des Motorsports und Hightech-Öle sind eine gute Verbindung. Viele unserer Entwicklungen kommen aus dem Motorsport und wir setzen technologisch immer wieder neue Maßstäbe, denken Sie nur an Syntium mit Cooltech – hier haben wir die Erfahrungen aus der Formel 1 einfließen lassen und auf die Straße gebracht. Interview: Dietmar Winkler www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 27

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AUTOMOBILTECHNIK INTERVIEW Hier werden Sie gefunden Mit einer neuen Vertriebsoffensive hat Shell Deutschland vor allem die freien Werkstätten im Blick. Diese sollen unter anderem von der breiten Kundenbasis im Tankstellengeschäft profitieren. hell gilt weltweit als führender Schmierstoffanbieter. Im Bereich Motorenöle vermarktet der Konzern mit der Shell Helix-Serie ein Produkt, das aus Erdgas hergestellt wird und daher besonders rein ist. Wie man PurePlus Technology dem Kunden erklärt und warum Shell den Vertrieb über freie Werkstätten gerne ausbauen möchte, erklärt Daniel Bernicke, Marketing Specialist Autohaus und Werkstatt bei Shell Deutschland Oil GmbH im Interview. asp: Welchen Stellenwert hat das Motorenölgeschäft für Shell? D. Bernicke: Zweifellos gehört Motorenöl zu unserem Kerngeschäft und zwar weltweit. Wir gehören zu den größten Herstellen von Motorenöl und wir sind mit einer der größten Anbieter von Motorenöl. Wir investieren mehr als unsere Wettbewerber in die Forschung und Entwicklung künftiger Produkte. Dabei arbeiten wir jeweils eng mit den Herstellern zusammen. Durch unsere Kooperationen im Motorsport, etwa mit Ferrari und BMW, sammeln wir unter Extrembedingungen Erfahrungen, die wir in die Verbesserung und Weiterentwicklung der Produkte für die Straße einbringen. Wir vermarkten unser Produkt Shell Helix für den Aftermarketbereich, sowohl im markengebundenen Bereich als auch in freien Werkstätten. Dazu kommt das Geschäft mit den Fahrzeugherstellern im First-Fill. asp: Welche Vertriebswege sind im Aftermarket wichtig? D. Bernicke: Shell setzt auf einen Mix aus direktem und indirektem Vertriebsgeschäft. Neben dem Direktgeschäft mit Werkstätten und Autohausgruppen, ist der klassische Kfz-Teile-Großhandel eine wichtige Vertriebsschiene. Shell verfügt zudem über ein gewachsenes Netz mit Markenpartnern, die uns in den jeweiligen Regionen vertreten. Sie halten den engen Kontakt zu den Autohäusern und Werk- AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 stätten vor Ort. Wenn man dieses Vertriebsnetz hinzunimmt, verfügen wir über 100 Markenbotschafter im Markt. asp: Wie sprechen Sie die vielen freien Werkstätten D. Bernicke: Wir glauben, dass wir mit unseren Shell Helix Motorenölen allen Autofahrern ein vielversprechendes Angebot machen können. Das wollen wir auch Richtung freie Werkstatt kommunizieren. Mit 20.000 nicht markengebundenen Betrieben reden wir hierbei über ein beachtliches Marktpotenzial. Um diese Betriebe noch besser zu erreichen, wollen wir die Vertriebspower deutlich erhöhen. Wir werden deshalb zusätzlich zu den bestehenden Vertriebswegen mit einer professionellen Vermarktungs-Agentur zusammenarbeiten, deren Mitarbeiter in Kürze die Werkstätten in zunächst drei ausgewählten Regionen besuchen und dort exklusiv Shell Motorenöle vermarkten. asp: Warum machen Sie das mit einer Agentur? D. Bernicke: Diese Vertriebsleute werden sich ganz und gar auf das Thema Motorenöl konzentrieren. Im Unterschied zum Vertrieb über den Teilehandel sind diese Mitarbeiter nicht mit einem breiten Produkt- Portfolio unterwegs, sondern vertreten ausschließlich Shell und sind natürlich entsprechend geschult. asp: Was sagen Ihre Markenvertriebspartner dazu? D. Bernicke: Die zusätzlichen Agenturmitarbeiter fungieren als Vermittler. Das Geschäft bleibt beim Vertriebspartner vor Ort – diese verhandeln auch die Preise und Konditionen mit den Werkstätten. Die Vertriebspartner sehen deshalb eine Chance in dem neuen Konzept. Denn auch deren Vertrieb ist oft mit der gesamten Angebotspalette unterwegs, kann sich also nicht ausschließlich auf ein bestimmtes Produkt konzentrieren. Wir wollen den Werkstätten Foto: Shell Deutschland Daniel Bernicke ist Marketing Specialist Autohaus und Werkstatt bei Shell Deutschland. Spezialisten vor Ort anbieten, die mit jedem einzelnen Molekül unserer Helix- Produkte per Du sind. asp: Was hat Shell hier zu bieten? D. Bernicke: Ein ganzes Spektrum von Verkaufs- und Marketinghilfen, Produktidentifizierung über TecDoc oder Verkaufsargumentationen für den Servicebetrieb. Was sagen Serviceberater dem Kunden, der mit der selbst mitgebrachten Ölflasche zum Termin kommt? Das Thema Abfallentsorgung ist wieder verstärkt im Fokus der Betriebe. Hier bieten wir zusammen mit Partslife überzeugende Konzepte, die den Werkstätten jede Menge administrativer Arbeit ersparen. asp: Wie überzeugt man freie Werkstätten? Müssen Sie sich Marktanteile erkaufen? D. Bernicke: Wir sind seit 80 Jahren in der Forschung und Entwicklung von Motorenölen aktiv. Wir gehören weltweit zu den größten Herstellern und den größten Anbietern und wir haben mit das innovativste www.autoservicepraxis.de

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Produktportfolio. Aus dieser Größe und Erfahrung leiten sich eine Reihe von Angeboten ab, von denen die freien Werkstätten profitieren. Daher arbeiten wir mit Vereinbarungen über Abnahmemengen und helfen im Gegenzug etwa beim Branding oder unterstützen Betriebe bei der Werkstattausstattung. Durch unsere Vertriebskanäle etwa an der Tankstelle oder über das Bonusprogramm ClubSmart ergeben sich aber noch ganz andere Vorteile, von denen beide Seiten profitieren. asp: Was heißt das konkret? D. Bernicke: Wir verfügen über unterschiedliche Möglichkeiten, wie wir mit unseren Kunden kommunizieren. Das fängt bei der Webseite an, geht über unser ClubSmart-Programm, die MotoristApp bis hin zu sozialen Medien wie Twitter und Facebook. Denkbar wäre, die freien Werkstätten in diese Kanäle mit einzubinden. Beispiel: ein Werkstattfinder auf der Shell- Website. Wenn wir es schaffen die Besucher der Shell-Seite in die Werkstatt zu lenken, haben beide Seiten gewonnen. asp: Kunden, die im Internet nach Shell Helix suchen, bekommen also gleich die passende Werkstatt angezeigt? D. Bernicke: Genau. Der Kunde findet über Google das Thema Helix Schmierstoffe und landet auf einer Seite von uns. Noch stoppt der Prozess an dieser Stelle. Der Werkstatt-Finder wäre eine Verlängerung hin zu einem weiteren Point of Sales neben der Tankstelle. Den Grundgedanken einer stärkeren Verzahnung des Tankstellengeschäfts mit dem Werkstattbereich haben wir schon lange. Jetzt gilt es, dies umzusetzen. Daran arbeiten wir. asp: Wie erklärungsbedürftig ist Ihr Produkt bei der Vermarktung über die Werkstatt? D. Bernicke: Wir haben mit Einführung von Shell Helix Ultra mit PurePlus Technology ein Stück weit den Markt revolutioniert. Das muss man natürlich erklären. Das Grundöl für Shell Helix Ultra Motorenöle wird aus Erdgas statt aus Erdöl hergestellt und enthält deshalb praktisch keine der in Erdöl vorkommenden Verunreinigungen. Die Werkstattbetreiber müssen wissen, welche Vorteile sich daraus für den Kunden und damit für die Vermarktung ergeben: geringerer Öl- und Kraftstoffverbrauch sowie niedrigere Betriebs- und Wartungskosten. Das heißt: der Kunde spart Geld. asp: Gibt es denn tatsächlich messbare Unterschiede beim Motorenöl? D. Bernicke: Die Shell Helix Ultra Hochleistungsmotorenöle können den Motor erstmals so sauber halten, dass der Werkszustand nahezu erhalten bleibt (gemäß Ergebnis des Sequence VG Schlammtests). Motorentests haben gezeigt, dass kein herkömmliches Motorenöl dies in gleichem Maße leisten kann. Wir hatten beispielsweise einen Feldversuch zusammen mit Daimler. Die Motoren wurden nach „Wir wollen Spezialisten vor Ort an bieten, die mit jedem Molekül unserer Helix-Produkte per Du sind.“ 100.000 Kilometern untersucht. Die Ingenieure waren überrascht, wie sauber die Motoren mit unserem Produkt waren. asp: PurePlus Technology ist der Marketingbegriff für die Herstellung von Grundölen aus Erdgas. Wie teuer ist dieses Herstellungsverfahren? D. Bernicke: Nicht ganz. PurePlus Technology ist die Summe aus erdgasbasierten Grundölen plus der bewährten Aktiven Reinigungstechnologie von Shell. Die Grundöle stellen wir in unserer Gas-to- Liquids-Anlage in Katar her und bringen sie per Schiff in unser Schmierstoffwerk nach Hamburg, wo sie geblendet, in die jeweiligen Gebinde abgefüllt und von da zum Kunden gebracht werden. Wir haben gewaltig in die Anlage in Katar investiert. Wir sehen das auch als Investition in die Zukunft. Wir gehen bei den Viskositäten in Richtung 0W-8, 0W-16 – das kriegt man mit Gas-to-Liquids-Grundölen viel besser hin. GTL ist gut für heute und es wird noch besser sein für die Anforderungen der Hersteller von morgen. asp: Wie wichtig sind die Grundöle im Verhältnis zu den Additiven für die Qualität eines Schmierstoffs? D. Bernicke: Grundöle machen bis zu 90 Prozent eines Motorenöls aus und sind somit die Schlüsselkomponente in jedem Premium-Motorenöl. In Kombination mit der bewährten Aktiven Reinigungstechnologie von Shell bietet die Shell PurePlus Technology einen signifikant höheren Schutz sowie bessere Reinigung für Motoren und übertrifft deutlich die üblichen Branchenstandards. asp: Wie unterscheiden sich Produkte für die freie Werkstatt von denen im Autohaus? D. Bernicke: Wir haben die OEM-Linie für Autohäuser mit der Abdeckung des Herstellers. Daneben bieten wir Produkte für freie Werkstätten oder Mehrmarkenbetriebe, die über mehrere Freigaben verfügen, also eine möglichst breite Abdeckung bieten. Mehrbereichsöle sind hier besonders gefragt. Aber auch im Autohaus-Bereich geht der Trend zu „Multi-Spec-Produkten“, da viele Autohäuser mehrere Marken vertreiben, teilweise in einem Betrieb oder in unterschiedlichen Häusern. Ein Mehrbereichsöl, das für alle Marken im Betrieb eingesetzt werden kann, ist hier die ideale Lösung. asp: Wie wichtig sind Markenvertriebspartnerschaften z.B. mit BMW? D. Bernicke: Im November 2014 hatten Shell und die BMW AG bekannt gegeben, dass Shell für die BMW AG der einzige weltweit empfohlene Lieferant von Motorenölen für das Aftersales-Geschäft der Marken BMW, BMW i, Mini und BMW Motorrad wird. Daraufhin hatte die Wirtschaftsgesellschaft des BMW Händlerverbandes (WiGe) dann ihren Mitgliedern empfohlen, ab sofort auch das BMW Original Motorenöl, welches von Shell hergestellt wird, einzusetzen. Das ist für uns natürlich ein „big deal“. asp: Gibt es einen USP bei Shell im Segment freie Werkstatt? D. Bernicke: Wir sind gerade dabei, weltweit eine „Shell Helix Extended Warranty“ einzuführen. Wir sind so überzeugt von unserem Produkt, dass wir eine lebenslange Garantie dafür geben. Wenn das Auto weniger als 80.000 Kilometer auf dem Tacho hat, dann können wir das mit in die Garantie nehmen. asp: Wo bieten Sie das schon an? D. Bernicke: Wir machen das seit Jahren beispielsweise mit Pennzoil, unter diesem Namen werden Shell-Helix-Produkte in den USA vermarktet. Wir übernehmen die Garantie für Schäden am Motor, die durch unzureichende Schmierung auftreten, beispielsweise Turboladerschäden. asp: Kommt das auch in Europa? D. Bernicke: Derzeit führen wir die Garantie in Indien und in Malaysia ein. Europa wird sicherlich der nächste Markt. Interview: Dietmar Winkler ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 29

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AUTOMOBILTECHNIK SCHMIERSTOFFE Dünner und spezieller Die Hersteller von Motorenölen liefern streng nach Herstellervorgaben Hightech-Produkte mit immer niedrigerer Viskosität. Das sind die spannendsten Produkteinführungen. Foto: iStock/Thinkstock/Okea pezielle Öle für Start-Stopp-Motoren, Öle für Hybridfahrzeuge oder Öle mit Farbzusatz – der Einfallsreichtum der Mineralölproduzenten ist scheinbar grenzenlos, wenn es um die Vermarktung der Produkte geht. Die Grenze zwischen technischem Anspruch und Marketing-Gag sind dabei manchmal fließend. Fakt ist, dass die Ansprüche der Fahrzeugindustrie an die Schmierstoffe für ihre Motoren gestiegen sind. Neue Motoren verbrauchen weniger Kraft- und Schmierstoff und stoßen weniger Abgase aus. Der Trend zum Downsizing bedeutet mehr Leistung bei weniger Hubraum mit höherer thermischer Belastung des Motors und damit auch des Öls. Auch die heute übliche Start-Stopp-Technologie bedeutet deutlich höheren Verschleiß und Haftreibung während der Startvorgänge. Trend zur Spezialisierung Ganz oben auf der Anforderungsliste der OEM stehen ein zuverlässiges Leistungsvermögen, ausgeprägter Verschleißschutz sowie hervorragende Oxidationsstabilität. Die Ölhersteller liefern entsprechend den Vorgaben Produkte mit noch niedrigeren Viskositäten. Immer mehr Fahrzeughersteller favorisieren heute schon ein 0W-20-Öl für ihre Motoren. Der Trend geht zu spezifischen Ölen, die für bestimmte Fahrzeuge eines Herstellers freigegeben sind. Die Formulierung von Motorenölen muss nicht nur allgemein definierte Grenzwerte für Schadstoffausstoß und Kraftstoff- sowie Ölverbrauch erreichen, sondern muss darüber hinaus ganz spezifische Kennwerte erfüllen. Spezielle Öle für Start-Stopp-Systeme hält David Kaiser, Entwicklungschef bei Liqui Moly, für überflüssig. Zwar bringe der Start-Stopp-Mechanismus größere Belastung für das Motorenöl mit sich, weil während des Startvorgangs die Haftreibung überwunden werden müsse. Dies sei in den Öl-Freigaben der Hersteller aber schon berücksichtigt. Dietmar Winkler ■ Economic- Reihe von Addinol ADDINOL Leichtläufer Foto: Addinol Die High-Efficiency-Motorenöle Addinol Economic 020 und Economic 0520 verfügen über die Spezifikation „API SN with Resource Conserving“ und erfüllen damit vor allem die neuesten Anforderungen USamerikanischer und asiatischer Kraftfahrzeughersteller. Addinol Economic 020 und Economic 0520 in den Viskositätsklassen 0W-20 und 5W-20 sind ausgesprochene Leichtlauföle mit hohem Kraftstoff-Sparpotenzial. Aufgrund der Fließfähigkeit bei tiefen Temperaturen zeigen beide Produkte bestes Kaltstartverhalten und erreichen eine zuverlässige Schmierung über alle Betriebsbedingungen. Mit der Premium-Reihe folgt Addinol dem Trend zur Spezialisierung. Mit dem Premium 0520 FD und Premium 0530 FD, speziell für Ford-Motoren, dem Premium 0530 C3-DX für Fahrzeuge des GM-Konzerns und Premium 0530 C1 für Land Rover, Mazda und Mitsubishi stehen maßgeschneiderte Schmierstoffe zur Verfügung. diwi ■ LIQUI MOLY Ganz herstellerspezifisch Spezialöl für Volvo mit offizieller Freigabe AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Der Ulmer Schmierstoff-Spezialist hat zwei Leichtlauföle auf den Markt gebracht, die die Anforderungen der Hersteller Ford und Volvo erfüllen. Special Tec F 0W-30 ist ein Leichtlauföl auf Basis von Synthesetechnologie, das speziell für Ford-Dieselmotoren entwickelt wurde. Durch die ausgeprägte Haftung des Öls an Metalloberflächen eignet sich das Öl besonders für Fahrzeuge mit Start-Stopp-Automatik. Der Schmierstoff erfüllt zudem die Anforderungen von Turboaufladung und moderner Abgasnachbehandlung. Für die neuesten Modelle von Volvo gibt es ein neues Spezial-Öl: das Special Tec V 0W-20. Das sehr dünnflüssige Öl trägt die Volvo-Freigabe VCC RBS0-2AE und ist damit für die neuesten Modelle geeignet. Für ältere Modelle gibt es das Special Tec V 0W-30. Es wurde aufgewertet und trägt nun die offizielle Volvo-Freigabe VCC 95200377. Mit dem neuen Profi Longlife III 5W- 30 ergänzt Liqui Moly zudem die exklusive Werkstattlinie um die Viskosität 5W-30. Weitere Öle dieser Serie sind das Profi Leichtlauf 10W-40 Basic, Profi Touring 15W-40 Basic und das Profi Premium 5W-40 Basic. diwi ■ Foto: Liqui Moly www.autoservicepraxis.de

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EXXONMOBIL Kraftstoffsparer Foto: ExxonMobil Neues 0W-20-Öl von Exxon- Mobil ExxonMobil hat die Mobil 1 Schmierstofffamilie um ein neues Produkt erweitert: das grüne Mobil 1 ESP x2 0W-20 für Diesel- und Benzinmotoren. Das auch im Hochtemperaturbereich niedrigviskose Öl senkt im Vergleich zu Mobil 1 ESP Formula 5W-30 den Kraftstoffverbrauch um bis zu vier Prozent, gibt der Hersteller an. Das Produkt ist von Daimler, VW, Porsche und Jaguar Land Rover bereits freigegeben. Bei der Formulierung lag die Priorität gemäß OEM-Anforderungen auf einem zuverlässigen Leistungsvermögen, ausgeprägtem Verschleißschutz, hoher Oxidationsstabilität sowie dem Potenzial zur Kraftstoffeinsparung. Wie alle anderen Mobil- 1-Produkte zeichnet sich das 0W-20-Öl durch die Verhinderung von Ablagerungen und Schlamm bildung aus. Das Produkt behält seine Fließfähigkeit sowohl bei sehr niedrigen als auch extrem hohen Temperaturen, was beim Kaltstart als auch bei Volllast wichtig ist. diwi ■ FUCHS Mit Neuzugang Nach der Akquisition der Deutschen Pentosin Werke GmbH durch die Fuchs Petrolub SE hat Fuchs Schmierstoffe GmbH nun die Integration der leistungsstärksten Produkte aus dem Hause Pentosin in das eigene Sortiment abgeschlossen. Auf der diesjährigen Automechanika zeigte Fuchs diese Produkte dem Autohaus- und Werkstattpublikum unter der Marke Pentosin. Mit den Produkten FuchsPentosin FFL-2, FFL-3 und FFL-4 ergänzt der Schmierstoffhersteller das eigene Titan- VEEDOL Revivalmarke mit Neuigkeitswert Das Produkt der Revival-Marke Veedol ist das Sintron Longlife III 5W30, das in freien Werkstätten und von den VW-Partnern von Veedol eingesetzt wird. Das derzeit wichtigste Entwicklungsprojekt der Marke ist das neue VW Longlife IV 0W20 nach der Norm 50800/50900. Das Foto: Veedol Projekt sei „sehr weit fortgeschritten“, erklärt Veedol auf Anfrage. Produkteinführung ist bis Ende des Jahres geplant. Veedol hat mit dem Sintron J 0W16 bereits im ersten Halbjahr ein Produkt für viele japanische Hersteller in den Markt eingeführt. Weitere Produkteinführungen in diesem Jahr, die dem Verlangen der OEM nach immer dünnflüssigerem Öl gerecht werden, waren im Bereich Motoren öle beispielsweise das Sintron Ultra 0W-20 und Sintron V 0W-20. diwi ■ Veedol gibt es exklusiv in Werkstätten und Autohäusern. Pentosin ist neu im Sortiment. Foto: Fuchs Getriebeöl-Programm um Premium Performance Doppelkupplungsgetriebeöle, speziell für VW (FFL-2), ZF/Porsche (FFL-3) und GETRAG/BMW (FFL-4). Mit den ebenfalls neu aufgenommenen Fuchs Pentosin CHF 11S, CHF 202 und LHM+ werden Lenkungs- und Zentralhydraulikfluide mit breitem Einsatzspektrum und exklusivem Freigabeprofil für verschiedene Hersteller verfügbar gemacht. Damit wurde insbesondere das Autohaus- und Werkstattgeschäft produktseitig gestärkt und ergänzt. diwi ■ TOTAL Synthetische Öle mit Spritspar-Charakter Fuel-Economy-Schmierstoffe besitzen laut Total eine Formulierung, die gegenüber herkömmlichen Ölen mit gleichen Leistungsparametern Kraftstoffeinsparungen erlaubt. Das wird durch verminderte Reibung im Motor des Fahrzeuges erreicht. Total entwickelt neue 0W-20- oder 0W-30- Öle, die auf Basis synthetischer Grundöle formuliert sind. Sie besitzen ein verändertes Viskositäts-Temperatur-Verhalten, um Total signalisiert mit dem FE-Label weniger Spritverbrauch. Foto: Total den Fuel-Economy-Ansprüchen gerecht zu werden. Die hohe Oxi dationsstabilität garantiert verlängerte Wechselintervalle, der ausgezeichnete Verschleißschutz und das hohe Reinigungsvermögen eine gleichbleibend hohe Performance. Speziell für Dieselfahrzeuge werden neuartige Additivpakete (low SAPS) eingesetzt, um die Emissionsgrenzwerte einzuhalten und die Fahrzeugkomponenten zu schützen. diwi ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 31

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AUTOMOBILTECHNIK PETRONAS Know-how aus der Formel 1 Foto: Petronas Petronas hat das Premium Motorenöl Petronas Syntium mit CoolTechTM auf den Markt gebracht. Das Additiv Cool- Tech ist laut Hersteller extrem hitzebeständig. Das Öl ist speziell für die hohen thermischen Belastungen in modernen Motoren konzipiert: Biokraftstoffe, hohe Verdichtung und magere Gemische verursachen dort steigende Temperaturen. Sportliche Fahrer steigern die Belastung der Motoren zusätzlich. Die CoolTech-Formulierung verhindert die Verdickung des Öls, weil es auch bei Hitze nicht oxidiert. Dadurch kann das Öl die Wärme der bewegten Teile absorbieren und schneller ableiten – das verhindert schädlichen Verschleiß. Ausgangspunkt des Schmierstoffs waren Entwicklungen von Petronas in der Formel 1. diwi ■ Das Additiv CoolTech macht das Öl extrem hitzebeständig. MOTUL Neue Öle für Hybridfahrzeuge Foto: Motul Motul hat eine neue Reihe von Motorenölen speziell für Hybridautos entwickelt. Sie sind speziell für Hybrid-Elektrofahrzeuge (HEV) und Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge (PHEV) konzipiert. Die Motul Hybrid Range umfasst vier vollsynthetische Öle mit sehr niedrigen Viskositäten: Motul Hybrid 0W8, Motul Hybrid 0W12, Motul Hybrid 0W16 und Motul Hybrid 0W20. Mit dem Produkt Motul Hybrid 0W8 verfügt Motul über ein Alleinstellungsmerkmal im Aftersales. Motul ist der erste Schmierstoffhersteller, der die äußerst niedrige Viskosität 0W8 vermarktet. diwi ■ Die Hybridöle verfügen unter anderem über sehr gute Kaltstarteigenschaften. CASTROL Besonders rein Castrol bietet für Autohäuser und Vertragswerkstätten ein spezielles Motorenölsortiment unter der Bezeichnung Castrol Professional in Erstbefüllungsqualität an. Diese Öle unterscheiden sich durch einige Besonderheiten im Vergleich zu den Standard-Motorenölen des Herstellers. Eine Mehrstufen-Mikrofiltrierung trägt dazu bei, das Öl länger im Originalzustand zu erhalten. Durch eine spezielle optische Partikelmessung während des Produktionsprozesses wird zudem eine hohe Ölsauberkeit gewährleistet. Castrol verweist gerne darauf, dass die Produkte der Professional-Linie über den gesamten Titanium heißt die Additiv-Formel. Lebenszyklus hinweg CO 2 -neutral sind. Castrol bietet auch für freie Werkstätten ein Ölsortiment an. Mit den Produkten Castrol Edge 5W-30 C3 und Castrol Edge 5W30 LL kann eine Vielzahl von Herstellerfreigaben abgedeckt werden. Ein Beispiel dafür ist Castrol EDGE mit Titanium FST. Durch die Titanium-Additive konnte die Ölfilmstärke verdoppelt werden – so wird ein Reißen verhindert. diwi ■ Foto: Castrol SHELL Super sauber aus Erdgas Weniger Ablagerung verspricht Shell durch GTL-Synthese. Marktführer Shell vertreibt seine Top- Motorenölprodukte unter dem Namen Shell Helix Ultra. Die in diesen Produkten verwendeten Grundöle – sie machen 75 bis 90 Prozent eines Motorenöls aus – werden bei Shell aus Erdgas gewonnen. Die zugrunde liegende Technologie vermarktet Shell unter dem Terminus „Pure- Plus Technology“. Die GTL Technologie (Gas-to-Liquid) wurde in den 1920er-Jahren entwickelt und nach ihren Erfindern „Fischer-Tropsch“-Verfahren bezeichnet. Dabei wird in einem aufwändigen Prozess AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Foto: Shell Erdgas zu flüssigem Öl verarbeitet. Shell nutzt hierzu eine riesige Erdgasanlage im arabischen Katar. „Die Shell Helix Ultra Hochleistungsmotorenöle können den Motor damit erstmals so sauber halten, dass er nahezu werksauber bleibt“, schreibt der Hersteller über die Technologie, die Shell zur Herstellung von Hochleistungsmotorenölen seit 2014 einsetzt. Motorenöle mit erdgasbasiertem Grundöl zeichnen sich laut Shell im Vergleich zu den traditionellen, mineralölbasierten Motorenölen durch verbesserte Viskositätseigenschaften, verminderte Reibung, weniger Verdampfung und damit einen geringeren Ölverbrauch aus. diwi ■ www.autoservicepraxis.de

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AUTOMOBILTECHNIK CONTINENTAL Große Fußstapfen Continental präsentiert den neuen WinterContact TS 860 als eigenen Beitrag zu weniger Verkehrsunfällen. Der Nachfolger unterbietet dabei den Bremsweg des mehrfach preisgekrönten ContiWinterContact TS 850. KURZFASSUNG icherheit hat nicht nur im Hause Continental eine große Bedeutung. Beim Automobilzulieferer fließt dieses Bestreben sowohl in Entwicklung und Produktion als auch in das Marketing ein. Und so präsentierten die Niedersachsen Anfang Oktober nicht nur den neuen Winterreifen WinterContact TS 860, sondern zudem die Schlagworte „Vision Zero“ und „Stop the Crash“. Die beiden englischen Kampagnennamen stehen für den Beitrag von Politik und Wirtschaft zur Unfallvermeidung und dem Ziel, die Zahl der Verkehrstoten in der EU bis 2050 auf (nahezu) Null zu reduzieren – zum Vergleich: Im Jahr 2014 kamen in der EU 25.700 Menschen im Straßenverkehr ums Leben. Foto: Continental Semperit für einen besseren Kontakt zur schnee- bzw. matschbedeckten Straße. Der neue WinterContact TS 860 zielt auf die Kompakt- und Mittelklasse-Pkw. Der Continental WinterContact TS 850 P deckt das Portfolio nach oben hin ab. Der Neuzugang löst das Vorzeigemodell ContiWinterContact TS 850 ab, den mehrfach von Verbänden und der Fachpresse preisgekrönten, „bislang erfolgreichsten Con- Der neue Pneu WinterContact TS 860 verliert nicht nur den Namenszusatz Conti, sondern reduziert gegenüber dem Vorgängermodell Conti WinterContact TS 850 auch den Bremsweg um vier bis fünf Prozent. tinental-Winterreifen“. Den Angaben zufolge gelang es den Entwicklern, noch eins daraufzusetzen: Beim Bremsen auf nasskalter Straße toppt er den ContiWinter- Contact TS 850 um fünf Prozent, auf Eis verkürzt sich der Bremsweg um vier Prozent. Chili contra Eis Die „Cool Chili“ genannte Mischung hat einen hohen Silica-Anteil, der den Bremsweg durch seine besonderen Dämpfungseigenschaften verkürze, hieß es. Hochleistungsharze erhöhten zudem die Flexibilität des Reifens bei Kälte. Verstärkend soll ein aus Klötzen und Lamellen bestehendes Profil hinzukommen, wodurch eine „Verzahnung“ mit dem Schnee gelingt (siehe Grafik unten). Beim Fahren auf Eis wird der entstehende Wasserfilm über einen im Profilblock integrierten Kanal („Liquid Layer Drainage“) schneller abgeführt. Martin Schachtner ■ Preisgekrönter Vorgänger Besonders in den kalten Monaten kracht es aber auf deutschen Straßen. Zu diesem Zweck besteht hierzulande eine situative Winterreifenpflicht. In der Conti-Division Reifen sorgen neben der Hauptmarke Continental die Pneus von Uniroyal und Die Continental-Grafik illustriert wichtige Vorteile der neuen Winterreifen-Generation. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 33

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AUTOMOBILTECHNIK Feierte seine Weltpremiere auf dem Pariser Automobilsalon: der neue Citroën C3. Auch er ist mit den beim Cactus eingeführten Airbumps bestellbar. Geht aber auch ohne. AUTOSALON PARIS Bühne für Mobilität und Elektro E­Autos und Mobilitätsdienstleistungen waren die großen Themen der französischen Automesse. Dennoch prägen SUV immer noch das Bild und manche Hersteller suchte man auf der Messe vergebens. Fotos: Citroen, Opel, Peugeot, Plate/AUTOHAUS er Autosalon in Paris ist die Messe der Franzosen. Wenn Präsident Fran�ois Hollande die Reihen abschreitet, findet er sie alle in der Halle 1: die drei Marken des PSA­Konzerns und Renault. In diesem Jahr schlug PSA­Chef Carlos Tavares schon einen Tag vor der Messe einen Pflock ein: mit den Mobility Days in der Hauptverwaltung an den Champs­Élysées. Zusammen mit 15 Partnern – überwiegend Start­ups – präsentierte der Firmenchef Mobilitätslösungen, mit deren Hilfe er den Kundenservice von Citroën, DS und Peugeot verbessern will. In einigen Monaten sollen die zunächst als B2B­Lösungen konzipierten Dienstleistungen unter dem neuen Markennamen für Mobilitätsdienste „Free2Move“ an den Start gehen. Darunter sind Carsharing­Angebote mit Communauto und der Bolloré­Gruppe, die Elektrofahrzeuge des Typs Citroën C­Zero in Lyon und Bordeaux einsetzen wird, eine Partnerschaft bei der Verwaltung vernetzter Flotten mit Masternaut und TomTom Telematics, Fahrzeugverleih an Privatpersonen mit Koolicar und TravelCar und eine Partnerschaft mit IBM im Rahmen des Projekts „Smarter Cities“, das zurzeit in der Metropolregion Nizza­ C�te d’Azur und in der Wallonie (Belgien) umgesetzt wird. PSA hat einen Investitionsfond von 100 Millionen Euro bereitgestellt, um in diese neuen Aktivitäten zu investieren. PSA testet in Frankreich Getestet wird vor allem in Frankreich. Auf die Händler hat das zunächst keine Auswirkungen, sagte der PSA­Chef. Sie sind lediglich im Bereich Autovermietung in die neuen Mobilitätsdienstleistungen eingebunden. Tavares sieht die Aktivitäten aber auch als Angebot an die Händler, in anderen (Mobilitäts­)Bereichen aktiv zu werden. Hintergedanke bei all dem ist Aufmerksamkeit für die PSA­Produkte zu wecken und mehr zu verkaufen, denn wenn die Autos mehr genutzt werden, werden sie auch öfter ausgetauscht. Auch in Sachen alternative Antriebe gibt Tava­ res Gas: Bis 2021 will er sieben Hybride und vier Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen. Renault hat ebenfalls schon einige Mobilitätsprojekte in Frankreich gestartet. Zum Beispiel wird derzeit Carsharing unter dem Namen Renault Mobility getestet. Bei Elektrofahrzeugen spielt die Marke ohnehin schon lange ganz vorne mit. Volks-Stromer Neu ist aber, dass Volkswagen die Pariser Show nutzte, um die Studie eines batteriebetriebenen Modells zu präsentieren, das künftig in einem Atemzug mit Marken­ KURZFASSUNG PSA, VW und Daimler präsentierten in Paris neue Submarken für ihre Elektroautos und Mobilitätsdienstleistungen. Die Hersteller kündigten alle deutlich größere Reichweiten für ihre Stromer an. In den jeweiligen Heimatländern werden zusätzliche Dienstleistungen getestet. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 www.autoservicepraxis.de

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Toyota ist schon länger gut im Geschäft bei alternativen Antrieben: Der Hybridanteil am Gesamtabsatz betrug im September 43 Prozent, so Deutschlandchef Tom Fux. Die seriennahe Studie eines Elektroautos stand im Fokus von Volkswagen. Der I.D. soll es auf eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern bringen. Mit der Weltpremiere des GT-PHEV Concept (GT-PHEV) zeigte Mitsubishi die konsequente Fortführung der Designphilosophie „Dynamic Shield“. Deutschland-Chef Werner Frey freute sich über derzeit 1,1 Prozent Marktanteil. Virtuell konnten die Besucher in den Volkswagen I.D. einsteigen und schon eine erste Probefahrt unternehmen. Die Brille machte es möglich. Gefragter Gesprächspartner in Paris war Daimler-Chef Dieter Zetsche: Mit EQ präsentierte Mercedes-Benz seine neue Produktmarke für Elektromobilität. Noch in dieser Dekade soll das erste Serienmodell im SUV- Segment an den Start gehen. Kia-Deutschland-Geschäftsführer Steffen Cost mit dem neuen Rio, dessen Design in Deutschland und Kalifornien entwickelt wurde. Weltweit ist der Rio das meistverkaufte Modell der Koreaner. Toyota-Studie: Das Konzeptfahrzeug FCV Plus feierte in Paris Europa-Premiere. Im Fokus: die Brennstoffzellen-Technologie. Europapremiere für den neuen Suzuki Ignis, der 2017 auf den Markt kommt. Opel-CEO Dr. Karl-Thomas Neumann enthüllte den Ampera-e mit einer elektrischen Reichweite von über 500 Kilometer. Internationale Messepremiere für den Skoda Kodiaq. Hier präsentiert vom neuen Skoda- Deutschland-Geschäftsführer Frank Jürgens. www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 37

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AUTOMOBILTECHNIK Händler aufgepasst: Der Messestand von Citroën in Paris bot einen Ausblick auf das neue Showroom-Konzept unter dem Titel „Be Different, Feel Good“. ikonen wie Käfer und Golf genannt werden soll. 600 Kilometer Reichweite für weniger als 30.000 Euro, dazu autonome Fahrfunktionen, wie man sie bislang nur aus der Oberklasse kennt. Allerdings ist der vorerst I.D. Concept genannte Volks­ Stromer bislang nur eine Studie, frühestens 2020 kommt sie auf die Straße, in Koalition mit zahlreichen anderen Batterieautos aus dem VW­Konzern. Auch Volkswagen spricht von der dreizehnten Marke, die das Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen bündeln soll. Ampera ohne Range Extender Mercedes zeigte eine SUV­Studie ohne Diesel und auch ohne den zuletzt unvermeidbaren Plug­in­Hybridantrieb. Das Concept Car Generation EQ wird allein von einem E­Motor angetrieben und könnte gegen Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen. Wo er dann auch auf den ebenfalls elektrischen Q6 E­Tron von Wettbewerber Audi treffen wird. Zu den Stars der Messe zählte der Opel Ampera­e. Der zweite Versuch verzichtet AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Bei Lexus liegt der Hybridanteil in Deutschland bei 99 Prozent. „Wir verkaufen mehr Hybrid als Mercedes, BMW und Audi“, sagte Lexus-Europachef Alain Uyttenhoven. In Paris darf natürlich ein Konzeptfahrzeug von Re-nault nicht fehlen: Der „Trezor“ ist ein futuristischer Gran Turismo mit roter Leuchtarchitektur, roter 360-Grad-Panoramascheibe und einem komplett in rotem Leder gehaltenen Innenraum. Bei Hyundai wird an den kommenden N-Sportmodellen gearbeitet. Quasi als Forschungs-Conceptcar wird dabei das RM Concept stetig weiterentwickelt. Dieser hier bringt mit einem Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotor rund 300 PS und 383 Nm Drehmoment. auf den Range Extender und setzt stattdessen auf extra große Batterien, die eine Reichweite von rund 500 Kilometern möglich machen sollen. Daneben gab es bei vielen Herstellern auf der Messe die unvermeidbaren herkömmlich angetriebenen SUV – sicher noch für einige Zeit die Realität auf deutschen Straßen. Zu den Eyecatchern auf dem Jeep-Stand in Paris zählte ein mit Mopar-Zubehör aufgerüsteter Wrangler Rubicon. SsangYong setzt seine Modelloffensive weiter fort. Deutschland-Geschäftsführer Ulrich Mehling präsentierte auf dem Pariser Autosalon das Konzeptfahrzeug LIV-2. Ein Ausblick auf das neue Premium-SUV. Mit der Markteinführung von fünf neuen SUV steht das Jahr für Peugeot ganz im Zeichen der weltweiten Produktoffensive im SUV-Segment. In Paris feierten der Peugeot 3008 und der 5008 Weltpremiere. Bemerkenswert ist auch die Liste der Autosalon­Absagen. Neben den Playern Volvo, Ford, Mazda und Aston Martin fehlten auch die VW­Konzernmarken Bentley und Lamborghini in Paris. Chinesische Hersteller wie Qoros und Borgward waren ebenfalls nicht vertreten. Doris Plate ■ www.autoservicepraxis.de

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Fotos: Thomas Maier EDC-DOPPELKUPPLUNG In der Komfortzone Für den Renault Mégane Energy dCi 110 offerieren die Franzosen ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Das wollten wir uns in der Praxis genauer ansehen. Glaubt man der Marketingsprache von Renault, sollen dank des EDC-Doppelkupplungsgetriebes im neuen Mégane keine Wünsche offenbleiben. Und in der Tat: Das EDC, hinter dem sich der Ausdruck Efficient Dual Clutch verbirgt, steht dem Kompaktklässler gut zu Gesicht. Zumindest in der Ausführung mit sechs Gängen, die wir im Energy dCi 110 näher kennenlernten. Keine Frage: EDC macht den Franzosen zu einem komfortablen wie angenehmen Begleiter – ohne Dynamik vermissen zu lassen. Da rückt der geliebte Handschalter schnell ins Hintertreffen. Grundsätzlich bietet die Rhombusmarke für die Turbodiesel die Sechsgang-Variante an, KURZFASSUNG Mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe namens EDC zeigt sich der neue Renault Mégane von seiner komfortablen Seite. Darüber hinaus sorgt die verbaute Technik auch noch für einen deutlichen Effizienzgewinn. für die Turbobenziner steht eine Fahrstufe mehr parat. Dass auf der Straße das in Aussicht gestellte Komfortplus auch tatsächlich vorhanden ist, dafür haben die Entwickler elektrische Stellmotoren verbaut, die für die Schaltvorgänge verantwortlich zeichnen. Das soll – verglichen mit einer hydraulischen Betätigung – den Spritdurst ein wenig zügeln. Fahrspaßorientierte Fahrer können selbstverständlich via Impulsfunktion selbstständig die Gänge wechseln. Ruckfrei in der Praxis Für das Doppelkupplungsgetriebe kommen zwei automatisierte Teilgetriebe mit je einer Einscheiben-Trockenkupplung zum Einsatz. Auf einem finden sich die Gänge zwei, vier und sechs, auf dem anderen die Gänge eins, drei und fünf. Die Entwickler haben sich zudem entschieden, die zwei Teilgetriebe jeweils über eine eigene Antriebswelle mit dem Common- Rail-Direkteinspritzer zu verbinden. Will heißen: Die Welle für die ungeraden Gänge laufe dabei in der hohl gebohrten Welle für die geraden Fahrstufen, heißt es Der Mégane Energy dCi 110 kommt mit Sechsgang-EDC daher. dazu vom Importeur. So übermitteln immer nur ein Teilgetriebe und eine Kupplung die Power des Reihenvierzylinders. Klappt erstaunlich gut und ruckfrei – der nächste Gang wird im zweiten Teilgetriebe ja schon vorgewählt. Unterm Strich soll die Technik den von uns gefahrenen Fronttriebler genauso effizient wie den Bruder mit manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe machen. Als kombinierter Verbrauch stehen 3,7 Liter Sprit für die 100-Kilometer-Distanz im Datenblatt. Auch nicht schlecht. Patrick Neumann ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 39

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PRODUKTE BREMSEN Meyle präsentiert PD-Bremsscheibe Teilehersteller Meyle präsentiert seine erneut weiterentwickelte, beschichtete Bremsscheibe, die Meyle-PD-Bremsscheibe, in der mittlerweile vierten Generation. Dank modernster Beschichtungstechnologie sind die Bremsscheiben nicht nur vor Korrosion geschützt, sondern auch an den beschichteten Stellen extrem hitzebeständig. Die Meyle-PD-Bremsscheibe sowie die Meyle-PD-Bremsbeläge sind perfekt aufeinander abgestimmt und gewährleisten laut Hersteller in jeder Fahrsituation absolute Bremssicherheit. Die Meyle- Beschichtungstechnologie biete Werkstätten gleich mehrere Vorteile. Neben zuverlässiger Korrosionsbeständigkeit und somit einer längeren Lebensdauer, werde auch der Einbau beschleunigt. Der Grund: Die PD-Bremsscheibe macht zwei Arbeitsschritte überflüssig – die passende Fixierschraube liegt bei über 85 Prozent der Anwendungen bei, und das Entfernen des Ölfilms entfällt – die Bremsscheibe ist direkt einbaufertig. Foto: Meyle Das gesamte Bremsscheiben-Programm von Meyle umfasst mehr als 1.500 Referenzen und garantiert den Kunden eine Abdeckung für knapp 95 Prozent der Fahrzeuge in Zentraleuropa. Meyle stellt sukzessive alle Bremsscheiben auf die Meyle-PD-Bremsscheibe um. diwi ■ Wulf Gaertner Autoparts AG www.meyle.com INJEKTOREN Pro-Line gegen Schmutz Wenn bei Verunreinigungen ein Ausbau der Injektoren unvermeidbar ist, kann das für den Monteur knifflig werden. Der Grund: ausgehärtete Verbrennungsrückstände. Zur Beseitigung dieser Rückstände bietet Liqui Moly die neue Pro-Line Injektorenlöser. Das neue Produkt des Ulmer Pflegespezialisten enthält ein spezielles Lösemittel, das festgebackene Verharzungen, Ölrückstände und Schmutzkrusten nach einer Einwirkzeit von 15 bis 30 Minuten auflöst. Anschließend wird der Schmutz entfernt. Dann lässt sich der Injektor mühelos und ohne Beschädigung ausbauen. diwi ■ Liqui Moly GmbH www.liqui-moly.de Foto: Liqui Moly IMPRESSUM ISSN NR. 1437-1162 Anschrift von Verlag und Redaktion Springer Automotive Media Springer Fachmedien München GmbH Aschauer Str. 30 · 81549 München Tel. 0 89/20 30 43-0 Fax Redaktion 0 89/20 30 43-12 18 Fax Anzeigen 0 89/20 30 43-12 40 http://www.autoservicepraxis.de Springer Fachmedien München GmbH ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Nature. Redaktion Herausgeber Dipl.-Ing. Jürgen Wolz (TÜV SÜD Auto Service GmbH), Lars Kammerer (TÜV SÜD Auto Service GmbH) Anschrift siehe Verlag Chefredaktion (V.i.S.d.P.) Ralph M. Meunzel Tel. 0 89/20 30 43-12 03 Koordination Patrick Neumann Tel. 0 89/20 30 43-11 84 Redaktion Valeska Gehrke (vg) Tel. 0 89/20 30 43-23 09 Alexander Junk (aj) Tel. 0 89/20 30 43-23 10 Dietmar Winkler (diwi) Tel. 0 89/20 30 43-27 92 Online-Redaktion Ralf Padrtka (Leitung) Tel. 0 89/20 30 43-12 84 Thomas Maier Tel. 0 89/20 30 43-23 11 Frank Selzle Tel. 0 89/20 30 43-11 08 E-Mail: autoservicepraxis@springer.com Ständige Mitarbeiter Eva-Elisabeth Ernst, Martin Schachtner, Manfred Schlegel, Marcel Schoch, Dieter Väthröder, Erwin Wagner Gesamtleitung Herstellung Maren Krapp Tel. 0 89/20 30 43-14 18 Layout Diane Laudien Tel. 0 89/20 30 43-11 87 Verlag Geschäftsführer Peter Lehnert Tel. 0 89/20 30 43-22 54 Verlagsleiter Springer Automotive Media Ralph M. Meunzel Tel. 0 89/20 30 43-12 03 Anzeigen- und Marketingleitung Michael Harms Tel. 0 89/20 30 43-12 42 Anzeigenverkauf Sanja Klöppel Tel. 0 89/20 30 43-12 24 Birgit Zipfel Tel. 0 89/20 30 43-11 91 Fax 0 89/20 30 43-12 40 Marketing Alexandra Wutz (Fachliche Leitung) Tel. 0 89/20 30 43-21 05 Susanne Schwarzenböck Tel. 0 89/20 30 43-11 36 Fax 0 89/20 30 43-11 81 Anzeigenverwaltung Aylin Uysal Tel. 0 89/20 30 43-23 58 Gültig ist die Anzeigen-Preisliste ab 01.10.2015 Gelegenheitsanzeigen Doris Kester-Frey Tel. 0 89/20 30 43-11 33 E-Mail: kontakt.anzeigen@springer.com Leitung Vertriebskoordination Fachzeitschriften Tatjana Sachenbacher Tel. 0 89/20 30 43-16 27 Online-Medien Ute Sauermann Tel. 089/20 30 43-22 18 (Produktmanagerin Portale SAM) Abo-Service Tel. 0 89/20 30 43-15 00 Fax 0 89/20 30 43-21 00 Sitz: Aschauer Str. 30 , 81549 München E-Mail: vertriebsservice@springer.com Der Verlag übernimmt keine Haftung für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotomaterial, daher besteht auch kein Anspruch auf Ausfallhonorar. Mit dem Autorenhonorar gehen die Verwertungs-, Nutzungs- und Vervielfältigungsrechte an den Verlag über, insbesondere auch für elektronische Medien (Internet, Datenbanken, CD-ROM). Es werden nur solche Manuskripte angenommen, die an anderer Stelle weder veröffentlicht noch gleichzeitig angeboten sind. Für die mit Namen des Verfassers gekennzeichneten Beiträge übernimmt die Redaktion lediglich die pressegesetzliche Verantwortung; sie stellen also nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Erscheinungsweise 11 Ausgaben pro Jahr Bezugspreis Einzelheft: € 10,90 netto/€ 11,66 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Jahresabonnement Inland: 81,60 netto/€ 87,31 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Ausland (Europa): € 93,60 netto/ € 100,15 brutto inkl. MwSt.; inkl. Versand. Ausland (außerhalb Europa): auf Anfrage. Preisänderungen vorbehalten. Alle weiteren Aboangebote und -preise finden Sie unter www.autoservicepraxis.de. 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AUTO SERVICE PRAXIS-Abonnenten verfügen damit über die im Sinne der AU-Anerkennungsrichtlinie erforderlichen Informationen und sind somit vom Bezug des ansonsten vorgeschriebenen Verkehrsblattes befreit. Bei der Springer Fachmedien München GmbH erscheinen auch die Zeitschriften AUTOHAUS, Autoflotte, GW-trends und Sprit+. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 www.autoservicepraxis.de

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ASA NEWS ASA-BUNDESVERBAND Weichenstellung für die Zukunft Wie auf der Mitgliederversammlung im Mai dieses Jahres angekündigt, hat sich der erweiterte Vorstand mit der Weichenstellung für die Zukunft des ASA-Bundesverbandes befasst. Unter dem Arbeitstitel „Quo Vadis ASA 2025“ hat das Präsidium gemeinsam mit den Fachbereichsleitern in einem eigens dafür einberufenen Workshop zunächst eine Mitgliederstrukturanalyse erstellt. Anschließend wurde ein Fragen katalog für eine Mitgliederbefragung entwickelt. Deren Ergebnisse sollen als Grundlage für erforderliche Satzungsänderungen dienen. „Ziel dieses Projektes ist es, den ASA-Verband noch besser auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Mitglieder und auf die wachsenden Herausforderungen der Zukunft auszurichten“, sagt Frank Beaujean, Präsident des ASA-Bundesverbandes. Vor dem Hintergrund aktueller und künftiger Arbeitsgebiete sei es erforderlich, über die aktuellen Strukturen nachzudenken und diese gegebenenfalls anzupassen. Nur so sei der ASA-Verband in der Lage, langfristig die Interessen seiner Mitglieder in nationalen und internationalen Gremien auch weiterhin erfolgreich zu vertreten. Die Mitgliederbefragung soll noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. Der Vorstand bittet um Unterstützung und rege Teilnahme. Die Ergebnisse der Befragung sollen auf der nächsten Mitgliederversammlung im Mai 2017 in Essen vorgestellt und diskutiert werden. SICHERHEIT AM ARBEITSPLATZ Prüfpflicht für Ausrüstung Zahlreiche Werkstattausrüstungsgegenstände unterliegen einer regelmäßigen Prüfpflicht. Sicherheitsmängel lassen sich so rechtzeitig erkennen und beheben. Foto: Linzing Werkstattbetreiber sind dazu verpflichtet, die Werkstattausrüstung in regelmäßigen Abständen von sachkundigen Personen prüfen zu lassen. So müssen beispielsweise laut TRGS 554 alle Abgasabsauganlagen jährlich einer Prüfung unterzogen werden. Neben der Sicht- und Funktionsprüfung ist hierbei eine reproduzierbare Messung der Saugleistung durchzuführen. Auch Hebebühnen müssen vor der Inbetriebnahme und danach mindestens einmal jährlich nach den Vorgaben der BGR 500 geprüft werden. Mit dieser Maßnahme können sicherheitsrelevante Schäden rechtzeitig entdeckt und behoben werden. Der periodischen Prüfpflicht unterliegen unter anderem auch Werkstatttore und Prüfstände. Bei intensiver Nutzung, starken Umwelteinflüssen oder außergewöhnlichen Ereignissen sollten die Prüfzyklen verkürzt werden. Der ASA- Verband empfiehlt Werkstattbetreibern, sämtliche Prüffristen einzuhalten und sorgfältig zu dokumentieren. So kann bei Arbeitsunfällen nachgewiesen werden, dass die gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind. Die Mitgliedsunternehmen des ASA-Bundesverbandes bieten Kfz-Werkstätten mit eigenen Fachmonteuren und autorisierten Vertragspartnern die gesetzeskonforme Prüfung der Werkstattausrüstung an. Eventuell notwendige Instandsetzungsarbeiten können von ihnen gleich mit erledigt werden. Darüber hinaus lässt sich mit einem Wartungsvertrag vermeiden, dass Prüffristen versäumt werden und sich Reparaturstaus bilden. KOMPAKT Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen e.V. Foto: Messe Frankfurt Innovation Award Auf der Automechanika 2016 in Frankfurt haben gleich mehrere Mitglieder des ASA- Bundesverbandes in unterschiedlichen Kategorien den Innovation-Award gewonnen. So wurde AVL DiTEST in der Kategorie „Management & Digital Solutions“ für die Telematik-Lösung „Smart Service 4.0“ ausgezeichnet. Sie soll durch digitale Vernetzung das konventionelle Servicegeschäft revolutionieren und Probleme beheben, bevor sie entstehen. In der Kategorie „Repair & Maintenance“ konnte sich das ASA-Mitgliedsunternehmen Corghi S.p.A. mit der Reifenmontiermaschine „Uniformity“ erfolgreich durchsetzen. Hierbei handelt es sich um die erste Montiermaschine, die mit einer Andrückrolle und Lasersensoren ausgestattet ist und eine Diagnosefunktion der Rad-/ Reifenkombination bietet. Neues Mitglied Der Hersteller moderner Räderpflegetechnologie Tiresonic GmbH aus Leutkirch im Allgäu ist neues Mitglied des ASA-Verbandes. Das Unternehmen produziert mit 10 Mitarbeitern patentierte Ultraschall-Radwaschmaschinen sowie Räder- und Reifenwärmeschränke für die schadfreie Demontage und Montage von UHP- und Runflat-Reifen für den europäischen und fernöstlichen Markt. KONTAKT Geschäftsstelle ASA Bundesverband Tel. 0 82 61/9 09 50-90 Fax 0 82 61/9 09 50-89 geschaeftsstelle@asa-verband.de www.asa-verband.de www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 41

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WERKSTATTTECHNIK CTEK Schwedische Batteriepflege Im kleinen schwedischen Ort Vikmanshyttan, nördlich von Stockholm, entstehen die Ideen für neue Batterie ladegeräte von Ctek – vom ersten Entwurf über den Prototyp bis hin zum fertigen Produkt. er schwedische Batterieladegerätehersteller Ctek hat sich mit seinen Produkten in der Branche einen Namen gemacht. asp besuchte das Unternehmen an seinem Hauptstandort in Vikmanshyttan, in der Region Dalarna. Hier befindet sich das Herzstück der Firma, die Innovations- und Entwicklungsabteilung, wo sich die Business-Strategen Henrik Pettersson und Sebastian Holm mit neuen Ideen beschäftigen. Im Moment laufen rund zwölf Innovativ-Projekte, verrät Pettersson. Schließlich wolle man Innovationsführer sein und die spannende Entwicklung der Batteriepflege in Zeiten von elektrischen Fahrzeugen und neuen Batterietechnologien mitbestimmen. Bis eine Idee jedoch in ein neues Produkt mündet, durchläuft sie einige Entwicklungsstufen: vom ersten Entwurf über verschiedene Prototypen, CAD-Modelle, Business- KURZFASSUNG Fotos: Ctek, Valeska Gehrke Das neue Batterieladegerät Pro 60 ist für alle Arten von 12V-Blei-Säure-Batterien (Nass-, Ca/Ca-, Gel-, AGM- und EFB-Start/Stopp) sowie Lithiumbatterien (LiFePO4) geeignet. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Das schwedische Unternehmen Ctek stellt Batterieladegeräte her, die in Deutschland über Kunzer erhältlich sind. asp hat Ctek im schwedischen Vikmanshyttan besucht und einen Einblick in die Entwicklung neuer Geräte erhalten. Auch im Racesport kommen die Ctek Batterieladegeräte zum Einsatz. www.autoservicepraxis.de

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Case-Analysen bis hin zu Feldtests bei Werkstätten und ausgiebigen Test-Prozeduren im Labor. Denn neben der Innovations- und R+D-Abteilung, befinden sich auch das Testing, Design, Marketing, Kundenservice, Buchhaltung, Qualitätsmanagement sowie Verkauf und Training in Vikmanshyttan. Produziert werden die Geräte schließlich in Shenzen, China, von wo aus sie über drei Lager in Ghent (Belgien), Hongkong und den USA in über 70 Länder vertrieben werden. Allein 2015 verkaufte Ctek nach eigenen Angaben weltweit über eine Million Batterieladegeräte, 1999 waren es noch überschaubare 1.000 gewesen. „In 2016 erwarten wir 1,2 Millionen verkaufte Geräte“, so Marcus Bjurmann, After Sales Service Manager bei Ctek. „Eine beachtliche Entwicklung“, wie er findet. Den Vertrieb in Deutschland hat sich die Firma Kunzer aus Forstinning gesichert. Seit 13 Jahren ist der Werkstattausrüster mit den Ladegeräten von Ctek auf dem Markt. „Die Produktpalette von Ctek bietet für kleine, aber auch für große Werkstätten passende Ladegeräte. Aktuell kommt das MXS 25EC besonders gut an“, erklärt Thomas Buchner, Geschäftsführer von Kunzer. Tony Zeal, Training Manager bei Ctek, erklärt die Relevanz der Batteriepflege im 2015 eingeweihten neuen Trainingscenter in Vikmanshyttan. Die kreativen Köpfe: Henrik Pettersson (links) und Sebastian Holm entwickeln neue Ideen vom ersten Entwurf bis zum fertigen Prototyp. Bild unten: erschiedene Entwicklungsstadien eines Prototyps Vier Business-Units Derzeit besteht das Ctek-Portfolio insgesamt aus 540 verschiedenen Produkten. Um den Fokus verstärkt auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse zu legen, habe man das Geschäft in vier so genannte Business Units unterteilt, erklärt Marcus Bjurmann. Die „Consumer“-Produkte richten sich dabei direkt an den Endkunden und zeichnen sich durch die sehr einfache Handhabung aus. Die „Integrated Solutions“ sind speziell für den festen Einbau in Fahrzeugen wie Wohnmobilen geeignet. Die dritte Business Unit „Professional“ entwickelt Ladegeräte für die Anwendung in der Werkstatt. „Auch hier spielt Convenience eine große Rolle“, weiß Marcus Bjurmann. Daher habe man neben den Ladegeräten eine Reihe von Zubehör entwickelt, etwa einen Trolley-Wagen, auf dem das Ladegerät, ein Laptop sowie Ersatzbatterien Platz finden. Der vierte Bereich „Client Brand“ besteht aus gebrandeten Ladegeräten. Inzwischen sei man Partner von 42 Marken, darunter viele bekannte Automobilhersteller wie BMW, Mercedes oder Porsche. Für die professionelle Anwendung hat Ctek ein neues Produkt auf den Markt gebracht, das erstmals auf der Automechanika 2016 vorgestellt wurde. Das Pro 60 ist für alle Arten von 12V-Blei-Säure-Batterien (Nass-, Ca/Ca-, Gel-, AGM- und EFB-Start/Stopp) sowie Lithiumbatterien (LiFePO4) geeignet. Es soll Werkstätten bei Diagnosetätigkeiten unterstützen und für eine stabile Stromversorgung mit variabler Spannungsauswahl sorgen. Adaptiver Lademodus Das Pro 60 zeichnet sich dabei vor allem durch seinen adaptiven Lademodus aus, der automatisch die Batteriegröße erkennt und die dafür optimale Ladeeinstellung auswählt. Denn bei Wartungsund Diagnosearbeiten sollte die Batterie in guter Kondition und ausreichend geladen sein, um beispielsweise Abbrüche bei der Datenübertragung zu vermeiden, erklärt Tony Zeal, Training Manager bei Ctek in Schweden. Die Batteriepflege sei aktuell wichtiger denn je, weiß er. Denn die Entwicklung der Fahrzeuge mit zunehmend mehr elektrischen Verbrauchern führe zu einer immer stärkeren Belastung der Batterie. So ist die Fahrzeugbatterie nach wie vor die häufigste Pannenursache. Hier sieht Tony Zeal einen potenziellen Zusatzerlös für Werkstätten, wenn diese bei jedem Service auch die Batterie checken würden. Zudem könnte die Batterie-Lebensdauer bei frühzeitiger regelmäßiger Batteriepflege um das Zwei- bis Dreifache erhöht werden, heißt es von Ctek. Valeska Gehrke ■ www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 43

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WERKSTATTTECHNIK BEST PRACTICE Auf sicheren Pfeilern Der K+L-Betrieb Schürz GmbH hat sein Angebot nach und nach erweitert. Denn ohne Diagnose und eigene Fahrwerkvermessung geht heute bei der K+L-Unfallinstandsetzung nichts. Der K+L-Bereich ist bei der Firma Schürz GmbH eng mit der Mechanikwerkstatt verbunden. +L-Betriebe haben es immer schwerer zukunftsfähig zu bleiben, denn immer mehr Fahrzeughersteller, aber auch Versicherer nehmen Einfluss auf diesen Bereich. Doch wie man hierauf reagieren kann, zeigt das Beispiel der Schürz GmbH in Donzdorf. Vor 35 Jahren hat Werner Schürz in Donzdorf sein Unternehmen als Karosserie- und Lackierfachbetrieb gegründet. Von Beginn an war es seine Devise, sich stets neue Geschäftsfelder zu erschließen und so existenzielle Abhängigkeiten zu vermeiden. Ein Vorsatz, dem er bis heute treu geblieben ist. So entschied sich Werner Schürz bereits 1987 den Betrieb durch einen Bosch-Car-Service zu erweitern. Im KURZFASSUNG Die Digitalisierung der Fahrzeuge nimmt immer weiter zu. Freie Werkstätten, die im K+L-Bereich arbeiten, müssen daher, um auch zukünftig rentabel arbeiten zu können, ihr Serviceangebot deutlich erweitern. Wie das geht, zeigt das Beispiel der Schürz GmbH aus Donzdorf in Baden- Württemberg. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Jahr 1997 stiegen dann die Brüder Robert und Stefan Klein in die Geschäftsführung ein, um die Zukunft des Betriebs langfristig gemeinsam durch die konsequente Entwicklung verschiedener Standbeine abzusichern. So kamen im Laufe der Jahre eine Autovermietung zur Abdeckung des Ersatzfahrzeugbereichs sowie der Fahrzeughandel hinzu. Erweiterung notwendig Im Jahr 2010 fiel dann die weitreichendste Entscheidung, denn das gewachsene Aufgabenspektrum drohte im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Nähten zu platzen. Um dem Rechnung zu tragen und die Arbeitsabläufe weiter zu optimieren, wurde am Standort in der Daimlerstraße in Donzdorf zentral zwischen K+L-Bereich und der Werkstatt ein neuer Bürotrakt gebaut. „Da der Bürotrakt in der Mitte der beiden Werkstattbereiche angesiedelt ist, fungiert er wie ein organisatorisches Bindeglied“, erklärt Werner Schürz. „Das ist wichtig, da viele Arbeiten im Karosserieund Lackbereich heute nur zu bewältigen sind, wenn eine Mechanikwerkstatt ange- schlossen ist.“ Der erfahrene Geschäftsführer kennt hier die Probleme nur zu gut. „Die Zeiten, dass bei einem typischen Frontschaden nur Bleche gewechselt und lackiert werden müssen, sind längst vorbei“, sagt Werner Schürz. Fahrwerkvermessung und Diagnose „Vielmehr müssen nach einem Unfall oftmals das Fahrwerk vermessen und auch der Fehlerspeicher ausgelesen werden.“ Hier spricht Werner Schürz vor allem die vielen Sensoren im Frontbereich an. Durch unfallbedingte Kurzschlüsse kann es zu weitreichenden Folgeschäden kommen. Ohne entsprechende Fahrzeugdiagnose sind diese Fehler jedoch nicht zu erkennen. Speziell in Hinblick auf die DAT-Unfallkalkulation, in die auch bei der Schürz GmbH die Schadenskalkulationssysteme und Lösungen von Audatex und SchwackeNet eingebunden sind, braucht es eine leistungsstarke Werkstatt-Management- Software. „Als große Hilfe erwies sich die Werkstatt-Management-Software von Werbas, die schon seit 1991 in der jeweils neusten Version bei uns im Einsatz ist“, sagt Robert Klein. „So haben wir die Möglichkeit, die unterschiedlichen Bereiche, von K+L über Service beziehungsweise Reparatur in der Mechanikwerkstatt, den Status der Kundenersatzfahrzeuge bis hin zum Fahrzeughandel in einer Software abzubilden und zu verwalten.“ Das setzt den Betrieb in die Lage, den Überblick bei den einzelnen Aufträgen zu behalten und die jeweiligen Vorgänge ohne Reibungsverluste, zum Beispiel durch falsche Zuordnungen von Ersatzteilbestellungen, zügig abzuarbeiten. Auch sind die drei Geschäftsführer, neben dem Auftragsstatus, stets darüber informiert, wer von den Mitarbeitern gerade an welchem Fahrzeug arbeitet. „Das ist gerade in Hinblick auf die Lackierung der Fahrzeuge sehr wichtig“, erklärt Werner Schürz, denn zu Beginn der Woche müssen die Lackier- www.autoservicepraxis.de

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Foto: Schürz/Werbas, Schoch www.autoservicepraxis.de arbeiten erfolgen, so dass ab Mitte der Woche die Komplettierung der Fahrzeuge in der Mechanikwerkstatt durchgeführt werden kann.“ Wie wichtig es für einen K+L-Betrieb heute ist, auch die nötigen mechanischen Arbeiten inklusive Diagnose und Reparatur durchführen zu können, weiß Werner Schürz sehr genau: „In unserem unmittelbaren Umfeld gibt es noch vier reine K+L- Werkstätten. Sie müssen heute bei beinahe jedem Auftrag Fahrzeuge in andere Werkstätten bringen, um dort zum Beispiel nötige Diagnose-Arbeiten zur Fehlersuche durchführen zu lassen. Das schmälert den Gewinn für diese Werkstätten enorm.“ Jedoch wissen Werner Schürz und die Gebrüder Klein auch, wie schwierig es ist, als reiner K+L-Betrieb in Richtung Mechanikwerkstatt zu erweitern. „Das Wichtigste ist hier zunächst, sehr gute diagnosefeste Mitarbeiter zu haben. Auch setzt die Synthese beider Bereiche ein hohes Maß an Teamfähigkeit beider Werkstattbereiche voraus“, so Werner Schürz, der sehr viel Wert darauf legt, dass sich beide Werkstattteams regelmäßig über den Fortgang der Arbeiten in dem jeweils anderen Bereich informieren. Hierbei hilft einerseits die zentrale Lage des Bürotrakts als auch die Werkstatt- Management-Software. Aber auch für die Arbeitsbereiche, die in beide Werkstattbereiche hineinreichen, hat man bei der Schürz GmbH Lösungen gefunden. Mithilfe der Werkstatt-Management-Software von Werbas werden alle Aufträge, Kalkulationen, die Lagerverwaltung, offene Posten, Teilebestellungen und die gesamten Prozesse vom Angebot bis zur Rechnungsstellung in einem zentralen System verwaltet. „Dadurch behalten wir immer den Überblick bei der gesamte Kunden- und Fahrzeughistorie und können in beiden Bereichen die notwendigen Arbeiten steuern und dokumentieren. Das Wichtigste aber ist, dass keine Gefahr besteht, dass Informationen beim Übertrag zwischen zwei Systemen verloren gehen“, erklärt Robert Klein. Kennzahlen im Blick Die Verwaltung aller Kunden- und Fahrzeugdaten für beide Werkstattbereiche mittels einer Software bietet den Vorteil, dass die Daten auch für Auswertungen zur Verfügung stehen. „Dank individuell gestaltbarer Statistiken sind wir in der Lage jederzeit sofort einen Überblick über wichtige Kennzahlen in den einzelnen Bereichen unseres Betriebes zu bekommen“, erklärt Werner Schürz. Das bisher Gesagte erklärt auch, warum die drei Geschäftsführer bei der Auswahl ihrer Softwarelösungen höchsten Wert auf Flexibilität legen. „Als Geschäftsführer wollen wir unsere unternehmerischen Entscheidungen frei treffen können, ohne dass uns die EDV vorgibt, mit welchen Partnern und Plattformen wir zusammenarbeiten sollen“, so Robert Klein. Durch die Werner Schürz (rechts) wird in ein paar Jahren seinen Betrieb an Robert (links) und Stefan Klein übergeben. Einbindung von über 250 Schnittstellen und mehr als 35 Modulen in die Software können jedoch zahlreiche Informationssysteme, Teilekataloge, Bestellsysteme, Garantieabwicklungen und Markenfunktionalitäten frei eingebunden werden – vom Pkw-Bereich über K+L bis hin zum Nutzfahrzeug- und Fahrzeugbausegment. Zwanzig Mitarbeiter beschäftigt die Schürz GmbH heute. Jeweils sieben erfahrene und hochspezialisierte Kollegen sind im K+L sowie im Mechanikbereich tätig. Sie tragen jeweils zur Hälfte zum Umsatz der Schürz GmbH bei. Unterstützt werden sie von sechs Beschäftigten im Büro und in der Kundenbetreuung. Die reibungslose Zusammenarbeit wird über die Vernetzung durch die Software und durch die hohe Teamfähigkeit und Loyalität der einzelnen Mitarbeiter gewährleistet. Werner Schürz: „Das zusammen ermöglicht es uns, unsere Kunden heute weit umfassender zu bedienen, Abhängigkeiten von anderen Marktteilnehmern zu minimieren und durch sichere Umsatzzahlen entspannt in die Zukunft sehen zu können.“ Marcel Schoch ■

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WERKSTATTTECHNIK FAHRFLÄCHENBÜHNE Kombinierter Arbeitsplatz Ob Fahrwerksvermessung, Scheinwerfereinstellung oder die Justage von Fahrerassistenzsystemen – die neue Prüffläche LTB 300 von Bosch soll all dies an einem Arbeitsplatz möglich machen. Fotos: Bosch er neue Multifunktions-Arbeitsplatz LTB 300 wurde erstmals auf der Automechanika präsentiert und stellt eine Erweiterung der Prüffläche LTB 100 dar. Diese ist seit Anfang 2016 auf dem Markt, um den gestiegenen Anforderungen durch die HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie gerecht zu werden. Denn Werkstätten, welche die HU durchführen, müssen bis Anfang 2017 einen nivellierten Prüfplatz gemäß den Vorgaben nach Anlage 4 §29 StVZO HU-Scheinwerfer-Prüf- Richtlinie vorweisen. Die LTB-Prüf- KURZFASSUNG Erweiterte Einsatzbereiche: Die Prüffläche LTB 300 ist jetzt mit integrierten Drehtellern und Schiebeplatten ausgestattet und ermöglicht so eine vollwertige Fahrwerksanalyse als Voraussetzung für die Justage von Fahrerassistenzsystemen. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 flächen erfüllen diese Anforderungen und gleichen Unebenheiten und Höhenunterschiede des Werkstattbodens um bis zu 40 Millimeter über eine Arbeitsplatzlänge von bis zu sechs Metern aus. Fahrwerk vermessen Die entscheidende Neuerung der LTB 300 liegt in den integrierten Drehtellern und Schiebeplatten. Damit sind in Verbindung mit einem entsprechenden Messsystem auch Fahrwerksvermessungen möglich. „Mit den Adaptern zur Anbringung der Messköpfe lässt sich die LTB 300 mit der 3D-Achsvermessung FWA 4630 kombinieren“, erklärt Matthias Kaiser, Produktmanager Prüfstraßentechnik von Bosch. Anfang 2017 soll das Zubehör um eine weitere Adaptermöglichkeit für die berührungslose Fahrwerksvermessung FWA 9000 ergänzt werden. Somit ist die neue Prüffläche als universeller Werkstatt- arbeitsplatz für eine Reihe von Arbeiten einsetzbar: „Die LTB 300 ermöglicht gleichzeitig die Durchführung der richtlinienkonformen Scheinwerferprüfung und -einstellung, die Einhaltung der Herstellervorgaben hinsichtlich der Fahrwerksvermessung und der Justage von Fahrerassistenzsystemen“, bringt Matthias Kaiser die Anwendungsbereiche auf den Punkt. Für viele Werkstätten biete sich ein solcher universeller Arbeitsplatz an, da die vorhandene (freie) Fläche für zusätzliche Arbeitsplätze aufgrund räumlicher Begebenheiten begrenzt ist. Alte Gruben nutzen Einen Trend erkennt Matthias Kaiser zudem in der Renaissance der Arbeitsgruben. Denn in so mancher Werkstatt könne eine kaum noch wirtschaftlich genutzte Arbeitsgrube durch den Einsatz der Prüffläche LTB 300 „wiederbelebt“ werden www.autoservicepraxis.de

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und zum Geschäftserfolg beitragen. „Ist die LTB 300 auf einer bereits vorhandenen Arbeitsgrube installiert, können sogar vollwertige Fahrwerkseinstellungen auf demselben Arbeitsplatz durchgeführt werden. Hier liegt das größte wirtschaftliche Potenzial für die Werkstätten“, ist er überzeugt. Am Ball bleiben Die Justage von Fahrerassistenzsystemen wird durch deren zunehmende Verbreitung auch für den wirtschaftlichen Erfolg einer Werkstatt immer wichtiger. Wer hier am Ball bleiben will, muss sich auf die gestiegenen Anforderungen einstellen. Und genau hier liegt einer der Vorteile der LTB 300: „In Kombination mit der Fahrwerksanalyse FWA und der FWA 4630 sind die Voraussetzungen zur Durchführung der Justage von Fahrerassistenzsystemen nach Herstellervorgaben gegeben“, so Matthias Kaiser. Mit dem Justage-Werkzeug DAS 1000 beispielsweise lassen sich die Radarsensoren und Frontkameras nach Herstellervorgaben der Volkswagen-Gruppe einstellen. Mit dem Messbalken SCT 1410, als Aufrüstung zur DAS 1000 sind weitere Hersteller wie Hyundai, Honda, Kia, Mazda, Nissan oder Mercedes-Benz abgedeckt. Das Portfolio für den professionellen FAS-Service wird dabei laut Bosch laufend für weitere Systeme erweitert. Die LTB 300 ist auch mit der berührungslosen Fahrwerksvermessung FWA 9000 kombinierbar. Im Gegensatz zur LTB 100 verfügt die LTB 300 jetzt auch über Drehteller und Schiebeplatten. www.autoservicepraxis.de Wie die Resonanz auf der Automechanika gezeigt hat, kommt die LTB 300 bislang gut an: „Gerade Werkstätten mit vorhandenen Arbeitsgruben haben ihre Bestellungen schon vormerken lassen. Für diese gibt es kaum eine bessere Alternative. Zugleich melden sich Werkstätten bei uns, die eine Dialogannahme mit Schnellvermessungsplatz einrichten wollen, aber keinen Platz für eine üppige 4-Säulen-Hebebühne haben. Diese nutzen die LTB zukünftig als ‚schlanke‘ Alternative“, erklärt Matthias Kaiser. In der Dialogannahme kann die LTB 300 zudem mit der neuen Reifenprofilmessung TTM kombiniert werden, die sich durch das farbcodierte Messverfahren auszeichnet. Aktuelle Anforderungen Dabei sind es vor allem zwei Themen, welche das Interesse an der LTB 300 befeuern: die HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie sowie die wachsende Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen. Rund 60 Prozent der Anfragen auf der Automechanika bezogen sich auf die HU-Scheinwerfer- Prüfrichtlinie und rund 40 Prozent auf die Möglichkeit der FAS-Justage, weiß Matthias Kaiser zu berichten. Je nach Ausstattung ist die Prüffläche LTB 300 für rund 7.500 Euro netto bei Bosch sowie technisch baugleich auch bei Beissbarth erhältlich. Valeska Gehrke ■ ROBUSTE VIELFALT www.carolus.de

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WERKSTATTTECHNIK FAHRWERKSVERMESSUNG Batteriebetrieben und webbasiert Snap-on Equipment präsentierte auf der Automechanika ein neues Achsmessgerät. Das John Bean V1200 richtet sich besonders an Werkstätten, die über wenig Platz verfügen. Denn die kompakte Form sorgt für eine gute Raumnutzung. Auch für Werkstätten, die großen Wert auf Flexibilität legen und beispielsweise die Hebebühne zwischendurch als Reparaturbühne nutzen, sei das neue Achsmessgerät besonders geeignet, hieß es auf der Pressevorstellung am Messestand von Snap-on Equipment. Denn in dem Kabinett mit leicht laufenden Rollen lassen sich alle Zubehörteile bequem verstauen (siehe Bild AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Foto: Texa oben rechts). Zudem erfolgt die gesamte Kommunikation kabellos. Die Software befindet sich dabei in den Messköpfen am Fahrzeug und überträgt die Werte und Daten über Wifi an eine browserbasierte Anzeige – ob auf dem Tablet oder auf dem Desktop. Auch Updates, die Aktivierung der Anlage und Fernwartung seien so möglich. Eine Achsvermessung dauere inklusive Anbringung der Spanner und Pods nur rund drei Minuten, erklärte Bernhard Hoffmann, Leiter Produkt management und OEM bei Snapon Equipment, in Frankfurt. Dabei sollen die beiden mit je zwei Kameras ausgestatteten Hinterrad-Pods ein Target an den Vorderrädern sowie ein an der Vorder seite des Fahrzeugs montiertes Referenz-Target erfassen und so eine komplette 3D-Vermessungsansicht erzeugen. Die Referenztargets könnten in einer Grube oder an alle üblichen Achsmess-Hebebühnen montiert werden, so der Hersteller. Das Akkusystem biete zudem die Möglichkeit, die Akkus während des Messvorgangs zu tauschen, um Stillstandzeiten zu vermeiden. vg ■ Snap-on Equipment GmbH www.johnbean-deutschland.com DIAGNOSE Wasserfestes Diagnosegerät Das neue Diagnosegerät Axone Nemo von Texa kann, wie sein Namensgeber auch, schwimmen. Zudem ist es dank des Gehäuses aus Magnesium leicht und dennoch besonders stabil. Selbst Stürze aus 1,2 Meter Höhe soll es problemlos überstehen. Der 12-Zoll-Touchscreen weist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixel auf. Das verwendete Gorilla-Glas soll dabei eine sehr gute Ablesbarkeit auch unter direkter Sonneneinstrahlung gewährleisten. Das Innere des Axone Nemo überzeugt mit einem Intel Quad Core N3160 Prozessor, einer 8GB RAM und ein 256GB HD Festplatte. Die Geschwindigkeit der Software IDC5 soll dabei nochmals schneller sein als die Vorgänger-Generation, so der Hersteller. vg ■ Texa Deutschland www.texadeutschland.com www.autoservicepraxis.de Fotos: Snap-on Equipment

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Foto: KS Tools WERKZEUG Praktische Unterstützung Der neue Universal-Achshebel von KS Tools soll Werkstätten bei Arbeiten an der Antriebswelle oder am Radlager unterstützen. Denn bei diesen Arbeiten müsse der Querlenker – häufig mit der Hilfe von Kollegen – mit viel Kraft heruntergedrückt werden. Der neue Achshebel soll hier wertvolle Unterstützung leisten – ganze ohne fremde Hilfe. Denn mit weit weniger Kraftaufwand kann der Anwender den Querlenker und andere Achsteile mit dem neuen Achshebel sicher niederdrücken, heißt es vom Hersteller. Der Universal-Achshebel ist dabei mit einer flexiblen Kette ausgestattet, um die unterschiedlichsten Bauformen bequem herunterdrücken zu können. Zudem verfügt das neue Werkzeug über eine Stützfläche mit rutschfester Auflage. Besonders bei festsitzenden Teilen soll der aus Spezialstahl gefertigte Hebel die Arbeit erleichtern und vor allem auch sicherer machen. vg ■ KS Tools www.kstools.com WIR SIND DA, WO PARTNER- SCHAFT GELEBT WIRD Vor allem aber sind wir ganz nah bei Ihnen: Durch den persönlichen Kontakt mit unseren Verkäufern im Außendienst und in über 420 Niederlassungen. Durch ständige Präsenz und Erreichbarkeit per Internet, App und Telefon. Und durch viele Services, die Ihnen die tägliche Arbeit erleichtern. Entdecken Sie 100 % Qualität und 100 % Service -- überall und zu jeder Zeit. Adolf Würth GmbH & Co. KG · 74650 Künzelsau T 07940 15-0 · www.wuerth.de · info@wuerth.com

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TÜV SÜD-AKTUELL Fragen an ... Philip Puls, Leiter Technische Prüfstelle für den Kfz-Verkehr Bayern Die Quote der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln geht zurück. Woran liegt das? Die Vorreparaturen und Inspektionen der Kfz-Werkstätten tragen wesentlich mit zu diesem Erfolg bei. Der Anteil der mobil durchgeführten Hauptuntersuchungen steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an. Grund dafür ist unter anderem der Trend zu immer mehr Leasingfahrzeugen und Flottenzulassungen. Diese Fahrzeuge müssen vertraglich in der Fachwerkstatt gewartet werden. Steht die HU an, wird sie dort gleich miterledigt. Die regelmäßige Wartung schlägt sich daher positiv nieder. Dennoch bleibt ein Fünftel der Fahrzeuge – obwohl es sich um eine angekündigte Prüfung handelt und die Autos quasi „neu“ sind – mängelbehaftet und eine Prüfplakette kann nicht erteilt werden. Mängel an der Beleuchtung sind besonders häufig. Welche sind das? Am häufigsten werden ausgefallene oder teilausgefallene Beleuchtungen am Fahrzeugheck beanstandet. Auch falsch eingestellte Scheinwerfer sind oft zu bemängeln. Wie gravierend sind Mängel der Elektronik? Fehler an der Fahrzeugelektronik tauchen in der HU-Statistik nicht so häufig auf. Wenn hier etwas nicht in Ordnung ist, erhält der Fahrer im Display zumeist sehr aufdringlich den Hinweis, dringend die Werkstatt aufzusuchen. Airbagdefekte, Fehler am elektronischen Fahrwerk oder Fehler bei den Fahrhilfen sind die häufigsten Defekte im Bereich Elektronik. Bayern schneidet besonders gut ab – wie ist das zu erklären? Die Fahrzeughalter sind relativ zu anderen Bundesländern besonders häufig gut situiert. Zudem ist der Fahrzeugbestand besonders jung. Nicht zu vergessen: Der eher ländliche Verkehrsraum ist gekoppelt mit weniger Verschleiß an Fahrwerk, Lenkung und Bremse. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Foto: TÜV SÜD TÜV-REPORT 2017 Erfolg für deutsche Hersteller Die in Deutschland zugelassenen Autos wiesen in diesem Jahr noch weniger erhebliche Mängel auf als im Vorjahr. Das spiegelt sich in den Mängelquoten beim TÜV Report 2017, der am 2. November in Berlin vorgestellt wurde. Die Quote der erheblichen Mängel sank um 2,9 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent. Die Zahl der geringen Mängel bleibt mit 13,5 Prozent (13,6 Prozent in 2016) beinahe gleich. Gleichzeitig verlassen immer mehr Fahrzeuge die Prüfgassen ganz ohne Mängel: 66,7 Prozent im Vergleich zu 63,7 Prozent. „Das stetig wachsende Plus bei der Sicherheit unterstreicht den hohen Stellenwert der Hauptuntersuchung (HU) für die Verkehrssicherheit insgesamt“, kommentierte Patrick Fruth, Sprecher der Geschäftsführung der TÜV SÜD Auto Service GmbH, die Ergebnisse. „Die Vorreparaturen und Inspektionen der Kfz- Werkstätten tragen wesentlich mit zu diesem Erfolg bei“, erklärte Fruth. Die regelmäßige Wartung schlägt sich positiv in der Mängelstatistik nieder. Die Ergebnisse im TÜV Report 2017 beruhen auf der Auswertung der Hauptuntersuchungsergebnisse von beinahe neun Millionen Fahrzeugen im zweiten Halbjahr 2015 und ersten Halbjahr 2016. TÜV SÜD trägt rund fünf Millionen Datensätze bei. Die Beleuchtung führt weiterhin die Mängellisten an. Die Quote ist jedoch leicht gesunken, bei der Beleuchtung vorn um 2,9 Prozentpunkte auf 27,9 Prozent. Die größte Erleuchtung gibt es hier bei den fünf bis sechs Jahre alten Fahrzeugen – um einen knappen Prozentpunkt auf 3,4 Prozent. Auch bei den Neufahrzeugen sinkt die Quote auf jetzt 1,6 Prozent (1,8 Prozent in 2016). Hier zeigt sich vor allem die rasante Entwicklung der Scheinwerfertechnologie. LED, Xenon und in der Oberklasse Laser haben eine wesentlich längere Lebensdauer und sind weniger anfällig für Spannungsschwankungen. Die goldene Plakette geht in diesem Jahr an den Mercedes GLK und den Porsche 911 – beide mit 2,1 Prozent Quote der erheblichen Mängel. Vorjahressieger Mercedes B-Klasse landet auf Platz zwei. Mit der A-Klasse kommt auch der Drittplatzierte aus dem Südwesten. TÜV SÜD wertet die Daten aus den Marktgebieten Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Hamburg detailliert aus. Sachsen hat mit 16 Prozent die niedrigste Mängelquote, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg mit 18,9 beziehungsweise 20,7 Prozent. In Hamburg mussten 22,9 Prozent aller Fahrzeuge wegen erheblicher Mängel die Werkstattrunde drehen. Foto: TÜV SÜD Die regelmäßigen Inspektionen in der Werkstatt tragen zu der weiter verbesserten Mängelquote bei. www.autoservicepraxis.de

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TÜV SÜD CONSULTING Digitalisierung als Chance TÜV SÜD Consulting kann helfen, das Digitalzeitalter im Autohaus erfolgreich einzuläuten. Foto: Fotolia/ Denys Rudyi Während für Kunden die Digitalisierung in der Regel mehr Komfort, Sicherheit und Service bringt, herrscht bei vielen Kfz- Betrieben Unsicherheit. TÜV SÜD Consulting kann helfen, das Digitalzeitalter in Autohäusern und Werkstätten erfolgreich einzuläuten. Die digitale Transformation von Prozessen und Geschäftsfeldern bietet viele Chancen, aber auch einige Risiken. Es ist nicht immer gleich zielführend, alle Prozesse zu digitalisieren. Für seine Kunden hat TÜV SÜD hierzu ein kleines Lexikon mit Themen rund um die Digitalisierung im Autohausbetrieb angelegt. Unter www. tuev-sued.de/digitales-autohaus-lexikon finden sich unter anderem hilfreiche Infos zu den Aufgaben eines Onlineverantwortlichen oder zur digitalen Strategieentwicklung für das Autohaus. Egal, ob das Autohaus regional, überregional oder national aufgestellt ist: Die Stärken und Schwächen sowie die Strategie der Wettbewerber zu kennen ist essenziell. Hierfür hat TÜV SÜD eine digitale Wettbewerbsanalyse entwickelt, um beispielsweise herauszufinden, mit welchen Keywords sich der Wettbewerber auf Google besser platziert. Damit bietet sich dem eigenen Unternehmen die Chance, die Stärken und Schwächen der Wettbewerber für die eigene Strategie zu nutzen. Mehr zur Wettbewerbsanalyse ist zu finden unter der Adresse: www.tuev-sued.de/digitaleautohaus-analyse. „Digitalisierung im Unternehmen benötigt Zeit. Das Anpassen und Optimieren der Prozesse, das Erschließen neuer Geschäftsfelder sowie die Entwicklung einer digitalen Strategie gelingt nicht von heute auf morgen. Es kommt nicht darauf an, alles zu digitalisieren, sondern das, was man digitalisiert, mit Herz und Benzin im Blut zu leben“, sagt Tobias Eppler, Digital Consultant, TÜV SÜD. TÜV SÜD AKADEMIE Programm jetzt online Die TÜV SÜD Akademie ist der kompetente Weiterbildungsträger für die Bereiche Technik, Management und Gesundheit. Die Seminare der TÜV SÜD Akademie für 2017 sind jetzt online verfügbar. Zu den Themenbereichen Management, Anlagentechnik und Produktion, Umwelttechnik, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Gesundheitswesen und Medizintechnik, Verkehr und Logistik, Bau und Gebäude sowie Elektrotechnik und E-Mobilität können detaillierte Broschüren mit den Seminarangeboten und -terminen für kommendes Jahr heruntergeladen werden oder als E-Paper gleich online durchforstet werden. Mehr Info unter: www.tuev-sued.de/akademie Lichttest 2016 Den Lichttest bietet TÜV SÜD in Kooperation mit dem ZDK Die Autolichttechnik hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Neben Xenonlicht ist in Scheinwerfern immer mehr LED-Technik verbaut – in der Luxusklasse sorgen Laserstrahlen für Furore. Trotz neuer wartungsarmer Technologien: Mängel an der Beleuchtung führen weiter die Quoten an. Im Oktober konnten Autofahrer bundesweit bei den Lichttestwochen mitmachen und den kostenlosen Lichtcheck bei TÜV SÜD machen lassen. Die Lichttestwochen vom 1. bis 31. Oktober veranstaltete die TÜV SÜD Auto Service GmbH in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). „Nur mit einem guten optischen Gerät lässt sich der Scheinwerfer exakt einstellen. Schon eine neue Lampe kann die Strahlenführung verändern“, sagt Philipp Schreiber von TÜV SÜD. Ist das Licht nach dem Check in Ordnung, gibt es die Lichttestplakette. Neben den Scheinwerfern sind auch alle anderen Fahrzeugleuchten im Prüfprogramm. TÜV SÜD empfiehlt das Fahren mit Licht während der kalten Jahreszeit auch am Tag, weil es die Erkennbarkeit erhöht und damit die Unfallzahlen senkt. Autos ohne Tagfahrlicht können einfach mit Abblendlicht fahren. TÜV SÜD-Kontakt TÜV SÜD Auto Service Philip Puls Tel. 0 89/57 91-23 20, Fax -23 81 philip.puls@tuev-sued.de TÜV SÜD Auto Partner Thomas Gensicke Tel. 0 7 11/72 20-84 73, Fax -84 88 thomas.gensicke@tuev-sued.de Zentraler Vertrieb Tel. 07 11/7 82 41-246 vertrieb-as@tuev-sued.de www.autoservicepraxis.de AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 51

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BETRIEBSPRAXIS EHEVERTRAG So bleibt der Betrieb geschützt Wenn nach einer Trennung der Ehepartner ein Zugewinnausgleich durchgeführt werden muss, kann das die Existenz eines Betriebs gefährden. Eine sinnvolle vertragliche Regelung kann das verhindern. ie Hochzeit gilt für viele als einer der schönsten Tage des Lebens, soll man diesen mit dem streitanfälligen Thema Ehevertrag belasten? Eins vorneweg, ein Ehevertrag muss nicht vor der Hochzeit geschlossen werden, das kann theoretisch auch bis kurz vor der Scheidung passieren. Ehevertrag, ja oder nein? Dieses Thema kann eine heikle Angelegenheit sein und muss von jedem individuell entschieden werden. Nichtsdestotrotz hat ein Ehevertrag gewisse Vorzüge. Im folgenden erläutern wir die Gründe. Nach dem Gesetz gilt grundsätzlich der Güterstand KURZFASSUNG Vieles spricht dafür, dass Eheleute eine modifizierte Zugewinngemeinschaft vertraglich vereinbaren. Diese Regelung vermeidet die Nachteile einer strikten Gütertrennung, schützt jedoch vorhandenes Betriebsvermögen. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Das spricht für den Vertrag In den folgenden Konstellationen sollte auf jeden Fall über einen Ehevertrag nachder Zugewinngemeinschaft. Wird dieser entweder durch Tod oder durch Scheidung beendet, so kann ein Zugewinnausgleich verlangt werden. Ohne Vertrag gilt Zugewinnausgleich Beim Zugewinnausgleich wird für jeden Ehegatten getrennt das Vermögen zu Beginn und zu Ende der Ehe ermittelt. Danach ist die Hälfte der Differenz zwischen beiden Zugewinnen auszugleichen. Hat zum Beispiel Ehepartner 1 einen Zuwachs seines Vermögens von 180.000,00 Euro während der Ehe erreicht und Ehepartner 2 einen Zuwachs von 18.000,00 Euro, so muss Ehepartner 1 die Hälfte des Zugewinnüberschusses, also 81.000,00 Euro an Ehepartner 2 ausgleichen. Für viele Ehen führt die Zugewinngemeinschaft bei einer Trennung zu einem fairen und gerechten Ergebnis. Das Vermögen, das man während der Ehe zusammen erwirtschaftet hat, wird hälftig geteilt. Mit zwei weit verbreiteten Vorurteilen soll an dieser Stelle Foto: Fotolia/mars aufgeräumt werden. Bringt ein Ehepartner Schulden mit in die Ehe, muss allein deshalb kein Ehevertrag abgeschlossen werden, da der andere Ehepartner nicht durch die Heirat für die Schulden mithaftet. Erbschaft gehört allein dem Erben Zudem hält sich auch die Meinung, dass, wenn eine größere Erbschaft/Schenkung eines Partners ansteht, immer ein Ehevertrag nötig sei. Hier ist zu berücksichtigen, dass das Erbe allein dem erbenden Ehepartner zusteht. Hingegen ist aber der Zugewinn des Erbes/Schenkung ausgleichspflichtig. Erbt ein Ehepartner zum Beispiel eine Immobilie, wird diese seinem Anfangsvermögen zugeschrieben. Die Wertsteigerung der Immobilie ist dann aber ausgleichspflichtig. Somit kann im Einzelfall ein Ehevertrag sinnvoll sein. www.autoservicepraxis.de

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gedacht werden. Haben die Eheleute unterschiedliche Nationalitäten, sollte in einem Ehevertrag festgelegt werden, welches Recht im Falle der Trennung gilt. Unterscheiden sich die Vermögensverhältnisse oder das Alter der Ehepartner erheblich ist ebenfalls ein Ehevertrag ratsam. Und natürlich, wenn ein Ehepartner ein Unternehmen hat, da dieses meistens den größten Wert darstellt und den größten Wertzuwachs im Laufe einer Ehe hat. Gütertrennung hat einige Nachteile Muss nun im Falle einer Trennung oder eines Erbfalls ein Zugewinnausgleich durchgeführt werden, kann das dazu führen, dass das Unternehmen veräußert oder ein Darlehen aufgenommen werden muss, um den Zugewinnausgleichsanspruch zu bedienen. Somit kann das gesamte Unternehmen als auch die geplante Unternehmensnachfolge auf dem Spiel stehen. Daher gibt das Gesetz Ehepartnern auch die Möglichkeit, den Güterstand der Gütertrennung zu vereinbaren. Bei diesem bleiben die verschiedenen Vermögensmassen der Ehepartner strikt getrennt. Das bedeutet, jeder Ehepartner wirtschaftet eigenständig und es kommt zu keinem Zugewinnausgleich. Das Modell der Gütertrennung ist jedoch eher mit Vorsicht zu genießen, da es vor allem erhebliche erbschaftsteuerliche Nachteile hat. Während bei der Zugewinngemeinschaft der Zugewinnausgleich von der Besteuerung ausgenommen wird, gibt es bei der Gütertrennung dieses Privileg nicht. KOMMENTAR Mag der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft für viele Ehen ausreichend sein, so ist es gerade für Unternehmer ratsam einen Ehevertrag abzuschließen. Vorzugswürdig ist dabei die modifizierte Zugewinngemeinschaft, da man bei dieser einerseits die steuerlichen Privilegien beibehalten kann und andererseits das Unternehmen vor unternehmensgefährdenden Zugewinnausgleichsansprüchen schützen kann. Gerade bei längeren Unternehmerehen, die derzeit im Güterstand der Gütertrennung leben, sollte geprüft werden, ob es nicht sinnvoll wäre, den Güterstand hin zu einer modifizierten Zugewinngemeinschaft zu wechseln. www.autoservicepraxis.de DAS PRINZIP ZUGEWINNAUSGLEICH Ehepartner 1 Ehepartner 2 Modifizierte Zugewinngemeinschaft Zu bevorzugen ist daher die sogenannte modifizierte Zugewinngemeinschaft. Bei dieser kann zum Beispiel in einem notariellen Ehevertrag geregelt werden, dass im Falle einer Scheidung kein Zugewinnausgleich stattfindet, sondern nur bei Beendigung der Ehe durch Tod eines Ehepartners. Weiterhin können auch bestimmte Vermögensgegenstände, wie Immobilien oder das Unternehmen oder Unternehmensbeteiligungen aus dem Zugewinnausgleich herausgenommen werden. Es kann vereinbart werden, dass die Ausgleichsforderung der Höhe nach begrenzt ist, oder es werden Vereinbarungen getroffen, wie das Unternehmen bewertet wird. Zudem kann auch die Wertsteigerung von Erbschaften und Barbara Lux-Krönig Wirtschaftsprüferin Steuerberaterin Foto: RAW Anfangsvermögen Endvermögen Zugewinn Überschuss Zugewinn Zugewinnausgleich 20.000 € 200.000 € 180.000 € 162.000 € 2.000 € 20.000 € 18.000 € 81.000 € DBV EASY Quelle: RAW Schenkungen aus dem Zugewinn ausgeschlossen werden. Mit der modifizierten Zugewinngemeinschaft können einerseits die günstigen Regelungen des Erbschaftsteuerrechts beibehalten werden, andererseits kann die Gefahr, dass zur Begleichung des Zugewinnausgleichs zum Beispiel das Unternehmen verkauft werden muss, gebannt werden. Daher stellt die modifizierte Zugewinngemeinschaft gleich mit welchen Regelungsinhalten den vorzugswürdigsten Güterstand für eine Unternehmerehe dar. Maximilian Appelt Rechtsanwalt, Steuerberater ■ Qualitäts-Komplettrad mit Stahlfelge zum sensationellen Preis! in 3 Größen (14, 15, 16 Zoll) erhältlich, optional mit Radzierblenden und RDKS. DBV-GARANTIE: DBV Würzburg GmbH ab49,80€ * * netto zzgl. MwSt. Paradiesstraße 14b · D-97080 Würzburg Tel: +49 931 97004-0 · Fax: +49 931 97004-90 kontakt@dbv.eu · www.dbv.eu bis 12 Uhr bestellt - Versand noch am selben Tag! Super Preis- Leistungsverhältnis! Reifen aus Produktion 2016 WINTER- AKTION! direkt bestellen!

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BETRIEBSPRAXIS RÄDERINSPEKTION Verschenkte Umsatzchancen Auf der Suche nach neuen Ertragsfeldern sollten Autohäuser einen Blick auf den saisonalen Räderwechsel werfen. Hier schlummert ungenutztes Potenzial, wie eine aktuelle IFA-Studie zeigt. Während der Räderwechsel-Saison geht es hoch her in den Werkstätten. Manche Umsatzmöglichkeit wird daher aus Zeitmangel verschenkt. ass ausgerechnet das Radwechselgeschäft und die Einlagerung von Reifen in Kfz-Betrieben dazu beitragen können, die Erlössituation zu verbessern, mag verwundern. Am Reifen ist nichts verdient, heißt die oft gehörte Klage und manchem Autohändler gerät die Einlagerung unterm Strich sogar zum Minusgeschäft. Es kommt eben darauf an, wie man es anstellt. Die Reifeneinlagerung KURZFASSUNG Werkstätten könnten die beiden jährlichen Radwechselphasen deutlich besser zur Realisierung zusätzlicher Wertschöpfungsund Ertragspotenziale nutzen. Das Outsourcing der Radeinlagerung an einen externen Dienstleister, der die Räder systematisch auf Schäden hin untersucht, kann hierbei nachweislich unterstützen. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 kann ein wirksamer Hebel sein, um Folgegeschäfte zu generieren, das zeigt die aktuelle Studie „Servicepotenziale der Räderinspektion im Autohaus“, die das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) im Auftrag von 4Wheels Services erstellt hat. Die IFA-Untersuchung greift unter anderem auf das umfangreiche Datenmaterial des Reifendienstleisters 4Wheels zurück. Aus dem Projekt „Räderinspektion mittels 3D-Lasertechnik“ wurden die Daten aus der Überprüfung von rund 540.000 Rädern, also 134.673 Rad sätzen, sowie 269.316 Achsen aus dem Frühjahrs- und Wintergeschäft 2015 von 4Wheels herangezogen. Zum Hintergrund: Im Rahmen der Dienstleistung Reifeneinlagerung bietet 4Wheels neben Reinigung und Wuchten der Räder auch eine Räderinspektion mittels Laser-Technologie an. Jedes Rad wird Foto: Fotolia/indurtrieblick dabei auf Schäden untersucht. Als Ergebnis liefert 4Wheels ein Prüfprotokoll mit allen Messergebnissen. Aus den analysierten Datensätzen ergeben sich bei 38 Prozent aller Aufträge mit der Position „Räderinspektion“ Anhaltspunkte für Schäden am Fahrzeug. Diese dokumentierten Mängel bieten der Werkstatt einen willkommenen Anlass, den Kunden darauf anzusprechen und Folgeaufträge zu generieren. Die verlässliche Hightech- Untersuchung des Dienstleisters ist hier auf jeden Fall ein starkes Argument für die Werkstatt. Erhebliches Umsatzpotenzial Im Rahmen der Untersuchungen haben die Autoren basierend auf diesen Messergebnissen das Umsatz- und Ertragspotenzial errechnet, das sich für Werkstätten aus der Räderinspektion ergibt. Allein der Blick auf die marktüblichen Preise für Folgearbeiten an den Rädern lässt erahnen, welche Möglichkeiten sich für die Werkstatt ergeben. Um die unterschiedlichen Preise verschiedener Marktsegmente abzubilden, sind die Zahlen in drei Szenarien unterteilt: ■ Defensiv-Szenario (Low-Budget-Anbieter) ■ Trend-Szenario (Volumen-Bereich) ■ Offensiv-Szenario (Premium-Serviceanbieter) Die Umsatzangaben wurden jeweils nach Winter- und Sommerreifen differenziert, da die Werte nicht identisch sind. Umgerechnet auf ein ganzes Jahr und unter Berücksichtigung der real gemessenen Schadenquoten ergeben sich pro Fahrzeug Umsätze zwischen 238 und 360 Euro je Pkw im Jahr (inkl. MwSt.). Bereits die Umsatzgrößen der sicherheitsrelevanten Positionen liefern Potenziale zwischen 91 Euro und 149 Euro je Pkw. Der Einsatz eines externen Dienstleisters für die professionelle Radeinlagerung hat noch zwei weitere positive Effekte für das Autohaus: Zum einen ist www.autoservicepraxis.de

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DIE STUDIE ENTLASTUNG DER KOSTENSITUATION IM AUTOMOBILSERVICE Die Studie „Servicepotenziale der Räderin spektion im Autohaus“, die vom Institut für Automobilwirtschaft (IFA) im Auftrag von 4Wheels Services erstellt wurde, wirft einen genauen Blick auf mögliche Umsatz- und Ertragspotenziale im Zusammenhang mit dem Räderwechsel. Auf Basis umfangreicher Daten und Ergebnisse vorangegangener IFA-Studien zeigt die Untersuchung, was die Einbindung eines spezialisierten Dienstleisters für die Reifeneinlage rung dem Autohaus bringt. Erhältlich im Springer Automotive Shop (www.springer-automotive-shop.de) Best. Nr.: 225016; Preis: 31,03 Euro (inkl. MwSt.) 129,57 € 64,67 € 4,10 € 21,59 € 39,21 € Selbsteinlagerung -28 % 100 % 93,27 € 64,67 € 21,59 € 39,21 € Fremdeinlagerung Durchschnittlich anfallende Kosten im Werkstattbereich ■ indirekte Bereichskosten ■ sonstige Kosten ■ Einlagerung ■ Radwechselprozess 72 % Quelle: IFA eine deutliche zeitliche Entlastung der eigenen Mitarbeiter in den Hochzeiten der Reifenwechsel festzustellen. Zum anderen ergibt sich eine optimierte Kostenstruktur im Vergleich zur „Selbsteinlagerung“ (siehe Grafik). Eine Bewertung der relevanten Kostenpositionen ergibt laut Studie eine Kostenentlastung von bis zu 28 Prozent. Differenziert nach Unternehmensgröße ergibt sich für einen Kleinbetrieb mit fünf Radsätzen eine Kostenersparnis von 182 Euro pro Tag bei Fremdeinlagerung im Vergleich zur Selbsteinlagerung. Für einen Großbetrieb mit 25 Radsätzen liegt die Einsparung täglich bei bis zu 900 Euro. Entlastung der Mitarbeiter Das Outsourcing bietet das Potenzial, die Serviceorganisation um bis zu 49 Minuten je Radwechsel und Einlagerungsauftrag zu entlasten – Zeit, die die Servicemitarbeiter für erlös- und ertragssteigernde Aufträge besser nutzen können. Die Zeitersparnis ist in den saisonalen Spitzenzeiten besonders wertvoll, denn oft passiert es den Werkstätten, dass der Kunde zwar gerne ein Mehr an Service hätte, dafür aber ge- rade keine Kapazität vorhanden ist. „Die beiden jährlichen Radwechselphasen werden bislang nur unzureichend zur Realisierung zusätzlicher Wertschöpfungs- und Ertragspotenziale genutzt“, heißt es dazu in der Studie. Anders ausgedrückt: Aus Zeitmangel vergeben die Werkstätten jede Menge Chancen. 83 Prozent der Autohauskunden würden beim Radwechsel mindestens einen Serviceauftrag erteilen. Realisiert werden aber gerade mal 6,2 Prozent mehr Serviceaufträge während der Radwechselphasen. Dietmar Winkler ■

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BETRIEBSPRAXIS SERVICEPROZESSE Kostenfaktor Zeit Es gibt viele Stellhebel, um die Prozesse in der Werkstatt zu optimieren. Ein genauer Blick darauf lohnt sich, denn unterm Strich ergibt sich ein höherer Durchsatz im Service und weniger Stress für Monteure. Fachwissen allein reicht nicht – ein guter Werkstattleiter muss vor allem die Prozesse im Griff haben und nachjustieren, wenn es im Service hakt. Oft reichen kleine Veränderungen. ines der aktuellen Werkstattthemen betrifft die Durchgangszeiten, nämlich die Zeitvorgaben im Vergleich mit dem tatsächlich von den Monteuren zu leistenden Aufwand. Die Vor gabezeiten der Hersteller werden als zu knapp bemessen beurteilt. Als Konsequenz wird teilweise der Stundenverrechnungssatz erhöht, eine zweifelhafte Methode des Ausgleichs, denn in Summe führt dies letztlich zu Kundenverlusten. Hat man stattdessen aber schon KURZFASSUNG Die Vorbereitung eines Servicetermins ist die halbe Miete. Wenn beispielsweise der Ersatzteile-Einkauf einen guten Job macht, entlastet das den Monteur an der Hebebühne. Aufs ganze Jahr gerechnet wird jede verlorene Minute in den Prozessen zum Kostenfaktor. Das gilt auch für viele andere Vorgänge in einer Kfz-Werkstatt. AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 Dienstleister Ersatzteile-Abteilung In vielen Werkstätten arbeiten Ersatzteile- Abteilungen (ET) bereits vorbildlich, aber manchmal besteht Nachholbedarf. Insbesondere bei der Teilevorbereitung ist noch „Luft“ nach oben. Zuerst müssen die Prozesse definiert werden: Mit der Auftragserteilung durch den Kunden wird sofort das ET-Lager verständigt, jetzt stehen bereits 80 bis 90 Prozent der für den Auftrag benötigten Teile fest. Zeit genug für die Beschaffung der restlichen Teile, bis zu dem Tag, an dem das Fahrzeug in die Werkstatt kommt. Im Teiledienst werden die für den Auftrag notwendigen Positionen bereitgestellt und am Tag der Reparamal über die vielen Möglichkeiten der Rationalisierung nachgedacht? Was kann man schneller, einfacher – also effektiver und effizienter – erledigen? Unter den vielen Stellhebeln im Betrieb sollen sechs kritische Aspekte genauer betrachtet werden (siehe Checkliste). Wenn man nur diese sechs Punkte betrachtet und die damit verbundenen Einsparchancen je Monteur und Tag rechnet, so summieren sich die Minuten und Stunden übers Jahr zu einer erheblichen Summe. In einer Werkstatt mit beispielsweise fünf Monteuren führt dies zu einem deutlichen sechsstelligen Betrag, gerechnet zu Verkaufspreisen. Ganz am Anfang steht der klare, vollständige Auftrag für den Monteur. Das setzt natürlich eine gut organisierte und funktionierende Dialogannahme mit einem Fahrzeug-Check voraus, bei dem man gemeinsam mit dem Kunden den Auftrag komplet- Foto: Fotolia/Uwe Annas tiert und bespricht. Klare Auftragspositionen versetzen den Monteur in die Lage, weitgehend ohne weitere Rückfragen am Fahrzeug zu arbeiten. Auftragspositionen wie zum Beispiel „Bremsen prüfen“ führen automatisch zu Unklarheiten und zu Rückfragen. Der Klassiker: Das Auto steht mit demontierten Rädern auf der Hebebühne, die Bremsen müssen erneuert werden, der Serviceberater kann den Kunden telefonisch nicht erreichen! Was nun? Es gilt, die Aufträge so weit wie nur möglich so zu beschreiben, dass Missverständnisse ausgeschlossen werden. Eine weitere Methode der Rationalisierung von Anfang an ist die Einbeziehung der Serviceberater in den Produktivprozess. Man versteht darunter bei Inspektionsaufträgen die Verknüpfung von Wartungsplan und Dialogannahme-Checkliste. Damit ist konkret gemeint, dass die Checkpunkte, die der Serviceberater während der Dialogannahme abgearbeitet hat, vom Monteur in der Werkstatt dann nicht mehr berücksichtigt werden – so vermeidet man doppelte Arbeiten. Insbesondere bei der „Digitalisierung“ der Werkstattprozesse führen die einzelnen Arbeitsschritte automatisch an dieses Thema heran, der Serviceberater wird so zur Produktivkraft. Auch das ist wichtig: Werden Kleinarbeiten aus der Werkstatt möglichst herausgehalten? Früher wurde einmal der „Expressdienst“ gepflegt – alle Aufträge zum Beispiel unter sechs AW wurden in einem separatem Raum, teilweise von Lehrlingen, erledigt. Damit wurden aufwändige Auftragseröffnungen im normalen Werkstattbetrieb vermieden. Beispiel Rädermontage: Müssen die Räder unbedingt in der Werkstatt von hochqualifiziertem Personal montiert werden? www.autoservicepraxis.de

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CHECKLISTE Das sind die wichtigsten Stellhebel, um in der Werkstatt rationeller zu arbeiten. Zuerst muss man sich einige Fragen stellen: ■ Bekommt die Werkstatt vom Service klare Aufträge, die Rückfragen weitgehend vermeiden? ■ Werden bestimmte Arbeiten, z. B. Kleinaufträge, aus dem normalen Werkstattbetrieb herausgehalten, werden diese mit der Methode der Auftragssteuerung möglichst außerhalb der Werkstatt abgearbeitet? ■ Gibt es klare Regelungen, die es den Monteuren erlauben, Kundenfahrzeuge auf dem Werkstattparkplatz schnell zu finden? ■ Sind die notwendigen Ersatzteile für den Werkstattauftrag so vorbereitet, dass der Monteur sofort, ohne Gang zum ET- Schalter, mit der Arbeit beginnen kann? Versteht sich die ET-Abteilung als Dienstleister der Werkstatt und unterstützt diese nach Kräften, z. B. durch Lieferung der notwendigen Teile – zur Verhinderung von Wartezeiten – an die Hebebühne des Monteurs? ■ Ist die Werkstatt so organisiert und geordnet, dass der Monteur mit möglichst wenig Aufwand (Laufwegen) den Auftrag am Fahrzeug erfüllen kann? Sind die Arbeitsmittel, Werkzeuge und Maschinen geordnet an einem klar dafür gekennzeichneten Ort verfügbar? ■ Führen die Monteur-Schulungen regelmäßig dazu, die Abläufe in der Werkstatt zu diskutieren und ggf. im Sinne der Rationalisierung zu erneuern? tur entnimmt der Monteur die „Kiste“ mit der entsprechenden Auftragsnummer und kann sofort loslegen – statt sich zeitaufwändig mit der ersten ET-Beschaffung zu beschäftigen. Unnötige Laufwege vermeiden Vor allem größere Betriebe beschäftigen Mitarbeiter, welche die vom Monteur via Sprechfunk angeforderten Teile an dessen Arbeitsplatz bringen, um dem Monteur den Weg zum Teileschalter zu ersparen. Messungen haben bewiesen, dass allein diese Wege (zehn Minuten je Teilegang vom Monteur, zwei bis drei Teilegänge je Auftrag, bei drei bis vier Aufträgen je Tag, multipliziert mit der Anzahl Monteure und Arbeitstage/Jahr) eine sechsstellige Summe ergeben, wenn man für die Berechnung Verkaufspreise je Stunde zugrunde legt. www.autoservicepraxis.de Ein weiterer kleiner Baustein ist die offene Bereitstellung der „C-Teile“ für die Werkstatt inkl. einem „Kleinteile-Verrechnungssystem“, das dem Monteur hilft, Erfassungsarbeiten zu minimieren. Nicht unerwähnt bleiben sollen kleine „Software- Helferlein“, die ebenfalls Arbeitsschritte erleichtern. Beispielhaft soll hier das „Dispometer-System“ (www.autohandelskonzepte.de) genannt sein, mit dem man sich den Weg zu einer zentralen Stempeluhr spart und Wege- und Wartezeiten entfallen. Ordnung spart Zeit Dass ein aufgeräumter Arbeitsplatz schon durch den Wegfall nicht notwendiger Sucharbeiten Zeit spart, muss nicht näher erwähnt werden. Dass man klare Regelungen mit den Monteuren finden muss, die zu einer strukturierten Ausstattung und Ordnung der Werkzeugwagen führt, und dass dies regelmäßig vom Werkstatt-Chef überprüft werden muss, liegt klar auf der Hand. Natürlich gehört dazu auch die komplette Ausstattung der Werkstatt mit den notwendigen Geräten. Ein Punkt dazu soll an dieser Stelle erwähnt werden: Es gibt immer noch reichlich Werkstätten, in denen der Monteur im Falle eines Ölwechsels mit einer Ölkanne wie vor vielen Jahren üblich durch die Werkstatt, zum Beispiel ins Teilelager geht, um hier fünf Liter Motorenöl zu zapfen, und sich damit wieder auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz macht. Über diese rückständige Verfahrensweise kann man heute nur staunen. Natürlich ist eine Alternative mittels moderner Fernölversorgung zu bevorzugen, nicht nur aus Zeit-, sondern auch aus Sicherheitsgründen. Kurz gesagt: Ordnung und Sauberkeit gemeinsam mit einer zeitgemäßen technischen Ausstattung sind die wesentliche Grundlage für rationelles Arbeiten. Dafür muss der Werkstattleiter sorgen. Selbstverständlich sollte zudem die regelmäßige Schulung und Weiterbildung der Techniker sein. Alte Zöpfe abschneiden Seit Jahrzehnten ist es fast schon üblich, dass Kunden frühmorgens ihre Fahrzeuge zum Service in die Werkstatt bringen und spät am Nachmittag fertig abholen. Wenn man die heute üblichen Auftrags-Durchgangszeiten betrachtet (ca. 1,5 - 1,8 Std.), dann ist dies nichts anderes als Verschwendung. Den größten Teil des Tages steht das Fahrzeug auf dem Werkstattgelände herum, ohne dass daran gearbeitet wird. So war es immer schon, aber so muss es nicht bleiben! Volvo hat das „one hour stop system“ eingeführt. Ziel ist es, eine möglichst große Anzahl an Aufträgen in einer Stunde zu erledigen, so dass der Kunde auf die Fertigstellung seines Fahrzeuges warten kann. Das spart dem Kunden eine weitere Anfahrt zur Werkstatt. Der Werkstatt spart dies Ressourcen, zum Beispiel auch Stellplätze auf dem Hof. Möglich wird das durch eine optimale Auftragsvorbereitung mit intensiver Betrachtung der Fahrzeughistorie, penible Ersatzteil-Beschaffung, Dialogannahme bis hin zum Einsatz von gleichzeitig zwei Monteuren am Fahrzeug. Mit einem geteilten Wartungsplan, der ein flüssiges Arbeiten beider Monteure ermöglicht, kann man einen Auftrag in einer Stunde erledigen – Zeit genug, dass sich der Kunde einstweilen ein wenig im Autohaus umsieht. Es gibt viele Punkte, die ein Betrieb rationalisieren kann, jede ersparte Minute bringt nicht nur Zeit, sondern tatsächlich auch Geld. Dieser Aufgabe müssen sich moderne Werkstattleiter stellen. Erwin Wagner ■

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BETRIEBSPRAXIS PARTNERTAGUNG 2016 In die Zukunft wachsen Auf der diesjährigen Motoo-Partnertagung erfuhren die Teilnehmer das Neueste über die Weiterentwicklung des Werkstattsystems und der Systemleistungen. Die Hess Gruppe will weiter wachsen und so die Zukunft sichern. KURZFASSUNG Geschäftsführer Philipp Hess und Systemleiter Marcus Verbeeten sprachen über Marktentwicklungen und aktuelle Zukäufe der Hess Gruppe. Auch das Werkstattsystem Motoo stand im Mittelpunkt. Wo früher hitzige Polit-Debatten stattfanden, herrschte Ende September eitel Sonnenschein. Im alt-ehrwürdigen Plenarsaal des ehemaligen Bundestages in Bonn trafen sich über 300 Teilnehmer zur Motoo-Partnertagung 2016. Geschäftsführer Philipp Hess und Systemleiter Marcus Verbeeten brachten die Großhandels- und Systempartner auf den neuesten Stand in der Entwicklung der Hess Gruppe und des Werkstattsystems. Zur Einleitung beleuchtete Philipp Hess jedoch zunächst aktuelle Tendenzen in der Branche. Im Fokus stand dabei neben der anhaltenden Konsolidierung im Teilehandel vor allem die zunehmende Digitalisierung in Handel und Service. Nach zehn Jahren organischem Wachstum will man jetzt eine aktive Rolle im Teilemarkt übernehmen, die in den letzten Jahren konsequent vorbereitet wurde. „Innerhalb des Teilehandels ist seit einiger Zeit eine beschleunigte Konsolidierung AUTO SERVICE PRAXIS 11/2016 wahrzunehmen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, auch durch gezielte Zukäufe zu wachsen. In diesem Zusammenhang steht beispielsweise die Beteiligung an der Select AG und die jetzige Übernahme der Jakobs Autoteile GmbH & Co. KG“, erklärt Philipp Hess. Onboard-Daten im Fokus Ebenfalls aktiv einbringen will man sich in den aktuellen „Kampf “ um die Nutzungsrechte an den Onboard-Daten aus dem Fahrzeug. Während Hess im Bereich technischer Informationen und Reparaturdaten einen Stand sieht, „der den Werkstätten in vielen Bereichen ein effektives Arbeiten ermöglicht“, geht es in Zukunft vielmehr um die Frage, wer die Hoheit über die Onboard-Informationen hat und welche Steuerungsmaßnahmen sich daraus entwickeln. „Die Nutzung und der Zugriff der Daten muss für alle Marktteilnehmer möglich sein, damit das Recht auf gleichen Zugang zu technischen Informationen gewährleistet wird. Die Hoheit über die Nutzung der Daten muss in der Hand der Fahrzeugbesitzer liegen, die das Recht und die Freiheit haben müssen, zu entscheiden, wer ihre Informationen für Serviceleistungen nutzen soll“, so der Geschäftsführer. Abschließend stellte er noch die neue Eigenmarke Tectimum vor, die den Werkstatt- und Fotos: Hess Geschäftsführer Philipp Hess auf der Motoo-Partnertagung in Bonn Handelspartnern als Alleinstellungsmerkmal dient und bessere Margen beschert als bisherige Zweitmarken. Neue Leistungsbausteine Systemleiter Marcus Verbeeten stellte im zweiten Teil der Tagung das Werkstattsystem Motoo in den Mittelpunkt. Nach den aktuellen Zahlen umfasst das Motoo-Netz jetzt 270 Partner in Deutschland sowie weitere 33 in Serbien, die über einen Franchise-Partner betreut werden. Im Anschluss präsentierte Verbeeten drei Neuerungen bei den Systemleistungen, die die Kundenakquise und -bindung unterstützen sollen. Da wären zunächst die für den Kunden kostenlose Reifenversicherung sowie die Reparaturkostenversicherung Prima, die beide vom Kunden aktiviert werden müssen. Der administrative Aufwand für die Werkstatt beschränkt sich darauf, den Kunden auf das Angebot und die Vorteile hinzuweisen, die Abwicklung erfolgt online bzw. über die Systemzentrale. Marcus Verbeeten: „Der Motoo-Partner kann somit seinem Kunden einen Mehrwert bieten, wird aber mit der Abwicklung der Versicherung nicht belastet. Im Schadenfall erfolgt die Einsteuerung in das Motoo-Netz“. Mit dem neuen Online-Service können sich Motoo-Kunden schließlich unter www.motoo.de zunächst ein unverbindliches Reparaturangebot einholen und anschließend einen Termin vereinbaren. Die Systemzentrale übernimmt die Abwicklung sowie auch die Werbemaßnahmen, die Werkstatt führt nur die Reparatur aus und stellt die Rechnung. „Unsere Motoo- Partner werden zeitlich entlastet und können sich auf ihr Kerngeschäft, die hochwertige Reparatur und Kundenbetreuung vor Ort konzentrieren“, erläutert Systemleiter Marcus Verbeeten abschließend die neuen Leistungsbausteine. Dieter Väthröder ■ www.autoservicepraxis.de

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BUCHTIPP NEUE AUFLAGE VOLLSTÄNDIG ÜBERARBEITET Bestell-Nr.: 099 Hardcover, 16,8 x 24 cm, farbig, 440 Seiten, 6. Auflage 2016 € 89,00 (€ 95,23 inkl. MwSt.) Leseprobe Jetzt gleich bestellen! Tel.: 089/20 30 43 - 1900 Fax: 089/20 30 43 - 2100 eMail: vertriebsservice@springer.com eShop: www.springer-automotive-shop.de Die Zukunft der Automobilwirtschaft – Starten Sie jetzt! W. Diez, S. Reindl, H. Brachat (Hrsg.) Grundlagen der Automobilwirtschaft Das Standardwerk der Automobilbranche In der bereits 6. Auflage dieses Buches geben Ihnen 13 Branchenexperten fundierte Antworten auf aktuelle Fragen und vermitteln Ihnen Orientierung. Neben Basiswissen zu Management-, Rechts-, Personal-, Controlling- und Finanzfragen finden Sie u.a. Informationen zu aktuellen Themen wie: • Aktuelle Einflussfaktoren: Globalisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung • Automobilwirtschaftliche Vertriebssysteme und die Rolle des Automobilhandels • Kundenbeziehungsmanagement und das Internet • Mobilitätsdienstleistungen in der Automobilwirtschaft • Neu: Aftersales-Management im Automobilhandel

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